Mayon: Erhöhung der Alarmstufe am 01.01.2026

Mayon zeigt deutliche Unruhe – Alarmstufe angehoben

Der erste Bericht des neuen Jahres ist dem philippinischen Vulkan Mayon gewidmet: Aufgrund einer deutlichen Zunahme der Steinschlagaktivität infolge von Domwachstum haben die Vulkanologen von PHILOVLCS am frühen Morgen den Alarmstatus von 1 auf 2 (Gelb) erhöht.

Seismogramm

Wie PHILVOLCS berichtet, addiert sich zu den beschriebenen Symptomen anhaltende Bodenverformungen, die auf verstärkte magmatische Prozesse im Untergrund hindeutet.

Bereits seit November 2025 registrieren visuelle und seismische Messsysteme eine zunehmende Anzahl von Steinschlägen, die vom Lavadom im Gipfelbereich ausgehen. In den letzten beiden Monaten des Jahres wurden insgesamt 599 Steinschlagereignisse erfasst. Besonders auffällig war die Entwicklung in der letzten Dezemberwoche, als sich die tägliche Zahl der Ereignisse mehr als verdoppelte. Am 31. Dezember 2025 wurden sogar 47 Steinschläge an einem einzigen Tag verzeichnet – der höchste Wert des gesamten vergangenen Jahres.

Diese Entwicklung steht in engem Zusammenhang mit dem Auftreten sogenannter Lava-Spines, die seit Anfang Dezember 2025 am Gipfeldom beobachtet werden. Dabei handelt es sich um steile, zackenartige Lavaauswüchse, die entstehen, wenn zähflüssige, frische Lava aus dem Inneren des Vulkans nach oben gepresst wird. Solche Spines gelten als typisches Anzeichen für verstärktes Domwachstum. Aufgrund ihrer Instabilität brechen sie häufig teilweise ab oder kollabieren, was wiederum zu erhöhter Steinschlagaktivität führt.

Vergleichbare Prozesse wurden auch vor dem Ausbruch des Mayon im Jahr 2023 dokumentiert. Zwar treten derzeit weder auffällige vulkanische Erdbeben noch erhöhte Schwefeldioxid-Emissionen auf, doch unterscheiden sich die aktuellen Bedingungen deutlich von früheren Phasen. Messungen mittels EDM, GPS und Neigungssensoren zeigen, dass sich der Vulkankörper – insbesondere an den östlichen bis nordöstlichen Flanken – bereits seit Juni 2024 aufbläht. Zusätzlich wurde seit Mai 2025 auch an den westlichen bis südwestlichen Hängen eine kurzfristige Inflation festgestellt.

Die Kombination aus anhaltender Deformation, Domwachstum und instabilen Lava-Spines erhöht die Wahrscheinlichkeit eines plötzlichen explosiven Ausbruchs am Gipfel. Infolgedessen warnt PHIVOLCS eindringlich vor dem Betreten der sechs Kilometer großen Permanent Danger Zone. Gefahren bestehen insbesondere durch plötzliche Explosionen, pyroklastische Ströme, Steinschläge, Erdrutsche und ballistische Gesteinsfragmente.

Lokale Behörden wurden angewiesen, Evakuierungsmaßnahmen vorzubereiten, falls sich die Lage weiter zuspitzt. Auch die Luftfahrt wurde gewarnt, den Gipfelbereich zu meiden. Der Mayon bleibt damit ein Vulkan unter genauer Beobachtung – und ein eindringliches Beispiel dafür, wie scheinbar moderate Unruhezustände rasch in gefährliche Aktivität umschlagen können.

Yellowstone-Caldera: Wo ist das Schwefeldioxid geblieben?

