Ischia: Erdbeben Mb 2,6

Ischia. © EMSC/Leaflet

Erdbeben Mb 2,6 schreckte Anwohner von Ischia auf

Datum: 06.03.2026 | Zeit: 14:26:30 UTC | Koordinaten: 40,734 ; 13,899 | Tiefe: 1,4 km | Mb 2,6

Heute Nachmittag kam es auf der italienischen Insel Ischia zu einem schwachen Erdbeben der Magnitude 2,6. Das Hypozentrum befand sich in nur 1 Kilometer Tiefe, was mit ein Grund war, dass der Erdstoß von den Anwohnern der Region gehört und gespürt werden konnte. Das Epizentrum wurde vom EMSC 4 km west-südwestlich von Ischia-Ort verortet und lag auf der Nordflanke des vulkanischen Horsts Monte Epomeo. Dementsprechend wurde das Ereignis besonders im Norden der Insel wahrgenommen. Besonders aus der Gegend um Casamicciola Terme wurden ein kurzer, ruckartiger Stoß sowie ein lauter Knall gemeldet – typische Phänomene oberflächennaher Beben.

Nach Angaben des European‑Mediterranean Seismological Centre ereignete sich das Beben um 14:26:30 UTC (15:26 Uhr Ortszeit) und manifestierte sich bei den Koordinaten 40,734° / 13,899° in der Region des Tyrrhenischen Meeres.

Die Beben stehen mit tektonischen Spannungen und langsamen Hebungsprozessen im vulkanischen Untergrund der Insel in Verbindung, die eine tektonische Störungszone der Host-Struktur aktivierten.

Das letzte stärkere Erdbeben in diesem Gebiet ereignete sich am 21. August 2017. Auch dieses hatte sein Epizentrum im Bereich von Casamicciola Terme und hatte eine Magnitude von etwa 3,6–4,0 und lag in einer Tiefe von 1–2 Kilometer. Das Beben verursachte Gebäudeschäden und mehrere Verletzte. Obwohl die Magnitude relativ gering war, führte die extrem geringe Tiefe zu starken lokalen Erschütterungen. Das Ereignis zeigte deutlich, wie empfindlich die dicht besiedelten Bereiche im Norden von Ischia auf solche flachen Beben reagieren können.

Das Beben vom 6. März 2026 gehört somit zu den typischen kleineren seismischen Ereignissen der Insel. Solche Stöße treten in unregelmäßigen Abständen auf und werden wegen ihrer geringen Tiefe häufig wahrgenommen, verursachen aber normalerweise keine Schäden.

Ischia liegt am Rand des Golfs von Neapel und erhebt sich aus einer älteren Caldera, die in unmittelbarer Nähe zu den Campi Flegrei liegt. Der Monte Epomeo wurde früher fälschlich als eigenständiger Vulkan betrachtet, ist tatsächlich aber ein Block aus dem Calderadach, der durch Wiederauffüllung der Caldera mit Schmelze angehoben wurde. Dennoch gibt es auf Ischia vulkanische Strukturen, die von den jüngsten phreatischen Eruptionen im Jahr 1301 zeugen.

Teneriffa: Erneut erhöhte Erdbebenaktivität unter dem Teide

Neuer Erdbebenschwarm unter dem Teide auf Teneriffa – stärkste Erschütterung Mb 1,6

Das seismische Netzwerk der Kanaren registrierte wieder einen Erdbebenschwarm verschiedenster Signale unter dem Westen der Caldera Las Cañadas des Teide-Massivs. Die ING-Wissenschaftler betonen, dass es sich ihrer Meinung nach eigentlich nicht um einen Erdbebenschwarm handelt, da die Beben unterschiedliche Charakteristika aufweisen. Der Nicht-Erdbebenschwarm begann gestern Abend gegen 23:30 Uhr (UTC) und wird als eine Serie niedrigfrequenter seismischer Ereignisse beschrieben. Dabei traten Impulse von LP-Events (Long-Period-Ereignissen) sowie mehrere Dutzend hybride Ereignisse auf, die sich zwischen diese Signale mischten.

