Aktuelle Nachrichten und Analysen zu Vulkanausbrüchen, Erdbeben und Naturkatastrophen
Reykjanes
Reykjanes ist eine Halbinsel im Südwesten von Island. Hier gibt es 5 Spaltensysteme, die zum Teil einem Zentralvulkan zugeordnet sind. Erdbebenschwärme, Magmenintrusionen und Bodenhebungen wurden hier in den letzten Jahren detektiert. Bislang kam es zu 2 Vulkanausbrüchen am Vulkan Fagradalsfjall. Vulkanologen gehen davon aus, dass eine neue seismische- und magmatische Aktivitätsphase auf der Halbinsel begonnen hat. Sie könnte Jahrzehnte dauern.
Weiterer Erdbebenschwarm an der Südwestspitze der Reykjanes-Halbinsel – Bodenhebung bei Svartsengi bleibt aktiv
Heute Nacht ereignete sich vor der Südwestspitze der Reykjanes-Halbinsel auf Island ein neuer Erdbebenschwarm, der sich laut IMO-Shakemap aus fast 90 Einzelbeben geringer Magnituden zusammensetzte. Die stärkste Erschütterung hatte eine Magnitude von 2,8. Ihr Epizentrum wurde 7,3 Kilometer westlich von Reykjanestá lokalisiert. Die Herdtiefe wird mit 9,3 Kilometern angegeben. Die Signalqualität vieler Beben liegt jedoch bei lediglich 50 Prozent, sodass es noch zu Abweichungen und späteren Korrekturen kommen kann. Daher werden auch nicht alle Beben in jeder IMO-Shakemap dargestellt.
Interessant ist, dass sich auch die seismische Aktivität im Gebiet von Svartsengi erhöhte. Dort ereigneten sich in den vergangenen 48 Stunden fünf Erdbeben, die nicht auf dieser hier gezeigten Shakemap eingezeichnet sind, dafür aber auf der neuen Version visualisiert wurden. Zwar stellen sie eine leichte Zunahme der Seismizität dar, liefern jedoch keine Hinweise darauf, ob der seit Langem erwartete Vulkanausbruch unmittelbar bevorsteht. Die GNNS-Werte der letzten Tage lassen eine Abnahme der Hebegeschwindigkeit oder ungenaue Messungen vermuten.
Nichtsdestotrotz veröffentlichte das IMO gestern eine neue Lage- und Gefahreneinschätzung zur Situation bei Svartsengi und Sundhnúkur. Gegenüber der vorherigen Veröffentlichung wurden keine Änderungen vorgenommen. Als Hauptgefahrenzone gilt weiterhin der Bereich der Sundhnúkur-Kraterreihe. Das Geothermalkraftwerk Svartsengi und die Ortschaft Grindavík werden trotz der anhaltenden Bodenhebung weiterhin als mäßig gefährdet eingestuft.
Seit Juli vergangenen Jahres haben sich schätzungsweise 27,5 Millionen Kubikmeter Magma im flachen Reservoir unter Svartsengi angesammelt. Diese Schätzung basiert auf GNSS-Messungen und InSAR-Daten. Es handelt sich um die mit Abstand größte Magmaansammlung seit Beginn der aktuellen Ausbruchsserie in diesem Gebiet.
Die aktuelle Gefahreneinschätzung gilt bis Ende Juni. Das Monitoring wird fortgesetzt, und sollte es zu grundlegenden Veränderungen der geophysikalischen Parameter kommen, wird das IMO die Bevölkerung sowie Besucher der Insel umgehend informieren. Obwohl derzeit nicht vorhergesagt werden kann, ob und wann es zu einem weiteren Vulkanausbruch kommen wird, ist eine Eruption grundsätzlich jederzeit möglich. Die Vorwarnzeit könnte dabei sehr kurz ausfallen.
Neue Studie belegt bis zu 5 Meter tektonischer Krustendehnung auf Reykjanes in Island – Magma als Mitspieler und nicht als alleiniger Motor deklariert
Während sich der Fokus der Erdbeben- und Vulkanbeobachter in den letzten Tagen von Svartsengi in Richtung Hengill und Langjökull verlagerte, wo zwei intensive Schwarmbeben registriert wurden, die bislang noch nicht vollständig abgeklungen sind, wurde eine neue Studie zum Rifting auf der Reykjanes-Halbinsel veröffentlicht. Sie beleuchtet die tektonischen Prozesse, die mit den Eruptionen im Svartsengigebiet und bei Grindavík einhergingen und könnten auch für die aktuellen Bebengebiete zukunftsweisend sein.
