Sizilien: Heftige Unwetter in der Ätnaregion

Starke Gewitter mit Hagel setzten Straßen östlich des Ätnas auf Sizilien unter Wasser

Wie prognostiziert haben gestern Nachmittag starke Unwetter die Ostküste Siziliens getroffen und in mehreren Orten der Provinz Catania für Probleme gesorgt. Besonders stark betroffen war die Gemeinde Aci Sant’Antonio im Südosten des Ätnas. Ein intensives Gewitter brachte Starkregen und Hagel und setzte Straßen unter Wasser. Die Hagelkörner bedeckten zahlreiche Straßen so stark, dass sie teilweise wie von einer weißen Decke überzogen wirkten.

Aci Sant’Antonio

Der plötzliche Hagelschauer führte zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Viele Autofahrer mussten ihre Fahrt unterbrechen, da sich eine rutschige Mischung aus Eis und Wasser auf der Fahrbahn bildete. Einige Fahrzeuge blieben sogar auf den überfluteten Straßen stecken. Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz, um besonders betroffene Abschnitte zu sichern und den Verkehr wieder in Gang zu bringen.

Doch das Unwetter beschränkte sich nicht nur auf Aci Sant’Antonio. Auch entlang der Küste zwischen Catania und Messina wurden intensive Niederschläge gemeldet. In mehreren Ortschaften liefen Straßen und Plätze innerhalb kurzer Zeit voll Wasser. Besonders in tiefer gelegenen Bereichen kam es zu lokalen Überschwemmungen, da die Kanalisation die plötzlich einsetzenden Wassermassen nicht schnell genug abführen konnte.

Meteorologen sprechen von einem typischen Starkgewitter, wie es im Mittelmeerraum auftreten kann, wenn feuchtwarme Luftmassen vom Meer auf kühlere Luft in höheren Atmosphärenschichten treffen. Diese Konstellation begünstigt die rasche Bildung kräftiger Gewitterzellen, die innerhalb kurzer Zeit große Niederschlagsmengen bringen können. Normalerweise treten solche Extremwetterlagen im Spätsommer und Herbst auf, Richtung Frühlingsanfang sind sie selten, da sich das Mittelmeer normalerweise bereits abgekühlt haben sollte. Dieses Jahr ist es aber offenbar noch warm genug, um die benötigten Energien zur Verfügung zu stellen.

Ausbruch am Ätna?

Das Unwetter kam aus Sicht der Vulkanspotter-Community zu einer Unzeit, da es mit einer Tremorhochphase am Ätna zusammenfiel und den Vulkan in dichte Wolken hüllte, die zudem eine größere Menge Neuschnee gebracht haben dürften. Aufgrund der eingeschränkten Sicht ist es bis jetzt nicht klar, ob und was für ein Ausbruch stattgefunden hat. Neben dem hohen Tremor gab es eine leichte Bodensenkung im Gipfelbereich, die darauf hindeutet, dass Magma ausgetreten ist. Berichte über Ascheniederschlag liegen nicht vor. Auf dem letzten wolkenfreien Satellitenbild vom 12. März sind keinerlei thermische Anomalien sichtbar gewesen. Bereits am Vortag hatte es eine ähnliche Phase hohen Tremors gegeben. Das VAAC Toulouse registrierte keine Aschewolken und Berichte über Ascheniederschlag stehen ebenfalls aus. So bleibt das Geschehen weiter rätselhaft.

Ätna: Tremorpeak am 15. März

Schneller Tremoranstieg am Ätna gibt Rätsel auf – Eruption möglich aber nicht bestätigt

Am Vormittag des 15. März begann die Tremoramplitude am Ätna in die Höhe zu schnellen und hatte bereits gegen 13:00 UTC hohe Werte erreicht, die auf dem Graphen einen deutlichen Peak im roten Bereich markieren. Typischerweise entspricht die Höhe der Amplitude intensiver strombolianischer Tätigkeit im Gipfelkraterbereich in einer fortgeschrittenen Übergangsphase zu einem Paroxysmus, wenn bereits Lavaströme zu fließen anfangen. Allerdings ist die Sicht auf den Gipfelbereich infolge starker Bewölkung gleich null und eine mögliche Eruption ist unbestätigt. Ein Lagebericht des INGV steht noch aus, aber der VONA-Alarmstatus wurde auf „Gelb“ erhöht.