Teneriffa

Das automatische Auswertungssystem registrierte rund hundert Ereignisse. Sie werden nicht als Schwarm wiederholender Beben eingestuft, da ihnen gemeinsame Merkmale fehlen, die eine Zuordnung zu derselben Ereignis-„Familie“ erlauben würden. Von bislang 114 gemeldeten Ereignissen konnten 26 lokalisiert werden. Ihre Magnituden liegen zwischen Mb 0,9 und Mb 1,6 und damit etwas höher als bei den zuletzt gemessenen Ereignissen. Alle lokalisierten Beben befinden sich im westlichen Bereich von Las Cañadas in Tiefen zwischen 7 und 15 km unter dem Meeresspiegel.

Diese Form der Aktivität – das Auftreten von LP- und hybriden Ereignissen – erhöht nach Ansicht der Forscher derzeit nicht die kurz- oder mittelfristige Ausbruchsgefahr auf Teneriffa. Keines der Signale, die das Instituto Geográfico Nacional in den letzten Wochen in diesem Gebiet registriert hat, wurde bislang von der Bevölkerung gespürt. Dennoch deuten sie auf Magmaakkumulation in der Tiefe hin, ein Prozess, der innerhalb weniger Monate zu einem Vulkanausbruch am Teide führen könnte. Zum aktuellen Zeitpunkt lassen sich jedoch keine seriösen Prognosen erstellen, ob oder wann es zu einer Eruption kommt, noch in welchem Gebiet des Vulkans sie sich manifestieren wird oder wie stark sie sein wird.

Das für die Vulkanüberwachung in Spanien zuständige Instituto Geográfico Nacional betreibt auf der Insel ein Netzwerk von mehr als 100 festen Messstationen, Instrumenten und Probenahmestellen. Damit werden seismische Aktivität, Bodenverformungen und geochemische Parameter kontinuierlich überwacht und in Echtzeit ausgewertet, um mögliche Veränderungen oder Anomalien zu erkennen, die auf eine Entwicklung der kurz-, mittel- oder langfristigen Ausbruchsgefahr hinweisen könnten.

Vulcano: Anstieg der Seismizität Anfang März

Mehrere schwache Erdbeben unter Vulcano – Monatsbericht steht aus

In den letzten Tagen zog nicht nur die Seismizität am Ätna an, sondern auch im Bereich von Vulcano. Hier manifestierten sich Ende Februar/Anfang März 5 schwache Erschütterungen direkt unter der Insel und eine weitere vor der Nordwestküste. Drei der Beben lagen unter der Fossa, dem aktiven Vulkankegel mit seinem Fumarolenfeld. Die Beben waren sehr schwach und hatten zum Teil sogar negative Vorzeichen, was bedeutet, dass sie nur mit den modernsten Seismometern registriert werden können. Von den Erschütterungen selbst geht keine Gefahr aus, sie zeigen allerdings, dass es weiterhin Fluidbewegungen unter Vulcano gibt. Sollten in den nächsten Tagen vermehrt solche Beben detektiert werden, könnten sie andeuten, dass eine neue Magmablase unter dem Vulkan aufsteigt und in geringere Krustentiefen von 4 bis 5 Kilometern intrudiert. Zuletzt wurde im Sommer 2025 so ein Ereignis festgestellt, als es neben Erdbeben zu einer sprunghaften Erhöhung der Fumarolentemperaturen kam und große Mengen Kohlendioxid ausgestoßen wurden.

vulcano
Vulcano

Aktuell lässt das INGV-Monatsbulletin für den Februar noch auf sich warten. Sollte es zeitnah erscheinen, reiche ich die aktuellen Daten hier nach. Im Bulletin für den Januar war zu lesen gewesen, dass die geophysikalischen und geochemischen Werte weiterhin leicht rückläufig waren und sich die Gesamtsituation entspannte. Dennoch lagen die Werte noch über dem langjährigen Mittel, so dass von Normalität noch nicht gesprochen werden konnte.

Auf Vulcano verhält es sich wie bei auch vielen anderen sporadisch aktiven Vulkanen, die über Jahrhunderte ruhen: Normalerweise dauern Aufheizphasen mehrere Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte. Das Magma steigt nicht in einem Rutsch aus großer Tiefe auf, sondern akkumuliert sich zunächst in 8 bis 12 Kilometern Tiefe, bis genug Schmelze vorhanden ist, damit sie die halbe Distanz bis zur Oberfläche zurücklegen kann. In 4 bis 6 Kilometern bildet sich ein flaches Speicherreservoir Waren die Anzeichen der tiefen Magmenakkumulation noch relativ schwach, werden nun Bodenhebung, erhöhter Gasausstoß und stärkere Schwarmbeben registriert. Aber selbst wenn sich Magma in geringer Tiefe ansammelt, heißt das nicht, dass es zu einem Vulkanausbruch kommen muss. Oft verweilt die Schmelze dort über längere Zeiträume. Je länger, desto explosiver wird eine spätere Eruption, weil sich das Magma chemisch verändert und ein hoher Gasdruck aufgebaut wird.

