Sol: Sonnensturm vom Montag war einer der stärksten

Künstlerische Darstellung einen Solarsturms.

Sonnensturm von historischer Stärke – warum es keinen Blackout gab und wann es gefährlich geworden wäre

Der jüngste Sonnensturm hat selbst erfahrene Weltraumwetterforscher in seiner Stärke überrascht und aufhorchen lassen. Mit gemessenen Magnetfeldstärken von rund 91 Nano-Tesla in Erdnähe erreichte der Sturm Werte, wie sie in den Messreihen seit Beginn systematischer Aufzeichnungen in den 1990er-Jahren wahrscheinlich noch nie beobachtet wurden. Astronomen sprechen von einem der stärksten Ereignisse seit Beginn systematischer Aufzeichnungen. Rekordverdächtig war auch die Geschwindigkeit des Sonnensturms, der mit 4,2 Millionen Kilometern pro Stunde auf die Erde zuraste. Dennoch blieb das Schreckensszenario eines großflächigen Stromausfalls bzw. Blackouts aus. Der Grund dafür liegt nicht in der Stärke begründet – der Sturm war vermutlich stark genug hierfür –, sondern in seinen physikalischen Details.




Polarlicht in Oberhausen

Ein Sonnensturm entsteht meist durch einen koronalen Massenauswurf (CME), bei dem Milliarden Tonnen magnetisierten Plasmas ins All geschleudert werden. Trifft eine solche Plasmawolke die Erde, kann sie das Magnetfeld unseres Planeten massiv stören, wodurch Polarlichter entstehen. Die gemessene Feldstärke von über 90 Nano-Tesla deutet darauf hin, dass enorme Energiemengen freigesetzt wurden. Im ruhigen Sonnenwind liegen die Werte meist bei 5 bis 10 Nano-Tesla.

Doch entscheidend ist nicht nur, wie stark ein Sturm ist, sondern wie sein Magnetfeld ausgerichtet ist. Besonders kritisch ist eine langanhaltende südliche Ausrichtung des von der solaren Plasmawolke mitgeführten Magnetfeldes. In diesem Fall kann es zu einer effektiven Kopplung mit dem Erdmagnetfeld kommen. Dabei handelt es sich um einen Prozess, den Physiker „magnetische Rekonnexion“ nennen. Erst dadurch gelangt die Energie tief in die Magnetosphäre und kann sich auch in den unteren Schichten der Erdatmosphäre ausbreiten und sich negativ auf Stromnetze und andere kritische Infrastruktur auswirken.

Christian Möstl, Forscher von GeoSphere Austria, meinte gegenüber der Presse, dass der Sonnensturm vom Montag zu den schwerwiegendsten Ereignissen der letzten Jahrzehnte geworden wäre, wenn das Magnetfeld der Plasmawolke Richtung Süden ausgerichtet gewesen wäre. Offenbar hatten wir noch einmal Glück gehabt.

Das ungünstigste Szenario

Sonnensturm

Ein Blackout wäre im Worst Case möglich gewesen, wenn mehrere Bedingungen gleichzeitig erfüllt worden wären: eine sehr hohe Feldstärke, eine über Stunden stabile südliche Magnetfeldkomponente, hohe Geschwindigkeit des Plasmas sowie eine direkte Treffergeometrie auf die Erde. Unter solchen Umständen entstehen starke geomagnetisch induzierte Ströme, die über lange Hochspannungsleitungen fließen und Transformatoren in die Übersättigung treiben und durchbrennen lassen können. Historische Beispiele wie der Québec-Blackout 1989 zeigen, dass regionale Stromausfälle dann realistisch sind.

Beim aktuellen Ereignis fehlte jedoch genau dieser entscheidende Faktor: Die Magnetfeld-Ausrichtung wechselte und blieb nicht dauerhaft südlich. Die Folge waren spektakuläre Polarlichter bis in mittlere Breiten – aber keine kritische Belastung der Stromnetze.

Die Wahrscheinlichkeit für ein Ereignis, das global oder kontinental zu großflächigen Blackouts führt, gilt als sehr gering. Schätzungen aus der Raumwetterforschung gehen davon aus, dass Stürme vom Kaliber eines Carrington-Ereignisses (1859) statistisch nur alle 100 bis 200 Jahre auftreten. Selbst dann ist ein globaler Zusammenbruch moderner Stromnetze nicht automatisch gegeben, da heutige Systeme als robust eingestuft werden und Überlastungs-Frühwarnungen erlauben, schnell zu reagieren. Dennoch bleibt die Möglichkeit bestehen, dass es eines Tages zu einem großangelegten Blackout kommen könnte, der dann nicht in kurzer Zeit behoben werden kann.

