Island: Rekordmenge an Magma angesammelt

Rekordmenge Magma unter Svartsengi – Vulkanausbruch auf Island bleibt wahrscheinlich

Obwohl sich die Bodenhebung im Bereich von Svartsengi auf Reykjanes in den letzten Tagen weiter verlangsamte, hat sich unter dem Vulkansystem inzwischen mehr Magma angesammelt als je zuvor seit Beginn der aktuellen Eruptionsserie im November 2023. Nach neuesten Modellrechnungen befinden sich inzwischen mehr als 24 Millionen Kubikmeter geschmolzenes Gestein im Magmareservoir – ein Höchstwert im bisherigen Verlauf der Aktivität.

Magmaansammlung

Trotz der derzeit vergleichsweise langsamen Magmazufuhr sehen IMO-Vulkanologen keinen Grund zur Entwarnung. Im Gegenteil: Magmaintrusionen und Vulkanausbrüche entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe gelten weiterhin als wahrscheinlichstes Szenario. Die große Magmamenge erhöht sogar die Möglichkeit, dass ein zukünftiger Ausbruch stärker ausfallen könnte als die bisherigen Ereignisse, sofern das Magma die Oberfläche erreicht.

Ein langsames Wachstum der Magmaansammlung ist nicht unbedingt ungewöhnlich. Ein Blick auf die Krafla-Eruptionsserie zwischen 1975 und 1984 zeigt, dass selbst über mehrere Jahre hinweg geringe Magmazufuhr in einem großen Ausbruch gipfeln kann. Damals verlangsamte sich die Aktivität deutlich, bevor es nach einer dreijährigen Pause 1984 zum größten Ausbruch der Serie kam.

Nach Meinung der IMO-Vulkanologen gilt auch für Svartsengi: Es gibt derzeit keine Hinweise darauf, dass die Eruptionsphase endet. Das Vulkansystem bleibt auf Warnstufe 2 („deutlich erhöhte Aktivität“). Die Wissenschaftler schreiben, dass erst langfristige Veränderungen in den Messdaten eine Entwarnung rechtfertigen würden.

Hinzu kommt, dass Eruptionszyklen auf der Reykjanes-Halbinsel über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte andauern können – mit teilweise langen Ruhephasen zwischen einzelnen Ausbrüchen. Eine vorübergehende Pause bedeutet daher nicht das Ende der Aktivität.

Die weitere Entwicklung bleibt schwer vorhersehbar. Zwar ist die Magmazufuhr derzeit so langsam wie nie zuvor, gleichzeitig ist die gespeicherte Menge größer als je zuvor. Diese Kombination erschwert Prognosen. Klar ist jedoch: Ein erneuter Ausbruch kann nicht ausgeschlossen werden. Behörden überwachen die Lage rund um die Uhr, und kurzfristige Evakuierungen bleiben möglich.

Erdbeben unter Bardarbunga

Während die Seismizität im Bereich von Svartsenig gering bleibt, gab es gestern Morgen unter dem subglazialen Vulkan Bardarbunga ein Erdbeben Mb 3,1 in 1,1 Km Tiefe. Im Bereich des Vatnajökulls wurden 32 Beben innerhalb von 48 Stunden registriert,

Island: Erdbeben südwestlich von Grindavik

Dächer von Grindavik aus dem Südwesten aus gesehen. © Marc Szeglat

Mehrere Erdbeben südwestlich von Grindavik auf Island – Spekulationen um Verlagerung der Aktivität

In den vergangenen Tagen gab es auf der isländischen Reykjanes-Halbinsel häufiger als üblich Erdbeben an der Küste südwestlich von Grindavik. In der vulkanisch geprägten Netzwelt lässt das Spekulationen über eine mögliche Verlagerung der vulkanischen Aktivität in diese Region aufleben. Sie liegt am Randgebiet der magmatisch bedingten Bodenhebung, dessen Zentrum sich unter Svartsengi befindet und seit Oktober 2023 für die Eruptionen und Intrusionen der Sundhnúkur-Kraterreihe verantwortlich ist.

