Türkei: Erdbeben Mb 4,9 im Westen

Erdbebenserie im Westen der Türkei setzt sich fort – Bevölkerung in Alarmbereitschaft

Datum: 23.01.2026 | Zeit: 21:24:38 UTC | Koordinaten 39.191 ; 28.291 | Tiefe: 11 km | Mb 4,9

Im Westen der Türkei kam es bei Sindirgi erneut zu einem mittelstarken Erdbeben. Es hatte eine Magnitude von 4,9. Die Herdtiefe wird beim EMSC mit 11 Kilometern angegeben. Messungen türkischer Institute ergaben eine Lokalmagnitude von 5,1. Das Beben manifestierte sich gestern Nacht um 21:24:38 UTC und war Teil eines Schwarms aus Hunderten Erschütterungen. Mehrere der Beben hatten Magnituden über 3 und wurden von den Anwohnern der Gegend verspürt. Der stärkste Erdstoß war sogar in Izmir und Istanbul zu spüren gewesen. Dort fürchtet man sich seit langem vor einem Megabeben. Entsprechend besorgt reagierten die Menschen.



Westen
Türkei. © EMSC/Leaflet

Viele Bewohner berichteten in sozialen Netzwerken und beim EMSC von ihren Wahrnehmungen: Teilweise wurden Menschen aus dem Schlaf gerissen, als ein tiefes Grollen anrollte und die Häuser zu wackeln begannen, Gebälk knarzte und Geschirr und Fenster klirrten. Nahe des Epizentrums fielen Gegenstände aus den Regalen. Die über mehrere Stunden anhaltende Folge von leichten bis moderaten Erschütterungen hat in einigen Gemeinden zu einer latenten Angst vor größeren Beben geführt – viele Menschen verbrachten die Nacht im Freien.

Die Region gilt als hochgradig seismisch aktiv. Sie liegt in einem tektonisch komplexen Bereich der Anatolischen Platte, der von der Arabischen und Eurasischen Platte flankiert wird. Durch teils gegensätzliche Bewegungen und Drehungen der Platten und Krustenblöcke kommt es zu ausgedehnten Verwerfungs- und Dehnungszonen. Eine davon ist der Simav-Graben, an dessen Südrandstörung sich die Beben ereigneten.

Die jüngsten Erschütterungen reihen sich ein in eine anhaltende Erdbebenserie, die seit dem Frühsommer 2025 anhält. Bereits am 10. August und 27. Oktober 2025 waren starke Beben der Magnitude etwa 6,1 registriert worden, die über Wochen hinweg von tausenden Nachbeben begleitet wurden. Diese Serie hatte im vergangenen Jahr für Besorgnis gesorgt und Warnungen vor weiterer Aktivität ausgelöst.

Nicht nur in der Sindirgi-Region fürchtet man sich vor starken Erdbeben, sondern vor allem im Bereich der Nordanatolischen Verwerfung bei Istanbul. Hier rechnen Seismologen bereits seit Jahren mit einem Megabeben, das große Teile der Metropole verwüsten könnte. Man sitzt dort sprichwörtlich auf einer seismologischen Zeitbombe.

Mayotte: Erdbeben beim submarinen Vulkan Fani Maoré

Zwei Erdbeben erschüttern die Region Mayotte und liefern Hinweise auf anhaltende magmatische Aktivität

Im Indischen Ozean ereigneten sich 2 schwache Erdbeben von besonderem Interesse: Sie hatten die Magnituden 3,5 und 3,3 und manifestierten sich in einer Tiefe von 41 und 37 Kilometern. Die Epizentren wurden 44 Kilometer östlich von Mamoudzou auf der Insel Mayotte registriert. Das französische Überseedepartment stand 2018/2019 aufgrund einer starken Bodendeformation in den Schlagzeilen und im Fokus der Wissenschaft: 50 Kilometer östlich der Küste war es zu einem starken submarinen Vulkanausbruch gekommen, der mehrere Kubikkilometer Magma hervorbrachte, was den Boden der Insel massiv absenkte. Genau dort, im Bereich des neu entstandenen Unterwasservulkans Fani Maoré, ist es nun zu den beiden Erdbeben gekommen.

