Piton Fournaise: Eruption im Norden der Caldera hält an

Vulkanausbruch am Piton de la Fournaise geht weiter: Spalteneruption auf der Nordflanke

Der Vulkanausbruch am Piton de la Fournaise, der gestern begann, geht auch heute weiter. Von den anfänglich 4 Eruptionsspalten sind noch mindestens zwei aktiv. Während die kleinste Spalte ihre Aktivität bereits einstellte, gibt es zu einer dritten Spalte widersprüchliche Nachrichten. Dem Ausbruch war eine seismische Krise mit schneller Bodenhebung vorausgegangen, die sich innerhalb weniger Stunden zu dem Ausbruch entwickelte. Die Aktivität bleibt bislang auf den unbewohnten Bereich der Enclos-Fouqué-Caldera beschränkt.




Die Eruption begann am Sonntagabend, dem 18. Januar. Ab etwa 19:42 Uhr Ortszeit wurde ein anhaltender vulkanischer Tremor gemessen. Wenige Minuten später zeigten die Überwachungskameras die ersten sichtbaren Anzeichen der Eruption. Die drei Eruptionsspalten öffneten sich nacheinander an der Nordflanke des Vulkankegels Dolomieu innerhalb der Enclos-Fouqué-Caldera. Der Prozess der Spaltenöffnungen dauerte ca. eine Stunde und war gegen 21:00 Uhr beendet. Die am weitesten talwärts gelegene Spalte liegt rund 700 Meter vom nördlichen Rand der Caldera entfernt.

Das OVPF hob die Warnstufe auf Alarm 2-1 an, was einem Ausbruch innerhalb des Naturschutzgebiets ohne unmittelbare Gefährdung von Bevölkerung oder Infrastruktur entspricht.

Am Morgen des 19. Januar war der Ausbruch weiterhin aktiv. Drei Spalten zeigten noch Aktivität, während eine Spalte in der Nähe des Piton Jacob heute Morgen inaktiv war. An den beiden aktivsten Öffnungen hatten sich durch anhaltende Lavaströme kleine Schlackenkegel aufgebaut. Die Lavafontänen blieben vergleichsweise niedrig und erreichten Höhen von maximal 20 Metern.

Die Lavaströme bewegten sich langsam über den Boden der Caldera. Gegen 6:28 Uhr Ortszeit lag die Front des Hauptstroms rund 600 Meter oberhalb der Grandes-Pentes-Verwerfung. Das Material bestand überwiegend aus zähfließender Lava. Mit Hilfe von Satellitendaten konnte die Förderrate in den vergangenen 24 Stunden auf Werte zwischen 2 und 27 Kubikmetern pro Sekunde abgeschätzt werden.

Auch seismisch bleibt der Vulkan aktiv. Zwar nahm die Stärke des vulkanischen Tremors nach einem ersten Höhepunkt am Abend ab, in den frühen Morgenstunden stabilisierte er sich aber auf einem mittelstarken Niveau. Zusätzlich werden weiterhin durchschnittlich rund zehn vulkanotektonische Erdbeben pro Stunde registriert. Nach Einschätzung des OVPF ist daher die Öffnung weiterer Spalten nicht ausgeschlossen. Sie könnten sich insbesondere weiter hangabwärts öffnen.