Erdbebenschwarm im Westen des Vulkans Ätna – Bronte im Epizentrum des Geschehens
Bereits am 13. Juni ereignete sich im Westen des Vulkans Ätna ein kleiner Erdbebenschwarm, der aus 15 Einzelerschütterungen mit Magnituden zwischen 1,1 und 2,4 bestand. Die Herdtiefen lagen zwischen 11 und 15 Kilometern. Das Epizentrum des stärksten Bebens wurde 3,1 Kilometer südlich von Bronte lokalisiert. Damit ist der Ätna seismisch offenbar doch nicht so ruhig, wie ich es gestern in meinem letzten Ätna-Update dargestellt hatte. Die Beben erschienen allerdings erst nach der Veröffentlichung meines Artikels auf der INGV-Shakemap, auf der solche Ereignisse oft mit Verzögerung erfasst werden.

Der Erdbebenschwarm passt in das Muster der vergangenen Monate, in denen sich vermehrt Schwarmbeben im Westen und Norden des Ätnas zeigten. Die letzten Beben in der Region von Bronte, über die Vnet berichtete, manifestierten sich im April in rund 27 Kilometern Tiefe. Als Auslöser vermutete ich damals Magma, das auf dem Weg von der Asthenosphäre in Richtung Erdkruste war. Der nun nur noch etwa halb so tief liegende Schwarm könnte von demselben Magma verursacht worden sein, das damals erstmals auf sich aufmerksam machte und nun tatsächlich gegen die untere Erdkruste drückt. Dabei entstehen Spannungen, die sich in Form von Erdbeben entladen und möglicherweise sogar Gesteinsbrüche verursachen.
Tatsächlich beobachteten wir am Samstag auch eine deutliche Zunahme der Ascheemissionen aus dem Voragine-Kraterkegel, die auf einen erhöhten Druck im Fördersystem hindeuteten. Da die Aktivität bereits am 11. Juni begann, ist ein Zusammenhang zwischen dem Erdbebenschwarm und den Ascheemissionen zwar nicht ausgeschlossen, eine Kausalität jedoch nicht eindeutig nachgewiesen. Anders verhält es sich mit der Ascheeruption vom 4. März, der ein stärkeres Erdbeben der Magnitude Mb 4,5 vorausgegangen war. Dieses Beben ereignete sich allerdings im Südwesten des Vulkans in nur vier Kilometern Tiefe.
Ob die Ascheemissionen aus der Voragine heute Nachmittag anhalten, ist ungewiss. Dichte Wolken verhüllen den Gipfelbereich und verhindern visuelle Beobachtungen. Am Morgen wurden aber noch Emissionen beobachtet, in die sogar die Bocca Nuova mit einstimmte. Der Alarmcode für den Flugverkehr steht weiterhin auf „Orange“.










