Ätna: Mittelstarkes Erdbeben im Südwesten des Vulkans

Vergleichsweise starkes Erdbeben unter der Ätna-Südwestflanke – zahlreiche Wahrnehmungsmeldungen

Datum: 04.03.2026 | Zeit: 06:05:11 UTC | Koordinaten: 37.652 ; 14.920 | Tiefe: 4 km | Mb 4,5

Heute Morgen ereignete sich um 06:05:11 UTC ein mittelstarkes Erdbeben der Magnitude 4,5 in nur 4 Kilometern Tiefe unter der Südwestflanke des Ätnas. Das Epizentrum lag laut EMSC Angaben 10 Kilometer nördlich von Paternò, genauer zwischen den Ortschaften Ragalna und Biancavilla am Fuß des Monte Arso. Es gab zahlreiche Wahrnehmungsmeldungen. Größere Schäden wurden bis jetzt nicht gemeldet



Seismogram. © INGV

Vor einigen Jahren kam es in dieser Gegend bereits häufiger zu Erdbeben, die sich zwar an einer lokalen Störungszone ereigneten, nachweislich aber durch Spannungsänderungen infolge von Magmenaufstieg ausgelöst wurden. Besonders erwähnenswert ist der Erdstoß vom 6. Oktober 2018 mit einer Magnitude von 4,8. Damals war der Ätna paroxysmal aktiv. Am 24. Dezember folgte eine subterminale Eruption.

<>Ob der aktuelle Erdstoß Schäden kleinere verursacht hat, ist noch nicht bekannt, liegt jedoch durchaus im Bereich des Möglichen. Auf jeden Fall wurde das Erdbeben in der Ätna-Region deutlich gespürt. Dem EMSC liegen Wahrnehmungsmeldungen auch aus Catania und sogar aus Syrakus vor. Zahlreiche Berichte aus Catania sprechen von vibrierenden Betten, schwankenden Möbeln, klappernden Türen und Fenstern sowie klirrendem Geschirr. Zudem soll das Beben vergleichsweise lange angedauert haben.

Das seismische Signal auf den Seismogrammen schwingt über drei Minuten lang und sprengt die Skala. Eine halbe Stunde später folgte ein weiteres Erdbeben der Magnitude Mb 2,7.

Erdbeben. © INGV

Interessant ist zudem, dass es Ende Februar einen kleineren Erdbebenschwarm im Westen des Ätnas gab. Dieser lag deutlich flacher als die tiefen Erdbeben der vergangenen Monate an gleicher Stelle. Diese Beben stehen wahrscheinlich direkt mit Magmenaufstieg in Verbindung. Zeitgleich mit den Erschütterungen stieg der Tremor von niedrigen auf mittelhohe Werte an. Der Tremorgraph spiegelt das aktuelle Beben ebenfalls in Form eines scharfen Peaks wider.

In der Vergangenheit war es häufig so, dass nach mittelstarken Erdbeben mit einem Abstand von einigen Wochen besondere Eruptionsphasen einsetzten. Sie liefern zwar nicht zwingend Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption, mittelfristig können sie jedoch durchaus als Indikatoren für neue vulkanische Aktivität gewertet werden.

Das Wochenbulletin steht bis jetzt aus, daher kann ich keine neuen geophysikalischen Daten liefern.

Update 10:30 Uhr: Wie das INGV mitteilte, wird ein Nachbebenschwarm registriert. Bis jetzt wurden 13 Erschütterungen mit Magnituden über 1,0 registriert. Entgegen früheren Meldungen ist es doch zu Schäden gekommen.

