Aktuelle Nachrichten und Analysen zu Vulkanausbrüchen, Erdbeben und Naturkatastrophen
Naturkatastrophen
Aktuelle Nachrichten zu Naturkatastrophen – Hier findest du umfassende Berichte über Naturkatastrophen wie Dürren, Epidemien, Flares, Hangrutschungen, Hochwasser, Hurrikane, Überflutungen, Stürme, Sonneneruptionen, Tornados, Tsunamis und Waldbrände. Wir informieren außerdem über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Entstehung und Intensität von Naturkatastrophen. Erdbeben und Vulkanausbrüche werden in eigenen Kategorien behandelt. Oft ist der Übergang von einem natürlichen Ereignis zu einer Naturkatastrophe fließend: Eine Naturkatastrophe entsteht, wenn Menschenleben oder das Eigentum durch Naturphänomene gefährdet oder zerstört werden.
Tornado überrascht Hochlandgemeinde in Puebla – Hagel- und Sturmschäden in Cuyoaco
Ein ungewöhnlich starkes Unwetter hat die Gemeinde Cuyoaco im mexikanischen Bundesstaat Puebla getroffen. Am Abend des 8. Mai bildete sich innerhalb weniger Minuten ein Tornado, der von zahlreichen Anwohnern gefilmt wurde und zeitweise nahe der Schnellstraße 129D Amozoc–Virreyes sowie der Verbindung nach Teziutlán sichtbar war. Begleitet wurde das Ereignis von schweren Gewittern und ungewöhnlich großem Hagel.
Tornado
Nach bisherigen Angaben wurden keine Verletzten oder Todesopfer gemeldet. Trotzdem hinterließ das Wetterextrem moderate Schäden: Mehrere Wohnhäuser verloren Teile ihrer Dächer oder Blechabdeckungen, landwirtschaftliche Flächen wurden durch Hagelschlag beschädigt. Besonders Gemüse- und Feldkulturen in den offenen Agrarflächen rund um Cuyoaco litten unter dem starken Hagel, der teilweise die Größe von Tischtennisbällen erreichten. Einsatzkräfte des Katastrophenschutzes kontrollierten betroffene Ortsteile und überprüften mögliche Gefahrenquellen an Straßen und Gebäuden.
Meteorologisch betrachtet entstand der Tornado im Zusammenhang mit kräftigen Gewitterzellen, die sich durch den Zusammenstoß feucht-warmer Luft aus dem Golf von Mexiko mit kühlerer Höhenluft entwickelten. Die Jahreszeit begünstigt solche Entwicklungen: Im späten Frühjahr treten in Zentralmexiko häufig energiereiche Gewitter auf, oft begleitet von Hagel und starken Fallböen. Ob es sich um einen klassischen Tornado oder eher um einen sogenannten „Landspout“ – eine schwächere, bodennahe Tornadoform – handelte, ist bislang nicht offiziell geklärt. Die begrenzten Schäden sprechen eher für ein schwächeres Ereignis.
Die Region um Cuyoaco gilt nicht als klassisches Tornadogebiet, ist aber keineswegs ungeeignet für die Bildung solcher Phänomene. Die Gemeinde liegt auf rund 2.300 Metern Höhe in einer offenen Hochlandebene östlich von Puebla, eingerahmt von vulkanischen Gebirgszügen und weiten landwirtschaftlichen Flächen. Diese Topografie kann lokale Windscherungen und Temperaturgegensätze verstärken. Zwar treten Tornados hier deutlich seltener auf als im Norden Mexikos oder in den Great Plains der USA, doch starke Gewitter mit kurzlebigen Wirbeln sind in der Region keineswegs unbekannt.
