Campi Flegrei: Wachsende Angst nach Erdbeben unter dem Vulkan

Erdbebenkarte (M ab 2,0) des EMSC verortet das Beben Md 4,7 (großer roter Punkt oberer Bildrand) anders als das INGV (blauer Punkt an der Solfatara). © EMSC

Signifikante Schäden durch das stärkste Erdbeben der aktuellen Hebungsphase der Campi Flegrei – Verletztenzahlen steigen auf 21

Datum: 31.07.2026 | Zeit: 17:46:44 UTC | Koordinaten: 40.8315 ; 14.1402 | Tiefe: 2,6 km | Md 4,7

Das Erdbeben der Magnitude 4,7, das sich am Freitagabend um 19:46 Uhr nördlich der Solfatara bei Pozzuoli ereignete, hat die Anwohner der Campi Flegrei ein weiteres Mal in Angst und Schrecken versetzt. Das wissenschaftlich betrachtet als mittelstark einzustufende Beben war das stärkste instrumentell registrierte Erdbeben in der Region seit Beginn der modernen Überwachung des Vulkangebiets und löste in weiten Teilen des Großraums Neapel nicht nur Panik aus, sondern auch Zweifel an Sicherheitskonzepten und der Risikoeinstufung. Das Hauptbeben war Teil eines ausgedehnten Erdbebenschwarms, der nach Angaben des INGV mehr als 70 Einzelbeben umfasste. Drei davon erreichten Magnituden von mehr als 3,0, zahlreiche weitere Erschütterungen lagen im Bereich zwischen Magnitude 2 und 3. Viele Bewohner verbrachten die Nacht im Freien oder in ihren Fahrzeugen, weil sie weitere starke Erschütterungen befürchteten.

Wer sich die Mühe macht und die Daten zu den Erdbeben selbst auswertet, erkennt, dass die offiziellen Zahlen überholt sind. Bis heute Vormittag registrierten die Seismografen mehr als 360 Erdbeben. 194 Beben waren zu schwach, um lokalisiert oder eingestuft zu werden. Bei 169 Erschütterungen konnte eine Magnitude bestimmt werden. Neben dem einen Beben Md 4,7 gab es 5 Beben mit Magnituden im Dreierbereich und 12 Erschütterungen im Zweierbereich. Aufgrund der geringen Tiefe der Hypozentren und der besonderen Struktur der Caldera sind selbst die Beben im Zweierbereich oft spürbar. Die Seismizität hält weiter an und hat das Potenzial, sich zum größten Erdbebenschwarm der aktuellen Bodenebnungsphase zu entwickeln, die bereits 2005 begann. Seitdem hob sich der Boden der Campi Flegrei um bis zu 1,67 m an. Der Prozess, der von Tausenden Erdbeben jährlich begleitet wird, destabilisierte bereits zahlreiche Häuser und stärkere Erdbeben mit Magnituden an 4,0 richteten bereits früher sichtbare Schäden an.

Das tatsächliche Ausmaß der Schäden des aktuellen Erdbebens Md 4,7 wurde erst in den letzten Stunden sichtbar. Während am Freitagabend zunächst lediglich von vier Verletzten berichtet worden war, korrigierten die Behörden ihre Angaben inzwischen deutlich nach oben. Nach aktuellem Stand wurden 21 Menschen verletzt, darunter zwei Personen schwer. Die meisten Verletzungen entstanden durch herabfallende Fassadenteile, Glassplitter oder Stürze während der panischen Flucht aus Gebäuden.

Besonders betroffen war die Stadt Pozzuoli. Mehrere Wohnhäuser erlitten schwere Schäden, zwei bereits leerstehende Gebäude stürzten teilweise ein. Ein weiteres Wohngebäude musste geräumt werden und gilt vorerst als unbewohnbar. Zahlreiche weitere Häuser weisen Risse und statische Schäden auf und werden derzeit von Ingenieuren überprüft. Viele Bewohner wissen weiterhin nicht, ob sie in ihre Wohnungen zurückkehren können, und beschweren sich, dass die Überprüfungen so lange dauern. Dabei muss man berücksichtigen, dass es eine große Anzahl an Gebäuden gibt, die überprüft werden müssen. Generell ist die betagte Bausubstanz von Pozzuoli alles andere als erdbebensicher und wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, verspürt auch in ruhigen Zeiten den Drang, einen Helm zu tragen.

Ein Helm wird künftig auch für jene Menschen empfehlenswert sein, die sich in der Nähe steiler Tufffelsen befinden, von denen es im Bereich der Campi Flegrei viele gibt, denn sie dürften durch die Abbrüche nachhaltig destabilisiert worden sein. Besonders an der Hangflanke entlang der Via Cigliano lösten sich mächtige Tuffblöcke und Geröllmassen, die mehrere geparkte Autos unter sich begruben und Straßen blockierten. Der Hangrutsch schnitt zeitweise auch mehrere Wohnhäuser von der Außenwelt ab. Weitere große Gesteinsbrocken lösten sich in der Via Pergolesi und stürzten auf parkende Fahrzeuge. Auch entlang der Küste gab es zahlreiche Felsstürze.

