Italien: Unwetter verursachten Sturzfluten in Vulkanregionen

Sturzfluten durch Unwetter in Kampanien und auf den Äolischen Inseln – Campi Flegrei und Stromboli besonders betroffen

Über weite Teile Italiens zogen seit gestern schwere Unwetter hinweg, die neben Blitz und Donner auch Sturmböen und Starkregen mit sich brachten. Besonders betroffen waren beliebte Urlaubsregionen in Kampanien sowie die Äolischen Inseln, wo sogenannte „Wasserbomben“ (bombe d’acqua) innerhalb kurzer Zeit Überflutungen und Erdrutsche verursachten, die zu erheblichen Verkehrsbehinderungen führten. Auffällig ist die starke Betroffenheit vulkanisch geprägter Regionen wie der Caldera der Campi Flegrei bei Pozzuoli und der Vulkaninsel Stromboli, wo es vor allem die kleine Ortschaft Ginostra traf.

Neapel

In Kampanien kam es nach extremen Regenfällen zu massiven Problemen im Raum Neapel. Auf Ischia und in Pozzuoli unbd Neapel wurden Straßen überflutet; vielerorts verwandelten sich Verkehrswege in reißende Bäche. Auch in Bacoli im phlegräischen Gebiet meldeten die Behörden erhebliche Schwierigkeiten infolge des Starkregens. Die Feuerwehr wurde zu zahlreichen Einsätzen gerufen. Die Kombination aus dichter Besiedlung und den steilen Vulkanhängen verstärkt in den Campi Flegrei die Auswirkungen von Sturzfluten erheblich.

Der Verkehr wurde durch die Unwetter stark beeinträchtigt: Auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke Rom–Neapel kam es zu Verspätungen und Zugausfällen, ebenso im Eisenbahnknoten Neapel. Die Zivilschutzbehörden hielten die gelbe Warnstufe aufrecht und warnten vor weiteren lokal heftigen Gewittern mit Hagel, Blitzschlag und starken Windböen.

Bilder zeigen in den Wassermassen steckengebliebene Fahrzeuge, die vor allem in Senken bis zur Motorhaube in den Fluten versanken, sowie Straßen, die sich in reißende Flüsse verwandelt hatten – Szenen, die mittlerweile fast jeden Sommer mehrfach zu beobachten sind.

Inselvulkan Stromboli von Unwettern getroffen – Ginostra hart getroffen

Ginostra

Auch die Äolischen Inseln nördlich von Sizilien wurden von den Unwettern heimgesucht. Auf Stromboli und insbesondere in der abgelegenen Ortschaft Ginostra lösten die heftigen Regenfälle Hangrutsche aus und sorgten für Erosion entlang von Ablaufrinnen und Böschungen. Geröll und Schlamm gelangten bis ins Meer; zudem wurden Teile von Stützmauern und Treppenanlagen beschädigt. In der Folge kam es zeitweise zur Isolation einzelner Siedlungsbereiche. Verletzte wurden nicht gemeldet, doch Einsatzkräfte waren im unwegsamen Gelände im Einsatz.

Meteorologisch wurden die Unwetter durch unterschiedlich temperierte, feuchte Luftmassen ausgelöst, die über dem Tyrrhenischen Meer aufeinandertrafen. Diese Konstellation begünstigt die Bildung hochintensiver Gewitterzellen mit sehr hohen Niederschlagsraten innerhalb kurzer Zeit.

Die Aktivität der betroffenen Vulkane wurde von den Regenmassen bislang nicht merklich beeinflusst. Langfristig könnte das Hydrothermalsystem der Phlegräischen Felder jedoch auf die zusätzliche Wasserzufuhr reagieren. Dort kam es gestern Morgen außerdem zu Störungen in den Seismogrammen. Auf Stromboli sind gegen 5 Uhr morgens ungewöhnliche Signale im Seismogramm zu erkennen, die möglicherweise auf Erdrutsche zurückzuführen sind.

