Island: Spürbares Erdbeben bei Brennisteinsfjöll

Erdbeben bei Brennisteinsfjöll auf Island – Landhebung bei Svartsengi hält an

Auf der isländischen Reykjanes-Halbinsel hat sich am Sonntagmorgen ein Erdbebenschwarm im Bereich der Brennisteinsfjöll ereignet, dessen stärkstes Erdbeben von der Bevölkerung verspürt wurde. Es wurde um 00:40 Uhr Ortszeit registriert und erreichte Magnitude 3,4. Das Hypozentrum lag in rund 6,8 Kilometern Tiefe südlich des Berges Helgafell. Der Erdstoß wurde vor allem im Südwesten Islands wahrgenommen.

Shakemap © IMO

In den folgenden Stunden registrierten die Messstationen etwa 15 weitere, überwiegend schwache Erschütterungen. Mehrere Ereignisse konzentrierten sich südlich und südöstlich des Helgafell in Tiefen zwischen etwa vier und sieben Kilometern. Daneben traten Mikrobeben in geringer Tiefe auf. Um 03:32 Uhr folgte noch ein Erdstoß der Magnitude 2,3. Die Aktivität ist geringer als bei einem ausgeprägten tektonischen Erdbebenschwarm, spiegelt aber dennoch eine erhöhte Seismizität in den vulkanischen Brennisteinsfjöll wider.

Auf der Reykjanes-Halbinsel treten immer wieder Erdbeben entlang verschiedener Störungszonen auf. IMO registrierte innerhalb von 48 Stunden insgesamt 38 lokalisierbare Erschütterungen, was im Vergleich der letzten Jahre nicht besonders viel ist. Besonders im Bodenhebungsgebiet von Svartsengi bleibt die seismische Aktivität gering, obwohl die Bodenhebung mit kleinen Fluktuationen anhält.

Nach Angaben des isländischen Wetterdienstes vom 30. September hat sich der Boden bei Svartsengi innerhalb der vergangenen drei Monate um etwa vier Zentimeter gehoben. Die Deformation verlief dabei relativ gleichmäßig. Sie wird als Hinweis darauf interpretiert, dass sich weiterhin Magma in mehreren Kilometern Tiefe ansammelt und der Druck im magmatischen System zunimmt.

Die wahrscheinlichste Entwicklung bleibt deshalb ein neuer Magmenaufstieg von Svartsengi in Richtung der Sundhnúkur-Kraterreihe, der schließlich in einem Vulkanausbruch münden könnte. Ein Zeitpunkt lässt sich nicht vorhersagen. Da seit dem letzten Ereignis zunehmend Zeit vergangen ist, wächst die Unsicherheit hinsichtlich des möglichen Ausbruchstermins. Der Wetterdienst warnt weiterhin vor einem kurzen Vorlauf.

Das Vulkansystem Reykjanes-Svartsengi steht unverändert auf Alarmstufe 2 („deutlich erhöhte Aktivität“). Für Grindavík gilt weiterhin eine erhebliche Gefährdung.

Interessant sind auch 2 Erdbeben der Magnituden 3,0 und 2,9, die sich gestern Nacht unter dem vom Myrdalsjökull bedeckten Vulkan Katla ereignet haben. Die seismovulkansichen unruhen gehen als auch hier weiter.

Island: Ein zweiter Erdbebenschwarm im Südwesten

Erdbebenschwärme vor Island verlagern sich Richtung Küste – 348 Beben innerhalb von 2 Tagen

Vor der Südwestküste Islands hat sich die seit Dienstagabend anhaltende Erdbebenaktivität deutlich in Richtung Küste verlagert: Am 16. September begann gegen Mitternacht auf dem Reykjanesrücken rund 55 Kilometer südwestlich der Insel Eldey ein zweiter Erdbebenschwarm, der deutlich näher an Reykjanestá liegt als jener vom Vortag. IMO verortet ihn einige Kilometer nord-nordwestlich von Geirfugladrangur. Das Zentrum der Seismizität hat sich somit um etwa 35 Kilometer in Richtung Island verlagert. Die stärksten Beben erreichten Magnituden von 3,0 und 3,4.

