Island: Erdbebenaktivität am 11. September

Erdbeben auf Island verteilen sich über die gesamte Insel

Die Erdbebenaktivität auf Island bewegt sich weiterhin auf einem mittelhohen Niveau, und die IMO-Shakemap ist entsprechend relativ bunt: Innerhalb von 48 Stunden wurden mehr als 100 Beben registriert, die sich auffallend homogen über die bekannten Erdbebenzonen Islands verteilen, ohne ausgeprägte Erdbebenschwärme zu bilden. Das stärkste Beben der letzten Stunden hatte eine Magnitude von 2,7 und manifestierte sich an der Tjörnes-Fracture-Zone vor der Nordküste Islands. Während die Erdbebentätigkeit hier nichts Ungewöhnliches ist, finde ich die anhaltende Seismizität in der Krafla-Region durchaus bemerkenswert.

Island. © IMO

Weiter südlich liegen der Tafelvulkan Herdubreid und die Caldera Askja, wo die Seismizität in den letzten Tagen ebenfalls erhöht ist. Während die Bodenhebung an der Messstation OLAC, die ziemlich im Zentrum der Askja-Caldera liegt, zum Erliegen gekommen ist, verzeichnet die Messstation JONC im Norden des Gebiets eine anhaltende Hebung, die aller Wahrscheinlichkeit nach durch sich im Untergrund akkumulierende magmatische Fluide verursacht wird.

Ein weiterer interessanter Bebenspot ist der Gletscher Vatnajökull, unter dem sich mehrere Zentralvulkane befinden. Hier konzentriert sich die Bebentätigkeit weiterhin auf Bárðarbunga und Grímsvötn. An beiden Vulkanen gibt es anhaltende Bodenhebungen, die allerdings aufgrund der Eisbedeckung schwer zu quantifizieren sind. Die Bodenhebungen verlaufen relativ langsam und sind keine Anzeichen für unmittelbar bevorstehende Eruptionen.

Anhaltende Erdbebentätigkeit wird auch im Süden Islands registriert, etwa in dem Gebiet zwischen Torfajökull und Hekla, während es im Westen der Insel weiterhin am Langjökull und am Grjótárvatn bebt.

Auf der Reykjanes-Halbinsel im Südwesten ereigneten sich die meisten Beben im Krýsuvík-System und vor der Küste bei Reykjanestá. Im Svartsengi-System ist es nach wie vor auffällig ruhig, obgleich die Bodenhebung weiterhin konstant anhält und sich im Untergrund Magma ansammelt. Die Gefahr eines Vulkanausbruchs ist also noch nicht gebannt.

Island: Erhöhte Erdbebenaktivität bei Grindavik registriert

Erdbebenaktivität bei Grindavík auf Island auf dem höchsten Stand seit Monaten – Bodenhebung geht weiter

In den vergangenen Wochen ist es um Grindavík und das Svartsengi-Gebiet auf Reykjanes relativ ruhig bestellt gewesen. Besonders aus seismischer Sicht gab es wenig zu berichten: Zwar wurden immer wieder sporadische Erdbeben registriert, doch angesichts der anhaltenden Bodenhebung durch die Magmaansammlung in dem Gebiet waren es vergleichsweise wenige. In den letzten 48 Stunden manifestierten sich jedoch gleich zehn schwache Erschütterungen, von denen die meisten zwischen Grindavík und Þorbjörn verortet wurden.

Grindavik. © IMO

Die Magnituden der Erschütterungen waren gering und lagen im Bereich der Mikroseismizität. Genaue Werte sind der neuen IMO-Karte leider nicht zu entnehmen, das Gleiche gilt für die Herdtiefen. Doch dass überhaupt Beben festgestellt wurden, ist bemerkenswert, denn in den letzten Wochen konnte man den Eindruck gewinnen, dass das Bodenhebungsgebiet seismisch weitgehend inaktiv ist bzw. sich hier eine seismische Lücke bildet, während es an den benachbarten Risssystemen durchaus Erdbeben gab und gibt.

