Starker Sonnensturm auf dem Weg zur Erde – Chancen auf Polarlichter in Deutschland?
Durch einen erdgerichteten koronalen Massenauswurf (CME) entfesselte sich heute ein starker X-Klasse-Sonnensturm, der durch den Weltraum auf die Erde zurast. Er wird voraussichtlich in den kommenden 24–48 Stunden bei uns eintreffen. Diese Plasmawolke entstand bei einer Sonneneruption auf der Sonnenoberfläche und trägt Milliarden geladener Teilchen samt zugehörigem Magnetfeld mit sich. Trifft ein solcher CME auf das Magnetfeld der Erde, kann er die Magnetosphäre stark stören. In so einem Fall spricht man von einem geomagnetischen Sturm.

Solche Stürme entstehen, wenn riesige Mengen Sonnenmaterial explosionsartig ins All geschleudert werden. Treffen diese Wolken frontal auf das Erdmagnetfeld, werden die Feldlinien verzerrt und elektrische Ströme in der oberen Atmosphäre erzeugt. Das kann Kurzwellensignale stören, Satellitenfunktionen beeinflussen oder – im Extremfall – sogar Stromnetze belasten. Gleichzeitig erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für ein spektakuläres Naturphänomen: das Polarlicht.
Polarlichter entstehen, wenn die energiereichen Sonnenpartikel in die Erdatmosphäre gelangen und dort auf Gasmoleküle treffen. Die Kollisionen regen die Moleküle an, die Licht in verschiedenen Farben abstrahlen – klassisch grün oder rötlich in höheren Atmosphärenschichten. In starken geomagnetischen Stürmen kann sich das Aurora-Oval so weit nach Süden ausdehnen, dass Polarlichter auch in mittleren Breiten sichtbar werden.
Doch wie stehen die Chancen für Beobachter in Deutschland? Laut aktuellen Modellprognosen ist zwar ein starker geomagnetischer Sturm möglich oder sogar wahrscheinlich, Polarlichter sind in Deutschland aber eher selten und stark wetterabhängig. Für eine gute Sichtbarkeit benötigt es neben einer intensiven Sturmlage auch klaren Himmel ohne Bewölkung und einen erhöhten geomagnetischen Index (KP ≥ 6–7), damit sich die Aurora weit nach Süden ausdehnt. In der bisherigen Vorhersagelage für Deutschland gilt die Wahrscheinlichkeit derzeit eher als gering bis mäßig.
Dennoch könnten in norddeutschen Regionen schwache Lichtschimmer sichtbar werden, vorausgesetzt, der Sonnensturm entwickelt sich wie prognostiziert und das Wetter spielt mit. Selbst wenn man mit bloßem Auge nichts sieht, könnten ein Polarlicht auf langzeitbelichteten Fotos sichtbar werden.