Erdbebentätigkeit der Campi Flegrei nimmt wieder zu – 4,60 m Bodenhebung seit Beginn des Bradyseismos
Nach einigen ruhigeren Tagen hat die Erdbebentätigkeit in den Campi Flegrei wieder angezogen. Seit dem 6. September wurden im Bereich der Caldera 17 schwache Erdbeben registriert. Besonders aktiv war der Abend des 7. September: Innerhalb von rund 40 Minuten ereigneten sich mehrere Beben, darunter ein Ereignis der Magnitude Md 1,7 in 2,6 Kilometern Tiefe sowie ein Beben Md 1,4 in 2,7 Kilometern Tiefe. Am 8. September folgten weitere Erschütterungen, darunter ein Beben Md 1,6 in 1,5 Kilometern Tiefe. Am 9. September wurden zwei weitere Beben der Magnitude Md 0,3 registriert.

Die aktuelle Aktivität manifestierte sich im Rahmen der seit 2005 anhaltenden Bodenhebungsphase. Das am 8. September veröffentlichte Wochenbulletin des Vesuv-Observatoriums des INGV zeigt, dass sich die übergeordneten Trends nicht verändert haben. Zwischen dem 31. August und 6. September wurden 18 Erdbeben registriert, davon 13 mit Magnituden ab Md 0,0. Das stärkste erreichte Md 1,6. Gleichzeitig hebt sich der Boden im Bereich der stärksten Deformation seit Anfang Februar mit durchschnittlich 10 Millimetern pro Monat.
An der GNSS-Station RITE in Pozzuoli summiert sich die korrigierte Bodenhebung seit Januar 2025 inzwischen auf etwa 31 Zentimeter. Der starke Erdbebenschwarm vom 31. Juli mit einem Beben der Magnitude 4,7 verursachte zwar messbare coseismische Sprünge in den Messreihen, änderte den langfristigen Trend der Bodenhebung jedoch nicht wesentlich. Mit „coseismisch“ ist gemeint, dass ein Sprung bzw. ein schlagartiger Bodenversatz parallel zum Erdbeben stattfand.
Wie groß die Dimensionen des Bradyseismus sind, wurde am Dienstag bei Anhörungen im italienischen Parlament deutlich. Der Vulkanologe und ehemalige Direktor des Osservatorio Vesuviano, Mauro Antonio Di Vito, erklärte, dass sich das Gebiet der Campi Flegrei seit 1950 insgesamt um 4,60 Meter gehoben habe, obwohl es zwischen den Hebungsphasen auch Senkungsphasen gab. Die Folgen seien besonders entlang der Küste sichtbar. Durch die langfristige Hebung hat sich das Verhältnis zwischen Land und Meer verändert; unter anderem kam es zu einem deutlichen Zurückweichen der Küstenlinie, was sich negativ auf den Hafen von Pozzuoli auswirkt, da das Wasser relativ gesehen immer flacher wird und große Schiffe kaum noch anlegen können. Di Vito betonte zudem, dass die Erdbeben nahezu ausschließlich mit der Bodenhebung zusammenhängen.
Die geophysikalische Entwicklung der Caldera und insbesondere das letzte starke Erdbeben vom 31. Juli hat eine politische Debatte über eine Sondergesetzgebung für die Campi Flegrei ausgelöst. Nach dem schweren Erdbeben fordern Kommunen und Bevölkerung dauerhafte Regelungen für Gebäudesicherheit, Evakuierungen, Entschädigungen und den Katastrophenschutz. Der Präsident der Region Kampanien, Roberto Fico, sprach sich ausdrücklich für ein spezielles Gesetz aus. Auch Innenminister Matteo Piantedosi erklärte, eine dauerhafte gesetzliche Regelung zur besonderen Situation der Campi Flegrei sei vorstellbar.
Bei einer Demonstration in Pozzuoli forderten Bürger zudem einen formellen Notstand und verlässliche langfristige Finanzmittel. Infolge der Krise sind inzwischen ca. 4000 Menschen aus ihren Wohnungen vertrieben worden, da sie unbewohnbar wurden. Die regionale Politik drängt darauf, das derzeitige Notstandsdekret bei seiner Umwandlung in ein Gesetz deutlich zu erweitern. Vorgeschlagen wurden unter anderem Hilfen für beschädigte Gebäude, Unternehmen und Mieter sowie erleichterte Verfahren für Sicherungsmaßnahmen.
Dass sich die durch die Bodenhebungskrise verursachten Probleme in den Campi Flegrei von selbst auflösen, ist relativ unwahrscheinlich: Die geochemischen und geophysikalischen Messgrößen folgen den langjährigen Trends der Druck- und Temperaturbeaufschlagung des magmatischen und hydrothermalen Systems des Calderavulkans. Weitere Erdbeben mit Zerstörungspotenzial sind wahrscheinlich und langfristig betrachtet könnte es zu einem Vulkanausbruch kommen. Politische Lösungen sind daher zwingend erforderlich.
(Quellen: INGV, Fanpage.it, FB: „Quelli della zona rossa del vulcano Campi Flegrei“ )