Aktuell sind die Erdbeben noch nicht zahlreich genug, um daraus auf einen baldigen Ausbruch zu schließen. Doch vor den anderen Vulkanausbrüchen entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe steigerte sich die Erdbebentätigkeit bereits einige Tage vor den Ereignissen, ähnlich wie wir es aktuell beobachten. Die Vulkanologen des IMO halten nach wie vor einen Vulkanausbruch für ein wahrscheinliches Szenario. Seit die Bodenhebung vor mehr als einem Jahr einsetzte, haben sich schätzungsweise 30 Millionen Kubikmeter Magma angesammelt, die auf eine Eruption warten.

Neben der Mikroseismizität bei Grindavík gab es gestern Mittag einen Erdbebenschwarm mit deutlich energiereicheren Erschütterungen, der sich südwestlich des vulkanischen Felsens von Eldey ereignete. Während Schwarmbeben direkt vor der Küste bei Reykjanestá eventuell mit der Magmaakkumulation bei Svartsengi zusammenhängen könnten, ist dies für das weiter entfernte Offshore-Gebiet bei Eldey eher unwahrscheinlich. Hier sind wahrscheinlich tektonische Kräfte entlang der divergenten Naht zwischen Nordamerika und Europa am Wirken.

Island: Gletscherlauf am Myrdalsjökull am 20. August

Erdbeben und Schmelzwasserablauf unter dem Mýrdalsjökull auf Island

Unter dem Mýrdalsjökull im Süden Islands wurde in den letzten Tagen eine erhöhte Erdbebenaktivität detektiert, die als Indiz für einen sich zusammenbrauenden Gletscherlauf interpretiert werden kann. Neben der Erdbebenaktivität wurden gestern auffällige Veränderungen im Schmelzwassersystem des subglazialen Vulkans Katla festgestellt. Die IMO-Forscher registrieren im Fluss Múlakvísl eine ungewöhnlich hohe elektrische Leitfähigkeit des Wassers. Gleichzeitig wurden im Bereich Láguhvolar, etwa zwei Kilometer vom Kötlujökull entfernt, erhöhte Konzentrationen von Schwefelwasserstoff (H₂S) gemessen und auch gerochen. Zeitweise lagen die Werte über den Grenzwerten. Das IMO warnt deshalb davor, sich den Ufern und dem Austrittsbereich des Flusses am Gletscherrand zu nähern.

Tremor © IMO
Die erhöhte Leitfähigkeit deutet auf einen verstärkten Zustrom geothermisch beeinflussten Wassers hin. Auch die Seismizität unter dem Mýrdalsjökull bzw. der Katla ist weiterhin vorhanden. Solche Schwankungen sind bei Katla allerdings nicht ungewöhnlich und treten insbesondere während der sommerlichen Schmelzsaison auf. Sie können mit der Entwässerung geothermal erhitzten Schmelzwassers zusammenhängen und sind nicht automatisch ein Anzeichen für einen bevorstehenden Vulkanausbruch.

Ein größerer Gletscherlauf ist derzeit jedoch nicht bestätigt. Entscheidend ist, dass der Wasserstand der Múlakvísl bislang nicht entsprechend stark angestiegen ist.

Bodenhebung bei Svartsengi geht langsam weiter

Bodenhebung © IMO

Auf der Reykjanes-Halbinsel hält die Bodenhebung bei Svartsengi weiter an. Dem jüngsten IMO-Update zufolge steigt das Gelände langsam, aber kontinuierlich an. Die neusten Modellrechnungen zeigen, dass sich seit dem Beginn des letzten Ausbruchs im Juli 2025 inzwischen gut 29,1 Millionen Kubikmeter Magma unter Svartsengi angesammelt haben. Die seismische Aktivität entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe und bei Grindavík bleibt dagegen niedrig.

