Erhöhte Erdbebenaktivität: Geophysiker sieht Katla an der Belastungsgrenze
Die Erdbebenaktivität auf Island war in der letzten Woche besonders hoch und der Fokus der Seismizität konzentrierte sich auf die Spalten- und Vulkansysteme Hengill und Langjökull. Aber auch abseits dieser beiden Erdbebenschwärme gab es zahlreiche Erdbeben unter den großen Zentralvulkanen Bardarbunga und Katla. Die Aktivität hat seit dem Wochenende wieder abgenommen, wirkt in der medialen Berichterstattung aber nach.
Einem MBL-Bericht zufolge trat der Geophysikprofessor Halldór Geirsson in der Sendung Dagmál auf und äußerte sich in einem Interview besorgt darüber, dass der subglaziale Vulkan Katla in vielerlei Hinsicht nahe an seiner Belastungsgrenze sein könnte. Bereits kleinste Veränderungen des Magmastands im Speicher- und Fördersystem der Katla könnten demnach ausreichen, um Erdbeben auszulösen. Einen Teil der beobachteten seismischen Aktivität führte Halldór genau darauf zurück. Der Professor geht also von einer weiterhin andauernden Magmaakkumulation unter Katla aus. Auch andere Wissenschaftler sind der Meinung, dass sich der Vulkan auf einen Ausbruch vorbereitet. Allerdings lässt sich nach wie vor kein Zeitfenster für eine mögliche Eruption eingrenzen. Dass der Vulkan für eine Eruption bereit sein könnte, sind Spekulationen, die bereits seit mehr als einem Jahrzehnt andauern.
Tatsächlich gibt es seit Wochen kaum einen Tag, an dem keine Erdbeben unter dem Myrdalsjökull registriert werden. Bei diesem Gletscher handelt es sich um die Eisbedeckung der Katla.
Einschränkend wurde in dem Interview darauf hingewiesen, dass diese Einschätzung nicht unumstritten ist. Ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor besteht darin, dass nur ein relativ kurzer Zeitraum an Messdaten zur Verfügung steht und die Erfassung von Krustenbewegungen unter einem Gletscher technisch besonders schwierig ist. Zudem wurde in den letzten Jahren das seismische Netzwerk auf Island kontinuierlich ausgebaut, so dass nun auch besonders schwache Erdbeben registriert werden, die früher unbemerkt blieben. Schließt man nur unter Berücksichtigung der Seismizität auf eine Belastungsgrenze, gewinnt man den Eindruck, Gesamtisland würde kurz vor einer Eruption stehen. Dabei sind hier tektonische und magmatische Prozesse am Werk, die sich gegenseitig beeinflussen.
Betrachtet man die neue IMO-Shakemap in der Monatsansicht, erkennt man, dass es in den letzten 4 Wochen unter mehreren Zentralvulkanen, einschließlich Hekla, vermehrt zu Erdbeben gekommen ist. Früher galt gerade dieser Vulkan als seismisch vergleichsweise ruhig und es hieß, dass jede Erdbebenhäufung auf einen bevorstehenden Vulkanausbruch hinweisen könnte. Eine gute Messlatte, um dem Problem einer vermeintlich gesteigerten Registrierung und Wahrnehmung von Erdbeben auf die Spur zu kommen.
Weiterführender Link: MBL- Artikel zum Interview








