Manam: Vulkanasche und Wärmestrahlung am 03.01.2026

Anhaltende Aktivität am Vulkan Manam: Aschewolken und Wärmestrahlung detektiert

Der Inselvulkan Manam liegt vor der Nordküste Papuas-Neuguineas und zeigt zu Beginn des neuen Jahres Aktivität: Nach Angaben des VAAC Darwin wurden am 3. Januar kontinuierliche Vulkanascheemissionen beobachtet, die sich vom Gipfel aus ostwärts ausbreiten und eine Höhe von 2400 Metern erreichen. Daten des Wettersatelliten HIMAWARI-9 geben auf MIROVA eine Höhe von FL080 an. Die Aschewolken bewegten sich langsam und erreichten eine Geschwindigkeit von etwa fünf Knoten (9 km/h) und blieben laut Prognosen über viele Stunden nachweisbar.

Manam. © VAAC Darwin

Ergänzend dazu registrierte das thermische Überwachungssystem MIROVA eine Wärmeanomalie von rund 67 Megawatt. Diese moderate thermische Signatur deutet darauf hin, dass heißes magmatisches Material an der Oberfläche ausgetreten ist. Möglicherweise gibt es einen kleinen Lavastrom. Die Wärmeanomalie könnte aber auch durch eine Ansammlung glühender Tephra im Kraterbereich verursacht werden. In Kombination mit der Asche spricht dies für eine starke strombolianische Aktivität: Gasentlastungen und Explosionen fördern Asche, während glühendes Material im Schlot oder Krater eine messbare Wärmequelle bildet.

Manam gehört zu den aktivsten Vulkanen Papua-Neuguineas. Der etwa 1.800 Meter hohe Inselvulkan liegt im Bismarckmeer und ist ein steiler Stratovulkan mit mehreren Gipfelkratern. Seine Geschichte ist geprägt von häufigen Ausbrüchen, Ascheemissionen und zeitweiligen Lavaüberläufen. Besonders bekannt sind Episoden, bei denen anhaltende Aktivität zu Evakuierungen der Inselbevölkerung führte.

Die aktuelle Phase reiht sich in dieses bekannte Muster ein: keine extreme Eskalation, aber eine anhaltende, magmatisch gespeiste Unruhe. Für die Luftfahrt bleibt Manam damit relevant, für Vulkanologen ein weiterer Beleg für die dauerhafte Aktivität eines der dynamischsten Vulkane der Region.

Der Manam wurde nach einem starken Erdbeben der Magnitude 6,5 aktiver, das sich am 22. Dezember in der Nähe des Inselvulkans an der Nordostküste von Papua ereignete. Aber auch vor dem Erdbeben gab es sporadische Aktivität, so dass nicht zweifelsfrei davon ausgegangen werden kann, dass der Erdstoß die aktuellen Eruptionen triggerte. Die Möglichkeit besteht aber.

Vogtland: Spürbares Erdbeben Mb 3,3 infolge einen Schwarms

Spürbares Erdbeben Mb 3,3 erschütterte Vogtland – Zahlreiche Wahrnehmungsmeldungen

Datum: 01.01.2026 | Zeit: 16:38:25 UTC | Koordinaten 50.262 ; 12.449 | Tiefe: 8 km | Mb 3,3

Die deutsch-tschechische Grenzregion des Vogtlands wird seit dem Neujahrstag erneut von einem intensiven Erdbebenschwarm erschüttert, dessen stärkstes Einzelbeben von den Anwohnern der Region sogar deutlich gespürt wurde. Die stärkste Erschütterung ereignete sich am 01.01.2026 um 16:38:25 Uhr und erreichte eine Magnitude von 3,3. Das Beben trat in acht Kilometern Tiefe bei den Dezimalkoordinaten 50.262 ; 12.449 auf und wurde vom GFZ rund 11 Kilometer südlich des deutschen Klingenthal lokalisiert. Tatsächlich lag das Epizentrum auf tschechischem Hoheitsgebiet östlich von Luby, in jenem Gebiet, in dem es bereits seit Monaten immer wieder zu Erdbeben kommt.