Japan: Erdbeben Mw 6,0 erschüttert die Volcano Islands

Starkes Erdbeben Mw 6,0 in der japanischen Volcano-Islands-Region

Datum: 02.03.2026 | Zeit: 03:55:22 UTC | Koordinaten: 23.029 ; 144.245 | Tiefe: 11 km | Mw 6,0

Am 2. März 2026 um 03:55:22 UTC ereignete sich ein Erdbeben der Magnitude 6,0 in der Region der japanischen Volcano Islands. Das Epizentrum lag bei den Dezimal-Koordinate 23,029 ; 144,245. Die Herdtiefe betrug 11 Kilometer. Damit handelte es sich um ein relativ flaches Beben, das theoretisch über ein gewisses Schadenspotenzial verfügt, aufgrund der abgelegenen Lage aber keine Schäden verursacht haben dürfte. Die nächstgrößere Stadt ist Yokosuka, rund 1.433 km nord-nordwestlich entfernt. Näher liegt Saipan, etwa 883 km südöstlich. Aufgrund dieser großen Distanzen zu dicht besiedelten Gebieten sind direkte Auswirkungen auf die Bevölkerung eher unwahrscheinlich, obgleich es eine Militärbasis auf Iōtō (früher Iwo Jima) gibt, eine der Vulkaninseln in relativer Nähe zum Erdbebengebiet. Es gab ein Nachbeben der Magnitude 4,9 in 10 Kilometern Tiefe.

Erdbeben

Tektonisch liegt die Region in einem äußerst aktiven Bereich des westlichen Pazifiks. Die Volcano Islands gehören zum Izu-Bonin-Mariana-Inselbogen, der durch Subduktion entstanden ist. Hier taucht die Pazifische Platte unter die Philippinische Meeresplatte ab. Dieser Prozess führt zu großem Spannungsaufbau in der Erdkruste. Wenn sich die Spannungen plötzlich lösen, entstehen Erdbeben. Gleichzeitig sorgt die Subduktion für das Aufschmelzen von Gestein im Mantel, wodurch Magma aufsteigen und Vulkane bilden kann. Das Erdbeben steht somit im direkten Zusammenhang mit der aktiven Plattengrenze und ist ein typisches Beispiel für seismische Aktivität in einem Inselbogen-System.

Die Volcano Islands sind Teil der Ogasawara-Inselkette und umfassen unter anderem Iwo Jima (offiziell Iōtō) und Nishinoshima. Diese Inseln bestehen aus vulkanischem Material und sind das sichtbare Resultat von im Ozeanboden wachsenden Vulkanen infolge langanhaltender Subduktionsprozesse.

Iōtō stand zwischen 2023 und 2024 und auch 2025 in den Schlagzeilen bei vulkane.net, da es unmittelbar vor der Küste eruptive Aktivität gab. In geringer Wassertiefe ereigneten sich Eruptionen, die einen kleinen Vulkanrücken, vergleichbar einer Sandbank, haben auftauchen lassen. Nishinoshima beschäftigte uns in den letzten Jahren immer wieder. Auch wenn das aktuelle Erdbeben nicht in direktem Zusammenhang mit der Aktivität dieser Inselvulkane steht, könnte es durch die Erschütterungen Eruptionen triggern, vorausgesetzt, die Vulkane sind geladen.

Auf der EMSC-Shakemap sieht man, dass es bei Japan ein weiteres starkes Erdbeben Mb 5,5 gab, das sich vor der Südküste von Kyushu ereignete und sich auf den Sakurajima auswirken könnte.

Malaysia: Starkes Erdbeben Mw 7,1 vor Borneo

Ungewöhnlich starkes Erdbeben Mw 7,1 erschüttert Nordwestküste von Borneo – Hypozentrum in 620 Kilometern Tiefe

Datum: 22.02.2026 | Zeit: 16:57:46 UTC | Koordinaten: 6.829 ; 116.264 | Tiefe: 620 km | Mw 7,1

Am späten Nachmittag wurde die Nordwestküste der Insel Borneo von einem sehr starken Erdbeben Mw 7,1 erschüttert, dessen Hypozentrum in 620 Kilometern Tiefe festgestellt wurde, weshalb man genau genommen von einem Mantelbeben sprechen muss. Der Erdstoß ereignete sich um 16:57:46 UTC (23. Februar, 00:57:46 Uhr Lokalzeit) in der zu Malaysia gehörenden Region Sabah. Das Epizentrum lag bei 6,829° N und 116,264° E, gut 97 km nördlich von Kota Kinabalu sowie 62 km west-südwestlich von Kudat. Aufgrund der großen Herdtiefe wurde kein Tsunamialarm ausgelöst. Berichte über Schäden liegen ebenfalls nicht vor, dennoch gab es zahlreiche Wahrnehmungsmeldungen.