Erdbeben

Der Grund für diese Spekulationen liegt nicht alleine in den Erdbeben, sondern darin, dass die seit Monaten erwartete Eruption bei Sundhnúkur weiter auf sich warten lässt. Es wird vermutet, dass der Untergrund zwischen Svartsengi und der Kraterreihe durch die zahlreichen Magmaintrusionen versiegelt und verhärtet ist, so dass frühere Aufstiegswege des Magmas blockiert sind. Da der Druck im flachen Speicherreservoir unter Svartsengi weiter anwächst, ist es nur logisch, wenn etwaige Schwächezonen entlang von Störungen in andere Richtung nun aktiviert werden. An der Stelle der aktuellen Erdbeben gibt es zwar ein Lavafeld, dieses wurde aber von der Eldvörp-Eruptionsspalte westlich von Svartsengi mit Lava versorgt. Schon früher äußerten sich isländische Vulkanologen dahingehend, dass dieses Spaltensystem als nächstes aktiviert werden könnte, was ins Muster des Westwärtsshifts der Aktivität passen würde.

Wir erinnern uns: Die Eruptionsserie auf Reykjanes begann bereits im März 2021 mit den Vulkanausbrüchen im Fagradalsfjall-Gebiet, das östlich von Svartsengi liegt. Unter diesem Vulkansystem befindet sich wahrscheinlich auch eine große und tiefer liegende Magma-Domäne, von der ausgehend das flacher liegende Reservoir unter Svartsengi und der Blauen Lagune gespeist wird. Theoretisch könnte die Schmelze von hier aus auch nach Osten in das Krysúvik-System migrieren, wofür es auch in den Monaten vor Beginn der Bodenhebung bei Svartsengi Anzeichen gab.

Ob es in dem aktuellen Erdbebengebiet Bodendeformation auftreten ist unklar, denn hier gibt es eine größere Lücke im Messnetz. Die vorhandenen GNSS-Daten zeigten in den vergangenen Tagen bei Svartsengi eine leichte Deflation, doch hierbei könnte es sich um Messfehler handeln.

Tatsächlich rechnen die IMO-Vulkanologen in ihrer Gefahreneinschätzung weiterhin damit, dass es wieder bei Sundhnúkur zu einem Ausbruch kommen wird. Im Prinzip bleibt die Situation dynamisch und wenig vorhersehbar.

Island: Schwarmbeben bei Geirfugladrangur

Zwei Schwarmbeben erschüttern Island bei Geirfugladrangur und Landmannalaugar

Heute ist mal wieder einer jener Tage auf Island, an denen es gleich zu mehreren Erdbebenschwärmen an unterschiedlichen Lokalitäten kommt. Der intensivste Schwarm ist derzeit vor der Westspitze der Reykjaneshalbinsel aktiv und ereignet sich im Seegebiet der kleinen Insel Geirfugladrangur, das ca. 25 Kilometer von der bekannteren Felseninsel Eldey entfernt liegt. Aber Vorsicht, es besteht Verwechslungsgefahr mit einer gleichnamigen Insel, die zu den Westmännerinseln bei Surtsey gehört.

Island. © IMO

Das Schwarmbeben besteht bis jetzt aus mehr als 30 Beben, die sich innerhalb von 48 Stunden zutrugen. Die stärkste Erschütterung hatte heute Mittag eine Magnitude von 2,5 und eine Herdtiefe von 9,4 Kilometern.

Es wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach um tektonische Beben handeln, die sich am divergenten Reykjanes-Ridge zutragen. Einen Zusammenhang mit Fluidaufstieg und den Spannungen durch die Bodenhebungen bei Svartsengi kann nicht völlig ausgeschlossen werden, allerdings halte ich das Gebiet für zu weit entfernt von dem Geothermalgebiet, als dass sich die Hebungen hier auswirken können.

Bei Svartsengi gibt es nach wie vor nur sporadische Erschütterungen. Dafür hält die Bodenhebung relativ konstant an und mittlerweile sollten sich fast 24 Millionen Kubikmeter Magma seit dem Ende der letzten Eruption angesammelt haben. Wie es immer mal wieder vorkommt, tanzen die letzten Messwerte auf und ab, was mit sich ändernden Satellitenbahnen zusammenhängen könnte. Es liegt aber auch im Rahmen des Möglichen, dass die schwankenden Werte eine beginnende Gangbildung signalisieren, so wie es vor früheren Eruptionen bereits vorkam.

Das zweite Schwarmbeben manifestiert sich aktuell bei Landmannalaugar am Nordrand der Torfajökull-Caldera. Hier wurden seit dem Wochenende 9 Erschütterungen mit Magnituden im Bereich der Mikroseismizität festgestellt. In den letzten Wochen gab es hier bereits öfter Erdbeben, die mit Fluidbewegungen im Zusammenhang stehen könnten. Einen unmittelbar bevorstehenden Vulkanausbruch sehe ich hier aber nicht.

