Vulkanausbruch könnte für Pestausbreitung verantwortlich sein

Wie ein rätselhafter Vulkanausbruch möglicherweise die Pest nach Europa brachte

Eine neue Studie internationaler Klimaforscher wirft ein überraschendes Licht auf den Ausbruch des Schwarzen Todes im 14. Jahrhundert. Lange galt die Pest – eine der tödlichsten Pandemien der Menschheitsgeschichte – vor allem als biologisches und soziales Ereignis. Die jetzt veröffentlichte Analyse zeigt jedoch: Am Anfang könnte eine großer Vulkanausbruch gestanden haben, der das Klima Europas dramatisch veränderte und eine folgenschwere Kettenreaktion auslöste.

Die Forscher Martin Bauch vom Leibniz‑Institut für Geschichte und Ulf Büntgen der University of Cambridge widmeten sich in ihrer Studie „Climate-driven changes in Mediterranean grain trade mitigated famine but introduced the Black Death to medieval Europe“ der Frage nach dem Ursprung der „Kleinen Eiszeit des Mittelalters“, die schon seit längerem im Verdacht steht, die Ausbreitung der Pest in Europa begünstigt zu haben.

Ausgangspunkt ihrer Studien ist eine deutliche Schwefeldioxid-Signatur in arktischen und antarktischen Eisbohrkernen, datiert auf etwa 1345. Solche Signale entstehen, wenn gewaltige Vulkane große Mengen Schwefel in die Stratosphäre schleudern. Laut den Autoren deutet die geochemische Verteilung darauf hin, dass die Eruption in den Tropen stattfand – der exakte Vulkan bleibt jedoch unbekannt. Die Folgen waren eindeutig: Die Atmosphäre trübte sich ein, die Sonneneinstrahlung sank, und in Südeuropa setzten mehrere Jahre ungewöhnlich kühler und feuchter Sommer ein.

Abkühlung

Diese Abkühlung fällt in die Frühphase der Kleinen Eiszeit, jener mehrere Jahrhunderte andauernden Klimaperiode, in der Europa regelmäßig von extremen Witterungslagen heimgesucht wurde. Um 1345 führten die abrupten Temperaturstürze zu massiven Ernteausfällen, besonders im Mittelmeerraum. Staaten wie Venedig und Genua standen plötzlich vor drohenden Hungersnöten – und reagierten mit einer stark intensivierten Einfuhr von Getreide aus dem Schwarzmeergebiet.

Was als Notmaßnahme gegen die Nahrungskrise gedacht war, eröffnete jedoch ungewollt einen neuen Transportweg für Krankheitserreger. Mit den Getreideladungen gelangten vermutlich auch flohbefallene Ratten an Bord der Handelsschiffe. Genau auf diesen Routen breitete sich wenige Jahre später die Pest rasend schnell aus und erreichte 1347 die Häfen des Mittelmeers. Von dort überrollte sie ganz Europa.

Die Studie verbindet damit die klimatischen Folgen einer großen Eruption, wirtschaftliche Zwänge und die pandemische Dynamik der Pest zu einer einzigen Ursache-Wirkungs-Kette. Sie zeigt, wie eng Klima, Handel und Seuchenausbreitung miteinander verwoben sein können – und wie ein nicht dokumentierter Ausbruch am anderen Ende der Welt der Geschichte eine neue Richtung geben könnte.

Nur 17 Jahre später als die Datierungen der Eisbohrkerne ergeben, brach auf Island der Öræfajökull aus und verursachte eine katastrophale Hungersnot auf Island.

(Quellenangabe: Bauch, M. & Büntgen, U. «Climate-driven changes in Mediterranean grain trade mitigated famine but introduced the Black Death to medieval Europe.» Communications Earth & Environment, Band 6, Artikel 986 (2025). DOI: 10.1038/s43247-025-02964-0, Lizenz der CC)

Kilauea: Eruptive Episode 36 dauerte 5 Stunden

Der 36. Vulkanausbruch in Folge endete am Kilauea nach nur 5 Stunden – eine der stärksten Eruptionen der Phase.

