Aktuelle Nachrichten und Analysen zu Vulkanausbrüchen, Erdbeben und Naturkatastrophen
Campi Flegrei
Die Campi Flegrei (Phlegräischen Felder) liegen am Stadtrand der italienischen Metropole Neapel. Der große Calderavulkan hat das Potenzial katastrophale Supervulkan-Eruptionen zu erzeugen.
Erdbebenschwarm in den Campi Flegrei – mehr als 20 Erdbeben während der Nacht
Die süditalienische Caldera Campi Flegrei wurde heute Nacht ein weiteres Mal von einem Erdbebenschwarm erschüttert. Er begann um 01:59 Uhr UTC und dauerte gut 2 Stunden. In dieser Zeit haben sich schwache 23 Einzelbeben zugetragen. Das stärkste hatte eine Magnitude von 1,2 und eine Herdtiefe von 2,6 Kilometern Das Epizentrum lag nördlich der Solfatara, an der Tangentiale. Während gut die Hälfte der Beben in dem gleichen Bereich auftrat, streuten die restlichen über ein größeres Areal um die Solfatara herum. Die Erschütterungen waren zu schwach, um verspürt zu werden. Trotzdem dämpft das erneute Auftreten eines Erdbebenschwarms die Hoffnungen auf ein baldiges Ende der seismo-magmatischen Krise.
Dem heute erschienenen INGV-Bulletin für den Beobachtungszeitraum 1. bis 7. Juni ist zu entnehmen, dass in dieser Periode 116 Erdbeben auftraten. Die Maximalamplitude lag bei Md 1,6. Die meisten Beben spielten sich innerhalb des Hydrothermalsystems ab. Vereinzelte tiefer auftretende Erschütterungen könnten mit Gesteinsbruch im Dach der Caldera zusammenhängen. Aufgrund der weiter fortschreitenden Hebung gerät dieses unter immer größere Spannungen. Die Hebegeschwindigkeit wird weiterhin mit 10 mm pro Monat angegeben.
Die geophysikalischen Messgrößen zeigten keine signifikanten Schwankungen und folgten dem langjährigen Trend der Druckbeaufschlagung. Die Fumarolentemperatur bei Pisciarelli betrug durchschnittlich 95 Grad, die der BG-Fumarole der Solfatara 173 Grad. Betrachtet man hier die Dezimalstellen, bewegte sich die Temperatur im oberen Schwankungsbereich. Der Kohlendioxidausstoß blieb ebenfalls hoch, ohne Spitzenwerte zu erreichen.
Momentan bewegen sich die Parameter zwar weiterhin in einem erhöhten Bereich, zeigen aber keine Eskalation der Situation an. Obwohl die Aktivität geringer als im letzten Jahr ist, in dem es meiner Meinung nach zu mehreren kleinen Magmaintrusionen in 4 bis 5 Kilometern Tiefe kam, gibt es keine Anzeichen einer nachhaltigen Entspannung der Situation. Die für die Krise ursächlich verantwortlichen Prozesse in der Tiefe laufen weiterhin ab und es kann jederzeit zu einer erneuten Steigerung der Begleiterscheinungen wie Erdbeben und beschleunigte Bodenhebung kommen.
Neuer Erdbebenschwarm in den Campi Flegrei: Mehr als 50 Beben seit dem 1. Juni
Ein neuer Erdbebenschwarm erschütterte in den vergangenen Tagen den süditalienischen Calderavulkan Campi Flegrei südwestlich von Neapel. Seit dem 1. Juni wurden dort mehr als 50 schwache Erdbeben registriert. Das INGV teilt diese in mehrere Schwärme auf, was meiner Meinung nach wenig sinnvoll erscheint. Das stärkste Beben ereignete sich gestern Abend und hatte eine Magnitude von 1,7 sowie eine Herdtiefe von 2,9 Kilometern. Das Epizentrum lag an der Tangenziale zu Füßen des Monte Gauro. Der Schwerpunkt der seismischen Aktivität konzentrierte sich hingegen auf das Gebiet des Monte Olibano sowie auf Störungszonen vor der Küste von Pozzuoli.
Die seismische Aktivität folgte dabei dem Muster einer langsamen Intensivierung nach einigen Tagen mit weniger Erdbeben. Die Magnituden und die geringen Tiefen der meisten Erschütterungen deuten darauf hin, dass Prozesse im Hydrothermalsystem der Caldera die Ursache der Seismizität sind.
Mit Verspätung wurde heute auch das INGV-Wochenbulletin für den Beobachtungszeitraum vom 25. bis 31. Mai 2026 veröffentlicht. Das seismische Netzwerk registrierte in dieser Periode 65 Erdbeben, von denen 37 positive Magnituden bis Md 1,9 aufwiesen. Die seismische Aktivität konzentrierte sich überwiegend auf den östlichen Sektor der Caldera, insbesondere auf das Gebiet Agnano–Solfatara–Pisciarelli. Darüber hinaus wurden einige wenige Ereignisse im Golf von Pozzuoli sowie ein einzelnes Erdbeben südlich davon im Offshore-Bereich registriert. Die Hypozentren lagen in Tiefen zwischen etwa 0,9 und 4,0 Kilometern, wobei die meisten Erdbeben in einem Tiefenbereich von 1 bis 3 Kilometern auftraten.