Malaysia. © EMSC/Leaflet

Die Bebenzeugen berichten beim EMSC von wackelnden Möbeln und schlagenden Fenstern und Türen. Manche Menschen erschreckten sich so sehr, dass sie Kopfschmerzen bekamen oder um ihr Leben fürchteten.

Neben den Wirkungen auf die Menschen ist der Erdstoß vor allem von wissenschaftlichem Interesse, da so starke Erdbeben im plastisch verformbaren Erdmantel sehr selten sind. 620 km Tiefe liegt weit unterhalb der spröden Erdkruste und sogar unterhalb des oberen Mantels im Übergangsbereich zum unteren Mantel. Solche Tiefbeben sind typischerweise mit Subduktionszonen assoziiert, die aufgrund der Tiefenlage des Erdbebenherds ein gutes Stück entfernt sein können. Vermutlich ereignete sich der Erdstoß an einem Stück subduzierter und tief abgetauchter Australischer Platte, die entlang des Sundabogens unter die Sundplatte gelangte. Nördlich der Region gibt es aber auch Subduktionszonen, die verantwortlich sein könnten.

Normalerweise verhindern die hohen Temperaturen in diesen Tiefen klassische spröde Brüche, wie wir sie von flachen Erdbeben kennen. Dennoch bleiben die abtauchenden Plattenbereiche (Slabs) vergleichsweise kalt und fest. Dadurch können auch in großer Tiefe noch Spannungen aufgebaut werden, die sich in Bruch der Plattensegmente entladen.

Die wichtigsten erdbebenauslösenden Mechanismen in der Tiefe sind:

  • Phasenumwandlungen von Mineralen: Unter steigendem Druck wandelt sich beispielsweise Olivin in dichtere Hochdruckphasen (Wadsleyit, Ringwoodit) um. Diese Umwandlungen können instabil verlaufen und plötzlich Spannungen freisetzen.
  • Dehydrationsreaktionen: In der subduzierten Platte gebundene Fluide werden unter Druck freigesetzt. Das kann die Gesteinsfestigkeit lokal verringern und Brüche begünstigen.
  • Thermische Spannungen: Temperaturunterschiede zwischen der kalten Platte und dem heißen umgebenden Mantel erzeugen zusätzliche Spannungen.

Das Ergebnis ist ein tiefes, aber oft weitreichend spürbares Erdbeben. Aufgrund der großen Tiefe erreichen die seismischen Wellen große Entfernungen, während die Intensität an der Oberfläche meist geringer ist als bei einem gleich starken flachen Beben.

Mich würde es nicht wundern, wenn sich die Erdbebenwellen bis nach Deutschland und die Vulkaneifel ausbreiten und dort ebenfalls schwache, fluidgesteuerte Erdbeben auslösen würden.

(Quellen: EMSC, GFZ)

Erdbeben in Deutschland: Mb 2,6 bei Biberbach

Erdbeben in Deutschland – Katastrophenschützer in Oberschwaben ziehen Lehren aus Übung und Realität

Ein schwaches Erdbeben hat am Montagvormittag die Region südlich von Ulm erschüttert. Das Beben erreichte eine Magnitude von 2,6 und hatte sein Epizentrum rund 28 Kilometer süd-südwestlich von Ulm, unweit von Biberach an der Riß. In etwa 22 Kilometern Tiefe entstanden, blieb das Ereignis nach bisherigen Erkenntnissen ohne Schäden und wurde nur bestenfalls vereinzelt wahrgenommen. Dennoch reiht es sich in eine Serie jüngerer seismischer Aktivitäten im südwestdeutschen Raum ein.

Bereits in der vergangenen Woche war es im Raum Filderstadt und Reutlingen zu einem stärkeren Erdbeben mit einer Magnitude von 3,0 gekommen, das vielerorts deutlich spürbar war. Auch wenn beide Ereignisse schadenlos verliefen, verdeutlichen sie, dass Erdbeben in Baden-Württemberg kein rein theoretisches Risiko darstellen.