Lange ließ sie auf sich warten und umso schneller war sie wieder vorbei: Die 36. eruptive Episode am Kilauea endete nach nur fünf Stunden intensiver Aktivität am späten Sonntagnachmittag um 16:16 Uhr Hawaiizeit, als es in Europa bereits Montagnacht um 02:16 Uhr UTC war. Begonnen hatte der Ausbruch gegen 11:15 Uhr HST (21:15 Uhr UTC). Laut einem Bericht beim HVO war es eine der intensivsten Eruptionen des episodisch verlaufenden Vulkanausbruchs, der bereits am 23. Dezember 2024 begonnen hatte: Mit einer Förderrate von 500 Kubikmetern pro Sekunde wurden über 300 m hohe Lavafontänen gefördert, die den halben Boden des Halemaʻumaʻu-Kraters mit 8 bis 9 Millionen Kubikmetern Lava fluteten.

Dem Ausbruch voran gingen wieder mehrere Phasen mit Lavaspattering und Lavastromüberläufen aus den Schloten, so dass Beobachter mit einem baldigen Ausbruch rechneten. Die Eruption begann mit einem plötzlichen Anstieg des seismischen Tremors und einer raschen Bodensenkung am Gipfel – ein klares Anzeichen für den Magmenaufstieg. Nur Minuten später schossen aus den beiden Schloten am Kraterrand glühende Lavafontänen empor. Der nördliche Schlot stellte seine Aktivität gegen 15:35 Uhr ein, während der südliche noch etwa 40 Minuten weiter aktiv blieb, bevor auch er erlosch.

In der Pause seit der 35. Episode hatte sich die Vulkanflanke im Gipfelbereich gut 27 µrad versteilt. Nach dem Ende der Aktivität verzeichneten die Instrumente am Gipfelgebiet eine deutliche Entspannung: Der Uēkahuna-Neigungsmesser registrierte eine Deflation von gut 23 µrad. Damit wurde ein großer Teil des zuvor akkumulierten Magmas eruptiert.

Der Alarmstatus des Vulkans bleibt auf „Achtung/Orange“, da sich in den kommenden Tagen erneut Magma im System ansammeln dürfte und sich der Kilauea auf die nächste eruptive Episode vorbereitet.

Die jüngste Aktivität beschränkte sich vollständig auf den Krater Halemaʻumaʻu im Hawaii-Volcanoes-Nationalpark. Gefahren bestehen vor allem durch vulkanische Gase und feine Glasfasern, das sogenannte Pele’s Haar, die mit dem Wind über mehrere Kilometer verfrachtet werden können.

Während sich die Lavaflächen nun langsam abkühlen, beobachten Wissenschaftler und Besucher gleichermaßen gespannt, wann der Kīlauea zum nächsten Ausbruch ansetzt – Episode 37 dürfte nur eine Frage der Zeit sein.

Campi Flegrei: Studie identifiziert 54000 Erdbeben mithilfe von KI

Neue Studie identifiziert 54.000 Erdbeben in den Campi Flegrei mithilfe von KI – Beben meistens tektonischen Ursprungs

Die seit 20 Jahren anhaltende und sich seit 2017 permanent steigernde Erdbebentätigkeit im Bereich der süditalienischen Caldera Campi Flegrei inspiriert zahlreiche Forscher zu Studien. So wurde jetzt im Magazin „Science“ die Studie eines internationalen Forscherteams veröffentlicht, das mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz in den seismischen Aufzeichnungen der letzten 3 Jahre 54.000 Erdbeben identifizieren konnte. Weit mehr als bisher bekannt waren. Die meisten Erdbeben sollen tektonischer Natur gewesen sein und nicht direkt mit dem Aufstieg von Magma zusammenhängen. Unterhalb von 4 Kilometern Tiefe wurde keine Erdbeben festgestellt.

Eine Ausnahme bilden laut der Studie, die von Forschern der Stanford University sowie der Universität Neapel Federico II und dem INGV durchgeführt wurde, hybride Erdbeben, die sich im Bereich des Mont Obliano manifestierten. Diese Erschütterungen würden direkt mit Fluidbewegungen zusammenhängen.

Ringförmig angeordnete Erdbeben

Mit Hilfe von KI-gestützten Verfahren wurde anhand der Erdbebenmuster ein ringförmiges Störungssystem um die Bodenhebungszone im Dach der Caldera identifiziert. An diesem Störungssystem ereignen sich laut der Forschergruppe die meisten tektonisch bedingten Erschütterungen. Solche ringförmigen Störungssysteme kennen wir auch von den Dachbereichen bzw. Füllungen anderer Calderen, u.a. vom Bardarbunga in Island.