Beobachtungen zeigen, dass sich die Mehrzahl der Beben erneut in südliche Richtung verlagerte und dort einen Cluster bildete – in jenem Bereich, in dem sich die Aktivität bereits vor der nordwärts gerichteten Wanderung im Dezember konzentriert hatte.

Die Berichte der Bebenzeugen sind teilweise widersprüchlich: Während viele Anwohner von einem lauten Knall oder Grollen berichten, das den spürbaren Erschütterungen unmittelbar vorausging, geben andere an, das Beben habe sich nahezu geräuschlos ereignet. Die Mehrheit der Betroffenen beschreibt einen kräftigen Ruck, der Gebäude erschütterte und Geschirr zum Klirren brachte. Vergleichsweise wenige Menschen sprechen von einem eher „müden“ Erdbeben. Es handelte sich zudem weder um den ersten noch um den letzten spürbaren Erdstoß: Neben dem Beben der Magnitude 3,3 traten mehrere weitere Erschütterungen im Magnitudenbereich um 2 auf, die ebenfalls wahrgenommen wurden. Darüber hinaus ereigneten sich Hunderte schwacher Erdbeben mit Magnituden unter 2,0. Bezieht man auch die extrem schwachen Vibrationen mit negativen Magnituden ein, die nicht exakt lokalisiert werden können, steigt die Gesamtzahl der registrierten Ereignisse auf mehrere Tausend.

Die genaue Ursache der Schwarmbeben, die in dieser Region phasenweise seit Jahrzehnten auftreten, ist weiterhin Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Eine plausible Hypothese geht davon aus, dass magmatische Fluide aufsteigen, den Porendruck erhöhen und dadurch Störungszonen aktivieren oder das Gestein direkt zum Bruch bringen. Die Erdbebensignale sind dabei häufig vulkanotektonischen Ursprungs. In der Region treten zudem ausgeprägte Mofetten auf, aus denen vor allem Kohlendioxid, aber auch Kohlenmonoxid, austritt und denen immer wieder Insekten, Vögel und Kleinsäuger zum Opfer fallen. Solange diese Gase jedoch kalt bleiben, besteht keine unmittelbare Gefahr eines Vulkanausbruchs.

USA: Massive Überflutungen in San Diego

Starke Überflutungen an der Küste von San Diego – Atmosphärischer Fluss verursachte Starkregen

Heftige Regenfälle haben am Neujahrstag in San Diego zu großflächigen Überschwemmungen geführt, die enorme Schäden verursachten. Besonders stark betroffen war das tiefliegende Mission Valley, wo Straßen, Parkplätze und Unterführungen innerhalb kurzer Zeit unter Wasser standen. Die Kanalisation konnte die Wassermassen nicht aufnehmen, so dass sie wie Geysire aus den Gullies schossen und sich das Hochwasser rasch ausbreitete. Zahlreiche Fahrzeuge wurden von den Fluten eingeschlossen oder beschädigt, der Straßenbahnverkehr in der Innenstadt musste zeitweise eingestellt werden. Auch Einkaufsbereiche wie das Fashion Valley standen stellenweise knietief unter Wasser. 

San Diego

Die Einsatzkräfte waren den ganzen Tag über gefordert. Feuerwehr, Polizei und Rettungsschwimmer führten zahlreiche Wasserrettungen durch. In Mission Valley wurden unter anderem ein Erwachsener und ein Kind aus einem von den Fluten eingeschlossenen Fahrzeug gerettet. In einem weiteren Einsatz saß ein Mann unter einer Brücke nahe der State Route 163 im hüfthohen Wasser fest und musste mit einem Rettungsboot in Sicherheit gebracht werden. Auch außerhalb der Stadt kam es zu gefährlichen Situationen: Am Lake Hodges wurde eine Frau von der starken Strömung eines Bachs mitgerissen, konnte jedoch von Rettungskräften gefunden und ins Krankenhaus gebracht werden. Alle Geretteten befinden sich nach Behördenangaben in stabilem Zustand.