Realistischer sind aber lokale oder regionale Effekte: temporäre Störungen von Satelliten, GPS-Ungenauigkeiten, Kurzwellen-Funkprobleme oder vorsorgliche Abschaltungen einzelner Netzkomponenten in hohen Breiten. Auch kurzfristige Spannungsschwankungen in Stromnetzen sind möglich. Solche Effekte werden mit zunehmender Sonnenaktivität häufiger, bleiben aber beherrschbar.

Der jüngste Sonnensturm war außergewöhnlich stark, aber noch kein Beinahe-Blackout, wie es in einigen Medien dargestellt wird. Er zeigt jedoch, wie schwer Vorhersagen zur Stärke eines geomagnetischen Sturms sind und dass die Sonne ungewöhnlich aktiv ist. Tatsächlich ist sie aktiver, als sie es im Zuge ihres Sonnenzyklus derzeit sein dürfte. Sie hält sich nicht an Prognosen der Wissenschaftler und Prognosen haben sich als unzuverlässig erwiesen.

Unerwartet starke Polarlichter über Deutschland

Polarlichter über weite Teile Deutschlands sichtbar – auch von Oberhausen aus

Letzte Nacht war die Nacht der Nächte, zumindest was die Sichtbarkeit von Polarlichtern über Deutschland und speziell dem Ruhrgebiet betraf: Der starke Sonnensturm, über den ich bereits gestern berichtete, löste einen deutlich stärkeren geomagnetischen Sturm aus als prognostiziert. Statt einen KP von 7 zu haben, brachte er es auf einen KP 8,7, was in den oberen Atmosphärenschichten ein wahres Lichtfeuerwerk auslöste. Tatsächlich stimmten auch bei uns in Oberhausen die Wetterbedingungen, so dass ich zum ersten Mal von meiner Heimat aus ausgeprägte Polarlichter beobachten konnte.




Damit war ich nicht alleine, denn in den sozialen Medien wurden zahlreiche Polarlichtfotos geteilt. Mir wurden auch einige zugesendet, die ich hier nicht alle bringen kann, aber für die ich mich bedanken möchte.

Zusammen mit Leroy, der eigentlich gerade ins Bett gehen wollte, als ich einen Blick aus dem Fenster gen Himmel warf und ein rötliches Schimmern über den Dächern von Oberhausen wahrnahm, sprang ich in den Wagen und fuhr zur einzigen Erhebung weit und breit, die einen freien Blick auf den Nachthimmel des westlichen Ruhrgebietsrand ermöglicht: die alte Abraumhalde der Zeche Haniel im Grenzgebiet zwischen Oberhausen und Bottrop. Gegen 22:30 Uhr erreichten wir den Parkplatz und staunten nicht schlecht, als wir zwischen den Bäumen hindurch tatsächlich ein grünes Polarlichtband wabern sahen, wie wir es sonst nur von Island her kennen. Jetzt hieße es, Beine in die Hand nehmen und den schlammigen Pfad zum Haldengipfel hochstürmen, um freie Sicht auf das Spektakel zu haben. Eine Viertelstunde Später erreichten wir freies Terrain, genau in dem Moment, als sich das schönste Lichtband auflöste. Was für eine herbe Enttäuschung! Doch wenigstens glühte der Himmel im Norden noch farbenfroh, ein seltenes Naturspektakel für die ansonsten durch Lichtverschmutzung und Häuserfronten geblendeten Großstädter.

So schön die Himmelserscheinung eines Nordlichts auch ist, sollte man sich nicht darüber hinwegtäuschen lassen, dass ähnlich wie bei Vulkanen auch am Himmel und im Weltall Schöpfung und Zerstörung dicht beieinanderliegen können. Polarlichter sind Manifestationen ungeheurer Kräfte, die in der Lage sind, der menschlichen Zivilisation ernsthaften Schaden zuzufügen. Die Häufung von Polarlichtern in gemäßigten und sogar südlichen Breiten ist ein Zeichen dafür, dass die Sonne außergewöhnlich aktiv ist und uns noch weitaus stärkere Solarstürme schicken könnte, die Schäden an der Navigations-, Kommunikations- und Energietechnik hervorrufen könnten.