Serie von Tornados verursachte Naturkatastrophe in den USA – Mississippi stark betroffen
Der Süden des US-Bundesstaates Mississippi wurde gestern Abend (6. Mai) von einer Serie von Tornados getroffen, die im Zuge schwerer Gewitter über die Region hinwegzog. Besonders stark betroffen war das Gebiet südlich der Stadt Brookhaven, wo sich der stärkste Tornado bildete und in der Nacht massive Verwüstungen hinterließ. Luftaufnahmen enthüllten heute Morgen das volle Ausmaß der Schäden: Eine ganze Siedlung wurde dem Erdboden gleichgemacht. Auch andernorts wurden zahlreiche Häuser beschädigt oder vollständig zerstört. Zudem wurden Straßen blockiert und Stromleitungen niedergerissen. Einsatzkräfte suchten bis in die Morgenstunden nach Verletzten und eingeschlossenen Bewohnern.
Der Nationale Wetterdienst der USA sprach zeitweise von einem „großen und extrem gefährlichen Tornado“ und rief für Teile des Lincoln County sogar eine sogenannte Tornado Emergency aus – die höchste Warnstufe für bestätigte Tornados. Augenzeugen berichteten von einem gewaltigen, regenumhüllten Wirbelsturm, der wegen der Dunkelheit und des starken Regens kaum sichtbar war. Viele Bewohner bemerkten den Tornado erst, als bereits Trümmer durch die Luft flogen oder der Strom ausfiel.
Besonders gefährlich waren die Wetterbedingungen während der Nacht. Meteorologen sprechen in solchen Fällen von einem „rain-wrapped tornado“, bei dem die eigentliche Tornado-Struktur vollständig von Starkregen verdeckt wird. Dadurch bleibt selbst ein großer Tornado oft unsichtbar, bis er sich unmittelbar nähert. Die betroffene Region ist zudem stark bewaldet, was die Sicht zusätzlich erschwert und viele Menschen unvorbereitet traf. Zahlreiche Bewohner konnten sich erst in letzter Sekunde in ihre Keller retten.
Am Morgen offenbarte das Tageslicht das ganze Ausmaß der Zerstörung: zerstörte Wohnhäuser, verstreute Trümmer über mehrere Kilometer hinweg sowie entwurzelte Bäume und zerstörte Fahrzeuge entlang der Zugbahn des Twisters.
Offizielle Angaben zur Stärke des Tornados liegen bislang noch nicht vor. Experten des National Weather Service arbeiten derzeit an der Schadensanalyse, um die Intensität anhand der erweiterten Fujita-Skala zu bestimmen.
Die Unwetterlage in Mississippi galt bereits Tage zuvor als hochgefährlich. Meteorologen hatten im Süden der USA vor schweren Gewittern mit großem Hagel und starken Tornados gewarnt.
Es war nicht die erste Tornadoserie, die in diesem Jahr in den USA wütete. Bereits der April galt als ungewöhnlich tornadointensiv – ein Trend, der offenbar anhält.
Schlammströme und Überflutungen in Quetzaltenango am Fuß des Cerro Quemado in Guatemala
Am 3. Mai kam es in der Gemeinde Almolonga in der Region Quetzaltenango (Guatemala) zu extremen Starkregenfällen, die innerhalb kurzer Zeit zu Überflutungen führten. Nach lokalen Berichten setzte der Niederschlag am Sonntagabend ein und intensivierte sich rasch. Innerhalb von etwa einer halben Stunde verwandelten sich Straßen und tiefer gelegene Bereiche in reißende Wasser- und Schlammströme, die Fahrzeuge, darunter auch Baumaschinen und Pickups, mit sich rissen oder beschädigten.
In den in sozialen Medien verbreiteten Aufnahmen des lokalen Nachrichtenportals Xela News ist das Ausmaß der Überflutungen deutlich dokumentiert. Berichte sprechen vom ersten intensiven Starkregen zum Beginn der Regenzeit, die in Guatemala regelmäßig mit plötzlichen Extremniederschlägen einsetzt und das Ende der Vulkan-Spotting-Saison einläutet Das betroffene Gebiet liegt im westlichen Hochland in unmittelbarer Nähe des vulkanisch aktiven Systems um Santa Maria und Santiaguito, wodurch sich die lockeren vulkanischen Ablagerungen leicht mit Oberflächenwasser vermischen können.
