Campi Flegrei: Schwarmbeben am 7. Juli

Neues Schwarmbeben erschüttert Campi Flegrei – Studie entdeckt neue Bruchzone

Es herrschen weiterhin unruhige Zeiten in den süditalienischen Campi Flegrei: Gestern wurde der Calderavulkan von einem weiteren Schwarmbeben erschüttert. Es bestand aus über 30 Einzelbeben geringer Magnituden. Das stärkste Beben hatte eine Magnitude von 2,0 und lag an der Küste südöstlich der Solfatara. Mehrere Beben gab es auch wieder im Golf von Pozzuoli, genauer, vor der Küste von Bagnoli. Dort gab es zuletzt einige Beben mit Magnituden größer 2.

In den letzten Tagen wurde auch eine weitere Studie zum Bradyseismos veröffentlicht, die eben in dieser Zone eine bisher unidentifizierte Verwerfung lokalisierte. Sie wird La Pietra genannt und zeichnete sich für das Erdbeben Mb 4,2 vom 27. September 2023 verantwortlich. Aufgrund der Ausdehnung der identifizierten seismologischen Strukturen schätzten die Autoren der Studie, dass unter ähnlichen Spannungsbedingungen ein Erdbeben mit einer maximalen Magnitude von etwa 5 auftreten könnte.




Die Studie wurde unter der Leitung von Professor Zollo durchgeführt. Die Wissenschaftler entwickelten eine neue Technik, um die Seismizität der letzten zehn Jahre zu kartieren. Diese Technik kombiniert seismologische Daten, geophysikalische Parameter und geologische Informationen des Untersuchungsgebiets, wodurch hochpräzise Erdbebenpositionen ermittelt und aktivierte Störungszonen der inneren Caldera aufgedeckt werden konnten.

Die Methode ermöglichte es, den genauen Ursprungsort von etwa 9000 Erdbeben zu bestimmen und ist deutlich genauer als herkömmliche Methoden. Dank dieser hohen Auflösung konnten verschiedene Bruchzonen während der aktuellen seismischen Krise identifiziert werden. Großmaßstäblich zeigt sich eine fast elliptische Verteilung der Seismizität, während auf kleineren Skalen komplexere und variablere seismische Brüche sichtbar wurden.

Die präzise Lokalisierung der Erdbeben während der aktuellen bradyseismischen Krise ergab eine maximale Tiefe der Epizentren von etwa 3-4 km. Größere Erdbeben ereigneten sich in der Regel in größeren Tiefen. Die räumliche Verteilung der Seismizität stimmte gut mit bekannten Oberflächenverwerfungen überein, die im Laufe der tausendjährigen Geschichte des Vulkans aktiviert wurden.

Campi Flegrei: Caldera kommt auch im Juli nicht zur Ruhe

Neue Erdbebenserie erschüttert die Campi Flegrei Anfang Juli – Bodenhebung geht weiter

Der süditalienische Calderavulkan wurde heute Nachmittag wieder von mehreren Erdbeben erschüttert: Die vier stärksten Beben hatten Magnituden zwischen 2,9 und 2,5. Die Erdbebenherde streuten zwischen 3,2 und 2,2 Kilometern. Die Epizentren lagen vor der Ostküste des Golfs von Pozzuoli, in einer Gegend, in der es bis jetzt nicht ganz so viele Erdbeben gegeben hat. Obwohl die Magnituden der Beben kleiner als 3 waren und somit unter der eigentlichen Wahrnehmungsschwelle lagen, wurden sie von den Anwohnern der Caldera gespürt. Dieser Umstand dürfte den geringen Tiefen der Hypozenten geschuldet gewesen sein. Insgesamt hat es seit Gestern 34 Erschütterungen gegeben. Die Beben lagen im unteren Bereich des Hydrothermalsystems und könnten von ihren Magnituden her bereits von Rissbildung bzw. Gesteinsbruch infolge von Fluidbewegungen zeugen und wurden nicht nur von sich bewegenden Fluiden in lockeren Ablagerungen ausgelöst.

