Campi Flegrei: Spürbare Erdbeben erschüttern den Vulkan

Erdbeben Md 3,5 löst Erdbebenschwarm unter Calderavulkan Campi Flegrei aus – im großen Umkreis zu spüren gewesen

Datum: 28.02.2026 | Zeit: 10:19:07 UTC | Koordinaten: 40.8352 ; 14.1398 | Tiefe: 2,7 km | Md 3,5

Am Vormittag des 28. Februars ereignete sich in den Campi Flegrei bei Neapel ein Erdbeben der Magnitude 2,5. Der Erdstoß, der eine Herdtiefe von 2700 m hatte, war im gesamten Stadtgebiet von Pozzuoli und in Teilen des angrenzenden Neapel deutlich zu spüren gewesen. Das Epizentrum lag nördlich der Solfatara, direkt auf der Straße „Galeria Solfatara“ die in die Tangentiale nach Neapel übergeht. Ein weiterer Erdstoß nahe der ersten Lokation hatte eine Magnitude von 2,3. Es gab einen Nachbebenschwarm von 12 weiteren Erschütterungen.

Das Beben Md 3,5 war in diesem Jahr bislang der stärkste Erdstoß in der Caldera und löste u.a. beim EMSC mehrere Wahrnehmungsmeldungen aus. Der Erdstoß verursachte wellenförmige Bodenbewegungen und war in 11 Kilometer Entfernung noch deutlich zu spüren gewesen.

Das Bürgermeisteramt von Pozzuoli gab eine entsprechende Meldung heraus und warnte vor der Möglichkeit weiterer Erdbeben. Zudem wurden Notfallrufnummern veröffentlicht, an die sich besorgte Bürger wenden können, um ggf. entstandene Schäden zu melden. Berichte hierüber liegen bis jetzt nicht vor.

Was vorliegt, ist eine INGV-Meldung, nach der das Institut eine Absichtserklärung mit einem ortsansässigen Glasfasernetzwerkbetreiber unterzeichnet hat, das Glasfasernetzwerk als erweiterte Sensorenphalanx zu benutzen, so wie es u.a. auf der isländischen Reykjanes-Halbinsel bereits praktiziert wird: minimalste Längenänderungen der Glasfaser können Laufzeitunterschiede der Signale bewirken, was auf eine Dehnung der Kabel hindeutet, die durch Bodendeformationen verursacht werden können. Somit erhält man ein flächendeckendes Sensornetzwerk für die Bodenhebung. Wann das Projekt umgesetzt wird, ist nicht bekannt.

Seit einigen Monaten hat die Hebegeschwindigkeit des Bodens nachgelassen und reduzierte sich von 30 mm auf 10 mm. Damit liegt die Bodenhebung aber immer noch im Bereich des langjährigen Durchschnitts. Es bleibt abzuwarten, ob die Erdbeben heute nur eine Ausnahme waren oder ob sie eine erneute Phase signifikant erhöhter Aktivität einleiten.

Campi Flegrei: Erdbeben in größerer Tiefe

Mehrere Erdbeben in größerer Tiefe erschüttern Campi Flegrei – Bodenhebung reduziert

In den letzten Wochen ist es um die süditalienische Caldera Campi Flegrei bei Neapel relativ still geworden: Die Anzahl der Erdbeben hat sich auf ein Niveau reduziert, das zwar noch deutlich erhöht ist, aber inzwischen als normal angesehen wird und daher nicht für sonderlich viel Aufsehen sorgt. Auch die Bodenhebungsrate hat sich auf 10 mm pro Monat reduziert und es sieht so aus, als würden deutlich weniger magmatische Fluide in das Hydrothermalsystem drängen, als es im letzten Jahr der Fall gewesen ist. Doch der Anschein relativer Ruhe kann trügerisch sein, denn in den letzten Tagen gab es mehrere vereinzelt auftretende Erdbeben, die sich in eher untypischen Tiefen manifestierten.