Die am stärksten betroffene Ortschaft Almolonga befindet sich unmittelbar am Fuß des Cerro Quemado, eines alten Lavadomkomplexes südlich von Quetzaltenango, der mit dem Santa Maria assoziiert ist. Der Dom besteht aus stark zerklüftetem vulkanischem Gestein und steilen Hängen, die bei Starkregen große Mengen an Wasser und lockeren Sedimenten in Richtung der Siedlungen leiten können. Die Topografie wirkt dabei wie ein natürlicher Kanal, der Abfluss und Geröll in kurzer Zeit konzentriert.
Obwohl die Region geologisch vom Vulkan Santa Maria und dem aktiven Lavadom Santiaguito geprägt ist, deutet alles darauf hin, dass dieses Ereignis nicht durch vulkanische Aktivität ausgelöst wurde. Vielmehr handelte es sich um eine klassische, regenbedingte Sturzflut, wie sie zu Beginn der Regenzeit in Guatemala häufiger auftreten kann.
Nachts klarte das Wetter wieder auf und auf den LiveCams südlich des Santiaguitos wurde dieser wieder sichtbar. Vom Dom geht wieder ein zäher Lavastrom aus, der über die Südflanke fließt. In solchen Phasen kommt es besonders oft zu Abgängen glühender Schuttlawinen und pyroklastischer Ströme. Die Lahar-Gefahr ist hoch.
262 Tornados wüteten im April in den USA – deutlich über dem langjährigen Durchschnitt
Am 28. April 2026 traf ein EF-3-Tornado die Stadt Mineral Wells im US-Bundesstaat Texas und hinterließ eine breite Schneise der Verwüstung. Nach vorläufigen Erhebungen erreichten die Windgeschwindigkeiten im Inneren des Wirbelsturms 233 km/h. Der Sturm zerstörte oder beschädigte 130 Gebäude, ganze Wohnviertel wurden dem Erdboden gleichgemacht. Mindestens fünf Menschen wurden verletzt. Bemerkenswert ist jedoch, dass es keine bestätigten Todesopfer gab – ein ähnliches Bild wie vier Tage zuvor, als es in Enid zum stärksten Tornado im April gekommen war: Er verwüstete den Ort mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 275 km/h und fiel damit in die zweithöchste Kategorie eines EF-4-Tornados.
Der Tornado von Mineral Wells war einer der jüngsten und eindrucksvollsten Belege dafür, wie aktiv die amerikanische Tornadosaison im April 2026 verlief. Insgesamt wurden 262 Tornados bestätigt, was eine deutliche Steigerung gegenüber dem langjährigen April-Durchschnitt von 182 bestätigten Tornados darstellt.
Mineral Wells entwickelte sich im frühen 20. Jahrhundert übrigens zu einem Kurort: Der Name der Stadt stammt von den mineralreichen Grundwasserquellen, die ungewöhnlich viele gelöste Mineralien wie Eisen, Kalzium und Magnesium enthielt. Vielleicht hätte man damals sturmsichere Häuser aus Stein errichten sollen.
Dass Mineral Wells und Enid im April von Tornados heimgesucht wurden, war kein Zufall. Über Wochen hinweg hatten sich in den zentralen Vereinigten Staaten ideale Voraussetzungen für schwere Gewitter aufgebaut. Warme, feuchte Luft strömte vom Golf von Mexiko weit nach Norden, während gleichzeitig immer wieder kühlere Luftmassen aus Kanada südwärts vorstießen. Genau dieser scharfe Temperatur- und Feuchtegegensatz erzeugte die atmosphärische Instabilität, die Tornados begünstigt. Hinzu kam ein ungewöhnlich aktiver Jetstream, der über den Plains und dem Midwest für starke Windscherung sorgte – eine entscheidende Voraussetzung für rotierende Superzellen.