USA: Unwetter verwüstete Ortschaft und Windanlagenpark

Gewaltiges Unwetter verwüstet Windanlagenpark in South Dakota – schwere Verwüstungen im Ort Highmore

Ein außergewöhnlich heftiges Gewittersystem hat am Morgen des 29. Juni den US-Bundesstaat South Dakota schwer getroffen und eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Besonders betroffen war die Region um die Kleinstadt Highmore im zentralen Teil des Bundesstaates. Dort verursachten zwei bestätigte Tornados, Fallböen und Hagel große Schäden. Betroffen war auch ein Windanlagenpark, vor dem mindestens 20 Windräder beschädigt oder zerstört wurden.



Unwetterfolgen

Verursacht wurden die Unwetter durch ein sogenanntes mesoskaliges konvektives System (MCS), einen großräumigen Gewitterkomplex, der sich über mehrere hundert Kilometer ausdehnen kann. Meteorologen gehen davon aus, dass innerhalb des Systems außergewöhnlich starke Downbursts auftraten. Radaranalysen deuten darauf hin, dass örtlich Windgeschwindigkeiten von bis zu 210 km/h erreicht worden sein könnten. Eine endgültige Bestätigung dieser Werte durch den National Weather Service steht noch aus.

In und um Highmore wurden zahlreiche Gebäude beschädigt oder teilweise zerstört. Stromleitungen knickten um und Bäume wurden entwurzelt, die die Straßen blockierten. Die Aufräumarbeiten begannen unmittelbar nach dem Durchzug der Gewitter. Gleichzeitig wurden die Schäden erfasst und versucht, die Stromversorgung in betroffenen Gebieten wiederherzustellen.

Besonders spektakulär sind die Schäden an einem nahegelegenen Windpark. Nach ersten Berichten wurden mindestens 20 Windkraftanlagen zerstört oder schwer beschädigt. Bilder aus dem Katastrophengebiet zeigen geknickte Türme sowie abgerissene Rotorblätter und zerstörte Generatorengondeln. Die Trümmerteile wurden teilweise über große Entfernungen verstreut.

Meteorologen bezeichnen die Zerstörung von so vielen Windkraftanlagen durch ein einzelnes Gewittersystem als außergewöhnlich. Moderne Windturbinen sind eigentlich für starke Stürme ausgelegt, doch die extremen Fallböen, die möglicherweise noch höhere Windgeschwindigkeiten aufwiesen als gemessen, überschritten offenbar die Belastungsgrenzen mehrerer Anlagen.

Neben den schweren Windschäden wurden im Osten von South Dakota mindestens zwei Tornados bestätigt. Nach bisherigen Erkenntnissen entstand der überwiegende Teil der Verwüstungen aber durch die geradlinigen Sturmwinde des Gewittersystems.

Die genaue Schadenssumme ist noch nicht bekannt. Sie dürfte jedoch in die Millionen gehen und macht das Ereignis zu einem der bemerkenswertesten Unwetter des Jahres in den Vereinigten Staaten.

Deutschland Hitzewelle und Unwetter

Hitzewelle bringt Deutschland ins Schwitzen – Unwetter sorgen für Überschwemmungen und Hochwasser

Deutschland durchlebt eine der markantesten Wetterlagen des Jahres, die einer Omega-Wetterlage geschuldet ist, bei der ein ortsstabiles Hochdruckgebiet mit Zentrum über Spanien warme Wüstenluft aus der Sahara zu uns transportiert. Dadurch steigen die Temperaturen vielerorts auf 35 bis knapp 40 Grad. Die aufgeheizten Luftmassen entladen ihre gespeicherte Energie in zunehmend heftigen Gewittern, die neben Blitzschlag teils heftigen Starkregen mit sich bringen. Besonders betroffen sind Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg sowie Teile Ostdeutschlands, wo Starkregen nebst Sturmböen und lokalen Überschwemmungen zahlreiche Einsätze von Feuerwehr und Rettungskräften ausgelöst haben.