Im Hafen von Pozzuoli wurden Schäden an einem Kai festgestellt, der daraufhin aus Sicherheitsgründen gesperrt wurde. Die Sperrung beeinträchtigt den Fährverkehr zu den Inseln Ischia und Procida. Mehrere Verbindungen mussten verlegt oder umorganisiert werden, wodurch es insbesondere zu Beginn des Ferienwochenendes zu Verzögerungen kam. Für den Tourismus auf Ischia bedeutet dies eine zusätzliche Belastung, da der Hafen von Pozzuoli eine der wichtigsten Anlaufstellen für den Personenverkehr vom Festland ist.

Obwohl die Einsatzkräfte schnell Notunterkünfte öffneten und hunderte Feldbetten einrichteten, verbrachten zahlreiche Menschen die Nacht in ihren Fahrzeugen. Viele der aus ihren Häusern Geflüchteten waren sich unsicher, ob ihre Häuser noch sicher sind.

In den italienischen Medien wird inzwischen erneut die Frage gestellt, ob die Region ausreichend auf eine solche Krise vorbereitet ist. Im Mittelpunkt der Debatte stehen die Sicherheit öffentlicher Gebäude, der Zustand vieler Wohnhäuser sowie die Evakuierungsplanung. Besonders kritisch wird diskutiert, dass in den gefährdeten Gebieten weiterhin Großveranstaltungen wie der America’s Cup im nächsten Jahr geplant werden, obwohl die Bradyseismus-Krise seit Jahren anhält. Bereits nach den letzten stärkeren Erdbeben, von denen sich das letzte im Mai dieses Jahres ereignete, wurde gefordert, die Alarmstufe von Gelb auf Orange zu erhöhen, wodurch staatliche Gelder für Evakuierungsmaßnahmen freigegeben werden müssten.

Ein Fanpage-Interview mit dem Vulkanologen Giuseppe De Natale, Forschungsdirektor am INGV, das er ausdrücklich als persönliche wissenschaftliche Einschätzung kennzeichnete, sorgt aktuell für Aufmerksamkeit. De Natale weist darauf hin, dass der seit Jahrzehnten andauernde Hebungsprozess deutliche Parallelen zu jener Entwicklung aufweist, die 1538 im Ausbruch des Monte Nuovo gipfelte. Daraus lasse sich zwar nicht ableiten, dass ein neuer Ausbruch unmittelbar bevorstehe, doch langfristig betrachtet ließe sich ein solcher nicht ausschließen.

Der Vulkanologe warnt ausdrücklich davor, die Gefahr in den Campi Flegrei zu unterschätzen oder sich von ruhigeren Phasen täuschen zu lassen. Kurzfristige Schwankungen der seismischen Aktivität änderten nichts am langfristigen Trend der Bodenhebung und der zunehmenden Spannungen im Untergrund. Deshalb müsse die Bevölkerung auf sämtliche denkbaren Szenarien vorbereitet werden – von weiteren starken Erdbeben bis hin zu einem möglichen Vulkanausbruch, dessen Wahrscheinlichkeit zwar gering sei, aber nicht ausgeschlossen werden könne. Seine zentrale Botschaft lautet, dass Vorsorge nicht erst dann beginnen dürfe, wenn sich die Situation weiter zuspitzt. Gerade in Phasen vergleichsweise geringer Aktivität müssten Schutzmaßnahmen, Gebäudesanierungen und Evakuierungspläne konsequent vorangetrieben werden, damit die Region auf zukünftige Krisen besser vorbereitet ist.

Studie zu Erdbeben entdeckt Vorläufermuster

Neue Muster seismischer Aktivität vor großen Erdbeben durch maschinelles Lernen einer KI entdeckt – Hoffnung auf bessere Vorhersagbarkeit von Erdbeben wächst

Trotz aller Fortschritte in den Geowissenschaften ist es immer noch unmöglich, starke Erdbeben exakt vorherzusagen. Zwar können Forschende mittlerweile erkennen, ob sich an einer der großen prominenten Störungszonen der kontinentalen Plattengenzen Spannungen aufbauen und somit den Grundstein für ein Erdbeben liefern, doch wann genau ein starkes Erdbeben auftreten wird, bleibt oft ungewiss. Einen Schritt in Richtung Prognoseansatz schaffte nun eine neue Arbeit von Forschenden des GFZ Helmholtz-Zentrums für Geoforschung und internationalen Partnern, die mit Hilfe Künstlicher Intelligenz Vorläufermuster starker Erdbeben identifizierten.

Die Vorläuferphänomene wurden durch den Einsatz unüberwachter Verfahren des maschinellen Lernens einer KI entdeckt: seismische Daten wurden ohne vorgegebene Annahmen analysiert und so konnten bislang verborgene Muster sichtbar gemacht werden.

Erdbeben Chile

Hauptautor Dr. Sadegh Karimpouli, Wissenschaftler am GFZ, erklärt in einer Pressemeldung der Einrichtung: „Anstatt nach bestimmten Vorläufern zu suchen, lassen wir die Daten ihre eigene Struktur offenbaren und nutzen dafür das sogenannte unüberwachte Maschinelle Lernen, bei dem diagnostische Merkmale nicht vordefiniert sind.“ Dieser Ansatz wurde bereits erfolgreich bei der Erkennung von Vorläuferphasen von Erdrutschen und Vulkanausbrüchen eingesetzt, so der Forscher weiter.

