Vesuv: Ungewöhnlich starker Erdbebenschwarm am 05. Januar

Vesuv startet mit Schwarmbeben ins neue Jahr – fast 90 Beben innerhalb weniger Stunden

Der italienische Vulkan Vesuv startete mit einer ungewöhnlich starken Schwarmbebensequenz ins neue Jahr und generierte innerhalb weniger Stunden fast 90 schwache Erdbeben in geringen Tiefen unter seinem Gipfelbereich. Die stärkste Erschütterung hatte eine Magnitude von 1,6 und ein Hypozentrum in nur 400 m Tiefe unter Normalnull. Die meisten der stärkeren Erdbeben mit Magnituden über 1,0 manifestierten sich im nördlichen Kraterbereich bzw. unter der Nordflanke des Gran Cono.



Vesuv. © INGV

Die bis dato fast jungfräuliche Shakemap des INGV für 2026 – auf der bis zum Beginn des Erdbebenschwarms am Abend des 4. Januars um 23:12:18 nur 6 Beben eingetragen waren – präsentiert sich inzwischen mit einem respektablen Cluster, der aus 93 Beben besteht. 87 der Beben entfallen auf das aktuelle Schwarmbeben, das bis heute Vormittag anhielt.

Für gewöhnlich sagen die INGV-Vulkanologen des Observatoriums Neapel, dass es sich bei den Erdbeben am Vesuv um Setzungserdbeben handelt, die infolge gravitativer Kräfte und einer weiteren Schrumpfung infolge von Abkühlung der Schlotfüllung des Vesuvs entstehen. In den letzten Wochen gab es aber auch Hybridbeben, die auf die Zirkulation magmatischer Fluide schließen lassen. Von daher ist es durchaus möglich, dass der aktuelle Erdbebenschwarm vulkanotektonischen Ursprungs ist und durch Mikrofragmentierung der Gesteine infolge von Fluidaufstieg entstanden ist. Eine genaue Analyse der Daten von Seiten der zuständigen Vulkanologen und Seismologen steht allerdings noch aus. Spätestens im Monatsbulletin für Januar sollte darüber zu lesen sein. Vielleicht schaffen es einige Infos noch in die Dezember-Ausgabe, die in den nächsten Tagen erscheinen sollte.


In meinen Augen zeichnet sich eine langsame Umkehr des Trends ab, der mit Subsidenz und Schrumpfung des Vesuvs einhergeht. Ein Indiz hierfür ist, dass vor gut einem Jahr die Bodenabsenkung am unteren Flankenbereich des Vulkans aufhörte Mich würde es nicht wundern, wenn dieser subsidiäre Trend in den nächsten Monaten auch für den Bereich des Gran Cono zum Erliegen käme und es dann zu einer langsamen Aufblähung/Erwärmung des magmatischen Systems käme.

Ätna: Lavastrom im Valle bleibt bei limitierten Zugang aktiv

Lavastrom am Ätna weiterhin aktiv – Zugangskontrollen zum Valle del Bove aktiv durchgeführt

Der Lavastrom im Valle del Bove (Tal des Ochsen) am sizilianischen Vulkan Ätna ist weiterhin aktiv. Trotz des schlechten Wetters ist die Lavafront auf der Thermalcam sichtbar. Sie liegt knapp unterhalb der Wolkendecke. Der Stärke des Signals nach zu urteilen, ist ein neuer Lavaschub unterwegs. Berichten zufolge gibt es am Zugang zum Valle del Bove bei Pietracannone Kontrollen: Man darf sich der Lavafront nur mit Begleitung eines zertifizierten Vulkanführers einer bestimmten Vereinigung bis auf 200 Meter nähern. Selbst andere Vulkanprofis sind von der Regelung nicht ausgenommen.