Der stark mäandrierende Jetstream zeichnete sich während des Winters übrigens auch mitverantwortlich für die häufigen Blizzards im Osten der USA und Frost, der bis in das subtropische Florida vorstieß und dort die Leguane von den Bäumen stürzen ließ. Möglicherweise ein Effekt des Klimawandles.
Es gab zwar nur einen EF-4-Tornado, aber mehrere EF-3-Tornados. Besonders auffällig war ein Ausbruch Mitte April im oberen Mittleren Westen. In Wisconsin wurde am 17. April ein Tornado mit EF-3-Stärke und Windgeschwindigkeiten von bis zu 233 km/h registriert. Solche Tornados prägten das Bild des Monats – EF-3 war 2026 die häufigste Kategorie schwerer Tornados.
Noch zahlreicher waren EF-2-Tornados, gewissermaßen die „Arbeitspferde“ vieler Ausbruchslagen. In Table Grove und Bryant wurden etwa 210 km/h gemessen, während ein Tornado bei Runaway Bay auf rund 217 km/h geschätzt wurde.
Erste Schätzungen amerikanischer Rückversicherer gehen allein für die Unwetter der letzten Aprilwoche von einer Schadenssumme von über einer Milliarde US-Dollar aus. Die Schäden wurden aber nicht ausschließlich von den Tornados verursacht, sondern von Unwettern und Überflutungen insgesamt, die oft mit den tornadobringenden Gewittern und Hagelschlag einhergingen.
Waldbrand in Jüterbog – warum Deutschland schon im Frühjahr brennt
Auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz im brandenburgischen Jüterbog hat die Waldbrandsaison früh im Jahr begonnen. Seit Freitagnachmittag lodert dort ein sich rasch ausbreitender Wald- und Vegetationsbrand, der auf einer Fläche von gut 30 Hektar übergriff. Die Feuerwehren können den Brand nur schwer bekämpfen: Der Boden des ehemaligen Truppenübungsplatzes ist mit Munition verseucht und ein Vordringen in dieses Gebiet ist nur unter Lebensgefahr möglich. Vielerorts ist ein direktes Löschen der Flammen nicht möglich und man kann nur versuchen, die Feuer durch Brandschneisen einzudämmen, was ein Grund für das Wüten der Flammen ist. Ein anderer Grund sind ausgetrocknete Böden, in denen sich Glutnester lange halten können, und eine Vegetation, die beim geringsten Funken in Flammen aufgeht.
Waldbrand
Der Waldbrand bei Jüterbog steht exemplarisch für eine Entwicklung, die sich quer durch Deutschland zieht, denn auch in anderen Regionen gibt es bereits erste Waldbrände: Feuer, die früher vor allem während des Hochsommers Probleme verursachten, treten zunehmend schon im Frühjahr auf und treffen auf Landschaften, die dafür anfälliger geworden sind. Oft liegen diese Landschaften im Osten Deutschlands, wo die Böden sandig sind und schlecht Wasser speichern können. Bei den Wäldern handelt es sich oft um Kiefer- oder Fichtenmonokulturen. Im Fall des Truppenübungsplatzes fehlt Waldpflege, die trockenes Unterholz entfernt.
Neben der Bodenbeschaffenheit ist das Klima ein wichtiger Faktor, der entscheidet, wann und wie stark eine Waldbrandsaison wird. Faktoren wie die North Atlantic Oscillation beeinflussen die Großwetterlage über Europa. In bestimmten Phasen begünstigt sie ortsstabile Hochdruckgebiete – und damit Trockenperioden. Gleichzeitig verändert sich durch den Klimawandel das Verhalten des Jetstreams: Er wird träger und mäandriert stärker, sodass Omega-Wetterlagen entstehen, wo Hoch- und Tiefdruckgebiete länger an Ort und Stelle verharren. Das Ergebnis sind festgefahrene Trockenphasen – oder umgekehrt langanhaltende Regenperioden.
