
Erste Flankeneruption am Ätna seit Jahren – Lavastrom im Valle del Bove
In der Silvesternacht öffnete sich eine Eruptionsspalte im unteren Bereich des Valle del Bove, nahe des Grates von Serracozo. Ein beeindruckender Lavastrom bewegt sich talabwärts und fließt in Richtung der Ortschaft Milo. Die Lavafront ist aber noch einige Kilometer vom Ort entfernt. Die Eruption begann still und leise und wurde erst anhand von Thermal-Satellitendaten entdeckt. Der Tremor bewegte sich im gelben Bereich.
Update: 15:00 Uhr:
Die effusive Eruption im Valle del Bove hält weiter an und zeigt im zeitlichen Verlauf eine stetige Entwicklung des Lavastroms. Nach Angaben des Nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV), wurde die Aktivität zunächst am späten Nachmittag des. 1. Januars durch Überwachungskameras registriert. Um etwa 16:30 UTC war nahe der nordwestlichen Wand des Tals effusive Tätigkeit zu beobachten, während gleichzeitig im Gipfelbereich eine anhaltende explosive Aktivität aus dem Krater Bocca Nuova gemeldet wurde. Diese äußerte sich in schwachen Ascheemissionen, die sich rasch im Gipfelareal verteilten.
Zu diesem Zeitpunkt bewegten sich die geophysikalischen Parameter insgesamt im normalen Bereich. Die Amplitude des vulkanischen Tremors lag im mittleren (gelben) Niveau, die Infraschallaktivität war gering und konzentrierte sich vor allem auf den Bereich des Voragine-Kraters. Auch die Deformationsmessungen lieferten zunächst keine Hinweise auf größere Veränderungen im Untergrund. Die letzte verfügbare Lokalisierung der Tremorquellen zeigte ein Epizentrum nordwestlich des Nordostkraters in rund 2.800 bis 3.000 Metern Höhe.
Im weiteren Verlauf konkretisierten sich die Beobachtungen zur effusiven Aktivität. Feldteams des INGV sowie Satellitenbilder bestätigten, dass sich die effusive Öffnung im Bereich des Monte Simone auf etwa 2.100 Metern Höhe befindet. Der Lavastrom bewegte sich hangabwärts durch das Valle del Bove, wobei der zu diesem Zeitpunkt am weitesten fortgeschrittene Frontbereich unmittelbar südlich von Rocca Musarra lag, auf rund 1.580 Metern Höhe. Auch in dieser Phase blieben die seismischen und infrasonischen Parameter weitgehend stabil. Lediglich ein moderater Trend zur Dekompression wurde im Strainmeter von Monte Ruvolo registriert, ohne dass dies bislang mit einer markanten Intensivierung der Aktivität einherging.
Die jüngsten Berichte vom frühen Nachmittag des 2. Januars zeigen, dass das Lavagebiet weiterhin aktiv gespeist wird. Der Lavastrom hat inzwischen eine Länge von etwa 2,8 Kilometern erreicht, wobei die vorderste Front auf rund 1.420 Metern Höhe östlich von Rocca Musarra liegt. Zusätzlich wurde in den frühen Morgenstunden eine schwache strombolianische Aktivität am Voragine-Krater beobachtet, begleitet von geringen Ascheemissionen. Schlechte Sichtverhältnisse erschwerten zuletzt jedoch direkte Beobachtungen im Gipfelbereich.

Gegen 15.00 Uhr MEZ hielt die Lavastromaktivität weiter an und auf der Thermalcam ist die Lavafront sichtbar. Der Tremor sit wieder deutlich gestiegen und befindet sich im oberen gelben Bereich. MIROVA zeigt eine hohe Thermalstrahlung mit 2250 MW Leistung an.
Insgesamt bleibt die Eruption derzeit von moderater Intensität. Die Messnetze zur Überwachung von Seismik, Infraschall und Bodendeformation zeigen keine signifikanten Anomalien. Dennoch handelt es sich um eine der interessantesten Eruptionen der letzten Zeit, da sich seit Jahren kein Förderschlot mehr soweit unten auf der Vulkanflanke geöffnet hat.