Bereits am 11. März gab es eine vergleichbare Situation bei der das INGV ebenfalls vorsorglich den VONA-Status für den Flugverkehr auf „Gelb“ erhöhte. Der Alarm wurde erst 2 Tage später terminiert.

Schneller Tremoranstieg am Ätna. © INGV

Nach dem starken Erdbebenschwarm am 4. März, der mehrere Tage anhielt, gab es einen kleineren Schwarm unter der Nordostflanke nahe der Küste, wo ebenfalls Störungen liegen, von denen bekannt ist, dass sie durch aufsteigendes Magma aktiviert werden. Mit dem heutigen Tremoranstieg verdichten sich die Anzeichen, dass sich am Ätna eine intensivere Eruptionsphase zusammenbrauen könnte. Leider wurde auch diese Woche vom INGV kein wöchentliches Bulletin zum Ätna veröffentlicht, so dass für Außenstehende unklar ist, ob es weitere Anzeichen für Magmenaufstieg gibt. In einer Meldung zum letzten Tremoranstieg wurde aber mitgeteilt, dass ein Bohrlochdilatometer erhöhte Strain-Werte anzeigt, die auf wachsende Spannungen im Vulkangebäude hindeuten. Bei den letzten Eruptionen mit Gipfeltätigkeit und subterminalen Lavaströmen sprangen diese Messgeräte ebenfalls an.

Sobald weitere Informationen vorliegen erfolgt ein Update.

Update: Hier folg schon das Update, da das INGV eine Tätigkeitsmeldung veröffentlicht hat. Obwohl es keine visuelle Bestätigung möglicher Aktivität gibt, sieht es nach einer Eruption aus, da eine leichte Dekompressionsphase am DRUV-Dilatometer registriert wird und der Boden infolge von Lavaausstoß leicht absinkt

Ätna: Tremor am 11.03.26 im roten Bereich

Tremor am Ätna ist im roten Bereich – keine sichtbare Eruption

Der Tremor am Ätna ist heute Nacht steil bis in den roten Bereich gestiegen, wie er es sonst nur bei Paroxysmen macht, erreichte allerdings nicht ganz so hohe Werte. Dennoch ist aktuell auf den Livecams keine Eruption zu erkennen. Bereits in der letzten Woche stieg die Amplitude des vulkanischen Zitterns schnell an, ohne dass Aktivität gemeldet worden wäre. Kurz vor dem starken Schwarmbeben in der ersten Märzwoche stieg der Tremor bis in den gelben Bereich, um einige Tage später ebenfalls den roten Bereich zu erreichen.



Wenige Stunden nach der Initialphase des Schwarmbebens ereignete sich eine kurze, aber heftige Ascheexplosion aus dem Zentralkrater. Der Erdbebenschwarm ist tatsächlich noch nicht ganz vorbei, denn es gibt jeden Tag einige Erdbeben in der gleichen Region. Meine Vermutung ist, dass sich in ca. 5 Kilometern Tiefe ein größerer Magmenkörper bildet, der den Druck im Fördersystem deutlich erhöht und das Magma anschiebt, das sich bereits wenige Hundert Meter unter den Gipfelkratern befindet. Das Risiko einer größeren Eruption war schon lange nicht mehr so hoch wie heute.

Tremor
Tremor am Ätna. © INGV

Das INGV-Catania meldete den Tremoranstieg und beobachtete, dass die Aktivität an den Gipfelkratern vor allem durch Entgasung geprägt ist. Die stärksten Entgasungen manifestierten sich aus dem Nordostkrater. Bei der Infraschallaktivität wurden keine Veränderungen festgestellt. Sie ist weiterhin auf den Nordostkrater konzentriert und schwankt in ihrer Häufigkeit zwischen mittleren und hohen Werten.

