Vulkan El Chichón: Kratersee verwandelte sich in Säuresee

Veränderungen im Kratersee des El Chichón und erhöhte Seismizität im vergangenen Jahr fordern Wachsamkeit

Der mexikanische Vulkan El Chichón beherbergt einen Kratersee, der nach der verheerenden Eruption von 1982 entstand. Jahrzehntelang war sein Wasser von Algen grün gefärbt, ein Indiz dafür, dass sich ein für Einzeller und andere Mikroorganismen akzeptables Milieu etabliert hatte, in dem Leben möglich ist. In den letzten Jahren zeigen sich allerdings deutliche Veränderungen, die sich in den vergangenen Monaten beschleunigten und von UNAM-Wissenschaftlern aufmerksam beobachtet werden. Sie könnten Anzeichen dafür sein, dass sich einer der gefährlichsten Vulkane des Landes auf eine neue Eruption vorbereitet.




Der im Fokus des Interesses stehende Kratersee ist ein Spiegel der magmatischen Aktivität, die sich im Untergrund des El Chichó abspielt. Nach einem der explosivsten Vulkanausbrüche des 20. Jahrhunderts, der mit einer gewaltigen Asche- und Gaswolke verbunden war und zahlreiche Menschenleben forderte, bildete sich ein zunächst türkisfarbener See mit einem Durchmesser von rund einem Kilometer und einer Tiefe von etwa 200 Metern. Im Laufe der Jahre kühlte das Wasser ab und es kam zu Algenwachstum. Der Kratersee verfärbte sich zu normalem Grün Inzwischen wandelt er sich wieder und die Wassertemperatur steigt, tötet die Algen ab und bewirkt eine Farbveränderung des Sees.

Fumarolen am Grund des Sees stoßen heiße Gase und fast kochend heißes Wasser aus, das viel Schwefeldioxid enthält und den See in eine säurehaltige Brühe verwandelt. Wissenschaftler der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko (UNAM) beobachten seit etwa 20 Jahren Veränderungen in der chemischen Zusammensetzung des Wassers, die heute von Sulfaten und Kieselsäure geprägt ist. Zudem wurden hohle Schwefelkugeln an der Wasseroberfläche entdeckt, die auf einen flüssigen Schwefelsee am Grund hinweisen, der bis zu 118 Grad Celsius erreicht.

Parallel zu diesen Veränderungen wurde im Jahr 2025 eine Phase erhöhter seismischer Aktivität registriert. Zahlreiche kleinere Erdbeben – typisch für hydrothermale Systeme – wurden im Umfeld des Vulkans aufgezeichnet. Diese Erdbeben sind jedoch bisher nicht mit weiteren Anzeichen für Magmaintrusionen verbunden, was eine größere Eruption derzeit unwahrscheinlich erscheinen lässt.

Die Veränderungen im Kratersee und die erhöhte Erdbebenaktivität zeigen jedoch, dass der Vulkan El Chichón weiterhin vulkanischen Prozessen unterliegt. Die für die Vulkanbeobachtung verantwortlichen UNAM-Mitarbeiter fordern eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Vulkanologen, Risikomanagement und lokalen Behörden, um die Entwicklungen genau zu beobachten und angemessene Schutzmaßnahmen zu gewährleisten.