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass eine ausgeprägte Krustendehnung zu Rissbildungen führte, die den Aufstieg von Magma erleichterten. Die Rissbildung selbst sei dabei überwiegend tektonisch gesteuert gewesen, wurde jedoch durch magmatische Prozesse verstärkt.
Reykjanes während der Eruption am 8. Februar 2024. Der Schnee betont die NW-SE-streichenden Risssysteme .
Die neue Studie wurde in Geophysical Research Letters veröffentlicht und beleuchtet die geologische Dynamik der Reykjanes-Halbinsel in Island während der Unruhen zwischen 2021 und 2025 neu. Das internationale Forschungsteam analysierte Seismik, Satellitenradar, GPS-Daten und Geländebeobachtungen, um die komplexen Prozesse an der Plattengrenze zu rekonstruieren. Dabei zeigt sich ein Bild, in dem nicht nur Magma, sondern vor allem tektonische Spannungen eine zentrale Rolle spielen.
Spalte in Grindavik
Die Daten belegen, dass sich die Erdkruste auf der Halbinsel im Untersuchungszeitraum insgesamt bis zu 5 Meter auseinanderbewegte, verteilt auf mehrere Rifting-Episoden, über die auch auf Vulkane.net ausführlich berichtet wurde. Besonders markant war die Phase am 10. November 2023, als es im Zusammenhang mit einer Magmenintrusion zu einer starken Bodenverformung kam. In Folge des Ereignisses wurde Grindavik evakuiert und mehrere Gebäude und Straßen zerstört oder beschädigt. Die neuen Datenanalysen weisen auf eine Kombination aus horizontalen Verschiebungen und vertikalen Bewegungen hin, die zunächst durch strike-slip-artige Scherung geprägt war und anschließend in eine Riftöffnung überging – ein Hinweis auf eine komplexe Bruchentwicklung statt eines einfachen magmatischen Schubs. Dennoch prägte eine massive Gangintrusion das Geschehen und besorgte mehr als die eigentliche Rissöffnung auf einer Breite von 1,70 m und einer Bodenabsenkung von bis zu 1 Meter. Modellrechnungen zeigen, dass die Störung auf eine Länge von gut 15 Kilometern vertikal versetzt wurde.
Die Forschenden sind der Meinung, dass diese Beobachtungen die verbreitete Annahme infrage stellen, wonach einzelne Magmaintrusionen in einigen Kilometern Tiefe allein für eruptive Krisen verantwortlich waren. Stattdessen deutet vieles darauf hin, dass sich über längere Zeiträume tektonische Spannungen entlang der Plattengrenze zwischen Eurasien und Nordamerika aufbauten und sich dann episodisch entluden. In diesem Modell reagiert Magma eher auf die Schwächezonen in der Erdkruste, anstatt diese aktiv zu erzeugen und benutzt diese als Aufstiegswege.
Ein weiteres zentrales Studienergebnis betrifft die zeitliche Abfolge der Prozesse: Zunächst traten horizontale Scherbewegungen entlang der Plattengrenze auf, bevor es zu vertikaler Dehnung und Rissbildung kam. Diese Reihenfolge lässt vermuten, dass tektonische Bewegung selbst entscheidend dazu beitragen kann, Aufstiegswege für Magma zu öffnen.
Trotz dieser detaillierten Einblicke enthält die Studie keine eindeutige Prognose für zukünftige Eruptionen. Vielmehr verdeutlicht sie die Schwierigkeit, Deformation in aktiven Riftzonen eindeutig zu interpretieren, da sich tektonische und magmatische Signale stark überlagern können.