Die Beben werden nach Meinung der Forscher also nicht direkt von aufsteigendem Magma verursacht. Hinweise auf eine Magmenmigration in Tiefen von weniger als 4 km wurden nicht gefunden.
Obwohl einige Forscher, Bürokraten und auch besorgte Bürger der Region diese Nachricht so interpretieren, als würde nun die Gefahr eines Vulkanausbruchs gebannt sein, gebe ich zu bedenken, dass die allermeisten Erdbeben in Vulkanregionen eben dadurch zustande kommen, dass sich magmatische Fluide entlang von Störungen und Schwächezonen bewegen und Druckerhöhungen diese zu Beben anregen. Was folgt, ist ein Erdbebensignal, das alle Merkmale eines tektonischen Erdbebens aufweist, letztendlich aber dennoch durch Druckanstieg im magmatischen Speicher- und Fördersystem des Vulkans ausgelöst wurde. Zudem hat bis jetzt auch keine andere Studie Magma in weniger als 4 km Tiefe nachweisen können. Tatsächlich würde Magma in so geringer Tiefe kurz vor der Eruption stehen.

Rein vulkanotektonische Erdbeben, bei denen aufsteigendes Magma Gestein bricht, manifestieren sich in geringen Tiefen nur dann, wenn das Magma final aufsteigt. Bei offenen Aufstiegswegen kommt es oft erst Stunden oder Minuten vor einer Eruption zu einer seismischen Krise vulkanotektonischen Ursprungs. Die neuen Erkenntnisse der Studie liefern keinen Grund zur Entwarnung, sondern sie sagen lediglich aus, dass ein Vulkanausbruch nicht unmittelbar bevorsteht. Mehr als 54.000 Erschütterungen innerhalb von 3 Jahren (2 Beben pro Stunde) sowie die Bodenhebung sind alarmierende Anzeichen dafür, dass es im Untergrund einen starken Druckaufbau gibt. (Quelle der Studie: https://www.science.org/doi/10.1126/science.adw9038)

Island: Länge der aktiven Eruptionsspalte verkürzte sich

Vulkanausbruch bei Sudhnúkur auf Island hält an – Aktiver Teil der Eruptionsspalte kürzer

Reykjavik, 17.07.2025Der Vulkanausbruch auf Island geht weiter, hat sich aber seit der Hochphase gestern Vormittag abgeschwächt. Während die Gesamtlänge der aktiven Eruptionsspalte gestern Vormittag fast 3000 m betrug, ist sie jetzt nur noch wenige hundert Meter lang. Die genaue Größe lässt sich aufgrund des dichten Nebels nicht abschätzen. Auf einer Livecam konnte man heute Morgen einen Blick auf ein relativ kurzes aktives Teilstück der Spalte erhaschen, die sich nordöstlich von Stóra Skógfell befindet.

Die Seismizität und der Tremor sind weiterhin stark rückläufig und halten sich an bekannte Muster, wie wir sie bei den meisten vorherigen Eruptionen auch gesehen haben. Die Gefahr, dass sich die Eruption wieder verstärkt und ausdehnt, ist gering, aber nicht gleich null.

Erste Daten von IMO zeugen davon, dass sich das neu entstandene Lavafeld bis gestern Mittag auf 3,2 Quadratkilometer ausgedehnt hatte. Die Lava fließt überwiegend in Richtung Osten, wo sie Senken im Gelände auffüllt. Die Region ist nicht bebaut und Infrastruktur ist zurzeit nicht gefährdet. Die Eruptionsspalte drang so weit in Richtung Norden vor, wie es bei noch keiner der vorangegangenen Eruptionen seit November 2023 der Fall gewesen war. Damit folgt die Spalte der Spur des Ganges, der sich beim Ereignis im April gebildet hat, und nähert sich weiter dem Highway zwischen Keflavik und Reykjavik an. Die Reykjanesbraut ist eine der wichtigsten Verkehrsadern Islands und das Küstengebiet nördlich der Straße ist besiedelt. Sollte der Lavastrom einer der nächsten Eruptionen die Straße unterbrechen, dann hat man ernste Schwierigkeiten. Mich würde es nicht wundern, wenn bald neue Diskussionen um den Bau eines weiteren Flughafens in der Nähe von Reykjavik entbrenne würden, auf dem auch größere Jets landen können. Vermutlich wäre es aber weise, so einen Flughafen nicht im Norden von Reykjanes zu bauen, sondern lieber östlich von Reykjavik.