Thermalaufnahme INGV

Einerseits kann ich verstehen, dass die Behörden besorgt sind, Unfälle vermeiden wollen und den Zugang zum Eruptionsgebiet limitieren, andererseits finde ich es erstaunlich, dass nicht differenziert wird und auch Vulkanprofis und Pressevertreter von der Regelung nicht ausgenommen sind, insbesondere, da die Risiken an einem Lavastrom auf flachem Gelände bei weitem nicht so groß sind wie direkt an einem explosiv tätigen Krater. Der Vulkan- und Pressefotograf und Gründer von EtnaWalk, Giuseppe Distefano, postete auf FB, dass es aber offenbar doch Ausnahmen gibt, wenn man eine hochgestellte Persönlichkeit ist, die über entsprechende Beziehungen verfügt. So beobachtete er, wie eine ihm bekannte Person in Begleitung von 2 Freunden an den Posten vorbei marschierte, ohne sich in der Besucherliste eintragen zu lassen, was die Posten akzeptierten. Der Vorgang führte zu einiger Empörung im Netz. Den Kommentaren ist zu entnehmen, dass die Verbotspolitik am Ätna (und nicht nur dort) vielen Menschen auf die Nerven geht!

Bilder dokumentieren allerdings auch den großen Besucheransturm: So ist die kurvenreiche Straße zwischen Milo und dem Valle del Bove am Wochenende komplett zugeparkt gewesen. Aufnahmen vom 3. Januar zeigen, wie sich Hunderte Schaulustige unmittelbar vor der Lavafront aufbauten. Etwas, was natürlich auch nicht geht.

Aus einem aktuellen Bericht des INGV geht hervor, dass die Lavafront, die gestern in etwa 1400 m ü. NN zum Stillstand gekommen war, inzwischen eine Höhe von rund 1360 m ü. NN erreicht hat und sich mit den Lavazungen der vorhergehenden Tage vereinigte. Auf etwa 1500 m ü. NN, wurde zudem ein neuer aktiver Lavastrom festgestellt, der sich ebenfalls mit den bestehenden Strömen überlagert.

Aus seismologischer Sicht zeigte die mittlere Amplitude des vulkanischen Tremors ab etwa 00:00 UTC am 5. Januar einen langsamen und kontinuierlichen Anstieg, der gegen 05:20 UTC seinen Maximalwert erreichte. Anschließend folgte ein abrupter Rückgang der Amplitude, die derzeit auf einem niedrigen Niveau liegt. Die Quelle des vulkanischen Tremors wird nordwestlich des Südostkraters in einer Höhe von etwa 1500 bis 2000 m über dem Meeresspiegel lokalisiert, was eine Verlagerung der Tremorquelle darstellt: bislang lagen die Signale unter dem Nordostkrater. Möglicherweise deutet sich hier an, dass der Südostkrater aktiv wird.

Um 05:19 UTC wurde zudem ein deutliches seismisches Signal registriert, das insbesondere an den Gipfelstationen etwa zwei Minuten anhielt. Dieses Ereignis steht weder mit Bruchprozessen noch mit explosiver Aktivität in Zusammenhang, sondern wird vermutlich durch einen Erdrutsch verursacht.

Puracé: Ascheemissionen am 05. Januar

Anhaltende Aktivität am Vulkan Puracé – Ascheemissionen begründen erhöhte Warnstufe

Der Vulkan Puracé im Südwesten Kolumbiens bleibt weiterhin aktiv. Nach Angaben des Servicio Geológico Colombiano (SGC) sowie der Washington Volcanic Ash Advisory Center (VAAC) zeigen aktuelle Daten, dass der Vulkan auch Anfang Januar 2026 kontinuierlich Gas- und Ascheemissionen freisetzt. Die kolumbianischen Behörden halten daher die Warnstufe Orange für den Vulkan in der Kette Los Coconucos aufrecht.

Puracé Archivbild vom Dezember

In einem außerordentlichen Bulletin vom 4. Januar 2026 erklärte der SGC, dass mehrere überwachte Parameter weiterhin signifikante Anomalien aufweisen. Insbesondere wurde eine anhaltende seismische Aktivität registriert, bestehend aus Tremor-Signalen und langperiodischen Erdbeben. Diese deuten auf die fortgesetzte Bewegung von Gasen und anderen Fluiden im Fördersystem des Vulkans hin. Zusätzlich bestätigten Überwachungskameras und Sensoren wiederholte Emissionen von Vulkanasche und Gasen, deren direkte Sichtung zeitweise durch dichte meteorologische Bewölkung erschwert war.