Interessanterweise wird der aktuelle Erdbebenschwarm im Grenzbereich zwischen dem Brennisteinfjöll und Hengill-System ebenfalls auf horizontale Scherbewegungen zurückgeführt. In seiner Intensität erinnert das Ereignis an die Vorgänge, die ab 2018 verstärkt im Bereich des westlichen Reykjanes auftraten und dort die Riftingepisoden einleiteten. Da die Geschichte lehrt, dass sich in früheren Eruptionsphasen die Spaltensysteme der Halbinsel nach und nach aktivierten, könnte sich Ähnliches nun bei Hengill zutragen. Auch die Aktivität am Langjökull -der quasi in der Verlängerung der Störungszone von Hengill liegt- deutet entsprechendes an.
In einem RÚV-Interview ordnete der isländische Vulkanologe Þorvaldur Þórðarson die Ergebnisse weiter ein und diskutierte insbesondere die Bedeutung für die Gefahreneinschätzung bei Svartsengi und Grindavík. Er verwies darauf, dass der Magmazustrom in das System seiner Einschätzung nach zuletzt deutlich nachgelassen habe, begleitet von geringerer Hebung und schwächeren Intrusionssignalen im Vergleich zu früheren Unruhephasen. Daraus leite sich die Möglichkeit ab, dass die Wahrscheinlichkeit einer kurzfristigen Eruption derzeit geringer sei als von offizieller Seite kommuniziert, auch wenn vulkanische Systeme grundsätzlich unberechenbar bleiben.
Zugleich stellte Þorvaldur Þórðarson die Frage, ob großräumige Magmagänge tatsächlich bis unter Grindavík und Vogar reichen, wie es bisherige Modelle oft annehmen. Sollte sich ein stärker lokalisiertes Magmasystem bestätigen, müssten bestehende Gefahrenmodelle überarbeitet werden, da diese derzeit stark auf der Annahme basieren, dass Magma direkt unter bewohnten Gebieten vorhanden ist. Eine solche Neubewertung würde die Risikoanalyse der Region grundlegend verändern.
Diese Interpretation steht jedoch neben der eigentlichen Studienarbeit und reflektiert eine persönliche Einordnung der Datenlage. Auch andere beteiligte Forschende, darunter Gregory De Pascale und Halldór Geirsson, arbeiten weiterhin an der Verfeinerung der Deformationsmodelle für die Reykjanes-Halbinsel und können bald vielleicht präzisere Einordnungen liefern.
Quelle der Studie: Fischer, T. J. et al. (2026): Dynamic Coupling Between Faulting, Rifting and Magmatism During 2021–2025 Unrest on Reykjanes Peninsula, Iceland. Geophysical Research Letters, American Geophysical Union (AGU), Wiley. https://doi.org/10.1029/2026GL122058
Erdbebenschwarm im Hengill-System erschüttert Südwesten von Island – stärkste Erschütterung war in Reykjavik spürbar
Nachdem ich bereits heute Morgen über ein mittelstarkes Erdbeben am Kolbeinsey-Rift nordwestlich von Island berichtet habe, folgt nun ein zweiter Bericht zu den aktuellen seismischen Aktivitäten auf der Insel: Ein Erdbebenschwarm im Vulkansystem Hengill hat zahlreiche Erschütterungen im Südwesten Islands ausgelöst. Die seismische Aktivität begann kurz vor 7 Uhr Ortszeit westlich von Húsmúli auf der Hellisheiði-Hochebene und konzentrierte sich auf ein Gebiet zwischen dem Geothermalkraftwerk Hellisheiðarvirkjun und Litla Kaffistofan. Bis zum Abend registrierte das Isländische Wetteramt mehr als 130 Erdbeben.
Die stärkste Erschütterung manifestierte sich um 17:15 Uhr und erreichte eine Magnitude von 3,3. Mehrere weitere Beben lagen knapp unter Magnitude 3. Nach Angaben der Behörden wurden die stärksten Erschütterungen nicht nur in den umliegenden Gemeinden, sondern auch im Hauptstadtgebiet von Reykjavík deutlich wahrgenommen. Die meisten Hypozentren lagen in Tiefen zwischen zwei und fünf Kilometern.