Die so entwickelte Methode betrachtet Erdbebensequenzen nicht als isolierte Ereignisse, sondern als miteinander in Wechselwirkung zueinander stehende Familien von Beben. Dabei werden räumliche, zeitliche und energetische Merkmale kombiniert, um Entwicklungsstadien seismischer Aktivität zu identifizieren. Ein unüberwachter Algorithmus gruppiert und kategorisiert diese Muster, die unterschiedliche Spannungszustände der Erdkruste widerspiegeln.

Anhand gut dokumentierter Erdbebensequenzen in der Türkei, Chile und Italien zeigte die Analyse, dass sich vor mehreren starken Beben charakteristische Veränderungen in der Seismizität entwickeln. Dazu zählen eine erhöhte seismische Aktivität, eine stärkere räumliche Konzentration schwacher Erdbeben sowie eine verstärkte Freisetzung von Spannungsenergie. Diese Signale traten jeweils Wochen bis Monate vor den Hauptbeben auf.

Die Ergebnisse zeigen zugleich, dass nicht alle Erdbeben erkennbare Vorläufer aufweisen. In einigen Fällen blieb die analysierte Seismizität vor großen Ereignissen unauffällig oder entwickelte keine eindeutige Struktur. Das verdeutlicht die begrenzte Vorhersagbarkeit seismischer Prozesse und die Abhängigkeit von geologischen Rahmenbedingungen. Damit ist auch klar, dass es weiterhin ein weiter Weg bis zur genauen Vorhersagbarkeit von Erdbeben ist und dass sich selbst bei weiterer Eingrenzung des Prognosezeitraums niemals alle Erdbeben sicher vorhersagen lassen werden.

Der Ansatz ermöglicht dennoch eine perspektivische Einschätzung von Veränderungen im Verhalten von Verwerfungssystemen. Durch die kontinuierliche Analyse neuer Daten kann wohlmöglich ein Übergang in einen kritischen Zustand erkannt werden, in dem sich die seismische Aktivität deutlich von bisherigen Mustern unterscheidet. Bei einer Weiterentwicklung der Technik in die Echtzeitüberwachung von seismisch aktiven Regionen sollen künftig schnellere Fortschritte in der Mustererkennung gemacht werden.

Prinzipiell ist das kein neuer Ansatz, denn auch natürliche Intelligenz versucht, durch die Erkennung von Mustern in Vorläuferseismizität Hinweise auf möglicherweise bevorstehende Starkbeben zu entdecken. Je freier der Geist dabei agieren kann, desto größer die Erfolgsaussichten.

Quellen: Karimpouli, S., Martínez-Garzón, P., Núñez-Jara, S. et al. Preparatory phase of large earthquakes illuminated by unsupervised categorization of earthquake catalog features. Nat Commun 17, 4024 (2026). DOI: 10.1038/s41467-026-72279-x; Pressetext GFZ.

Vulkan Kanlaon stößt Asche bis auf 3 km Höhe aus

Kanlaon am 5. April. © PHILVOLCS, KI-optimiert

Kanlaon erzeugt 7 Ascheemissionen innerhalb von 24 Stunden – möglicherweise durch Erdbeben angeregt

Der philippinische Vulkan Kanlaon zeigte gestern erneut deutliche Anzeichen erhöhter Aktivität. Einer Infografik des PHIVOLCS zufolge wurden innerhalb von 24 Stunden sieben Aschewolken ausgestoßen, teils in länger andauernden Emissionsphasen. In Ortschaften in Vulkannähe kam es zu Ascheregen; die Bevölkerung wurde aufgefordert, Staubschutzmasken zu tragen – ein sinnvolles Utensil auch für Vulkanbeobachter. Für den Flugverkehr wurden mehrere VONA-Warnungen ausgegeben.

Am 5. Mai 2026 registrierten Satelliten und Beobachter am Boden eine Eruption um 17:47 UTC. Laut Daten des Tokyo Volcanic Ash Advisory Center erreichte die höchste Aschewolke Flugfläche 100, also rund 3.000 Meter über dem Meeresspiegel, und driftete mit etwa 28 km/h nach Westen. Satellitenbilder bestätigten eine kompakte Aschewolke, die sich mehrere Kilometer vom Krater entfernte. Bereits kurze Zeit später wurden weitere Emissionen beobachtet, wobei sich die Asche in geringerer Höhe ausbreitete.

Parallel dazu meldete PHIVOLCS eine Phase „erhöhter Unruhe“. Innerhalb von 24 Stunden wurden sieben Ascheemissionen registriert, die zwischen sechs und 174 Minuten andauerten. Die eruptiven Prozesse gingen mit 19 vulkanisch bedingten Erdbeben einher. Darunter befanden sich sechs Tremor-Episoden mit einer Dauer von bis zu knapp zwei Stunden, die teilweise mit den länger anhaltenden Emissionen korrelierten.