Für das Eruptionsgebiet gilt die höchste Gefahrenwarnstufe. Während der Badebetrieb der Blauen Lagune heute weitergeht, ist der Zugang nach Grindavik für Touristen gesperrt. Urlauber, die den dortigen Campingplatz nutzen wollen, dürften enttäuscht sein. In der Stadt haben sich scheinbar einige Risse gebildet, die bereits verfüllt werden.

Lewotobi Laki-Laki: Flugausfälle durch starken Vulkanausbruch

Starker Vulkanausbruch am Lewotobi Laki-Laki – Vulkanasche in fast 20 Kilometern Höhe verursacht Flugausfälle

Maumere, 07.07.2025Auf Flores in Indonesien kam es heute um 11:05 Uhr (WITA) erneut zu einer sehr starken Explosion am Vulkan Lewotobi Laki-Laki, bei der Vulkanasche bis auf eine Höhe von fast 20 Kilometern gefördert wurde. Außerdem entstand ein breiter pyroklastischer Strom, der über die Südflanke des Vulkans floss. Aufgrund der hoch aufgestiegenen Aschewolke kam es zu Störungen im Flugverkehr. Der VONA-Alarmstatus steht auf „Rot“.

Die Angabe zur Höhe der Aschewolke stammt vom VSI und wurde aufgrund von Einschätzungen von Beobachtern am Boden vorgenommen. Sie betrug 19.584 m über dem Meeresspiegel. Die Nettohöhe der Eruptionswolke belief sich demnach auf 18.000 m über Kraterhöhe. Das VAAC Darwin meldete hingegen, dass die Satelliten Vulkanasche in knapp 15.000 m Höhe detektiert hätten.

Zum zweiten Mal innerhalb von 4 Wochen kam es zu Flugausfällen, von denen nicht nur tief fliegende Regionalflieger betroffen waren, sondern vor allem auch der internationale Flugverkehr zwischen Bali und Australien. So berichtete etwa die Fluggesellschaft Virgin Australia, dass drei Flüge von Bali Richtung Australien gestrichen wurden. Einzelheiten über das Ausmaß der Flugausfälle anderer Airlines liegen noch nicht vor.

Obwohl bei der Eruption auch ein großer pyroklastischer Strom entstand, kamen offenbar keine Menschen zu Schaden. Der Zugang zum Vulkan ist verboten und es gibt eine Sperrzone mit einem Radius von 6 Kilometern um den Krater des Leweotobi Laki-Laki.

Der Lewotobi Laki-Laki bildet zusammen mit dem Lewotobi Permubutan ein Doppelvulkansystem. Der Laki-Laki ist seit fast 2 Jahren wieder aktiv und erzeugt neben vielen kleinen Eruptionen auch gelegentlich starke Explosionen, wie es heute der Fall gewesen ist. Doch nicht jede Eruption verläuft glimpflich: Eine Eruption am 4. November 2024 tötete mindestens 10 Menschen, als infolge der Eruption mehrere Häuser in einem Dorf am Fuß des Vulkans Feuer fingen.

Der aktuelle Ausbruch kam diesmal vergleichsweise überraschend, da die Seismizität nur unmittelbar vor der Explosion leicht anstieg. Das VSI registrierte nur 13 vulkanotektonische Erdbeben, 4 Erschütterungen mit niedrigen Frequenzen und 8 Phasen nicht-harmonischen Tremors. Eine seismische Krise wie vor den anderen Eruptionen blieb aus. Das macht die Situation für Anwohner und Vulkanspotter unberechenbar und gefährlich.

Die letzte starke Eruption ereignete sich erst am 17. Juni. Auch damals kam es zu Flugausfällen.