Der Boden hob sich weiterhin mit einer Geschwindigkeit von etwa 10 Millimetern pro Monat, wobei ein Schwankungsbereich von ±3 Millimetern angegeben wird. Zwar führte das starke Erdbeben der Magnitude Md 4,4 vom 21. Mai nicht zu einer signifikanten Beschleunigung der Hebung, dennoch liegt die Heberate seitdem meiner Meinung nach deutlich über dem angegebenen Schwankungsspektrum und nähert sich der Marke von 15 bis 20 Millimetern pro Monat an. Das kann jeder leicht nachvollziehen, indem er die Steigung in der entsprechenden Grafik mit einem Lineal nachmisst und mit der Steigung des 15-Millimeter-Bereichs vergleicht.
Der Kohlendioxidausstoß bleibt weiterhin hoch. Gleiches gilt für die Fumarolentemperaturen, die in Pisciarelli durchschnittlich 95 Grad Celsius und in der Solfatara 173 Grad Celsius erreichten. Der langfristige Trend der Druckbeaufschlagung hält unverändert an.
Meiner Meinung nach besteht derzeit die Gefahr plötzlich auftretender Erdbeben mit Magnituden von mehr als 4,0. Darüber hinaus gehen von Gasausbrüchen, Kohlendioxidansammlungen in Senken und Kellern sowie von phreatischen Explosionen weiterhin latente Gefahren aus.
Neue Studie liefert tiefe Einblicke in das Magmasystem des Calderavulkans Campi Flegrei
Eine neue Studie zu den Campi Flegrei durchleuchtete mit Hilfe weit entfernter Erdbeben den tieferen Untergrund des Calderavulkans und entdeckte in Tiefen zwischen 16 und 33 Kilometern eine magmatische Struktur mit ca. 30 % Schmelzanteil, die als Energielieferant der aktuellen Hebungsphase angesehen wird.
Pozzuoli
Die seit 2005 anhaltende Unruhephase der Campi Flegrei westlich von Neapel zählt zu den am intensivsten überwachten Vulkankrisen Europas. Mitten in der Caldera liegt die Stadt 80.000 Seelen zählende Stadt Pozzuoli, in der erweiterten roten Gefahrenzone leben mehr als 500.000 Menschen. Seit Beginn der Krise hob sich der Boden um gut 165 Zentimeter, wobei sich die Hebungsrate seit 2018 deutlich beschleunigte. Begleitet wird die Deformation von Tausenden Erdbeben. Das stärkste erreichte 2025 eine Magnitude von 4,6 und verursachte leichte Gebäudeschäden und große Unsicherheit bei der Bevölkerung. Gleichzeitig stiegen Kohlendioxid-Ausstoß und Temperaturen in den Fumarolengebieten Solfatara und Pisciarelli auf Rekordwerte seit Beginn der modernen Messungen. Zwar gab es in den Phlegräischen Feldern bereits frühere Hebungsphasen, doch die aktuelle ist die längste bislang beobachtete.
Trotz zahlreicher neuer Forschungsergebnisse hält sich in der Öffentlichkeit weiterhin der Begriff „Bradyseismus“. Ursprünglich beschrieb er lediglich das langsame – vermeindlich tektonisch bedingte-Heben und Senken des Bodens, wurde später aber oft mit hydrothermalen Prozessen erklärt: Eindringendes Meerwasser sollte sich im Untergrund erhitzen, verdampfen und dadurch Druck erzeugen. Heute gilt als wahrscheinlich, dass magmatische Prozesse die eigentliche Energiequelle der Krise darstellen. Das Magma liefert dabei nicht nur die Energie, sondern ihm entströmen auch die Fluide, die aufsteigen und im Hydrothermalsystem den Druck erhöhen. Diese Erkenntnis wird durch praktisch jede wissenschaftliche Studie neueren Datums gestützt und führt den ursprünglichen Bradyseismosbegriff ad absurdum.
Wie das tiefe Fördersystem der Campi Flegrei aufgebaut ist, blieb bislang unklar. Eine neue internationale Studie liefert nun den bisher tiefsten Blick in den Untergrund der Caldera. Die Arbeit wurde als Vorabveröffentlichung in Scientific Reports publiziert und entstand in Zusammenarbeit von Forschenden des spanischen Vulkaninstituts INVOLCAN, des italienischen INGV, der Universidad Complutense de Madrid und der Université de Genève. Unter Leitung von Víctor Ortega-Ramos untersuchte das Team die Architektur des tiefen Magmasystems bis in etwa 50 Kilometer Tiefe.