Bei quasi daueraktiven Vulkanen wie dem Ätna oder Piton Fournaise, wo sich die Pausenintervalle in Monaten berechnen, strömt aus der Tiefe ständig Magma nach, so dass es nicht lange in der Erdkruste verweilt, um zu differenzieren Hier werden die meisten Lavafontänen und Lavaströme gefördert. Vulcano hingegen hat das Potenzial, stärker explosive Ascheeruptionen zu erzeugen.

Auf der Shakemap sieht man übrigens auch einige Beben bei Alicudi, der westlichsten Insel des Liparischen Archipels.

Ätna: Mittelstarkes Erdbeben im Südwesten des Vulkans

Vergleichsweise starkes Erdbeben unter der Ätna-Südwestflanke – zahlreiche Wahrnehmungsmeldungen

Datum: 04.03.2026 | Zeit: 06:05:11 UTC | Koordinaten: 37.652 ; 14.920 | Tiefe: 4 km | Mb 4,5

Heute Morgen ereignete sich um 06:05:11 UTC ein mittelstarkes Erdbeben der Magnitude 4,5 in nur 4 Kilometern Tiefe unter der Südwestflanke des Ätnas. Das Epizentrum lag laut EMSC Angaben 10 Kilometer nördlich von Paternò, genauer zwischen den Ortschaften Ragalna und Biancavilla am Fuß des Monte Arso. Es gab zahlreiche Wahrnehmungsmeldungen. Größere Schäden wurden bis jetzt nicht gemeldet



Seismogram. © INGV

Vor einigen Jahren kam es in dieser Gegend bereits häufiger zu Erdbeben, die sich zwar an einer lokalen Störungszone ereigneten, nachweislich aber durch Spannungsänderungen infolge von Magmenaufstieg ausgelöst wurden. Besonders erwähnenswert ist der Erdstoß vom 6. Oktober 2018 mit einer Magnitude von 4,8. Damals war der Ätna paroxysmal aktiv. Am 24. Dezember folgte eine subterminale Eruption.

<>Ob der aktuelle Erdstoß Schäden kleinere verursacht hat, ist noch nicht bekannt, liegt jedoch durchaus im Bereich des Möglichen. Auf jeden Fall wurde das Erdbeben in der Ätna-Region deutlich gespürt. Dem EMSC liegen Wahrnehmungsmeldungen auch aus Catania und sogar aus Syrakus vor. Zahlreiche Berichte aus Catania sprechen von vibrierenden Betten, schwankenden Möbeln, klappernden Türen und Fenstern sowie klirrendem Geschirr. Zudem soll das Beben vergleichsweise lange angedauert haben.

Das seismische Signal auf den Seismogrammen schwingt über drei Minuten lang und sprengt die Skala. Eine halbe Stunde später folgte ein weiteres Erdbeben der Magnitude Mb 2,7.

Erdbeben. © INGV

Interessant ist zudem, dass es Ende Februar einen kleineren Erdbebenschwarm im Westen des Ätnas gab. Dieser lag deutlich flacher als die tiefen Erdbeben der vergangenen Monate an gleicher Stelle. Diese Beben stehen wahrscheinlich direkt mit Magmenaufstieg in Verbindung. Zeitgleich mit den Erschütterungen stieg der Tremor von niedrigen auf mittelhohe Werte an. Der Tremorgraph spiegelt das aktuelle Beben ebenfalls in Form eines scharfen Peaks wider.

In der Vergangenheit war es häufig so, dass nach mittelstarken Erdbeben mit einem Abstand von einigen Wochen besondere Eruptionsphasen einsetzten. Sie liefern zwar nicht zwingend Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption, mittelfristig können sie jedoch durchaus als Indikatoren für neue vulkanische Aktivität gewertet werden.

