Kamtschatka: Doppelter Vulkanausbruch

Doppelter Vulkanausbruch auf Kamtschatka: Bezymianny und Klyuchevskoy zeitgleich aktiv

Auf der russischen Halbinsel Kamtschatka kam es in den frühen Morgenstunden des 16. Mai zu einem doppelten Vulkanausbruch der Vulkane Bezymianny und Klyuchevskoy. Die Höhe der Ascheemission des letzteren Vulkans wurde mit 7300 m angegeben, während die Asche des Bezymianny gut 3000 m hoch aufstieg. Beide Wolken breiteten sich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit in Richtung Südosten aus. Zunächst vermutete ich, dass eine Aschewolke vom Bezymianny – der seit mehreren Tagen aktiv ist – dem Klyuchevskoy fälschlicherweise zugeordnet wurde. Doch die Driftrichtung der Aschewolken schließt das aus, da der Klyuchevskoy nordwestlich des Bezymianny liegt. Außerdem lässt sich auf Livecam-Aufnahmen schwache Rotglut an beiden Feuerbergen erkennen. Man kann daher davon ausgehen, dass der Klyuchevskoy aus seiner Ruhephase erwacht ist.

Laut der VONA-Warnung des VAAC Tokio eruptierte der Klyuchevskoy um 08:13 UTC und stieß dabei die Aschewolke mit den bekannten Daten aus. Die Emission bewegte sich zunächst langsam mit etwa 9 km/h nach Südosten, wurde jedoch bald von Satelliten nicht mehr eindeutig erfasst. Der 4754 m hohe Klyuchevskoy ist einer der aktivsten Stratovulkane Eurasiens und zugleich der höchste aktive Vulkan der größten zusammenhängenden Landmasse der Erde.

Nur zehn Kilometer entfernt zeigte der Bezymianny anhaltende Aktivität. Dort wurde bereits um 04:13 UTC eine lang anhaltende Ascheemission registriert, die sich bis auf 3000 Meter Höhe erstreckte und mit etwa 38 km/h ostwärts driftete. Der Vulkan ist bekannt für seine oft länger andauernden Ausbrüche, die mit Domwachstum und Kollapsereignissen am Lavadom zusammenhängen, wobei es auch zu starken Explosionen kommen kann.

Die zeitliche Abfolge legt nahe, dass es sich um zwei getrennte Ereignisse handelt, auch wenn die räumliche Nähe der beiden Vulkane – sie gehören derselben vulkanischen Gruppe an – die Analyse erschwert. In der Fernerkundung können sich Aschewolken überlagern, was eine eindeutige Zuordnung auf Satellitenbildern kompliziert macht.

Vulkanologen schließen daher eine Verwechslung nicht völlig aus, halten sie aber für unwahrscheinlich. Vielmehr deuten die Daten auf eine kurzfristige gleichzeitige Aktivität zweier unterschiedlicher Fördersysteme hin – ein seltenes, aber für Kamtschatka nicht untypisches Schauspiel.

Mit den Vulkanen Krasheninnikov und Shiveluch sind auf Kamtschatka aktuell vier Vulkane aktiv. Ersterer fördert einen Lavastrom, letzterer einen Lavadom, in dessen Nordsektor sich ein neuer Lavablock aus dem Boden schiebt.