In der Vorwoche wies die Caldera eine normale Seismizität auf, ohne dass es irgendwelche Highlights gegeben hätte. Zwischen dem 24. und 30. Juni wurden 69 Erschütterungen registriert. Die Stärkste hatte eine Magnitude von 2,0. Die meisten Beben manifestierten sich im Bereich der Solfatara.

Grundsätzlich stehen die Erdbeben mit dem Aufstieg magmatischer Fluide im Zusammenhang, die aus größerer Tiefe aufsteigen und sich im Hydrothermalsystem sammeln. Ein Teil der Gase und Flüssigkeiten tritt an der Oberfläche aus. Der Rest verbleibt im Untergrund und verursacht die anhaltende Bodenhebung. Laut des jüngsten INGV-Bulletins lag sie auch in der letzten Woche bei 2 Zentimetern pro Monat. Nahezu unverändert zeigten sich auch die anderen geophysikalischen und chemischen Parameter. Die Gastemperatur der Pisciarelli-Fumarole lag bei 95 Grad.

Übrigens, wo wir schon bei den Vulkanen Süditaliens sind: Unter dem Gipfel des Strombolis ereignete sich am 30. Juni ein weiterer schwacher Erdstoß.

Campi Flegrei: Notfallübung verlief entäuschend

Notfallübung zu einem simulierten Erdbeben in der Campi Flegrei stieß auf wenig Interesse bei der Bevölkerung

Die Erde bebt, Häuser und Straßen werden beschädigt und giftige Vulkangase treten aus. Menschen rennen in Panik auf die Straßen und versuchen, aus einstürzenden Altbauten zu flüchten. Dabei stürzen Fassadenteile und Dachziegel auf die Straßen. Flüchtende werden am Kopf getroffen und rennen blutüberströmt durch die engen Gassen der Stadt Richtung Meer, wo in Windeseile Notunterkünfte und Evakuierungszentren eingerichtet werden. Durch geborstene Gasleitungen strömt Gas und es kommt zu Explosionen, Glassplitter fliegen umher und verletzen zahlreiche Personen.

So ähnlich könnte es sich abspielen, sollte sich in Pozzuoli und umliegenden Gemeinden im Einzugsbereich des Calderavulkans Campi Flegrei ein stärkeres Erdbeben ereignen. Das bisher stärkste Erdbeben der aktuellen Bodenhebungsphase in den Phlegräischen Feldern manifestierte sich im Mai und hatte eine Magnitude von 4,4. Erdbeben dieser Stärke verursachen meistens nur geringe Schäden. Anders sieht es bei Erschütterungen mit Magnituden im Fünferbereich aus, die durch vulkanische Prozesse durchaus ausgelöst werden können. Daher luden Kommunalverwaltung und Zivilschutz zu einer Notfallübung ein, die am Dienstag und Mittwoch dieser Woche durchgeführt wurde. Tagelang wurde in den Medien und vor Ort dafür geworben, und es lagen Listen aus, in denen sich bis zu 250 Bürger registrieren konnten, die an der Übung teilnehmen wollten. Einige Anwohner wurden von den Behörden direkt zur Teilnahme eingeladen.