Island. © IMO

Nach Angaben von IMO wurden seit Mitternacht zwischen 80 und 100 Erdbeben registriert. Die meisten hatten Magnituden von weniger als 2, dennoch erreichten fünf Beben Magnituden, die zwischen Mb 3,0 und Mb 3,5 lagen. Besonders aktiv war der Schwarm zwischen Mitternacht und 3 Uhr früh am 17. September. Anschließend ging die Aktivität deutlich zurück, hielt aber mittags noch an. Am ersten Bebenspot bei Eldeyjarboði wurden hingegen keine neuen Erschütterungen mehr detektiert.

Die Verlagerung der Seismizität um rund 35 Kilometer näher an die Küste ist nach Einschätzung des isländischen Wetterdienstes zunächst nicht ungewöhnlich. Die Beben der vergangenen Nacht hatten ihre Herdregion südwestlich der Insel Eldey, womit sich der Schwarm wesentlich näher bei der Hauptinsel manifestierte. Eldey liegt etwa 15 Kilometer südwestlich der Südwestspitze der Reykjanes-Halbinsel. Seit Anfang des Jahres wird dort eine schwache Subsidenz registriert, die sich zuletzt etwas beschleunigte und sich mittlerweile auf 30 mm summierte. Möglicherweise erstarrt und schrumpft hier ein magmatischer Gang, der zu Beginn der seismischen Hochphase intrudierte, oder die Absenkung kommt durch die weitere Öffnung des Mittelatlantischen Rückens zustande.

Erdbebenschwärme sind auf dem Reykjanesrücken häufig. Dort treffen die Grenzen der Nordamerikanischen und Eurasischen Platte aufeinander und driften auseinander. Die dabei regelmäßig aufgebaute tektonische Spannung wird durch Erdbebenepisoden abgebaut.

Darüber hinaus gab es an der Tjörnes-Fracture-Zone im Norden Island einen Erdbebenschwarm. insgesamt detektierte IMO innerhalb von 48 Stunden 348 Erddbeben.

Island: Starkes Erdbeben Mb 4,3 am Langjökull

Starkes Erdbeben Mb 4,3 erschüttert Langjökull auf Island – Schwarmbeben vor Reykjanestá

In den letzten Stunden kam es gleich zu zwei erwähnenswerten seismischen Ereignissen auf Island. Zunächst manifestierte sich unter dem Gletscher Langjökull ein mögliches Doppelbeben der Magnituden 4,3 und 4,2, die sich mit nur 11 Sekunden Abstand ereigneten. Daher ist nicht ganz sicher, ob es sich tatsächlich um zwei unterschiedliche Beben handelte oder lediglich um ein einzelnes Erdbeben mit einer ausgeprägten Bruchstruktur. Während das IMO auf seiner alten Erdbebenkarte zwei Beben dieser Magnitude anzeigt, ist auf der neuen Karte nur ein Erdstoß zu sehen. Auch das EMSC registrierte lediglich eine Erschütterung. Darüber hinaus wurden mehr als 60 weitere Erschütterungen registriert, von denen vier Beben Magnituden im Zweierbereich erreichten.

Langjökull

Das Epizentrum des stärksten Erdbebens wurde bei den Koordinaten 64,650; –20,605 verortet und lag gut 14 Kilometer östlich von Húsafell am Nordrand der Langjökull-Caldera. Das Hypozentrum wurde auf Höhe des Meeresspiegels ausgemacht. Der Erdstoß manifestierte sich um 14:18:30 UTC. Das zweite Beben mit der Magnitude Mb 4,2 war eigentlich der erste Erdstoß und ereignete sich um 14:18:19 UTC. Es lag einige Kilometer weiter westlich, knapp außerhalb der Caldera.