Ätnabeben. © INGV

Eine genaue Analyse des Tremors ergab, dass die durchschnittliche Amplitude gegen 04:40 Uhr (UTC) anzusteigen begann und um etwa 06:15 Uhr (UTC) hohe Werte erreichte. Seit dem Maximum gegen 08:10 Uhr (UTC) ist eine allmähliche Abnahme erkennbar. Gegen Abend bewegte sich der Tremor aber noch im Bereich hoher Werte. Das Epizentrum der Tremorquellen befindet sich im Bereich des Voragine-Kraterkomplexes in etwa 2.800 m Höhe über dem Meeresspiegel.

Interessant ist die Beobachtung, dass die Werte des Bodenverformungs-Messnetzes auf eine leichte Trendänderung am DRUV-Dilatometer sowie am Klinometer am Piano-Krater hinweisen Es gibt also Spannungsänderungen, die mit Magmenaufstieg im Zusammenhang stehen. Zusammen mit dem starken Tremor und den Erdbeben der letzten Woche bei gleichzeitigem Fehlen sichtbarer Tätigkeit bestätigen die Daten eine größere Magmaansammlung im Vulkan.

Sizilien: Erhöhte Seismizität im Norden

Erhöhte Seismizität im Norden von Sizilien – Küstenregion besonders betroffen

Im Norden Siziliens und dem angrenzenden Tyrrhenischen Meer, wo es gestern Abend ein starkes Erdbeben in großer Tiefe bei Neapel gegeben hatte, ist die Seismizität erhöht. Auffällig sind zwei kleiner Erdbebencluster kurz vor der Küste bei Milazzo und Marina di Patti, wo es seit dem 7. März 12 Erschütterungen gegeben hatte. Das stärkste brachte es auf eine Magnitude von 2,8 bei einer Herdtiefe von 10 Kilometern. Das Epizentrum befand sich 11 Kilometer westlich von Milazzo. 

Sizilien. © EMSC/Leaflet

Obwohl die Beben geringe Magnituden hatten und nicht spürbar waren, sind sie im Kontext von vulkane.net von besonderem Interesse, da sie mit dem Tindari-Letojanni-Fault in Verbindung standen. Hierbei handelt es sich um eine Blattverschiebung am Rand der Ionischen Platte, die von nördlich des Ätnas bis nach Vulcano und anderen Inseln des Liparischen Archipels reicht. Die Störungszone könnte auf Spannungsveränderungen im Umfeld der Vulkane reagieren: Auf Vulcano hatte es Anfang des Monats fluidbedingte Erdbeben gegeben, genauso wie es letzte Woche zu dem starken Erdbebenschwarm unter der Südwestflanke des Ätnas gekommen ist. Dieser Schwarm ist immer noch aktiv und sammelte zumindest bis gestern weitere Erdbeben ein. Dem nicht genug, sind die Regionen durch die Subduktion der Ionischen Platte auch mit den Vulkanen Kampaniens verbunden, wo es gestern Abend das erwähnte Erdbeben Mw 5,9 und 375 km Tiefe gab, das sich vor dem Golf von Neapel manifestierte.

Auch wenn ich es nicht wissenschaftlich beweisen kann und die meisten Stimmen sagen werden, dass es alles nur Zufall ist, kann ich mich der Ahnung nicht verwehren, dass es hier tatsächlich Hinweise auf großen Spannungsaufbau entlang der Störungen der Ionischen Platte gibt. Spannungen, die sich möglicherweise in den nächsten Wochen oder Monaten auf die Aktivität des einen oder anderen Vulkans Süditaliens auswirken und eine Eruption triggern könnten.