Sol: Starker Sonnensturm am 19.01.2026

Starker Sonnensturm auf dem Weg zur Erde – Chancen auf Polarlichter in Deutschland?

Durch einen erdgerichteten koronalen Massenauswurf (CME) entfesselte sich heute ein starker X-Klasse-Sonnensturm, der durch den Weltraum auf die Erde zurast. Er wird voraussichtlich in den kommenden 24–48 Stunden bei uns eintreffen. Diese Plasmawolke entstand bei einer Sonneneruption auf der Sonnenoberfläche und trägt Milliarden geladener Teilchen samt zugehörigem Magnetfeld mit sich. Trifft ein solcher CME auf das Magnetfeld der Erde, kann er die Magnetosphäre stark stören. In so einem Fall spricht man von einem geomagnetischen Sturm.

Sonnensturm

Solche Stürme entstehen, wenn riesige Mengen Sonnenmaterial explosionsartig ins All geschleudert werden. Treffen diese Wolken frontal auf das Erdmagnetfeld, werden die Feldlinien verzerrt und elektrische Ströme in der oberen Atmosphäre erzeugt. Das kann Kurzwellensignale stören, Satellitenfunktionen beeinflussen oder – im Extremfall – sogar Stromnetze belasten. Gleichzeitig erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für ein spektakuläres Naturphänomen: das Polarlicht.

Polarlichter entstehen, wenn die energiereichen Sonnenpartikel in die Erdatmosphäre gelangen und dort auf Gasmoleküle treffen. Die Kollisionen regen die Moleküle an, die Licht in verschiedenen Farben abstrahlen: Das Spektrum reicht von klassisch grün bis rötlich und violett in höheren Atmosphärenschichten. In starken geomagnetischen Stürmen kann sich die Aurora so weit nach Süden ausdehnen, dass Polarlichter auch in mittleren Breiten sichtbar werden.

Doch wie stehen die Chancen für Beobachter in Deutschland? Laut aktuellen Modellprognosen ist zwar ein starker geomagnetischer Sturm möglich oder sogar wahrscheinlich, Polarlichter zeigen sich in Deutschland aber eher selten und ihre Beobachtung ist stark wetterabhängig. Für eine gute Sichtbarkeit benötigt es neben einer intensiven Sturmlage auch klaren Himmel ohne Bewölkung und einen erhöhten geomagnetischen Index (KP ≥ 6–7), damit sich die Aurora weit nach Süden ausdehnt. In der bisherigen Vorhersagelage für Deutschland gilt die Wahrscheinlichkeit derzeit eher als mäßig.

Dennoch könnten in norddeutschen Regionen Lichtschimmer sichtbar werden, vorausgesetzt, der Sonnensturm entwickelt sich wie prognostiziert und das Wetter spielt mit. Selbst wenn man mit bloßem Auge nichts oder wenig sieht, könnte ein Polarlicht auf langzeitbelichteten Fotos sichtbar werden.

Polarwirbelstörung: Erneuter Wintereinbruch vorhergesagt

Polarwirbel in Unruhe: Altes Phänomen in einem neuen Klima

Kaum sind Schnee, Glatteis und Dauerfrost bei uns vorbei, da warnen einige Klimamodelle bereits vor dem nächsten Zusammenbruch des Polarwirbels, der ansonsten arktische Luftmassen zähmt und sie dort hält, wo sie hingehören: nördlich des Polarkreises. In der Folge könnte es wieder bis relativ weit in den Süden der nördlichen Hemisphäre zu einem starken Wintereinbruch kommen, so wie wir ihn jüngst erlebten. Betroffen könnten zunächst wieder zuerst Nordamerika, später dann Europa sein.




Wenn Meteorologen und Medien vor einer möglichen Störung des Polarwirbels warnen, klingt das für viele nach einem neuen, beunruhigenden Effekt des Klimawandels. Tatsächlich sind Störungen des Polarwirbels kein modernes Phänomen, sondern ein seit Jahrzehnten bekanntes Element der atmosphärischen Zirkulation. Neu sind vielmehr die Bedingungen, unter denen er heute wirkt.