Von den bislang erfassten Erdbeben hatten 87 eine Magnitude von weniger als 1, weitere 28 lagen zwischen den Magnituden 1 und 2. Neun Erschütterungen erreichten Werte zwischen 2 und 3, während lediglich ein Beben die Marke von Magnitude 3 überschritt. In diesem Bereich liegt die theoretische Wahrnehmbarkeitsgrenze. Ob ein Erdbeben tatsächlich gespürt wird, hängt jedoch auch von der Tiefe des Hypozentrums ab. Das Hypozentrum des stärksten Bebens lag in nur 3,3 Kilometern Tiefe und damit relativ oberflächennah, weshalb die Erschütterung stärker wahrgenommen wurde, als es die Magnitude allein vermuten ließe.
Tektonisch betrachtet handelt es sich um einen typischen Schwarm im Hengill-System, das an der Schnittstelle der Westlichen Vulkanzone und der Südisländischen Transformzone liegt. In diesem Bereich treffen Dehnungsbewegungen entlang des Mittelatlantischen Rückens auf seitliche Verschiebungen der Erdkruste. Die dabei entstehenden Spannungen werden regelmäßig durch kleinere Bruchbewegungen entlang von Störungen freigesetzt. Solche Schwärme sind im Hengill-Gebiet häufig und stehen nicht zwangsläufig in direktem Zusammenhang mit aufsteigendem Magma, auch wenn ein magmatischer Einfluss derzeit nicht vollständig ausgeschlossen werden kann. Ebenso wenig lässt sich ein anthropogener Einfluss auf die Seismizität infolge des Betriebs des nahe gelegenen Geothermalkraftwerks ausschließen.
Die räumliche Konzentration der Beben westlich von Húsmúli sowie ihre überwiegend geringen Magnituden sprechen derzeit eher für eine tektonische Ursache. Vergleichbare Schwärme wurden zuletzt im Juni 2024 registriert. Hinweise auf eine bevorstehende Eruption liegen nach aktuellem Kenntnisstand nicht vor. Die Entwicklung der Aktivität wird jedoch weiterhin aufmerksam überwacht, da das Hengill-System zu den aktivsten geothermischen und tektonischen Regionen Islands zählt.
Das eingangs erwähnte Erdbeben vom heutigen Morgen wurde inzwischen einheitlich auf die zunächst vom EMSC veröffentlichten Werte korrigiert. Damit gilt die Magnitude 4,9 nun als bestätigt.
Anhaltende Bodenhebung und Magmaakkumulation unter Svartsengi auf Island bestätigt – Vulkanausbruch weiterhin möglich
Unter dem isländischen Svartsengi-Vulkansystem auf der Halbinsel Reykjanes setzt sich die magmatisch bedingte Aktivität weiterhin fort. Seit dem Ende des letzten Vulkanausbruchs vom 16. Juli 2025 haben sich nach aktuellen Modellrechnungen gut 26,6 Millionen Kubikmeter Magma im Untergrund angesammelt. Diese kontinuierliche Akkumulation deutet auf einen anhaltenden Magmazufluss in das magmatische System hin, ohne dass bislang unmittelbare Hinweise auf eine bevorstehende Eruption erkennbar sind.
Bodenhebung
Die Bodenhebung im Gebiet verläuft seit Wochen mit nahezu gleichbleibender Geschwindigkeit, wobei es in den letzten Tagen Messwerte gibt, die von dem mehrmonatigen Trend abweichen. Doch laut dem neuesten IMO-Update zeigen geodätische Messungen sowohl vertikale als auch horizontale Verschiebungen, die auf eine fortgesetzte Magmaintrusion in geringer Tiefe hindeuten. Besonders die vertikale Komponente bestätigt die anhaltende Aufwölbung der Erdoberfläche über Svartsengi.
Parallel dazu bleibt die seismische Aktivität in der Region vergleichsweise gering. Weder entlang der Kraterreihe Sundhnúkur (Sundhnúksgígar) noch im Umfeld der Stadt Grindavík wurden in den vergangenen Wochen signifikante Veränderungen im Erdbebengeschehen registriert, sieht man einmal von einigen zusätzlichen Erdbeben ab, die sich parallel zu den Schwarmbeben bei Reykjanestá in der Umgebung von Grindavík manifestierten. Diese Stabilität spricht für ein derzeit relativ gleichmäßiges Spannungs- und Drucksystem im Untergrund.
