Sizilien: Mittelstarkes Erdbeben nahe der Nordküste

Sizilien. © EMSC

Erdbeben Mb 4,2 vor der Nordküste von Sizilien: Moderate Erschütterung von Anwohnern gespürt

Datum: 18.01.2026 | Zeit: 13:54:16 UTC | Koordinaten 38.039 ; 14,675 | Tiefe: 8 km | Mb 4,2




In den letzten Tagen gab es auf und um Sizilien herum mehrere mittelstarke Erdbeben. Die meisten ereigneten sich im Ionischen Meer östlich von Sizilien, aber auch die Ätna-Region geriet zusehends unter Spannungen. Gestern manifestierte sich nun in 8 Kilometern Tiefe ein Erdstoß der Magnitude 4,2 nahe der Nordküste. Das Epizentrum lag rund 13 Kilometer süd-südwestlich von Capo d’Orlando bei Milazzo und etwa 70 Kilometer nordwestlich von Catania, in der Provinz Messina. Milazzo ist als das Tor zu den Liparischen Inseln bekannt, wo die beiden Vulkane Vulcano und Stromboli liegen. Es gab insgesamt 12 Nachbeben. Das stärkste hatte eine Magnitude 3,5.

Die Erschütterung wurde in weiten Teilen Nord- und Ostsiziliens wahrgenommen. Zahlreiche Einwohner des nächstgelegenen Dorfes Alcara Li Fusi berichteten von grollenden Geräuschen und deutlich spürbaren Vibrationen, klirrenden Fenstern, schlagenden Türen und schwankenden Gegenständen. Auch aus Städten wie Sant’Agata di Militello und Capo d’Orlando gingen Meldungen ein. Die vergleichsweise geringe Herdtiefe von etwa acht Kilometern verstärkte die Wahrnehmung an der Oberfläche.

Nach Angaben der Zivilschutzbehörden und lokaler Medien wurden bislang keine Verletzten oder größere Schäden gemeldet. Dennoch sorgte die plötzliche Erschütterung bei vielen Menschen für Verunsicherung, einige flüchteten aus Angst vor einem stärkeren Erdbeben aus ihren Häuser. Schulen, Verkehrswege und kritische Infrastrukturen blieben unbeeinträchtigt, wurden von Einsatzkräften aber auf Schäden untersucht.

Tektonisch liegt das betroffene Gebiet in einer der komplexesten Zonen des Mittelmeerraums. Nord-Sizilien befindet sich im Einflussbereich der Kollision zwischen der afrikanischen und der eurasischen Platte sowie der Dehnungsprozesse im Tyrrhenischen Becken. Das aktuelle Erdbeben wird nach Einschätzung von Seismologen nicht mit dem nahen Vulkan Ätna in Verbindung gebracht, sondern mit aktiven Störungszonen der oberen Erdkruste. Östlich des Erdbebengebiets liegt die bekannte Capo-d’Orlando-Verwerfung, die grob in Nord-Süd-Richtung verläuft und für die Entstehung des Vulkanismus der Liparischen Inseln mitverantwortlich ist. Sie gehört zu der Nebrodi-Peloritani-Übergangszone, an der sich zwei Gebirgsketten treffen, die mit zum Apennin gehören. Das Beben hat sich an einer dieser Randstörungen dieser Zone ereignet.