Vor diesem Hintergrund erhält eine kürzlich durchgeführte Katastrophenschutzübung im Zollernalbkreis besondere Bedeutung. Die Landkreise Zollernalb, Ortenau und Biberach simulierten gemeinsam ein schweres Erdbebenszenario. Nach der Alarmierung durch die Integrierte Leitstelle Zollernalb arbeiteten die Führungsstäbe im Feuerwehrhaus Hechingen unter realitätsnahen Bedingungen zusammen. Mehr als 50 Teilnehmende waren in die Übung eingebunden.

Dass der Landkreis Biberach in das Szenario einbezogen wurde, hat möglicherweise auch geologische Gründe. In der Region wurde ein sogenannter miozäner Seismit nachgewiesen – ein bis zu 15 Meter tiefer sedimentärer Gang, der entstand, als bei einem prähistorischen Erdbeben Sande und Mergel der Oberen Süßwassermolasse verflüssigt und durch Spalten nach oben gepresst wurden. Die Entstehung dieser Struktur wird mit dem Meteoriten­einschlag im heutigen Steinheimer Becken in Verbindung gebracht, der vermutlich ein starkes lokales Erdbeben auslöste. Der Befund gilt als Beleg dafür, dass die Region bereits in der Erdgeschichte erheblichen Erschütterungen ausgesetzt war, die sich in dieser Stärke tektonisch bedingt allerdings kaum wiederholen dürften.

Im Mittelpunkt der Übung standen die überregionale Koordination, belastbare Entscheidungsprozesse und die Sicherstellung der Einsatzfähigkeit über längere Zeiträume hinweg. Die Verantwortlichen zogen ein positives Fazit und kündigten an, die Zusammenarbeit im Katastrophenschutz weiter zu vertiefen – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der jüngsten realen Erdbeben.

Mexiko: Erdbeben Mw 5,6 erschüttert Baja California

Erdbeben in Baja California: Spreizungszone im Meeresboden des Guaymas-Beckens aktiv

Datum: 07.11.2025 | Zeit: 12:04:30 UTC | Koordinaten 27.962 ; -111.961 | Tiefe: 10 km | Mw 5,6

Ein starkes Erdbeben der Magnitude 5,6 hat am Freitagmorgen um 12:04:30 UTC den zentralen Golf von Kalifornien (Baja California) erschüttert. Das Epizentrum lag rund 105 Kilometer westlich von Heroica Guaymas auf dem mexikanischen Festland und etwa 75 Kilometer nordnordöstlich von Santa Rosalía auf der Halbinsel Baja California. Nach EMSC-Angaben manifestierte sich das Beben in rund zehn Kilometern Tiefe. Meldungen über Schäden oder Verletzte liegen nicht vor. Da das Epizentrum in einem unbewohnten Meeresgebiet lag, ist damit auch nicht zu rechnen.

Baja California. © EMSC/Leaflet

Der Golf von Kalifornien, auch als Sea of Cortez bekannt, ist eine der geologisch aktivsten Regionen Nordamerikas. Hier verläuft die Grenze zwischen der Nordamerikanischen Platte im Osten und der Pazifischen Platte im Westen. Entlang dieser Nahtlinie wird die Erdkruste gedehnt und zugleich seitlich verschoben. In diesem Gebiet gibt es einen Übergang von kontinentalem Grabenbruch zu einer ozeanischen Spreizungszone. Der Golf stellt gewissermaßen das nördliche Ende des Ostpazifischen Rückens dar, des langen Dehnungsrückens, der sich durch den gesamten Ostpazifik zieht.

Das Beben ereignete sich im Bereich des Guaymas-Beckens, einem Abschnitt des Golfs, in dem sich mehrere Transformstörungen und Spreizungszentren abwechseln. Diese Zonen entstehen durch die entgegengesetzten Plattenbewegungen: Die Pazifikplatte driftet nach Nordwesten und die Nordamerikanische Platte  bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von ca. 50 mm pro Jahr nach Südosten. Die Bewegung führt zu rechtssinnigen (dextral) Seitenverschiebungen entlang von Transformbrüchen. Wo die Kruste auseinandergezogen wird, steigt heißes Magma aus der Tiefe auf, wodurch sich untermeerische Spreizungsrücken bilden.