Zusätzlich wirkt der Mensch als Landschaftsgestalter und hat über Jahrzehnte hinweg Braunkohle gefördert, Flüsse begradigt, Auen trockengelegt und Moore entwässert. Besonders die Zerstörung von Mooren hat gravierende Folgen für den Wasserhaushalt einer Region. Intakte Moore wirken wie riesige Wasserspeicher – sie halten Feuchtigkeit in der Landschaft und geben sie langsam wieder ab. Entwässert man sie, verschwindet diese Pufferfunktion. Gleichzeitig wird zusätzlich Kohlendioxid freigesetzt, was die Erwärmung weiter antreibt.
Die moderne Landnutzung trägt zur Verschärfung der Krise bei. Verdichtete Böden durch schwere Maschinen, humusarme Ackerflächen und großflächige Monokulturen können Wasser schlechter aufnehmen und speichern. In Städten verhindert Versiegelung, dass Regen überhaupt in den Boden gelangt. Das Wasser wird stattdessen schnell abgeleitet – und fehlt später.
Der wichtigste Treiber aber ist langfristig der Klimawandel selbst. Höhere Temperaturen erhöhen die Verdunstung, Böden trocknen schneller aus, Vegetation gerät früher unter Stress. Was früher ein trockener Frühling war, kann heute bereits die Schwelle zur Dürre überschreiten.
So entsteht ein Teufelskreis: Trockene Böden verdunsten weniger Wasser, wodurch weniger Wolken entstehen. Die Sonneneinstrahlung nimmt zu, die Temperaturen steigen – und die Landschaft trocknet weiter aus.
Der Waldbrand bei Jüterbog ist daher mehr als ein lokales Problem. Er zeigt, wie mehrere Faktoren zusammenwirken, die zwar vom Menschen mitbeeinflusst wurden, aber mittlerweile außerhalb seiner Kontrolle liegen: kurzfristige Wetterlagen, langfristige Klimaveränderungen und tiefgreifende Eingriffe in die Landschaft.
Anekdote: Was den Autor mit Jüterbog verbindet
Hier möchte ich Euch kurz eine private Anekdote erzählen, die mich mit dem Truppenübungsplatz in Jüterbog verlinkt und teilweise auch meine eigene Abenteuerlust erklärt: Meine Familie väterlicherseits wurde gegen Ende des 2. Weltkriegs in diesen beschaulichen Ort evakuiert, nachdem ihr Haus in Oberhausen von einer amerikanischen Fliegerbombe zerstört worden war. Im Sinne eines Huckleberry Finn streunerte mein Vater, der damals kurz vor dem Teenageralter stand, durch die Gegend und drang auch wiederholt in die von Russen besetzte Militäranlage des Truppenübungsgeländes ein und entwendete Munition, die er unter dem Bett seiner Schwester lagerte. Immerhin war er so klug, sie nicht unter seinem eigenen Bett zu verstecken, doch als meine Tante das Munitionsdepot entdeckte, brach die Hölle über meinen Vater herein. Während mein Vater in den 1950er Jahren wieder nach Oberhausen übersiedelte, verblieb meine Tante in Jüterbog, wo sie erst vor kurzem verstarb.
Ich selbst war natürlich als Kind mit meinen Eltern vor Ort und stand auch am Rand des nun brennenden Geländes. Der Truppenübungsplatz wurde nach der Wende stillgelegt aber nicht von Munitionsresten geräumt.