Ursache der Unwetter war eine ausgeprägte Wetterlage über dem Pazifik. Meteorologen sprechen von einer feuchten Luftströmung, die große Mengen Wasserdampf nach Südkalifornien transportierte. Dieses Phänomen wird als sogenannter „atmosphärischer Fluss“ bezeichnet. Trifft diese feuchte Luft auf kühlere Luftmassen, kommt es zu intensiven und anhaltenden Niederschlägen. In San Diego führte dies dazu, dass innerhalb kurzer Zeit ungewöhnlich viel Regen fiel und die Infrastruktur überfordert war.

Für die kommenden Tage erwarten Wetterdienste zwar weitere Schauer, diese sollen jedoch deutlich schwächer ausfallen. Die Behörden mahnen dennoch zur Vorsicht und rufen dazu auf, überflutete Straßen und Wege konsequent zu meiden.

Mexiko: Erdbeben Mw 6,5 am 02.01.2026

Starkes Erdbeben Mw 6,5 erschüttert Urlaubsregion im Süden Mexikos

Datum: 02.01.2026 | Zeit: 13:58:18 UTC | Koordinaten 16.902 ; -99.303 | Tiefe: 35 km | Mw 6,5

Heute manifestierte sich ein Erdbeben der Magnitude 6,5 im Bundesstaat Guerrero im Süden Mexikos. Der Erdstoß ereignete sich um 13:58 UTC und hatte ein Epizentrum, das vom EMSC 15 km nördlich von San Marcos verortet wurde. Das bekanntere Acapulco liegt 65 km entfernt. Die Herdtiefe betrug 35 km. Schäden sind möglich, wurden bis jetzt aber nicht gemeldet, dafür liegen aber zahlreiche Wahrnehmungsmeldungen vor, die den Erdstoß als stark beschreiben.

Mexiko. © EMSC/Leaflet

Die Region Guerrero liegt an der Pazifikküste Mexikos und wird von der Subduktionszone des Mittelamerikagrabens (Middle America Trench) geprägt. Hier taucht die Kokosplatte mit einer Geschwindigkeit von etwa 6–7 cm pro Jahr unter die Nordamerikanische Platte ab. Dieser Prozess ist die Hauptursache für starke Erdbeben entlang der mexikanischen Südküste.

Das Hypozentrum in 35 km Tiefe spricht für ein sogenanntes interplattiges Subduktionsbeben, also ein Erdbeben, das durch ruckartiges Gleiten an der Kontaktfläche zwischen den beiden Platten ausgelöst wurde. Genau diese Art von Beben ist typisch für Guerrero und verantwortlich für viele der historisch zerstörerischsten Erschütterungen in Mexiko.

Besonders bekannt ist die Region zudem für das sogenannte „Guerrero-Seismische-Gap“ – ein Abschnitt der Subduktionszone, in dem sich über Jahrzehnte hinweg Spannungen aufbauen können. Zwar ereignen sich dort auch langsame, „stille“ Erdbeben (Slow Slip Events), doch starke klassische Beben wie dieses zeigen, dass die Spannungsfreisetzung weiterhin unvollständig ist.

Mit einem Epizentrum rund 65 km ostnordöstlich von Acapulco und in relativer Nähe zu San Marcos war das Beben in weiten Teilen der Pazifikküste deutlich spürbar. Die Tiefe von 35 km begünstigt eine weiträumige Wahrnehmbarkeit, reduziert aber im Vergleich zu sehr flachen Beben das extreme Schadenspotenzial direkt über dem Epizentrum.

Vulkane in der Nähe?

Direkt im Bundesstaat Guerrero gibt es keine aktiven Vulkane. Dennoch steht das Erdbeben indirekt im Zusammenhang mit dem mexikanischen Vulkanismus, denn derselbe Subduktionsprozess speist weiter nördlich den Transmexikanischen Vulkangürtel.

Die nächstgelegenen bekannten aktiven Vulkane sind:

  • Popocatépetl (aktiv, häufig explosive Eruptionen)
  • Colima (Volcán de Fuego), einer der aktivsten Vulkane Mexikos

Diese liegen jedoch mehrere hundert Kilometer nordöstlich bzw. nordwestlich des Epizentrums. Ein direkter Zusammenhang zwischen diesem Erdbeben und akuter vulkanischer Aktivität ist daher nicht gegeben. Solche Subduktionsbeben können langfristig Spannungsänderungen im Plattensystem bewirken, lösen aber in der Regel keine unmittelbaren Eruptionen aus.