Grundlage der Studie waren mehr als 5.000 sogenannte Telesismen – seismische Signale entfernter Erdbeben –, die zwischen 2016 und 2022 vom dichten Messnetz der Campi Flegrei registriert wurden. Zum Einsatz kam eine Methode, die in der Vulkanologie bislang nur selten auf Calderas angewandt wurde: sogenannte „Receiver Functions“. Dabei werden seismische Wellen analysiert, die an Materialgrenzen im Erdinneren reflektiert oder umgewandelt werden. Aus ihren Laufzeiten lassen sich Unterschiede in Dichte und Wellengeschwindigkeit rekonstruieren. Die Methode eignet sich besonders für größere Strukturen in tieferen Bereichen der Erdkruste und des oberen Mantels und ähnelt der „Seismischen Tomografie“ die bereits bei vielen geologischen Studien angewendet wurde.
Die mit Hilfe der seismischen Daten erstellten Modellierungen enthüllen kein einzelnes großes Magmareservoir, sondern ein mehrstufiges Fördersystem. In Tiefen zwischen 16 und 33 Kilometern identifizierten die Forschenden eine ausgedehnte Zone ungewöhnlich niedriger seismischer Geschwindigkeiten. Solche „Low Velocity Zones“ gelten als Hinweis auf teilweise geschmolzenes Gestein. Nach den Modellen könnten dort lokal bis zu 30 Prozent Schmelze vorhanden sein und stellt vermutlich die langfristige Quelle der primitiven Magmen dar, die das Vulkansystem speisen.
Darüber hinaus fanden sich Hinweise auf einen möglichen Magmatransportbereich zwischen 10 und 16 Kilometern Tiefe sowie auf eine Zone in etwa acht Kilometern Tiefe, in der Magma zeitweise gestaut bzw. akkumuliert werden könnte. Die Autoren verweisen darauf, dass ihre Methode kleinere und flachere Magmenkörper nur eingeschränkt auflösen kann. Frühere Studien hatten bereits Hinweise auf kleiner Schmelzzonen in lediglich drei bis fünf Kilometern Tiefe geliefert. Die neue Arbeit widerspricht diesen Befunden nicht, sondern ergänzt frühere Modelle um ein Bild der tieferen Strukturen.
Für das Verständnis der Bodendeformationsphase ist das eine wichtige Erkenntnis: Die Studie unterstützt ein Modell, bei dem tiefe Magmazufuhr und flachere hydrothermale Prozesse gekoppelt zusammenwirken. Die Deformationsenergie stammt demnach aus einem tief wurzelnden Magmasystem, während nahe der Oberfläche hydrothermale Fluide Hebungen, Erdbeben und Gasemissionen verstärken. Der sogenannte Bradyseismus scheint damit weniger ein eigenständiges Phänomen zu sein, sondern vielmehr sichtbarer Ausdruck eines dynamischen Magmasystems eines erwachenden Vulkans.
Die Stärke der Studie liegt in der erstmaligen Kartierung der tiefen Energiequelle eines der gefährlichsten Vulkansysteme Europas. Sie liefert zwar keine Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehenden Eruption, bestätigt aber den magmatischen Ursprung der aktuellen Unruhe, die langfristig betrachtet in einem Vulkanausbruch gipfeln könnte.
Quelle: Ortega-Ramos, V., D’Auria, L., Pappalardo, L. et al. “Magma storage depths and crustal-upper mantle structure of the Campi Flegrei caldera (Southern Italy) revealed by receiver function analysis.” Scientific Reports (2026). DOI: 10.1038/s41598-026-51786-3, Lizenz der CC.
Campi-Flegrei-Erdbeben Md 4,4 vom 21. Mai löst erneut wissenschaftliche und politische Kontroverse zum „Bradyseismos“ aus
Das Erdbeben der Magnitude 4,4, das sich am 21. Mai 2026 in den Phlegräischen Feldern mit Epizentrum im Golf von Pozzuoli ereignete, hat eine neue Debatte über den Zustand des vulkanisch aktiven Gebiets ausgelöst. Während die Bevölkerung die Erschütterung deutlich spürte, entbrannte erneut eine wissenschaftliche und politische Kontroverse über Ursachen, Entwicklung und mögliche Zukunftsszenarien des Bradyseismos.
Der Vulkanologe Giuseppe Mastrolorenzo warnte in seiner medialen Analyse davor, das Erdbeben als isoliertes Ereignis zu betrachten. Er meint, die Phase scheinbarer Ruhe der letzten Wochen sei trügerisch gewesen und liefere keinen Grund zur Entwarnung. Bei den Campi Flegrei handele es sich um ein weiterhin aktives, komplexes Vulkansystem. Entscheidend sei, dass keine direkte Korrelation zwischen Bodenhebung und seismischer Aktivität bestehe. Daher seien auch stärkere Erdbeben in Phasen mit verlangsamter Bodenhebung weiterhin möglich. Mastrolorenzo betonte, dass das System seit Jahrzehnten unter Spannung stehe, begleitet von erhöhtem Gasausstoß, thermischen Anomalien und einer langfristigen Bodenhebung. Besonders kritisch sei, dass die aktuelle Phase des Bradyseismos bereits rund 20 Jahre andauere und sich räumlich über die gesamte Caldera erstrecke. Vorherige Hebungsphasen in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts dauerten nur 2 Jahre und beschränkten sich auf ein kleineres Gebiet um Pozzuoli und die Solfatara, allerdings hob sich der Boden in diesen kurzen Phasen deutlich schneller als in der aktuellen.