Historische Regenfälle setzen Qinzhou in China unter Wasser und verursachten dramatische Überflutungen
Sintflutartige Regenfälle haben gestern die südchinesische Küstenstadt Qinzhou in eine Ausnahmesituation versetzt, als Wassermassen Straßen in Flüsse verwandelten, Hunderte Autofahrer in Not gerieten und in ihren überfluteten Fahrzeugen festsaßen. Zu der Katastrophe führten extreme Niederschläge: Innerhalb weniger Stunden fielen über 270 Millimeter Regen – ein neuer April-Rekord für die Region. In den überfluteten Gebieten saßen nicht nur Autofahrer fest, sondern es mussten auch zahlreiche Anwohner aus tieferliegenden Stadtteilen evakuiert werden. Einsatzkräfte waren mit Booten unterwegs, um eingeschlossene Menschen zu erreichen. Qinzhou
Die meteorologischen Ursachen liegen in einer ungewöhnlich frühen und intensiven Aktivierung des ostasiatischen Monsunsystems. Feuchtwarme Luftmassen aus dem Südchinesischen Meer strömten mit hoher Energie ins Landesinnere und trafen dort auf kühlere Luftschichten. Diese Konstellation begünstigte die Bildung sogenannter stationärer Gewitterzellen – ein Phänomen, bei dem Regengebiete über Stunden nahezu ortsfest bleiben und sich über einem begrenzten Gebiet abregnen. Zusätzlich sorgte eine ausgeprägte Tiefdruckrinne für anhaltenden Auftrieb, wodurch enorme Wassermengen in kurzer Zeit freigesetzt wurden.
Verstärkt wurden die Überflutungen durch die geomorphologischen Gegebenheiten der Region. Qinzhou liegt in einem flachen Küstentiefland mit geringer natürlicher Entwässerungsdynamik, ähnlich wie im spanischen Valencia, wo es in den vergangenen Jahren mehrfach zu vergleichbaren Ereignissen gekommen ist. Flüsse und Kanäle können bei Starkregen schnell überlaufen, da das Gefälle gering ist und sich Wasser großflächig ausbreitet. Gleichzeitig führen zunehmende Urbanisierung und Flächenversiegelung dazu, dass Regenwasser kaum versickern kann und unmittelbar in die Kanalisation abfließt – deren Kapazität bei solchen Extremereignissen rasch überschritten ist, wie ich es erst Anfang April in Palermo erleben durfte.
Hinzu kommt die Nähe zu Karstlandschaften im Hinterland von Guangxi. Diese können zwar Wasser aufnehmen, reagieren bei extremer Sättigung jedoch mit plötzlichen Abflussimpulsen, die Hochwasserwellen verstärken. Das Zusammenspiel aus außergewöhnlicher Niederschlagsintensität, ungünstiger Topografie und menschlichen Eingriffen führte letztlich zu den dramatischen Überschwemmungen.
Die Behörden warnen, dass mit weiteren Starkregenereignissen zu rechnen ist – ein Hinweis darauf, dass sich extreme Wetterlagen in Südchina (und nicht nur dort) zunehmend häufen.
Waldbrand-Situation im Südosten der USA spitzt sich weiter zu – neue Feuer seit dem Wochenende
Die Waldbrandsituation im Südosten der USA hat sich seit dem Wochenende deutlich verschärft. Während die beiden Großbrände in Georgia – das sogenannte Pineland-Road-Fire und das Highway-82-Fire – weiterhin außer Kontrolle sind, melden Behörden inzwischen eine neue Welle zusätzlicher Feuer. Allein am Sonntag berichtete die Forstbehörde des Bundesstaates von mindestens 15 neuen Brandherden, die die ohnehin angespannten Einsatzkräfte weiter unter Druck setzen.
Die beiden Hauptbrände haben zusammen inzwischen mehr als 200 km² Vegetationsfläche zerstört und sind weiterhin nur zu einem sehr geringen Teil eingedämmt: Die Feuerwehren sprechen davon, dass 7 bis 10 Prozent der Brände eingedämmt sind. Besonders kritisch ist die Unberechenbarkeit der Situation und die Eigendynamik der Feuer. Behörden berichten, dass sich einzelne Feuerfronten innerhalb weniger Stunden massiv ausgedehnt haben.