Landmannalaugar heißt übersetzt so viel wie „Landmännerbad“, was darauf hindeutet, dass man hier im warmen Wasser eines Flusses baden kann, der von Thermalquellen aufgeheizt wird.

Update 18:00 Uhr: Der Erdbebenschwarm bei Geirfugladrangur verstärkte sich signifikant und die automatische Detektion registrierte zwei Erdbeben Mb 4,4, die kurz hintereinander erfolgten. Die Daten sind vorläufig und könnten korrigiert werden. Die Gesamtzahl der Beben erhöhte sich auf über 100.

Island: Schwarmbeben bei Raufarhólshellir auf Reykjanes

Intensiver Erdbebenschwarm im Südosten von Reykjanes auf Island – mehr als 100 Beben bei Raufarhólshellir

Datum: 18.03.2026 | Zeit: 19:59:35 UTC | Koordinaten: 63.956 ; -21.409 | Tiefe: 3,4 km | Mb 2,5

Am Abend des 18. März begann ein intensiver Erdbebenschwarm im Südosten der isländischen Reykjanes-Halbinsel.  Er manifestierte sich in der Gegend um Þrengslin bei Raufarhólshellir, einem Gebiet, das für gelegentliche Seismizität bekannt ist. Bereits am Dienstagmorgen wurden dort mehrere Erdbeben festgestellt, sodass die IMO innerhalb von 48 Stunden mehr als 100 Erschütterungen bestätigte. Die stärksten Beben erreichten eine Magnitude von 2,5 und könnten in der Umgebung leicht zu spüren gewesen sein. Die Tiefen der Hypozentren schwankten im Bereich um 5 Kilometer.

Raufarhólshellir
Raufarhólshellir

Raufarhólshellir gehört zum Hengill-Spaltensystem, einem der 5 dominierenden Systeme auf Reykjanes, an dem nicht nur die Kräfte der Plattentektonik zerren, sondern dessen tief hinabreichende Risse auch beliebte Aufstiegswege von Magma sind. Entsprechen konzentrieren sich auf diese Zonen die Vulkanausbrüche auf Reykjanes. Bei Raufarhólshellir handelt es sich um die größte Lavatube auf Island, die vor 5200 Jahren im Zuge der Leitahraun-Eruption entstanden ist. Das Schwarmbeben wird vermutlich tektonischen Ursprungs sein, könnte aber durch Spannungen getriggert worden sein, die im Zusammenhang mit Fluidbewegungen stehen. Eine nennenswerte Bodenhebung wird in der Region aktuell nicht registriert, wobei es auch nur wenige GNSS-Stationen dort gibt, die eine engmaschige Überwachung nicht zulassen.

Anders sieht es weiter westlich im Svartsengi-System aus, wo sich die Messpunkte aus bekanntem Anlass mittlerweile gnubbeln. Nachdem es in der letzten Woche so aussah, als ob die Bodenhebung zum Stillstand gekommen wäre, bestätigen die jüngsten Messungen, dass dem nicht so ist. Mittelt man den Graphen und stellt man fest, dass sich der Boden seit Jahresanfang langsam aber stetig hebt. Der Magmazustrom ins flache Speicherreservoir liegt bei etwas mehr als 0,5 Kubikmetern pro Sekunde.

Jüngst meinte IMO-Wissenschaftlerin Kristín Jónsdóttir gegenüber der Lokalpresse, dass mehr Magma im Fördersystem wahrscheinlich gleichzusetzen ist mit einer größeren Eruption. Sie spielte damit auf die 23 Millionen Kubikmeter Magma an, die sich seit Ende August unter Svartsengi angesammelt haben. Sie rechnet in den nächsten Tagen oder Wochen mit einem Ausbruch bei Sundhnúkur.

Island: Mehr als 23 Millionen Kubikmeter Magma im Speicher

Neubewertung der Gefahrenlage bei Svartsengi auf Island bringt nur wenige neue Erkenntnisse – Mehr als 23 Millionen Kubikmeter Lava im Speicher

Heute veröffentlichte das IMO eine neue Gefahrenbewertung für das Svartsengi-Gebiet einschließlich Grindavík, ohne jedoch die seit Wochen bestehenden Hinweise zu ändern. Die Akkumulation von Magma geht langsam, aber stetig weiter. Seit dem Ende des letzten Ausbruchs im August 2025 haben sich inzwischen mehr als 23 Millionen Kubikmeter Magma im flachen Speichersystem angesammelt.