Trotz der derzeit ruhigen seismischen Lage bleibt die Gefährdungsbeurteilung durch das Isländische Meteorologische Amt unverändert gültig und ist mindestens bis zum 30. Juni in Kraft. Sie berücksichtigt weiterhin Risiken wie Erdbeben, mögliche Spaltenbildungen, zukünftige Eruptionen sowie Gasemissionen, die insbesondere für bewohnte Gebiete relevant sein können.
Die Behörden weisen darauf hin, dass die Region Reykjanes in den letzten Jahren wiederholt von vulkanischen und tektonischen Ereignissen betroffen war. Daher wird das Gebiet weiterhin rund um die Uhr überwacht, um mögliche Veränderungen im Magmasystem frühzeitig zu erkennen und entsprechende Schutzmaßnahmen einleiten zu können.
Anhaltender Erdbebenschwarm südwestlich des Langjökull – Rand des Vulkansystem betroffen
Seit einigen Tagen bebt es südwestlich des Langjökull, einem der größeren Gletscher Islands im Hochland. In den vergangenen 48 Stunden registrierte das IMO 25 Erdbeben mit variierenden Herdtiefen. Die Magnituden lagen überwiegend zwischen 1 und 2. Auf Wochensicht wurden deutlich mehr als 50 Beben festgestellt. Das stärkste Ereignis vom 11. Mai (Vnet berichtete) erreichte eine Magnitude von 3,0. Bei genauer Betrachtung manifestiert sich der Schwarm westlich des kleinen Seitengletschers Geitlandsjökull, der zum Langjökull-System gehört. Unter ihm verbirgt sich ein Tafelvulkan sowie der nördlich davon gelegene Zentralvulkan Prestahnúkur.
Betrachtet man die Morphologie der Landschaft auf hochauflösenden Satellitenbildern, erkennt man geradlinig verlaufende Geländestrukturen, die dem Westarm der isländischen Hauptriftzone folgen. Wahrscheinlich handelt es sich um tektonische Beben infolge der Divergenz. Möglich ist jedoch auch, dass magmatische Fluide entlang der Störungszonen aufsteigen und die Erdbeben triggern. Eine Bodendeformation wird derzeit nicht angezeigt.
Anhaltende Erdbeben gibt es auch am Grjótárvatn an der Basis der Snæfellsnes-Halbinsel. Hier wurden auf Wochensicht mehr als 30 schwache Erschütterungen in Tiefen zwischen 15 und 17 Kilometern registriert, die auf Fluide hindeuten, welche im unteren Bereich der Erdkruste intrudieren. Auffällig ist, dass sich in den vergangenen Wochen vermehrt Erdbeben im Westen Islands ereignen.
Dennoch steht auch der Südwesten weiterhin im Fokus des Interesses. Dort konzentriert sich die seismische Aktivität auf den Offshore-Bereich zwischen Reykjanestá und Eldey, aber auch auf das Krýsuvík-System.
Besonders zwischen dem 11. und 14. Mai wurden mehrere schwache Erdbeben zwischen Grindavik und Thorbjörn registriert. Insgesamt waren es 13 Ereignisse in den vergangenen sieben Tagen. Zudem wird dort eine relativ starke Bodenhebung detektiert: Seit November ist die Messstation GRIV nördlich von Grindavik wieder online und zeichnete eine Hebung von 15 Zentimetern auf. Doppelt so viel wurde an der Messstation SENG gemessen, wo sich der Boden seit August 2025 um 37 Zentimeter anhob. Nachdem die Hebegeschwindigkeit im Dezember deutlich zurückgegangen war, beobachten wir seit April wieder eine leichte Beschleunigung. Ein Vulkanausbruch in dem bekannten Gebiet bleibt weiterhin jederzeit möglich, wobei nicht ausgeschlossen werden kann, dass Grindavik erneut in Mitleidenschaft gezogen wird.
Anhaltende Bodenhebung bei Svartsengi: Magma sammelt sich weiter – Ausbruch bleibt wahrscheinlich
Unter dem Geothermiegebiet von Svartsengi auf der isländischen Reykjanes-Halbinsel bleibt die Lage weiter angespannt. Neue Messdaten und ein Update von IMO bestätigen, dass sich die Magmaansammlung im Untergrund langsam aber stetig fortsetzt. Nach Einschätzung der Geoforscher und Gefahrenanalysten bleibt eine Magmaintrusion in Richtung der Sundhnúkur-Kraterreihe und ein daraus resultierender Vulkanausbruch das derzeit wahrscheinlichste Szenario.