Rätsel um das Fehlen von Schwefeldioxid-Emissionen in der Yellowstone-Caldera gelöst

Unter der idyllischen Landschaften des Yellowstone-Nationalparks mit ihren weiten Wäldern und Prärien verbirgt sich eines der gewaltigsten Vulkansysteme der Erde: die Yellowstone-Caldera. Sie entstand durch mehrere calderabildende Eruptionen, zuletzt vor etwa 640.000 Jahren, und misst rund 70 × 45 Kilometer. Heute ist sie kein Ort von Lavaströmen, sondern ein Gebiet intensiver hydrothermaler Aktivität, das Forschenden tiefe Einblicke in die Prozesse eines aktiven Supervulkans erlaubt.




Norris

Ein besonders spannender Aspekt ist das Verhalten vulkanischer Gase – allen voran das scheinbare Fehlen von Schwefeldioxid-Emissionen (SO₂). In vielen aktiven Vulkanregionen ist SO₂ ein zentrales Überwachungssignal. Vulkane wie der Kīlauea oder der Ätna stoßen täglich große Mengen dieses Gases aus. Die Gaswolken sind mithilfe von Satellitenmessungen oft über Hunderte Kilometer verfolgbar und haben direkte Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit. Yellowstone dagegen zeigt ein anderes Bild: Trotz seines riesigen magmatischen Systems ist dort kaum messbares SO₂ in der Atmosphäre nachweisbar. Stattdessen riecht es aber an vielen Stellen der Thermalgebiete nach faulen Eiern. Dieser charakteristische Geruch wird von Schwefelwasserstoff (H₂S) verursacht.

Der Schlüssel zum Verständnis des im Yellowstone emittierten Gascocktails liegt im Aufbau des tief hinabreichenden Magmasystems: Unter Yellowstone befinden sich zwei Hauptreservoire: eine obere, rhyolithische Magmazone in 4 bis 17 Kilometern Tiefe und ein deutlich größeres, basaltisches Reservoir, das sich zwischen 20 und 50 Kilometern Tiefe erstreckt. Diese Tiefenlage ist entscheidend für den Verbleib des Schwefeldioxids. Während Kohlendioxid (CO₂) bereits in großer Tiefe aus dem Magma entweichen kann – weshalb Yellowstone zu den weltweit stärksten CO₂-Emittenten zählt –, wird SO₂ normalerweise erst sehr oberflächennah freigesetzt. In Yellowstone erreicht es diese flache Zone jedoch kaum, sodass nur vergleichsweise wenig SO₂ aus der Schmelze entweicht.

Das, was an Schwefeldioxid dem Magma entweicht und aufsteigt, trifft auf seinem Weg zur Oberfläche auf eines der größten hydrothermalen Systeme der Erde, das zehntausende heißen Quellen, Geysire und Fumarolen speist. Dort arbeitet eine Art natürliche Chemiefabrik: Das SO₂ löst sich im heißen Wasser und wird chemisch umgewandelt, vor allem in Schwefelwasserstoff (H₂S) und Sulfate. Der typische Geruch nach faulen Eiern in Gebieten wie dem Norris Geyser Basin ist somit kein Zeichen fehlender vulkanischer Aktivität, sondern das Endprodukt dieser Umwandlung und der Grund, warum in den emittierten Gasen kaum Schwefeldioxid nachweisbar ist.

Für die Vulkanüberwachung ist dieses Phänomen von großer Bedeutung. Würde plötzlich SO₂ an der Oberfläche gemessen, wäre das ein ernstes Warnsignal: Es würde auf aufsteigendes Magma und das Austrocknen des hydrothermalen Systems hindeuten. Solange jedoch vor allem CO₂ und H₂S dominieren, gilt Yellowstone trotz seiner Größe als geologisch aktiv, aber derzeit stabil.

Yellowstone zeigt damit eindrucksvoll, dass selbst ein Supervulkan nicht durch spektakuläre Ausbrüche auffallen muss – manchmal erzählen Gase, die man nicht misst, die spannendste Geschichte.