Mayotte
Mayotte. © EMSC/Leaflet

Die Erdbeben im nördlichen Mosambik-Kanal wurden innerhalb weniger Stunden registriert. Das erste Beben ereignete sich am 23. Januar 2026 um 21:04 UTC und erreichte eine Magnitude von 3,3. Wenige Stunden später folgte am 24. Januar um 07:31 UTC ein weiteres Erdbeben der Magnitude 3,5 in nahezu identischer Lage. Beide Beben waren auch auf den Komoren, etwa 290 Kilometer ostsüdöstlich, messbar.

Auffällig ist nicht nur die räumliche Nähe der beiden Ereignisse, sondern auch ihre große Tiefe, die deutlich unter der üblicherweise tektonisch bedingten seismischen Aktivität liegt. Genau diese Tiefe gilt in einer vulkanisch aktiven Zone als Hinweis auf magmatisch beeinflusste Prozesse.

Mayotte befindet sich in einem Gebiet aktiver Krustendehnung zwischen der Afrikanischen und der Somalischen Platte, die als südlicher Ausläufer des Ostafrikanischen Riftsystems gilt. Im Jahr 2018 kam es östlich von Mayotte zu monatelangen Erdbebenschwärmen, ausgelöst durch den Aufstieg großer Magmamengen aus dem oberen Mantel. In der Folge entstand der submariner Vulkan Fani Maoré, der gewaltige Lavamengen am Meeresboden ablagerte.

Die aktuellen Beben sind deutlich schwächer als die Ereignisse von 2018, passen jedoch in dasselbe Muster. Geoforscher gehen davon aus, dass es sich um vulkanotektonische Erdbeben handelt. Hierunter versteht man Spannungsbrüche im Gestein, die durch fortgesetzte Magmenbewegungen in der Tiefe ausgelöst werden. Ob es indes zu einer neuen Eruption kommen wird, ist ungewiss. Im letzten IGPN-Bulletin zum Fani Maoré bestätigten die Forscher zwar eine gewisse Unruhe des Vulkans, doch sie fanden keine signifikanten Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption.

Island: Erdbeben M 4,1 erschüttert Bardarbunga

Mittelstarkes Erdbeben M 4,1 unter Gletschervulkan Bardarbunga – zahlreiche Nachbeben registriert

Der isländische Gletschervulkan Bardarbunga wurde gestern Vormittag zum wiederholten Male von einem Erdbeben im 4er-Bereich erschüttert. Der Erdstoß der Magnitude 4,1 ereignete sich um 10:28:22 Uhr (UTC) in einer Tiefe von 5,2 Kilometern. Das Epizentrum wurde 7 Kilometer östlich des Calderazentrums lokalisiert. Zuletzt hatte es am 1. Januar 2026 ein vergleichbares Erdbeben in dieser Region gegeben.

Bardarbunga
Bardarbunga. © EMSC/Leaflet

Die Magnitude des Erdstoßes als auch die Tiefe des Hypozentrums waren derart, dass man das Beben hätte spüren können, doch da es sich in einer unbesiedelten Region Islands manifestierte, stehen Wahrnehmungsmeldungen aus. Das Beben wird auch beim EMSC gelistet, wo es eine Magnitude von 4,5 hat. Solche Diskrepanzen können u. a. durch die Verwendung unterschiedlicher Magnitudenskalen zustande kommen.

Der Erdstoß löste eine Serie schwächerer Erdbeben aus: Insgesamt wurden 11 Erschütterungen in der Bardarbunga-Caldera registriert. Zwei weitere ereigneten sich beim Grimsvötn, dem Nachbarvulkan des Bardarbunga.