Die Beben könnten hier mit tektonischen Prozessen infolge von Fluidaufstieg beziehungsweise der Ansammlung magmatischer Fluide im Zusammenhang stehen. Seit 2022, als sich zuletzt ein vergleichbar starkes Erdbeben ereignete, beobachten die isländischen Vulkanologen einen Anstieg der Seismizität im Bereich des Langjökull. Sie könnte ein Anzeichen für ein langsames Aufladen des Zentralvulkans sein.

Neben dem Erdbebenschwarm am Langjökull zog auch ein weiterer Erdbebenschwarm westlich von Reykjanestá Aufmerksamkeit auf sich. Hier detektierte das seismische Netzwerk des IMO bislang 80 Beben. Die beiden stärksten Erschütterungen hatten Magnituden von 3,2 und 3,1. Das Epizentrum des stärksten Bebens wurde 9,4 Kilometer südwestlich des Felsens Eldeyjarboði verortet, was etwa 70 Kilometer offshore von Reykjanestá entspricht. Das Hypozentrum befand sich in 10 Kilometern Tiefe. Die Erdbebensequenz hängt aller Wahrscheinlichkeit nach mit tektonischen Prozessen entlang des Mittelatlantischen Rückens zusammen.

Auswirkungen auf das Bodenhebungsgebiet von Svartsengi lassen sich bislang nicht erkennen. Hier scheint es trotz – oder gerade wegen – der anhaltenden langsamen Bodenhebung infolge von Magmaakkumulation eine seismische Lücke zu geben, denn Erdbeben traten sowohl westlich als auch östlich dieses Systems auf.

Island: Erdbebenaktivität am 11. September

Erdbeben auf Island verteilen sich über die gesamte Insel

Die Erdbebenaktivität auf Island bewegt sich weiterhin auf einem mittelhohen Niveau, und die IMO-Shakemap ist entsprechend relativ bunt: Innerhalb von 48 Stunden wurden mehr als 100 Beben registriert, die sich auffallend homogen über die bekannten Erdbebenzonen Islands verteilen, ohne ausgeprägte Erdbebenschwärme zu bilden. Das stärkste Beben der letzten Stunden hatte eine Magnitude von 2,7 und manifestierte sich an der Tjörnes-Fracture-Zone vor der Nordküste Islands. Während die Erdbebentätigkeit hier nichts Ungewöhnliches ist, finde ich die anhaltende Seismizität in der Krafla-Region durchaus bemerkenswert.

Island. © IMO

Weiter südlich liegen der Tafelvulkan Herdubreid und die Caldera Askja, wo die Seismizität in den letzten Tagen ebenfalls erhöht ist. Während die Bodenhebung an der Messstation OLAC, die ziemlich im Zentrum der Askja-Caldera liegt, zum Erliegen gekommen ist, verzeichnet die Messstation JONC im Norden des Gebiets eine anhaltende Hebung, die aller Wahrscheinlichkeit nach durch sich im Untergrund akkumulierende magmatische Fluide verursacht wird.

Ein weiterer interessanter Bebenspot ist der Gletscher Vatnajökull, unter dem sich mehrere Zentralvulkane befinden. Hier konzentriert sich die Bebentätigkeit weiterhin auf Bárðarbunga und Grímsvötn. An beiden Vulkanen gibt es anhaltende Bodenhebungen, die allerdings aufgrund der Eisbedeckung schwer zu quantifizieren sind. Die Bodenhebungen verlaufen relativ langsam und sind keine Anzeichen für unmittelbar bevorstehende Eruptionen.

Anhaltende Erdbebentätigkeit wird auch im Süden Islands registriert, etwa in dem Gebiet zwischen Torfajökull und Hekla, während es im Westen der Insel weiterhin am Langjökull und am Grjótárvatn bebt.