Kirishima: Vulkanausbruch am Shinmoe-dake verstärkte sich

 

Verstärkung der eruptiven Aktivität am Shinmoe-dake in Japan – mehrere VONA-Warnungen ausgegeben

Kagoshima, 28.06.2025Die Aktivität am Krater Shinmoe des Kirishima-Vulkankomplexes hat heute deutlich zugenommen. Das VAAC Tokio veröffentlichte heute 5 VONA-Warnungen über Aschewolken, die bis auf eine Höhe von 3000 m aufgestiegen sind und den Flugverkehr gefährden könnten. Die Vorhersagemodelle zur Ascheausbreitung zeigen, dass sich die Asche zuerst in Richtung Süden ausbreitet, bevor sie nach Westen in die Breite geht.

Aufnahmen dokumentieren die Eruptionen und zeigen eine vergleichsweise dichte Aschewolke, die kontinuierlich von mehreren Schloten entlang eines Risses am Rand des Lavadoms ausgestoßen wird. Ob der Lavadom selbst aktiv geworden ist, lässt sich anhand der Bilder nicht ableiten, aber an mehreren Stellen steigt Dampf auf. Es ist im Bereich des Möglichen, dass sich eine stärkere Eruptionsphase zusammenbraut, so wie sie zuletzt 2017 und 2018 auftraten.

Den Daten vom JMA ist zu entnehmen, dass der Vulkanausbruch gestern (27. Juni) gegen 10:25 Uhr (Lokalzeit) begann und auch heute am Samstag weiterhin anhielt. Die Eruptionswolke erreichte dabei eine Höhe von bis zu 1.200 Metern über dem Kraterrand. Außer Vulkanasche werden auch große Mengen vulkanischer Gase freigesetzt, wobei bei Feldmessungen eine Schwefeldioxidemission von mehr als 4000 Tonnen am Tag festgestellt wurde – fast doppelt so viel, wie am 26. Juni gemessen wurde.

Die Zahl vulkanischer Erdbeben mit Epizentrum direkt unter dem Shinmoe-dake nimmt seit Ende Oktober 2024 zu. Auch in den letzten 24 Stunden blieb die seismische Aktivität auf hohem Niveau. Zusätzlich wurde seit etwa 4:00 Uhr heute früh vulkanischer Tremor registriert.

Am Aussichtspunkt Takachihogawara (rund 3 km südöstlich des Kraters) wurde zwischen dem 23. und 25. Juni eine Bodenhebung nachgewiesen. Wie groß sie ist, wurde nicht kommuniziert.

Kontinuierliche GNSS-Beobachtungen zeigen zudem seit März 2025 eine leichte Dehnung einer Basislinie im Bereich des Kirishima-Massivs – ein möglicher Hinweis auf eine Magmenansammlung in der Tiefe.

Der Alarmstatus steht weiterhin auf „3“ und es gibt eine 3-Kilometer-Sperrzone um den Shinoe-dake („dake“ bedeutet übrigens „Krater“). Es kann zum Auswurf großer vulkanischer Gesteinsbrocken und der Entstehung pyroklastischer Ströme kommen.

Kirishima eruptiert 2 Mal

Weitere Eruptionen am Kirishima – 2 VONA-Warnungen veröffentlicht

Kagoshima, 26.06.2025Der Krater Shinmoe des japanischen Vulkankomplexes Kirishima eruptierte heute Nacht 2 Mal und löste VONA-Warnungen vor Aschewolken aus. Während es bei der ersten Eruption gegen 0:13 Uhr UTC nur eine Meldung ohne Höhenangabe der Aschewolke gab, berichtete die zweite Warnung um 04:32 Uhr UTC von Vulkanasche, die in 2400 m Höhe Richtung Osten driftete.

Der Shinmoe-dake. © Marc Szeglat

Das JMA bestätigte die Eruptionen. Laut einer Mitteilung des lokalen Observatoriums der Stadt Takaharu kam es gegen 7:58 Uhr Ortszeit zu Aschefall, was auf einen Ausbruch des Shinmoe-dake hinweist. Aufgrund dichter Bewölkung hatten die Überwachungskameras keine Sicht auf den Krater und konnten auch kein Bild der Aschewolke liefern.

Die Infraschalldetektoren konnten auch keine Druckwelle registrieren, so dass es vor dem Ascheregen keine Anzeichen einer Eruption gab. Allerdings lag die Anzahl vulkanischer Erdbeben in den 24 Stunden zuvor bei über 300, was auf eine anhaltend hohe Aktivität hinwies.