Die Gesteinsschmelze steht unter Druck, der sich am ehesten in Form einer Gangbildung oder einer Eruption abbauen dürfte. Die Vulkanologen rechnen daher weiterhin mit einem Vulkanausbruch oder einer magmatischen Intrusion. Als wahrscheinlichster Ort gilt erneut die Kraterreihe von Sundhnúkur, wo bereits die letzten Ausbrüche stattfanden.

Bodenhebung

Die via GNSS gemessene Bodenhebung ist in den letzten Tagen offenbar zum Stillstand gekommen – etwas, worüber ich in den vergangenen Wochen bereits öfter berichtet habe. Bisher dauerten solche Pausen meist nur wenige Tage. Auch vor den letzten Eruptionen kam es kurz zuvor zu einem Stillstand der Bodenhebung. Wahrscheinlich hatte das Magma bereits begonnen, unterirdisch abzufließen, oder der Gegendruck im flachen Speichersystem war so hoch geworden, dass aufsteigende Schmelze blockiert oder zumindest stark verlangsamt wurde.

Seit Jahresbeginn war der unterirdische Schmelzfluss vergleichsweise gering. Einer neuen IMO-Animation zur Bodenhebung, die zusammen mit der Gefahrenbewertung veröffentlicht wurde, ist zu entnehmen, dass der Magmaaufstieg zuletzt bei etwas mehr als 0,5 Kubikmetern pro Sekunde lag. Das ist ein vergleichsweise niedriger Wert und zugleich der geringste seit Beginn der aktuellen Aktivitätsphase im Oktober 2023.

Auch die Seismizität bewegt sich derzeit auf niedrigem Niveau. Der Untergrund bei Svartsengi befindet sich offenbar in einem Zustand, in dem steigende Spannungen kaum noch Erdbeben auslösen – ein Phänomen, das kürzlich auch eine wissenschaftliche Studie im Zusammenhang mit den Campi Flegrei festgestellt hat. Wahrscheinlich wird es erst wenige Minuten vor der nächsten Eruption zu einer seismischen Krise kommen, was die Vorwarnzeit stark verkürzen würde.

Erdbeben gibt es derzeit jedoch in anderen Regionen Islands. So wurde ein kleiner Erdbebenschwarm bei Raufarhólshellir im Südosten der Reykjanes-Halbinsel registriert, außerdem eine kleine Erdbebenansammlung bei Hafnarfjörður in der Hauptstadtregion. Aufgrund eines Wintersturms, der große Schneemengen brachte, die Lawinengefahr erhöhte und zu Straßensperrungen führte, wird vermutlich nur ein Teil der schwachen Erdbeben von den empfindlichen Sensoren erfasst.

Island: Rekordmenge an Magma unter Svartsengi bestätigt

Neuer Magma-Volumenrekord unter Svartsengi auf Island eingestellt

Die Bodenhebung im Svartsengi-Gebiet auf Island geht weiter und fluktuiert nach einer recht langen Phase der Stabilität ein wenig: In den letzten 2 Wochen hatte es eine leichte Beschleunigung der Bodenhebung gegeben, die laut den Messwerten der letzten 3 Tage aber ins Stocken geraten zu sein scheint. Dennoch hält der langfristige Trend zur Druckbeaufschlagung des Speichersystems an und es wurde mit einem Magmenzufluss von 23 Millionen Kubikmetern seit dem Ende der letzten Eruption vor 217 Tagen ein neuer Rekord aufgestellt.

Bodenhebung

Zu keinem Zeitpunkt seit der initialen Gangintrusion am 9. November 2023 hat sich so viel Magma im flachen Speichersystem akkumuliert wie jetzt. Allerdings war der Magmastrom vom tiefen in den flachen Speicher zu keinem Zeitpunkt geringer als jetzt oder auch nur annähernd so gering. Darum ist es meiner Meinung nach nicht klar, ob die Druckzunahme reicht, um eine Eruption oder Gangbildung anzustoßen. Möglich, dass durch den langsamen Zufluss genug Zeit bleibt, damit sich die Schmelze im Porenraum des umgebenden Gesteins ausbreiten kann, ohne den Schwellwert für Rissbildungen im Gestein zu überschreiten.

Der Geophysiker Benedikt Gunnar Ófeigsson vom Icelandic Meteorological Office erklärt, dass die seismische Aktivität derzeit nicht zunimmt und es keine klaren Anzeichen für einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch in der Kraterreihe Sundhnúkur gibt.