Auf der Reykjanes-Halbinsel im Südwesten ereigneten sich die meisten Beben im Krýsuvík-System und vor der Küste bei Reykjanestá. Im Svartsengi-System ist es nach wie vor auffällig ruhig, obgleich die Bodenhebung weiterhin konstant anhält und sich im Untergrund Magma ansammelt. Die Gefahr eines Vulkanausbruchs ist also noch nicht gebannt.

Island: Interessante Erdbebentätigkeit auf Wochensicht

Interessante Erdbebentätigkeit auf Island – fast 400 Beben im Laufe einer Woche

Auf Island ist es aus seismischer Sicht nicht so ruhig, wie die mangelnde Berichterstattung der letzten Wochen vermuten lässt. Im Laufe der vergangenen sieben Tage manifestierten sich 397 lokalisierbare Erdbeben unter der von Vulkanismus und tektonischen Prozessen geprägten Insel im Nordatlantik, die sich über den Mittelatlantischen Rücken erhebt. Diese transkontinentale Dehnungszone ist der Hauptmotor der Erdbebentätigkeit, die allerdings gehäuft im Bereich der Zentralvulkane auftritt. Neu hinzugekommen sind Erdbeben im Bereich des nordisländischen Vulkans Krafla am Mývatn, dessen letzte Eruptionsphase gerne als Vergleich für die aktuelle Tätigkeit entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe herangezogen wird.

Island © IMO

In den vergangenen Tagen ereigneten sich im Krafla-Gebiet 18 Mikrobeben, die sich überwiegend südwestlich des Spaltenvulkans manifestierten. Dort befinden sich das Geothermalgebiet Námafjall sowie ein Geothermalkraftwerk. Die Hypozentren der Beben liegen mit 3 bis 4 Kilometern relativ flach, allerdings eigentlich zu tief, um eindeutig durch menschliche Aktivitäten verursacht worden zu sein. Es lässt sich jedoch nicht ausschließen, dass die Beben mit dem Geothermalkraftwerk in Verbindung stehen. Andererseits könnten sie durch magmatische Fluide verursacht werden, die entlang von Störungszonen aufsteigen und das Spannungsfeld beeinflussen. Eine eindeutige Beben-Ursache lässt sich derzeit nicht bestimmen.

Erdbeben gibt es auch wieder gehäuft im Westen Islands, vor allem am Langjökull und am Grjótárvatn. Im Südwesten Islands bebte es praktisch an jedem der fünf großen Spaltensysteme auf Reykjanes, ausgenommen dem Bodenhebungsgebiet bei Svartsengi, wo nur vereinzelte Erdbeben registriert wurden, obwohl die Bodenhebung unverändert anhält.

Besonders auffällig sind zwei Bebencluster südöstlich und südwestlich des Kleifarvatns im Krýsuvík-System sowie ein Schwarmbeben bei Bláfjöll, über das ich bereits berichtet habe.

Weiter im Osten Islands setzte sich die Erdbebenaktivität unter Katla und Torfajökull, aber auch im Bereich des Vatnajökull fort. Die seismische Tätigkeit lässt zwar keine unmittelbaren Rückschlüsse auf bevorstehende Vulkanausbrüche zu, verdeutlicht aber, dass Island weiterhin sehr aktiv ist und dass sich mehrere Vulkansysteme auf Eruptionen vorbereiten könnten.

Island: Erhöhte Erdbebenaktivität bei Grindavik registriert

Erdbebenaktivität bei Grindavík auf Island auf dem höchsten Stand seit Monaten – Bodenhebung geht weiter

In den vergangenen Wochen ist es um Grindavík und das Svartsengi-Gebiet auf Reykjanes relativ ruhig bestellt gewesen. Besonders aus seismischer Sicht gab es wenig zu berichten: Zwar wurden immer wieder sporadische Erdbeben registriert, doch angesichts der anhaltenden Bodenhebung durch die Magmaansammlung in dem Gebiet waren es vergleichsweise wenige. In den letzten 48 Stunden manifestierten sich jedoch gleich zehn schwache Erschütterungen, von denen die meisten zwischen Grindavík und Þorbjörn verortet wurden.