Aufgrund der gesteigerten Aktivität bleibt die erst kürzlich verhängte Alarmstufe 3 bestehen. Es gibt Zugangsbeschränkungen zum Shinmoe-dake, da große vulkanische Gesteinsbrocken bis zu 3 Kilometer vom Krater geschleudert werden können. Zudem besteht die Gefahr, dass pyroklastische Ströme generiert werden.

Eruptionen können sich auch in größeren Entfernungen auswirken: Besonders auf der windabgewandten Seite ist mit Aschefall sowie mit feinen Schlackenpartikeln zu rechnen, die über weite Strecken verfrachtet werden können. Anwohner der betroffenen Gegenden werden aufgefordert, im Falle von Ascheniederschlag in Gebäuden zu verweilen oder im Freien Atemschutzmasken zu tragen.

Wie bei früheren Eruptionen ist es möglich, dass durch starke Druckwellen Fensterscheiben zerbersten. In solchen Fällen droht Verletzungsgefahr durch herumfliegende Glasscherben, die u.a. schwerste Gesichtsverletzungen verursachen könnten.

Ätna: Weiterer Vulkanausbruch am 19.Juni

Hoher Tremor und massive Dampfwolke am Ätna – paroxysmaler Vulkanausbruch am Morgen

Catania, 19.06.2025Der Ätna macht es wieder und erzeugt einen paroxysmalen Vulkanausbruch. Wie das INGV mitteilte, begann der Tremor gegen 21:00 UTC langsam zu steigen. Zuvor befand er sich wieder auf einem Tiefpunkt im grünen Bereich, was mittlerweile ein Indikator dafür ist, dass sich ein Paroxysmus anbahnt.

Dampfwolke Ätna. © INGV

Um 23:25 UTC setzten dann am Südostkrater strombolianische Eruptionen ein und gegen 02:00 UTC beschleunigte sich der Anstieg der Tremoramplitude signifikant. Innerhalb einer Stunde schoss sie auf den aktuellen Wert weit im roten Bereich, wo sie sich seitdem seitwärts bewegt.

Die Tremorquelle wurde zunächst unter dem Südostkrater lokalisiert, inzwischen gibt es aber technische Schwierigkeiten, so dass eine genaue Lokalisierung unmöglich ist. Das Gleiche gilt für die Auszeichnung der Infraschalltätigkeit.

Da es bewölkt ist, geben die Livecams und visuelle Observierungen wenig her. Allerdings konnte ich während einer kurzen Wolkenlücke ein thermisches Signal erkennen, das auf Lava im Bereich des Südostkraters hindeutet. Eine andere Cam zeigt in der Totalen eine massive Dampfwolke, die mehrere Kilometer hoch aufsteigt, aber wenig bis keine Asche enthält.

Die Seismizität des Vulkans steigerte sich in den vergangenen ein wenig Tagen, wobei es im Westen und Nordosten einige tiefe Beben gab. Die Beben im Osten lagen deutlich flacher und konzentrierten sich am Nordrand des Valle del Bove. Einen kleinen Bebencluster gab es auch im Südwesten beim Refugio di Milia.

Alles in allem sieht es so aus, als ob es wieder einen jener abgeschwächten Paroxysmen geben würde, die wir zwischen März und Mai sahen. Zu bedenken gilt, dass sich die Situation äußerst dynamisch entwickeln und sich schnell verstärken kann, bis hin zum Abgang eines pyroklastischen Stroms, wie wir ihn am 2. Juni sahen.

Update: Das INGV aktualisierte seine Eruptionswarnung und Stufe den VONA-Alarmstatus auf „rot“ hoch. Es heißt nun, dass es zu Ascheemissionen kommt. Das VAAC detektiere Vulkanasche in einer Höhe on 6700 m. Aufgrund der Bewölkung sieht man aktuell auf den LiveCams nichts.

Erkenntnisse des neusten INGV-Wochenberichts zum Ätna

Im Wochenbericht des INGV für den Beobachtungszeitraum 09. – 15. Juni ist zu lesen, dass die geophysikalischen Parameter unauffällig waren. Aus ihnen ließ sich der heutige Ausbruch nicht ableiten.