Das Beben lag in einer Tiefe, in der sich ein wachsender Magmenkörper befindet, und könnte durch eine Druckzunahme im Speichersystem ausgelöst worden sein, wobei die Schmelze wahrscheinlich auf eine Störung im Randbereich des Magmenkörpers drückte. Der gewaltige Calderavulkan befindet sich also in einer Aufheizphase, doch es könnten Jahrzehnte vergehen, bis es wieder zu einer Eruption kommt.

Bardarbunga brach zuletzt im Jahr 2014 aus und flutete eine Ebene nördlich des Vatnajökulls mit Lava. Zuvor ruhte der Vulkan 114 Jahre lang, wobei es in dieser Zeit möglicherweise einige kleinere, unbestätigte Eruptionen gegeben haben könnte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Island noch dünner besiedelt als heute und das Hochland und der Gletscher standen nicht unter ständiger Beobachtung, weshalb kleine Eruptionen unbemerkt geblieben sein könnten bzw. nicht eindeutig bestimmten Vulkanen zugeordnet werden konnten: Schließlich liegen unter dem größten Gletscher Europas noch weitere Vulkansysteme verborgen, denen man frühere Eruptionen zugeordnet haben könnte. Geologische Hinweise auf die Eruptionen sind oft unter Eis verborgen, so dass es auch hier schwerfällt, kleineren Ereignissen auf die Spur zu kommen.

Stromboli: Erdbeben in großer Tiefe und Sturmschäden

Erdbeben Mb 3,3 vor der Nordküste – Hafen aufgrund von Sturmschäden bis auf Weiteres geschlossen

Wenige Kilometer vor der Nordküste der Liparischen Insel Stromboli manifestierte sich gestern Abend um 20:34:37 UTC ein Erdbeben der Magnitude 3,3. Aufgrund der großen Tiefe des Hypozentrums von 271 Kilometern wurde es auf der Insel nicht verspürt. Dahingegen wurde die gefährliche Brandung, die in den letzten Tagen infolge des Zyklons „Harry“ aufkam, sehr wohl verspürt. Zudem verursachte sie Schäden am Hafen des kleinen Inselvulkans.

Stromboli
Stromboli. © EMSC/Leaflet

Obwohl der Fährverkehr zu den Liparischen Inseln heute wieder anlief, war der Hafen von Stromboli davon ausgenommen: Die Schäden am Anleger sind so groß, dass er bis auf Weiteres gesperrt wurde. Erst nach einer sorgfältigen Inspektion soll entschieden werden, ob hier demnächst wieder Tragflächenboote und Fähren anlegen dürfen. In Notfällen kann eine Abreise von Stromboli über den kleinen Hafen von Ginostra organisiert werden. Ob es im Zuge des Sturms auch wieder zu Murenabgängen kam, wurde nicht kommuniziert. Vermutlich waren die Regenfälle hier nicht so stark wie zuletzt im Frühsommer, als die Lahare und Muren abgingen.

Das eingangs erwähnte Erdbeben fand in ungewöhnlich großer Tiefe statt und könnte sich an einem Stück subduzierter Ionischer Platte zugetragen haben. Das Erdbeben kam nicht allein, sondern reiht sich in eine Bebenserie ein, die in den letzten 2 Wochen Süditalien heimsuchte. Neben dem ionischen Meer wurde auch die Nordküste von Sizilien von mittelstarken Erdbeben erschüttert.

Die Beben wirkten sich bis jetzt nicht auf die Aktivität des Vulkans Stromboli aus. Der Tremor bewegt sich im gelben Bereich und ist seit Tagen unauffällig. Die meisten geophysikalischen Messwerte bewegen sich auf mittlerem Niveau, sofern welche vorliegen. Viele Daten wurden zuletzt nicht aktualisiert. Vermutlich sind die Geräte oder Verbindungen infolge des Sturms ausgefallen oder konnten keine Daten sammeln. Ungewöhnliche Eruptionen haben sich aber nicht ereignet. Hinweise auf eine bevorstehende Aktivitätssteigerung gibt es ebenfalls nicht.