Grindavik. © IMO

Die Magnituden der Erschütterungen waren gering und lagen im Bereich der Mikroseismizität. Genaue Werte sind der neuen IMO-Karte leider nicht zu entnehmen, das Gleiche gilt für die Herdtiefen. Doch dass überhaupt Beben festgestellt wurden, ist bemerkenswert, denn in den letzten Wochen konnte man den Eindruck gewinnen, dass das Bodenhebungsgebiet seismisch weitgehend inaktiv ist bzw. sich hier eine seismische Lücke bildet, während es an den benachbarten Risssystemen durchaus Erdbeben gab und gibt.

Aktuell sind die Erdbeben noch nicht zahlreich genug, um daraus auf einen baldigen Ausbruch zu schließen. Doch vor den anderen Vulkanausbrüchen entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe steigerte sich die Erdbebentätigkeit bereits einige Tage vor den Ereignissen, ähnlich wie wir es aktuell beobachten. Die Vulkanologen des IMO halten nach wie vor einen Vulkanausbruch für ein wahrscheinliches Szenario. Seit die Bodenhebung vor mehr als einem Jahr einsetzte, haben sich schätzungsweise 30 Millionen Kubikmeter Magma angesammelt, die auf eine Eruption warten.

Neben der Mikroseismizität bei Grindavík gab es gestern Mittag einen Erdbebenschwarm mit deutlich energiereicheren Erschütterungen, der sich südwestlich des vulkanischen Felsens von Eldey ereignete. Während Schwarmbeben direkt vor der Küste bei Reykjanestá eventuell mit der Magmaakkumulation bei Svartsengi zusammenhängen könnten, ist dies für das weiter entfernte Offshore-Gebiet bei Eldey eher unwahrscheinlich. Hier sind wahrscheinlich tektonische Kräfte entlang der divergenten Naht zwischen Nordamerika und Europa am Wirken.

Island: Schwarmbeben am 11.08.2026

Erdbebenaktivität auf dem Reykjanes-Rücken – Bodenhebung geht weiter

Am Dienstag, 11. August 2026, hat sich auf dem Reykjanes-Rücken südwestlich von Island ein moderates Erdbeben ereignet. Nach IMO-Angaben wurde um 08:40 Uhr Ortszeit ein Beben der Magnitude Mb 3,3 registriert. Das Epizentrum lag 30 Kilometer südwestlich von Reykjanestá, der südwestlichsten Spitze der Reykjanes-Halbinsel, die für ihren markanten Leuchtturm bekannt ist. Das Hypozentrum lag in ca. 10 km Tiefe.

Island. © IMO

Das Beben war Teil eines Schwarmbebens aus ca. 30 Erschütterungen. Bereits um 08:32 Uhr wurde ein Beben der Magnitude M2,3 registriert. Das IMO weist darauf hin, dass Erdbeben auf diesem Abschnitt des Reykjanes-Rückens häufig auftreten und Menschen normalerweise nicht gefährden.

Tektonisch befindet sich das Gebiet in einer besonders aktiven Zone des Mittelatlantischen Rückens. Hier driften die nordamerikanische und die eurasische Platte auseinander. Der mittelozeanische Rücken tritt im Bereich Islands an die Oberfläche und setzt sich südwestlich der Insel unter dem Atlantik fort. Die Dehnung der Erdkruste wird durch zahlreiche Störungen und Erdbeben aufgenommen. Das Reykjanes-Gebiet ist deshalb auch unabhängig von den jüngsten vulkanischen Ereignissen auf der Halbinsel seismisch aktiv.

Die aktuelle Aktivität liegt auf dem Reykjanes-Rücken und damit deutlich westlich der vulkanisch aktiven Zone bei Grindavík und der Sundhnúkur-Kraterreihe. Ein einzelnes M3,3-Beben mit anschließenden Nachbeben stellt daher zunächst keinen Hinweis auf einen unmittelbar bevorstehenden Vulkanausbruch dar. Allerdings zeigen wiederkehrende Schwarmaktivitäten, dass sich die tektonischen Spannungen in dieser Region regelmäßig durch Serien kleiner und moderater Erdbeben abbauen.