Das Wochenbulletin steht bis jetzt aus, daher kann ich keine neuen geophysikalischen Daten liefern.

Update 10:30 Uhr: Wie das INGV mitteilte, wird ein Nachbebenschwarm registriert. Bis jetzt wurden 13 Erschütterungen mit Magnituden über 1,0 registriert. Entgegen früheren Meldungen ist es doch zu Schäden gekommen.

Japan: Erdbeben Mw 6,0 erschüttert die Volcano Islands

Starkes Erdbeben Mw 6,0 in der japanischen Volcano-Islands-Region

Datum: 02.03.2026 | Zeit: 03:55:22 UTC | Koordinaten: 23.029 ; 144.245 | Tiefe: 11 km | Mw 6,0

Am 2. März 2026 um 03:55:22 UTC ereignete sich ein Erdbeben der Magnitude 6,0 in der Region der japanischen Volcano Islands. Das Epizentrum lag bei den Dezimal-Koordinate 23,029 ; 144,245. Die Herdtiefe betrug 11 Kilometer. Damit handelte es sich um ein relativ flaches Beben, das theoretisch über ein gewisses Schadenspotenzial verfügt, aufgrund der abgelegenen Lage aber keine Schäden verursacht haben dürfte. Die nächstgrößere Stadt ist Yokosuka, rund 1.433 km nord-nordwestlich entfernt. Näher liegt Saipan, etwa 883 km südöstlich. Aufgrund dieser großen Distanzen zu dicht besiedelten Gebieten sind direkte Auswirkungen auf die Bevölkerung eher unwahrscheinlich, obgleich es eine Militärbasis auf Iōtō (früher Iwo Jima) gibt, eine der Vulkaninseln in relativer Nähe zum Erdbebengebiet. Es gab ein Nachbeben der Magnitude 4,9 in 10 Kilometern Tiefe.

Erdbeben

Tektonisch liegt die Region in einem äußerst aktiven Bereich des westlichen Pazifiks. Die Volcano Islands gehören zum Izu-Bonin-Mariana-Inselbogen, der durch Subduktion entstanden ist. Hier taucht die Pazifische Platte unter die Philippinische Meeresplatte ab. Dieser Prozess führt zu großem Spannungsaufbau in der Erdkruste. Wenn sich die Spannungen plötzlich lösen, entstehen Erdbeben. Gleichzeitig sorgt die Subduktion für das Aufschmelzen von Gestein im Mantel, wodurch Magma aufsteigen und Vulkane bilden kann. Das Erdbeben steht somit im direkten Zusammenhang mit der aktiven Plattengrenze und ist ein typisches Beispiel für seismische Aktivität in einem Inselbogen-System.

Die Volcano Islands sind Teil der Ogasawara-Inselkette und umfassen unter anderem Iwo Jima (offiziell Iōtō) und Nishinoshima. Diese Inseln bestehen aus vulkanischem Material und sind das sichtbare Resultat von im Ozeanboden wachsenden Vulkanen infolge langanhaltender Subduktionsprozesse.

Iōtō stand zwischen 2023 und 2024 und auch 2025 in den Schlagzeilen bei vulkane.net, da es unmittelbar vor der Küste eruptive Aktivität gab. In geringer Wassertiefe ereigneten sich Eruptionen, die einen kleinen Vulkanrücken, vergleichbar einer Sandbank, haben auftauchen lassen. Nishinoshima beschäftigte uns in den letzten Jahren immer wieder. Auch wenn das aktuelle Erdbeben nicht in direktem Zusammenhang mit der Aktivität dieser Inselvulkane steht, könnte es durch die Erschütterungen Eruptionen triggern, vorausgesetzt, die Vulkane sind geladen.

Auf der EMSC-Shakemap sieht man, dass es bei Japan ein weiteres starkes Erdbeben Mb 5,5 gab, das sich vor der Südküste von Kyushu ereignete und sich auf den Sakurajima auswirken könnte.

