Schwaches Erdbeben Mb 2,7 im Westen von New South Wales registriert – tektonische Spannungen im Inneren Australiens
Gestern wurde im Westen des australischen Bundesstaates New South Wales ein schwaches Erdbeben der Magnitude 2,7 registriert. Das Erdbeben ereignete sich am 26. April um 15:12:14 UTC. Sein Hypozentrum lag in etwa 10 km Tiefe bei den Koordinaten 30,650°S / 141,224°E, rund 148 km nordnordwestlich von Broken Hill -wo es bekannte Erzlagerstätten gibt -und etwa 535 km nordnordöstlich von Adelaide. Aufgrund der geringen Magnitude war das Beben für die Bevölkerung wahrscheinlich nicht spürbar gewesen und wurde ausschließlich von seismischen Messstationen erfasst. Dennoch ist es von geologischem Interesse und liefert mir Gelegenheit, etwas über Tektonik und Vulkane Australiens zu schreiben.

Das Erdbeben manifestierte sich im Inneren der Indo-Australischen Platte, weit entfernt von aktiven Plattengrenzen des Pazifiks. Erdbeben in dieser Region entstehen nicht durch Kollisionen zwischen Platten, sondern durch die Reaktivierung alter, tiefreichender Störungszonen in der als stabil geltenden kontinentalen Kruste. Der Bereich um Broken Hill ist Teil eines sehr alten kristallinen Grundgebirges, das über Milliarden Jahre hinweg mehrfach deformiert wurde, wobei sich Nord-Süd-verlaufende Störungen entwickelten. Diese Strukturen wirken heute als Schwächezonen, in denen sich die durch die Plattenbewegung erzeugten Spannungen gelegentlich entladen.
Solche intraplatten Erdbeben sind in Australien selten, ihr gelegentliches Auftreten gilt nicht als besorgniserregend. Die Spannungen resultieren aus Fernkräften der Plattenränder, insbesondere der Kollision im Norden Richtung Indonesien sowie komplexen Spannungsfeldern im Südwestpazifik.
Erdbeben unweit australischer Vulkanzone
Im weiteren regionalen Kontext ist Australien zudem geologisch keineswegs vollständig inaktiv. Im Südosten des Kontinents und in relativer Nähe des Epizentrums liegt die sogenannte „Newer Volcanics Province“, ein ausgedehntes Vulkanfeld mit rund 400 kleinen Vulkanen. Dieses Feld umfasst Mount Gambier und Mount Schank und ist geologisch betrachtet sehr jung – die jüngsten Eruptionen ereigneten sich vor etwa 5.000 Jahren im Holozän. Der Vulkanismus äußerte sich überwiegend in Form kleiner Schlackenkegel, Maare und Lavaflüsse und war nur wenig explosiv. Die Newer-Vulkanprovinz ähnelt dem Vulkanfeld der deutschen Westeifel und weist sogar jüngere Aktivität auf und könnte eines Tages wieder ausbrechen.
Erdbeben und Vulkane im Inneren Australiens zeigen, dass der Kontinent trotz seiner tektonischen Stabilität weiterhin von inneren Spannungs- und Mantelprozessen geprägt ist.