Damit lädt sich das Magmenreservoir weiter auf. Das IMO hält eine erneute Magmenintrusion in Richtung der Sundhnúkur-Kraterreihe und möglicherweise einen weiteren Ausbruch weiterhin für das wahrscheinlichste Szenario. Eine akute Intrusion zeichnet sich derzeit jedoch nicht ab.

Island: Schwarmbeben am 11.08.2026

Erdbebenaktivität auf dem Reykjanes-Rücken – Bodenhebung geht weiter

Am Dienstag, 11. August 2026, hat sich auf dem Reykjanes-Rücken südwestlich von Island ein moderates Erdbeben ereignet. Nach IMO-Angaben wurde um 08:40 Uhr Ortszeit ein Beben der Magnitude Mb 3,3 registriert. Das Epizentrum lag 30 Kilometer südwestlich von Reykjanestá, der südwestlichsten Spitze der Reykjanes-Halbinsel, die für ihren markanten Leuchtturm bekannt ist. Das Hypozentrum lag in ca. 10 km Tiefe.

Island. © IMO

Das Beben war Teil eines Schwarmbebens aus ca. 30 Erschütterungen. Bereits um 08:32 Uhr wurde ein Beben der Magnitude M2,3 registriert. Das IMO weist darauf hin, dass Erdbeben auf diesem Abschnitt des Reykjanes-Rückens häufig auftreten und Menschen normalerweise nicht gefährden.

Tektonisch befindet sich das Gebiet in einer besonders aktiven Zone des Mittelatlantischen Rückens. Hier driften die nordamerikanische und die eurasische Platte auseinander. Der mittelozeanische Rücken tritt im Bereich Islands an die Oberfläche und setzt sich südwestlich der Insel unter dem Atlantik fort. Die Dehnung der Erdkruste wird durch zahlreiche Störungen und Erdbeben aufgenommen. Das Reykjanes-Gebiet ist deshalb auch unabhängig von den jüngsten vulkanischen Ereignissen auf der Halbinsel seismisch aktiv.

Die aktuelle Aktivität liegt auf dem Reykjanes-Rücken und damit deutlich westlich der vulkanisch aktiven Zone bei Grindavík und der Sundhnúkur-Kraterreihe. Ein einzelnes M3,3-Beben mit anschließenden Nachbeben stellt daher zunächst keinen Hinweis auf einen unmittelbar bevorstehenden Vulkanausbruch dar. Allerdings zeigen wiederkehrende Schwarmaktivitäten, dass sich die tektonischen Spannungen in dieser Region regelmäßig durch Serien kleiner und moderater Erdbeben abbauen.

Die Bodenhebung im Svartsengigebiet geht praktisch unverändert auf niedrigem Niveau weiter. Ob der Druckaufbau reicht, um zeitnah eine neue Eruption auszulösen, ist ungewiss. IMO-Vulkanologen halten einen Ausbruch bei Sundhnukur nach wie vor für ein wahrscheinliches Szenario.

Die meisten Islandreisenden dürften sich aktuell allerdings mehr für die Sonnenfinsternis am 12. August interessieren, wo im Westen Islands Totalität herrscht. Leider sind die Wetteraussichten für morgen Abend nicht besonders gut. Es könnten sich im äußersten Nordwesten an einigen Orten allerdings Wolkenlücken auftun.

Island: Erdbebenschwarm erschüttert Katla Anfang August

Schwarmbeben unter der Katla – 28 Beben innerhalb von zwei Tagen

Unter einem der gefährlichsten Vulkane Islands ereigneten sich in den letzten 2 Tagen 28 Erdbeben. Das Stärkste hatte eine Magnitude von 2,7 und manifestierte sich auf dem Niveau des Meeresspiegels, der sich gut 1500 m unterhalb des Gletschers Myrdalsjökull befindet, der den großen Zentralvulkan bedeckt. Das Epizentrum des Bebens wurde 4,0 km nordöstlich von Goðabunga verortet. Der Erdstoß ereignete sich am Sonntagabend um 17:54:34 Uhr UTC. Das jüngste Beben der Serie wurde heute Morgen registriert. Der Erdbebenschwarm könnte sich fortsetzen.

