Anhaltende Seismizität und Bodenhebung am Piton Fournaise – Weiterer Vulkanausbruch könnte in Kürze folgen
Am Vulkan Piton de la Fournaise könnte sich innerhalb kurzer Zeit ein weiterer Vulkanausbruch entwickeln, wobei man dann diskutieren müsste, ob es sich – ähnlich wie auf Hawaii – um eine weitere Episode des selben Ausbruchs handelt. Grund für diese Annahme liefern die jüngst vom OVPF veröffentlichten geophysikalischen Daten: Sie zeigen, dass sich unter dem Vulkan im französischen Übersee-Departement La Réunion weiterhin Magma bewegt, das aufsteigt und dabei nicht nur Erdbeben verursacht, sondern auch eine Aufblähung des Vulkans.

Die Zahl der vulkanotektonischen Erdbeben nahm in den letzten Tagen zwar kontinuierlich ab, liegt nun aber wieder auf dem Niveau wie vor Beginn der seismischen Krise, die am 18. Januar in der Eruption gipfelte. Konkret heißt das, dass sich die Zahl der Erdbeben am 22. Januar auf 30 reduzierte. Am 19. Januar wurden etwa 10 Mal so viele Beben registriert. Die Erdbebenherde liegen weiterhin in Tiefen zwischen etwa 1 und 2,5 Kilometern unter dem nördlichen Rand des Vulkans.
Neben diesen kurzperiodischen Erdbeben registrieren die Wissenschaftler seit dem Ausbruchsstopp auch wiederholt langperiodische Signale (LP-Erdbeben). Diese werden üblicherweise mit der Bewegung von Fluiden oder mit Druckschwankungen im magmatischen bzw. hydrothermalen System in Verbindung gebracht. Nach Einschätzung des OVPF deutet die Kombination aus beiden Signaltypen darauf hin, dass das oberflächennahe Fördersystem des Vulkans weiterhin unter Druck steht und erneut auflädt.
Auch die Bodenverformung liefert Hinweise auf anhaltende magmatische Prozesse im Untergrund. Messungen in der Gipfelregion deuten erneut auf eine leichte Inflation hin. Ob dieser Trend anhält, soll in den kommenden Tagen genauer überprüft werden.
Die Vulkanologen weisen darauf hin, dass während solcher Druckphasen starke Schwankungen der seismischen Aktivität möglich sind. Phasen mit nur wenigen Erdbeben können kurzfristig von Perioden deutlich erhöhter Aktivität abgelöst werden.
Der weitere Verlauf des Geschehens bleibt offen. Der Druckaufbau im oberflächennahen Magmareservoir kann sich über längere Zeiträume hinziehen. Ebenso ist es möglich, dass sich das System stabilisiert, ohne dass es in absehbarer Zeit zu einem neuen Ausbruch kommt. Ich halte eine weitere Eruption in den nächsten Tagen oder Wochen für durchaus möglich.