Auch er meint, dass es derzeit unklar ist, ob es zu einem weiteren Ausbruch kommt. Laut Benedikt könnte bereits eine kleine Veränderung einen Ausbruch auslösen, gleichzeitig könnte aber auch eine längere Phase der Unsicherheit bevorstehen.

Zusätzlich wurde in der vergangenen Nacht ein kleiner Erdbebenschwarm südlich der Insel Eldey auf dem Reykjanes-Rücken registriert. Das stärkste Beben erreichte Magnitude 2,7; die Aktivität hat sich inzwischen wieder beruhigt.

Nicht beruhigt hat sich eine muntere Erdbebentätigkeit unter Katla und angrenzenden Bereichen, von der auch die Hekla 2 Beben mitbekam. Einen Vulkanausbruch an einem der beiden Vulkane sehe ich aber noch nicht.

Island: 23 Millionen Kubikmeter Magma unter Svartsengi

Magmaansammlung und Svartsengi steht kurz vor neuem Rekordwert – IMO will Situation neu bewerten

Unter Svartsengi auf Island sammelt sich weiterhin langsam aber stetig Magma an. Seit dem Ende der letzten Eruption vor 211 Tagen haben sich fast 23 Millionen Kubikmeter Magma in dem Bereich angesammelt, in dem sich die Blaue Lagune und das Geothermalkraftwerk Svartsengi befinden. Damit nähert man sich einem neuen Rekord weiter an. Nach Einschätzung der IMO-Forscher wird dieser im Laufe der nächsten Woche eingestellt.

Bodenhebung

Einen Rekord stellt auch das Pausenintervall auf, denn es ist mit Abstand das längste zwischen zwei Eruptionen entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe. Da der Magmenzustrom aus der Tiefe weiter anhält und sich ein immer höherer Druck aufbaut, kündigten die Forscher an, im Laufe der nächsten Wochen eine neue Bewertung der Situation zu veröffentlichen.

Gestern brachten sie aber erst einmal ihrem 14-tägigen Turnus gemäß eine aktualisierte Gefahreneinschätzung heraus, die gegenüber den letzten Wochen unverändert bleibt. Die größte Gefahr einer Eruption sieht man weiterhin entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe.

Trotz des Druckaufbaus bleibt die Erdbebenaktivität in dem genannten Gebiet gering. Die Geschwindigkeit der Bodenhebung beschleunigte sich in den letzten Tagen entgegen des vorherigen Trends leicht und dürfte wieder über 1 Kubikmeter pro Sekunde liegen.

Die stärkste Erdbebenaktivität auf der Reykjanes-Halbinsel konzentrierte sich in den letzten Tagen im Krysúvik-System, dort, wo es bis in den Herbst hinein eine Bodensenkung von gut 50 mm gegeben hat. Diese Deflation ist gestoppt und es gibt einen leichten Trend zur Inflation. Ob diese Trendwende allerdings bedeutet, dass das Kysúvik-System das nächste ist, das auf Reykjanes aktiviert wird, ist ungewiss. Wissenschaftler hatten zu Beginn der Aktivitätsphase auf Reykjanes prognostiziert, dass der Halbinsel eine langjährige Aktivitätsphase bevorstehen könnte, während der es zur Reaktivierung mehrerer Spaltensysteme kommen könnte.

Island: 22 Millionen Kubikmeter Magma angesammelt

Magmaakkumulation unter Svartsengi auf Island setzt sich langsam fort – 22 Millionen Kubikmeter seit letztem Ausbruch angesammelt

Unter der isländischen Reykjanes-Halbinsel sammelt sich langsam, aber stetig Magma an, was den Boden im Gebiet von Svartsengi weiterhin anhebt. Die Hebungsrate hat sich in den vergangenen Tagen weiter verlangsamt, dennoch steuert man auf einen neuen Rekord zu: Seit dem Ende der letzten Eruption im August 2025 hob sich der Boden um rund 300 mm an, und es akkumulierten sich gut 22 Millionen Kubikmeter Schmelze im Untergrund. Damit liegt man sehr nahe am bisherigen Rekord von 22,6 Millionen Kubikmetern. Bedenkt man, dass bei der Eruption nicht die gesamte zuvor angesammelte Schmelze eruptiert wurde, dürfte der Magmenkörper inzwischen sogar Rekordgröße erreicht haben.