Zusammenfassend handelt es sich um ein typisches starkes Subduktionsbeben an der Pazifikküste Mexikos, verursacht durch die fortschreitende Kollision der Kokosplatte mit der Nordamerikanischen Platte. Die Region bleibt aufgrund ihrer tektonischen Lage dauerhaft hochgefährdet – sowohl seismisch als auch langfristig im Zusammenhang mit dem Vulkanismus des Landes.

Update 18:00 Uhr: Inzwischen gibt es erste Schadensmeldungen aus Orten in Nähe des Epizentrums. Es gab mindestens 2 Todesopfer.

Ätna: Flankeneruption im Valle del Bove

Flankeneruption am Ätna. © Dr. Boris Behncke

Erste Flankeneruption am Ätna seit Jahren – Lavastrom im Valle del Bove

In der Silvesternacht öffnete sich eine Eruptionsspalte im unteren Bereich des Valle del Bove, nahe des Grates von Serracozo. Ein beeindruckender Lavastrom bewegt sich talabwärts und fließt in Richtung der Ortschaft Milo. Die Lavafront ist aber noch einige Kilometer vom Ort entfernt. Die Eruption begann still und leise und wurde erst anhand von Thermal-Satellitendaten entdeckt. Der Tremor bewegte sich im gelben Bereich.

Update: 15:00 Uhr:

Die effusive Eruption im Valle del Bove hält weiter an und zeigt im zeitlichen Verlauf eine stetige Entwicklung des Lavastroms. Nach Angaben des Nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV), wurde die Aktivität zunächst am späten Nachmittag des. 1. Januars durch Überwachungskameras registriert. Um etwa 16:30 UTC war nahe der nordwestlichen Wand des Tals effusive Tätigkeit zu beobachten, während gleichzeitig im Gipfelbereich eine anhaltende explosive Aktivität aus dem Krater Bocca Nuova gemeldet wurde. Diese äußerte sich in schwachen Ascheemissionen, die sich rasch im Gipfelareal verteilten.

Zu diesem Zeitpunkt bewegten sich die geophysikalischen Parameter insgesamt im normalen Bereich. Die Amplitude des vulkanischen Tremors lag im mittleren (gelben) Niveau, die Infraschallaktivität war gering und konzentrierte sich vor allem auf den Bereich des Voragine-Kraters. Auch die Deformationsmessungen lieferten zunächst keine Hinweise auf größere Veränderungen im Untergrund. Die letzte verfügbare Lokalisierung der Tremorquellen zeigte ein Epizentrum nordwestlich des Nordostkraters in rund 2.800 bis 3.000 Metern Höhe.

Im weiteren Verlauf konkretisierten sich die Beobachtungen zur effusiven Aktivität. Feldteams des INGV sowie Satellitenbilder bestätigten, dass sich die effusive Öffnung im Bereich des Monte Simone auf etwa 2.100 Metern Höhe befindet. Der Lavastrom bewegte sich hangabwärts durch das Valle del Bove, wobei der zu diesem Zeitpunkt am weitesten fortgeschrittene Frontbereich unmittelbar südlich von Rocca Musarra lag, auf rund 1.580 Metern Höhe. Auch in dieser Phase blieben die seismischen und infrasonischen Parameter weitgehend stabil. Lediglich ein moderater Trend zur Dekompression wurde im Strainmeter von Monte Ruvolo registriert, ohne dass dies bislang mit einer markanten Intensivierung der Aktivität einherging.

Die jüngsten Berichte vom frühen Nachmittag des 2. Januars zeigen, dass das Lavagebiet weiterhin aktiv gespeist wird. Der Lavastrom hat inzwischen eine Länge von etwa 2,8 Kilometern erreicht, wobei die vorderste Front auf rund 1.420 Metern Höhe östlich von Rocca Musarra liegt. Zusätzlich wurde in den frühen Morgenstunden eine schwache strombolianische Aktivität am Voragine-Krater beobachtet, begleitet von geringen Ascheemissionen. Schlechte Sichtverhältnisse erschwerten zuletzt jedoch direkte Beobachtungen im Gipfelbereich.