Unwetter

Über Deutschland herrscht derzeit eine großräumige Hochdrucklage, die Teil einer Omega-ähnlichen Blockierung über Europa ist. Dadurch werden atlantische Tiefs umgeleitet und es gelangt sehr warme Luft aus Südwesteuropa nach Mitteleuropa. Diese stammt ursprünglich aus dem Raum Spanien und Nordafrika und wird über Frankreich nach Deutschland geführt. In der Folge dominiert stabiles, sonniges und heißes Wetter mit Gewittern am Rand der Hochdruckzone, wo die aufgeheizte Luft aufsteigt, in größeren Höhen abkühlt und teils explosive Gewitterzellen bildet. Je wärmer die Luft ist, desto mehr Wasserdampf kann sie aufnehmen – und desto größer ist das Potenzial für Starkregen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte daher bereits vor Gewittern mit Hagel, Sturmböen und lokal bis zu 40 Litern Niederschlag pro Quadratmeter in kurzer Zeit.

Besonders dramatisch entwickelten sich gestern Abend und nachts die Lage in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, wo durch Blitzschlag auf einem Zeltplatz gleich 9 Teilnehmer eines Handballturniers verletzt wurden. Zuvor waren Temperaturen von bis zu 38 Grad gemessen worden. Anschließend zogen kräftige Gewitter über Teile des Landes hinweg. Im Rhein-Lahn-Kreis stiegen mehrere Gewässerpegel innerhalb weniger Stunden stark an. Behörden sprachen zeitweise von einem möglichen 50-jährigen Hochwasser. Überflutete Straßen und Keller sowie umgestürzte Bäume lösten zahlreiche Feuerwehreinsätze aus.

Für heute und morgen warnte der DWD in Brandenburg und Berlin vor lokal auftretenden Gewittern mit heftigem Starkregen. So kam es dann auch: In Cottbus standen nach einem Gewitter mehrere Straßenzüge unter Wasser, nachdem die Kanalisation die Wassermassen nicht mehr aufnehmen konnte. Das Stadtfest musste vorübergehend unterbrochen werden. Aus dem Raum Zittau wurden überflutete Straßen, vollgelaufene Keller und zahlreiche Feuerwehreinsätze gemeldet. Gleichzeitig kursierten in sozialen Medien aus dem Berliner Umland Bilder großflächig überfluteter Fahrbahnen.

Klimaforscher weisen seit Jahren darauf hin, dass wärmere Luft mehr Feuchtigkeit speichern kann. Dadurch steigt das Risiko für kurze, aber sehr intensive Starkregenereignisse – selbst während einer Hitzewelle.

Türkei: Starkes Hochwasser im Zentrum des Landes

Überflutungen in der Türkei – starke Zerstörungen und zahlreiche Verletzte

In den vergangenen Tagen haben extreme Regenfälle in der zentraltürkischen Provinz Samsun eine schwere Flutkatastrophe ausgelöst. Besonders betroffen ist der Landkreis Havza östlich von Ankara. Infolge des Starkregens traten mehrere Bachläufe und Flüsse über die Ufer und verwandelten Straßen innerhalb kürzester Zeit in reißende Ströme. Vor allem der Bach Hacı-Osman und der Tersakan-Fluss überfluteten zahlreiche Wohnviertel. Bilder dokumentieren, wie Fahrzeuge von den Fluten mitgerissen wurden, Keller und Erdgeschosse vollliefen und Geschäfte zerstört wurden. Während Einsatzkräfte Schlamm und Trümmer beseitigen, bleibt die Lage angespannt: Für große Teile Zentral- und Nordanatoliens gelten weiterhin Hochwasserwarnungen, die vor lebensgefährlichen Bedingungen warnen.

