Nach starkem Schwarmbeben am Wochenende: Geoforscher vergleicht den Vulkan Bardarbunga mit einem halb vollen Bierglas
Nachdem am Wochenende unter dem subglazialen Zentralvulkan Bardarbunga, der unter dem Vatnajökull-Gletscher liegt, mehr als 400 Erdbeben registriert wurden, rückte der fast schon in Vergessenheit geratene Vulkan wieder in den Fokus der isländischen Medien. Er war in den Jahren 2014/15 für einen der größten Vulkanausbrüche der jüngeren isländischen Geschichte verantwortlich: Im Zuge der Holuhraun-Eruption wurden zwischen 1,5 und 1,9 Kubikkilometer Lava gefördert. Der Erdbebenschwarm mit seinem Höhepunkt am 13. und 14. Juni wird als der stärkste seit dem Ende der Eruption beschrieben und gilt allgemein als Anzeichen für den fortschreitenden Wiederaufladungsprozess des großen Calderavulkans.
Auf Nachfrage erklärte der Geophysikprofessor Magnús Tumi Guðmundssonv in einem RUV-Interview, dass der Erdbebenschwarm nicht als Vorzeichen einer unmittelbar bevorstehenden Eruption zu verstehen sei. Vielmehr deute er auf einen Wiederaufladungsprozess hin, der seiner Ansicht nach offenbar schneller verläuft, als in vielen Studien angenommen wurde. Magnús verglich den Magmenkörper des Zentralvulkans mit einem halb vollen Bierglas und erklärte, dass sich in den elf Jahren seit der Eruption fast ein Kubikkilometer Magma angesammelt habe. Der Magmenzustrom unter dem 190 × 25 Kilometer großen Bardarbunga-Vulkansystem sei heute größer als die Beobachtungen vor der Eruption zeigten.
Von zentraler Bedeutung ist dabei, dass sich Magnús offenbar auf den Magmenzustrom unter dem gesamten Vulkansystem bezieht und nicht ausschließlich auf den Bereich der leicht elliptischen Caldera mit ihren Abmessungen von etwa 8 × 10 Kilometern.
Im Zuge der Holuhraun-Eruption hatte sich der Boden der Caldera stellenweise um bis zu 65 Meter abgesenkt. Studien auf Grundlage von InSAR- und GPS-Messungen belegen, dass sich die Caldera zwischen 2015 und 2018 mit einer Rate von etwa 20 Millimetern pro Jahr hob und dabei einen horizontalen Versatz von bis zu 111 Millimetern erzeugte. Berechnet man aus diesen Verformungsdaten den Magmenzufluss, ergibt sich unter günstigsten Bedingungen ein Wert von rund 0,032 Kubikkilometern Magma pro Jahr. Auf zehn Jahre hochgerechnet entspricht dies etwa 0,32 Kubikkilometern Magma und damit gut einem Drittel der von Magnús genannten Menge.
Unabhängig von den exakten Zahlen scheint die Wiederauffüllung des Magmaspeichersystems deutlich schneller zu verlaufen, als viele Forscher unmittelbar nach der Eruption erwartet hatten. Damals herrschte die Meinung vor, dass Bardarbunga in diesem Jahrhundert nicht mehr ausbrechen werde. Heute ist man sich diesbezüglich deutlich weniger sicher.
Tatsächlich haben die Forschungen der vergangenen Jahre gezeigt, dass sich unter Bardarbunga nicht ein einzelner, klar definierter Magmenkörper befindet, der sich während der Eruption weitgehend entleerte. Stattdessen existiert dort eine ausgedehnte und komplex aufgebaute Schmelzzone, die sich bis in Tiefen von mehr als 30 Kilometern erstreckt und auch nach der Eruption noch erhebliche Mengen Magma enthielt. Vor diesem Hintergrund erscheint es durchaus möglich, dass Bardarbunga früher wieder ausbrechen könnte, als lange Zeit angenommen wurde.








