Campi Flegrei: Weitere alarmierende Daten veröffentlicht

Campi Flegrei mit weiter steigendem CO₂-zu-H₂O Verhältnis – wahrscheinliche Magma-Akkumulation in der Tiefe

Der Calderavulkan Campi Flegrei südwestlich von Neapel zeigt weiterhin deutliche Anzeichen anhaltender Unruhe. Das jüngst veröffentlichte INGV-Monatsbulletin für Dezember beschreibt eine Situation erhöhter, aber stabiler Aktivität, wie sie das Gebiet seit mehreren Jahren prägt. Die meisten Werte sind stabil, bis auf ein auffallend hohes CO₂-zu-H₂O-Verhältnis.




Im Dezember wurden 348 Erdbeben lokalisiert, überwiegend mit geringer Magnitude. Die Beben konzentrieren sich auf den zentralen Teil der Caldera und stehen im Zusammenhang mit dem anhaltenden Bradyseismus – der langsamen Hebung des Bodens. Geodätische Messungen bestätigen, dass sich der Untergrund weiter hebt, wenn auch ohne abrupte Beschleunigung. Die Hebegeschwindigkeit lag weiterhin bei 25 mm pro Monat. Diese Hebung gilt als Ausdruck eines unterirdischen Druckaufbaus, verursacht durch Fluide und Gase im flachen Untergrund. Seit Beginn der Krise im Jahr 2005 hob sich der Boden um 160 Zentimeter.

Besondere Aufmerksamkeit widmet das Bulletin der Geochemie der Fumarolen, insbesondere im Gebiet Solfatara–Pisciarelli. Hier werden hohe Gasemissionen gemessen, vor allem von Kohlendioxid (CO₂) und Wasserdampf (H₂O). Ein zentraler Parameter ist das Verhältnis von CO₂ zu H₂O. Dieses Verhältnis ist deutlich erhöht und nahm im Dezember weiter zu.

Das CO₂/H₂O-Verhältnis liefert Hinweise auf Prozesse in der Tiefe. Kohlendioxid entgast bereits bei hohem Druck und großer Tiefe, während Wasserdampf erst näher an der Oberfläche freigesetzt wird. Ein vergleichsweise hoher CO₂-Anteil kann daher auf einen stärkeren magmatischen Einfluss oder auf einen Zustrom tiefer Fluide hindeuten. Das Bulletin betont jedoch, dass diese Interpretation nicht eindeutig ist: Auch hydrothermale Prozesse, etwa die Kondensation von Wasserdampf im Untergrund, können das Verhältnis erhöhen, ohne dass frisches Magma aufsteigt.

Die Geoforscher des INGV ziehen daher keine alarmistische Schlussfolgerung. Das erhöhte CO₂/H₂O-Verhältnis wird als Teil eines komplexen, langfristigen Trends verstanden, der mit der allgemeinen Aufheizung und Druckbeaufschlagung des hydrothermalen Systems zusammenhängt. Entscheidend sei die gemeinsame Betrachtung aller Überwachungsdaten – Seismik, Deformation, Gaschemie und Temperatur. Die meisten Parameter haben sich im Dezember nicht mehr erhöht und zeigten teils eine leicht rückläufige Tendenz, was aber auch jahreszeitlich bedingt sein kann, da der Eintrag von viel Regenwasser ins Hydrothermalsystem dieses beeinflussen kann. Die Parameter sind in der Regel weit jenseits der Norm und meiner Meinung nach deutet das seit Monaten steigende CO₂/H₂O-Verhältnis auf eine beschleunigte Magmenakkumulation in Tiefen von mehr als 5 km hin.

Zusammengefasst bleibt die Lage an den Campi Flegrei angespannt. Die Messwerte bestätigen eine anhaltende Unruhe des Systems, liefern jedoch keinen Hinweis auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption.