Katla

In den letzten Monaten wurde eine kontinuierlich erhöhte Seismizität unter Myrdalsjökull und Katla registriert, was nach Meinung vieler Geowissenschaftler auf eine erhöhte hydrothermale und evtl. auch magmatische Aktivität des Vulkans zurückzuführen ist. Katla steht schon seit Jahren im Fokus von Wissenschaft und Zivilschutz, da ein größerer Ausbruch des Vulkans befürchtet wird. Seit Juni zeigt der GNNS-Sensor AUST auf dem Gletscher eine steil verlaufende Bodenhebung von ca. 50 mm, doch ob sie durch Magma hervorgerufen wird, ist unsicher. Vielmehr könnte es sich um Schmelzwassersammlungen unter dem Eis handeln, die sich bald in einem Gletscherlauf entleeren könnten. Solche Gletscherläufe ereignen sich immer wieder und stellen eine Gefahr entlang der entwässernden Flussläufe am Gletscher dar.

Im Bodenhebungsgebiet von Svartsengi gab es erneut vereinzelte Erdbeben. Die Messungen zur Bodenhebung zeigen an einigen Stationen nahe des Geothermalkraftwerks Svartsengi eine leichte Bodenhebung an. Auffällig ist, dass es an den weiter südlich gelegenen Messpunkten in den letzten Tagen zu einer deutlichen Subsidenz, sprich Bodenabsenkung, gekommen zu sein scheint. Das betrifft vor allem die Stationen im Bereich von Grindavík. Damit einher geht eine horizontale Bodenverschiebung in Richtung Osten. Ob es sich um Messfehler handelt oder um tatsächliche Bodenbewegungen, wird sich erst in einigen Tagen bestätigen.

Ob es in dem Gebiet zu einer weiteren Eruption kommen wird, ist unklar, obgleich die IMO-Vulkanologen das immer noch als ein wahrscheinliches Szenario in Betracht ziehen. Das nächste Naturschauspiel, auf das man sich auf Island vorbereitet, ist die totale Sonnenfinsternis am 12. August, die von den Westfjorden aus zu sehen ist. Flüge nach Island sind zu diesem Termin bereits seit Monaten ausgebucht.

Island: Erdbebenschwarm vor Reykjanes am 01.08.26

Weiteres Schwarmbeben bei Reykjanestá vor Reykjanes auf Island – 86 Erdbeben innerhalb weniger Stunden

Auch wenn das alles bestimmende Thema heute das Erdbeben bei Pozzuoli in den italienischen Campi Flegrei ist, versorge ich euch noch mit weiteren Nachrichten, die eine gewisse Relevanz zum Erdgeschehen haben. Eine dieser Nachrichten bezieht sich auf einen erneuten Erdbebenschwarm wenige Kilometer vor der Südwestspitze der isländischen Reykjanes-Halbinsel, wo sich innerhalb von 48 Stunden 86 Erdbeben ereigneten. Die meisten fanden heute Nacht statt und konzentrieren sich in einem Cluster, der zwischen 4 und 7 Kilometern südwestlich von Reykjanestá mit seinem markanten Leuchtturm liegt. 

Island. © IMO

Genau dort trifft das Reykjanes-Rift als Fortsetzung des Mittelatlantischen Rückens auf Island und erhebt sich von den Tiefen des Atlantiks, um sich im Osten von Reykjanes in 2 Arme aufzuteilen und Island zu queren, um im Bereich der Tjörnes-Fracture-Zone wieder in den Atlantik abzutauchen und dort den Kolbeinsey-Rücken zu bilden. Entlang der beiden Arme des Rifts liegt nicht nur die kontinentale Naht zwischen Europa und Nordamerika, sondern auch die beiden vulkanischen Hauptzonen Islands.