Im Guaymas-Becken gibt es neben der tektonisch bedingten Spreizung einen intensiven Sedimenteintrag und entsprechend mächtige Gesteinsschichten. Das aufsteigende Magma erhitzt die Sedimente, was zu einem ungewöhnlich heißen und reaktiven Untergrund führt. Dort finden sich zahlreiche Hydrothermalschlote, die schwefel- und metallreiche Fluide ausstoßen, was als ein Hinweis auf aktiven Vulkanismus unter dem Meeresboden interpretiert werden kann.

Oberirdisch ist die vulkanische Aktivität im Golf begrenzt, doch südlich des Epizentrums ragt die kleine Isla Tortuga aus dem Wasser. Hierbei handelt es sich um einen basaltischen Schildvulkan. Er erinnert daran, dass der Golf von Kalifornien nicht nur eine Zone des Risses, sondern auch eine Geburtsstätte neuen Ozeanbodens ist.

Nebenbei bemerkt gibt es hier noch andere Geburtsstätten: Die Baja California ist als Kinderstube von Grauwalen bekannt.

Kanlaon: Ascheeruption und Schwarmbeben am 05. Oktober

Kanlaon nach starken Erdbeben aktiver geworden – Ascheeruption und Schwarmbeben

Der philippinische Vulkan Kanlaon eruptierte heute Nacht gegen 00:40 UTC eine Aschewolke, die bis auf eine Höhe von 3000 m aufstieg und nach Südwesten geweht wurde. Das geht aus einer VONA-Meldung des VAAC Tokio hervor. Außerdem gab es einen stärkeren Erdbebenschwarm, der sich aus 65 Einzelerschütterungen zusammensetzte.

Die Erdbeben lagen überwiegend unter der Nordwestflanke des Vulkans auf der Insel Negros. Einige Beben bildeten einen zweiten Cluster südlich des Gipfelkraters. Die Beben manifestierten sich vor der Eruption, da diese in der PHILVOLCS-Zusammenfassung der letzten 24 Stunden noch nicht erwähnt wird. Die Seismizität steht typischerweise mit dem Aufstieg von Magma bzw. magmatischen Fluiden in Verbindung und ist vulkanotektonischer Natur. Außerdem stellte man eine Schwefeldioxidemission von mehr als 1600 Tonnen am Tag fest. Dampfwolken erreichten eine Höhe von 900 m. Der Kanlaon gilt seit Monaten infolge von Magmaakkumulation als aufgebläht und bereit für einen stärkeren Vulkanausbruch.

Die Aktivitätssteigerung könnte mit dem starken Erdbeben Mw 6,9 vom 30. September im Zusammenhang stehen, das sich in ca. 130 Kilometer Entfernung zum Kanlaon zugetragen hatte. Das Erdbeben lag in der Camotes-See vor der Küste von Cebu und richtete in mehreren Gemeinden nicht nur starke Gebäudeschäden an, sondern forderte auch 72 Todesopfer. Ich hatte eigentlich mit einer schnelleren und stärkeren Reaktion des Kanlaon gerechnet, doch stattdessen gab es am nächsten Tag eine phreatomagmatische Eruption am Taal-Vulkan. Dieser hat sich wieder beruhigt und emittierte gestern gut 1900 Tonnen Schwefeldioxid.

Der Kanlaon indes scheint sich weiter aufzuladen, wovon der Erdbebenschwarm zeugt. Es muss mit einer stärkeren explosiven Eruption gerechnet werden. Der Aufstieg ist weiterhin gesperrt und es gilt eine Sperrzone mit einem Radius von 4 Kilometern um den Krater. PHILVOLCS warnt vor spontan auftretenden phreatischen und phreatomagmatischen Eruptionen, die auch pyroklastische Ströme hervorbringen könnten.

Seismologie: Erdbeben erzeugen extreme Hitze

Heiße Erkenntnisse: Wie Erdbeben Energie in Schmelze umwandeln können

Ein Team von Geophysikern des Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat erstmals den vollständigen Energiehaushalt von Erdbeben in Laborversuchen nachvollziehen können. Mit Hilfe von künstlich erzeugten Mikroerdbeben im Labor ist es gelungen, zu zeigen, was mit dem Großteil der bei einem Erdbeben freigesetzten Energie geschieht, denn nur ein vergleichsweise geringer Prozentsatz der Erdbebenenergie wird in die gefürchteten Erdbebenwellen umgewandelt, die katastrophale Folgen haben können. Die Experimente zeigen, dass ein Erdbeben weit mehr verursacht als nur ein spürbares Rütteln des Bodens: Der überwiegende Teil der freigesetzten Energie wird in Wärme umgesetzt.