Lavafront. © INGV

Gegen 15.00 Uhr MEZ hielt die Lavastromaktivität weiter an und auf der Thermalcam ist die Lavafront sichtbar. Der Tremor sit wieder deutlich gestiegen und befindet sich im oberen gelben Bereich. MIROVA zeigt eine hohe Thermalstrahlung mit 2250 MW Leistung an.

Insgesamt bleibt die Eruption derzeit von moderater Intensität. Die Messnetze zur Überwachung von Seismik, Infraschall und Bodendeformation zeigen keine signifikanten Anomalien. Dennoch handelt es sich um eine der interessantesten Eruptionen der letzten Zeit, da sich seit Jahren kein Förderschlot mehr soweit unten auf der Vulkanflanke geöffnet hat.

Kilauea: Halemaʻumaʻu-Krater verfüllt sich schnell

Halemaʻumaʻu-Krater am Gipfel des Kilauea füllt sich schnell auf

Der Kilauea auf Hawaii hat uns im letzten Jahr mit seinen Lavafontänen-Episoden auf Trapp gehalten und auch sehr gut unterhalten. Der Fokus der Berichterstattung lag hierbei natürlich auf die spektakulären Lavafontänen. Darüber, dass sich der gigantische Gipfelkrater, der durch den Kollaps von 2018 zur Caldera wurde verdammt schnell auffüllt, ist im Rahmen der aktuellen Berichterstattung kaum erwähnt worden. Doch das möchte ich jetzt nachholen.

Halemaʻumaʻu

Ausgangspunkt war die Leilani-Eruption im Frühjahr und Sommer 2018. Als Magma in großen Mengen aus dem Gipfelreservoir in die Lower East Rift Zone abfloss, verlor der Kīlauea am Gipfel seinen inneren Halt. In einer monatelangen Abfolge von Erdbeben und Einbrüchen sackte der Halemaʻumaʻu-Krater schrittweise ab. Am Ende war der ehemalige Kraterboden um mehrere hundert Meter tiefer gelegen als zuvor und hatte sich in ein weitläufiges, steilwandiges Becken verwandelt. Große Blöcke des früheren Kraterbodens blieben zunächst intakt, lagen jedoch auf unterschiedlichen Höhen – ein eingefrorenes Zeugnis des Kollapses.

Nach dem Ende der eruptiven Aktivität kehrte zunächst Ruhe ein. Doch der neu entstandene Hohlraum reichte nun unter die lokale Grundwasserlinie. Ab 2019 begann Grundwasser langsam in den Krater einzusickern. Über Monate hinweg entstand ein Kratersee, der weltweit Aufmerksamkeit erregte – nicht zuletzt, weil sich erstmals seit Jahrhunderten Wasser dauerhaft im aktiven Gipfelbereich des Kilaueas hielt. Mitte Dezember 2020 hatte dieser See eine Tiefe von 49 Metern erreicht und bedeckte eine Fläche von rund 2,4 Hektar. Vom Kraterrand aus gemessen war der Halemaʻumaʻu zu diesem Zeitpunkt etwa 642 Meter tief. Die Wasseroberfläche zeigte wechselnde Farben, verursacht durch gelöste vulkanische Gase und Mineralien, und verdeutlichte, wie eng hier Wasser und Magma miteinander verknüpft sind.

Diese Phase währte jedoch nur kurz. Am 20. Dezember 2020 meldete sich der Kilauea am Gipfel zurück. Lava brach direkt im Halemaʻumaʻu-Krater aus und traf auf den See. Innerhalb kürzester Zeit verdampfte das Wasser vollständig, während sich an seiner Stelle ein neuer Lavasee bildete. Mit diesem Ereignis begann eine neue Ära intrakraterischer Eruptionen, bei denen die Lava den Krater nicht verlässt, sondern vollständig innerhalb der Gipfelcaldera verbleibt.