Seit dem letzten Ausbruch im Juli/August 2025 haben sich modellrechnungen zufolge inzwischen fast 25 Millionen Kubikmeter Magma unter Svartsengi angesammelt. Die Erdoberfläche hebt sich dabei um etwa zwei Zentimeter pro Monat, was als ein deutliches Zeichen für zunehmenden Druck im magmatischen System interpretiert wird.
Eine neue satellitengestützte InSAR-Analyse bestätigt diese Entwicklung. Die jüngsten Auswertungen, die Veränderungen der Erdoberfläche durch den Vergleich mehrerer Aufnahmen sichtbar machen, zeigen eine anhaltende Hebung im Bereich Svartsengi. Andere Teile der Reykjanes-Halbinsel weisen hingegen keine vergleichbaren Deformationen auf. Ein InSAR-Satellitenbild, das die Veränderungen der Bodenhebung zwischen Mitte März und Mitte April dokumentiert, zeigt die fortschreitende Hebung in Form von Farbringen. Diese sind aber bei weitem nicht so prägnant, wie es auf früheren Bildern der Fall war, als Dutzende eng beieinander liegende Farbringe auftraten.
Trotz der wachsenden Magmamengen im Untergrund bleibt die seismische Aktivität weiter auf niedrigem Niveau. Die meisten registrierten Erdbeben haben Magnituden im Bereich der Mikroseismizität, wenngleich in den vergangenen zwei Wochen ein leichter Anstieg der Seismik beobachtet wurde. Die geringe Seismizität muss in diesem Stadium der Bodenhebung aber nicht im Widerspruch zu einem erwarteten Ausbruch stehen, sondern spiegelt wieder, dass der Boden mehrfach gespannt und entspannt wurde und nun nicht mehr empfänglich für Spannungsaufbau und Erdbeben ist, ähnlich wie ein ausgeleiertes Gummiband im Hosenbund.
Weiterhin gilt, dass die Vorwarnzeit einer Eruption sehr kurz ausfallen könnte. Sollte sich eine Intrusion in Richtung der Kraterreihe bewegen, könnte ein Ausbruch mit nur kurzer Vorlaufzeit einsetzen. Prognosen gehen derzeit von einem Zeitfenster von weniger als einer Stunde aus – eine Herausforderung für den Katastrophenschutz.
Erdbebenaktivität in Island: Aktuelle Schwarmbeben vor Reykjanes und am Vatnajökull
Island zählt zu den seismisch aktivsten Regionen Europas. Die Lage auf dem Mittelatlantischen Rücken, wo die Nordamerikanische und Eurasische Platte auseinanderdriften, führt zu häufigen Erdbeben und intensiver vulkanischer Aktivität. Aktuelle Daten vom Wochenende zeigen eine ausgeprägte Phase seismischer Unruhe, insbesondere vor der Spitze der Reykjanes-Halbinsel, wo es bei Reykjanestá fast 100 Erschütterungen gab, und im Bereich des Vatnajökull-Gletschers mit dem Bárðarbunga, wo mehr als 60 Beben registriert wurden.
Island
Auf der IMO-Shakemap für Gesamtisland sind aktuell 248 Beben eingetragen, die sich in mehreren Regionen Islands entlang der Haupt-Divergenz-Zonen manifestierten. Einschränkend sei erwähnt, dass viele der Beben nur eine Signalqualität von 50 % hatten und noch nicht von einem Seismologen bestätigt wurden.
Der Fokus der Aktivität lag wenige Kilometer nordwestlich von Reykjanestá, wo am 25. April um 19:00 Uhr ein Erdbebenschwarm begann. Innerhalb kurzer Zeit wurden dort insgesamt gut 90 Beben registriert. Die meisten Ereignisse lagen unter Magnitude 2, doch es traten auch stärkere Beben auf: Ein Ereignis erreichte Magnitude 3,0, ein weiteres 2,5. Das stärkste Beben des genannten Zeitraums wurde am 26. April um 00:19 Uhr mit Magnitude 2,5 gemessen, mit einem Epizentrum, das 4,5 km westlich von Reykjanestá in geringer Tiefe von ca. 6 km lag.