Für ihre Studie simulierte das Team Erdbeben im Mikromaßstab, indem es synthetische Granitproben unter kontrollierten Druckbedingungen bis zum plötzlichen Versagen belastete. Die Messungen ergaben, dass rund 80 Prozent der Energie in Wärme übergehen, etwa zehn Prozent seismische Erschütterungen erzeugen und weniger als ein Prozent für die Zerkleinerung von Gestein aufgewendet wird. Diese Angaben sind gerundet, denn die Forscher gaben in ihrer Studie vergleichsweise große Schwankungsräume an.

Die Umwandlung der Energie in Wärme erzeugt dabei enorme Temperaturspitzen: Innerhalb von Mikrosekunden kann sich das Gestein auf bis zu 1.200 Grad Celsius erhitzen, bevor es ebenso schnell wieder abkühlt.

Diese extremen Bedingungen führen dazu, dass an den Gleitflächen der Gesteinsbruchzonen bzw. Störungen dünne Schmelzfilme entstehen – ein Phänomen, das auch in der Natur beobachtet wird. Geologen bezeichnen solche glasartigen Strukturen als Pseudotachylite. Sie bilden sich häufig entlang von Scherzonen, insbesondere in Subduktionszonen, wo sich Spannungen über lange Zeiträume aufbauen und schließlich ruckartig entladen. Solche Schmelzfilme können das weitere Verhalten einer Verwerfung beeinflussen, indem sie kurzfristig wie Schmiermittel wirken und das Abrutschen erleichtern. Das verursacht eine Art Rückkopplungseffekt, denn dadurch wird ein größerer Teil der Erdbebenenergie in seismische Wellen verwandelt, was größere Schadenswirkungen mit sich bringt.

Die neuen Erkenntnisse haben weitreichende Bedeutung für die Einschätzung seismischer Gefahren. Bislang ließ sich nur der Anteil der Erdbebenenergie messen, der in Form von Bodenerschütterungen an der Oberfläche ankommt. Wärmeproduktion und unterirdische Gesteinsbrüche blieben größtenteils verborgen. Das MIT-Team zeigt nun, dass der Wärmeeintrag nicht vernachlässigt werden darf und möglicherweise auch auf die langfristige Stabilität von Verwerfungen wirkt.

Darüber hinaus werfen die Ergebnisse spannende Fragen für die Magmenentstehung auf. Zwar ist die Energiemenge eines einzelnen Bebens zu gering, um große Schmelzvolumina zu erzeugen, doch wiederholte Erdbeben könnten möglicherweise lokal genug Wärme eintragen, um bereits teilweise aufgeschmolzenes Gestein weiter zu verflüssigen. Auf diese Weise könnte der Prozess indirekt die Migration von Magma begünstigen – insbesondere in geodynamisch aktiven Regionen, wie wir es aktuelle in Kamtschatka sehen.

Die Forschenden hoffen, dass ihre Laborversuche helfen, Erdbebenmodelle zu verbessern und das Risiko künftiger Ereignisse präziser abzuschätzen. Denn je besser bekannt ist, wohin die Energie eines Bebens fließt, desto genauer lässt sich auch seine zerstörerische Wirkung einschätzen. (Quellen: AGU, Pressemeldung MIT)

Campi Flegrei: Studie identifiziert 54000 Erdbeben mithilfe von KI

Neue Studie identifiziert 54.000 Erdbeben in den Campi Flegrei mithilfe von KI – Beben meistens tektonischen Ursprungs

Die seit 20 Jahren anhaltende und sich seit 2017 permanent steigernde Erdbebentätigkeit im Bereich der süditalienischen Caldera Campi Flegrei inspiriert zahlreiche Forscher zu Studien. So wurde jetzt im Magazin „Science“ die Studie eines internationalen Forscherteams veröffentlicht, das mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz in den seismischen Aufzeichnungen der letzten 3 Jahre 54.000 Erdbeben identifizieren konnte. Weit mehr als bisher bekannt waren. Die meisten Erdbeben sollen tektonischer Natur gewesen sein und nicht direkt mit dem Aufstieg von Magma zusammenhängen. Unterhalb von 4 Kilometern Tiefe wurde keine Erdbeben festgestellt.