Auch die Gasemissionen waren signifikant: Der Schwefeldioxid-Ausstoß lag bei 1.154 Tonnen pro Tag. Gleichzeitig wurde weiterhin Inflation registriert – ein klassisches Anzeichen für Druckzunahme im magmatischen System. Die Asche- und Dampffahnen erreichten zuletzt Höhen von etwa 800 Metern über Kraterniveau und wurden überwiegend nach Westen verfrachtet.

Die Alarmstufe bleibt auf Level 2, was auf moderate Unruhe mit der Möglichkeit weiterer Explosionen hinweist. Die Behörden warnen eindringlich davor, die permanente Gefahrenzone im Umkreis von vier Kilometern zu betreten oder den Luftraum in Vulkannähe zu nutzen.

Der mit 2.435 Metern höchste Gipfel der Insel Negros liegt an der Grenze der Provinzen Negros Occidental und Negros Oriental und gehört zu den aktivsten Vulkanen des Landes. Seine Lage im pazifischen Pazifischer Feuerring macht ihn zu einem bedeutenden Teil einer Region, die sowohl für häufige Vulkanausbrüche als auch für starke Erdbeben bekannt ist.

Erst am 4. Mai ereignete sich bei Samar im Osten der Philippinen ein starkes Erdbeben der Magnitude 6,0. Das Epizentrum lag etwa 300 Kilometer nordöstlich des Kanlaon, womit sich der Vulkan im erweiterten Einflussbereich des Bebens befand. Obwohl der Kanlaon bereits seit fast zwei Jahren aktiv ist, besteht die Möglichkeit, dass die erhöhte Aktivität der letzten 24 Stunden durch dieses Erdbeben zusätzlich angeregt wurde.

29. April: Internationaler Tag der Erdbebenopfer

UN erklärt den 29. April zum Internationalen Gedenktag der Erdbebenopfer

Heute, am 29. April 2026, wird erstmals der von den Vereinten Nationen eingeführte Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer von Erdbeben begangen. Der neue Gedenktag soll nicht nur an die Millionen Opfer von Erdbebenkatastrophen erinnern, sondern auch den Blick nach vorn richten: erdbebensichere Bauweise, bessere Vorbereitung und internationale Zusammenarbeit sollen künftige Katastrophen abmildern. Verhindern wird man sie wohl kaum können.

Die Idee eines Erdbeben-Gedenktages ist keineswegs völlig neu. Bereits seit Jahren wird etwa in China am 12. Mai – dem Jahrestag des Sichuan-Erdbeben 2008 – der Erdbebenopfer gedacht. Der Unterschied: Während dieser Tag historisch begründet ist, schafft die UN nun erstmals einen weltweit einheitlichen Rahmen für das Gedenken der Opfer.

Die folgenreichsten Erdbeben der Geschichte

erd
Indonesien

Ein Blick in die Geschichte zeigt, warum ein solcher Gedenktag notwendig ist. Erdbeben zählen zu den tödlichsten Naturgefahren und haben immer wieder ganze Regionen verwüstet.

Das stärkste jemals gemessene Beben war das Valdivia-Erdbeben 1960 mit einer Magnitude von 9,5. Es löste Tsunamis im gesamten Pazifik aus und forderte tausende Todesopfer.

Die wohl folgenschwerste moderne Katastrophe war das Sumatra-Erdbeben von 2004 im Indischen Ozean. Das Beben selbst und der darauffolgende Tsunami töteten fast 300.000 Menschen in mehreren Ländern und löste ein globales Trauma aus.

In Bezug auf die Opferzahlen noch verheerender war das historische Shaanxi-Erdbeben von 1556, das vermutlich über 830.000 Menschen das Leben kostete als in einem Hang gebaute Höhlenwohnungen von Yao-Dong verschüttet wurden. Hier zeigt sich: Nicht nur die Stärke eines Bebens entscheidet, sondern vor allem Bauweise und Bevölkerungsdichte.

Verhalten im Ernstfall

Da Erdbeben meist ohne kurzfristige Vorwarnung auftreten, ist das richtige Verhalten im Ernstfall entscheidend. Geoforscher empfehlen die einfache Regel: „Hinlegen, schützen, festhalten“.

In Gebäuden sollte man Schutz unter oder neben stabilen Möbeln oder an tragenden Wänden suchen und Abstand von Glas halten. Im Freien gilt: Abstand zu Gebäuden und Stromleitungen. Im Auto bleibt man stehen und wartet ab.

Langfristig noch wichtiger ist die Vorbereitung: auf ein Erdbeben: Notfallpläne und Fluchtwege, gesicherte Möbel und regelmäßige Übungen können Leben retten. Laut UN hängt die Zahl der Opfer stark von Bauqualität und Vorbereitung der Bevölkerung ab – nicht allein von der Stärke des Bebens.

Warum Vorhersagen so schwierig sind

Ein zentrales Problem bei Erdbeben bleibt: Sie lassen sich nicht exakt vorhersagen. Zwar können Seismologen Erdbeben-Gefahrenzonen identifizieren und Spannungen im Untergrund messen, die irgendwann einmal Erdbeben auslösen können, doch der genaue Zeitpunkt wann ein beben entsteht und wie stark es sein wird,  bleiben ungewiss.