Bodenhebung
Solche Schwärme sind typisch für die Region und stehen oft im Zusammenhang mit Spannungsabbau in der Erdkruste oder magmatischen Bewegungen. Erdbeben hier könnten auch mit den magmatisch bedingten Bodenhebungen bei Svartsenig in Verbindung stehen. Die neusten GNSS-Messungen zeigen, dass sich die Bodenhebung im April beschleunigt zu haben scheint. Schätzungen nach erhöhte sich die Magma-Aufstiegsrate in dem flachen Speichersystem auf über 1 Kubikmeter pro Sekunde.
Auch der Nordosten Islands zeigte erhöhte Aktivität im Bereich des Vatnajökull-Gletschers und des Bárðarbunga-Vulkansystems. Dort wurden 62 Beben registriert. Die meisten waren sehr schwach, wobei das stärkste Beben vom 25. April eine Magnitude von 3,2 erreichte. Das letzte Ereignis über Mb 3,0 manifestierte sich in diesem Gebiet Ende März (M3,8).
Die Tiefenverteilung reicht von oberflächennahen Ereignissen bis etwa 20 km, was auf komplexe Prozesse hinweist. Bárðarbunga ist bekannt für wiederkehrende seismische Aktivität, die häufig mit Druckveränderungen im magmatischen System des Zentralvulkans in Verbindung steht.
Interessant sind auch zwei Beben Mb 4,4 und 4,2, die sich am Sonntagnachmittag auf dem Reykjanes-Ridge ereignet haben. Ihre Epizentren lagen gut 200 Kilometer vor der Küste von Reykjanes. Die Herdtiefen wurden mit 10 km angegeben.
Bodenhebung bei Svartsengi hält an – Vulkanausbruch auf Island weiterhin wahrscheinlich
Auf der isländischen Reykjaneshalbinsel erwarten Vulkanologen des IMO weiterhin einen Vulkanausbruch im Svartsengi-System. Grund dafür ist die anhaltend gleichmäßige Bodenhebung, die im Bereich des Geothermalkraftwerks Svartsengi sowie am Resort der Blauen Lagune am stärksten ausgeprägt ist. Nachdem die GNSS-Messungen im März zeitweise ungenau erschienen oder sich die Hebegeschwindigkeit kurzfristig verringert hatte, liegen inzwischen ausreichend neue Daten vor. Diese bestätigen, dass sich der Boden im April mit derselben Geschwindigkeit hebt, wie sie bereits seit Ende Dezember beziehungsweise Anfang Januar beobachtet wird.
Bodenhebung SKSH
Der Boden hebt sich derzeit um etwa 1 Millimeter pro Tag. Ursache dafür ist Magma, das aus einem tiefer gelegenen Speichersystem unterhalb von Fagradalsfjall in ein flacheres Reservoir unter Svartsengi aufsteigt. Pro Sekunde bewegen sich etwa ein Kubikmeter Magma entlang eines unterirdischen Aufstiegswegs, der von rund 8 Kilometern Tiefe bis auf etwa 4 Kilometer hinaufführt. Dadurch nimmt der Druck im flachen Magmenspeicher kontinuierlich zu. Unter normalen Umständen wären dabei häufige Erdbeben zu erwarten. Paradoxerweise treten diese im Bereich von Svartsengi jedoch nur selten auf, während in den umliegenden Regionen vermehrt seismische Aktivität registriert wird.
Eine Studie aus dem vergangenen Jahr zur Seismizität der Campi Flegrei kam zu dem Schluss, dass sich die Untergrundstruktur der Caldera so verändert, dass trotz anhaltender Bodenhebung immer weniger Erdbeben ausgelöst werden. Ein ähnlicher Prozess könnte möglicherweise auch im Svartsengi-Gebiet stattfinden.