Die Übung startete dann am Dienstag bei schönstem Wetter. Zuerst übte man die internen Abläufe bei den Behörden und Verwaltungen, die im Notfall in Kraft treten. Später sollten dann die Bürger in die Übung einbezogen werden. Doch leider lag man lieber am Strand, als sich in einem stickigen Zelt versorgen zu lassen oder mit einem Bus aus dem simulierten Erdbebengebiet evakuiert zu werden. Je nach Quelle ist von 30 bis 60 Freiwilligen die Rede, die der Aufforderung zur Übungsteilnahme folgten. Informationszelte an der Küstenpromenade registrierten lediglich vier Besucher. In den Medien wurde die Übung als Reinfall bezeichnet. Auch Fabrizio Curcio, der Leiter des Zivilschutzes, zeigte sich enttäuscht und machte mangelnde Aufklärungsarbeit für das geringe Interesse an der Übung verantwortlich. In Pozzuoli leben 81.000 Einwohner in der direkten Gefahrenzone, und da ist es tatsächlich deprimierend, wenn nicht einmal ein Promille der Bevölkerung an den Übungen teilnahm. Vielleicht lag das geringe Interesse aber auch an dem geprobten Szenario, denn schließlich lebt man in einem Vulkangebiet und fürchtet sich weniger vor Erdbeben als vor einer Eruption und hier gilt es zu evakuieren, bevor die Katastrophe beginnt. Ein Vulkanausbruch soll in der nächsten Übung simuliert werden, die für Oktober dieses Jahres geplant ist.

Campi Flegrei: Wasser weicht weiter zurück

Neuer Erdbebenschwarm erschüttert Phlegräische Felder – Wasser weicht bei Ebbe immer weiter zurück

Der Boden in den Campi Flegrei kommt nach wie vor nicht zur Ruhe: Heute Nacht begann um 4:08 Uhr eine neue Erdbebensequenz, die bis zur Stunde anhält, aber langsam abzuflauen beginnt. Bis jetzt registrierte das seismische Netzwerk des INGV 31 Erschütterungen im Bereich der italienischen Caldera, bei der es sich um den mächtigsten Vulkan des Festlandeuropas handelt. Die überwiegende Zahl der Erdbeben war von geringen Magnituden im Bereich der Mikroseismizität. Die stärkste Erschütterung manifestierte sich um 6:15 Uhr und hatte eine Magnitude von 2. Das Hypozentrum befand sich in 2,5 Kilometern Tiefe unter dem Westrand der Solfatara.

Das INGV brachte umgehend eine Sondermeldung heraus und teilte der Bevölkerung die Notfallnummern von Polizei und Zivilschutz mit, um evtl. Schäden melden zu können. Doch solche sind bei den geringen Magnituden der Beben derzeit nicht zu erwarten. Dennoch löst jeder neue Erdbebenschwarm bei den Bewohnern des Calderavulkans wachsende Besorgnis aus. Sie wird nicht nur von den Erdbeben angefeuert, sondern insbesondere von der Bodenhebung, die besonders im Hafen von Pozzuoli immer deutlicher sichtbar wird, da das Wasser bei Ebbe immer weiter zurückzuweichen scheint und das Hafenbecken zusehends trocken fällt und der Meeresgrund zutage tritt. Natürlich schwanken auch die Gezeitenkräfte und es gibt unterschiedliche Tiden und bestimmte Wetterlagen mit ablandigen Wind können den Wasserstand beeinflussen, dennoch ist ein Trend zu beobachten, dass das Wasser immer weiter zurückweicht. Die Bodenhebung beläuft sich inzwischen auf 128 Zentimeter seit 2005. Pro Monat kommen ca. 2 Zentimeter hinzu.

Trotz des anhaltenden Bradyseismos und Anzeichen dafür, dass sich im Untergrund der Caldera nicht nur magmatische Fluide akkumulieren, sondern auch Gesteinsschmelze, ist es nicht sicher, dass es zu einem Vulkanausbruch kommen wird, und es ist sogar sehr unwahrscheinlich, dass sich auf absehbarer Zeit eine Supervulkaneruption ereignen wird. Doch ein normal großer Vulkanausbruch würde in dem dicht besiedelten Gebiet eine Katastrophe auslösen.