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Campi Flegrei

Diese Beben hatten Magnituden im niedrigen Zweierbereich und Herdtiefen um 4 Kilometer. Damit lagen sie in einem Bereich unterhalb des Hydrothermalsystems, der für flache Magmenansammlungen unter Vulkanen typisch ist. Diese vulkanotektonischen Erdbeben entstehen infolge von Fluidaufstieg, der Gesteinsbruch also Risse im Gestein verursacht und somit die Deckschicht schwächt, die das Magma unter dem Vulkan in Zaum hält.

Dem jüngsten INGV-Wochenbulletin ist zu entnehmen, dass der Gasausstoß weiterhin hoch ist und der Trend zur Druckbeaufschlagung des Systems weiter anhält. Dieser Trend spiegelt sich auch in den langsam steigenden Gastemperaturen der Fumarolen wieder, wo frühere Maximalwerte inzwischen Durchschnittstemperaturen darstellen. Auch wenn in den sozialen Medien zum Teil von einem Nachlassen der Krise gesprochen wird, sehe ich als pessimistischer Optimist noch keinen Grund für Letzteres: Nach wie vor bleibt das Gefahrenpotenzial hoch und vor Ort schleicht sich eine gewisse Fahrlässigkeit ein, indem Fluchtwege blockiert werden und die Achtsamkeit schwindet. Dabei kann es nach wie vor ohne weitere Vorwarnung zu stärkeren Erdbeben und phreatischen Explosionen kommen, die umso stärker ausfallen können, je mehr Druck sich in der Tiefe aufbaut.

Campi Flegrei: Schwarmbeben im Westen Pozzuolis

Neuer Erdbebenschwarm erschüttert Campi Flegrei – stärkste Erschütterung Mb 2,8

Die süditalienische Caldera Campi Flegrei wurde gestern Abend von einem neuerlichen Erdbebenschwarm getroffen. Er begann um 22:12:31 Uhr UTC mit einer schwachen Erschütterung, die nicht lokalisiert werden konnte. Sekunden später folgten die beiden stärksten Erdbeben mit den Magnituden 2,8 und 2,5, die im Westen Pozzuolis zwischen Solfatara und Monte Nuovo unter der Via Vecchia Campana und der Bahnlinie lagen. Sie hatten Herdtiefen von 2900 und 2800 Metern. Gut eine Stunde später manifestierte sich ein Beben Mb 2,0 in 2200 m Tiefe. Zwischen den stärkeren Beben gab es eine Reihe Mikrobeben. Die drei stärksten Erschütterungen wurden von den Anwohnern des Areals deutlich gespürt. Schadensmeldungen gibt es nicht.

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Campi Flegrei. © INGV

Laut Medienberichten der Lokalpresse beschrieben die Bebenzeugen einen lauten Knall, als die ersten beiden stärkeren Beben auftraten. Die Herdtiefen deuten an, dass es sich um vulkanotektonische Beben in der Deckschicht der Caldera handelt, die mit der Bildung von Gesteinsrissen infolge von Fluidaufstieg einhergingen und nicht durch Bewegungen der Fluide im Hydrothermalsystem verursacht wurden, ohne dass Gesteinsrisse entstanden. Ein kleiner, aber bedeutender Unterschied, denn jede neue Fraktur im Deckel der Caldera schwächt diesen und schafft Schwächezonen, durch die eines Tages Magma aufsteigen könnte.

Der neuerliche Schwarm schürt Sorgen, dass sich die Situation in den Campi Flegrei wieder nachteilig entwickeln könnte, nachdem die Bodenhebegeschwindigkeit in der letzten Woche weiter abgenommen hat. Laut dem neuesten INGV-Bulletin reduzierte sie sich auf 10 mm im Monat.