Die Bodenhebung im Svartsengigebiet geht praktisch unverändert auf niedrigem Niveau weiter. Ob der Druckaufbau reicht, um zeitnah eine neue Eruption auszulösen, ist ungewiss. IMO-Vulkanologen halten einen Ausbruch bei Sundhnukur nach wie vor für ein wahrscheinliches Szenario.

Die meisten Islandreisenden dürften sich aktuell allerdings mehr für die Sonnenfinsternis am 12. August interessieren, wo im Westen Islands Totalität herrscht. Leider sind die Wetteraussichten für morgen Abend nicht besonders gut. Es könnten sich im äußersten Nordwesten an einigen Orten allerdings Wolkenlücken auftun.

Island: Erdbebenschwarm vor Reykjanes am 01.08.26

Weiteres Schwarmbeben bei Reykjanestá vor Reykjanes auf Island – 86 Erdbeben innerhalb weniger Stunden

Auch wenn das alles bestimmende Thema heute das Erdbeben bei Pozzuoli in den italienischen Campi Flegrei ist, versorge ich euch noch mit weiteren Nachrichten, die eine gewisse Relevanz zum Erdgeschehen haben. Eine dieser Nachrichten bezieht sich auf einen erneuten Erdbebenschwarm wenige Kilometer vor der Südwestspitze der isländischen Reykjanes-Halbinsel, wo sich innerhalb von 48 Stunden 86 Erdbeben ereigneten. Die meisten fanden heute Nacht statt und konzentrieren sich in einem Cluster, der zwischen 4 und 7 Kilometern südwestlich von Reykjanestá mit seinem markanten Leuchtturm liegt. 

Island. © IMO

Genau dort trifft das Reykjanes-Rift als Fortsetzung des Mittelatlantischen Rückens auf Island und erhebt sich von den Tiefen des Atlantiks, um sich im Osten von Reykjanes in 2 Arme aufzuteilen und Island zu queren, um im Bereich der Tjörnes-Fracture-Zone wieder in den Atlantik abzutauchen und dort den Kolbeinsey-Rücken zu bilden. Entlang der beiden Arme des Rifts liegt nicht nur die kontinentale Naht zwischen Europa und Nordamerika, sondern auch die beiden vulkanischen Hauptzonen Islands.

Viele der Erdbebensignale des Schwarms haben eine Signalqualität von 50 % und wurden noch nicht von einem Seismologen überprüft, weswegen nur ein Teil der Erdbeben in der neuen Erdbebenkarte des IMO auftaucht.  Dort ist aber zu sehen, dass es im Bereich von Svartsengi 2 schwache Erschütterungen gab, die nicht in der wohlbekannten Shakemap zu finden sind. Die jüngsten GNSS-Messungen zeigten hier eine Stagnation der Bodenhebung, doch vermutlich handelt es sich wieder um Abweichungen der Satellitenbahnen, die noch korrigiert werden müssen. Generell ist es erstaunlich, wie stabil die Satelliten ihre Orbits einhalten: Nicht erkannte Schwankungen von nur wenigen Millimetern bedingen ungenaue Messungen zur Bodenhebung, denn diese basieren auf dem Abstand der Satelliten zur Erdoberfläche. Ich gehe also davon aus, dass die Bodenhebung bei Svartsengi unverändert anhält.