Polarwirbel Zusammenbruch droht

Der Polarwirbel ist ein großräumiges Starkwindsystem in der Stratosphäre, das sich im Winter über der Arktis ausbildet. Er hält extrem kalte Luftmassen in polaren Regionen gefangen. Gerät dieses System aus dem Gleichgewicht, etwa durch eine plötzliche Erwärmung der Stratosphäre, kann sich der Wirbel abschwächen oder aufspalten. In der Folge strömt arktische Kaltluft weit nach Süden und verursacht Kälteeinbrüche, Schnee und Frost in Europa oder Nordamerika. Solche Ereignisse wurden bereits seit den 1950er-Jahren wissenschaftlich dokumentiert und standen auch hinter historischen Kältewintern wie 1962/63.

Der Klimawandel hat den Polarwirbel also nicht „erfunden“. Er verändert jedoch die Spielregeln: Die Arktis erwärmt sich deutlich schneller als der Rest der Erde. Dadurch nimmt der Temperaturunterschied zwischen hohen und mittleren Breiten ab, der für einen stabilen Jetstream und einen kräftigen Polarwirbel entscheidend ist. Viele Studien deuten darauf hin, dass das atmosphärische System dadurch anfälliger für Störungen wird.

Das führt zu einem scheinbaren Widerspruch: Während die globale Durchschnittstemperatur steigt, können regional weiterhin extreme Kältephasen auftreten. Diese widersprechen dem Klimawandel nicht, sondern sind Ausdruck eines zunehmend instabilen Klimasystems. Meteorologen warnen daher weniger vor einem „neuen“ Wetterphänomen als vor einer Zunahme von Extremen eines bekannten Phänomens, was teils gravierende Folgen für Energieversorgung, Verkehr und Gesellschaft hat.

Ein Hauch von Winter legte Deutschland lahm

Ein anschauliches Beispiel für die Folgen eines Kälteeinbruchs habe ich selbst während des jüngsten „Arctic Outbreak“ rund um die Weihnachtszeit erlebt. Zu diesem Zeitpunkt war ich ich in New York und erhielt auf meinem Smartphone frühzeitig Warnungen vor einem herannahenden Blizzard. Die Reaktion der Stadt fiel entsprechend vorbereitet aus: Noch bevor der erste Schnee einsetzte, begannen die Straßendienste damit, Bordsteine und Fahrbahnen flächendeckend zu salzen. Trotz nächtlicher Neuschneemengen von mehr als zehn Zentimetern waren die Straßen am nächsten Morgen – auch außerhalb Manhattans – größtenteils frei und gut befahrbar.

Gleichzeitig zeigte sich jedoch, dass selbst diese Vorbereitung ihre Grenzen hat. In anderen Regionen des Nordostens der USA kam es zu schweren Unfällen und teils zum Stillstand des öffentlichen Lebens. Dort fielen innerhalb kurzer Zeit Schneemengen, wie wir sie in Deutschland meist nur aus Hoch- oder Mittelgebirgslagen kennen.

Zurück in Deutschland bot sich mir während des Wintereinbruchs in Oberhausen ein deutlich anderes Bild. Viele Straßen blieben noch Tage nach dem ersten Schneefall ungeräumt. Auch wenn sich eine Stadt wie Oberhausen nicht mit New York vergleichen lässt, verweist der Kontrast aus meiner Sicht auf strukturelle Defizite. Dass bereits wenige Zentimeter Schnee ausreichen, um den Verkehr großflächig zu beeinträchtigen und den Bahnverkehr lahmzulegen, ist in meinen Augen genauso ein Armutszeugnis wie der Blackout in Berlin. Man darf sich fragen, wie es sein kann, dass kritische Infrastruktur so leicht sabotiert werden kann und warum es keine redundanten Systeme gibt.

Sol: Neue Koronale Löcher und Sonnenstürme am 13.01.2026

2 neue Löcher in der Sonnenatmosphäre – starke Sonnenstürme detektiert

Die Sonne wirkt ruhig, doch hinter dieser scheinbaren Gelassenheit verbirgt sich derzeit eine dynamische und für die Erde spürbare Phase erhöhter Aktivität. In den vergangenen Tagen haben sich zwei außergewöhnlich große koronale Löcher auf der Sonnenoberfläche geöffnet. Sie sind beide so ausgerichtet, dass ihre Strahlungsstürme direkt in Richtung der Erde weisen. Astronomen sprechen von einem anhaltenden solaren Druck, nicht von einem einzelnen Ereignis.