Seitdem füllt sich der Halemaʻumaʻu schrittweise wieder auf. Episodische Ausbrüche mit Lavafontänen und Lavaseen haben den einst so tiefen Kollapskrater zunehmend angehoben. Die abgestürzten Blöcke des früheren Kraterbodens, die nach dem Einsturz noch gut sichtbar waren, sind inzwischen vollständig von Lava überdeckt. Aktuelle Aufnahmen – etwa aus dem Juli 2025 – zeigen eindrucksvoll, wie stark sich das Erscheinungsbild des Kraters bereits verändert hat, auch wenn das tatsächliche Ausmaß der Auffüllung aus der Vogelperspektive nur schwer zu erfassen ist.

2025

Besonders deutlich wird die Entwicklung im Vergleich von Webcam-Bildern: Zwischen Dezember 2024 und Dezember 2025 ist der Boden der Gipfelcaldera um mehr als 64 Meter angestiegen. Seit Beginn der neuen eruptiven Phase am 23. Dezember 2024 sind über 185 Millionen Kubikmeter Lava in den Halemaʻumaʻu geflossen – eine gewaltige Menge, die dennoch vollständig innerhalb der Caldera Platz findet. Am Rand der Caldera wächst zudem ein neuer Tephrahügel, der vor einem Jahr noch nicht existierte und die anhaltende explosive Aktivität einzelner Episoden widerspiegelt.

Der Halemaʻumaʻu zeigt damit exemplarisch, wie schnell sich vulkanische Landschaften verändern können. Innerhalb von nur sieben Jahren wandelte sich der Krater von einem kollabierten Abgrund zu einem Wasserbecken und schließlich wieder zu einem von Lava dominierten Zentrum aktiver Neubildung. Und obwohl bereits enorme Mengen Magma gefördert wurden, bleibt im Krater noch immer viel Raum. Entsprechend groß ist die Spannung, mit der die nächste eruptive Episode erwartet wird – ein weiteres Kapitel in der fortlaufenden Geschichte eines der aktivsten Vulkane der Erde.

Piton de la Fournaise: Magmaintrusion am 1. Januar 2026

Erdbebenkrise am Piton de la Fournaise vorerst gestoppt – Magma blieb in der Tiefe

Die zweite spannende Meldung des jungen Jahres stammt vom Piton de la Fournaise auf La Réunion, wo ein Schwarmbeben nebst Bodenhebung die Intrusion eines weiteren magmatischen Gangs signalisierten. Doch die seismische Krise währte nur kurz und das Magma schaffte es ein weiteres Mal nicht, die Oberfläche zu durchbrechen.

Piton Fournaise. &OVPF

Wie aus einem Kommuniqué des OVPF-IPGP hervorgeht, begann die seismische Aktivität am Neujahrsmorgen gegen 4:45 Uhr Ortszeit und hat sich inzwischen deutlich abgeschwächt. Die Krise gilt derzeit als gestoppt, auch wenn weiterhin eine gewisse Restaktivität beobachtet wird.

Zwischen 4:00 und 6:00 Uhr wurden insgesamt 304 oberflächliche vulkanotektonische Erdbeben registriert. Die meisten dieser Beben hatten Magnituden unter 1 und konzentrierten sich unter dem Dolomieu-Krater, in Tiefen zwischen etwa 1,2 und 2,4 Kilometern unter der Oberfläche. Parallel dazu wurden rasche Bodenverformungen in der oberen Vulkanzone gemessen, die weniger als eine Stunde anhielten und Werte von bis zu 10 Mikroradian erreichten.

Nach Einschätzung der Vulkanologen handelt es sich bei diesem Ereignis um einen sogenannten Magma-Einbruch. Dabei wurde Magma aus dem oberflächennahen Reservoir, der etwa 1,5 bis 2 Kilometer unter dem Gipfel liegt, in das umgebende Gestein injiziert, ohne jedoch die Oberfläche zu erreichen. Der Ausbruch brach somit ab, vermutlich weil der magmatische Überdruck nicht ausreichte, um den Aufstieg bis zur Oberfläche fortzusetzen. Ein schwaches Jerk-Signal an der Station Rivière de l’Est bestätigte diese Magmainjektion zusätzlich.

Seit dem Ende des Eindringens hat die Seismizität deutlich abgenommen und liegt nun bei etwa zwei Erdbeben pro Stunde. Dies deutet darauf hin, dass die Magma-Progression in der Tiefe gestoppt ist, gleichzeitig aber weiterhin Druck im Magmaspeicher besteht. Für die kommenden Stunden schließen die Fachleute weder ein endgültiges Abklingen noch eine erneute Aktivierung aus.