Politisch reagierte der italienische Zivilschutzminister Nello Musumeci mit dem Hinweis, dass eventuelle Entscheidungen über eine Umsiedlung der Bevölkerung nicht auf nationaler Ebene, sondern durch lokale Behörden getroffen werden müssten. Der Staat stelle jedoch erhebliche Mittel bereit, darunter ein umfangreiches Infrastrukturprogramm für die Region. Gleichzeitig betonte Musumeci die Grenzen staatlicher Kontrolle: Erdbeben könnten nicht verhindert werden, lediglich Vorsorge und Schadensminderung seien möglich.
In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, wie es um die staatliche und kommunale Förderung bzw. Unterstützung der Bürger in der Realität aussieht. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass nach den Erdbeben der letzten beiden Jahre 284 Anträge auf finanzielle Unterstützung für die Reparatur beschädigter Häuser von der Kommune Pozzuoli abgelehnt wurden. Der Hauptgrund dafür waren formale Unstimmigkeiten in den Unterlagen, etwa Unterschiede zwischen Katasterdaten und älteren Bauunterlagen oder kleinere bauliche Abweichungen. Dadurch erhalten viele betroffene Familien keine staatlichen Mittel, obwohl ihre Häuser tatsächlich beschädigt und teilweise unbewohnbar sind. Eine Betroffene hat deshalb öffentlich Kritik geäußert und fordert, die Verfahren wieder zu öffnen, da die Ablehnungen ihrer Meinung nach auf bürokratischen Details beruhen, die korrigierbar wären, während die Betroffenen dringend finanzielle Hilfe benötigen. Speziell der italienische Staat (aber auch Regierungen und Verwaltungen allgemein) ist dafür bekannt, viel zu versprechen, aber wenig bis nichts zu halten. Dafür versickern umso mehr öffentliche Gelder – auch aus EU-Quellen – in mafiose Strukturen auf nimmer Widersehen!
Die Position des Zivilschutzministers Nello Musumeci stieß auf Kritik aus Teilen der Wissenschaft. Der Vulkanologe Giuseppe Luongo warf dem Minister vor, Verantwortung politisch zu delegieren, statt eine langfristige nationale Strategie zu entwickeln. Er argumentierte, frühere Umsiedlungen in den 1970er und 1980er Jahren – etwa im Bereich Rione Terra und im historischen Zentrum von Pozzuoli – hätten keine nachhaltige Risikominderung gebracht, sondern eher zu neuen städtebaulichen und sozialen Problemen geführt. Stattdessen plädierte er für eine strukturelle Neuausrichtung der Region hin zu einer „Stadt der Dienstleistungen und des Kulturtourismus“, die das kulturelle Erbe nutzt und gleichzeitig mit dem Risiko des Vulkansystems koexistiert.
Parallel dazu schilderte der Zivilschutz die Ereignisse des Tages als hochintensiven Einsatzfall. Die Lage wurde unmittelbar nach dem Beben durch regionale und lokale Einheiten bewertet. Freiwillige waren in mehreren Gemeinden präsent, darunter in Bacoli und Acerra, um sowohl technische Erkundung als auch psychologische Unterstützung zu leisten. Zwar blieben große Schäden aus, doch es wurden eingestürzte Ziermauern und abgeplatzter Putz an Gebäuden dokumentiert.
Wissenschaft, Politik und Bürger stehen weiterhin vor enormen Herausforderungen und nach wie vor ungelösten Fragen. In der Roten Zone der Campi Flegrei lebt mehr als eine halbe Million Menschen, die nicht einfach umgesiedelt werden kann. Bei den Campi Flegrei handelt es sich nicht nur um irgendeinen Vulkan, sondern um eine der größten vulkanischen Strukturen des europäischen Kontinents. Man wohnt nicht am Vulkan, sondern im Vulkan, und es ist keine Frage, ob er ausbrechen wird, sondern nur wann und wie groß.
Der Weg zum Ausbruch ist steinig und wahrscheinlich mit großen Verwerfungen gepaart: massive Bodendeformationen, starke Erdbeben und Entgasungen sehen vermutlich auf der Agenda der Campi Flegrei, die auf Jahrzehnte ausgelegt sein könnte. Die Wissenschaft kann den Vulkan beobachten und den „Ist-Zustand“ beschreiben, aber keine Prognosen erstellen. Wie das aktuelle Erdbeben zeigt, ist „Prinzip Hoffnung“ fehl am Platz, zumindest solange, bis es nachhaltige Entspannungszeichen gibt. Aber selbst wenn es dazu kommen sollte, weiß niemand, wie lange die Ruhe währt.
Erdbeben Md 4,4 erschütterte Golf von Pozzuoli – Auf Platz 2 der stärksten Erdbeben in den Campi Flegrei
Datum: 21.05.2026 | Zeit: 03:50:52 UTC | Koordinaten: 40.806 ; 14.106 | Tiefe: 3 km | Md 4,4
In den frühen Morgenstunden des 21. Mai 2026 wurde die süditalienische Caldera Campi Flegrei von einem Erdbeben der Magnitude 4,4 erschüttert. Das Epizentrum lag an einer bekannten Störungszone im Golf von Pozzuoli. Der Erdbebenherd wurde in einer Tiefe von rund 3,1 km lokalisiert. Der Erdstoß ereignete sich um 05:50:52 Uhr MESZ und schreckte zahlreiche Anwohner aus dem Schlaf. Viele bereits wache Menschen gingen aus Sorge vor weiteren, möglicherweise stärkeren Erschütterungen auf die Straßen.