Malaysia: Starkes Erdbeben Mw 7,1 vor Borneo

Ungewöhnlich starkes Erdbeben Mw 7,1 erschüttert Nordwestküste von Borneo – Hypozentrum in 620 Kilometern Tiefe

Datum: 22.02.2026 | Zeit: 16:57:46 UTC | Koordinaten: 6.829 ; 116.264 | Tiefe: 620 km | Mw 7,1

Am späten Nachmittag wurde die Nordwestküste der Insel Borneo von einem sehr starken Erdbeben Mw 7,1 erschüttert, dessen Hypozentrum in 620 Kilometern Tiefe festgestellt wurde, weshalb man genau genommen von einem Mantelbeben sprechen muss. Der Erdstoß ereignete sich um 16:57:46 UTC (23. Februar, 00:57:46 Uhr Lokalzeit) in der zu Malaysia gehörenden Region Sabah. Das Epizentrum lag bei 6,829° N und 116,264° E, gut 97 km nördlich von Kota Kinabalu sowie 62 km west-südwestlich von Kudat. Aufgrund der großen Herdtiefe wurde kein Tsunamialarm ausgelöst. Berichte über Schäden liegen ebenfalls nicht vor, dennoch gab es zahlreiche Wahrnehmungsmeldungen.

Malaysia. © EMSC/Leaflet

Die Bebenzeugen berichten beim EMSC von wackelnden Möbeln und schlagenden Fenstern und Türen. Manche Menschen erschreckten sich so sehr, dass sie Kopfschmerzen bekamen oder um ihr Leben fürchteten.

Neben den Wirkungen auf die Menschen ist der Erdstoß vor allem von wissenschaftlichem Interesse, da so starke Erdbeben im plastisch verformbaren Erdmantel sehr selten sind. 620 km Tiefe liegt weit unterhalb der spröden Erdkruste und sogar unterhalb des oberen Mantels im Übergangsbereich zum unteren Mantel. Solche Tiefbeben sind typischerweise mit Subduktionszonen assoziiert, die aufgrund der Tiefenlage des Erdbebenherds ein gutes Stück entfernt sein können. Vermutlich ereignete sich der Erdstoß an einem Stück subduzierter und tief abgetauchter Australischer Platte, die entlang des Sundabogens unter die Sundplatte gelangte. Nördlich der Region gibt es aber auch Subduktionszonen, die verantwortlich sein könnten.

Normalerweise verhindern die hohen Temperaturen in diesen Tiefen klassische spröde Brüche, wie wir sie von flachen Erdbeben kennen. Dennoch bleiben die abtauchenden Plattenbereiche (Slabs) vergleichsweise kalt und fest. Dadurch können auch in großer Tiefe noch Spannungen aufgebaut werden, die sich in Bruch der Plattensegmente entladen.

Die wichtigsten erdbebenauslösenden Mechanismen in der Tiefe sind:

  • Phasenumwandlungen von Mineralen: Unter steigendem Druck wandelt sich beispielsweise Olivin in dichtere Hochdruckphasen (Wadsleyit, Ringwoodit) um. Diese Umwandlungen können instabil verlaufen und plötzlich Spannungen freisetzen.
  • Dehydrationsreaktionen: In der subduzierten Platte gebundene Fluide werden unter Druck freigesetzt. Das kann die Gesteinsfestigkeit lokal verringern und Brüche begünstigen.
  • Thermische Spannungen: Temperaturunterschiede zwischen der kalten Platte und dem heißen umgebenden Mantel erzeugen zusätzliche Spannungen.

Das Ergebnis ist ein tiefes, aber oft weitreichend spürbares Erdbeben. Aufgrund der großen Tiefe erreichen die seismischen Wellen große Entfernungen, während die Intensität an der Oberfläche meist geringer ist als bei einem gleich starken flachen Beben.

Mich würde es nicht wundern, wenn sich die Erdbebenwellen bis nach Deutschland und die Vulkaneifel ausbreiten und dort ebenfalls schwache, fluidgesteuerte Erdbeben auslösen würden.

(Quellen: EMSC, GFZ)

Erdbeben in Deutschland: Mb 2,6 bei Biberbach

Erdbeben in Deutschland – Katastrophenschützer in Oberschwaben ziehen Lehren aus Übung und Realität

Ein schwaches Erdbeben hat am Montagvormittag die Region südlich von Ulm erschüttert. Das Beben erreichte eine Magnitude von 2,6 und hatte sein Epizentrum rund 28 Kilometer süd-südwestlich von Ulm, unweit von Biberach an der Riß. In etwa 22 Kilometern Tiefe entstanden, blieb das Ereignis nach bisherigen Erkenntnissen ohne Schäden und wurde nur bestenfalls vereinzelt wahrgenommen. Dennoch reiht es sich in eine Serie jüngerer seismischer Aktivitäten im südwestdeutschen Raum ein.