Ätna: Weitere Erdbeben unter dem Vulkan

flankeneruption
Ätna Flankeneruption in 2001. © Marc Szeglat

Weitere Erdbeben erschüttern Ätna – stärkste Erschütterung Mb 2,6

Wenn die Erde am Ätna spürbar bebt und sogar Schäden entstehen, ist das oft ein Anzeichen dafür, dass sich der Vulkan auf eine intensivere Eruptionsphase vorbereitet. Hierbei kann es sich um Eruptionen handeln, die sich auf den Gipfelbereich mit seinen 4 Hauptkratern beschränken, oder um Subterminal-Eruptionen, bei denen sich Spalten im Gipfelbereich, aber unterhalb der Krater, öffnen. Vergleichsweise selten sind echte Flankeneruptionen, bei denen einer der mächtigsten Vulkane Festlandeuropas aufzuplatzen pflegt wie eine reife Tomate. Das sind in der Regel die zerstörerischen Ausbrüche, bei denen Ortschaften gefährdet werden können. Zum Glück für die Anwohner des Ätnas sind solche Ausbrüche mehr als 20 Jahre her. Als Vulkanfilmer und Journalist erlebte ich die beiden Ausbrüche von 2001 und 2002/03 mit und dachte damals nicht, dass das die letzten großen Eruptionen für mehrere Jahrzehnte sein würden, die ich am Ätna vor die Linse kriegen sollte.



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Ätna. © INGV

Das aktuelle Schwarmbeben mit mehr als 100 Erschütterungen mit Magnituden zwischen 4,5 und 0,8 deutet meiner Meinung nach darauf hin, dass eine größere „Magmablase“ aufsteigt und den Druck im flachen Speichersystem des Vulkans deutlich erhöht. Für diesen Umstand spricht, dass es gut 6 Stunden nach dem stärksten Erdbeben am 4. Februar eine kurze, aber kräftige Ascheeruption aus dem Zentralkrater gab. Will man wissenschaftlich korrekt sein, muss man eingestehen, dass es nur ein zeitlicher Zufall gewesen sein kann. Da es aber mehrere Wochen lang keine vergleichbare Aktivität am Ätna gegeben hat, glaube ich nicht daran. Auffällig sind auch die vergleichsweisen starken Tremorschwankungen, die andeuten, dass sich Magma unter dem Vulkan bewegt und offenbar bereits versucht auszubrechen. Doch bei diesem Magma wird es sich nicht um die Magmablase handeln, die gerade aufsteigt und die Beben auslöste, sondern um die Schmelze, die bereits unmittelbar unter dem Kraterkomplex steht, sich dort im Laufe der letzten Wochen angesammelt hat und nun auf die Druckerhöhung im Fördersystem reagiert.

Gestern gab es weitere Erdbeben, von denen das stärkste eine Magnitude von 2,6 hatte und sich in dem gleichen Areal zwischen Biancavilla und Raglana zutrug wie der zuvor beschriebene Erdbebenschwarm. Bis auf das Beben Mb 4,5, das in nahezu Echtzeit auf der INGV-Shakemap erschien, wurden die restlichen Erschütterungen erst gestern nachgereicht Warum das INGV eine mindestens 24-stündige Verzögerung in der Veröffentlichung seiner Erdbebendaten in eine Grafik einbaut, die einst damit beworben wurde, in nahezu Echtzeit zu arbeiten, kann ich mir zwar denken, wird aber wohl nie offiziell kommuniziert werden.

Unter den Umständen signifikant erhöhter Seismizität scheint es geradezu rätselhaft zu sein, warum ausgerechnet diese Woche kein Bulletin erschien. Vermutlich, weil Ätna 8 Wochen keine Eruption mehr zeigte. Dieses turnusmäßige Aussetzen der Berichte fällt oft in einen zeitlichen Rahmen, in dem sich Ätna dann doch wieder durch besondere Aktionen zurückmeldet, und stößt bei mir auf wenig Verständnis: Auch in ruhigeren Zeiten sollte das INGV-Catania, das über mehr als 100 Mitarbeiter verfügt, genug Kapazitäten haben, um ein wöchentliches Bulletin am Laufen zu halten, insbesondere, da man ja nicht immer alles neu formulieren muss, sondern nur die aktuellen Messwerte in den immer gleichen Text eintragen kann.

Übrigens gehe ich davon aus, dass es noch eine große Anzahl an Mikrobeben mit Magnituden unter 0,8 gegeben haben wird. Eine KI-Auswertung könnte auch hier Tausende Erschütterungen nachweisen. Mit den Daten ließe sich bestimmt ein schönes 3-D-Modell des Untergrunds erstellen und die Spur des Magmas nachvollziehen.

Die aktuellen Vorgänge entsprechen dem, was ich bereits vermutete, als Ende letzten Jahres die tiefen Beben im Nordwesten des Vulkans auftraten: Schon vor früheren intensiven Eruptionsphasen manifestierten sich zuerst dort tiefe Beben, denen nach einigen Wochen mehrere Phasen flacherer Beben in der aktuellen Region im Südwesten folgten. Als Nächstes werden wir Erdbebenserien im Osten des Vulkans sehen, wenn die dortigen Störungszonen aufgrund des Magmenaufstiegs aktiviert werden. Stärkere Beben entlang der Pernicana-Störungszone im Norden folgen für gewöhnlich relativ kurz vor einer größeren Eruption. Ob dies gleich eine Flankeneruption sei einmal dahingestellt. Wahrscheinlicher ist eine neue Phase intensiver Gipfeltätigkeit, vielleicht sogar mit paroxysmalen Eruptionen.

Ätna: Erdbeben triggerte Ascheeruption

Ascheeruption am Ätna auf Sizilien – vermutlich durch Erdbeben ausgelöst

Nach dem kräftigen Erdbeben der Magnitude 4,5, das sich heute Morgen wie berichtet um 06:05 UTC unter der Südwestflanke des Vulkans ereignete und entgegen ersten Angaben doch Schäden verursacht hatte, kam es um 12:12 UTC zu einer spontanen Ascheeruption aus dem Ätna-Hauptkrater. Skifahrer filmten das Ereignis, welches inzwischen auch vom Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia (INGV) bestätigt wurde.

Überwachungskameras registrierten um 12:12 UTC eine plötzliche explosive Aktivität im Krater Bocca Nuova. Dabei entstand eine Ascheemission, die sich innerhalb weniger Minuten in die östlichen Quadranten des Vulkans ausbreitete. Die Eruption war nur von kurzer Dauer, stieß aber eine dichte Aschewolke aus, deren Farbe auf frisches Material hindeutet und die nicht infolge von Kollapsereignissen im Förderschlot entstand.

Parallel dazu erfassten die seismischen Instrumente ein kurzzeitiges Ereignis mit überdurchschnittlicher Amplitude, das eindeutig mit der Explosion korrelierte Dieses Signal stand zudem im Zusammenhang mit einem Infraschallereignis, das aus dem Bereich der Bocca Nuova lokalisiert wurde.

Seismische Entwicklung seit dem Morgen

Bereits in den frühen Morgenstunden – wenige Stunden nach dem starken Erdbeben Mb 4,5 – war eine moderate Zunahme der Tremoramplitude beobachtet worden. Gegen 08:40 UTC erreichte das Tremorsignal den Bereich, in dem es sich immer noch bewegt.

Das Epizentrum des vulkanischen Tremors liegt laut INGV zwischen dem Nordostkrater (NEC) und der Voragine (VOR) in einer durchschnittlichen Tiefe von etwa 3 Kilometern über dem Meeresspiegel. Diese Lage entspricht dem zentralen Gipfelbereich des Vulkans, wo sich mehrere Fördersysteme überlagern.

Zusätzlich hält eine lokalisierte Infraschallaktivität mit mittleren bis niedrigen Amplituden im Bereich des Nordostkraters an. Dies deutet auf fortgesetzte, explosionsartige Entgasungen hin. Möglich, dass es tief im Schlot stattfindende Eruptionen gibt.

Trotz der Explosion zeigen die permanenten GNSS-Stationen und Klinometer, die die Bodenverformung überwachen, keine signifikanten Veränderungen. Es wurden bislang weder neue Inflations- noch Deflationssignale festgestellt. Dies spricht gegen eine rasche Magmaintrusion in größere Tiefen oder ein stärkeres eruptives Szenario. Diese Einschätzung des INGV ist allerdings nur eine Momentaufnahme und kann sich innerhalb weniger Minuten ändern.

Meiner Meinung nach befinden wir uns relativ nahe an einer interessanten Eruptionsphase.