Die Bürgermeister der betroffenen Kommunen, darunter Pozzuoli und Bacoli, aktivierten ihre Krisenstäbe und entsandten Einsatzkräfte zur Schadenskontrolle. Berichte über größere Schäden lagen zunächst nicht vor. Kleinere Schäden sind durchaus möglich, dürften sich jedoch in Grenzen halten, da das Epizentrum offshore im Golf von Pozzuoli lag. Dennoch wurden bereits Schulschließungen angeordnet.
Die Kommentare von Augenzeugen beim EMSC bestätigen die starke Wahrnehmung des Bebens. Ein Bewohner der vorgelagerten Insel Procida, etwa 10 km vom Epizentrum entfernt, schrieb: „Was sleeping in an old building. Everything started shaking and woke us up, even the bed was jumping around.“ Demnach wurde er aus dem Schlaf gerissen; das Gebäude vibrierte so stark, dass selbst das Bett merklich in Bewegung geriet.
Das Erdbeben ereignete sich im Rahmen eines Erdbebenschwarms mit insgesamt 24 registrierten Erschütterungen, von denen die beiden stärksten Magnituden von 2,6 und 1,3 erreichten. Die Epizentren lagen nahe beim Hauptbeben und folgten in kurzem zeitlichen Abstand. Ein massiver Schwarm, wie er bei früheren Ereignissen vergleichbarer Stärke beobachtet wurde, blieb bislang jedoch aus.
Bei den stärkeren Erschütterungen handelte es sich um vulkanotektonische Erdbeben, die mit Gesteinsbruch im Deckelbereich der Caldera in Zusammenhang stehen. Die Störungszone im Golf von Pozzuoli liegt zwar am südwestlichen Randbereich der Caldera und damit etwas abseits des Gebiets mit der stärksten Bodenhebung, gilt jedoch als bedeutende Schwächezone. Dort könnten sich im Zuge zunehmender Spannungen größere Risse ausbilden, die potenziell als Aufstiegswege für hydrothermale Fluide oder – im unwahrscheinlicheren Fall einer Eskalation – auch für Magma dienen könnten.
Zusammen mit zwei weiteren Beben gleicher Stärke teilt sich das aktuelle Ereignis den zweiten Platz der stärksten Erschütterungen im Großraum Pozzuoli, die seit Beginn der aktuellen Bodenhebungsphase im Jahr 2005 registriert wurden. Auch Platz 1 der Liste wird von 2 Beben der gleichen Magnitude angeführt: Die bislang stärksten Beben ereignete sich am 13. März 2025 und am 30. Juni 2025 und erreichten je eine Magnitude von 4,6. Die beiden anderen Erdbeben mit Magnitude 4,4 wurden im Mai 2024 beziehungsweise Mai 2025 registriert. Auffällig ist, dass diese 3 Beben mit einem Jahr Abstand im selben Monat auftraten.
Interessant ist ebenfalls, dass sich in dem gleichen Bereich am Südrand der Caldera-Ringstörung, in dem das Beben heute stattfand, bereits das Beben Md 4,6 manifestiert hatte. Zwei weitere Erschütterungen brachten es auf Md 4,0 und 3,9.
Der starke Erdstoß dürfte den Optimismus einiger Beobachter des Geschehens gedämpft haben, dass die aktuelle Bodenhebungskrise (ich vermeide bewusst den Begriff „Bradyseismos“, da er meiner Meinung nach die tatsächlichen Ursachen des Prozesses hinter der Bodenhebung verschleiert) sich ihrem Ende zuneigt.
Der am Dienstag veröffentlichte INGV-Bericht für den Beobachtungszeitraum 11. bis 17. Mai 2026 bestätigte den langjährigen Trend der Druckerhöhung, auch wenn die Werte keinen Hinweis auf das Erdbeben heute lieferten. Es wurden 32 Beben registriert. Die Bodenhebung lag bei 10 mm pro Monat, der Kohlendioxid-Ausstoß blieb hoch und die Gastemperatur an der BG-Fumarole der Solfatara lag bei 173 Grad, die der Pisciarelli-Hauptfumarole bei 95 Grad.
Persönlich würde ich den Menschen der betroffenen Region Grund zum Optimismus wünschen. Allerdings ist Optimismus in Krisensituationen zwar psychologisch wünschenswert, doch es besteht die Gefahr, selbige nicht zu erkennen und in der Wachsamkeit nachzulassen. Gleichzeitig nimmt in ruhigeren Phasen die politische Aufmerksamkeit ab, was es erschwert Gelder für Schutzmaßnahmen und Verstärkung der Infrastruktur zu bekommen.