Bereits in der vergangenen Woche war es im Raum Filderstadt und Reutlingen zu einem stärkeren Erdbeben mit einer Magnitude von 3,0 gekommen, das vielerorts deutlich spürbar war. Auch wenn beide Ereignisse schadenlos verliefen, verdeutlichen sie, dass Erdbeben in Baden-Württemberg kein rein theoretisches Risiko darstellen.

Vor diesem Hintergrund erhält eine kürzlich durchgeführte Katastrophenschutzübung im Zollernalbkreis besondere Bedeutung. Die Landkreise Zollernalb, Ortenau und Biberach simulierten gemeinsam ein schweres Erdbebenszenario. Nach der Alarmierung durch die Integrierte Leitstelle Zollernalb arbeiteten die Führungsstäbe im Feuerwehrhaus Hechingen unter realitätsnahen Bedingungen zusammen. Mehr als 50 Teilnehmende waren in die Übung eingebunden.

Dass der Landkreis Biberach in das Szenario einbezogen wurde, hat möglicherweise auch geologische Gründe. In der Region wurde ein sogenannter miozäner Seismit nachgewiesen – ein bis zu 15 Meter tiefer sedimentärer Gang, der entstand, als bei einem prähistorischen Erdbeben Sande und Mergel der Oberen Süßwassermolasse verflüssigt und durch Spalten nach oben gepresst wurden. Die Entstehung dieser Struktur wird mit dem Meteoriten­einschlag im heutigen Steinheimer Becken in Verbindung gebracht, der vermutlich ein starkes lokales Erdbeben auslöste. Der Befund gilt als Beleg dafür, dass die Region bereits in der Erdgeschichte erheblichen Erschütterungen ausgesetzt war, die sich in dieser Stärke tektonisch bedingt allerdings kaum wiederholen dürften.

Im Mittelpunkt der Übung standen die überregionale Koordination, belastbare Entscheidungsprozesse und die Sicherstellung der Einsatzfähigkeit über längere Zeiträume hinweg. Die Verantwortlichen zogen ein positives Fazit und kündigten an, die Zusammenarbeit im Katastrophenschutz weiter zu vertiefen – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der jüngsten realen Erdbeben.

Mexiko: Erdbeben Mw 5,6 erschüttert Baja California

Erdbeben in Baja California: Spreizungszone im Meeresboden des Guaymas-Beckens aktiv

Datum: 07.11.2025 | Zeit: 12:04:30 UTC | Koordinaten 27.962 ; -111.961 | Tiefe: 10 km | Mw 5,6

Ein starkes Erdbeben der Magnitude 5,6 hat am Freitagmorgen um 12:04:30 UTC den zentralen Golf von Kalifornien (Baja California) erschüttert. Das Epizentrum lag rund 105 Kilometer westlich von Heroica Guaymas auf dem mexikanischen Festland und etwa 75 Kilometer nordnordöstlich von Santa Rosalía auf der Halbinsel Baja California. Nach EMSC-Angaben manifestierte sich das Beben in rund zehn Kilometern Tiefe. Meldungen über Schäden oder Verletzte liegen nicht vor. Da das Epizentrum in einem unbewohnten Meeresgebiet lag, ist damit auch nicht zu rechnen.

Baja California. © EMSC/Leaflet

Der Golf von Kalifornien, auch als Sea of Cortez bekannt, ist eine der geologisch aktivsten Regionen Nordamerikas. Hier verläuft die Grenze zwischen der Nordamerikanischen Platte im Osten und der Pazifischen Platte im Westen. Entlang dieser Nahtlinie wird die Erdkruste gedehnt und zugleich seitlich verschoben. In diesem Gebiet gibt es einen Übergang von kontinentalem Grabenbruch zu einer ozeanischen Spreizungszone. Der Golf stellt gewissermaßen das nördliche Ende des Ostpazifischen Rückens dar, des langen Dehnungsrückens, der sich durch den gesamten Ostpazifik zieht.