Bios jetzt ist es nur möglich Risikokarten zu erstellen und die Bevölkerung einer Region vor ein langfristiges Risiko zu warnen. Dabei geht man von Wahrscheinlichkeiten innerhalb von Jahrzehnten aus. Frühwarnsysteme verschaffen Menschen nur Sekunden vor einem Erdbeben um zu fliehen oder schutzhaltung einzunehmen.

Daher weißt die UN darauf hin, dass Erdbebenunvermeidlich sind, sich ihre Auswirkungen aber mit geeigneten Maßnahmen abmildern lassen. ein Problem in der Prävention liegt darin, dass sie oftmals teuer ist und man davon ausgeht, dass Erdbeben irgendwann einmal auftreten werden, ähnlich wie es beim Klimawandel und Umweltschutzmaßnahmen der Fall ist.

Wo künftig große Beben drohen

Auch ohne exakte Vorhersage wissen Geowissenschaftler, wo das Erdbebenrisiko besonders hoch ist. Dazu zählen vor allem kontinentale Plattengrenze und Großstörungen infolge von Gebirgsbildungen:

  • Pazifischer Feuerring (Japan, Chile, Indonesien): regelmäßig Megabeben
  • Kalifornien (San-Andreas-Verwerfung): hohes Risiko in den kommenden Jahrzehnten
  • Türkei und Iran: aktive Bruchzonen mit wiederkehrenden Starkbeben
  • Himalaya-Region: aufgestaute Spannungen könnten große Beben auslösen

In vielen dieser Regionen steigt das Risiko zusätzlich durch zunehmende Urbanisierung und schwache Bauvorschriften, oft in Ermangelung ausreichender finanzieller Mittel.

Erdbeben betreffen nicht nur ferne Kontinente: Auch in Europa und selbst in Deutschland gibt es Regionen mit erhöhtem Erdbebenrisiko. Während das stärkste Beben in Deutschland eine Magnitude von geschätzten 6,0 bis 6,4 hatte, gab es im Mittelmeerraum durchaus schon Erdbeben mit Magnituden über 8, die katastrophale Schäden verursachten.

Fazit

Der neue internationale Gedenktag am 29. April ist mehr als Symbolik. Er verbindet Erinnerung mit einer klaren Botschaft: Katastrophen lassen sich nicht verhindern, aber ihre Folgen sehr wohl begrenzen.

Die Geschichte der großen Erdbeben zeigt, wie zerstörerisch diese Naturgewalt ist – und gleichzeitig, dass gute Vorbereitung, stabile Gebäude und Wissen über Erdbebenrisiken den entscheidenden Unterschied machen und die Grenze zwischen Naturphänomen und Naturkatastrophe verschieben können.

Neues Modell zur Entstehung von Erdbeben

Wenn Gestein „klebt“: Ein neues Modell erklärt Erdbeben anders

Erdbeben zählen zu den verheerendsten geologisch bedingten Naturkatastrophen unseres Planeten. Sie können starke Schäden anrichten und vor allem in urban dicht besiedelten Gegenden viele Menschenleben fordern. Sie können sekundäre Phänomene wie Tsunamis und Vulkanausbrüche auslösen, die eine Erdbebenkatastrophe verstärken. Dabei gelten Erdbeben nur als bedingt vorhersagbar und treten meistens überraschend auf. Wissenschaftler arbeiten daran, die Prozesse hinter Erdbeben besser zu verstehen, in der Hoffnung, Erdbeben eines Tages besser vorhersagen zu können.

San-Andreas-Fault. © Marc Szeglat

Lange ging man davon aus, dass starke Erdbeben an tektonischen Plattengrenzen durch Blockaden in Form von mechanischen Verhakungen an Unebenheiten der beteiligten Platten zustande kommen. Durch diese Blockaden bauen sich große Spannungen auf, die dazu führen, dass sich die Verhakungen explosionsartig lösen, was Erdbebenwellen auslöst. Doch ein neues Modell von Forschenden des Forschungszentrums Jülich und des Saarlandes stellt diese klassische Sicht infrage. Die Forschenden zeigen, dass der entscheidende Mechanismus hinter den Erdbeben im Mikrokosmos chemischer Bindungen zu finden sein könnte.

Im Zentrum der neuen Erklärung steht die Reibung zwischen Gesteinsoberflächen. Anders als lange angenommen ist diese nicht konstant. Stattdessen wird sie durch winzige chemische Bindungen bestimmt, die sich an den Kontaktflächen bilden und wieder lösen. Diese Bindungen wirken wie mikroskopische „Klebestellen“.

Solange sich zwei Gesteinsflächen nur sehr langsam gegeneinander bewegen, können sich diese Bindungen immer wieder neu ausbilden. Das erhöht die Reibung – die Bewegung bleibt stabil und langsam. Steigt jedoch die Geschwindigkeit der Plattenbewegungen, gerät dieses Gleichgewicht ins Wanken: Die Bindungen reißen schneller, als sie sich neu bilden können. Gleichzeitig entsteht Wärme. Ab einem kritischen Punkt bricht die Reibung plötzlich ein – und genau hier könnte ein Erdbeben beginnen.