Shiveluch eruptiert Vulkanasche bis auf 6000 m

Shiveluch eruptiert Vulkanasche auf 6000 m Höhe – VONA-Warnung ausgegeben

Der Vulkan Shiveluch liegt auf der abgelegenen Kamtschatka-Halbinsel und sorgt erneut für Aufmerksamkeit in der globalen Vulkanbeobachtung. Eine Eruption ließ heute eine Aschewolke aufsteigen, die eine Höhe von 6000 m (FL200) erreichte und mit einer Geschwindigkeit von etwa 9 km/h in östlicher Richtung driftete.




Shiveluch-Archivbild

Nach Angaben des VAAC wurde die Aschewolke um 04:58 UTC auf Satellitenfotos gesichtet. Später, um 06:00 UTC konnten die aktuellen Satellitendaten jedoch keine eindeutige Aschewolke mehr nachweisen, weshalb keine Prognosen für die nächsten Stunden erstellt werden konnten und vorerst kein Folgebericht geplant ist. Sollte sich erneut Asche in den Satellitenbildern zeigen, wollen die Behörden jedoch wieder warnen.

Shiveluch gehört zu den aktivsten Vulkanen Kamtschatkas, einer Region, in der Erdbeben und vulkanische Eruptionen regelmäßig häufig auftreten. In den vergangenen Monaten und Jahren haben wiederholte Ausbrüche immer wieder Aschewolken, Lava-Dom-Wachstum und heftige Explosionen produziert.

In den letzten 3 Monaten haben Observatorien mehrfach explosive Aktivität und Warnungen vor aufsteigenden Aschewolken gemeldet – teils mehrere Kilometer hoch und mit Aschefahnen, die Hunderte Kilometer weit drifteten. Trotz dieser Aktivität war es zuletzt aber vergleichsweise ruhig um den Vulkan bestellt gewesen. KVERT bestätigt aber in seinen täglichen Meldungen, dass das Domwachstum im Jungen Shiveluch anhält und von starken Gasemissionen begleitet wird. Der zweite Dom in der älteren-Karan-Gruppe hat seine Aktivität offenbar eingestellt, zumindest taucht er seit einigen Wochen nicht mehr in den Berichten auf. Der larmstatus des Shiveluch steht auf „Orange“.

Der Shiveluch liegt nördlich der zentralen Vulkangruppe Kamtschatkas, zu der die aktiven Vulkane Klyuchevskoy und Bezymianny zählen. Letzterer Vulkan macht durch langsames Domwachstum auf sich aufmerksam Der Klyuchevskoy zeigt aktuell keine Eruptionen.

Anders sieht es am Krasheninninkov aus, der seit dem starkbeben Ende Juli 2025 aktiv ist. Er ist überwiegend effusiv tätig und förderte einen zweiarmigen Lavastrom, der über die Ostflanke des Vulkans fließt. Gelegentlich kommt es zu Ascheemissionen aus dem Gipfelkrater.

Ätna: Status der Eruption unklar

Unklarer Status der Eruption am Ätna – Kontroverse Diskussionen über Sicherheitsmaßnahmen

Der Status der Eruption am Ätna ist aufgrund schlechten Wetters unklar. Bereits gestern hüllten sich der Gipfel und die Ostseite des Vulkans den ganzen Tag in Wolken, sodass visuelle Observierungen via Livecam erfolglos blieben. Am Nachmittag berichtete das INGV allerdings, dass die tiefere Lavafront ihre Aktivität stoppte und abkühlte. Zugleich war es relativ still am Gipfel. Zumindest konnten keine Explosionen gehört werden und auch die Infraschallsensoren registrierten nur Wind. Der Tremor bewegte sich auf mittelhohem bis niedrigem Niveau. Also sprach alles für ein Ende der Eruption. Doch heute Morgen stieg der Tremor wieder bis in den unteren roten Bereich, was ein Indiz dafür ist, dass sich die Gipfelaktivität fortsetzt bzw. wieder einsetzt.