Ätna: Tremorabnahme und Schwarmbeben

Leicht rückläufiger Tremor und Schwarmbebentätigkeit deuten auf Verlagerung der Aktivität am Ätna hin

Am Ätna hat die eruptive Aktivität im Bereich der Gipfelkrater nachgelassen, ist aber noch nicht ganz beendet: es kommt noch zu Ascheemissionen und kleineren strombolianischen Explosionen, die zuletzt hauptsächlich von der Voragine ausgegangen sind. Der Tremor ist entsprechend leicht rückläufig und bewegt sich im oberen gelben Bereich an der Grenze zu Rot. Rot ist auch die vorherrschende Farbe auf der INGV-Shakemap vom Ätna, denn dort haben sich zwei Schwarmbeben in Gipfelnähe ereignet.

Schwarmbeben. © INGV

Während der erste Schwarm seinen Anfang mit Beginn der Eruptionen am Nordostkrater nahm, folgte der zweite Schwarm am 30. Dezember. Die Epizentren der insgesamt 11 Beben verlagerten sich in den oberen Bereich des Valle del Bove in Richtung des Monte Cenetari. Die beiden stärksten Beben hatten die Magnitude 2,2. Die Herdtiefen lagen überwiegend in weniger als 5 Kilometern, teilweise sogar innerhalb des Vulkangebäudes, kurz unter der Oberfläche. Die Tiefenangabe des flachsten Erdstoßes liegt bei -1590 m. Sie deuten auf eine Magmaintrusion hin: die Schmelze suchte sich ihren Weg vom Speicher unter dem Nordostkrater in östliche Richtung und wäre um ein Haar im Valle del Bove ausgetreten. Sollte der Druckanstieg im Speichersystem anhalten, besteht sogar die Möglichkeit einer Spaltenöffnung, sprich einer Flankeneruption im oberen Bereich des Valle del Bove.

Tremorquellen. © INGV

Im letzten Bulletin des INGV taucht der jüngste Erdbebenschwarm noch nicht auf. Die Tremorquellenanalyse zeigt, dass sich die Schmelze zwischen dem 22. und 28.12.2025 noch in dem schmalen Bereich sammelte, der vom Nordostkrater in Richtung Nordwesten streicht. Der oben beschriebene Erdbebenschwarm liegt in der Verlängerung dieser Linie.

Die Wahrscheinlichkeit einer Flankeneruption ist vergleichsweise klein. Wahrscheinlicher ist, dass sich das Magma einen anderen Weg sucht. Sollte es nicht weiter aus den bislang aktiven Gipfelkratern eruptiert werden, könnte auch der Südostkrater jene Schwachstelle im System sein, entlang derer sich das Magma seinen Weg bahnen wird. Doch hier gibt es bislang weder Tremor noch viele Erdbeben.

Guten Rutsch

Das war mein letzter Post in 2025. Vielen Dank an all jene, die mich durch das Jahr hinweg begleitet haben, und ein ganz besonderes Dankeschön an die Spender der Aktion zu Weihnachten! Im neuen Jahr versorge ich Euch weiterhin mit Nachrichten rund um Vulkane, Erdbeben und Naturkatastrophen. Guten Rutsch, Euer Marc Szeglat

Satsuma-Iojima mit Aschewolke in 900 m Höhe

Kleine Ascheeruption am Satsuma-Iojima in der Kikai-Caldera in Japan

Bereits am 28. Dezember 2025 kam es am Vulkan Satsuma-Iojima im Süden Japans zu einer kurzen Ascheeruption. Nach Angaben des Tokyo Volcanic Ash Advisory Centre (VAAC) begann die Aktivität gegen 17:07 UTC. Dabei stieg eine Vulkanaschewolke bis in eine Höhe von etwa FL030 (900 Meter) auf und verlagerte sich zunächst nach Südwesten. In späteren Satellitenbeobachtungen war die Asche jedoch nicht mehr eindeutig identifizierbar, sodass keine weiteren Ascheprognosen ausgegeben wurden. Es war die erste Eruption des Vulkans im auslaufenden Jahr 2025.