Schwarmbeben in den Campi Flegrei am Abend des 17. Mai – stärkste Erschütterung Md 2,3
Am späten Sonntagabend trug sich in der süditalienischen Caldera Campi Flegrei erneut ein Schwarmbeben zu dessen stärkste Einzelerschütterung eine Magnitude 2,3 hatte und sich in 2,4 Kilometern Tiefe im Westen des Solfatara-Kraters abspielte. Das Beben konnte von den Anwohnern des Maars und in Teilen Pozzuolis gespürt werden.
Das Bürgermeisteramt gab in Zusammenarbeit mit dem INGV eine entsprechende Warnung vor dem Schwarmbeben heraus mit dem Hinweis, dass weitere Aktualisierungen folgen werden. Zudem wurde eine Notfalltelefonnummer veröffentlicht, unter der Bürger der Kommune evtl. Schäden melden können.
Das Erdbeben stand nicht am Anfang des Schwarms, der sich aus mehr als einem Dutzend Erschütterungen zusammensetzte, sondern erfolgte an 5. Stelle. Es ist anzunehmen, dass es mit Gesteinsbruch im Zusammenhang stand, der durch aufsteigende Fluide verursacht wurde. Bereits am Vortag nahm die Seismizität zu, obgleich sich der Vulkan nach wie vor in einer vergleichsweise ruhigen Phase befindet, zumindest im Vergleich mit den letzten 2 Jahren. Das bedeutet aber nicht zwingend, dass die Aktivität nun nachlässt, sondern eine erneute Verstärkung wird von vielen Forschern als wahrscheinliches Szenario angesehen.
Tremor der Pisciarelli-Fumarole unterliegt großen Schwankungen
Interessant ist, dass der privat betriebene Wissenschaftsblog ‚Meteovesuvio‘ seit einiger Zeit eine selbst interpretierte Tremorgrafik des Pisciarelli-Gebiets veröffentlicht, die sehr wahrscheinlich aus gefilterten Rohdaten der INGV-Messstation CPIS stammt. Der Tremor – sofern die Daten richtig interpretiert sind – zeigte in den letzten Tagen erhebliche Schwankungen auf: So fiel er am 24. April von fast 6000 Counts auf 500, um dann seit dem 14. Mai kontinuierlich anzusteigen. Aktuell liegt er bei etwa 4000 Counts.
Die ‚Counts‘ sind dimensionslose, digitale Übersetzungen der seismischen Signalamplitude. Die bei Erdbeben auftretenden Bodenbewegungen werden vom Sensor im Gerät zunächst in eine elektrische Spannung (Volt) umgewandelt. Da Computer mit diesen analogen Volt-Angaben nicht direkt arbeiten können, übersetzt ein Wandler sie in digitale Digits bzw. Counts. Je höher die Anzahl der Counts, desto stärker ist das gemessene Signal und damit der Tremor.
Die Counts eines Systems hängen jedoch stark von den individuellen Gerätespezifikationen ab und sind nicht eins zu eins auf andere Messstationen übertragbar. In unserem Fall sagen sie aus, dass es durchaus nennenswerte Schwankungen im Tremor der Pisciarelli-Fumarole gibt. Wodurch diese exakt ausgelöst werden, ist im Detail unbekannt; generell steht ein vulkanischer oder hydrothermaler Tremor jedoch direkt mit Fluidbewegungen (Gase, Wasser oder Magma) im Untergrund in Verbindung.
Spürbares Erdbeben Md 2,6 an der Südbasis des Monte Gauro – Erschütterung trifft sonst ruhigere Region der Campi Flegrei
Datum: 12.05.2026 | Zeit: 14:06:11 UTC | Koordinaten: 40.8397; 14.1065 | Tiefe: 2,9 km | Md 2,6
Am Nachmittag des 12. Mai machte die Caldera der Campi Flegrei um 14:06:11 UTC mit einem spürbaren Erdbeben der Magnitude 2,6 erneut auf sich aufmerksam. Das Epizentrum wurde in einer Gegend lokalisiert, die bislang vergleichsweise selten von Erdbeben betroffen war: an der Tangentiale nahe der Basis des Monte Gauro zwischen Solfatara und Monte Nuovo. Die Herdtiefe betrug 2900 Meter und lag bereits im Deckelbereich der Caldera.
Der Erdstoß stand vermutlich mit Gesteinsbruch infolge aufsteigender Fluide in Zusammenhang und wurde nicht ausschließlich durch Bewegungen von Fluiden im Hydrothermalsystem ausgelöst.
Das Beben verursachte keinen Nachbebenschwarm. Das bedeutet allerdings nicht, dass es der einzige Erdstoß des Tages blieb: Bereits zuvor hatte es zwei Erschütterungen der Magnituden 1,2 und 1,8 gegeben, deren Epizentren an der Küste von Pozzuoli lagen. Insgesamt blieb die Zahl der registrierten Erdbeben mit sechs Ereignissen jedoch überschaubar.
Im gestern veröffentlichten INGV-Wochenbericht für den Beobachtungszeitraum vom 4. bis 10. Mai heißt es, dass im Verlauf der Woche insgesamt 47 Erdbeben registriert wurden. Das stärkste erreichte eine Magnitude von 1,9.
