Nyamuragira und Nyiragongo: Zwei Nachbarvulkane emittierten Wärmestrahlung
Die beiden benachbarten Vulkane Nyamuragira und Nyiragongo in der Demokratischen Republik Kongo emittieren derzeit eine hohe beziehungsweise moderate Wärmestrahlung, die so stark ist, dass von offen liegender Lava ausgegangen werden kann. Während sich die Aktivität des einen Vulkans anhand aktueller Satellitenaufnahmen gut nachvollziehen lässt, ist dies beim zweiten Feuerberg deutlich schwieriger.
Bei diesem handelt es sich um den Nyiragongo, der laut MIROVA heute eine Thermalstrahlung von 75 MW im VIIRS-Messsystem emittiert. Auf aktuellen Copernicus-Satellitenbildern ist der Krater zwar von Wolken beziehungsweise Dampf verdeckt, dennoch lässt sich eine ausgeprägte thermische Anomalie erkennen, die möglicherweise von einem Lavasee ausgeht. Ob es sich dabei erneut um eine vorübergehende Erscheinung handelt oder sich ein dauerhafter Lavasee etabliert, werden die kommenden Tage zeigen. Vom Krater zieht zudem eine langgestreckte Gasfahne bis zum Kivusee.

Anders präsentiert sich die Situation am nördlich gelegenen Nyamuragira. Der große Schildvulkan emittiert derzeit eine Wärmestrahlung von 847 MW; am 29. Juni wurde sogar ein Spitzenwert von 1.518 MW registriert. Hier geben die Satellitenaufnahmen den Blick auf den Krater frei. Zu erkennen sind ein etwa 200 Meter langer elliptischer Lavasee sowie mehrere kleinere Lavalinsen. Möglicherweise befinden sich auch Lavaströme innerhalb der Gipfelcaldera. Außerhalb des Gipfelbereichs sind auf den Satellitenbildern seit März keine aktiven Lavafronten mehr auszumachen. Allerdings war das Gebiet in den vergangenen Monaten überwiegend von dichter Bewölkung bedeckt, sodass kleinere Effusionsereignisse nicht ausgeschlossen werden können.
Leider ist die Sicherheitslage in der Demokratischen Republik Kongo weiterhin äußerst angespannt. Reisen zu den Virunga-Vulkanen sind derzeit praktisch unmöglich, da Rebellen das Gebiet um Goma kontrollieren. Der vor der Coronapandemie aufblühende Vulkantourismus am Nyiragongo ist dadurch vollständig zum Erliegen gekommen. Den Nyamuragira konnte man allerdings auch schon zuvor nur unter erschwerten Bedingungen bereisen. Eine Besserung der Lage ist derzeit nicht absehbar. Hinzu kommt, dass weiter nördlich immer wieder Ausbrüche des Ebolavirus auftreten.