Im Beobachtungszeitraum vom 9. bis 15. Februar wurden 40 Erdbeben registriert. In der Vorwoche waren es 22. Die Gastemperaturen und die Höhe des Kohlendioxid-Ausstoßes zeigen gegenüber der letzten Woche keine größeren Schwankungen: Bei Pisciarelli lag die Durchschnittstemperatur bei 95 Grad und an der BG-Fumarole in der Solfatara bei 173 Grad. Der langjährige Trend der Druckbeaufschlagung geht weiter.

Vor einer erneuten signifikanten Aktivitätssteigerung muss wahrscheinlich erst wieder eine neue Magmablase aufsteigen und in geringer Tiefe (4–5 Kilometer) eindringen. Was wir im Augenblick sehen, entspricht dem langjährigen Geschehen unter hydrothermalem Einfluss des Bradyseismos.

Campi Flegrei: Erdbebenschwarm am Valentinstag

Schwarmbeben in den Campi Flegrei – Bodenhebung geht weiter

Ausgerechnet zum Valentinstag überraschte die Caldera Campi Flegrei ihre Bewohner mit einem Erdbebenschwarm, nachdem es in den letzten Wochen eine vergleichsweise geringe Seismizität gegeben hatte. Eine Liebesbekundung, auf die man vor Ort sicher gerne verzichtet hätte. Der Schwarm bestand aus gut 30 schwachen Erschütterungen. Das stärkste Beben hatte eine Magnitude von 1,6 und eine Herdtiefe von 2,3 Kilometern. Das Epizentrum lag nördlich der Solfatara. Die meisten anderen Beben manifestierten sich östlich des Maars im Bereich des Stadtteils Pisciarelli, wo sich auch das gleichnamige Thermalgebiet befindet.

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Campi Flegrei. © INGV

Wie bei solchen Ereignissen üblich, gaben das Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia (INGV) und die Kommune Pozzuoli Warnungen an die Bevölkerung heraus. Diese blieb verhältnismäßig ruhig, da die meisten Beben zu schwach waren, um gespürt zu werden. Empfindliche Personen können allerdings bereits flache Beben ab Magnituden um 1,5 wahrnehmen.

Für mehr Aufregung sorgte am 10. Februar das Thermalgebiet von Pisciarelli, da Starkregen es zum Überlaufen brachte und schlammiges Wasser über die Straßen des Areals floss. Schäden wurden jedoch nicht gemeldet.

Eine vergleichsweise neue Studie besagt, dass etwa 20–30 % der Bodenhebung durch den Einfluss von Regenwasser zustande kommen können. Das Wasser benötigt rund vier Jahre, bis es die entsprechenden Tiefen im Hydrothermalsystem erreicht. An die Winter 2025/26 sollte man daher zu Beginn der nächsten Dekade denken, falls sich die Bodenhebung dann dramatisch beschleunigen sollte.

Eine andere Studie kommt zu dem Schluss, dass trotz anhaltender Bodenhebung die Zahl der Erdbeben abnehmen könnte, da sich Spannungen ab einem gewissen Hebungsniveau nicht mehr so stark auf die Störungszonen auswirken. Möglicherweise haben wir diese Phase bereits erreicht. Der Boden hebt sich weiterhin mit einer Geschwindigkeit von etwa 15 Millimetern pro Monat. Gasausstoß und Fumarolentemperaturen bleiben hoch. Die Durchschnittstemperaturen liegen in Pisciarelli bei etwa 95 Grad Celsius, und in der Solfatara stößt die BG-Fumarole 173 Grad heißen Dampf aus. Der Kohlendioxidausstoß beträgt rund 11.000 g/m²/Tag. Das liegt zwar etwas unter den Spitzenwerten, ist aber weiterhin ein sehr hoher Wert.

Auch wenn die Aktivität der Campi Flegrei in den letzten Monaten weniger spektakulär erscheint als bis zum vergangenen Herbst und deutlich weniger mediale Aufmerksamkeit erhält, haben sich die grundlegenden Parameter und das Gefahrenpotenzial nicht wesentlich verändert. Der Trend zur Druckbeaufschlagung hält an. Eine vermeintliche Stille kann trügerisch sein – insbesondere dann, wenn Aufmerksamkeit und Bemühungen zum Ausbau sicherer Infrastrukturen nachlassen sollten.