Island: Erhöhte Erdbebenaktivität bei Grindavik

Erhöhte Erdbebenaktivität bei Grindavík und Erdbebenschwarm vor Reykjanestá auf Island

Auf Island könnte es in den nächsten Stunden oder Tagen wieder spannend werden, denn in den vergangenen zwei Tagen hat die Seismizität im Svartsengi-Gebiet zugenommen. Es wurden zwölf schwache Mikrobeben registriert – die höchste Erdbebenaktivität seit Monaten in dem Bodenhebungsgebiet, in dem vor einem Jahr die bislang jüngste Eruption stattfand. Ganz aktuell läuft zudem ein Erdbebenschwarm vor der Südwestspitze der Reykjanes-Halbinsel, der sich vor der Küste bei Reykjanestá abspielt.

Island. © IMO

Die Mikrobeben im Svartsengi-Gebiet konzentrierten sich auf Grindavík und dessen unmittelbare Umgebung, wo etwa ein halbes Dutzend Erschütterungen registriert wurde. Die übrigen Beben verteilten sich entlang der Sundhnúkagígar. Sie erreichten nur sehr geringe Magnituden und lagen überwiegend in Tiefen um fünf Kilometer. Vermutlich stehen die Beben mit Fluidbewegungen im Zusammenhang. Dass es sich bereits um direkte Vorläufer einer bevorstehenden Eruption handelt, halte ich allerdings für eher unwahrscheinlich. Dennoch können die Beben als Anzeichen des fortschreitenden Druckaufbaus im Magmasystem interpretiert werden, der letztlich in einer Eruption münden könnte.

Auffällig sind weiterhin vermehrte Erdbeben im Bereich des Vulkans Fagradalsfjall und im Krysúvik-System, hier insbesondere am Südostufer des Kleiftarvatn.

Eine weitere, allerdings spekulative Erklärung wäre, dass die beiden relativ starken Erdbeben im Hengill-System und unter dem Barðarbunga, die sich in dieser Woche ereigneten, die Mikrobeben bei Grindavík angeregt haben könnten. Auffällig ist außerdem, dass diese Mikrobeben bislang nur auf der neuen IMO-Shakemap erscheinen und nicht auf der Karte, die direkt über die IMO-Website abrufbar ist.

Beim Erdbebenschwarm vor Reykjanestá verhält es sich genau umgekehrt: Er ist bislang nur auf der altbewährten Shakemap zu sehen, nicht jedoch auf der neuen. Es wäre wünschenswert, wenn beide Karten künftig synchron arbeiten würden. Der Schwarm begann heute Nacht und umfasst bislang zehn schwache Erschütterungen. Auch diese Beben könnten mit der Bodenhebung bei Svartsengi zusammenhängen, denn die Inflation verändert das Spannungsfeld in großen Teilen der Reykjanes-Halbinsel und wirkt sich damit auch auf Bereiche außerhalb des eigentlichen Hebungszentrums aus.

Die jüngsten GPS-Daten zeigen erneut eine Stagnation der Bodenhebung. Bei früheren Gelegenheiten stellte sich meistens heraus, dass die Hebung tatsächlich weiter anhielt und die scheinbare Stagnation – oder in einigen Fällen sogar eine scheinbare Subsidenz – auf Bahnabweichungen der GNSS-Satelliten zurückzuführen war. Andererseits zeigte sich vor den meisten bisherigen Eruptionen tatsächlich eine kurzzeitige Subsidenz, als das Magma begann, seitliche Gänge (Dykes) zu bilden – oft nur wenige Tage oder sogar Stunden vor dem Ausbruch.

In Kombination mit den beschriebenen Erdbeben bei Grindavík, entlang der Sundhnúkagígar-Kraterreihe und vor Reykjanestá erscheint es daher durchaus möglich, dass sich in absehbarer Zeit eine weitere Eruption ereignen könnte. Sollte dies der Fall sein, wären in den nächsten Stunden oder Tagen Druck- und Temperaturänderungen in den Bohrlöchern des Geothermalkraftwerks Svartsengi zu erwarten. Diese Messwerte gelten als deutlich zuverlässigere Indikatoren für eine unmittelbar bevorstehende Eruption als die derzeit noch vergleichsweise schwache Seismizität und der vermeindlichen Stagnation der Bodenhebung.