Weit über 100 Gebäude wurden bereits zerstört, zahlreiche weitere sind bedroht. Die Situation gilt als eine der schwersten Brandlagen in der Geschichte des Bundesstaates, insbesondere hinsichtlich der Sachschäden. Hunderte Menschen sind bereits obdachlos geworden, weitere werden folgen.
Die Hauptbrandursache ist in der langanhaltenden Dürre zu finden. Außerdem trugen weitere Faktoren wie extrem niedrige Luftfeuchtigkeit und auffrischende Winde zur Eskalation der Lage bei. Gleichzeitig fehlt weiterhin jeglicher nennenswerter Niederschlag, sodass keine kurzfristige Entspannung erwartet wird.
Seit dem Wochenende breiten sich dichte Rauchschwaden über mehrere Bundesstaaten aus und führen zu Luftqualitätswarnungen weit über die eigentlichen Brandgebiete hinaus.
Die Großwetterlage der USA wird noch von einer abklingenden La-Niña-Phase dominiert, die dem Südosten häufig eine Dürre beschert. Im Südpazifik mehren sich die Anzeichen dafür, dass sich dieses Jahr ein starkes El-Niño-Phänomen entwickelt, was für Regen in den aktuell betroffenen Regionen sorgen könnte, aber dafür woanders, z.B. in Australien oder Teilen Südamerikas, extreme Hitze und Dürre verursachen könnte.
Lage in Deutschland: Böden trocknen lokal aus
Im Vergleich zu den USA ist die Situation trotz der ersten Sonnentage des Jahres noch vergleichsweise entspannt. Dennoch schlagen einige Wetterdienste bereits Alarm, denn regional ist der Boden deutlich zu trocken, was mittelfristig zu einer erhöhten Waldbrandgefahr bei uns führen könnte. Im Gegensatz zum Pazifikraum wirken sich die Klimaphänomene El Niño und La Niña nur geringfügig auf Deutschland aus, ganz unbeeinflusst lassen sie uns dennoch nicht. Ob es bei uns zu Dürren oder Feuchtphasen kommt, hängt auch mit dem Jetstream und seiner lenkenden Wirkung auf Hoch- und Tiefdruckgebiete zusammen.
In Österreich ist es allerdings bereits so trocken, dass es bereits zu einem Waldbrand im Alpenland Kärnten gekommen ist, was zu dieser Jahreszeit ungewöhnlich ist. Das Feuer nahe Maria Luggau breitete sich auf einer Fläche von 110 Hektar aus. Löschhubschrauber sind im Einsatz.
Starker Tornado der Kategorie EF4 verwüstete Ort in Oklahoma und entrindete Bäume
Ein schwerer Tornado hat am Freitag die Region nahe Enid im US-Bundesstaat Oklahoma heimgesucht und eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Das Unwetter trat am späten Nachmittag Ortszeit auf, als sich eine besonders kräftige Superzelle über dem Norden des Bundesstaates entwickelte. Augenzeugen berichten von einem schnell anwachsenden, dunklen Trichter, der sich innerhalb weniger Minuten zu einem großflächigen Tornado ausbildete und über ländliche sowie teilweise bebaute Gebiete hinwegzog.
Der Tornado richtete signifikante Schäden an: Mehrere Wohnhäuser wurden vollständig zerstört und teilweise bis auf ihre Fundamente abgetragen. Trümmerteile wurden über weite Distanzen verstreut, was auf extreme Windgeschwindigkeiten hindeutet. Die umherwirbelnden Trümmer stellten zudem eine große Gefahr für die Bevölkerung dar und richteten weitere Schäden an.
Es wurde nicht nur Infrastruktur zerstört, sondern es gab auch eine große Vegetationszerstörung: zahlreiche Bäume wurden nicht nur entwurzelt, sondern vollständig entrindet, was ein klassisches Indiz für sehr starke Tornados darstellt. Dabei wird die Rinde durch extreme Windkräfte und mitgeführte Trümmer regelrecht vom Stamm abgeschält. Dieses Phänomen entsteht durch eine Kombination aus sehr hohen Windgeschwindigkeiten und umherfliegenden Partikeln, die wie ein Sandstrahlgebläse wirken. In der Enhanced Fujita Scale gilt die Entrindung daher als starkes Indiz für einen sehr intensiven Tornado von mindestens EF3.