Campi Flegrei: Sinkloch auf Straße in Bagnoli

Sinkloch auf Via Bagnoli sorgt für Aufregung in den Campi Flegrei

Nachdem die Caldera Campi Flegrei in den letzten Wochen aus den Schlagzeilen der Nachrichtenseiten verschwunden ist und es im Ganzen etwas ruhiger wurde, sorgen heute Schlagzeilen aus Bagnoli für erneute Unruhen: Mitten auf der Via Bagnoli, einer viel befahrenen Straße am Stadtrand, öffnete sich ein mehrere Meter großes Sinkloch. Die Straße liegt am Rand der Haupthebungszone des süditalienischen Calderavulkans, ca. 2500 m von deren Zentrum bei Rione Terra und der Solfatara entfernt. Ob das Sinkloch eine Folge der Bodenhebung ist oder durch eine Unterspülung der Straße infolge starker Regenfälle oder eines Rohrbruchs verursacht wurde, ist bis jetzt unklar. Anwohner verweisen auf die hohe Belastung der Straße, da sie momentan von zahllosen Baustellen-LKW befahren wird, die den Hafen für die Regatta des America’s Cup im nächsten Jahr fit machen sollen.

Auch wenn die Ursache des Erdfalls noch nicht geklärt ist, ist hingegen klar, dass das Sinkloch den Abtransport von Erdaushub stört und die sich aufreihenden LKW den Verkehr weiträumig beeinträchtigen.

Erdfälle und Sinklöcher sind keine Seltenheit in der Umgebung von Bagnoli und Pozzuoli. Als ich letztes Jahr nach dem vergleichsweise starken Erdbeben im Mai dort unterwegs war, wurde ich ebenfalls Zeuge eines Erdfalls: Ein durch die Bodenbewegung ausgelöster Rohrbruch hatte damals die Straße unterspült.

Die Erdbebenaktivität der Campi Flegrei bewegt sich aktuell auf moderatem Niveau. Aus dem vorgestern veröffentlichten INGV-Bericht für den Beobachtungszeitraum 19.–25. Januar 2026 geht hervor, dass sich in dieser Woche 24 Erdbeben ereignet hatten. In der Vorwoche waren es 44. Seit Montag dieser Woche wurden gut 30 Erschütterungen detektiert. Der Boden hebt sich mit einer Geschwindigkeit von 15 mm pro Monat. Der Kohlendioxid-Ausstoß bewegt sich genauso wie die Temperatur der BG-Fumarole in der Solfatara auf hohem Niveau, was auf eine anhaltende Druckbeaufschlagung des Systems hindeutet.

Ob das Sinkloch nun eine direkte Folge der Bodendeformationen ist oder auf außergewöhnliche Belastungen infolge des LKW-Verkehrs zurückzuführen ist, ändert nichts an meiner Bewertung, dass der Rückgang der Seismizität und die Verlangsamung der Bodenhebung kein Grund dafür sind, anzunehmen, die wachsende Gefahr eines stärkeren Erdbebens oder Vulkanausbruchs sei gebannt.

Campi Flegrei: Zwei Erdbeben Md 2,5 und Md 2,2

Campi Flegrei von 2 spürbaren Erdbeben erschüttert – Doppelschlag mit wenigen Sekunden Abstand

Gestern berichtete ich über die nachlassende Hebegeschwindigkeit des Bodens. Dennoch gab es heute wieder 2 spürbare Erdbeben mit den Magnituden 2,5 und 2,2, die sich kurz nach 9 Uhr Ortszeit mit nur wenigen Sekunden Abstand zueinander ereigneten. Sie manifestierten sich nordwestlich der Solfatara in der Nähe der Tangentiale und hatten Herdtiefen von 2500 und 2000 Metern. Anwohner berichten, dass sie die Beben deutlich gespürt und gehört haben. Größere Unruhen bei der Bevölkerung entstanden aber nicht.