Türkei

In sozialen Medien veröffentlichte Aufnahmen zeigen das Ausmaß der Katastrophe: Autos, Müllcontainer und allerlei Unrat wurden von den schlammigen Fluten erfasst, durch die Straßen gespült und an Hindernissen zusammengeschoben, wo sich Wasser und Treibgut stauten. Wie bei solchen Hochwasserereignissen üblich, trat auch Abwasser aus der Kanalisation aus, wodurch zusätzlich Seuchengefahr besteht.

Trotz der dramatischen Bilder gibt es bislang zumindest eine vorsichtig positive Nachricht: Nach aktuellem Stand wurden keine Todesopfer bestätigt. Die Behörden sprechen jedoch von mindestens zwölf Verletzten – überwiegend Menschen, die während der Überschwemmungen stürzten, in Fahrzeugen eingeschlossen waren oder bei Rettungsaktionen leichte Verletzungen erlitten. Mehrere Bewohner mussten aus überfluteten Häusern oder eingeschlossenen Autos gerettet werden. In einigen Fällen kamen Bagger und schwere Maschinen zum Einsatz, um Menschen trotz der starken Strömungen in Sicherheit zu bringen.

Die Schäden sind enorm. Neben beschädigten Wohnhäusern und Geschäften wurden zahlreiche Fahrzeuge zerstört oder zusammengeschoben. Straßenbeläge brachen auf, Brücken und Unterführungen waren zeitweise unpassierbar. Schulen blieben geschlossen. In einigen Vierteln behinderten Stromausfälle und verschlammte Straßen die Rettungsarbeiten zusätzlich.

Die Gefahr ist jedoch noch nicht gebannt. Türkische Wetterdienste warnen weiterhin vor anhaltenden Regenfällen und möglichem Hochwasser. Betroffen sind mehr als 30 Provinzen, darunter Samsun, Tokat, Amasya, Ordu, Trabzon und Rize. Ein erhöhtes Risiko besteht vor allem durch kleinräumige Sturzfluten entlang von Bächen und in engen Tälern. Die bereits gesättigten Böden können weitere Niederschläge kaum noch aufnehmen, sodass selbst kurze Starkregenereignisse neue Überschwemmungen auslösen könnten.

Geologisch und morphologisch gilt die Region als besonders flutanfällig. Havza liegt in einer Übergangszone zwischen dem anatolischen Hochland und den zum Schwarzen Meer hin abfallenden Gebirgszügen. Zahlreiche kleinere Wasserläufe entwässern dort steile Hänge in relativ engen Tälern. Hinzu kommt, dass die Schwarzmeerregion der Türkei regelmäßig feuchte Luftmassen aufnimmt. Werden diese an den Gebirgen gehoben, entstehen intensive Niederschläge, die lokal große Wassermengen freisetzen können. Verstärkt wird das Risiko durch Bebauung in Talböden sowie durch versiegelte Flächen, die das Versickern des Wassers erschweren.

Italien: Heftige Unwetter verursachten Überflutungen

Starke Unwetterserie in Italien reißt nicht ab – Überflutete Ortschaften in der Mitte

Die seit Wochen anhaltende Unwetterphase in Italien und weiteren Regionen des Mittelmeers reißt nicht ab und verursachte erneut Starkregen nebst Überflutungen. Zudem gab es auch im Süden hohen Seegang, der meinen Landungsversuch auf Stromboli ein weiteres Mal vereitelte.

Heftige Unwetter haben in den vergangenen Tagen weite Teile Mittel- und Süditaliens getroffen. Besonders betroffen sind die Regionen Abruzzen, Molise und Apulien. Dort sind nach anhaltenden Starkregenfällen mehrere Flüsse über die Ufer getreten und haben Straßen, Felder und Ortschaften überflutet. Auch aus der Provinz Foggia werden Überschwemmungen gemeldet, etwa aus Borgo Cronata, wo Wassermassen ganze Landstriche unter Wasser gesetzt haben.