Schweiz: Erdbeben Mb 3,4 in der Region Zermatt

Leichtes Erdbeben erschütterte die Region Zermatt in der Schweiz – zahlreiche Wahrnehmungsmeldungen

Datum: 20.01.2026 | Zeit: 20:21:46 UTC | Koordinaten 45.952 ; 7.728 | Tiefe: 2 km | Mb 3,4

Am Dienstagabend wurde die Region rund um Zermatt im Schweizer Kanton Wallis von einem schwachen, aber spürbaren Erdbeben der Magnitude 3,4 erschüttert. Die Erschütterung ereignete sich um 21:21 Uhr Ortszeit in einer Tiefe von nur 2000 m. Das Epizentrum lag rund acht Kilometer südlich von Zermatt, nahe der italienischen Grenze. Nicht zuletzt wegen der geringen Herdtiefe wurde das Erdbeben in der Umgebung deutlich wahrgenommen.

Zermatt

Zahlreiche Anwohner berichteten beim EMSC von grollenden Vibrationen und leichtem Zittern ihrer Häuser, das Fenster und Türen zum Rattern brachte. Meldungen über Schäden oder Verletzte gingen jedoch nicht ein. Die Behörden stuften das Ereignis als harmlos ein und sahen keinen Anlass für besondere Maßnahmen.

Tektonisch betrachtet stand das Erdbeben mit der Alpenorogenese im Zusammenhang. Das Gebirge gehört zu den geologisch aktivsten Regionen Mitteleuropas und ist das Ergebnis der fortdauernden Kollision zwischen der Eurasischen Platte und der Adriatischen Kleinplatte, die dem Afrikanischen Kontinent vorgelagert ist und von diesem in Europa hineingeschoben wird. Diese langsame, aber stetige Konvergenz führt nicht nur zum anhaltenden Wachstum der Alpen, sondern auch zu Spannungen in der Erdkruste, die sich immer wieder in kleineren Erdbeben entladen. Anders als an klassischen Plattengrenzen handelt es sich im Alpenraum überwiegend um sogenannte Intraplattenbeben entlang lokaler Störungszonen.

Der Kanton Wallis gilt innerhalb der Schweiz als besonders erdbebenaktiv. Jährlich werden hier zahlreiche kleinere Erschütterungen registriert, von denen die meisten unterhalb der Wahrnehmungsschwelle liegen. Ereignisse mit Magnituden im Dreierbereich sind zwar nicht alltäglich, kommen aber immer wieder vor.

Während solche schwachen Erdbeben normalerweise ungefährlich sind und keine größeren Schäden an der Infrastruktur verursachen, könnten sie im Laufe der Zeit dennoch bestehende Instabilität in steilen Felswänden vergrößern, insbesondere im Zusammenhang mit den schmelzenden Permafrostböden und auftauenden Klutffüllungen. Somit steigt insbesondere während der Sommermonate das Felssturzrisiko auch infolge schwacher bis moderater Erdbeben.

Der beschriebene Erdstoß war nicht das einzige Erdbeben, dass sich gestern in der Alpenregion und im Alpenvorland zutrug. In den letzten Tagen gab es eine rege Seismizität entlang der kontinentalen Naht.