Campi Flegrei © EMSC/Leaflet

Die Beben kamen nicht alleine, sondern waren Teil eines Schwarmbebens. Seit Mitternacht haben sich 11 Beben ereignet. Damit ist die Aktivität höher als in den vergangenen Tagen, aber weit von den Maxima entfernt, die wir in 2024 und 2025 sahen. Trotz der leichten Entspannung der Situation in den letzten Wochen kann keine Entwarnung gegeben werden: In der seit 21 Jahren anhaltenden Bodenhebungsphase wechselten sich häufig ruhigere mit intensiveren Phasen ab, wobei der Trend zu beobachten ist, dass die Phasen erhöhter Aktivität immer stärker werden. Es könnte ein großer Fehler sein, jetzt nachlässig zu werden und gerade angelaufene Maßnahmen zur Stärkung der Infrastruktur wieder zurückzuschrauben.

Eine jüngst veröffentlichte Studie eines internationalen Forscherteams unter Leitung des INGV kommt zu dem Schluss, dass das aktuelle Magmavolumen eines Reservoirs in ca. 4 km Tiefe nicht ausreicht, um eine Eruption auszulösen. Bemerkenswert ist, dass die Forscher davon ausgehen, dass der Vulkan in einigen Jahrzehnten durchaus in der Lage sein wird, eine mittelstarke Eruption hervorzubringen, wie sie zuletzt 1538 am Monte Nuovo stattfand. Auch ohne Worst-Case-Szenario eine sehr starke Eruption, die klimatische Auswirkungen auf weite Teile Europas hätte, eine unschöne Prognose für die Bewohner des Calderavulkans. Sie bestätigt, dass langfristige Maßnahmen erforderlich sind und man um Umsiedlungsmaßnahmen kaum herumkommen wird.

Besonders interessant ist, dass man in der Studie davon ausgeht, dass es Magma in 4 km Tiefe gibt. Die Wissenschaftler sind sich hierüber nicht einig und der Punkt wird kontrovers diskutiert. Ich gehe später genauer auf die Studie ein.

Campi Flegrei: Reduzierung der Hebegeschwindigkeit

Hebegeschwindigkeit des Bodens der Campi Flegrei reduzierte sich – Fumarolentemperaturen weiterhin hoch

Für die Bewohner von Pozzuoli und den angrenzenden Orten im Calderavulkan Campi Flegrei dürfte das erst einmal eine gute Nachricht sein: In den letzten zwei Wochen reduzierte sich die Hebegeschwindigkeit des Bodens an der Messstation Rione Terra von 25 mm auf 15 mm und liegt damit auf dem Niveau, wie es während der Hälfte des letzten Jahres der Fall gewesen war. Die Erdbebenaktivität der Campi Flegrei bewegte sich in der letzten Woche auf moderatem Niveau: Es wurden 76 Erschütterungen registriert. Dennoch kann keine Entwarnung gegeben werden, denn die Gastemperatur der BG-Fumarole in der Solfatara bewegt sich weiterhin nahe der Höchstwerte, und auch bei Pisciarelli stieg die Gastemperatur wieder leicht an.

Bodenhebung. © INGV

Im INGV-Wochenbericht für den Beobachtungszeitraum 5.–11. Januar 2026 heißt es, dass die durchschnittliche Temperatur der Gase des Thermalbeckens von Pisciarelli bei 95 Grad lag. Zuvor waren es 94 Grad. Dennoch sehen die Forscher hier eine leichte Abnahme der Aktivität. Dafür steigerte sie sich im benachbarten Solfatara-Krater, wo die Durchschnittstemperatur der Bocca-Grande-Fumarole bei 173 Grad lag. Was jetzt als „durchschnittlich“ bezeichnet wird, war noch vor wenigen Wochen die Maximaltemperatur.