Viele der Erdbebensignale des Schwarms haben eine Signalqualität von 50 % und wurden noch nicht von einem Seismologen überprüft, weswegen nur ein Teil der Erdbeben in der neuen Erdbebenkarte des IMO auftaucht.  Dort ist aber zu sehen, dass es im Bereich von Svartsengi 2 schwache Erschütterungen gab, die nicht in der wohlbekannten Shakemap zu finden sind. Die jüngsten GNSS-Messungen zeigten hier eine Stagnation der Bodenhebung, doch vermutlich handelt es sich wieder um Abweichungen der Satellitenbahnen, die noch korrigiert werden müssen. Generell ist es erstaunlich, wie stabil die Satelliten ihre Orbits einhalten: Nicht erkannte Schwankungen von nur wenigen Millimetern bedingen ungenaue Messungen zur Bodenhebung, denn diese basieren auf dem Abstand der Satelliten zur Erdoberfläche. Ich gehe also davon aus, dass die Bodenhebung bei Svartsengi unverändert anhält.

Island: Erhöhte Erdbebenaktivität bei Grindavik

Erhöhte Erdbebenaktivität bei Grindavík und Erdbebenschwarm vor Reykjanestá auf Island

Auf Island könnte es in den nächsten Stunden oder Tagen wieder spannend werden, denn in den vergangenen zwei Tagen hat die Seismizität im Svartsengi-Gebiet zugenommen. Es wurden zwölf schwache Mikrobeben registriert – die höchste Erdbebenaktivität seit Monaten in dem Bodenhebungsgebiet, in dem vor einem Jahr die bislang jüngste Eruption stattfand. Ganz aktuell läuft zudem ein Erdbebenschwarm vor der Südwestspitze der Reykjanes-Halbinsel, der sich vor der Küste bei Reykjanestá abspielt.

Island. © IMO

Die Mikrobeben im Svartsengi-Gebiet konzentrierten sich auf Grindavík und dessen unmittelbare Umgebung, wo etwa ein halbes Dutzend Erschütterungen registriert wurde. Die übrigen Beben verteilten sich entlang der Sundhnúkagígar. Sie erreichten nur sehr geringe Magnituden und lagen überwiegend in Tiefen um fünf Kilometer. Vermutlich stehen die Beben mit Fluidbewegungen im Zusammenhang. Dass es sich bereits um direkte Vorläufer einer bevorstehenden Eruption handelt, halte ich allerdings für eher unwahrscheinlich. Dennoch können die Beben als Anzeichen des fortschreitenden Druckaufbaus im Magmasystem interpretiert werden, der letztlich in einer Eruption münden könnte.

Auffällig sind weiterhin vermehrte Erdbeben im Bereich des Vulkans Fagradalsfjall und im Krysúvik-System, hier insbesondere am Südostufer des Kleiftarvatn.

Eine weitere, allerdings spekulative Erklärung wäre, dass die beiden relativ starken Erdbeben im Hengill-System und unter dem Barðarbunga, die sich in dieser Woche ereigneten, die Mikrobeben bei Grindavík angeregt haben könnten. Auffällig ist außerdem, dass diese Mikrobeben bislang nur auf der neuen IMO-Shakemap erscheinen und nicht auf der Karte, die direkt über die IMO-Website abrufbar ist.

Beim Erdbebenschwarm vor Reykjanestá verhält es sich genau umgekehrt: Er ist bislang nur auf der altbewährten Shakemap zu sehen, nicht jedoch auf der neuen. Es wäre wünschenswert, wenn beide Karten künftig synchron arbeiten würden. Der Schwarm begann heute Nacht und umfasst bislang zehn schwache Erschütterungen. Auch diese Beben könnten mit der Bodenhebung bei Svartsengi zusammenhängen, denn die Inflation verändert das Spannungsfeld in großen Teilen der Reykjanes-Halbinsel und wirkt sich damit auch auf Bereiche außerhalb des eigentlichen Hebungszentrums aus.