Sonnenstürme

Koronale Löcher sind keine echten Löcher, sondern Regionen, in denen das Magnetfeld der Sonne offen ist. Dort kann heißes Plasma ungehindert ins All entweichen. Das Ergebnis ist ein schneller Sonnenwind, der Geschwindigkeiten von über 500 bis 700 Kilometern pro Sekunde erreichen kann. Trifft dieser Strom auf das Magnetfeld der Erde, gerät es ins Schwingen und es entstehen geomagnetische Stürme, die in Polarlichtern, aber auch in Störungen von Satelliten und dem Stromsystem gipfeln können.

Eines der beiden koronalen Löcher hat bereits geomagnetische Aktivität ausgelöst. Messstationen registrierten erhöhte Störwerte, die mit leichten bis moderaten geomagnetischen Stürmen übereinstimmen. Das zweite Loch, noch größer und nahe des Sonnenäquators gelegen, rotiert nun vollständig in Erdposition. Seine Lage ist entscheidend: Äquatornahe koronale Löcher koppeln besonders effizient mit dem Magnetfeld der Erde und können ihre Wirkung über mehrere Tage entfalten.

Hinzu kommt, dass diese Phase nicht isoliert auftritt. Zeitgleich wurden koronale Massenauswürfe (CMEs) beobachtet, die aber nicht auf die Erde gerichtet waren. Hierbei handelt es sich um riesige Wolken aus geladenen Teilchen, die von der Sonne abgestoßen werden. Treffen CMEs auf einen bereits beschleunigten Sonnenwind aus koronalen Löchern, können sich die Effekte verstärken. Fachleute sprechen dann von einer „Stacking“-Wirkung: Die Erde wird nicht einmal, sondern wiederholt und anhaltend getroffen.

Größenabschätzungen anhand von EUV-Sonnenbildern zeigen, dass diese koronalen Löcher mehrere hunderttausend Kilometer breit sind – vielfach größer als die Erde. Es sind gewaltige Strukturen, die eindrucksvoll verdeutlichen, wie aktiv unsere Sonne derzeit ist.

Sol: Neue Sonnenflecken und großes koronales Loch

Neue Sonnenflecken und großes koronales Loch: erhöhte Wahrscheinlichkeit für geomagnetische Stürme und Polarlichter

Die Sonne zeigt sich in den letzten Tagen weiterhin ungewöhnlich aktiv, insbesondere da sie sich in einer Phase abnehmender Aktivität befinden sollte. Die neu entstandene Sonnenfleckenregion AR4316 im Südost-Quadranten sorgt für eine Reihe von C-Klasse-Flares sowie einen stärkeren M1.3-Flare. Die komplexe Magnetstruktur dieser Region, erhöht die Wahrscheinlichkeit stärkerer Sonneneruptionen. Auch die Region AR4317 im Nordost-Quadranten vergrößert sich und stößt gelegentlich C-Klasse-Flares aus.

Koronales Loch

Diese erhöhte Sonnenaktivität spiegelt den fortschreitenden Verlauf des aktuellen Sonnenzyklus 25 wider, der nach seinem Maximum im Jahr 2024 noch immer eine höhere Frequenz von Sonnenflecken und Flares als in ruhigen Phasen aufweist. Dennoch bleibt die derzeitige Aktivität moderat und stellt keine Gefahr für die Erde dar. Dennoch könnten stärkere Sonnenstürme entstehen, die Satelliten und andere elektrisch betriebene Infrastruktur beeinflussen könnten.

Ein besonderes Augenmerk gilt derzeit einem großen koronalen Loch, das der Erde gegenübersteht und schnellen Sonnenwind in Richtung unseres Planeten sendet. Diese Strömung erhöht ab dem 22. Dezember die geomagnetische Aktivität, was bereits von der NOAA mit einer G1-Warnung („leichter geomagnetischer Sturm“) für den 22. und 23. Dezember bestätigt wurde. Solche Ereignisse können in mittleren geografischen Breiten, vor allem ab etwa 45 Grad Nord, zu sichtbaren Polarlichtern führen. Der Sonnenwind aus dem koronalen Loch wird voraussichtlich bis zum 24. Dezember die Erde erreichen und die geomagnetische Unruhe weiter anheizen.