Sollte es widererwartend doch einmal zu einer sogenannten Supervulkaneruption der Phlegräischen Felder kommen, könnte sich diese bis nach Deutschland auswirken. In Abhängigkeit von der Windrichtung muss mit erheblichen Ascheniederschlägen gerechnet werden und es könnte zu einer lang anhaltenden Verminderung der Sonneneinstrahlung kommen. Gerade in Zeiten der zunehmenden Solarstromproduktion wäre das ein Problem, auf das man nicht vorbereitet ist. Die Asche würde vermutlich auch die Windgeneratoren lahm legen. Vielleicht sollte man doch ein paar Gaskraftwerke mehr vorhalten, was natürlich die Strompreise treiben würde. Diese Überlegungen zeigen, wie fragil unsere Zivilisation ist und wie sehr sich der Mensch darauf verlässt, dass alles seine gewohnten Bahnen geht.

Campi Flegrei: Evakuierungsübungen am 24. und 25. Juni

Evakuierungsübungen im Bereich der Caldera Campi Flegrei sollen starke Erdbeben simulieren

Die anhaltende bradyseismische Krise im Bereich des süditalienischen Calderavulkans Campi Flegrei veranlasst die Regionalregierung, in Zusammenarbeit mit dem Zivilschutz eine Notfallübung durchzuführen, an der diesmal auch die Bevölkerung beteiligt werden soll. Die Evakuierungsübungen sind für den 25. und 26. Juni 2024 angesetzt. Sie konzentrieren sich auf die Gemeinden Pozzuoli, Neapel und Bacoli und ziehen sogar Behörden in Rom mit ein.

Diese Übungen simulieren den Notfall für das schwerwiegendste Katastrophenszenario im Zusammenhang mit dem Bradyseismus, das durch Erdbebenschwärme und starke Erschütterungen gekennzeichnet ist. Rund 250 Bürger, die sich freiwillig gemeldet haben, nehmen an den Übungen teil, die verschiedene Notfallmaßnahmen umfassen, einschließlich der Einrichtung von Wartebereichen und Bevölkerungshilfezentren. Die Freiwilligen müssen dabei die verschiedenen Stationen durchlaufen, die ein heimatlos gewordener Flüchtling über sich ergehen lassen muss.

Die Übungen beginnen am 25. Juni mit der Aktivierung der städtischen und regionalen Einsatzzentralen sowie der Kriseneinheit des Einsatzkomitees in Rom. Wartebereiche werden in Neapel und Bacoli eingerichtet, wo Pavillons von ehrenamtlichen Mitarbeitern und der Polizei aufgestellt werden, um die Bevölkerung zu informieren.

Am 26. Juni werden die eigentlichen Evakuierungsübungen durchgeführt, bei denen mehrere starke Erdbeben mit zerstörerischer Wirkung simuliert werden. Die Bürger müssen bei Alarm ihre Häuser verlassen und sich in die nahegelegenen Wartebereiche begeben.

Weitere Übungen und Pläne

Im Oktober 2024 soll eine weitere Evakuierungsübung durchgeführt werden, bei der ein Vulkanausbruch simuliert wird. Hier üben die Einsatzkräfte und Bürger, wie man im Angesicht von Vulkangefahr richtig evakuiert. Es wird eine Partnerschaft mit anderen italienischen Regionen angestrebt, um strukturierte Aufnahmepläne zu entwickeln und regelmäßig zu aktualisieren. Die Vertriebenen werden bei ihrer Ankunft an den Zielorten von den jeweiligen Regionen betreut. Eine ähnliche Übung wurde zuletzt im Jahr 2019 durchgeführt. Ich frage mich, was wohl passiert, wenn Erdbeben und Vulkanausbruch zusammen auftreten?

Übrigens, am 19. Juni begann ein weiterer Erdbebenschwarm. Seitdem wurden die Campi Flegrei von mehr als 30 schwachen Beben erschüttert.