Die Ursache liegt in einer festgefahrenen Wetterlage über dem Mittelmeer. Ein Tiefdruckgebiet hat sich südlich der Alpen etabliert und führt feuchtwarme Luftmassen vom Meer heran. Treffen diese auf die Gebirge des Apennin, werden sie zum Aufsteigen gezwungen – es kommt zu intensiven und teils stationären Niederschlägen. Besonders problematisch: Viele Flüsse in diesen Regionen sind kurz und reagieren extrem schnell auf Regen. Innerhalb weniger Stunden können sie anschwellen und übertreten.

Doch warum häufen sich solche Ereignisse im Mittelmeerraum? Ein zentraler Faktor ist die steigende Wassertemperatur des Mittelmeers. Wärmeres Wasser verdunstet stärker und reichert die Atmosphäre mit Feuchtigkeit an. Diese zusätzliche Energie kann sich in Form von Starkregen entladen. Gleichzeitig begünstigen veränderte Strömungsmuster in der Atmosphäre sogenannte „Blocking-Lagen“, bei denen Wetterlagen über Tage oder sogar Wochen nahezu ortsfest bleiben.

Hinzu kommt, dass die Böden vielerorts bereits gesättigt sind – frühere Niederschläge können kaum noch aufgenommen werden. Neue Regenfälle fließen daher direkt oberflächlich ab und verstärken die Hochwassergefahr signifikant.

Die aktuelle Situation zeigt deutlich, wie verwundbar der Mittelmeerraum gegenüber extremen Wetterereignissen ist. Sollte sich die Großwetterlage nicht bald ändern, drohen weitere Überschwemmungen. Meteorologen sehen in dieser Entwicklung ein mögliches Anzeichen dafür, dass solche Unwetter künftig häufiger und intensiver auftreten könnten.

Stromboli, Terra di dio!

Mir hat das Wetter heute zum zweiten Mal einen Strich durch die Rechnung gemacht: Nachdem ich bereits im Herbst 2024 unverrichteter Dinge abziehen musste und nicht auf Stromboli anlanden konnte, wiederholte sich dieses „traumatische Erlebnis“ heute ein weiteres Mal. Das Wetter auf Stromboli war nicht einmal so übel, doch die See einen Ticken zu unruhig für das Anlanden des Tragflächenboots. Erschwerend hinzu kommt, dass aufgrund des vom Sturm im Januar beschädigten Piers keine Fähren auf Stromboli anlegen können. Ist die See für Tragflächenboote zu rau, befindet sich Stromboli de facto im Lockdown! Passiert das am Abreisetag, sitzt man unter Umständen auf der Insel fest. Ich konnte keine Anzeichen erkennen, dass man daran arbeitet, das Problem zu lösen! Nicht nur eine herbe Enttäuschung, sondern ein herber Rückschlag für den Tourismus der leidgeplagten Vulkaninsel.

Kanaren wurden von starken Unwettern heimgesucht

Sturm „Therese“ wütete auf den Kanaren: Überschwemmungen und Erdrutsche verursachten Schäden

Am Wochenende wurden die Kanarischen Inseln vom Sturmtief „Therese“ heimgesucht, das neben extremen Regenfällen und Überschwemmungen starke Winde und hohe Atlantikwellen verursachte. Besonders betroffen waren die Inseln Teneriffa, Gran Canaria, La Palma und Lanzarote. Meteorologen berichten von Niederschlagsmengen, die in manchen Regionen das Vielfache des durchschnittlichen Monatswertes erreichten, sowie von Orkanböen mit Geschwindigkeiten mehr als 110 km/h.

Schon bevor die eigentlichen Unwetter die Inseln trafen, brandeten auf Lanzarote 5 m hohe Riesenwellen gegen die Lavaklippen von Los Hervideros und gefährdeten Touristen, die die Gefahrenlage offenbar unterschätzten. Erst im Januar wurden hier 2 Männer von Wellen erfasst und ins Meer gerissen. Einer der beiden starb.