Der aktuelle Einbruch reiht sich in eine Phase erhöhter vulkanischer Aktivität ein, die seit dem 22. November 2025 anhält. Bereits Anfang Dezember war es zu einem ähnlichen Ereignis gekommen. In der Vergangenheit gingen solche Magma-Einbrüche gelegentlich einem Ausbruch um mehrere Tage voraus, wie 2020 und 2022. Der Vulkan bleibt daher unter Alarmstufe 1 weiterhin unter enger Beobachtung.

Mayon: Erhöhung der Alarmstufe am 01.01.2026

Mayon zeigt deutliche Unruhe – Alarmstufe angehoben

Der erste Bericht des neuen Jahres ist dem philippinischen Vulkan Mayon gewidmet: Aufgrund einer deutlichen Zunahme der Steinschlagaktivität infolge von Domwachstum haben die Vulkanologen von PHILOVLCS am frühen Morgen den Alarmstatus von 1 auf 2 (Gelb) erhöht.

Seismogramm

Wie PHILVOLCS berichtet, addiert sich zu den beschriebenen Symptomen anhaltende Bodenverformungen, die auf verstärkte magmatische Prozesse im Untergrund hindeutet.

Bereits seit November 2025 registrieren visuelle und seismische Messsysteme eine zunehmende Anzahl von Steinschlägen, die vom Lavadom im Gipfelbereich ausgehen. In den letzten beiden Monaten des Jahres wurden insgesamt 599 Steinschlagereignisse erfasst. Besonders auffällig war die Entwicklung in der letzten Dezemberwoche, als sich die tägliche Zahl der Ereignisse mehr als verdoppelte. Am 31. Dezember 2025 wurden sogar 47 Steinschläge an einem einzigen Tag verzeichnet – der höchste Wert des gesamten vergangenen Jahres.

Diese Entwicklung steht in engem Zusammenhang mit dem Auftreten sogenannter Lava-Spines, die seit Anfang Dezember 2025 am Gipfeldom beobachtet werden. Dabei handelt es sich um steile, zackenartige Lavaauswüchse, die entstehen, wenn zähflüssige, frische Lava aus dem Inneren des Vulkans nach oben gepresst wird. Solche Spines gelten als typisches Anzeichen für verstärktes Domwachstum. Aufgrund ihrer Instabilität brechen sie häufig teilweise ab oder kollabieren, was wiederum zu erhöhter Steinschlagaktivität führt.

Vergleichbare Prozesse wurden auch vor dem Ausbruch des Mayon im Jahr 2023 dokumentiert. Zwar treten derzeit weder auffällige vulkanische Erdbeben noch erhöhte Schwefeldioxid-Emissionen auf, doch unterscheiden sich die aktuellen Bedingungen deutlich von früheren Phasen. Messungen mittels EDM, GPS und Neigungssensoren zeigen, dass sich der Vulkankörper – insbesondere an den östlichen bis nordöstlichen Flanken – bereits seit Juni 2024 aufbläht. Zusätzlich wurde seit Mai 2025 auch an den westlichen bis südwestlichen Hängen eine kurzfristige Inflation festgestellt.

Die Kombination aus anhaltender Deformation, Domwachstum und instabilen Lava-Spines erhöht die Wahrscheinlichkeit eines plötzlichen explosiven Ausbruchs am Gipfel. Infolgedessen warnt PHIVOLCS eindringlich vor dem Betreten der sechs Kilometer großen Permanent Danger Zone. Gefahren bestehen insbesondere durch plötzliche Explosionen, pyroklastische Ströme, Steinschläge, Erdrutsche und ballistische Gesteinsfragmente.

Lokale Behörden wurden angewiesen, Evakuierungsmaßnahmen vorzubereiten, falls sich die Lage weiter zuspitzt. Auch die Luftfahrt wurde gewarnt, den Gipfelbereich zu meiden. Der Mayon bleibt damit ein Vulkan unter genauer Beobachtung – und ein eindringliches Beispiel dafür, wie scheinbar moderate Unruhezustände rasch in gefährliche Aktivität umschlagen können.