Die Geschwindigkeit der Bodenhebung lag weiterhin bei 10 Millimetern pro Monat. In der Grafik der Rohdaten ist erneut ein kleiner Peak zu erkennen, der auf eine mögliche Beschleunigung hindeuten könnte. Um diese Entwicklung zu bestätigen, sind jedoch weitere Korrekturdaten notwendig, die in den kommenden Tagen erhoben werden.
Die geophysikalischen und geochemischen Parameter des Entgasungsprozesses spiegeln weiterhin den langjährigen Trend einer zunehmenden Druckbeaufschlagung wider. Hinsichtlich Pisciarelli merkten die Vulkanologen an, dass der meteorologische Einfluss wieder zunimmt und sich offenbar verstärkt Regenwasser im System sammelt. Dies könnte auf einen leichten Temperaturrückgang hindeuten. Dennoch wird die Gastemperatur weiterhin durchschnittlich mit 95 Grad angegeben.
Die Drohnenpiloten von Solfatara-News dokumentierten hingegen, dass sich im Bereich der Hauptfumarole ein zweites Entgasungsloch gebildet hat. Zudem seien weiterhin starke Entgasungen zu beobachten, bei denen feste Partikel ausgestoßen werden.
Die Durchschnittstemperatur der Bocca Grande in der Solfatara liegt unverändert bei 173 Grad und folgt damit weiterhin dem langfristigen Trend steigender Temperaturen.
Trotz der moderaten Bodenhebegeschwindigkeit und eines Nachlassens der Seismizität im Vergleich zu den Peaks der letzten beiden Jahre entspannt sich die Situation in den Campi Flegrei nicht und die Aufheizungsphase des Vulkans hält an und kann sich jederzeit wieder beschleunigen. Meiner Meinung nach werden die Peaks von magmatischen Intrusionen in Tiefen von 4–5 Kilometern ausgelöst und können ohne Vorwarnung erneut auftreten, wenn sich vom Hauptmagmenkörper in ca. 8 km Tiefe eine Magmablase löst und aufsteigt, vergleichbar mit dem Wachs in einer Lavalampe.
Campi Flegrei mit leichtem Anstieg der Seismizität – Gasausstoß bleibt hoch
Am süditalienischen Calderavulkan nahm die Seismizität nach einer ruhigen Phase in den letzten drei Tagen wieder etwas zu und es wurden 27 schwache Erdbeben registriert. Der stärkste Erdstoß hatte eine Magnitude von 1,0. Stärker war ein Erdbeben Md 1,9, das sich am 5. Mai kurz vor Mitternacht ereignet hatte und die Erhöhung der Seismizität einläutete. Die Tätigkeit könnte sich in den nächsten Tagen weiter zuspitzen, was in das bisherige Verhaltensmuster des Vulkans passen würde.
Pisciarelli (Archiv)
Die jüngst veröffentlichten Überwachungsdaten für den April zeichnen ein komplexes Bild: Einerseits scheint sich die Dynamik des Bradyseismus im Frühjahr 2026 etwas verlangsamt zu haben, andererseits bleiben zentrale geochemische und geophysikalische Parameter weiterhin auf hohem Niveau und bestätigen den langjährigen Trend der Druckbeaufschlagung. Die Frage, ob sich die Caldera tatsächlich beruhigt oder lediglich eine weitere Phase zyklischer Schwankungen durchläuft, beschäftigt derzeit Geowissenschaftler und Hobbyvulkanologen gleichermaßen und ist natürlich auch für die Anwohner der Caldera von großem Interesse.
Aus dem INGV-Bulletin für den April geht hervor, dass sich insgesamt 314 Erdbeben ereigneten, die meisten konzentrierten sich auf 2 Schwarmbeben Anfang des Monats. Das stärkste Erdbeben am 8. April hatte eine Magnitude von Md 3,4. Im Vergleich zu den besonders intensiven Monaten in 2025 bedeutet dies zwar einen Rückgang der seismischen Aktivität, doch bleibt die Zahl der registrierten Ereignisse im langjährigen Vergleich deutlich erhöht. Seit 2018 dokumentieren die Wissenschaftler einen langfristigen Trend zunehmender Seismizität, sowohl hinsichtlich der Anzahl der Beben als auch der freigesetzten Energie.
Besonders auffällig ist die Entwicklung der Bodenhebung. Im Frühjahr 2025 steigerte sie sich temporär auf 30 Millimeter pro Monat. Seitdem sank sie zunächst auf 25 Millimeter und liegt seit Februar 2026 nur noch bei rund 10 Millimetern pro Monat. Insgesamt hob sich der Boden im Zentrum der Caldera seit Beginn der aktuellen Unruhephase im Jahr 2005 bereits um 165 Zentimeter. Mehr, als in den Hebungsphasen des letzten Jahrhunderts festgestellt wurden.
Kohlendioxid Pisciarelli
Im Bereich des Doms am Monte Olibano sind die Bodendeformationen besonders stark ausgeprägt und verhalten sich anders als in den anderen Hebungsbereichen: Die GNSS- und Tiltmeterdaten zeigen seit einiger Zeit Abweichungen vom „normalen“ radialen Hebungsmuster. Die Anomalie könnte auf anders ablaufende Druckprozesse im Untergrund hindeuten, die möglicherweise von einer Fluidansammlung in geringerer Tiefe verursacht werden.