Lanzarote

Als die Unwetter dann losgingen, fielen innerhalb kurzer Zeit mehr als 50 Liter Niederschlag auf den Quadratmeter. Böden und Kanalisationen konnten die unerwarteten Wassermassen nicht schnell genug aufnehmen bzw. ableiten, so dass es zu starken Überflutungen in mehreren Ortschaften kam, die Straßen in reißende Flüsse verwandelten. In der Folge entstanden Erdrutsche und Steinschläge, die u.a. die Küstenstraße auf Teneriffa unpassierbar machten. Zugänge zu Küstendörfern wie Taganana waren gesperrt. Auf Gran Canaria verursachten Überschwemmungen in Barrancos die Evakuierungen mehrerer Tausend Menschen. Lanzarote meldete überflutete Straßen und beschädigte Küsteninfrastruktur, vor allem in Arrecife. Auch La Palma und El Hierro meldeten Schäden an Straßen und Stromleitungen, teilweise kam es zu Stromausfällen.

Die Ursachen für die Unwetter liegen in einer ungewöhnlich starken Tiefdruckzone über dem Nordatlantik, die feuchte Luft vom Meer auf die Inseln transportierte. Durch die hohe Feuchtigkeit kam es zu extremen Starkregenfällen, während der Wind die Wellen an den Küstenpegeln auf bis zu fünf Meter Höhe trieb. Die Kombination aus Starkregen und starkem Wellengang führte zu Überflutungen, Küstenschäden und Erdrutschen.

Die Topografie der Kanaren verstärkt solche Wetterlagen zusätzlich. Insbesondere die gebirgigen Inseln Teneriffa, La Palma und Gran Canaria besitzen steile Vulkanmassive und enge Barrancos, die als natürliche Wasserableitungen wirken. Bei Starkregen füllen sich diese Täler extrem schnell, wodurch Sturzfluten entstehen können. Die steilen Hänge begünstigen zudem Erdrutsche und Steinschläge, die Straßen blockieren und Häuser gefährden. Auf den flacheren Inseln wie Lanzarote oder Fuerteventura sind die Auswirkungen stärker an der Küste spürbar: Hier führten die hohen Wellen zu Überflutungen von Promenaden, Hafenanlagen und Straßen, während das Inland nur lokal von Starkregen betroffen war.

Die starken Unwetter könnten sich negativ auf die empfindlichen Messinstrumente zur Überwachung von Erdbeben und Vulkanen der Kanaren auswirken. Möglicherweise verhinderten sie die Registrierung zahlreicher schwacher Erdbeben, insbesondere auf Teneriffa, wo es in den letzten Wochen zu Schwarmbeben gekommen war.

Sizilien: Erdrutsch bei Taormina

Unwetter lösten Erdrutsch bei Taormina aus – unbewohntes Haus kollabierte

Süditalien und Sizilien wurden in den letzten Tagen von heftigen Unwettern infolge eines Medicanes heimgesucht, die von Starkregen und Hagel begleitet wurden. In mehreren Regionen kam es zu kleineren Erdrutschen, weil der wassergesättigte Boden nachgab. Im Fokus stand dabei die Region rund um Taormina an der Ostküste der Ätnaregion. Bei dem bei Touristen beliebten Ort kam es zu einem Erdrutsch, der Teile einer Straße mit sich riss. Personen kamen nicht zu Schaden. 

Taormina

Die Unwetter im Süden Italiens sollen auch morgen noch anhalten, bevor eine langsame Wetterbesserung in Sicht ist. Zum Höhepunkt des Geschehens fielen innerhalb von 36 Stunden bis zu 200 mm Niederschlag. Das Auge des Tiefdruckgebiets, das in den Medien oft als Zyklon bezeichnet wird, liegt aktuell südwestlich von Sizilien und bewegt sich nur langsam.