Der entscheidende Unterschied zu bisherigen Modellen liegt im Ablauf: Klassisch galt ein relativ stabiles System, das erst bei Überschreiten einer Belastungsgrenze versagt. Das neue Modell beschreibt dagegen einen kontinuierlichen Prozess, bei dem die Instabilität aus der Dynamik der Reibung selbst entsteht. Erdbeben wären demnach kein abruptes „Versagen“, sondern das Ergebnis eines schleichenden Übergangs, der plötzlich kippt.

So überzeugend diese Idee ist, so wichtig ist ein genauer Blick auf die zugrunde liegenden Laborexperimente. Die Forscher simulierten eine Plattengrenze im Labor, in der zwei Granitblöcke verwendet wurden. Um die Daten des Reibungsexperiments zu verifizieren, ließen sie Granit über Korund-Schmirgelpapier gleiten, um das Verhalten von Reibung unter kontrollierten Bedingungen mit einem neutralen Material zu untersuchen. Die Daten der Laborexperimente wurden genutzt, um ein Computermodell zu füttern.

Granit ist ein Gestein, das bei Experimenten in der Geophysik gerne genutzt wird. Allerdings ist er nicht typisch für die Gesteine einer aktiven Plattengrenze. Dort dominieren häufig basaltische Gesteine, Sedimente oder stark metamorphosierte Zonen. Granit steht also eher für eine vereinfachte Version der Erdkruste.

Noch deutlicher wird die Einschränkung bei Korund. Das extrem harte Mineral ist in natürlichen Verwerfungen praktisch nicht relevant. Seine Verwendung dient vor allem dazu, grundlegende physikalische Effekte klar sichtbar zu machen. Es ist gewissermaßen ein „Modellmaterial“, das hilft, die Prinzipien zu verstehen. Es bildet aber nicht die Realität ab.

In der Übertragbarkeit des Laborexperiments auf die Wirklichkeit der Natur liegt die zentrale Schwäche solcher Studien. Im Labor lassen sich Druck, Temperatur und Bewegung exakt kontrollieren. Doch reale Plattengrenzen sind deutlich komplexer. Sie bestehen aus einem Gemisch unterschiedlicher Gesteine, enthalten Wasser und andere Fluide und verändern sich über enorme Zeiträume. Diese Faktoren beeinflussen die Reibung entscheidend.

Die neue Studie zeigt, dass Reibung unter Laborbedingungen nicht statisch ist, sondern sich dynamisch verändert und instabil werden kann. Ob dieser Mechanismus in der Natur tatsächlich eine zentrale Rolle spielt, müssen weitere Untersuchungen zeigen.

Quelle: Sukhomlinov, S. V., Müser, M. H., & Persson, B. N. J. (2026):
“Granite sliding on granite: friction, wear rates, surface topography, and the scale-dependence of rate–state effects.”
Reports on Progress in Physics. DOI: 10.1088/1361-6633/ae4b66

Erdbeben unter El Hierro und Teneriffa

Mehrere Erdbeben erschüttern El Hierro und Teneriffa – Hohe Dunkelziffer aufgrund von Unwettern

Obwohl die Kanarischen Inseln in den letzten Tagen von heftigen Unwettern heimgesucht wurden, die die Seismometer daran hindern könnten, schwache seismische Signale zu registrieren, waren einige Erdbeben stark genug, um gegen den Sturm anzukommen: So wurden in den letzten drei Tagen unter dem Teide auf Teneriffa 15 Beben festgestellt. Das eigentliche Highlight waren allerdings drei Erschütterungen mit Magnituden zwischen 2,4 und 2,9 die sich in Tiefen zwischen 16 und 36 Kilometern vor der Südwestküste von El Hierro zutrugen. Diese tiefen Beben sind typisch für einen magmatischen Trigger.



In den letzten Wochen waren wir so auf die Vorgänge unter Teneriffa fokussiert, dass die Geschmissen unter den anderen Inseln unkommentiert blieben. In der Monatsübersicht der IGN-Shakemap erkennt man aber, dass die tieferen Erdbeben im Bereich von El Hierro gestern kein Einzelfall waren: Tatsächlich manifestierten sich 17 vergleichbare Erschütterungen, die sich zwar im Seegebiet im Süden und Westen El Hierros konzertierten, jedoch vereinzelt im gesamten Inselbereich auftraten. Zudem gab es noch weitere schwache Beben in geringeren Tiefen. Beben in Tiefen von mehr als 15 Kilometern stehen an Vulkanen und insbesondere in Hotspotregionen häufig mit Magma in Verbindung, das dabei ist, in die untere Erdkruste zu intrudieren. Neben dem Teide auf Teneriffa könnten sich also auch die Vulkane El Hierros in einem frühen Stadium des Aufladungsprozesses befinden.

Das IGN bestätigte mindestens 15 Erdbeben, die zwischen dem 20. und 23. März unter Teneriffa registriert wurden. Sie hatten Magnituden zwischen 1,3 und 1,9. Keines der Beben war für die Bevölkerung spürbar. Das stärkste Ereignis ereignete sich am Freitagvormittag in Vilaflor mit einer Magnitude von 1,9 und einer Tiefe von etwa 13 km. Aller Wahrscheinlichkeit nach gab es noch weitere Beben geringerer Magnituden, die aufgrund der Unwetterlage im Verborgenen blieben.