Campi Flegrei: Erdbeben Md 3,4 am 18.06.24

Ein weiteres spürbares Beben erschüttert den Calderavulkan Campi Flegrei bei Pozzuoli

Datum: 18.06.2024 | Zeit: 01:58:24 UTC | Lokation: 40.828 ; 14.088 | Tiefe: 3 km | Md 3,4

Heute Nacht bebte die Erde des süditalienischen Calderavulkans Campi Flegrei erneut spürbar. Der Erdstoß hatte eine Magnitude von 3,4 und zählt somit zu den stärkeren Erdstößen der Region, die viel mediale Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Auch die Bevölkerung reagiert besorgt, besonders, wenn sie von den Erdbeben wachgerüttelt werden. Der Erdstoß manifestierte sich um 03:58:24 Lokalzeit. Trotz nachtschlafender Zeit gingen bei den Erdbebendiensten Wahrnehmungsmeldungen ein. Sie stammten aus einem Umkreis von ca. 5 Kilometern um das Epizentrum, das kurz an der Küste im Westen des Golfs von Pozzuoli lokalisiert wurde und sich direkt südlich des Monte Nuovo befand. Das Hypozentrum lag in 2900 Metern Tiefe.

Das Beben manifestierte sich im Bereich einer bekannten Störungszone innerhalb der Caldera und könnte somit ein tektonisches Beben infolge des veränderten Spannungsfelds durch die Bodenhebung entstanden sein. Im letzten Bulletin hieß es noch, dass die Hebungsrate des Bodens bei 2 Zentimetern im Monat liegt. Heute sollte das neue Bulletin herauskommen und es wird spannend sein zu erfahren, ob die Hebungsrate konstant geblieben ist. Ich werde diesem Artikel hier dann ein Update verpassen.

Das Erdbeben löste diesmal keinen Erdbebenschwarm aus. Allerdings gab es zwei Tage zuvor ein kleines Schwarmbeben. Ansonsten bewegte sich die Seismizität der letzten Tage auf einem normalen Niveau mit weniger als 10 Erschütterungen pro Tag. Das „normal“ bezieht sich auf die seit 2005 anhaltende Bradyseismos-Phase. Ohne diese wären an einem normalen Vulkan auch 10 Erschütterungen am Tag auffällig, und man würde sich sorgen, dass der Feuerberg langsam erwachen könnte.

Inzwischen ist das erwartete INGV-Bulletin für den Beobachtungszeitraum 10. -16- Juni erschienen. es beinhaltet keine großartigen Überraschungen: In der vergangenen Woche wurden 43 Erdbeben detektiert. Der Boden hob sich weiterhin mit einer Geschwindigkeit von 2 Zentimetern pro Monat. Die Geochemie zeigte keine signifikanten Veränderungen und die Fumarolentemperatur von Pisciaralli blieb bei 95 Grad. Mit weiteren Erdbebenschwärmen und auch stärkeren Einzelbeben ist jeder Zeit zu rechnen. Es ist nicht vollkommen ausgeschlossen, dass es im Bereich der Solfatara/ Pisciarelli zu phreatischen Eruptionen kommt.

Campi Flegrei: Evakuierungspläne werden konkreter

Evakuierungspläne für die Campi Flegrei wurden konkreter ausgearbeitet – Neapolitaner würden im Notfall nach Latium umsiedeln

Der süditalienische Calderavulkan Campi Flegrei ist weiterhin seismisch aktiv, jedoch bewegt sich die Aktivität auf einem Niveau, das für eine Region, die vom Bradyseismos betroffen ist, als normal bezeichnet werden kann. Stärkere Schwarmbeben blieben diese Woche bisher aus. Dennoch hebt sich der Boden weiterhin mit einer durchschnittlichen Rate von 2 Zentimetern pro Monat. Diese Daten stammen aus dem jüngsten INGV-Bulletin, das am Dienstag veröffentlicht wurde und die Ereignisse der letzten Woche beschreibt. Das stärkste Erdbeben dieser Woche hatte eine Magnitude von 3,7. Insgesamt wurden 143 Erdbeben lokalisiert. Die Gastemperatur in der Dampffahne von Pisciarelli lag weiterhin bei 95 Grad.