Eine Ausnahme bilden laut der Studie, die von Forschern der Stanford University sowie der Universität Neapel Federico II und dem INGV durchgeführt wurde, hybride Erdbeben, die sich im Bereich des Mont Obliano manifestierten. Diese Erschütterungen würden direkt mit Fluidbewegungen zusammenhängen.

Ringförmig angeordnete Erdbeben

Mit Hilfe von KI-gestützten Verfahren wurde anhand der Erdbebenmuster ein ringförmiges Störungssystem um die Bodenhebungszone im Dach der Caldera identifiziert. An diesem Störungssystem ereignen sich laut der Forschergruppe die meisten tektonisch bedingten Erschütterungen. Solche ringförmigen Störungssysteme kennen wir auch von den Dachbereichen bzw. Füllungen anderer Calderen, u.a. vom Bardarbunga in Island.

Die Beben werden nach Meinung der Forscher also nicht direkt von aufsteigendem Magma verursacht. Hinweise auf eine Magmenmigration in Tiefen von weniger als 4 km wurden nicht gefunden.
Obwohl einige Forscher, Bürokraten und auch besorgte Bürger der Region diese Nachricht so interpretieren, als würde nun die Gefahr eines Vulkanausbruchs gebannt sein, gebe ich zu bedenken, dass die allermeisten Erdbeben in Vulkanregionen eben dadurch zustande kommen, dass sich magmatische Fluide entlang von Störungen und Schwächezonen bewegen und Druckerhöhungen diese zu Beben anregen. Was folgt, ist ein Erdbebensignal, das alle Merkmale eines tektonischen Erdbebens aufweist, letztendlich aber dennoch durch Druckanstieg im magmatischen Speicher- und Fördersystem des Vulkans ausgelöst wurde. Zudem hat bis jetzt auch keine andere Studie Magma in weniger als 4 km Tiefe nachweisen können. Tatsächlich würde Magma in so geringer Tiefe kurz vor der Eruption stehen.

Rein vulkanotektonische Erdbeben, bei denen aufsteigendes Magma Gestein bricht, manifestieren sich in geringen Tiefen nur dann, wenn das Magma final aufsteigt. Bei offenen Aufstiegswegen kommt es oft erst Stunden oder Minuten vor einer Eruption zu einer seismischen Krise vulkanotektonischen Ursprungs. Die neuen Erkenntnisse der Studie liefern keinen Grund zur Entwarnung, sondern sie sagen lediglich aus, dass ein Vulkanausbruch nicht unmittelbar bevorsteht. Mehr als 54.000 Erschütterungen innerhalb von 3 Jahren (2 Beben pro Stunde) sowie die Bodenhebung sind alarmierende Anzeichen dafür, dass es im Untergrund einen starken Druckaufbau gibt. (Quelle der Studie: https://www.science.org/doi/10.1126/science.adw9038)

Yellowstone: KI spürt Zehntausende unentdeckte Mikrobeben auf

Künstliche Intelligenz liefert neue Einblicke in eines der mächtigsten Vulkansysteme der Erde – Magmenkörper unter Yellowstone in nur 4 km Tiefe

Yellowstone ist Caldera und Nationalpark zugleich und weltberühmt für seine Geysire, heißen Quellen und weitläufigen Landschaften und geologisch betrachtet von höchster Bedeutung. Unter dem ältesten Nationalpark der USA verbirgt sich eine riesige Caldera, die von einem Supervulkanausbruch zeugt, der sich vor mehr als 640.000 Jahren ereignete. Doch der jüngste dieser Ausbrüche war nicht der erste und wahrscheinlich auch nicht der letzte: Statistisch gesehen ist eine weitere Supereruption überfällig, was zahlreiche Menschen besorgt und immer wieder Anlass zu Spekulationen bis hin zu sensationsheischenden Fakenews gibt. Neue Forschungsergebnisse zeigen nun, dass die Aktivität unter Yellowstone viel komplexer ist als bisher angenommen – und dass moderne Methoden wie maschinelles Lernen helfen, diese Prozesse besser zu verstehen.