Hebung
Bodenhebung

Die Magma-Aufstiegsrate vom tiefen in den flachen Magmakörper hat sich in den letzten Wochen deutlich verlangsamt und liegt nun unter einem Kubikmeter pro Sekunde, genauer bei etwa 0,83 Kubikmetern pro Sekunde. Das ist der niedrigste Zuflusswert seit Beginn der Eruptionen auf Reykjanes im Jahr 2021. Ob dies daran liegt, dass die Magmaansammlung inzwischen so groß ist und zunehmend Widerstand für aufsteigendes Magma bietet, oder ob schlicht weniger Magma verfügbar ist, bleibt Gegenstand von Spekulationen. Klären ließe sich dies erst im Falle einer erneuten Eruption: Wenn sich der Magmenkörper entleert und anschließend neue Schmelze aufsteigt. Bleibt die Aufstiegsrate dann niedrig, wäre das ein Hinweis darauf, dass insgesamt weniger Magma zur Verfügung steht und man davon ausgehen kann, dass die Eruptionsserie bei Sundhnúkur abklingt.

Die Erdbebentätigkeit im Eruptionsgebiet blieb in den vergangenen Tagen gering. Gestern gab es jedoch immerhin zwei Erschütterungen nördlich von Grindavík. Laut Icelandic Meteorological Office gibt es bei Víti, am Nordende einer früheren Intrusion, Schwärme von Mikrobeben, die nicht in den öffentlichen Erdbebenlisten auftauchen. Sie zeugen von wachsenden Spannungen im Untergrund. Die Schwarmbeben der letzten Woche, die sich westlich von Svartsengi manifestierten, übten offenbar keinen Einfluss auf die Aktivität im potenziellen Eruptionsgebiet aus.

Das IMO belässt seine Gefahreneinschätzung in dem gestern veröffentlichten Update unverändert. Als wahrscheinlichstes Szenario gilt weiterhin eine Intrusion oder Eruption bei Sundhnúkur.

Island: Schwarmbeben westlich von Grindavik

Schwarmbeben westlich von Grindavik auf Island – Gut 30 Erdbeben bis jetzt

Heute Morgen manifestierte sich auf der isländischen Reykjanes-Halbinsel ein Schwarmbeben an einer eher ungewöhnlichen Lokation: Seit 08:26:56 Uhr bebt die Erde genau in der Mitte zwischen dem Leuchtturm von Reykjanestá und Grindavík. Die Distanz zwischen den beiden Orten beträgt gut 14 Kilometer. Die Epizentren liegen unter dem Lavafeld Berghraun an der Südküste von Reykjanes und in unmittelbarer Nähe zur Küstenstraße Nesvegur. Die Tiefe der meisten Erdbebenherde liegt bei rund 5 Kilometern. Das stärkste Beben hatte laut IMO eine Magnitude von 2,5 und ein Hypozentrum in 0,6 Kilometern Tiefe.

Island. © VAFRI

Obwohl das Schwarmbeben bislang nicht weiter bedrohlich ist, könnte es mit den Spannungen in der Erdkruste zusammenhängen, die infolge der Magmaakkumulation bei Svartsengi entstehen. Es ist auch möglich, dass sich hier direkt magmatische Fluide entlang von Störungszonen bewegen. Die am nächsten gelegene GNSS-Messstation GEVK westlich von Grindavík zeigt in den letzten Tagen eine leichte Deflation. Es ist also denkbar, dass sich der unterirdische Schmelzfluss verlagert. An der nördlich von Berghraun gelegenen Kraterreihe Eldvörp stoppte die Bodenhebung laut den letzten Messungen jedoch ebenso wie bei Svartsengi. Die nächsten Tage werden zeigen, ob es sich erneut um Messfehler oder um einen neuen Trend handelt.

Über die letzten Monate hinweg verfestigte sich der Trend der Bodenhebung in einem weiten Teil von Zentralisland. An der Messstation KISA hob sich der Boden seit Juli 2025 um bis zu 70 mm. Diese Messstation liegt westlich von Bárðarbunga am Rand des Gletschers Vatnajökull. Aber auch an anderen Stationen rund um den Gletscher Hofsjökull ist eine Hebung von etwa 20 mm festzustellen.

Die Hebung Zentralislands ist unter Wissenschaftlern seit Längerem bekannt, war bis dato aber eher subtil und nahm erst in den letzten Monaten deutlich an Fahrt auf. Es gibt Überlegungen, dass die Hebung mit dem isländischen Mantelplume in Verbindung stehen könnte, dessen aktivster Teil unter dem Vatnajökull mit seinen mächtigen Zentralvulkanen angesiedelt ist.