Auch wenn es momentan etwas ruhiger ist, bedeutet das nicht, dass sich die Situation entschärft. Dementsprechend wachsam ist man in Pozzuoli und dem benachbarten Neapel. Die Katastrophenschutzbehörde hat in Zusammenarbeit mit Vulkanologen und dem Stadtrat weiter an den Evakuierungsplänen für den Notfall gearbeitet und potenzielle Evakuierungszonen ausgeweitet. Im Falle einer Eruption sollen nicht nur die Bürger von Pozzuoli evakuiert werden, sondern auch mehrere Stadtteile Neapels, die an Pozzuoli und die Campi Flegrei angrenzen. Es wurde beschlossen, dass die Bewohner von Fuorigrotta, das in der roten Zone liegt, im Notfall auf verschiedene Gemeinden in Tuscia, einer Region in Latium bei Rom, umgesiedelt werden sollen. Fuorigrotta ist ein dicht besiedeltes Viertel im Westen Neapels mit mehr als 70.000 Einwohnern. Im Falle eines Ausbruchs wäre es von pyroklastischen Strömen bedroht, die aufgrund ihrer hohen Temperaturen und Geschwindigkeit besonders gefährlich sind.

Insgesamt leben in der roten Zone etwa 500.000 Menschen. Die Region Latium hat einen Notfallplan zur Aufnahme der Bevölkerung aus Fuorigrotta erstellt und genehmigt, einschließlich der Unterzeichnung eines Memorandums mit der Gemeinde Neapel. Tuscia, eine Region in Latium, wird die Vertriebenen auf ihre 60 Gemeinden verteilen. Es ist auch vorgesehen, dass potenzielle Flüchtlinge aus Neapel in Viterbo aufgenommen werden.

Campi Flegrei: Erdbebenaktivität und Bodenhebung am 5. Juni

Erdbebentätigkeit geht weiter – Variationen in der Bodenhebung festgestellt

Unter der süditalienischen Caldera wird weiterhin eine erhöhte Seismizität festgestellt. Seit gestern wurden 27 Erschütterungen von den Seismometern aufgezeichnet. Gestern wurde auch das neue Wochenbulletin für den Beobachtungszeitraum 27.05. bis 02.02. veröffentlicht. Dem Schriftstück ist zu entnehmen, dass es in dieser Woche 56 Erdbeben gab. Die meisten Magnituden waren so gering, dass man die Beben als Mikrobeben bezeichnen muss. Das stärkste Erdbeben hatte eine Magnitude von 1,7. Interessanter sind die Daten zur Bodenhebung. Von Mitte April bis zum 20. Mai wurde eine Hebungsrate von 2 Zentimetern detektiert. Während des starken Erdbebenschwarms zwischen 20. und 21. Mai sank der Boden zwischen 0,5 und 1 Zentimeter ab. Dann gab es offenbar einen mehrtägigen Stillstand der Bodendeformation, bis sie dann ab dem 29. Mai bis zum 2. Juni um einen Zentimeter anstieg. Sollte dieser Trend fortbestehen, hätte sich die monatliche Hebungsrate signifikant erhöht – doch ob dem so ist, müssen erst weitere Messungen und Korrekturrechnungen bestätigen. Es könnte sich auch nur um einen kurzfristigen Effekt gehandelt haben, indem der zuvor abgesackte Boden wie ein Gummiband hochschnellte, um mit dem Niveau des umgebenen Gesteins aufzuschließen.

Seit Januar 2011 hob sich der Boden der Caldera stellenweise um etwa 122,5 Zentimeter. In diesem Jahr betrug die Modenhebung bisher 8,5 Zentimeter.