Die Lage der Tremorquellen zeigt, dass sich Magma überwiegend unter dem Südostkrater akkumulierte, der Magmenkörper aber eine NW-SO-Längserstreckung einnahm und bis in den Bereich zwischen Bocca Nuova und Nordostkrater reichte.

Interessant ist auch eine Reliefkarte aus Drohnenaufnahmen vom 4. Juni. Sie zeigt die neuen Depressionen des Ausbruchs vom 2. Juni auf der Nordostflanke des Südostkraterkegels sowie mehrere relativ neue Schlote auf der Nordwestflanke. Hier bildet sich wohl eine neue Schwächezone im Kegels.

Übrigens könnte heute oder morgen auch der Kilauea mit einer weiteren eruptiven Episode durchstarten, geladen ist er!

Indonesien: Zwei gleichzeitige Vulkanausbrüche

Simultane Eruption von Lewotobi Laki-Laki und Il Lewotolok im Osten Indonesiens

Maumere,18.06.2025Die starke Eruption des indonesischen Vulkans Lewotobi Laki-Laki sorgte gestern auf Flores und den umgebenden Inseln für einige Aufregung. Zwar kamen bei der starken explosiven Eruption keine Personen zu Schaden, doch die bis zu 16 Kilometer hoch aufgestiegene Aschewolke sorgte für massive Störungen im Flugverkehr.

Von den Störungen waren nicht nur Regionalflughäfen im Osten des indonesischen Archipels betroffen, sondern vor allem eine wichtige Flugroute zwischen Bali und Australien. Es wurden gut zwei Dutzend Flüge von und nach Bali gestrichen.

Der starke Ausbruch des 1.703 Meter hohen Mount Lewotobi Laki-Laki verursachte eine VONA-Warnung der höchsten Stufe. Zwar heißt es in den Berichten des zuständigen vulkanologischen Beobachtungspostens auf Flores, dass die Aschewolke nur 10 Kilometer hoch aufgestiegen sei, doch die Satelliten detektierten Vulkanasche, die sich in einiger Entfernung vom Vulkan in 15 bis 16 Kilometern Höhe befand.

Von den Flugausfällen betroffen waren unter anderem Flüge der Airlines Jetstar und Virgin Australia in Richtung Australien, aber auch Maschinen, die nach Neuseeland und Singapur flogen, stornierten Verbindungen mit Verweis auf die Vulkanaktivität. Inlandsflüge waren ebenfalls betroffen und Flugzeuge blieben am Boden.

Doch das waren nicht die einzigen Auswirkungen des starken Vulkanausbruchs, denn es kam zu starken Ascheniederschlägen und Vulkanasche regnete in mehreren Dörfern in der Umgebung nieder. Am späten Nachmittag wurde ein Dorf evakuiert, wahrscheinlich in Sorge vor weiteren pyroklastischen Strömen. Der Lewotobi Laki Laki beruhigte sich nur langsam und setzte seine Eruptionen auch nach der großen Explosion fort. Nachts wurde sichtbar, dass auch rotglühende Tephra ausgestoßen wurde.

Eruption am Il Lewotolok erfolgte zeitgleich mit dem Ausbruch am Lewotobi Laki-Laki

Ein Video (das sich hier leider nicht einbinden lässt, aber in unserer FB-Gruppe angeguckt werden kann) eines Anwohners der Region zeigt, dass nicht nur der Lewotobi Laki-Laki auf Flores aktiv ist, sondern auch der Il Lewotolok, der auf der Nachbarinsel Lembata liegt. Das Video wurde von einem Standpunkt zwischen den beiden Vulkanen aufgenommen und dokumentiert eine simultane Eruption der beiden Feuerberge, die ca. 85 Kilometer voneinander entfernt liegen.

Der Il Lewotolok stieß seine Aschewolken allerdings nicht so hoch aus wie der Lewotobi Laki-Laki. Die Höhe der Aschewolken belief sich gestern auf ca. 2400 m Höhe. Dafür wurden aber 288 seismische Eruptionssignale eruptiert. Dem nicht genug, ist der Il Lewotolok auch effusiv aktiv und eruptiert einen Lavastrom, der über dem südlichen Calderarand überfließt und den halben Weg zum Fuss des Vulkans zurückgelegt hat.