Obwohl die letzte Eruption im August 2025 stattfand, kann für Island noch keine Entwarnung gegeben werden. Die IMO-Vulkanologen rechnen weiterhin mit einem Ausbruch entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe oder mit der Bildung eines oberflächennahen magmatischen Gangs. Die eruptive Aktivität auf der Reykjaneshalbinsel könnte sich über Jahrzehnte erstrecken, wobei die Ruhephasen zwischen einzelnen Eruptionen mehrere Jahre dauern können. Als Beispiel werden häufig die Krafla-Feuer angeführt, bei denen es vor der letzten Eruption eine dreijährige Pause gab, während der sich der Boden kontinuierlich weiter anhob.
Gebiete bei denen das Lavarisiko aufgrund von Lavaströmen (rosa), Vulkanausbrüchen (blau) oder beiden Faktoren (braun) am größten ist.
Island veröffentlicht neue Gefahrenanalyse zu Lavaströmen: Lava könnte punktuell Siedlungen und Infrastruktur bedrohen
Der isländische Wetterdienst Veðurstofa Íslands (IMO) hat vor wenigen Stunden den ersten Teil einer umfassenden Langzeitstudie zur vulkanischen Gefährdung der Insel veröffentlicht. Im Fokus der ersten Studien steht die Reykjanes-Halbinsel sowie das Hauptstadtgebiet rund um Reykjavík. Die Analyse zeigt, welche Regionen bei künftigen Vulkanausbrüchen besonders durch Lavaströme gefährdet sind – und wo wichtige Infrastruktur betroffen sein könnte.
Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen keine kurzfristigen Prognosen einzelner Vulkanausbrüche. Stattdessen geht es um langfristige Risikomuster. Diese sollen dabei helfen, Bauprojekte, Verkehrswege und Versorgungsnetze in Zukunft besser und widerstandsfähiger zu planen. Die Notwendigkeit für eine solche Studie wurde insbesondere nach den jüngsten Ereignissen in Grindavík deutlich, wo Lavaströme Infrastruktur bedrohten und teilweise beschädigten.
Nach Angaben der Forschenden weisen etwa zehn Prozent der untersuchten Flächen auf Reykjanes ein hohes Risiko auf, von Lavaströmen betroffen zu sein. In diesen besonders gefährdeten Zonen liegen unter anderem zwei Siedlungsgebiete, vier große Geothermiekraftwerke sowie zwei wichtige Wasserquellen. Damit wird deutlich, dass nicht nur Wohnorte, sondern auch zentrale Bestandteile der Energie- und Wasserversorgung betroffen sein können.
Besonders im Fokus stehen die Orte Grindavík und Hveragerði. Beide wurden in die höchste Gefahrenkategorie eingestuft. In Grindavík besteht sowohl ein erhöhtes Risiko für Vulkanausbrüche bzw. Spaltenöffnungen als auch für Lavaströme. In Hveragerði hingegen liegt der Schwerpunkt der Gefährdung vor allem auf kritischer Infrastruktur, die sich in exponierten Lagen befindet und daher besonders anfällig ist.
Gleichzeitig gibt die Analyse in Teilen Entwarnung. Der Großteil der besiedelten Gebiete in der Hauptstadtregion liegt demnach in Bereichen, in denen das Risiko durch Lavaströme als gering oder sehr gering eingeschätzt wird. Die Ergebnisse bestätigen damit weitgehend bereits bestehende Einschätzungen und führen nicht zu einer grundlegenden Neubewertung der Gefährdungslage.
Ziel der Studie ist es, bei Ausbrüchen mögliche Schäden gering zu halten und eine bessere Grundlage für zukünftige Entscheidungen in der Raumplanung zu schaffen. Vor allem für die Stadtentwicklung sowie für den Schutz kritischer Infrastruktur liefern die Daten wichtige Hinweise.
Die nun vorgestellten Ergebnisse sind Teil eines größeren Forschungsprojekts, das im Jahr 2024 begonnen wurde und bis 2027 abgeschlossen sein soll.
In den kommenden Monaten sind weitere Analysen geplant. Dazu gehören unter anderem Untersuchungen zu Erdbebenrisiken, zur Bildung von Spalten im Boden sowie später auch zu Gasemissionen und möglicher Grundwasserverunreinigung. Ziel ist es, erstmals eine umfassende und wissenschaftlich fundierte Gefahrenbewertung für eine der aktivsten Vulkanregionen Europas zu erstellen.