Carrington-Ereignis – Selten, aber nicht ausgeschlossen

Ein häufig diskutiertes Thema im Zusammenhang mit starker Sonnenaktivität ist das sogenannte Carrington-Ereignis von 1859, das bislang stärkste dokumentierte Sonnensturmereignis. Es führte damals zu massiven geomagnetischen Störungen, durchgebrannten Telegraphenleitungen und hellen Polarlichtern selbst in tropischen Regionen. Wissenschaftler schätzen die Wahrscheinlichkeit eines vergleichbaren Ereignisses heute als sehr gering ein, typischerweise weniger als ein paar Prozent pro Jahr, wobei oft 1 Prozent als Faustregel gilt. Dennoch bleibt die Gefahr bestehen, da solche extremen Ereignisse im Verlauf eines starken Sonnenzyklus theoretisch auftreten können. Ein „paar Prozent pro Jahr“ bedeutet aber auch, dass die Wahrscheinlichkeit eines Carrington-Ereignisse pro Jahrhundert bei mehr als 100 Prozent liegt. Somit wäre ein erneuter starker Sonnensturm statistisch gesehen mehr als überfällig.

Würde ein solches Carrington-Ereignis heute eintreten, hätte es weitreichende Folgen für unsere technologische Infrastruktur. Hochspannungsnetze, Satelliten, Navigations- und Kommunikationssysteme, Rechenzentren, könnten massiv gestört oder sogar zerstört werden. Der globale wirtschaftliche Schaden wäre enorm, da viele kritische Systeme abhängig von Elektronik und Stromversorgung sind. Die Folge wären Chaos und Anarchie – extreme Zustände, die sich nicht schnell beseitigen lassen und auf die sich jeder vorbereiten sollte. Zudem könnten Polarlichter in ungewöhnlichen Breitengraden sichtbar werden, was den ernsten Einfluss dieses Naturereignisses verdeutlichen würde.

Zusammenfassend zeigt die Sonne aktuell eine moderate Aktivität mit erhöhter Wahrscheinlichkeit für geomagnetische Stürme der Stufe G1, ausgelöst durch koronale Löcher und aktive Sonnenfleckenregionen. Während ein extrem starkes Ereignis wie ein Carrington-Sturm gegenwärtig unwahrscheinlich ist, bleibt die kontinuierliche Beobachtung der Sonne essenziell, um frühzeitig auf mögliche Gefahren reagieren zu können.

Wintereinbruch: Seltener Eistsunami gefilmt

Wintereinbruch auf der Nordhalbkugel: Blizzard in USA und Eistsunami in Russland

Der aktuelle Wintereinbruch auf Teilen der Nordhalbkugel zeigt eindrucksvoll, wie eng Blizzards, Eisbildung und seltene Naturphänomene wie Eistsunamis miteinander verknüpft sein können – auch wenn sie in sehr unterschiedlichen Regionen der Welt auftreten. Aber da die USA und Russland auch politisch immer weiter zusammenzurücken scheinen bringe ich sie hier auch meteorologisch zusammen.

Im US-Bundesstaat Minnesota führten arktische Luftmassen zuletzt zu ausgeprägten Blizzard-Bedingungen: Starker Wind, Schnee und aufgewirbelte Verwehungen sorgten für Whiteout-Situationen, insbesondere im Nordwesten des Bundesstaates nahe East Grand Forks, wo es zu starken Verkehrsbeeinträchtigungen kam. Solche Ereignisse sind weniger durch extreme Schneemengen geprägt, sondern durch die Kombination aus Wind und lockerem Schnee. Sie markieren oft den Beginn einer intensiven Kältephase, die weitreichende Folgen für Seen und Flüsse haben kann.

Ein direkter Effekt zeigt sich an den Großen Seen im Grenzgebiet zu Kanada. Während sich auf den offenen Wasserflächen zunächst kaum Eis bildet, frieren Uferzonen, Buchten und flache Bereiche relativ schnell zu. Dort können sich bei starkem Wind besondere Phänomene entwickeln: sogenannte Ice Shoves oder Eistsunamis. Dabei schiebt starker Winddruck große Eisfelder plötzlich an Land, wo sie sich stauen und übereinander türmen. Besonders bekannt ist das vom Lake Erie oder Lake Superior. Die entstehenden Eiswälle können mehrere Meter hoch werden und Schäden an Infrastruktur verursachen. Hier demonstriert die Natur ein eindrucksvolles Zusammenspiel aus Meteorologie und Physik.

