
Kilauea entfacht Episode 47: Lavafontänen schießen bis zu 200 Meter in den Himmel
Am Gipfel des hawaiianischen Vulkans Kilauea hat sich am Donnerstag abermals ein gewaltiges Naturschauspiel entfaltet: Die lang erwartete Lavafontänen-Episode 47 der anhaltenden Halemaʻumaʻu-Eruption begann am 14. Mai um 15:27 Uhr Ortszeit (HST). Sie entwickelte sich innerhalb weniger Stunden zu einer kraftvollen Lavafontänenphase mit Aschewolke, Tephrafall und einem kleinen Tornado.
Schon in den frühen Morgenstunden des 14. Mai hatten Vulkanologen des Hawaiian Volcano Observatory (HVO) die typischen Vorzeichen einer beginnenden Eruptionsepisode registriert. Gegen 2:57 Uhr setzte der erste Lavaüberlauf am südlichen Förderschlot ein. Im Verlauf des Vormittags wurden mehr als 40 kleinere Überläufe beobachtet – ein Muster, das bereits frühere Episoden angekündigt hatte. Gleichzeitig blieben vulkanischer Tremor und Bodenneigung zunächst stabil.
Am Nachmittag beschleunigte sich die Entwicklung: Um 15 Uhr begannen sich erste Dome-Fontänen am nördlichen Schlot zu bilden, ehe die eigentliche eruptive Phase offiziell um 15:27 Uhr einsetzte.
Die Höhe der Lavafontäne entwickelte sich relativ schnell, wobei es bei den Vorgängern auch noch schnellere Eskalationen gab. Um 16 Uhr erreichten die Fontänen eine Höhe von 60 Metern, wenig später waren es mehr als 100 Meter. Gegen 17:23 Uhr meldete das HVO eine Höhe von etwa 200 Metern, was sich als Höhepunkt der Episode darstellen sollte. Selbst Stunden später blieb die Aktivität hoch: Um 20:50 Uhr – dem Zeitpunkt, an dem dieser Artikel verfasst wurde – schleuderte der Nordschlot weiterhin Lava bis auf 100 Meter Höhe.

Anders als bei den Episoden, bei denen die Lavafontäne über 300 m hoch aufstieg, wurde diese nicht senkrecht ausgestoßen, sondern leicht schräg. Die Fontäne beschrieb einen leicht geneigten Bogen, wodurch die tonnenschwere Tephra mit besonders viel Kraft auf den Boden aufschlug. In der Folge entstand ein Gegenstrom aus leichter Tephra, die vom Boden wieder aufstieg und teils höher aufstieg als die ursprüngliche Fontäne. Dabei wurden teils dichte Aschewolken aufgewirbelt, die größere Schlacken enthielten. Sie drifteten mit dem Wind in Bereiche außerhalb des Halemaʻumaʻu-Kraters Bemerkenswert auch ein kleiner Tornado in der Nähe des nördlichen Stroms, der durch Windscherung infolge der heißen Gase entstand.
Die Lava emittiert eine extreme Wärmestrahlung, die von den MODIS-Satelliten registriert und bei MIROVA publiziert wird. Heute Morgen wurde eine Leistung von mehr als 14300 MW angezeigt – ein selten gemessener Wert, der für enorme Lavamengen spricht, die sich über dem Boden des Halemaʻumaʻu-Kraters bewegen und von der Lavafontäne gespeist werden.
Durch die Eruption entwickelte sich auch eine Eruptionswolke aus grober Tephra und feiner Asche. Laut National Weather Service erreichte die Aschewolke Höhen von bis zu 20.000 Fuß (ca. 6.100 Meter) über dem Meeresspiegel, die sich mit etwa 28 km/h nordostwärts bewegte. Das Washington- VAAC gab kurz darauf eine Warnung vor Vulkanasche bis Flughöhe 200 aus. Für die Luftfahrt gilt der Farbcode Orange, während die Vulkanwarnstufe auf „Watch“ bleibt.
Die Windverhältnisse sorgten für ein komplexes Verteilungsmuster der vulkanischen Partikel. Bodennah wurden Gase und Tephra überwiegend nach Südwesten verfrachtet. In größeren Höhen drehten die Winde, sodass feine Asche und sogenannte Pele-Haare auch nordöstlich des Gipfels niedergehen konnten. Bei Peles-Haaren handelt es sich um vulkanische Glasfasern, die sich an langgezogenen Schmelztropfen bilden. Feldteams berichteten von feiner Asche und Pele-Haaren in den Mauna Loa Estates, rund sieben Kilometer ostnordöstlich des Förderschlotes. Selbst im Ort Volcano wurde leichter Ascheniederschlag registriert.
Trotz der Intensität blieben ernste Auswirkungen des Ausbruchs auf den Halemaʻumaʻu-Krater im Hawaii-Volcanoes-Nationalpark begrenzt. Die Behörden erinnern daran, dass der Bereich rund um den Krater seit 2007 gesperrt ist – nicht zuletzt wegen plötzlicher Einstürze und Steinschläge während eruptiver Phasen.
Wie lange Episode 47 andauern wird, bleibt offen. Die meisten Fontänenepisoden seit Beginn der aktuellen Aktivitätsserie Ende Dezember 2024 dauerten allerdings weniger als einen Tag. Die Deflation ist bereits weit fortgeschritten und etwa 3/4 der vorher angesammelten Bodenhebung sind bereits wieder abgebaut.