Sizilien: Mittelstarkes Erdbeben nahe der Nordküste

Sizilien. © EMSC

Erdbeben Mb 4,2 vor der Nordküste von Sizilien: Moderate Erschütterung von Anwohnern gespürt

Datum: 18.01.2026 | Zeit: 13:54:16 UTC | Koordinaten 38.039 ; 14,675 | Tiefe: 8 km | Mb 4,2




In den letzten Tagen gab es auf und um Sizilien herum mehrere mittelstarke Erdbeben. Die meisten ereigneten sich im Ionischen Meer östlich von Sizilien, aber auch die Ätna-Region geriet zusehends unter Spannungen. Gestern manifestierte sich nun in 8 Kilometern Tiefe ein Erdstoß der Magnitude 4,2 nahe der Nordküste. Das Epizentrum lag rund 13 Kilometer süd-südwestlich von Capo d’Orlando bei Milazzo und etwa 70 Kilometer nordwestlich von Catania, in der Provinz Messina. Milazzo ist als das Tor zu den Liparischen Inseln bekannt, wo die beiden Vulkane Vulcano und Stromboli liegen. Es gab insgesamt 12 Nachbeben. Das stärkste hatte eine Magnitude 3,5.

Die Erschütterung wurde in weiten Teilen Nord- und Ostsiziliens wahrgenommen. Zahlreiche Einwohner des nächstgelegenen Dorfes Alcara Li Fusi berichteten von grollenden Geräuschen und deutlich spürbaren Vibrationen, klirrenden Fenstern, schlagenden Türen und schwankenden Gegenständen. Auch aus Städten wie Sant’Agata di Militello und Capo d’Orlando gingen Meldungen ein. Die vergleichsweise geringe Herdtiefe von etwa acht Kilometern verstärkte die Wahrnehmung an der Oberfläche.

Nach Angaben der Zivilschutzbehörden und lokaler Medien wurden bislang keine Verletzten oder größere Schäden gemeldet. Dennoch sorgte die plötzliche Erschütterung bei vielen Menschen für Verunsicherung, einige flüchteten aus Angst vor einem stärkeren Erdbeben aus ihren Häuser. Schulen, Verkehrswege und kritische Infrastrukturen blieben unbeeinträchtigt, wurden von Einsatzkräften aber auf Schäden untersucht.

Tektonisch liegt das betroffene Gebiet in einer der komplexesten Zonen des Mittelmeerraums. Nord-Sizilien befindet sich im Einflussbereich der Kollision zwischen der afrikanischen und der eurasischen Platte sowie der Dehnungsprozesse im Tyrrhenischen Becken. Das aktuelle Erdbeben wird nach Einschätzung von Seismologen nicht mit dem nahen Vulkan Ätna in Verbindung gebracht, sondern mit aktiven Störungszonen der oberen Erdkruste. Östlich des Erdbebengebiets liegt die bekannte Capo-d’Orlando-Verwerfung, die grob in Nord-Süd-Richtung verläuft und für die Entstehung des Vulkanismus der Liparischen Inseln mitverantwortlich ist. Sie gehört zu der Nebrodi-Peloritani-Übergangszone, an der sich zwei Gebirgsketten treffen, die mit zum Apennin gehören. Das Beben hat sich an einer dieser Randstörungen dieser Zone ereignet.

USA: Erdbeben Mw 6,0 nahe Axial Seamount

Erdbeben der Magnitude 6,0 vor der Küste Oregons – tektonische Aktivität nahe Unterwasservulkan Axial Seamount

In den frühen Morgenstunden kam es um 03:25:53 UTC zu einem starken Erdbeben bzw. Seebeben der Magnitude 6,0, das den Nordostpazifik vor der Küste des US-Bundesstaates Oregon erschütterte. Das Epizentrum lag bei den Koordinaten 43,727° N; 127,985° W, rund 300 Kilometer westlich von Coos Bay und fast 400 Kilometer west-südwestlich von Eugene. Die Herdtiefe betrug etwa 10 Kilometer, was auf ein vergleichsweise flaches, potenziell stark spürbares Beben hindeutet, auch wenn es aufgrund der großen Distanz zur Küste keine Schäden verursachte.