Die gewaltigen Regenmengen unterspülten auch die Fundamente eines alten Hauses in Hanglage und verursachten den Teilkollaps des Gebäudes, das zum Glück bereits unbewohnt war. Daher gab es auch bei diesem Zwischenfall keine verletzten oder sogar getöteten Personen. Die beiden Vorfälle verdeutlichen aber, wie prekär die Situation in ehemals eher ariden Gebieten geworden ist. In den letzten Jahren nahmen starke Unwetter in der Region deutlich zu und Kanalisationen – sofern vorhanden – sind nicht in der Lage, die Wassermassen abzuführen, so dass es in Niederungen und oft auch in Ortschaften häufig zu Überflutungen kommt.

Die Kombination aus extremen Niederschlägen und der morphologischen Beschaffenheit Siziliens macht die Region besonders anfällig für Erdrutsche. Viele Gebäude befinden sich in steilen Hanglagen auf instabilem Untergrund der bei Dauerregen schnell an Stabilität verliert. Behörden haben deshalb Vorsichtsmaßnahmen ergriffen und in gefährdeten Gebieten Evakuierungen vorbereitet oder bereits durchgeführt.

Die Unwetter beschränkten sich aber nicht nur auf Sizilien, sondern griffen auch auf Kalabrien über, wo es entlang der ionischen Küste und besonders im Ort Mirto Crosia zu starken Überflutungen kam: Straßen verwandelten sich in reißende Ströme und rissen alles mit sich, was nicht niet- und nagelfest war. Ein Mann wurde von den Wassermassen mitgerissen und erlitt schwere Verletzungen. Er konnte geborgen und mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden.

Die Situation bleibt weiterhin angespannt: Weitere Regenfälle könnten neue Erdrutsche auslösen und zusätzliche Schäden verursachen.

Sizilien: Schwere Unwetter drohen an den Vulkanen

Schwere Unwetter ziehen Richtung Sizilien und den Liparischen Inseln – Hagel, Überflutungen und Erdrutsche drohen

Aus Richtung Sardinien kommend zieht gerade eine Unwetterfront in Richtung Sizilien und den Liparischen Inseln, die heute bereits wegen der Erdbeben im Fokus meiner Berichterstattung standen. Die Unwetter könnten an den Vulkanen Ätna und Stromboli besonders starke Auswirkungen mit sich bringen und im Extremfall Erdrutsch und Schlammströme (Lahare) verursachen, vor die ich hier explizit warnen möchte. Für den beginnenden Frühling ist so ein Extremwetter eher ungewöhnlich, normalerweise sieht man so etwas eher im Herbst.

Tiefdruckgebiet

Das Wettergeschehen wird von einem starken Tiefdruckgebiet über dem westlichen Mittelmeer geprägt. Das Auge des System hat sich zwischen den Balearen und Sardinien positioniert und verlagert sich nur langsam weiter nach Süden. Meteorologen erwarten, dass Ausläufer des Tiefs in den kommenden Stunden südlich von Sizilien liegen bleiben werden. Dadurch kann sich feuchtwarme Mittelmeerluft über der Insel stauen und schafft somit ideale Voraussetzungen für kräftige und langandauernde Gewitter. Diese werden heute im Tagesverlauf von Westen her die Insel überqueren. Dabei können sich Superzellen bilden, die neben Gewittern mit Starkregen auch Hagel und extrem starke Windböen erzeugen. Die Gewitter ziehen auch über Ostsizilien und können sich in der Ätna-Region festsetzen. Auf ihrem Weg in Richtung Kalabrien können sie auch über die Liparischen Inseln hinwegziehen.

In urbanen Gebieten wie Catania und in Tälern kann der Regen rasch zu Problemen führen. Wenn mehrere Gewitter hintereinander über dieselbe Region ziehen, sind lokal große Regenmengen in kurzer Zeit möglich. Dadurch steigt das Risiko für Überflutungen von Straßen, Unterführungen und tiefer gelegenen Stadtteilen deutlich an.