Diese Beobachtungen werden durch eine VONA-Meldung des VAAC-Washington vom 5. Januar 2026 (08:42 UTC) gestützt. Demnach stößt der Vulkan weiterhin Vulkanasche aus, die sich vom Boden bis in Höhen von etwa 5.500 m (FL180) ausbreitet. Die Aschewolke wurde im Umfeld des Vulkans lokalisiert und bewegte sich mit geringer Geschwindigkeit in nordwestliche Richtung. Satellitendaten zeigten zwar keine eindeutige Ascheerkennung, was ebenfalls auf starke Wetterbewölkung zurückgeführt wurde, doch bestätigte die VONA-Meldung eindeutig eine laufende Ascheemission.

Für die Luftfahrt stellen diese Emissionen ein Risiko dar, weshalb wiederholt Aschewarnungen herausgegeben wurden. Die VAAC-Prognosen gehen davon aus, dass sich die Windrichtung in den kommenden Stunden allmählich ändern könnte, was die Ausbreitung der Asche beeinflusst.

Der SGC betont, dass die Warnstufe Orange keine unmittelbar bevorstehende große Eruption bedeutet, jedoch eine Phase erhöhter Instabilität kennzeichnet. Die Bevölkerung in den umliegenden Gemeinden wird weiterhin aufgerufen, sich von den Kraterbereichen fernzuhalten und ausschließlich offiziellen Mitteilungen zu folgen. Die vulkanische Aktivität des Puracé bleibt damit ein zentrales Beobachtungsobjekt für Wissenschaftler, Zivilschutz und Luftfahrtbehörden gleichermaßen.

Italien: Schwarmbeben am Rand des Apennin

Erdbebenschwarm erschüttert zentrales Italien – stärkstes Beben mit Magnitude 3,8

Heute Nacht ist es in Zentralitalien zu einem Erdbebenschwarm gekommen, der sich aus mehr als 20 Erschütterungen zusammensetzt. Das stärkste Beben ereignete sich um 02:31 Uhr Ortszeit (01:31 UTC) mit einer Magnitude von 3,8. Das Epizentrum lag rund 14 Kilometer süd-südwestlich von Mogliano in der Region Marche, östlich des Hauptkamms der Apenninen. Die restlichen Erschütterungen hatten Magnituden zwischen 2,0 und 3,3. Die Tätigkeit erstreckte sich über mehrere Stunden. Die Hypozentren lagen dabei auffallend konstant in 21 bis 26 Kilometern Tiefe, was auf die Aktivierung einer tiefer liegenden Störungszone hindeutet.

Italien: © EMSC/Leaflet

Das stärkste Beben wurde in weiten Teilen der Provinzen Macerata und Fermo deutlich gespürt. Berichte über größere Schäden oder Verletzte lagen zunächst nicht vor. Die vergleichsweise große Tiefe der Erdbeben wirkte dämpfend auf die Bodenerschütterungen, auch wenn einzelne Stöße von der Bevölkerung als deutlich wahrgenommen wurden.

Seismologen sprechen von einem klassischen Erdbebenschwarm, da kein einzelnes Vor- oder Nachbeben klar dominiert, sondern viele ähnlich starke Ereignisse in engem Raum und kurzer Zeit auftreten. Die Epizentren konzentrieren sich in einem nur wenige Kilometer großen Gebiet bei etwa 43,08° nördlicher Breite und 13,40° östlicher Länge.

Solche Schwärme sind im zentralen Apennin nicht ungewöhnlich und stehen in Zusammenhang mit der anhaltenden Dehnung der Erdkruste in dieser Region.

Tektonischer Hintergrund: Das Gebirge wird auseinandergezogen

Zentralitalien liegt im Spannungsfeld zwischen der Adria-Mikroplatte und der Eurasischen Platte. Während die Apenninen ursprünglich durch Zusammenstöße und Subduktion entstanden, dominiert heute ein gegenteiliger Prozess: Extension.