Lage des Erdbebens zum Axial Seamount. © Google Maps

Tektonisch lässt sich das Ereignis klar der Blanco Transform Fault Zone (BTF) zuordnen. Diese markante Störungszone verbindet den Juan-de-Fuca-Rücken mit dem Gorda-Rücken und ist eine der seismisch aktivsten Transformverwerfungen im Nordostpazifik. Entlang der BTF gleiten ozeanische Platten (Juan de Fuca und Pazifikplatte) seitlich aneinander vorbei, wodurch sich regelmäßig Spannungen aufbauen, die sich in starken bis sehr starken Erdbeben entladen können. Das aktuelle Beben passt in dieses bekannte Muster und gilt als klassisch tektonisches Ereignis.

Besondere Aufmerksamkeit erhält das Beben jedoch durch seine relative Nähe zum Axial Seamount, einem großen submarinen Schildvulkan etwa 330 Kilometer nordwestlich des Epizentrums. Der Axial Seamount gilt als aktivster Unterwasservulkan im Nordostpazifik und wird seit Jahrzehnten intensiv überwacht. Seine letzten Eruptionen fanden 1998, 2011 und 2015 statt.

Vulkanologen hatten aufgrund der gemessenen Hebung des Calderabodens prognostiziert, dass es im letzten Jahr erneut zu einem Ausbruch kommen könnte, doch dieser blieb bekanntlich aus. Neuere Daten deuteten zuletzt auf eine Verzögerung der Magmainflation hin und die Forscher gehen von einem Ausbruch in 2026 aus.

Das aktuelle Erdbeben liefert keinen direkten Hinweis auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption des Axial Seamount. Allerdings liegt der Vulkan im Wirkungskreis des Erdbebens, und der erwartete Vulkanausbruch könnte von den Vibrationen der Erschütterung getriggert werden. Bis jetzt wurden aber noch keine Anzeichen bekannt, dass es zu einem Ausbruch gekommen wäre. Starke Erdbeben können aber noch über ein Jahr nachwirken, was bewirkt, dass es wissenschaftlich schwierig ist, zu beweisen, ob ein Vulkanausbruch von einem länger zurückliegenden Erdbeben ausgelöst wurde.

Italien: Erdbeben Mb 4,4 im Ionischen Meer

Erdbeben im Ionischen Meer bei Italien: Ruck entlang einer komplexen Nahtstelle

Datum: 15.01.2026 | Zeit: 08:35:17 UTC | Koordinaten 38.721 ; 18.054 | Tiefe: 10 km | Mb 4,4

Ein moderates Erdbeben der Magnitude Mb 4,4 hat am Morgen das nördliche Ionische Meer erschüttert. Das Epizentrum wurde vom EMSC 90 km ost-südöstlich von Crotone in Italien verortet. Die Tiefe des Hypozentrums wurde mit 10 Kilometern angegeben. Der Erdstoß manifestierte sich um 08:35:17 UTC und blieb ohne größere Schäden. Auch Wahrnehmungsmeldungen liegen nicht vor.  Es war nicht das einzige Beben in der Region, denn zuvor gab es um 06:02:08 UTC ein Beben Mb 4,3 in 15 km Tiefe sowie einige schwächere Erdstöße.  Die Beben lenken den Blick auf eine der tektonisch komplexesten Zonen des Mittelmeerraums.

Italien. © EMSC/Leaflet

Was auf den ersten Blick wie ein typisches mittelstarkes Seebeben erscheint, ist aus tektonischer Sicht bemerkenswert. Die Epizentren liegen in einer bekannten Deformationszone im Übergangsbereich zwischen der Adriatischen und der Ionischen Mikroplatte, nahe der Apulischen Schichtstufe mit der gleichnamigen Großstörung. Diese Zone ist kein klar definierter Plattenrand, sondern ein mehrere Dutzend Kilometer breiter Störungsgürtel, in dem sich unterschiedliche Bewegungen überlagern. Entgegen vereinfachter Darstellungen in manchen globalen Karten handelt es sich dabei nicht um eine direkte Grenze zwischen der afrikanischen und der adriatischen Platte. Die afrikanische Großplatte liegt weiter südlich; im zentralen Mittelmeer dominieren Mikroplatten und Übergangszonen das Geschehen.