Yellowstone-Caldera: Wo ist das Schwefeldioxid geblieben?

Rätsel um das Fehlen von Schwefeldioxid-Emissionen in der Yellowstone-Caldera gelöst

Unter der idyllischen Landschaften des Yellowstone-Nationalparks mit ihren weiten Wäldern und Prärien verbirgt sich eines der gewaltigsten Vulkansysteme der Erde: die Yellowstone-Caldera. Sie entstand durch mehrere calderabildende Eruptionen, zuletzt vor etwa 640.000 Jahren, und misst rund 70 × 45 Kilometer. Heute ist sie kein Ort von Lavaströmen, sondern ein Gebiet intensiver hydrothermaler Aktivität, das Forschenden tiefe Einblicke in die Prozesse eines aktiven Supervulkans erlaubt.




Norris

Ein besonders spannender Aspekt ist das Verhalten vulkanischer Gase – allen voran das scheinbare Fehlen von Schwefeldioxid-Emissionen (SO₂). In vielen aktiven Vulkanregionen ist SO₂ ein zentrales Überwachungssignal. Vulkane wie der Kīlauea oder der Ätna stoßen täglich große Mengen dieses Gases aus. Die Gaswolken sind mithilfe von Satellitenmessungen oft über Hunderte Kilometer verfolgbar und haben direkte Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit. Yellowstone dagegen zeigt ein anderes Bild: Trotz seines riesigen magmatischen Systems ist dort kaum messbares SO₂ in der Atmosphäre nachweisbar. Stattdessen riecht es aber an vielen Stellen der Thermalgebiete nach faulen Eiern. Dieser charakteristische Geruch wird von Schwefelwasserstoff (H₂S) verursacht.

Der Schlüssel zum Verständnis des im Yellowstone emittierten Gascocktails liegt im Aufbau des tief hinabreichenden Magmasystems: Unter Yellowstone befinden sich zwei Hauptreservoire: eine obere, rhyolithische Magmazone in 4 bis 17 Kilometern Tiefe und ein deutlich größeres, basaltisches Reservoir, das sich zwischen 20 und 50 Kilometern Tiefe erstreckt. Diese Tiefenlage ist entscheidend für den Verbleib des Schwefeldioxids. Während Kohlendioxid (CO₂) bereits in großer Tiefe aus dem Magma entweichen kann – weshalb Yellowstone zu den weltweit stärksten CO₂-Emittenten zählt –, wird SO₂ normalerweise erst sehr oberflächennah freigesetzt. In Yellowstone erreicht es diese flache Zone jedoch kaum, sodass nur vergleichsweise wenig SO₂ aus der Schmelze entweicht.

Das, was an Schwefeldioxid dem Magma entweicht und aufsteigt, trifft auf seinem Weg zur Oberfläche auf eines der größten hydrothermalen Systeme der Erde, das zehntausende heißen Quellen, Geysire und Fumarolen speist. Dort arbeitet eine Art natürliche Chemiefabrik: Das SO₂ löst sich im heißen Wasser und wird chemisch umgewandelt, vor allem in Schwefelwasserstoff (H₂S) und Sulfate. Der typische Geruch nach faulen Eiern in Gebieten wie dem Norris Geyser Basin ist somit kein Zeichen fehlender vulkanischer Aktivität, sondern das Endprodukt dieser Umwandlung und der Grund, warum in den emittierten Gasen kaum Schwefeldioxid nachweisbar ist.

Für die Vulkanüberwachung ist dieses Phänomen von großer Bedeutung. Würde plötzlich SO₂ an der Oberfläche gemessen, wäre das ein ernstes Warnsignal: Es würde auf aufsteigendes Magma und das Austrocknen des hydrothermalen Systems hindeuten. Solange jedoch vor allem CO₂ und H₂S dominieren, gilt Yellowstone trotz seiner Größe als geologisch aktiv, aber derzeit stabil.

Yellowstone zeigt damit eindrucksvoll, dass selbst ein Supervulkan nicht durch spektakuläre Ausbrüche auffallen muss – manchmal erzählen Gase, die man nicht misst, die spannendste Geschichte.