Der spanische Wissenschafts- und Vulkanblogger Enrique berichtete in seinem Blog, dass es gestern unter Teneriffa weitere Hybridbeben gegeben haben soll und dass es auch weitere Beben im Bereich von Vilaflor gab. Er sieht in dem starken Erdbeben Mw 7,5, das sich gestern bei Tonga zutrug, einen möglichen Trigger der Erdbeben bei El Hierro. Betrachtet man das oben erwähnte Erdbebenmuster der letzten 30 Tage, halte ich das für wenig wahrscheinlich.

Ischia: Erdbeben Mb 2,6

Ischia. © EMSC/Leaflet

Erdbeben Mb 2,6 schreckte Anwohner von Ischia auf

Datum: 06.03.2026 | Zeit: 14:26:30 UTC | Koordinaten: 40,734 ; 13,899 | Tiefe: 1,4 km | Mb 2,6

Heute Nachmittag kam es auf der italienischen Insel Ischia zu einem schwachen Erdbeben der Magnitude 2,6. Das Hypozentrum befand sich in nur 1 Kilometer Tiefe, was mit ein Grund war, dass der Erdstoß von den Anwohnern der Region gehört und gespürt werden konnte. Das Epizentrum wurde vom EMSC 4 km west-südwestlich von Ischia-Ort verortet und lag auf der Nordflanke des vulkanischen Horsts Monte Epomeo. Dementsprechend wurde das Ereignis besonders im Norden der Insel wahrgenommen. Besonders aus der Gegend um Casamicciola Terme wurden ein kurzer, ruckartiger Stoß sowie ein lauter Knall gemeldet – typische Phänomene oberflächennaher Beben.

Nach Angaben des European‑Mediterranean Seismological Centre ereignete sich das Beben um 14:26:30 UTC (15:26 Uhr Ortszeit) und manifestierte sich bei den Koordinaten 40,734° / 13,899° in der Region des Tyrrhenischen Meeres.

Die Beben stehen mit tektonischen Spannungen und langsamen Hebungsprozessen im vulkanischen Untergrund der Insel in Verbindung, die eine tektonische Störungszone der Host-Struktur aktivierten.

Das letzte stärkere Erdbeben in diesem Gebiet ereignete sich am 21. August 2017. Auch dieses hatte sein Epizentrum im Bereich von Casamicciola Terme und hatte eine Magnitude von etwa 3,6–4,0 und lag in einer Tiefe von 1–2 Kilometer. Das Beben verursachte Gebäudeschäden und mehrere Verletzte. Obwohl die Magnitude relativ gering war, führte die extrem geringe Tiefe zu starken lokalen Erschütterungen. Das Ereignis zeigte deutlich, wie empfindlich die dicht besiedelten Bereiche im Norden von Ischia auf solche flachen Beben reagieren können.

Das Beben vom 6. März 2026 gehört somit zu den typischen kleineren seismischen Ereignissen der Insel. Solche Stöße treten in unregelmäßigen Abständen auf und werden wegen ihrer geringen Tiefe häufig wahrgenommen, verursachen aber normalerweise keine Schäden.

Ischia liegt am Rand des Golfs von Neapel und erhebt sich aus einer älteren Caldera, die in unmittelbarer Nähe zu den Campi Flegrei liegt. Der Monte Epomeo wurde früher fälschlich als eigenständiger Vulkan betrachtet, ist tatsächlich aber ein Block aus dem Calderadach, der durch Wiederauffüllung der Caldera mit Schmelze angehoben wurde. Dennoch gibt es auf Ischia vulkanische Strukturen, die von den jüngsten phreatischen Eruptionen im Jahr 1301 zeugen.

Teneriffa: Erneut erhöhte Erdbebenaktivität unter dem Teide

Neuer Erdbebenschwarm unter dem Teide auf Teneriffa – stärkste Erschütterung Mb 1,6

Das seismische Netzwerk der Kanaren registrierte wieder einen Erdbebenschwarm verschiedenster Signale unter dem Westen der Caldera Las Cañadas des Teide-Massivs. Die ING-Wissenschaftler betonen, dass es sich ihrer Meinung nach eigentlich nicht um einen Erdbebenschwarm handelt, da die Beben unterschiedliche Charakteristika aufweisen. Der Nicht-Erdbebenschwarm begann gestern Abend gegen 23:30 Uhr (UTC) und wird als eine Serie niedrigfrequenter seismischer Ereignisse beschrieben. Dabei traten Impulse von LP-Events (Long-Period-Ereignissen) sowie mehrere Dutzend hybride Ereignisse auf, die sich zwischen diese Signale mischten.

Teneriffa

Das automatische Auswertungssystem registrierte rund hundert Ereignisse. Sie werden nicht als Schwarm wiederholender Beben eingestuft, da ihnen gemeinsame Merkmale fehlen, die eine Zuordnung zu derselben Ereignis-„Familie“ erlauben würden. Von bislang 114 gemeldeten Ereignissen konnten 26 lokalisiert werden. Ihre Magnituden liegen zwischen Mb 0,9 und Mb 1,6 und damit etwas höher als bei den zuletzt gemessenen Ereignissen. Alle lokalisierten Beben befinden sich im westlichen Bereich von Las Cañadas in Tiefen zwischen 7 und 15 km unter dem Meeresspiegel.