Auffällig ist, dass es in den letzten Tagen zu einer Zunahme der Seismizität im Osten Italiens kommt. Offenbar haben sich durch tektonische Prozesse größere Spannungen aufgebaut, die nun entladen werden. Erst am 10. Januar hatte es im Ionischen Meer ein Erdbeben der Stärke Mb 5,1 gegeben. Diese Erschütterung manifestierte sich im gleichen Störungsregime, aber weiter südlich und näher an der Küste, weshalb ich die aktuellen Erdbeben nicht als Nachbeben einordne. Stärkere Erdbeben sind jederzeit möglich.

Das nördliche Ionische Meer ist seit Jahrhunderten als seismisch aktive Region bekannt. Historische Großbeben wie jenes von Messina 1908 haben gezeigt, welches Potenzial in diesem System steckt. Das aktuelle Ereignis bewegt sich jedoch klar im moderaten Bereich und fügt sich in die normale seismische Hintergrundaktivität der Region ein.

Santorin: Erneute Erdbeben am 14. Januar

Santorin von weiteren Erdbeben erschüttert – ähnliches Muster wie zu Beginn der Krise im letzten Jahr

Heute ereigneten sich östlich von Santorin insgesamt 4 Erdbeben, von denen die beiden stärksten die Magnituden 3,2 und 3,0 hatten. Während das stärkere Beben wieder kurz vor der Küste von Santorin lag und von Anwohnern der Insel verspürt wurde, bildeten die drei anderen Beben einen kleinen Cluster nordöstlich von Anydros. In der Region der unbewohnten Insel gab es im Frühjahr letzten Jahres eine massive Magmenintrusion, die vom submarinen Vulkan Kolumbos ausging und mit magmatischen Prozessen der Santorin-Caldera gekoppelt war. Wahrscheinlich handelt es sich bei den aktuellen Erschütterungen um Nachwehen der Beinahe-Geburt eines neuen Unterwasservulkans, doch es besteht die Möglichkeit neuerlicher Intrusionen.

Santorin. © EMSC/Leaflet

Die Wahrnehmungsmeldungen beim EMSC beschreiben den Erdstoß Mb 3,2 als leichtes Zittern, das durch die Gebäude in Küstennähe lief und hörbares Grummeln verursachte. Da die Menschen auf Santorin im letzten Jahr zahlreiche Erdbeben mit Magnituden im Fünferbereich erdulden mussten, blieben sie bei den aktuellen Erdstößen zumindest äußerlich gelassen. Doch ich denke, die Gelassenheit verwandelt sich schnell ins Gegenteil, sollte es wieder stärkere Erdbebensequenzen geben.

Generell ist das Leben auf einem aktiven Vulkan nicht einfach, denn ständig muss man mit der Angst leben, sein Hab und Gut und im Extremfall auch sein Leben zu verlieren. Dabei geht die Gefahr nicht nur von Vulkanausbrüchen aus, sondern auch von starken Erdbeben und Tsunamis, die auch umliegende Küstengebiete abseits des eigentlichen Vulkans beeinträchtigen können.

Aktuell kennen wir auf der Erde 4 große Calderavulkane, die seismische Unruhen zeigen und sich langfristig gesehen auf neue Eruptionen vorbereiten könnten: Hierzu zählen neben Santorin die italienische Caldera Campi Flegrei, der Taal (Philippinen) und die Laguna del Maule (Chile). Santorin ist der kleinste der Vulkane, aber durchaus in der Lage, VEI-6-Eruptionen zu verursachen. Das stärkste Eruptionspotenzial weisen die Taal und Laguna del Maule auf. Sollte es hier einmal zu den stärkstmöglichen Eruptionen kommen, würde das Weltklima nachhaltig beeinflusst werden.