Tremor. © INGV

In den sozialen Medien werden die Sicherheitsmaßnahmen, die von den Verantwortlichen der Kommune Milo in Bezug auf den Zugang zum Eruptionsgebiet im Valle del Bove erlassen wurden, als unverhältnismäßig bis vollkommen übertrieben bezeichnet. Diese Äußerungen stammen sowohl von Vulkanführern als auch von einem uns bekannten Vulkanologen, der sich aber privat äußerte. Zuletzt durften nur noch von zertifizierten Führern geführte Gruppen in das Valle del Bove steigen und sich bis maximal 200 m der Lava nähern. Um 18 Uhr hatten sie sich wieder an der Kontrollstation einzufinden, was bedeutete, dass man schon vor der Dunkelheit das Gebiet des Lavastroms verlassen musste – also bevor es so richtig interessant wird, da die Lava im Dunklen bzw. Dämmerlicht am fotogensten ist.

Langsam dämmert es wohl nicht nur mir, dass wir in einer überkontrollierten Gesellschaft leben, in der es verboten ist, persönliche Risiken einzugehen, aus Angst, dass Behörden und Kommunen auf Entschädigung verklagt werden, sollte was passieren. Diese durchaus begründete Angst ist der aus den USA zu uns übergeschwappten Klagewut zu verdanken, in der jeder hofft, selbst aus Unglücken noch Kapital zu schlagen. Leider ersticken die überbordenden Restriktionen jeden Forscherdrang, eigentlich ein Teil der Persönlichkeit vieler Menschen. Hinzu kommen natürlich noch die Reisepreise, die seit der Pandemie unverhältnismäßig in die Höhe geschossen sind.

Angst und überzogenes Sicherheitsbedürfnis auf der einen Seite, Habgier und Skrupellosigkeit auf der anderen, spiegeln sich leider auch immer mehr in der Politik wider. Das schreibe ich jetzt unbedingt in Bezug auf Italien und den Ätna, sondern auf die große Bühne, wo uns Machthaber voller Psychosen und nahe der Geisteskrankheit langsam aber sicher auf einen dritten Weltkrieg zusteuern!

Mayon: Domwachstum und Aktivitätssteigerung

Mayon zeigt frische Lava am Dom – Zahlreiche pyroklastische Ströme unterwegs

Der philippinische Vulkan Mayon steigerte in den letzten Stunden seine Aktivität weiter und erzeugt am laufenden Band Steinschläge, Schuttlawinen und pyroklastische Dichteströme, die immer größere Gleitstrecken haben. Die Ursache liegt in einem beschleunigten Domwachstum: Auf Livecamaufnahmen erkennt man zwischen den Aschewolken der pyroklastischen Ströme, dass sich am Dom eine neue, schwarze Lavafläche gebildet hat. Hierbei handelt es sich prinzipiell um einen sehr zähen, instabilen Lavastrom, an dem es infolge nachströmender Lava zu ständigen Abbrüchen kommt, die die eingangs beschriebenen Phänomene verursachen.




Mayon

Auch die geophysikalischen Daten von PHIVOLCS spiegeln die gesteigerte Aktivität der letzten 24 Stunden wider. Das seismische Netzwerk registrierte nicht nur ein vulkanotektonisches Erdbeben, sondern auch 162 Steinschlagereignisse, teils gepaart mit Schuttlawinenabgängen, sowie die Signale von 50 pyroklastischen Dichteströmen – eine bemerkenswert hohe Anzahl.

Visuelle Beobachtungen ergaben, dass der Dom am Banaag-Krater heißer geworden ist: Die Rotglut intensivierte sich und war bei günstigen Bedingungen mit bloßem Auge erkennbar. Zuvor konnte sie nur mithilfe eines Teleskops beobachtet werden.

Die Messungen der Schwefeldioxid-Emissionen (SO₂) ergaben am 5. Januar 2026 einen Ausstoß von rund 702 Tonnen pro Tag, was auf eine weiterhin aktive Magmazufuhr hinweist.

