Zwei Erdbeben erschüttern die Region Mayotte und liefern Hinweise auf anhaltende magmatische Aktivität
Im Indischen Ozean ereigneten sich 2 schwache Erdbeben von besonderem Interesse: Sie hatten die Magnituden 3,5 und 3,3 und manifestierten sich in einer Tiefe von 41 und 37 Kilometern. Die Epizentren wurden 44 Kilometer östlich von Mamoudzou auf der Insel Mayotte registriert. Das französische Überseedepartment stand 2018/2019 aufgrund einer starken Bodendeformation in den Schlagzeilen und im Fokus der Wissenschaft: 50 Kilometer östlich der Küste war es zu einem starken submarinen Vulkanausbruch gekommen, der mehrere Kubikkilometer Magma hervorbrachte, was den Boden der Insel massiv absenkte. Genau dort, im Bereich des neu entstandenen Unterwasservulkans Fani Maoré, ist es nun zu den beiden Erdbeben gekommen.

Die Erdbeben im nördlichen Mosambik-Kanal wurden innerhalb weniger Stunden registriert. Das erste Beben ereignete sich am 23. Januar 2026 um 21:04 UTC und erreichte eine Magnitude von 3,3. Wenige Stunden später folgte am 24. Januar um 07:31 UTC ein weiteres Erdbeben der Magnitude 3,5 in nahezu identischer Lage. Beide Beben waren auch auf den Komoren, etwa 290 Kilometer ostsüdöstlich, messbar.
Auffällig ist nicht nur die räumliche Nähe der beiden Ereignisse, sondern auch ihre große Tiefe, die deutlich unter der üblicherweise tektonisch bedingten seismischen Aktivität liegt. Genau diese Tiefe gilt in einer vulkanisch aktiven Zone als Hinweis auf magmatisch beeinflusste Prozesse.
Mayotte befindet sich in einem Gebiet aktiver Krustendehnung zwischen der Afrikanischen und der Somalischen Platte, die als südlicher Ausläufer des Ostafrikanischen Riftsystems gilt. Im Jahr 2018 kam es östlich von Mayotte zu monatelangen Erdbebenschwärmen, ausgelöst durch den Aufstieg großer Magmamengen aus dem oberen Mantel. In der Folge entstand der submariner Vulkan Fani Maoré, der gewaltige Lavamengen am Meeresboden ablagerte.
Die aktuellen Beben sind deutlich schwächer als die Ereignisse von 2018, passen jedoch in dasselbe Muster. Geoforscher gehen davon aus, dass es sich um vulkanotektonische Erdbeben handelt. Hierunter versteht man Spannungsbrüche im Gestein, die durch fortgesetzte Magmenbewegungen in der Tiefe ausgelöst werden. Ob es indes zu einer neuen Eruption kommen wird, ist ungewiss. Im letzten IGPN-Bulletin zum Fani Maoré bestätigten die Forscher zwar eine gewisse Unruhe des Vulkans, doch sie fanden keine signifikanten Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption.