Lewotolok: verstärkte strombolianische Aktivität

Serie strombolianischer Eruptionen am Vulkan Ili Lewotolok auf Lembata – typische Glutspuren fotografiert

Der indonesische Vulkan Ili Lewotolok liegt auf der Insel Lembata und ist am Dienstag, dem 27. Januar 2026, erneut aktiv gewesen. Innerhalb eines Tages registrierten die Behörden mehrere strombolianische Ausbrüche, die glühende Tephra und Vulkanasche hervorbrachten. Außerdem wurde eine deutlich erhöhte seismische Aktivität registriert. Die Eruptionen verdeutlichen, dass der Vulkan weiterhin unruhig ist und aufmerksam überwacht werden muss.




Der erste Ausbruch des Tages ereignete sich heute Nacht um 1:01 Uhr WITA. Dabei stieg eine Eruptionssäule rund 200 Meter über den Gipfel des Vulkans auf, der sich auf etwa 1.423 Meter über dem Meeresspiegel erhebt. Die Wolke driftete ostwärts und brachte nicht nur Asche hervor, sondern auch rotglühende Tephra, die auf lange belichteten Aufnahmen die typischen Glutspuren strombolianischer Eruptionen zeigte. Seismographen zeichneten ein starkes Signal mit einer maximalen Amplitude von 23 Millimetern und einer Dauer von 36 Sekunden auf.

Tagsüber gab es mehrere vergleichbare Eruptionen, die allerdings keine expliziten Meldungen beim VSI/Magma auslösten. Wahrscheinlich, weil der Vulkan entweder in den Wolken hing oder weil die Eruptionen tagsüber unspektakulär ausschauten. Doch von den Eruptionen zeugten seismische Ausbruchssignale, von denen im Tagesverlauf 103 registriert wurden. Dazu gesellten sich 422 Signale starker Entgasungen sowie ein flaches und ein tiefes vulkanotektonisches Erdbeben sowie zwei weiter entfernte tektonische Beben. Diese Daten deuten auf anhaltende Bewegungen von Magma und Gasen im Untergrund hin, ohne Hinweise auf eine evtl. Eskalation der Situation zu liefern.

Am Abend folgten zwei weitere Ereignisse. Um 20:46 Uhr wurde ein Ausbruch ausschließlich seismisch registriert, ohne sichtbare Ascheemission. Nur wenige Minuten später, um 20:53 Uhr, kam es erneut zu einer Eruption mit einer etwa 200 Meter hohen, grauen Aschesäule mittlerer bis hoher Intensität, die ebenfalls nach Osten zog.

Der Ili Lewotolok ist ein aktiver Schichtvulkan, der seit Jahren immer wieder durch explosive Eruptionen und Lavaausflüsse auffällt. Die Behörden halten daher an der Empfehlung fest, einen Sperrradius von drei Kilometern um den Krater einzuhalten. Besonders in mehreren Sektoren besteht Gefahr durch Lawinen, pyroklastische Ströme und Ascheregen.

Sangay: Aschewolke auf 6100 m Höhe detektiert

Anhaltende Aktivität am Sangay: Aschewolke bis auf 6100 m Höhe eruptiert

Der ecuadorianische Vulkan Sangay zeigt weiterhin eine anhaltend hohe Aktivität und eruptierte heute mehrere Aschewolken. Die höchste erreichte heute Nacht eine Höhe von 6100 m über dem Meeresspiegel und driftete mit einer Geschwindigkeit von 28 km/h in südwestlicher Richtung. Das VAAC Washington gab um 03:09 UTC eine VONA-Warnung heraus. Weitere folgten im Tagesverlauf, allerdings blieben die Aschewolken niedriger.

Berichte des ecuadorianischen Instituto Geofísico (IG-EPN) bestätigen die anhaltenden Ascheemissionen und verweisen zudem auf thermische Anomalien und seismische Aktivität. Zwar konnten aufgrund starker Bewölkung auf den jüngsten Satellitenbildern die Aschewolken nicht beobachtet werden, dennoch gehen die Vulkanologen davon aus, dass die eruptive Aktivität auf Basis vorheriger Muster anhält.

Satellitengestützte Messsysteme wie MIROVA und FIRMS registrieren derzeit Wärmestrahlung im Gipfelbereich, ein klares Indiz für sehr heißes Material im Fördersystem des Vulkans. Diese thermischen Signale werden häufig mit glühendem Material im Krater, heißen Gasen oder frischer Tephra in Verbindung gebracht. Hinweise auf einen ausgedehnten Lavastrom oder einen aktiven Lavadom gibt es derzeit nicht. Die Aktivität bleibt damit überwiegend explosiv und auf den Kraterbereich beschränkt.

Parallel dazu wird eine kontinuierlich erhöhte Erdbebentätigkeit gemessen. In der letzten Woche wurden an einigen Tagen bis zu 165 seismische Signale registriert. Die Mehrzahl der aufgefangenen Signale steht in direktem Zusammenhang mit Explosionen, sowie explosionsartigen Gasfreisetzungen und Fluidbewegungen im Fördersystem. Größere tektonische Erdbeben, die auf eine zusätzliche Destabilisierung des Systems hindeuten würden, wurden in der unmittelbaren Umgebung des Vulkans zuletzt nicht gemeldet. Die letzten stärkeren Erdbeben fanden im Mai letzten Jahres statt.

Der Sangay gilt als einer der aktivsten Vulkane Südamerikas und liegt im Randbereich der Anden, dort, wo der Gebirgszug Richtung Amazonasbecken abfällt. Seine derzeitige Phase ist geprägt von einem nahezu dauerhaften Wechselspiel aus Explosionen, Ascheemissionen und thermischer Aktivität. Für die Luftfahrt bleibt er deshalb ein relevanter Faktor, insbesondere bei Aschewolken in niedrigen bis mittleren Flughöhen.

Popocatépetl: Vulkanausbruch fördert Aschewolke

Vulkanausbruch am Popocatépetl – Aschewolke bis auf 6400 m Höhe gefördert

Obwohl der Popocatépetl in den letzten Wochen ungewöhnlich ruhig war, kam es heute Nacht um 01:54 UTC zu einer VONA-Meldung, nach der eine Aschewolke bis auf 6400 m aufstieg und mit einer Geschwindigkeit von 45 km/h Richtung Osten zog. Dabei breitete sich die Aschewolke über ein großes Gebiet aus. Zuletzt wurde eine kleinere Aschewolke vor 2 Tagen gemeldet, was für den mächtigsten Vulkan Mexikos ein vergleichsweise langes – aber nicht das längste – Pausenintervall darstellt.

Vona-Warnung

In den letzten Wochen ist ein signifikanter Aktivitätsrückgang am Popocatépetl zu verzeichnen. So meldete CENAPRED gestern nur 14 Ascheexhalationen und ein vulkanotektonisches Erdbeben. Tremor wurde zuletzt am 24. Januar registriert und dieser brachte es nur auf eine Gesamtdauer von 15 Minuten. Noch vor einem Jahr gab es Tremorphasen, die sich zeitweise fast über den ganzen Tag erstreckten.

Trotz der geringeren Explosivität und dem ausbleibenden Tremor emittiert der Mexikaner kontinuierlich eine als moderat eingestufte Wärmestrahlung mit Spitzenleistung um 30 MW. Das spricht dafür, dass im Krater ein Dom wachsen könnte, wobei gleichzeitig zumindest ein Förderschlot frei sein müsste, durch den der Gasdruck entweicht. Bei einem verstopften Fördersystem würde man eine erhöhte Seismizität bzw. einen Tremor erwarten.

Die aktuelle Aktivitätsphase des Popocatépetl dauert nun mehr als zwei Jahrzehnte. Nach rund 70 Jahren relativer Ruhe begann im Dezember 1994 eine neue Eruptionsperiode, die den Vulkan dauerhaft reaktivierte. Innerhalb dieser Entwicklung wird die aktuelle, nahezu kontinuierliche Eruptionsphase meist auf den Januar 2005 datiert. Seitdem zeigt der Popocatépetl fast ununterbrochen Gas- und Ascheemissionen, kombiniert mit explosiven Ausbrüchen und wiederholtem Domwachstum im Krater.

Der stärkste Ausbruch dieser langfristigen Aktivitätsphase ereignete sich im Dezember 2000. Damals kam es zu sehr starken Explosionen mit großen Aschewolken und pyroklastischen Dichteströmen, die zu umfangreichen Evakuierungen der Anwohner führten.

Es bleibt abzuwarten, ob die aktuell ruhigere Phase letztendlich zum Erlöschen der Aktivität führt oder ob es nur ein ruhigeres Intermezzo ist.

Ätna: Weitere Erdbeben unter der Westflanke

Etna
Erdbeben unter der Ätna-Westflanke. Sehr schön zu sehen sind die Parasitärkrater, der Gipfel und rechts das Valle del Bove. © Copernicus

Mehrere Erdbeben unter Ätna-Westflanke – stärkste Erschütterung Mb 2,5

Unter der Westflanke des sizilianischen Vulkans Ätna bebte erneut die Erde. Gestern manifestierten sich drei Beben mit Magnituden zwischen 2,1 und 2,4 bei Herdtiefen um 13 Kilometer. Die Epizentren wurden vom EMSC rund 5 km nordwestlich von Adrano lokalisiert. Bereits am 25. Januar meldete das INGV einen Erdstoß der Magnitude Mb 2,5 in 11 Kilometern Tiefe, der sich im gleichen Areal zwischen Adrano und Bronte zutrug und gut 3 Kilometer westlich des Monte Mindaro verortet wurde.




Die Erdbeben passen in das Muster, das wir bereits seit Ende letzten Jahres kennen. Die Beben hängen aller Wahrscheinlichkeit nach mit Magmenaufstieg zusammen, der Spannungen verursacht und Störungszonen aktiviert beziehungsweise Gesteinsbruch auslöst. Durch die fortgesetzte Intrusion erhöht sich der Druck im Magmaspeichersystem, wodurch in Kürze wahrscheinlich weitere Beben und mittelfristig ein neuer Vulkanausbruch ausgelöst werden.

Der Tremor stieg leicht vom grünen in den unteren gelben Bereich, ist aber noch als unauffällig zu bezeichnen. Aus dem letzten Wochenbulletin des INGV geht hervor, dass die Tremorquellen entlang eines schmalen Bandes angeordnet waren, das in Nordwest-Südost-Richtung verläuft und dabei den Süden des Nordostkraters streift. Die Längserstreckung ist außergewöhnlich groß und erinnert an einen magmatischen Gang. Es handelt sich um den gleichen Magmenkörper, der für die Eruption zum Jahreswechsel verantwortlich war. Heute oder morgen sollte das neue Bulletin erscheinen, und die neuen Daten könnten Aufschluss darüber geben, ob dieser Magmenkörper aktiv bleibt.

Seit Wochen gab es vom Ätna kein wolkenfreies Satellitenfoto mehr. Das letzte stammt vom 13. Januar und zeigte nicht nur einen schneebedeckten Vulkan, sondern auch kalte Förderschlote, ohne auch nur die winzigste Spur einer thermischen Anomalie im Bereich der Hauptkrater.

Gestern ereignete sich zudem ein sehr tiefes Beben nordöstlich der liparischen Vulkaninsel Stromboli. Dieses Beben hatte eine Magnitude von 2,9 und eine Herdtiefe von 253 Kilometern. Es ist innerhalb weniger Tage bereits das zweite Beben in diesem Areal und könnte mit Prozessen in Verbindung stehen, die für die Magmenentstehung verantwortlich sind. Stromboli setzt seine normale strombolianische Tätigkeit fort. Auffällig sind hohe CO₂-Emissionen, die auf eine größere Menge Schmelze in der Tiefe schließen lassen. Lavaüberläufe sind dort innerhalb weniger Wochen vorprogrammiert.

Taal-Vulkan: 23 Tremorphasen kündigen Vulkanausbruch an

Erhöhte Unruhe am Vulkan Taal – Anstieg der Seismizität kündigt phreatische Eruption an

Am Taal-Vulkan auf den Philippinen ist es in den letzten 24 Stunden zu einem erneuten Anstieg der seismischen Aktivität gekommen. Wie das Philippinische Institut für Vulkanologie und Seismologie (PHILVOLCS) mitteilte, wurden innerhalb von 24 Stunden 23 vulkanische Tremorphasen registriert, die jeweils eine Dauer von zwei bis drei Minuten hatten. Diese seismischen Signale treten typischerweise einige Tage bis Stunden vor einer phreatischen Explosion auf, so wie wir sie in den letzten Monaten häufiger sahen.

Taal
Taal

Darüber hinaus verzeichneten die Messstationen am 25. Januar elf vulkanische Erdbeben, nachdem am Vortag bereits neun weitere Ereignisse aufgezeichnet worden waren. Damit setzt sich eine Phase zunehmender seismischer Unruhe fort, nachdem die Aktivität in den Tagen zuvor deutlich geringer ausgefallen war.

Laut PHILVOLCS zeigten die Überwachungsdaten zwischen dem 12. und 23. Januar eine vergleichsweise ruhige Phase mit lediglich 25 vulkanotektonischen Erdbeben und zehn Tremor-Signalen innerhalb von zwölf Tagen. Der jüngste Anstieg stellt somit eine signifikante Abweichung vom vorherigen Trend dar.

Vulkanologen erklärten, dass vulkanische Erdbeben durch Prozesse im Inneren eines aktiven Vulkans verursacht werden und sich durch charakteristische seismische Muster, Amplituden und Wellenperioden auszeichnen. Bei Tremor handelt es sich hingegen um kontinuierliche Signale mit niedrigen Frequenzen, die auf die Bewegung von Fluiden wie Gasen oder hydrothermalen Lösungen im Untergrund hinweisen können.

Neben den Erdbebensignalen ergaben die jüngsten Messungen, dass der Taal rund 271 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag emittiert. Diesen Wert stufen die Vulkanologen als schwache Gasemission ein.

In den vergangenen Wochen gab es am Taal mehrere phreatische Eruptionen, die von Dampf angetrieben wurden. Sie folgten alle dem gleichen Muster, wie es sich jetzt wieder ankündigt.

Neben dem Taal ist auf den Philippinen der Mayon weiterhin aktiv und baut an seinem Lavadom. Täglich gibt es zahlreiche Schuttlawinen und Abgänge pyroklastischer Dichteströme, bei denen Aschewolken entstehen, die beim VAAC Tokio VONA-Warnungen auslösen. Heute gab es drei dieser Warnungen.

Teneriffa: Mehrere Erdbeben mit niedrigen Frequenzen detektiert

Niederfrequente Beben unter dem Teide auf Teneriffa: Routine oder Signale eines bevorstehenden Vulkanausbruchs?

Heute Nacht registrierten die seismischen Stationen auf Teneriffa eine Serie auffälliger Erdbebensignale, die sich bei genauerer Analyse als hybride Niederfrequenz-Erdbeben entpuppten. Die Beben manifestierten sich im westlichen Bereich der Caldera von Las Cañadas, die zum Massiv des Vulkans Teide gehört. Die Ereignisse traten in Phasen um 01:11, 03:44 und 07:52 UTC auf und umfassten mehrere schwache Signale Acht der Beben konnten eindeutig lokalisiert werden; ihre Herdtiefen lagen gebündelt zwischen 10 und 15 Kilometern – ein Bereich, der dem tiefen magmatischen System des Teide zugeordnet wird.

Teneriffa
Teneriffa. © IGN

Solche Hybrid- und Niedrigfrequenzsignale gelten als typisch für aktive Vulkansysteme. Sie entstehen meist durch das Zusammenspiel von Fluidbewegungen, Gasdruck und brüchigem Gestein in der Tiefe. Diese Art von Aktivität wird am Teide seit Jahren immer wieder beobachtet und vom Instituto Geográfico Nacional (IGN) eng überwacht. Nach aktuellem Kenntnisstand deuten die heutigen Beben nicht auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption, sondern auf fortlaufende innere Prozesse eines aktiven, aber stabilen Vulkansystems hin.

Ein Blick auf die vergangene Woche ordnet die heutigen Ereignisse ein. Zwischen dem 16. und 23. Januar 2026 wurden im gesamten Archipel 24 schwache Erdbeben registriert. Das stärkste erreichte eine Magnitude von 2,9 und ereignete sich am 20. Januar auf El Hierro. Die insgesamt freigesetzte seismische Energie betrug 0,20 Gigajoule. Die Beben verteilten sich vor allem auf Teneriffa, Gran Canaria, El Hierro und La Palma.

Die vulkanischen Ampeln stehen für Teneriffa, El Hierro, Lanzarote und Gran Canaria weiterhin auf „Grün“. La Palma verbleibt aufgrund noch nicht vollständig normalisierter geophysikalischer und geochemischer Parameter nach dem Ausbruch von 2021 auf „Gelb“. Bodenverformungen wurden zuletzt nicht festgestellt. Gleichzeitig zeigen Messungen auf Teneriffa weiterhin erhöhte diffuse CO₂-Emissionen. Sie sind Ausdruck eines seit 2016 bekannten Druckprozesses im vulkanisch-hydrothermalen System. Dieser Druckaufbau gilt zwar als „normal“ für einen aktiven Vulkan, könnte letztendlich aber in einer Eruption gipfeln.

Sizilien: Katastrophaler Erdrutsch bei Niscemi

Erdrutsch bei Niscemi auf Sizilien: Folge extremer Niederschläge der Unwetter der letzten Tage

Die Erde auf Sizilien kommt nicht zur Ruhe, nur diesmal ist weder der Ätna schuld noch ein starkes Erdbeben, sondern die extremen Niederschläge der letzten Woche, die gestern am Stadtrand der Stadt Niscemi einen starken Erdrutsch ausgelöst haben. Entlang eines Hangs am Ortsrand nahe einer Klippenzone senkte sich der Untergrund über mehrere Meter ab. Auffällig war dabei, dass große Teile des Hanges als kompakter Block abrutschten und eine terrassenartige Stufe bildeten – ein typisches Merkmal langsam gleitender Rutschungen. Niscemi – das in der südsizilianischen Provinz Caltanissetta liegt – ist auf instabilen Boden gegründet und es besteht die Gefahr, dass sich entlang der mehrere hundert Meter langen Abbruchkante weitere Erdrutsche manifestieren. Aus diesem Grund wurden mehr als 1000 Personen evakuiert. Todesopfer gab es wie durch ein Wunder nicht. Spektakuläre Bilder dokumentieren das außergewöhnliche Ereignis und dürften viral gehen. 



Niscemi

Geologisch betrachtet gehört das Gebiet von Niscemi zum südlichen Zentralsizilien, das von sedimentären Abfolgen geprägt ist. Der Untergrund besteht hier überwiegend aus Wechsellagerungen von Sanden, Sandsteinen, Mergeln und tonreichen Schichten, die im Miozän und Pliozän abgelagert wurden. Besonders problematisch ist die Kombination aus durchlässigeren Sandlagen über weniger durchlässigen Ton- oder Mergelhorizonten. Solche Grenzflächen wirken bei Wassersättigung als natürliche Gleitebenen, so wie es hier offenbar der Fall war.

Morphologisch ist die Region durch sanft bis mäßig geneigte Hügel gekennzeichnet, die von Erosionsrinnen und kleinen Tälern zerschnitten werden. Diese Topografie begünstigt Hanginstabilitäten, vor allem dort, wo menschliche Eingriffe – Straßen, Einschnitte oder Bebauung – das natürliche Gleichgewicht zusätzlich schwächen.

Nach ersten Einschätzungen handelt es sich um eine translational-rotierende Rutschung. Der Hang verlor nicht schlagartig seine Struktur, sondern glitt als relativ kohärente Masse hangabwärts. Solche Bewegungen verlaufen oft schleichend, können aber in kurzer Zeit deutliche Absenkungen von mehreren Metern verursachen. Genau dieses Bild zeigte sich in Niscemi: abgesackte Flächen mit scharf strukturierten Abrisskanten und ein insgesamt „intakter“, aber tiefer liegender Hangkörper.

Ein direkter Zusammenhang mit den starken Niederschlägen der letzten Tage gilt als sehr wahrscheinlich, ist aber wissenschaftlich noch nicht bewiesen. Intensive und anhaltende Regenfälle führten zur Sättigung der oberflächennahen Sedimente und zu einem Anstieg des Porenwasserdrucks. Dadurch verringerte sich die Scherfestigkeit insbesondere der tonreichen Schichten. In einem geologischen Umfeld wie dem von Niscemi reicht dieser Effekt oft aus, um bereits vorbelastete Hänge zum Gleiten zu bringen.

Tatsächlich gab es unweit des Ortes in der vergangenen Woche ein schwaches Erdbeben der Magnitude 2,6. Da die Herdtiefe aber in mehr als 40 Kilometern festgestellt wurde, ist es eigentlich auszuschließen, dass der Erdstoß den Erdrutsch triggerte.

Erdbeben Mb 2,0 in Deutschland bei Darmstadt

Schwaches Erdbeben Mb 2,0 bei Darmstadt: Folgenloses Ereignis im aktiven Oberrheingraben

Datum: 26.01.2026 | Zeit: 19:43:40 UTC | Koordinaten 49.729 ; 8.626 | Tiefe: 5 km | Mb 2,0

Gestern Abend registrierten die seismologische Netzwerk Hessens ein schwaches Erdbeben der Magnitude 2,0. Das Epizentrum lag 16 Kilometer südlich von Darmstadt und 5 Kilometer nördlich von Bensheim. Die Herdtiefe betrug 5 Kilometer, was für eine tektonische Ursache des Bebens spricht. Es gab weder Schäden noch Wahrnehmungsmeldungen durch Anwohner der Region. Dennoch ist die Erschütterung von wissenschaftlichem Interesse.

Erdbeben Deutschland
Deutschland. © EMSC/Leaflet

Ein Erdbeben dieser Magnitude gilt als schwach, liegt aber deutlich über dem Definitionsbereich der Mikroseismizität, in dem sich die meisten Erschütterungen in Deutschland bewegen. In der Regel werden solche Ereignisse nur von empfindlichen Seismometern in ruhiger Umgebung erfasst. Vereinzelt können Menschen in unmittelbarer Nähe ein kurzes Vibrieren oder ein dumpfes Grollen wahrnehmen, meistens wird so ein schwaches Ereignis gar nicht bemerkt. Entsprechend ist das Ausbleiben von Wahrnehmungsberichten kein ungewöhnlicher Befund.

Tektonisch liegt das Epizentrum am Ostrand des Oberrheingrabens, einer der seismisch aktivsten Zonen Deutschlands. Der Oberrheingraben entstand vor etwa 35 bis 45 Millionen Jahren durch eine Dehnung der Erdkruste. Dabei bildeten sich zahlreiche Störungszonen, die bis heute aktiv sind. Obwohl Deutschland weit entfernt von Plattengrenzen liegt, wirken sich großräumige Spannungen aus der fortdauernden Kollision der Afrikanischen mit der Europäischen Platte bis in diese Region aus und führen immer wieder zu kleineren Erdbeben.

Südhessen zählt deshalb zu den Gebieten, in denen regelmäßig schwache Erdbeben auftreten. Die meisten Beben bleiben unter Magnitude 3 und sind harmlos. Historisch zeigt sich jedoch, dass der Oberrheingraben grundsätzlich auch stärkere Beben erzeugen kann. Das bekannteste Beispiel ist das Basler Erdbeben von 1356 mit einer geschätzten Magnitude von über 6, das schwere Zerstörungen verursachte. Solche Ereignisse sind jedoch äußerst selten.

Das aktuelle Beben bei Darmstadt ordnet sich somit in die normale seismische Aktivität der Region ein. Es zeigt, dass Erdbeben auch in Deutschland zum natürlichen Geschehen eines dynamischen Planeten gehören – meist jedoch in einer Stärke auftreten, die keine Gefahr für Menschen oder Infrastruktur darstellt.