Der Satsuma-Iojima liegt auf einer kleinen Insel am Rand der Kikai-Caldera, einer großen submarinen Caldera südlich von Kyushu. Der aktive Schlot auf der Insel ist der Iōdake, der für regelmäßige Gas-, Dampf- und kleinere Ascheemissionen bekannt ist. Die Region gilt als einer der dauerhaft überwachten Vulkangebiete Japans, da frühere Ausbrüche gezeigt haben, dass auch vergleichsweise kurze Eruptionen Auswirkungen auf die Luftfahrt haben können.

Großräumige Gefährdungen für die Bevölkerung wurden bei diesem Ereignis nicht gemeldet. Die VAAC-Meldung diente in erster Linie der Flugsicherheit. Weitere Warnungen oder Beratungen sollen nur dann erfolgen, wenn erneut Vulkanasche in Satellitenbildern nachgewiesen wird.

Japan: Erdbeben Mw 6,0 am 31.12.2025

Erdbeben der Magnitude 6,0 vor Japans Nordostküste – keine Tsunamiwarnung

Ein starkes Erdbeben der Magnitude 6,0 hat am Dienstagabend, 31. Dezember 2025, die Küstenregionen im Nordosten Japans erschüttert. Nach Angaben internationaler und japanischer Erdbebendienste ereignete sich das Beben um 23.26 Uhr Ortszeit (14.26 Uhr UTC) vor der Ostküste der Hauptinsel Honshū.

Japan. © EMSC/Leaflet

Das Epizentrum lag rund 120 Kilometer ostsüdöstlich von Hachinohe und etwa 89 Kilometer nordöstlich von Miyako in der Präfektur Iwate. Die Herdtiefe betrug etwa 21 Kilometer, was das Beben in weiten Teilen der Küstenregion spürbar machte. Bewohner berichteten von deutlich wahrnehmbaren Erschütterungen, vereinzelt kam es zu kurzzeitigen Strom- und Verkehrsunterbrechungen.

Die Japanische Meteorologische Behörde (JMA) gab keine Tsunamiwarnung heraus. Auch internationale Stellen stuften das Tsunamirisiko als gering ein. Berichte über größere Schäden oder Verletzte lagen bis zum späten Abend nicht vor. Die Behörden überprüften vorsorglich Infrastruktur, Häfen und Küstenanlagen.

Seismologen ordnen das Ereignis als typisches Subduktionsbeben entlang des Japan-Grabens ein, wo die Pazifische Platte unter die Nordamerikanische Platte abtaucht. Die Region zählt zu den aktivsten Erdbebenzonen der Welt und wird regelmäßig von teils starken Beben erschüttert. Erst in den vergangenen Wochen war es in Nordostjapan zu mehreren spürbaren Erdstößen gekommen.

Die Behörden riefen die Bevölkerung dazu auf, aufmerksam zu bleiben und sich auf mögliche Nachbeben einzustellen. Japan verfügt über eines der weltweit dichtesten Frühwarn- und Katastrophenschutzsysteme, dennoch erinnern Ereignisse wie dieses an die anhaltende seismische Gefährdung des Landes.

Kanarische Inseln: Schwarmbeben auf Teneriffa und El Hierro

Schwarmbeben auf den Kanareninseln Teneriffa und El Hierro zum Jahresende

Zum Jahresende hat es auf den beiden Kanarischen Inseln Teneriffa und El Hierro Schwarmbeben gegeben. Heute Nacht wurden 14 Beben unter dem Teide auf Teneriffa registriert. Gestern manifestierten sich 11 Erschütterungen unter El Hierro. Das stärkste Beben hatte eine Magnitude von 3,5.




Teneriffa

Auf Teneriffa hat die seismische Aktivität zum Jahresende erneut Aufmerksamkeit erregt. Zwischen dem späten Abend des 29. Dezember und den frühen Morgenstunden des 30. Dezember 2025 registrierte das Kanarische Seismische Netzwerk (INVOLCAN) einen neuen seismischen Schwarm. Insgesamt wurden 14 Erdbeben aufgezeichnet, von denen 11 lokalisiert werden konnten. Die Magnituden blieben mit maximal 1,0 auf der Ml-Skala sehr gering. Die Beben konzentrierten sich im Südwesten der Caldera de Las Cañadas in Tiefen zwischen 8 und 16 Kilometern. Laut INVOLCAN zeigt die spektrale Analyse ein Überwiegen niederfrequenter Signale – ein Muster, das bereits bei früheren Schwärmen beobachtet wurde. Eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen Vulkanausbruch besteht kurz- wie mittelfristig nicht.

Auch auf El Hierro kam es am 29. Dezember zu erhöhter seismischer Aktivität. In den frühen Morgenstunden wurden dort elf Erdbeben mit Magnituden zwischen 0,8 und 3,5 registriert. Die Hypozentren lagen unter der Insel in Tiefen von 11 bis 36 Kilometern. Fachleute ordnen diese Serie als typisch für El Hierro ein, da ähnliche Muster in den vergangenen Jahren wiederholt beobachtet wurden. Die Ereignisse bewegen sich im Rahmen der bekannten geodynamischen Aktivität der Insel.

Ein Blick auf die vergangenen Wochen zeigt insgesamt ein moderates, aber kontinuierliches seismisches Geschehen im gesamten Archipel. In der Woche vom 19. bis 26. Dezember 2025 wurden 56 überwiegend schwache Erdbeben registriert. Das stärkste Ereignis erreichte eine Magnitude von 2,7 und ereignete sich zwischen Teneriffa und Gran Canaria. Die freigesetzte seismische Energie betrug rund 0,28 Gigajoule. Die vulkanischen Ampeln stehen auf Teneriffa, El Hierro, Lanzarote und Gran Canaria weiterhin auf Grün. Lediglich La Palma bleibt mehr als drei Jahre nach dem Ausbruch von 2021 auf Gelb, da sich geophysikalische und geochemische Parameter noch nicht vollständig normalisiert haben. Insgesamt bestätigen die Daten eine anhaltende, jedoch niedrige Aktivität, die für die Kanarischen Inseln charakteristisch ist.

Campi Flegrei zeigt stabile Aktivität

Solfatra in den Campi Flegrei, Jenny Morelia, KI-bearbeitet

Anhaltende Unruhe infolge des Druckanstiegs im Hydrothermalsystem der Campi Flegrei

Die süditaienische Caldera Campi Flegrei westlich von Neapel bleibt auch zum Jahresende 2025 unter intensiver Beobachtung. Wie aus dem aktuellen Wochenbericht des italienischen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV) hervorgeht, zeigen die Messdaten weiterhin eine erhöhte, jedoch stabile Aktivität. Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Eskalation gibt es derzeit nicht, doch der langjährige Trend zur Druckbeaufschlagung hält an. Auffällig ist eine Verlagerung der Entgasungsaktivität von Pisciarelli in den Solfatara-Krater, wo die Fumarolentemperaturen besonders hoch sind. Heute gab es auch wieder ein Erdbeben Md 2,0.

Im Zeitraum vom 22. bis 28. Dezember registrierten die Geowissenschaftler insgesamt 48 Erdbeben mit geringen Magnituden. Die stärksten Erschütterungen erreichten eine Magnitude von 2,0 und lagen damit deutlich unterhalb der Schwelle, bei der Schäden zu erwarten wären. Die meisten Beben ereigneten sich in geringer Tiefe im Bereich von Pozzuoli und der Solfatara .

Besonders aufmerksam verfolgen die Wissenschaftler die anhaltende Bodenhebung, ein bekanntes Phänomen der Campi Flegrei. Seit Oktober 2025 hebt sich der Boden im Zentrum der Caldera mit einer Rate von 25 Millimetern pro Monat. Insgesamt wurden seit Jahresbeginn bereits 22 Zentimeter Hebung gemessen. Ursache ist der zunehmende Druck im unterirdischen hydrothermalen System, indem sich heiße Gasen und Flüssigkeiten akkumulieren.

Auch die geochemischen Daten bestätigen die Druckzunahme: Die Temperaturen der Fumarolen, insbesondere der Hauptfumarole BG im Krater der Solfatara, sind weiter gestiegen und liegen aktuell bei durchschnittlich rund 170 Grad Celsius, mit Spitzenwerten von bis zu 173 Grad. Gleichzeitig bleiben die gemessenen Gasemissionen, etwa von Kohlendioxid, auf einem erhöhten, aber stabilen Niveau.

Trotz dieser Entwicklungen betont das INGV, dass es derzeit keine Anzeichen für eine kurzfristige, gefährliche Veränderung gibt. Die beobachteten Prozesse passen zu der seit Jahren andauernden Phase erhöhter Aktivität. Dennoch bleibt die Lage sensibel: Die Campi Flegrei zählen zu den am dichtesten besiedelten Vulkangebieten Europas. Auch wenn man derzeit nicht mit einem magmatisch bedingten Vulkanausbruch rechnet, könnten phreatische Explosionen auftreten.

In den vergangenen hatte unser Vereinsmitglied Jenny Morelia das Glück, bis auf den Rand Nordrand der Solfatara vorgelassen zu werden und konnte die Aufnahme oben machen, die ich mit KI-Hilfe aus 3 Screenshots ihres Videos zusammengesetzt habe.

Türkei: Bildung von Dolinen hat deutlich zugenommen

Mitten in der Kornkammer der Türkei tut sich der Boden auf – Zunahme der Dolinenbildung hat sich signifikant verstärkt

In der weiten Ebene Zentralanatoliens, dort wo Weizenfelder und Zuckerrübenplantagen das Bild prägen, wächst eine stille Gefahr. Immer häufiger reißt der Boden plötzlich auf, kreisrunde Löcher entstehen, teils dutzende Meter tief und breit genug um Landwirtschaftsgeräte und sogar Häuser zu verschlingen. Was lange als seltene geologische Kuriosität galt, hat sich in den vergangenen Jahren zu einem ernsten Problem entwickelt: Sinklöcher, sogenannte Dolinen, breiten sich in alarmierendem Tempo aus.




Eine neue Untersuchung der türkischen Katastrophenschutzbehörde AFAD zeigt das Ausmaß der Entwicklung. Insgesamt 684 Erdabsenkungen wurden im Konya-Becken kartiert, dem landwirtschaftlichen Herzstück des Landes. Besonders betroffen ist der Bezirk Karapınar, wo sich die Dolinen wie Narben durch die Felder ziehen. Allein im vergangenen Jahr dokumentierten Forschende der Technischen Universität Konya 42 neue Einsturzstellen – eine Zahl, die den drastischen Wandel verdeutlicht. Noch vor wenigen Jahrzehnten trat ein solches Phänomen nur alle paar Jahre auf.

Die Ursachen sind vielschichtig, doch die Richtung ist klar. Anhaltende Dürren und steigende Temperaturen, verstärkt durch den Klimawandel, haben die Wasserreserven der Region stark geschwächt. Gleichzeitig wird Grundwasser in großem Stil für die Bewässerung abgepumpt. Der Grundwasserspiegel ist in manchen Gebieten seit den 1970er-Jahren um mehrere Zehnermeter gefallen. Mit dem Wasser verschwindet auch der Druck, der unterirdische Hohlräume in den kalk- und gipshaltigen Gesteinen stabilisiert. Das Ergebnis: Der Untergrund kollabiert, die Oberfläche bricht ein.

