Weiterer Lavastrom aus dem Krater des Stromboli – hohe Thermalstrahlung detektiert
Am liparischen Inselvulkan Stromboli, der nördlich von Sizilien im Tyrrhenischen Meer liegt und neben dem Ätna der aktivste Vulkan Europas ist, fließt seit gestern Abend um 22:00 UTC erneut ein Lavastrom aus dem N2-Schlot. Dieser liegt an der basalen Außenseite des Kraters, sodass die Lava direkt über die Sciara del Fuoco abfließen kann. Im oberen Bereich der „Feuerrutsche“ bewegt sich der Lavastrom in einer Schlucht, weshalb er am besten von der Meerseite aus zu beobachten ist.
In sozialen Medien geteilte Drohnenaufnahmen – die ich hier leider nicht einbinden kann – zeigen, dass die Lavafront bereits gut ein Drittel der Berghöhe zurückgelegt hat. Zudem gehen glühende Steinschläge ab, die bis ins Meer reichen. Mehrere Schlote im nördlichen Kratersektor erzeugten nachts gut sichtbare strombolianische Eruptionen. Neben diesen Aufnahmen belegen auch MODIS-Satellitendaten, dass die Aktivität intensiver zu sein scheint als bei den letzten Lavaüberläufen: Während üblicherweise nur moderate Wärmeanomalien detektiert werden, sind die aktuellen Werte hoch. Die Lava emittiert derzeit eine Wärmestrahlung von etwa 109 MW.
Laut den Infraschalldaten des LGS traten vor dem Lavaüberlauf einige vergleichsweise starke Explosionen auf, die einen Infraschalldruck von bis zu 2,1 bar erzeugten. Als normal gelten Werte unter 1 bar. Mit dem Einsetzen des Lavastroms nahm die Explosionsstärke wieder ab, wobei es noch eine Explosion gab, die einen akustischen Druck von 1,3 bar erreichte.
Ein Tremorpeak blieb ebenso aus wie ungewöhnliche Bodendeformationen, sodass keine eindeutigen geophysikalischen Anzeichen für eine stärkere Eskalation der Lage vorliegen – was allerdings nicht ausschließt, dass es dennoch dazu kommen könnte. Die schlechte Vorhersagbarkeit größerer Ereignisse am Stromboli ist ein generelles Problem. Häufig zeigt sich ein größerer aufsteigender Magmakörper bzw. eine Gasblase erst wenige Minuten vor einer Eskalation am Krater, etwa durch eine Versteilung der Vulkanflanke. Oft – aber nicht immer – gehen solchen Ereignissen mehrtägige Phasen kontinuierlichen Lavaspatterings voraus.

