Erdbeben Mb 3,6 erschüttert Nordende des Hengill-Systems – Magmaakkumulation bei Svartsengi hält an
Am frühen Morgen des 13. Mai wurde um 00:31 Uhr auf der Mosfellsheiði nordöstlich von Reykjavík in Island ein Erdbeben der Magnitude 3,6 registriert. Das Hypozentrum lag nur 800 Meter unter dem Meeresspiegel. Um 07:30 Uhr wurden zwei weitere Beben mit den Magnituden 2,3 und 1,6 detektiert. Die Erdstöße sind Teil eines seit mehreren Tagen andauernden Schwarmbebens am Nordende des Hengill-Spaltensystems. Innerhalb von 48 Stunden wurden insgesamt 20 Erschütterungen registriert.

Nach Angaben des Isländischen Wetterdienstes (IMO), der für Naturgefahren zuständig ist, wurde das Hauptbeben in weiten Teilen der Hauptstadtregion wahrgenommen, unter anderem in Mosfellsbær und im östlichen Reykjavík. Es handelt sich um das stärkste Ereignis in diesem Gebiet seit April 2021, als sich dort ein gleich starkes Erdbeben ereignete.
Die Lage des Epizentrums sowie die außergewöhnlich geringe Tiefe von nur 800 Metern werfen Fragen nach der genauen Ursache auf. Die Mosfellsheiði liegt am nordwestlichen Rand des Hengill-Vulkansystems, einer der aktivsten geothermisch-tektonischen Zonen Islands, in der sich die Reykjanes-Riftzone mit der Südisländischen Transformzone überschneidet. In unmittelbarer Nähe befindet sich zudem das Geothermiekraftwerk Nesjavellir, das seit Jahren heißes Wasser und Strom für die Hauptstadtregion liefert.
Die geringe Herdtiefe nährt die Diskussion, ob das Ereignis zumindest teilweise durch induzierte Seismizität im Zusammenhang mit der Geothermienutzung ausgelöst worden sein könnte. Die Injektion von Wasser in tiefere Reservoirs kann lokal den Porendruck erhöhen und bestehende Störungszonen aktivieren. Zwar sind solche Prozesse im Hengill-System dokumentiert, doch bleibt im aktuellen Fall unklar, ob die Energieentladung tatsächlich direkt durch menschliche Aktivitäten verursacht wurde oder ob sich natürlich aufgebaute tektonische Spannungen entladen haben.
Im Gegensatz zu Nesjavellir löst die weiterhin intensive geothermische Aktivität bei Svartsengi derzeit keine nennenswerten Erdbeben aus – weder induzierte noch vulkanotektonische. Dennoch hält die Bodenhebung weiter an. Laut einem gestern veröffentlichten IMO-Update nähert sich die Magmaakkumulation seit dem Ende der letzten Eruption Anfang August 2025 der Marke von 26 Millionen Kubikmetern.
Die Wissenschaftler bestätigten eine Bodenhebungsrate von 20 Millimetern pro Monat, was einem wert von gut 0,7 Millimetern pro Tag nahekommt.
Die seismische Aktivität bleibt vergleichsweise gering. Lediglich vereinzelt auftretende schwache Erdbeben mit Magnituden bis 2,0 wurden entlang der Kraterreihe Sundhnúkur registriert. Dennoch deuten Modellrechnungen klar auf eine fortgesetzte Magmaakkumulation unter dem System hin.
Die Behörden halten weiterhin die Bildung eines magmatischen Gangs sowie einen möglichen erneuten Ausbruch entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe für das wahrscheinlichste Szenario. Die aktuelle Gefährdungsbeurteilung bleibt unverändert und mindestens bis zum 30. Juni in Kraft, während das Überwachungsteam des IMO die Entwicklung rund um die Uhr beobachtet.