Ein ähnliches, aber dynamischeres Bild liefert aktuell Sibirien, konkret der Turka-Fluss in der Republik Burjatien. Dort filmten Einheimische einen spektakulären „Eistsunami“, bei dem große Eisblöcke schlagartig flussabwärts gedrückt wurden und eine Eiswelle bildeten. Ursache ist hier meist ein Eisstau, der sich löst: Wasser staut sich unter dem Eis, der Druck steigt, bis sich die Eismassen abrupt lösen und flussabwärts rasen. Anders als an Seen wirkt hier zusätzlich die Strömung des Flusses als antreibende Kraft.

Ob Blizzard in Minnesota, Eisbewegungen an den Großen Seen oder Eis-Tsunamis in Sibirien: Allen Phänomenen gemeinsam ist ein instabiles Gleichgewicht zwischen Kälte, Wasser und Wind. Sie zeigen, dass Winter nicht nur Stillstand bedeutet, sondern hochdynamische Prozesse hervorbringt, die oft spektakulär, manchmal gefährlich sein können und immer ein Hinweis auf die enorme Energie liefern, die im gefrorenen System Erde steckt.

Dinosauerier-Fußspuren in den Alpen und Anden

Riesige Dinosaurier-Fährtenfunde: Vom jungen Alpengebirge bis zu Boliviens Urzeitstrand

Im Dezember 2025 sorgten gleich zwei paläontologische Entdeckungen für weltweites Aufsehen: Im Nationalpark Stilfserjoch wurden an einem fast senkrechten Felsabhang Hunderte Meter von Dinosaurier-Fußabdrücken aus der späten Trias freigelegt. Entdeckt vom Naturfotografen Elio Della Ferrera im September 2025, zeigen die Spuren Prosauropoden, frühe langhalsige Pflanzenfresser, die vor etwa 210 Millionen Jahren in einer tropischen Küstenlandschaft lebten. Nur wenige Wochen zuvor wurde ein ähnlicher Fund vom Ostrand der bolivianischen Anden bekannt.

Was diese Fundstätte in den Alpen besonders faszinierend macht, ist nicht nur die außergewöhnliche Menge der Spuren, sondern auch die Lage – heute sind sie in den hochalpinen Dolomiten zu finden, nahe einer schräg aufragenden Bergspitze. Dieser spektakuläre Umstand ist das Ergebnis jahrmillionenlanger tektonischer Prozesse. Die einst flachen Küstenregionen, in denen die Dinosaurier ihre Spuren hinterließen, wurden im Zuge der Alpenfaltung, die vor rund 30 Millionen Jahren begann, emporgehoben und gefaltet. So sind heute die uralten Abdrücke an fast senkrechten Felswänden sichtbar – ein beeindruckendes Fenster in die frühe Dinosaurierzeit.

Nur wenige Tage vor dieser Meldung wurde eine weitere außergewöhnliche Fundstätte bekannt: Im Torotoro-Nationalpark in Bolivien entdeckten Wissenschaftler eine der größten zusammenhängenden Ansammlungen von Dinosaurier-Fußabdrücken weltweit – rund 16.600 Abdruckstellen aus der Oberkreide, also vor etwa 70 Millionen Jahren. Diese Spuren stammen damit aus der Endzeit der Dinosaurier, kurz vor ihrem Aussterben. Die Fundstelle zeugt von einer Küsten- und Seeuferlandschaft, in der hauptsächlich Theropoden, zweibeinige Raubsaurier, unterwegs waren. Besonders beeindruckend sind die zahlreichen Schwimm- und Schleifspuren, die Einblicke in das Verhalten und die Lebensweise dieser Tiere geben.

Während beide Entdeckungen gigantische Dimensionen haben und durch ihre Vielzahl an Abdruckstellen einen tiefen Einblick in das Verhalten von Dinosauriern ermöglichen, trennen sie Welten in zeitlicher und biologischer Hinsicht. Die italienischen Spuren repräsentieren eine frühe Entwicklungsphase der Dinosaurier, als Prosauropoden die Landschaften dominierten und die ersten Schritte auf zwei Beinen machten. Die bolivianischen Spuren hingegen stammen aus der Blütezeit der Theropoden, jener Gruppen, aus denen die berühmten Raubsaurier wie Tyrannosaurus rex hervorgingen.