Erneuter Wintereinbruch in Deutschland behindert den Verkehr

Wintereinbruch in Deutschland – glatte Straßen und knappe Gasreserven

Ein erneuter Wintereinbruch hat weite Teile Deutschlands erfasst und sorgte in den betroffenen Regionen im Osten und Südwesten des Landes für starke Verkehrsbehinderungen In zahlreichen Regionen verursachten Schnee und Eisglätte Verkehrsbehinderungen. Es kam zu zahlreichen Unfällen und Störungen im Nahverkehr. Auf Autobahnen blieben Fahrzeuge stecken, LKW blockierten Fahrbahnen, und in mehreren Bundesländern blieben die Schulen geschlossen, weil die Straßenbedingungen als zu gefährlich eingestuft wurden. Besonders für Pendler und Reisende hat das plötzliche Winterwetter den Alltag deutlich erschwert. An einigen Flughäfen kommt es zu Verzögerungen, allerdings ohne schwerwiegende Flugausfälle.

Winter

Aus meteorologischer Sicht handelt es sich um eine klassische arktische Kältewelle: Ein blockierendes Hochdruckgebiet über Mitteleuropa lässt kalte Luftmassen aus dem Norden ungehindert nach Süden strömen, was nicht nur zu Dauerfrost, sondern auch zu anhaltenden Schneefällen selbst in tieferen Lagen führt. Im Südwesten des Landes, bei Stuttgart und Ulm, fielen bis zu 25 Zentimeter Neuschnee. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor weiter anhaltenden winterlichen Bedingungen, die den Druck auf Verkehrssysteme und Infrastruktur erhöhen.

Parallel zu diesen winterlichen Herausforderungen in Deutschland wird auch Nordamerika von Wetterextremen heimgesucht: In den USA hat ein schwerer Blizzard bereits zu großen Problemen geführt. In Teilen des Mittleren Westens und im Nordosten kommt es zu extremen Schneemengen mit weitreichenden Verkehrseinschränkungen. Bei teils zweistelligen Minustemperaturen verwandelten sich nicht nur Straßen in Eisbahnen, sondern Stromleitungen und Masten hüllten sich in dicke Eispanzer, was zum Kollaps der Strukturen und zu großflächigen Stromausfällen führte. Dieses Sturmsystem bewegt sich weiter nach Osten und könnte in den nächsten Tagen in abgeschwächter Form den Atlantik überqueren und einen weiteren Winterschub in Europa bedingen.

Tennessee

Die anhaltende Kaltwetterlage setzt die deutschen Gasspeicher unter Druck bzw. vermindert diesen schneller als sonst. Die Gasspeicher sind nur noch etwas mehr als zu 1/3 gefüllt, wobei noch mindestens einen Monat lang mit anhaltenden Minusgraden gerechnet werden muss. Die neue Regierung unter Kanzler Merz und der Wirtschaftsministerin Reiche – die ausgerechnet aus der Gaswirtschaft kommt – hatte schnell nach Amtsantritt Vorschriften für die Gasspeicherfüllstände gelockert, die unter der Vorgängerregierung infolge des Gaskrisen von 2022 eingeführt worden waren. Mit dem Ziel, die Wirtschaft zu entlasten, aber die Gefahr in Kauf nehmend, auf eine Gasmangellage zuzusteuern, sollte es mal einen Winter außerhalb der Norm geben. Doch nach Aussage der Verantwortlichen droht noch keine Mangellage: Neu gebaute LNG-Terminals sollen für Versorgungssicherheit sorgen, wobei es sich letztendlich wohl auch über den Gaspreis regeln wird, denn der schnellt bereits in die Höhe.

Die Situation bleibt prekär, da Energieverbrauch und Speicherstände eng miteinander verknüpft sind, insbesondere wenn erneuerbare Energien im Winter weniger bis gar keinen Strom liefern und fossile Gaskraft stärker nachgefragt wird.

Insgesamt zeigt der Wintereinbruch: Die Auswirkungen von Wetterextremen sind vielfältig, sie betreffen Verkehr, Energieversorgung und Alltag in Deutschland – und auch global betrachtet lassen ungewöhnliche Kältewellen niemanden kalt.