Für viele Beobachter wirken die Verlangsamung der Bodenhebung und die Verringerung der Seismizität wie ein Zeichen der Entspannung. Doch die geochemischen Daten zeigen, dass es sich um eine trügerische Ruhe handeln könnte: Das hydrothermale System unter der Solfatara unterliegt weiterhin einer fortschreitenden Erwärmung und Druckzunahme. Besonders die hohe Konzentration von Kohlenmonoxid in den Fumarolen gilt als wichtiger Temperaturindikator. Nach Berechnungen des INGV stieg die Temperatur des oberflächennahen hydrothermalen Systems seit den frühen 2000er-Jahren von etwa 215 auf 255 Grad Celsius an. Im Bereich der Solfatara kletterte des Ausstoß an CO₂ um 100 Tonnen am Tag auf 1300 t/d. Das ist z.B. deutlich höher als am eruptierenden Stromboli, wo aktuell ca. 520 Tonnen des Gases am Tag austreten.
Die Gaszusammensetzung deutet weiterhin auf einen starken magmatischen Einfluss hin. Hohe CO₂/H₂O-Verhältnisse sowie Veränderungen der Schwefelgeochemie werden von den Forschern als mögliche Hinweise auf die Entgasung eines aufsteigenden Magmenkörpers in ca. 6 Kilometern Tiefe interpretiert. Gleichzeitig nehmen in Pisciarelli die Schwierigkeiten beim Monitoring zu: Die Schlamm- und Fumarolenzonen haben sich so stark erweitert, dass einige Messpunkte inzwischen nicht mehr sicher zugänglich sind.
Betrachtet man die Daten, erscheint es derzeit unwahrscheinlich, dass die Campi Flegrei in eine echte Ruhephase eintreten. Vielmehr sprechen die Werte für zyklische Fluktuationen innerhalb einer anhaltenden Unruheperiode. Solche zyklischen Entwicklungen sind für große hydrothermal geprägte Calderavulkane typisch.
Drohnenpilot vermutet kleine hydrothermale Explosion bei Pisciarelli – starke Entgasungen bestätigt
Das Thermalgebiet von Pisciarelli in den Campi Flegrei steht im Verdacht, eine kleine hydrothermale Explosion erzeugt zu haben. Diesen Verdacht sprach ein Drohnenpilot des YT-Kanals „Solfatara News“ aus, der seine Drohne ganz nahe an die Hauptfumarole des Thermalgebiets auf der Außenseite der Nordostflanke des Solfatarakraters gesteuert hatte. Im Tiefflug entdeckte er dunkles Material auf dem ausgetrockneten Schlamm des Thermalgebiets, von dem der Pilot annimmt, dass es infolge einer Eruption ausgeworfen worden war.
Zudem meint der namentlich nicht genannte Modellflieger, dass die Entgasungen der Hauptfumarole deutlich stärker geworden seien, weil seine Drohne nach dem Flug mit feinem, ausgestoßenen Schlamm bedeckt gewesen war und dass das Reinigen des Fluggeräts Stunden gedauert hätte. Auf seinem Video ist zu erkennen, dass das Schlammbecken um die Fumarole ausgetrocknet ist. Ich vermute, dass sich im Schlot noch Flüssigkeit befindet, die in einem feinen Sprühregen mit dem Gas ausgestoßen wurde, der sonst vom Schlamm im Becken zurückgehalten wird. Durch die fehlende Auflast des Schlamms erscheinen die Entgasungen zudem stärker. Dennoch ist es nicht von der Hand zuweisen, dass sich eine schwache hydrothermale Explosion ereignet haben könnte, die Schlamm einige Meter weit auswarf.
Kohlendioxid
Der aktuelle INGV-Wochenbericht für den Beobachtungszeitraum 27.04. bis 03.05. bestätigt, dass die Entgasungen bzw. der Kohlendioxid-Ausstoß aus Pisciarelli in den letzten Wochen wieder zugenommen hat, nachdem er Anfang des Jahres leicht rückläufig war. Die an der Station FLXOV8 gemessenen CO₂-Werte markierten zeitweise sogar neue Spitzenwerte. Die Gastemperatur lag weiterhin bei 95 Grad.
Die Bocca Grande in der Solfatara setzte den langsamen Erwärmungstrend der Fumarolengase weiter fort, wobei die Schwankungen im Dezimalbereich liegen und sich in den wöchentlichen Statistiken kaum bemerkbar machen.
Obwohl die Messungen den langjährigen Trend der Druckbeaufschlagung des Systems bestätigen, scheinen die geringe Seismizität der letzten Tage und die moderate Hebegeschwindigkeit von 10 mm pro Monat nicht zu diesem Trend zu passen. Sie deuten gegenüber der Hochphase dieser Parameter im letzten Jahr nun eher eine langsame Beruhigung des Systems an, doch wie jüngste Studien ergaben, kann dieser Eindruck täuschen.