Leider kann man die Werte von Pisciarelli und der Solfatara nicht 1:1 vergleichen, da nicht nur unterschiedliche Sensoren verwendet werden, sondern die Messungen bei Pisciarelli in 5 m Entfernung von der Hauptquelle der Emissionen erfolgen. Die tatsächlichen Temperaturen der Gase dürften deutlich höher sein.

Die Kohlendioxid-Emissionen sind immer noch hoch, liegen aber unterhalb der Maximalwerte vom letzten Mai, als die Situation eskalierte und es häufige Erdbeben mit Magnituden im 4er-Bereich gegeben hatte. Ich gehe davon aus, dass die Krise damals von einem Magmenkörper verursacht wurde, der in 4–5 Kilometern Tiefe aufgestiegen ist, ähnlich wie es auch bei Vulcano vorkam. Solche Magmenkörper oder magmatischen Gänge erreichen nur selten die Erdoberfläche, selbst an Vulkanen wie dem Piton de la Fournaise, wo wir im Dezember mehrere Intrusionen sahen, ohne dass es zu einem Ausbruch kam. Sollte es jedoch in relativ kurzer Zeit mehrere solcher Intrusionen geben, steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Eruption.

Campi Flegrei: Weitere alarmierende Daten veröffentlicht

Campi Flegrei mit weiter steigendem CO₂-zu-H₂O Verhältnis – wahrscheinliche Magma-Akkumulation in der Tiefe

Der Calderavulkan Campi Flegrei südwestlich von Neapel zeigt weiterhin deutliche Anzeichen anhaltender Unruhe. Das jüngst veröffentlichte INGV-Monatsbulletin für Dezember beschreibt eine Situation erhöhter, aber stabiler Aktivität, wie sie das Gebiet seit mehreren Jahren prägt. Die meisten Werte sind stabil, bis auf ein auffallend hohes CO₂-zu-H₂O-Verhältnis.

Im Dezember wurden 348 Erdbeben lokalisiert, überwiegend mit geringer Magnitude. Die Beben konzentrieren sich auf den zentralen Teil der Caldera und stehen im Zusammenhang mit dem anhaltenden Bradyseismus – der langsamen Hebung des Bodens. Geodätische Messungen bestätigen, dass sich der Untergrund weiter hebt, wenn auch ohne abrupte Beschleunigung. Die Hebegeschwindigkeit lag weiterhin bei 25 mm pro Monat. Diese Hebung gilt als Ausdruck eines unterirdischen Druckaufbaus, verursacht durch Fluide und Gase im flachen Untergrund. Seit Beginn der Krise im Jahr 2005 hob sich der Boden um 160 Zentimeter.

Besondere Aufmerksamkeit widmet das Bulletin der Geochemie der Fumarolen, insbesondere im Gebiet Solfatara–Pisciarelli. Hier werden hohe Gasemissionen gemessen, vor allem von Kohlendioxid (CO₂) und Wasserdampf (H₂O). Ein zentraler Parameter ist das Verhältnis von CO₂ zu H₂O. Dieses Verhältnis ist deutlich erhöht und nahm im Dezember weiter zu.

Das CO₂/H₂O-Verhältnis liefert Hinweise auf Prozesse in der Tiefe. Kohlendioxid entgast bereits bei hohem Druck und großer Tiefe, während Wasserdampf erst näher an der Oberfläche freigesetzt wird. Ein vergleichsweise hoher CO₂-Anteil kann daher auf einen stärkeren magmatischen Einfluss oder auf einen Zustrom tiefer Fluide hindeuten. Das Bulletin betont jedoch, dass diese Interpretation nicht eindeutig ist: Auch hydrothermale Prozesse, etwa die Kondensation von Wasserdampf im Untergrund, können das Verhältnis erhöhen, ohne dass frisches Magma aufsteigt.