Die Erdkruste wird hier gedehnt, weil sich die ehemals subduzierte Lithosphäre unter Italien nach Osten zurückzieht. In der Folge entstehen Abschiebungen, entlang derer sich die Erdkruste ruckartig bewegt – der typische Mechanismus für Erdbeben in dieser Region.

Auch der aktuelle Schwarm wird sehr wahrscheinlich durch eine solche Normalstörung verursacht, die tief in der kontinentalen Kruste aktiv ist.

Das betroffene Gebiet gehört zu den seismisch aktivsten Zonen Italiens. In den vergangenen Jahrzehnten kam es hier wiederholt zu starken Erdbeben, darunter die Ereignisse von 1997 (Umbrien–Marche) sowie die Erdbebenserie 2016–2017 in Mittelitalien.

Ob der aktuelle Schwarm bereits abgeschlossen ist oder weitere Erschütterungen folgen, lässt sich derzeit nicht sicher sagen. Erfahrungsgemäß können solche Serien stunden- bis tagelang andauern, ohne zwangsläufig in ein größeres Beben überzugehen.

Die Behörden riefen die Bevölkerung zur Ruhe auf, empfehlen jedoch – wie in seismisch aktiven Gebieten üblich – Aufmerksamkeit und die Einhaltung grundlegender Vorsichtsmaßnahmen.

Äthiopien: Erdbeben Mb 4,5 am Afar-Dreieck

Mittelstarkes Erdbeben Mb 4,5 erschüttert Randstörung im äthiopischen Afar-Dreieck

Datum: 04.01.2026 | Zeit: 20:05:35 UTC | Koordinaten 13.588 ; 39.782 | Tiefe: 10 km | Mb 4,5

Nachdem es aus seismischer Sicht in den letzten Wochen recht ruhig um das äthiopische Afar-Dreieck bestellt war, manifestierte sich gestern ein mittelstarkes Erdbeben der Magnitude 4,5 am Westrand des Afar-Dreiecks. Die Herdtiefe wird vom EMSC mit 10 Kilometern angegeben, was darauf hindeutet, dass das Hypozentrum nicht genau lokalisiert werden konnte. Das Epizentrum befand sich 35 km ost-nordöstlich von Mekele, das früher als Tor zum Vulkan Erta Alé galt, aufgrund von bürgerkriegsähnlichen Unruhen vor einigen Jahren aber seine Bedeutung verlor.

Afar-Dreieck. © EMSC/Leaflet

Der Erdstoß gestern mag an die Ereignisse von vor einem Jahr erinnern, als es in der Awash-Region des Afar-Dreiecks zu massiven Gangintrusionen zwischen den Vulkanen Fentale und Dofen gekommen war, doch einen direkten Zusammenhang zwischen den Ereignissen damals und dem Beben gestern gibt es nicht. Das aktuelle Beben ereignete sich an der westlichen Schulterstörung des Ostafrikanischen Grabenbruchs, der sich kurz vor der Kreuzung mit den Störungen des Roten Meeres zum Afar-Dreieck weitet. Dennoch deutet das Beben auf weiterhin vorhandene Spannungen im Untergrund hin, die mit der Öffnung des Riftvalleys und der Geburt eines neuen Ozeans zusammenhängen, ein Prozess, der letztendlich auch für die Gangintrusionen verantwortlich ist, denn die Extension der Region bedingt, dass die entstandenen Lücken entlang der Spalten mit Magma verfüllt werden, ähnlich wie es entlang der Mittelozeanischen Rücken geschieht.

In diesem Sinne kann man sagen: Wo Magma ist, ist ein Vulkanausbruch nicht fern. Nach der Explosion am Hayli Gubbi Ende November, die mutmaßlich von Lava verursacht wurde, die ausgehend vom Erta Alé unterirdisch abfloss, ist in der Region keine Schmelze oberflächlich ausgetreten. Dennoch verzeichnet MIROVA immer wieder schwache bis moderate thermische Anomalien am Dofen und gelegentlich auch am Fentale. Hier könnten heiße Gase für die Wärmeabstrahlungen verantwortlich sein, die von den Gangintrusionen ausgehen.