Die jüngsten GPS-Daten zeigen erneut eine Stagnation der Bodenhebung. Bei früheren Gelegenheiten stellte sich meistens heraus, dass die Hebung tatsächlich weiter anhielt und die scheinbare Stagnation – oder in einigen Fällen sogar eine scheinbare Subsidenz – auf Bahnabweichungen der GNSS-Satelliten zurückzuführen war. Andererseits zeigte sich vor den meisten bisherigen Eruptionen tatsächlich eine kurzzeitige Subsidenz, als das Magma begann, seitliche Gänge (Dykes) zu bilden – oft nur wenige Tage oder sogar Stunden vor dem Ausbruch.

In Kombination mit den beschriebenen Erdbeben bei Grindavík, entlang der Sundhnúkagígar-Kraterreihe und vor Reykjanestá erscheint es daher durchaus möglich, dass sich in absehbarer Zeit eine weitere Eruption ereignen könnte. Sollte dies der Fall sein, wären in den nächsten Stunden oder Tagen Druck- und Temperaturänderungen in den Bohrlöchern des Geothermalkraftwerks Svartsengi zu erwarten. Diese Messwerte gelten als deutlich zuverlässigere Indikatoren für eine unmittelbar bevorstehende Eruption als die derzeit noch vergleichsweise schwache Seismizität und der vermeindlichen Stagnation der Bodenhebung.

Island: Deutlich spürbares Erdbeben bei Hengill

Erdbeben der Magnitude 4,1 erschüttert Südwesten von Island – stärkstes Ereignis bei Hengill seit 1998

Ein deutlich spürbares Erdbeben hat in der Nacht zum 27. Juli den Südwesten Islands erschüttert. Nach Angaben des Isländischen Wetteramtes (IMO) ereignete sich der Erdstoß um 00:36 UTC im Gebiet von Nesjavellir nördlich des Hengill-Massivs. Das IMO bestimmte die Magnitude mit 4,1 und die Herdtiefe auf 7,2 Kilometer, während das EMSC eine Magnitude von 3,9 und eine Tiefe von 3 Kilometern angab. Solche Unterschiede in der Analyse von Erdbeben kommen immer wieder vor und sind auf verschiedene Auswertungsmethoden und Datensätze zurückzuführen. Das Beben wurde u.a. in der Hauptstadtregion Reykjavik verspürt.


Hengil-Beben. © IMO

Das als mittelstark einzustufende Erdbeben war in weiten Teilen Südwestislands deutlich zu spüren gewesen. Besonders aus dem Großraum Reykjavík, Mosfellsbær und Hveragerði gingen zahlreiche Wahrnehmungsmeldungen ein. Viele Anwohner berichteten von kräftigen Erschütterungen, die Gebäude vibrieren ließen und Fenster und Geschirr zum Klirren anregten und Möbel schwanken ließen. Schäden wurden zunächst nicht bekannt. Dem Hauptbeben folgte eine Serie schwacher Nachbeben.

Nach Einschätzung des IMO handelt es sich um das stärkste Erdbeben im Gebiet von Nesjavellir seit 1998, als dort ein Beben der Magnitude 4,6 registriert wurde. Das aktuelle Erdbeben war also das stärkste der Region in diesem Jahrhundert. Seismische Aktivität ist hier allerdings nichts Ungewöhnliches. Das Vulkanmassiv Hengill ist mit einem der 5 großen Spaltensysteme der Reykjanes-Halbinsel assoziiert und liegt in der westlichen Vulkanzone Islands, wo sich die Nordamerikanische und die Eurasische Platte auseinander bewegen. Die dadurch entstehenden Spannungen werden regelmäßig entlang zahlreicher Störungen in Form von Erdbeben freigesetzt.