Wie stark die Auswirkungen letztlich ausfallen, hängt vor allem davon ab, wie langsam sich die Gewitter bewegen und wie lange das Tiefdruckgebiet in der Region verbleibt. Beobachter raten daher, die aktuelle Wetterentwicklung aufmerksam zu verfolgen.

Marokko: Land unter im Wüstenstaat

Massive Überschwemmungen in Marokko – gleiches Sturmtief wie in Portugal verantwortlich

Normalerweise verbindet man mit Marokko ein eher arides Wüstenklima, doch in diesem Februar ist es dort alles andere als trocken: Nordmarokko steht derzeit unter Wasser. Seit Tagen haben extreme Regenfälle im gesamten Nordwesten des Landes zu schweren Überschwemmungen geführt, die Zehntausende Menschen in die Flucht treiben. Besonders stark betroffen ist die Region um Ksar El Kebir, wo ein ganzer Landstrich überflutet ist. Die Katastrophe ist Teil des atlantischen Unwettersystems Leonardo, das zuvor bereits Spanien und Portugal mit heftigen Regenfällen heimgesucht hat und starke Überflutungen mit Todesfällen verursachte.

Die Lage in Marokko ist dramatisch: Das Innenministerium meldete, dass mehr als 154.000 Menschen vorsorglich aus überfluteten und gefährdeten Gebieten evakuiert wurden. Die meisten Betroffenen stammen aus der Provinz Larache, wo mehr als 110.000 Menschen in Sicherheit gebracht wurden, gefolgt von Kenitra und weiteren Regionen im Norden. In der Stadt Ksar El Kebir hat die Überschwemmung des Loukkos-Flusses große Teile der Stadt lahmgelegt. Gut 85 % der Bevölkerung mussten flüchten, wie Behörden und Medien übereinstimmend berichten. Die Katastrophe bestätigte mit auch ein Vnet-Leser, der aktuell in Marokko unterwegs ist.

Der außergewöhnlich starke Regen führte dazu, dass mehrere Staudämme, darunter der Oued Al Makhazine, ihre Kapazitätsgrenzen weit überschritten und kontrollierte Wasserablässe ausgelöst werden mussten. Dieser Umstand verstärkte das Hochwasser in den Flussbecken und traf vor allem niedrig gelegene landwirtschaftliche Flächen und Wohngebiete. Viele Dörfer und Stadtteile stehen noch immer unter Wasser. Die Strom- und Wasserversorgung sind in einigen Orten seit Tagen unterbrochen.

Bisher sind keine offiziellen Todeszahlen im Zusammenhang mit diesen jüngsten Überschwemmungen in Nordmarokko bestätigt worden, doch Menschenrechtsgruppen und Medien warnen vor möglichen unentdeckten Opfern und schweren Folgen für die Gemeinden. Die marokkanische Menschenrechtsvereinigung AMDH fordert die Regierung auf, die schlimmsten betroffenen Regionen offiziell als Katastrophengebiete zu erklären, um Hilfsmaßnahmen und Entschädigungen auf den Weg zu bringen.

Der Wetterzusammenhang zu den Extremereignissen auf der Iberischen Halbinsel unterstreicht die große Reichweite des Sturmtiefs, das zudem äußerst langlebig ist. In Spanien und Portugal wurden durch Leonardo mehrere Menschen getötet, darunter ein Mann in Portugal und eine Frau in Spanien, die von reißenden Fluten mitgerissen wurde.

Inzwischen rückt mit Sturmtief Marta weiteres Ungemach auf die Iberische Halbinsel zu und man wappnet sich für die nächsten Unwetter, die auf mit Wasser gesättigten Böden und vollen Wasserspeicher stoßen werden.

Marokko selbst blickt nach Jahren der Dürre auf diese Niederschläge mit gemischten Gefühlen: Zwar haben sie die Wasserreserven aufgefüllt, doch die verheerenden Folgen des Hochwassers offenbaren die fragile Balance zwischen Klimarisiken und der Anpassungsfähigkeit von Bevölkerung und Infrastruktur.