Die Eruptionswolke erreichte eine Höhe von etwa 200 Metern über dem Krater. Es handelte sich um eine moderate Emission, wobei die Asche- und Gasfahne in nordöstliche Richtung verfrachtet wurde. Diese Höhenangaben decken sich in etwa mit den zahlreichen VONA-Warnungen für den Flugverkehr, die Vulkanasche in rund 2.700 Metern Höhe detektierten. Zu berücksichtigen ist dabei, dass die Aschewolken von den pyroklastischen Strömen aufsteigen und ihre volle Ausdehnung erst unterhalb des Kraters entfalten, der sich auf 2.462 Metern Höhe über dem Meeresspiegel befindet.

Darüber hinaus zeigen geodätische Messungen eine Inflation des Vulkangebäudes, was auf einen anhaltenden Druckaufbau im Untergrund schließen lässt.

Die Alarmstufe steht seit dem 1. Januar auf Stufe 3, und es gilt eine 6-Kilometer-Sperrzone um den Gipfel des Mayon. Sollten größere pyroklastische Ströme entstehen, könnten diese das Sperrgebiet verlassen. Besondere Gefahr besteht entlang von Schluchten und Flussläufen.

Fuego eruptiert in kurzer Frequenz

Fuego in Aktion. © Afar-TV-Livestream

Fuego eruptiert Asche und Lava – Eruptionen erfolgen schnell hintereinander

In Guatemala ist der Fuego weiterhin sehr aktiv und eruptiert in schneller Frequenz strombolianisch. Dab steigen Aschewolken bis auf 5200 m Höhe (FL170) auf und verteilen sich in Richtung Westen und regnen über bewohntem Gebiet ab. Glühende Tephra wird bis zu 200 m hoch ausgeworfen. Im Gipfelkrater sind mehrere Schlote aktiv, die abwechselnd feuern, wobei ein Schlot recht schräg schießt, so dass die glühende Tephra auf den Südwesthang fällt und in Form von glühenden Schuttlawinen fast bis zur Vegetationsgrenze hinabrollt.  INSIVUMEH veröffentlichte heute eine Satellitenaufnahme von Landsat 9, die die Glutspur einer solchen Schuttlawine zeigt.

Auf dem AFAR-TV-Livestream lassen sich die Eruptionen sehr schön beobachten. Sie folgen teilweise in kurzem Abstand von nur wenigen Minuten aufeinander, wobei nicht jeder Ausbruch eine weit hinreichende Schuttlawine erzeugt.

Fuego

Dem letzten Bericht der Vulkanologen vom 7. Januar mit Beobachtungen vom Vortag ist zu entnehmen, dass der Fuego schwache, mittelstarke und starke Explosionen erzeugte und etwa 8 bis 12 Mal pro Stunde eruptierte. Dabei stiegen Gas- und Aschewolken bis auf eine Höhe von rund 4.800 Metern über dem Meeresspiegel und wurden vom Wind in Richtung Westen getragen. Dadurch kam es in San Pedro Yepocapa sowie in den umliegenden ländlichen Gemeinden zu leichtem Ascheregen. Lavafragmente wurden bis zu 200 Meter hoch über den Kraterrand geschleudert und fielen rund um den Vulkan sowie in die oberen Abschnitte der Schluchten Santa Teresa, Ceniza und Las Lajas und erreichten teilweise den Rand der Vegetation. Diese vulkanische Aktivität wurde von Grollen, Druckwellen und lauten Geräuschen begleitet, die an den Klang einer Lokomotive erinnerten und in den nahegelegenen Ortschaften zu hören waren.

Mit dem Santiaguito ist ein weiterer Vulkan in Guatemala aktiv. Er förderte zuletzt kleinere Aschewolken, die bis auf eine Höhe von 4100 m aufstiegen und ebenfalls nach Westen verfrachtet wurden. Die Explosionen traten weniger häufig als am Fuego auf: Pro Stunde wurden bis zu 2 Eruptionen gezählt. Es kommt zu Steinschlägen und Schuttlawinen auf den Domflanken.