Neue Studie mit Hilfe von KI generiert seismisches 3-D Modell und spürte Zehntausende übersehen Erdbeben auf

Ein Forschungsteam unter der Leitung des Ingenieurprofessors Bing Li analysierte in Zusammenarbeit mit dem United States Geological Survey und der Universidad Industrial de Santander in Kolumbien alte seismische Daten aus Yellowstone neu. Mithilfe von Deep-Learning-Algorithmen und einem dreidimensionalen Modell zur Ausbreitungsgeschwindigkeit von Erdbebenwellen entstand ein hochauflösender Erdbebenkatalog, der über 86.000 Ereignisse zwischen 2008 und 2022 dokumentiert – etwa zehnmal mehr als in bisherigen Auswertungen der Datensätze aufgefallen waren.

Mehr als die Hälfte dieser Erdbeben trat in sogenannten Schwärmen auf: Gruppen schwacher Beben, die sich in einem begrenzten Gebiet über Wochen oder Monate häufen, ohne dass ein dominierendes Hauptbeben erkennbar ist. Besonders auffällig: Diese Schwärme erscheinen oft nahe beieinander, sind aber durch längere Ruhephasen getrennt – ein bislang wenig verstandenes Muster.

Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass ein Zusammenspiel aus langsam wandernden hydrothermalen Fluiden und plötzlichen Flüssigkeitseinspritzungen die Ursache für viele dieser Schwärme sein könnte. Solche Einspritzungen entstehen vermutlich, wenn durch Druckaufbau in der Tiefe sogenannte Permeabilitätssiegel brechen und so den Weg für aufsteigende Fluide freigeben. Diese Vorgänge können entlang komplexer, unreifer Störungszonen stattfinden, die besonders tief unterhalb der Caldera auffällig häufig auftreten.

Magma in 3-4 Kilometern Tiefe

Innerhalb der Yellowstone-Caldera zeigten sich zudem vertikale Migrationsmuster: Erdbeben wanderten von der Tiefe in Richtung Oberfläche – ein typisches Zeichen fluidgetriebener Prozesse. Teilweise trat die Seismizität dabei in mehreren Tiefenabschnitten gleichzeitig auf, getrennt durch eine aseismische Zone. Diese Zone fällt mit einem vermuteten Magmareservoir in etwa 3–4 Kilometern Tiefe zusammen und deutet auf einen aktiven Austausch zwischen magmatischen und hydrothermalen Prozessen hin.

Die Region wird kontinuierlich überwacht, da sie eines der wenigen Gebiete ist, in denen sich magmatische, tektonische und hydrothermale Prozesse in engem Zusammenspiel beobachten lassen. Die aktuellen Studien zeigen, dass viele seismische Prozesse nicht eruptiven Ursprungs sind, sondern durch die Bewegung von Flüssigkeiten innerhalb des komplexen Störungssystems ausgelöst werden. Für die Vulkanforschung bedeutet das: Wer verstehen will, wie sich Vulkanausbrüche ankündigen oder wie Energie aus dem Erdinneren transportiert wird, muss tiefer graben – sowohl im Boden als auch in den Daten.

Fortschritt durch maschinelles Lernen

Bis vor wenigen Jahren wurden Erdbeben in Yellowstone manuell durch Expertenteams ausgewertet, was ein mühsamer und langwieriger Prozess war. Dank neuer Technologien wie maschinellem Lernen und neuronalen Netzwerken können nun große Mengen an seismischen Wellenformen schnell und präzise analysiert werden. Das ermöglicht nicht nur die Entdeckung bisher übersehener Ereignisse, deren Erdbebenwellen sich überlagert haben können, sondern auch ein besseres Verständnis für wiederkehrende Muster wie Erdbebenschwärme oder Flüssigkeitsbewegungen im Untergrund. (Quelle der Studie: https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.adv6484)