Die Geoforscher des INGV ziehen daher keine alarmistische Schlussfolgerung. Das erhöhte CO₂/H₂O-Verhältnis wird als Teil eines komplexen, langfristigen Trends verstanden, der mit der allgemeinen Aufheizung und Druckbeaufschlagung des hydrothermalen Systems zusammenhängt. Entscheidend sei die gemeinsame Betrachtung aller Überwachungsdaten – Seismik, Deformation, Gaschemie und Temperatur. Die meisten Parameter haben sich im Dezember nicht mehr erhöht und zeigten teils eine leicht rückläufige Tendenz, was aber auch jahreszeitlich bedingt sein kann, da der Eintrag von viel Regenwasser ins Hydrothermalsystem dieses beeinflussen kann. Die Parameter sind in der Regel weit jenseits der Norm und meiner Meinung nach deutet das seit Monaten steigende CO₂/H₂O-Verhältnis auf eine beschleunigte Magmenakkumulation in Tiefen von mehr als 5 km hin.

Zusammengefasst bleibt die Lage an den Campi Flegrei angespannt. Die Messwerte bestätigen eine anhaltende Unruhe des Systems, liefern jedoch keinen Hinweis auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption.

Campi Flegrei: Erdbeben Md 3,1 in der Solfatara

Campi Flegrei. © EMSC/Leaflet

Zunahme der Seismizität in der Solfatara der Campi Flegrei – stärkste Erschütterung Md 3,1

Nach einer aus seismischer Sicht vergleichsweise ruhigen Vorwoche startet die Erdbebentätigkeit in den Campi Flegrei diese Woche wieder erhöht durch. Seit gestern ist es zu drei deutlich spürbaren Erdbeben im Bereich des Solfatara-Kraters gekommen. Das stärkste Beben hatte eine Magnitude von 3,1 und eine Herdtiefe von 2400 m. Die beiden anderen Erschütterungen brachten es auf Md 2,9 und lagen 400 bis 500 m tiefer. Damit ereigneten sie sich im unteren Bereich des Hydrothermalsystems und gingen mit Gesteinsbruch infolge von Fluidaufstieg einher. Außerdem gehörten zum aktuellen Schwarmbeben 17 weitere Erschütterungen. Auf Jahressicht wurden 59 Beben lokalisiert.  Im letzten Jahr gab es übrigens 6807 lokalisierte Erschütterungen. In 2024 waren es 4899 Beben, also eine signifikante Steigerung der Seismizität.

Aus dem aktuellen INGV-Bulletin für den Beobachtungszeitraum 29.12.2025 bis 04.01.2026 ist zu entnehmen, dass es in dieser Woche „nur“ 26 Erdbeben gab. Das stärkste hatte eine Magnitude von 2,1. Wie immer, wenn es mal etwas ruhiger zugeht, feierten in den sozialen Medien einige Optimisten bereits das mögliche Ende der Krise, die aber nach wie vor mit einer Bodenhebung von 25 mm pro Monat einhergeht und daher alles andere als beendet ist. Die Erdbeben sind zwar die am deutlichsten wahrnehmbaren Manifestationen der Prozesse im Untergrund, aber im Endeffekt nur Symptome der Bodendeformationen und des zugrunde liegenden, magmatisch bedingten Aufheizungsprozesses des gewaltigen Calderavulkans. Meiner Meinung nach kann es zwar zu Fluktuationen in der Intensität der Prozesse kommen, doch dauerhaft stoppen werden sie vor einer Eruption wohl nicht mehr.

Die Vulkanologen vom INGV geben zwar keine Prognosen ab (nicht zuletzt, weil natürlich immer das Risiko besteht, mit seinen Einschätzungen falsch zu liegen und damit an Reputation zu verlieren), bestätigen in ihrem Bulletin aber den langjährigen Trend zur Druckbeaufschlagung des hydrothermalen Systems und damit auch des zugrunde liegenden magmatischen Systems. Der Gasausstoß und die Fumarolentemperaturen lagen im Bereich der Werte der letzten Wochen: Bei Pisciarelli wurden Durchschnittstemperaturen von 94 Grad gemessen, in der Solfatara bei 170 Grad mit Maximalwerten von 173 Grad.