Erhöhte Aktivität am Tokachidake – Warnstufe auf „2“ angehoben
Der Vulkan Tokachidake liegt auf der japanischen Insel Hokkaidō und zeigt deutliche Anzeichen zunehmender vulkanischer Aktivität. Gestern erhöhte die Japanische Meteorologische Behörde (JMA) die Warnstufe auf Level 2, was den Zugang zum Kraterbereich im Umkreis von 1500 Metern um den aktiven Krater 62-2 untersagt. Für den Tokachidake ist es die erste Erhöhung der Alarmstufe seit rund zwölf Jahren und markiert eine spürbare Verschärfung der Lage in dem nordjapanischen Vulkansystem.

Tokachidake ist ein komplexes Vulkanmassiv im Daisetsuzan-Vulkangebiet Zentralhokkaidos. Es handelt sich überwiegend um einen andesitischen Stratovulkan mit einer langen Geschichte explosiver Eruptionen, die oft unter Einfluss von Grundwasser stattfanden. Dementsprechend sind phreatische und phreatomagmatische Explosionen charakteristisch, bei denen erhitztes Grundwasser explosionsartig verdampft. Phreatomagmatische Eruptionen gelten als besonders gefährlich, da sie oft ohne klare Vorwarnzeichen auftreten können.
Die aktuelle Unruhe konzentriert sich auf den Krater 62-2 sowie die Furikozawa-Fumarolengruppe. Beobachtungen der JMA zeigen eine deutliche Zunahme der Gasemissionen, insbesondere von Schwefeldioxid, sowie verstärkte fumarolische Aktivität und erhöhte Temperaturen im Untergrund. Besonders besorgniserregend ist der Anstieg des Schwefeldioxid-Ausstoßes auf mehr als 1.000 Tonnen pro Tag, was zudem von einer ausgeprägten thermischen Anomalie im Kraterbereich begleitet wird, was als Anzeichen für hoch im Fördersystem stehendes Magma interpretiert werden kann. Gleichzeitig registrieren GNSS-Messungen eine leichte, aber kontinuierliche Bodenhebung, die auf Druckaufbau im System schließen lässt.
Ebenfalls zugelegt hat die seismische Aktivität, die sich bereits Ende Mai deutlich zu steigern begann: In geringer Tiefe treten vermehrt vulkanotektonische Erdbeben auf, die sich in kurzen Schwarmbeben unter dem Krater manifestieren. Am 31. Mai erreichte die Aktivität ihre bisherige Spitze mit rund 900 Beben am Tag.
Betrachtet man die historische Aktivität des Tokachidake, erkennt man, dass die Erhöhung des Alarmstatus durchaus bedeutsam sein kann: Im letzten Jahrhundert kam es zu 2 starken Eruptionsphasen, von denen jene von 1926 zu den verheerendsten Vulkanausbrüchen Japans zählt: Teile der Vulkanflanke kollabierten und es bildeten sich pyroklastische Ströme und Lahare, die mehr als 140 Menschen das Leben kosteten. Spätere Ereignisse, darunter der Ausbruch von 1962, strukturierten den Vulkan neu und formten u.a. den heutigen Krater 62-2.
Die Behörden warnen im Falle von Explosionen insbesondere vor ballistischen Auswürfen im Nahbereich des Kraters sowie vor Aschefall in Windrichtung. Auch umliegende Regionen wie Biei und Kamifurano stehen unter erhöhter Aufmerksamkeit, da in der Nähe touristische Gebiete und beliebte Landschaften liegen, die von vielen Reisenden besucht werden.