Sizilien: Katastrophaler Erdrutsch bei Niscemi

Erdrutsch bei Niscemi auf Sizilien: Folge extremer Niederschläge der Unwetter der letzten Tage

Die Erde auf Sizilien kommt nicht zur Ruhe, nur diesmal ist weder der Ätna schuld noch ein starkes Erdbeben, sondern die extremen Niederschläge der letzten Woche, die gestern am Stadtrand der Stadt Niscemi einen starken Erdrutsch ausgelöst haben. Entlang eines Hangs am Ortsrand nahe einer Klippenzone senkte sich der Untergrund über mehrere Meter ab. Auffällig war dabei, dass große Teile des Hanges als kompakter Block abrutschten und eine terrassenartige Stufe bildeten – ein typisches Merkmal langsam gleitender Rutschungen. Niscemi – das in der südsizilianischen Provinz Caltanissetta liegt – ist auf instabilen Boden gegründet und es besteht die Gefahr, dass sich entlang der mehrere hundert Meter langen Abbruchkante weitere Erdrutsche manifestieren. Aus diesem Grund wurden mehr als 1000 Personen evakuiert. Todesopfer gab es wie durch ein Wunder nicht. Spektakuläre Bilder dokumentieren das außergewöhnliche Ereignis und dürften viral gehen. 



Niscemi

Geologisch betrachtet gehört das Gebiet von Niscemi zum südlichen Zentralsizilien, das von sedimentären Abfolgen geprägt ist. Der Untergrund besteht hier überwiegend aus Wechsellagerungen von Sanden, Sandsteinen, Mergeln und tonreichen Schichten, die im Miozän und Pliozän abgelagert wurden. Besonders problematisch ist die Kombination aus durchlässigeren Sandlagen über weniger durchlässigen Ton- oder Mergelhorizonten. Solche Grenzflächen wirken bei Wassersättigung als natürliche Gleitebenen, so wie es hier offenbar der Fall war.

Morphologisch ist die Region durch sanft bis mäßig geneigte Hügel gekennzeichnet, die von Erosionsrinnen und kleinen Tälern zerschnitten werden. Diese Topografie begünstigt Hanginstabilitäten, vor allem dort, wo menschliche Eingriffe – Straßen, Einschnitte oder Bebauung – das natürliche Gleichgewicht zusätzlich schwächen.

Nach ersten Einschätzungen handelt es sich um eine translational-rotierende Rutschung. Der Hang verlor nicht schlagartig seine Struktur, sondern glitt als relativ kohärente Masse hangabwärts. Solche Bewegungen verlaufen oft schleichend, können aber in kurzer Zeit deutliche Absenkungen von mehreren Metern verursachen. Genau dieses Bild zeigte sich in Niscemi: abgesackte Flächen mit scharf strukturierten Abrisskanten und ein insgesamt „intakter“, aber tiefer liegender Hangkörper.

Ein direkter Zusammenhang mit den starken Niederschlägen der letzten Tage gilt als sehr wahrscheinlich, ist aber wissenschaftlich noch nicht bewiesen. Intensive und anhaltende Regenfälle führten zur Sättigung der oberflächennahen Sedimente und zu einem Anstieg des Porenwasserdrucks. Dadurch verringerte sich die Scherfestigkeit insbesondere der tonreichen Schichten. In einem geologischen Umfeld wie dem von Niscemi reicht dieser Effekt oft aus, um bereits vorbelastete Hänge zum Gleiten zu bringen.

Tatsächlich gab es unweit des Ortes in der vergangenen Woche ein schwaches Erdbeben der Magnitude 2,6. Da die Herdtiefe aber in mehr als 40 Kilometern festgestellt wurde, ist es eigentlich auszuschließen, dass der Erdstoß den Erdrutsch triggerte.