Neben den beschriebenen Schäden wurden auch landwirtschaftliche Gebäude und Fahrzeuge schwer beschädigt oder komplett zerstört.
Trotz des Ausmaßes der Verwüstung gibt es bislang keine bestätigten Todesopfer, was von den Behörden als außergewöhnlich bezeichnet wird. Mehrere Menschen wurden jedoch verletzt. Frühzeitige Warnungen und funktionierende Schutzsysteme dürften entscheidend dazu beigetragen haben, Schlimmeres zu verhindern.
Experten des National Weather Service sind vor Ort und untersuchen die Schäden, um die genaue Intensität des Tornados zu bestimmen. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass zumindest abschnittsweise eine Stärke im Bereich EF4 erreicht worden sein könnte.
Waldbrände außer Kontrolle – 120 Gebäude in Georgia abgebrannt
Im US-Bundesstaat Georgia wüten verheerende Waldbrände, die teils außer Kontrolle geraten sind und eine Flammenhölle entfacht haben, die eine Spur der Zerstörung hinterlassen hat Besonders hart traf es die Bevölkerung von Brantley County nahe der Grenze zu Florida besonders. Nach aktuellen Angaben wurden in mehreren Orten bereits über 120 Wohnhäuser vollständig zerstört, zahlreiche weitere sind beschädigt oder weiterhin bedroht. Ganze Straßenzüge liegen in Asche, vielerorts ragen nur noch verkohlte Grundgerüste aus dem Boden. Für viele Familien bedeutet das den abrupten Verlust ihres gesamten Besitzes.
Waldbrände
Besonders dramatisch ist die Lage in ländlichen Regionen im Süden des Bundesstaates. Dort mussten Tausende Menschen ihre Häuser verlassen. Die Flammen breiteten sich aufgrund starker Winde rasend schnell aus und den Menschen blieben oft nur Minuten zur Flucht. Evakuierte berichten von chaotischen Szenen: dichter Rauch schränkte die Sicht ein und Flammen breiteten sich rasch über trockene Vegetation aus. Die eingerichteten Notunterkünfte sind überfüllt, viele Betroffene wissen nicht, ob ihre Häuser noch stehen oder bereits zerstört wurden.
Die Feuerwehr kämpft unter schwierigen Bedingungen gegen die Brände. Zwar konnten einzelne Feuer eingedämmt werden, doch eine vollständige Kontrolle ist bislang nicht in Sicht. Ohne ergiebige Niederschläge bleibt die Lage angespannt.
Ausschlaggebend für die extreme Situation sind ungewöhnliche meteorologische Bedingungen, die sich bereits im Winter abzeichneten. Eine anhaltende Dürre hat Böden und Vegetation stark ausgetrocknet. Gleichzeitig sorgen hohe Temperaturen, niedrige Luftfeuchtigkeit und kräftige Winde dafür, dass sich Brände schnell unkontrolliert ausbreiten können. Hinzu kommt abgestorbenes Pflanzenmaterial, das als zusätzlicher Brandbeschleuniger wirkt. Die Gründe für den Brandbeschleuniger sind vielfältig, haben prinzipiell aber mit vermehrtem Waldsterben aufgrund von Dürre, Schädlingsbefall und geänderten Klima- und Umweltbedingungen zu tun. Hinzu kommen Sparmaßnahmen, die die Arbeit der Forstbehörde einschränken.
Für diese Jahreszeit ist eine solche Intensität der Brände im Südosten der USA eher untypisch. Zwar treten Waldbrände auch im Frühjahr auf, doch die Kombination aus ausgeprägter Trockenheit und günstigen Ausbreitungsbedingungen der Feuer gilt als außergewöhnlich.