Einer Theorie nach zufolge, sackte der Boden ab, weil sich durch das starke Erdbeben Mb 4,4 ein Riss gebildet hat, durch den Gase des Hydrothermalsystems entweichen konnten, die zuvor den Boden angehoben haben. Gegen diese Theorie spricht allerdings, dass die Gassensoren keine signifikanten Schwankungen in Bezug auf den Gasausstoß festgestellt haben. Es wird allerdings beobachtet, dass sich der langjährige Trend der Druckbeaufschlagung fortsetzt, und der Kohlendioxidausstoß ist generell hoch. Die Gastemperatur an der Pisciarelli-Fumarole blieb bei 95 Grad, gemessen in 5 m Entfernung von der Fumarole.

Übrigens besteht das GNNS-Netzwerk in den phlegräischen Feldern aus 35 Land- und Seestationen. Unterseeisch soll noch eine Messstation dazukommen.

Infolge der Schäden des Erdbebens der Magnitude 4,4 mussten einige Familien ihre Wohnungen verlassen. Viele von ihnen wurden erst einmal in Hotels untergebracht und warten darauf, neue Wohnungen zu bekommen oder in ihre alten zurückkehren zu dürfen. Daraus kann man schließen, dass die Schäden teilweise doch größer waren, als zunächst kommuniziert wurde.

Campi Flegrei: Weiterer Erdbebenschwarm am 31. Mai

Weiterer Erdbebenschwarm erschüttert Calderavulkan Campi Flegrei – Wöchentliche Treffen des Krisenstabs

Heute begann ein weiteres Schwarmbeben in der Caldera Campi Flegrei, die bei uns als die Phlegräischen Felder bekannt ist und den Golf von Pozzuoli bildet. Der Erdbebenschwarm besteht bis jetzt aus 24 Einzelbeben, von denen das stärkste eine Magnitude von 1,5 hatte. Der Erdbebenherd wurde in 2,3 Kilometern Tiefe detektiert. Das Epizentrum befand sich im Bereich der Pisciarelli-Fumarole, die auf der nordöstlichen Außenflanke des Solfatarakraters liegt. Viele der anderen Beben manifestierten sich ebenfalls im Bereich der Solfatara. Wahrscheinlich handelt es sich um einen klassischen Schwarm im Hydrothermalsystem und steht sehr wahrscheinlich mit Fluidbewegungen im Zusammenhang.

Obwohl die Seismizität in den vergangenen Tagen gering gewesen ist, herrscht in Pozzuoli immer noch Aufregung wegen dem Beben Mb 4,4. Inzwischen gibt es praktisch täglich neue Statements der kommunalen Politiker, sowie wöchentliche Krisentreffen mit Forschern und Zivilschutz.

Gestern tagte die Nationale Kommission für Prognose und Prävention von Hochrisikogebieten und stellte fest, dass sich der Zustand des Vulkans seit dem 22. Mai nicht wesentlich verändert hat, weshalb die Alarmstufe „gelb“ bestehen bleibt.

Laut einer Pressemeldung diskutierte man mit internationalen Experten die Genauigkeit kurzfristiger Eruptionsprognosen anhand des Beispiels einer aktuellen Vulkankrise. Sie betonten, dass vulkanische Reaktivierung oft über Monate oder Jahre durch seismische Phänomene, Bodenverformungen und geochemische Veränderungen erfolgt. Anschließend gibt es eine recht kurzweilige voreruptiven Phase die Stunden oder Tage anhält und eine stärkere Dynamik der Veränderungen mit sich bringt.

Angesichts dieser Erkenntnisse unterstrich die Kommission die Notwendigkeit, die Alarmstufen der Campi-Flegrei-Notfallpläne sofort zu aktualisieren, um sie an den aktuellen wissenschaftlichen Stand anzupassen. Das Ministerium für Katastrophenschutz plant, die Alarmstufen kontinuierlich zu überarbeiten und die entsprechenden operativen Maßnahmen anzupassen.

Meiner Meinung nach sollten das eigentlich keine neuen Erkenntnisse sein, sondern lang erprobter Standard. Wenn man erst jetzt Merkmale erarbeitet, ab denen die Alarmstufe „Orange“ ausgerufen wird, kann ich nur mit unverständlichem Kopfschütteln reagieren.