Das Hengill-System zählt zu den aktivsten Vulkansystemen Islands und beherbergt eines der bedeutendsten Geothermalkraftwerke des Landes. Die aktuelle Erschütterung kann sowohl mit den tektonischen Dehnungsprozessen der Riftzone als auch mit dem vulkanisch-hydrothermalen System des Hengill in Zusammenhang stehen. Solche Erdbeben treten häufig auf, ohne dass ihnen eine Eruption folgt. Auffällige Bodenhebungen oder andere Anzeichen eine Magmenakkumulationin der Tiefe werden nicht gemessen.

Interessant ist, dass kurz nach dem Erdbeben bei Hengil ein kleiner Erdbebenschwarm nördlich von Grindavik registriert wurde, der aus 6 Mikrobeben bestand. Die stärkste seismische Aktivität in dem Bodenhebungsgebiet bei Svartsengi. Außerdem gab es eine erhöhte Seismizität in der Fagradalsfjall-Region. Nicht auszuschließen, dass die Erschütterung im Hengil-System diese Beben auslöste und Fluidaufstieg entlang von Rissen bedingte.

Island: Fast 29 Millionen Kubikmeter Magma unter Svartsengi

Bodenhebung unter Svartsengi hält an – Magma sammelt sich weiter unter der Halbinsel Reykjanes auf Island an

Die Bodenhebung im isländischen Svartsengi-Gebiet setzt sich langsam, aber unvermindert fort und inzwischen befindet sich eine Rekordmenge Magma im Speicherreservoir unter dem Geothermalkraftwerk Svartsengi und der Blauen Lagune. Ein Pulverfass, das auf seinen Ausbruch wartet. 

Bodenhebung

Geodätische Messungen zeigen, dass sich die Inflationsrate in den vergangenen Wochen kaum verändert hat. Magma strömt demnach kontinuierlich in das Reservoir unter Svartsengi. Die aktuelle Entwicklung ähnelt den Phasen vor den jüngsten Eruptionen an der Sundhnúkur-Kraterreihe, wenngleich die Hebung inzwischen deutlich länger andauert als bei mehreren der vorherigen Ereignisse. IMO-Modellanalysen haben ergeben, dass sich zwischen 27,5 und 29,1 Millionen Kubikmeter Magma angesammelt haben. Dem Graphen zur Bodenhebung an der Messstation SKSH ist zu entnehmen, dass die Bodenhebung inzwischen 400 mm beträgt. Wahrscheinlichstes Szenario ist eine weitere Eruption bei der Sundhnukur-Kraterreihe.

Seit Dezember 2023 kam es in der Region zu einer Serie von Eruptionen entlang der Sundhnúkur-Spalte. Mehrfach öffneten sich kilometerlange Eruptionsspalten zwischen Stóra-Skógfell und Grindavík. Dabei wurden große Lavaströme gefördert. Zum Schutz gegen die Lavafluten wurden Schutzwälle um die wichtige Infrastruktur bei Grindavík und um die Stadt selbst aufgeschüttet, dennoch wurden sie an einigen Stellen von der Lava überströmt. Grindavík musste zeitweise vollständig evakuiert werden, und auch die Touristenattraktion Blaue Lagune war von Sperrungen betroffen gewesen.

Trotz der anhaltenden Magmenakkumulation gibt es derzeit keine eindeutigen Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch. Die seismische Aktivität bleibt vergleichsweise gering. Doch die IMO-Vulkanologen weisen in ihrem Update darauf hin, dass sich die Situation jederzeit ändern kann. Bei früheren Eruptionen setzte oft erst kurz vor ihrem Beginn Schwarmbeben ein, wenn aufsteigendes Magma Gestein aufbrach und einen Fördergang bildete. So könnte vor einem neuen Ausbruch die Vorwarnzeit nur wenige Minuten betragen.

Die Reykjanes-Halbinsel liegt direkt auf dem Mittelatlantischen Rücken, an dem sich die Nordamerikanische und die Eurasische Platte jährlich um etwa zwei Zentimeter voneinander entfernen. Dieses tektonische Umfeld ermöglicht Magmenaufstiege und erklärt die außergewöhnliche Serie von Spalteneruptionen der vergangenen Jahre.