Diese Form der Aktivität – das Auftreten von LP- und hybriden Ereignissen – erhöht nach Ansicht der Forscher derzeit nicht die kurz- oder mittelfristige Ausbruchsgefahr auf Teneriffa. Keines der Signale, die das Instituto Geográfico Nacional in den letzten Wochen in diesem Gebiet registriert hat, wurde bislang von der Bevölkerung gespürt. Dennoch deuten sie auf Magmaakkumulation in der Tiefe hin, ein Prozess, der innerhalb weniger Monate zu einem Vulkanausbruch am Teide führen könnte. Zum aktuellen Zeitpunkt lassen sich jedoch keine seriösen Prognosen erstellen, ob oder wann es zu einer Eruption kommt, noch in welchem Gebiet des Vulkans sie sich manifestieren wird oder wie stark sie sein wird.

Das für die Vulkanüberwachung in Spanien zuständige Instituto Geográfico Nacional betreibt auf der Insel ein Netzwerk von mehr als 100 festen Messstationen, Instrumenten und Probenahmestellen. Damit werden seismische Aktivität, Bodenverformungen und geochemische Parameter kontinuierlich überwacht und in Echtzeit ausgewertet, um mögliche Veränderungen oder Anomalien zu erkennen, die auf eine Entwicklung der kurz-, mittel- oder langfristigen Ausbruchsgefahr hinweisen könnten.

Vulcano: Anstieg der Seismizität Anfang März

Mehrere schwache Erdbeben unter Vulcano – Monatsbericht steht aus

In den letzten Tagen zog nicht nur die Seismizität am Ätna an, sondern auch im Bereich von Vulcano. Hier manifestierten sich Ende Februar/Anfang März 5 schwache Erschütterungen direkt unter der Insel und eine weitere vor der Nordwestküste. Drei der Beben lagen unter der Fossa, dem aktiven Vulkankegel mit seinem Fumarolenfeld. Die Beben waren sehr schwach und hatten zum Teil sogar negative Vorzeichen, was bedeutet, dass sie nur mit den modernsten Seismometern registriert werden können. Von den Erschütterungen selbst geht keine Gefahr aus, sie zeigen allerdings, dass es weiterhin Fluidbewegungen unter Vulcano gibt. Sollten in den nächsten Tagen vermehrt solche Beben detektiert werden, könnten sie andeuten, dass eine neue Magmablase unter dem Vulkan aufsteigt und in geringere Krustentiefen von 4 bis 5 Kilometern intrudiert. Zuletzt wurde im Sommer 2025 so ein Ereignis festgestellt, als es neben Erdbeben zu einer sprunghaften Erhöhung der Fumarolentemperaturen kam und große Mengen Kohlendioxid ausgestoßen wurden.

vulcano
Vulcano

Aktuell lässt das INGV-Monatsbulletin für den Februar noch auf sich warten. Sollte es zeitnah erscheinen, reiche ich die aktuellen Daten hier nach. Im Bulletin für den Januar war zu lesen gewesen, dass die geophysikalischen und geochemischen Werte weiterhin leicht rückläufig waren und sich die Gesamtsituation entspannte. Dennoch lagen die Werte noch über dem langjährigen Mittel, so dass von Normalität noch nicht gesprochen werden konnte.

Auf Vulcano verhält es sich wie bei auch vielen anderen sporadisch aktiven Vulkanen, die über Jahrhunderte ruhen: Normalerweise dauern Aufheizphasen mehrere Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte. Das Magma steigt nicht in einem Rutsch aus großer Tiefe auf, sondern akkumuliert sich zunächst in 8 bis 12 Kilometern Tiefe, bis genug Schmelze vorhanden ist, damit sie die halbe Distanz bis zur Oberfläche zurücklegen kann. In 4 bis 6 Kilometern bildet sich ein flaches Speicherreservoir Waren die Anzeichen der tiefen Magmenakkumulation noch relativ schwach, werden nun Bodenhebung, erhöhter Gasausstoß und stärkere Schwarmbeben registriert. Aber selbst wenn sich Magma in geringer Tiefe ansammelt, heißt das nicht, dass es zu einem Vulkanausbruch kommen muss. Oft verweilt die Schmelze dort über längere Zeiträume. Je länger, desto explosiver wird eine spätere Eruption, weil sich das Magma chemisch verändert und ein hoher Gasdruck aufgebaut wird.

Bei quasi daueraktiven Vulkanen wie dem Ätna oder Piton Fournaise, wo sich die Pausenintervalle in Monaten berechnen, strömt aus der Tiefe ständig Magma nach, so dass es nicht lange in der Erdkruste verweilt, um zu differenzieren Hier werden die meisten Lavafontänen und Lavaströme gefördert. Vulcano hingegen hat das Potenzial, stärker explosive Ascheeruptionen zu erzeugen.

Auf der Shakemap sieht man übrigens auch einige Beben bei Alicudi, der westlichsten Insel des Liparischen Archipels.