Erdbeben in Ost-Äthiopien: Ein weiteres Signal aus dem aufreißenden Afar-Dreieck
Ein Erdbeben der Magnitude 4,8 hat am Morgen des 7. Januar 2026 die Afar-Region im Osten Äthiopiens erschüttert. Das Epizentrum lag rund 13 Kilometer westnordwestlich des Ortes Gelemso. Die Herdtiefe wurde vom EMSC mit 10 Kilometern angegeben. Schäden wurden bislang nicht gemeldet, doch das Beben reiht sich ein in eine Serie dynamischer Ereignisse, die zeigen: Der Untergrund der Region ist alles andere als stabil.

Das betroffene Gebiet liegt am östlichen Rand des Main Ethiopian Rift, der wiederum – nicht ganz so untrennbar, wie es scheint – mit dem Afar-Dreieck verbunden ist. Hierbei handelt es sich um eine der geologisch aktivsten Regionen der Erde. Hier treffen drei große Riftzonen aufeinander: der Ostafrikanische Graben, der Rote-Meer-Graben und der Golf-von-Aden-Graben. Afrika wird in diesem Bereich buchstäblich auseinandergezogen. Die Erdkruste ist stark ausgedünnt, heiß und von Störungszonen durchzogen.
Besonders ist, dass diese Dehnung nicht nur durch tektonische Brüche erfolgt, sondern zu einem großen Teil mit magmatischen Prozessen gekoppelt ist: Magma steigt aus dem oberen Mantel auf und dringt als sogenannte Gänge (Dykes) seitlich in die Kruste ein. Dieses Zusammenspiel aus Magmenbewegung und tektonischer Spannung bezeichnet man als vulkanotektonisches Rifting.
Wie aktiv dieses System ist, zeigte sich bereits vor etwa einem Jahr. Damals berichtete Vnet mehrfach über Gangintrusionen im Afar-Dreieck, insbesondere im Bereich des Awash-Beckens zwischen den Vulkanen Fentale und Dofen. Satellitendaten belegten deutliche Bodenhebungen, begleitet von intensiven Erdbebenschwärmen und Rissbildungen. Teilweise erreichten die Beben Magnituden über 5. Zudem kam es zu hydrothermalen Explosionen.
Das aktuelle Erdbeben unterscheidet sich insofern, als es keinen unmittelbaren Hinweis auf eine neue Magmaintrusion gibt. Dennoch steht es im gleichen geodynamischen Kontext. Nach Phasen magmatischer Aktivität folgen häufig Zeiträume, in denen sich verbliebene Spannungen tektonisch entladen. Sollten an gleicher Stelle weitere Beben auftreten, könnte auch Magma wieder seine Finger im Spiel haben.
Für die Bevölkerung sind solche Erdbeben meist wenig erfreulich, für Geowissenschaftler jedoch wertvolle Indikatoren. Sie zeigen, dass der Prozess der kontinentalen Aufspaltung unvermindert anhält. Langfristig betrachtet könnte hier ein neuer Ozean entstehen. Kurzfristig bleibt das Afar- und Rift-System jedoch eine Region, in der Erde, Magma und Spannung immer wieder spürbar in Bewegung geraten.