Geologisch spiegeln die Funde auch die wechselvolle Erdgeschichte wider: Die Alpen sind ein junges Faltengebirge, dessen Entstehung die uralten Spuren an steilen Bergflanken konserviert hat. Boliviens Fundort hingegen liegt in einer stabileren, tropischen Region Südamerikas, wo Sedimente aus der späten Kreidezeit gut erhalten sind.

Kältewelle in Kanada und ein Bombenzyklon über dem Atlantik

Arktische Kältewelle in Kanada, Schnee in New York und ein Bombenzyklon über dem Atlantik

In der letzten Woche sorgte eine außergewöhnliche Kältewelle in Kanada für Schlagzeilen. Im Yukon wurden ungewöhnlich früh im Jahr Temperaturen von bis zu minus 53 Grad Celsius gemessen. So tiefe Temperaturen so früh im Winter wurden seit Jahrzehnten nicht mehr erreicht. Ursache dieser extremen Kälte ist ein starker Ausbruch arktischer Luftmassen, die sich infolge einer Störung des sogenannten Polarwirbels weit nach Süden ausgebreitet haben. Zu allem Überfluss bildete sich nun ein Bombenzyklon über dem Nordatlantik.

Der Polarwirbel ist ein großräumiges Luftstromsystem in der Stratosphäre über der Arktis. Normalerweise hält er die kalte Luft gebündelt über dem Polargebiet. Wird der Wirbel durch atmosphärische Störungen, wie aufsteigende Rossby-Wellen oder plötzliche Stratosphärenerwärmungen, geschwächt oder sogar gespalten, können große Mengen kalter Luft aus der Arktis nach Süden entweichen, so wie es aktuell in Nordamerika der Fall ist. Dies führt zu extrem niedrigen Temperaturen in Kanada und Teilen der USA.

Während Kanada von dieser bitterkalten Luft regelrecht „überrollt“ wird, sind auch die USA von den Folgen betroffen. Besonders in der Region der großen Seen und um New York – wo uns dieser Tage traumhafte Bilder der verschneiten Skyline erreichten- sorgten die eisigen Luftmassen zusammen mit feuchter Seeluft für starke Schneefälle. Die Kombination aus kalter Luft und Feuchtigkeit ist ein typisches Rezept für Schnee, weshalb Städte an der Ostküste wiederholt von Winterstürmen heimgesucht wurden und werden.

Aktuelle Entwicklung: Entstehung eines mächtigen Bombenzyklons

Die Aufspaltung des Polarwirbels spielt auch bei der jüngsten Entstehung eines gewaltigen Bombenzyklons im Nordatlantik eine zentrale Rolle. Die arktische Kaltluft, die aus Kanada und dem Nordosten der USA in den Nordatlantik strömt, trifft dort auf vergleichsweise warme Atlantikwasserflächen. Dieser starke Temperaturunterschied führt zu einer explosiven Intensivierung eines Tiefdruckgebiets vor Neufundland, dessen Luftdruck bereits auf rekordverdächtige Werte von etwa 930 mbar gefallen ist. Solche schnell sich vertiefenden außertropischen Zyklone werden als Bombenzyklone bezeichnet und können heftige Stürme und starke Niederschläge verursachen.

Dieser Zyklon ist ein direktes Ergebnis der aktuellen Polarwirbel-Störung und der damit verbundenen Kaltluftausbrüche. Er beeinflusst das Wetter entlang der nordamerikanischen Atlantikküste und kann auch das weitere Wettergeschehen in Europa mitbestimmen. Die Kombination aus Polarwirbel-Schwäche, arktischer Kälte und dem Nordatlantik-Bombenzyklon zeigt eindrucksvoll, wie eng diese Wetterphänomene miteinander verknüpft sind.

Obwohl Europa derzeit meist mildere Temperaturen erlebt, beobachten Meteorologen die weitere Entwicklung genau, da eine anhaltende Schwächung des Polarwirbels auch in Europa kalte Winterphasen wahrscheinlicher macht. Das aktuelle Sturmtief des Bombenzyklons hält auf Skandinavien zu und wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch das Wetter bei uns in den nächsten Tagen beeinflussen.