Das Beben ereignete sich im Bereich des Guaymas-Beckens, einem Abschnitt des Golfs, in dem sich mehrere Transformstörungen und Spreizungszentren abwechseln. Diese Zonen entstehen durch die entgegengesetzten Plattenbewegungen: Die Pazifikplatte driftet nach Nordwesten und die Nordamerikanische Platte  bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von ca. 50 mm pro Jahr nach Südosten. Die Bewegung führt zu rechtssinnigen (dextral) Seitenverschiebungen entlang von Transformbrüchen. Wo die Kruste auseinandergezogen wird, steigt heißes Magma aus der Tiefe auf, wodurch sich untermeerische Spreizungsrücken bilden.

Im Guaymas-Becken gibt es neben der tektonisch bedingten Spreizung einen intensiven Sedimenteintrag und entsprechend mächtige Gesteinsschichten. Das aufsteigende Magma erhitzt die Sedimente, was zu einem ungewöhnlich heißen und reaktiven Untergrund führt. Dort finden sich zahlreiche Hydrothermalschlote, die schwefel- und metallreiche Fluide ausstoßen, was als ein Hinweis auf aktiven Vulkanismus unter dem Meeresboden interpretiert werden kann.

Oberirdisch ist die vulkanische Aktivität im Golf begrenzt, doch südlich des Epizentrums ragt die kleine Isla Tortuga aus dem Wasser. Hierbei handelt es sich um einen basaltischen Schildvulkan. Er erinnert daran, dass der Golf von Kalifornien nicht nur eine Zone des Risses, sondern auch eine Geburtsstätte neuen Ozeanbodens ist.

Nebenbei bemerkt gibt es hier noch andere Geburtsstätten: Die Baja California ist als Kinderstube von Grauwalen bekannt.

Kanlaon: Ascheeruption und Schwarmbeben am 05. Oktober

Kanlaon nach starken Erdbeben aktiver geworden – Ascheeruption und Schwarmbeben

Der philippinische Vulkan Kanlaon eruptierte heute Nacht gegen 00:40 UTC eine Aschewolke, die bis auf eine Höhe von 3000 m aufstieg und nach Südwesten geweht wurde. Das geht aus einer VONA-Meldung des VAAC Tokio hervor. Außerdem gab es einen stärkeren Erdbebenschwarm, der sich aus 65 Einzelerschütterungen zusammensetzte.

Die Erdbeben lagen überwiegend unter der Nordwestflanke des Vulkans auf der Insel Negros. Einige Beben bildeten einen zweiten Cluster südlich des Gipfelkraters. Die Beben manifestierten sich vor der Eruption, da diese in der PHILVOLCS-Zusammenfassung der letzten 24 Stunden noch nicht erwähnt wird. Die Seismizität steht typischerweise mit dem Aufstieg von Magma bzw. magmatischen Fluiden in Verbindung und ist vulkanotektonischer Natur. Außerdem stellte man eine Schwefeldioxidemission von mehr als 1600 Tonnen am Tag fest. Dampfwolken erreichten eine Höhe von 900 m. Der Kanlaon gilt seit Monaten infolge von Magmaakkumulation als aufgebläht und bereit für einen stärkeren Vulkanausbruch.

Die Aktivitätssteigerung könnte mit dem starken Erdbeben Mw 6,9 vom 30. September im Zusammenhang stehen, das sich in ca. 130 Kilometer Entfernung zum Kanlaon zugetragen hatte. Das Erdbeben lag in der Camotes-See vor der Küste von Cebu und richtete in mehreren Gemeinden nicht nur starke Gebäudeschäden an, sondern forderte auch 72 Todesopfer. Ich hatte eigentlich mit einer schnelleren und stärkeren Reaktion des Kanlaon gerechnet, doch stattdessen gab es am nächsten Tag eine phreatomagmatische Eruption am Taal-Vulkan. Dieser hat sich wieder beruhigt und emittierte gestern gut 1900 Tonnen Schwefeldioxid.

Der Kanlaon indes scheint sich weiter aufzuladen, wovon der Erdbebenschwarm zeugt. Es muss mit einer stärkeren explosiven Eruption gerechnet werden. Der Aufstieg ist weiterhin gesperrt und es gilt eine Sperrzone mit einem Radius von 4 Kilometern um den Krater. PHILVOLCS warnt vor spontan auftretenden phreatischen und phreatomagmatischen Eruptionen, die auch pyroklastische Ströme hervorbringen könnten.