Ein direkter Zusammenhang mit aktiver Tektonik gilt unter Geologen als unwahrscheinlich. Erdbebenserien oder großräumige Bruchbewegungen fehlen hier, inmitten der Anatolischen Platte. Dennoch spielt die geologische Struktur eine indirekte Rolle. Alte Störungszonen und Klüfte wirken wie natürliche Schwächezonen und lenken Grundwasserströme und genau in diesen Bereichen entstehen bevorzugt die unterirdischen Hohlräume, die später einstürzen.

Noch treffen die meisten Dolinen landwirtschaftliche Flächen, doch das Risiko wächst. Straßen, Bewässerungsanlagen und langfristig auch Siedlungen könnten betroffen sein. AFAD arbeitet inzwischen an detaillierten Risikokarten und Frühwarnsystemen. Klar ist jedoch: Ohne eine nachhaltigere Wasserbewirtschaftung droht Zentralanatolien, seine fruchtbaren Böden buchstäblich zu verlieren – Loch für Loch.

Blizzard in den USA verursacht Verkehrschaos

Bombenzyklon über den USA: Blizzard im Norden, Tornado im Süden – ein Sturm mit vielen Gesichtern

Ein außergewöhnlich starkes Wintersturmsystem hat in den letzen Tagen weite Teile der USA erfasst und dabei eindrucksvoll gezeigt, wie unterschiedlich die Auswirkungen ein und desselben Wetterereignisses sein können. Während ein sogenannter Bombenzyklon über den Großen Seen und Michigan zu Blizzard-Bedingungen führte, kam es im Süden des Systems – unter anderem in Illinois – zu schweren Gewittern und sogar zu einem Tornado.

Blizzard

Der Bombenzyklon, meteorologisch als „rapide Zyklogenese“ bezeichnet, entwickelte sich, als der Luftdruck im Kern des Tiefdruckgebiets innerhalb von 24 Stunden extrem schnell fiel. Diese rasche Intensivierung sorgte für Orkanböen, dichte Schneefälle und teils lebensgefährliche Bedingungen in Regionen rund um die Großen Seen. In Michigan, Wisconsin und Teilen von New York meldeten Behörden Stromausfälle für zehntausende Haushalte, gesperrte Autobahnen und massive Einschränkungen im Flugverkehr. In einigen Gebieten sank die Sicht durch Schneeverwehungen zeitweise auf nahezu null.

Gleichzeitig spielte sich weiter südlich ein völlig anderes, aber eng verbundenes Wetterdrama ab. Im Bundesstaat Illinois, insbesondere im Macon County zwischen Decatur und Mount Zion, setzte ein Tornado auf, der über mehr als 35 km am Boden blieb und mindestens neun Wohnhäuser beschädigte. Mehrere Dächer wurden abgedeckt, ganze Straßenzüge verwüstet. Glücklicherweise wurden keine Verletzten gemeldet; evakuierte Anwohner fanden in Notunterkünften Schutz.

Der Zusammenhang zwischen Blizzard und Tornado mag auf den ersten Blick überraschend wirken, ist meteorologisch jedoch erklärbar. Beide Phänomene waren Teil desselben großräumigen Sturmkomplexes. Während auf der Nord- und Westseite des Tiefs eisige Luftmassen für Schnee und Sturm sorgten, traf auf der Süd- und Südostseite warme, feuchte Luft auf kalte Höhenluft. Diese Konstellation erzeugte eine starke Windscherung – eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Entstehung von Tornados.

Solche Kombinationen aus winterlichen Extrembedingungen und schwerem Unwetter sind selten, treten aber bei besonders kräftigen Tiefdrucksystemen immer wieder auf. Meteorologen warnen, dass der Klimawandel die Intensität solcher Stürme erhöhen könnte, da stärkere Temperaturgegensätze und ein dynamischerer Jetstream extreme Wetterlagen begünstigen.

Für Millionen Menschen in den betroffenen Regionen bleibt die Erkenntnis, dass Wetterextreme nicht isoliert betrachtet werden können, sondern oft Teil eines komplexen, miteinander verknüpften Systems sind.