Die Schäden durch das Erdbeben konzentrieren sich überwiegend auf Ragalna, wo einige Decken und Hauswände eingestürzt sind. Auch eine Kirche ist betroffen.

Bisher folgten auf Erdbeben, die so stark waren, dass sie Schäden verursachten, praktisch immer größere Eruptionen des Ätnas.

Die Ascheeruption zeigt, dass das Erdbeben entweder durch Magmenaufstieg ausgelöst wurde oder/und dass das Erdbeben die Druck aufbauenden Prozesse im Speichersystem beeinflusste.

Ätna: Mittelstarkes Erdbeben im Südwesten des Vulkans

Vergleichsweise starkes Erdbeben unter der Ätna-Südwestflanke – zahlreiche Wahrnehmungsmeldungen

Datum: 04.03.2026 | Zeit: 06:05:11 UTC | Koordinaten: 37.652 ; 14.920 | Tiefe: 4 km | Mb 4,5

Heute Morgen ereignete sich um 06:05:11 UTC ein mittelstarkes Erdbeben der Magnitude 4,5 in nur 4 Kilometern Tiefe unter der Südwestflanke des Ätnas. Das Epizentrum lag laut EMSC Angaben 10 Kilometer nördlich von Paternò, genauer zwischen den Ortschaften Ragalna und Biancavilla am Fuß des Monte Arso. Es gab zahlreiche Wahrnehmungsmeldungen. Größere Schäden wurden bis jetzt nicht gemeldet



Seismogram. © INGV

Vor einigen Jahren kam es in dieser Gegend bereits häufiger zu Erdbeben, die sich zwar an einer lokalen Störungszone ereigneten, nachweislich aber durch Spannungsänderungen infolge von Magmenaufstieg ausgelöst wurden. Besonders erwähnenswert ist der Erdstoß vom 6. Oktober 2018 mit einer Magnitude von 4,8. Damals war der Ätna paroxysmal aktiv. Am 24. Dezember folgte eine subterminale Eruption.

<>Ob der aktuelle Erdstoß Schäden kleinere verursacht hat, ist noch nicht bekannt, liegt jedoch durchaus im Bereich des Möglichen. Auf jeden Fall wurde das Erdbeben in der Ätna-Region deutlich gespürt. Dem EMSC liegen Wahrnehmungsmeldungen auch aus Catania und sogar aus Syrakus vor. Zahlreiche Berichte aus Catania sprechen von vibrierenden Betten, schwankenden Möbeln, klappernden Türen und Fenstern sowie klirrendem Geschirr. Zudem soll das Beben vergleichsweise lange angedauert haben.

Das seismische Signal auf den Seismogrammen schwingt über drei Minuten lang und sprengt die Skala. Eine halbe Stunde später folgte ein weiteres Erdbeben der Magnitude Mb 2,7.

Erdbeben. © INGV

Interessant ist zudem, dass es Ende Februar einen kleineren Erdbebenschwarm im Westen des Ätnas gab. Dieser lag deutlich flacher als die tiefen Erdbeben der vergangenen Monate an gleicher Stelle. Diese Beben stehen wahrscheinlich direkt mit Magmenaufstieg in Verbindung. Zeitgleich mit den Erschütterungen stieg der Tremor von niedrigen auf mittelhohe Werte an. Der Tremorgraph spiegelt das aktuelle Beben ebenfalls in Form eines scharfen Peaks wider.

In der Vergangenheit war es häufig so, dass nach mittelstarken Erdbeben mit einem Abstand von einigen Wochen besondere Eruptionsphasen einsetzten. Sie liefern zwar nicht zwingend Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption, mittelfristig können sie jedoch durchaus als Indikatoren für neue vulkanische Aktivität gewertet werden.

Das Wochenbulletin steht bis jetzt aus, daher kann ich keine neuen geophysikalischen Daten liefern.

Update 10:30 Uhr: Wie das INGV mitteilte, wird ein Nachbebenschwarm registriert. Bis jetzt wurden 13 Erschütterungen mit Magnituden über 1,0 registriert. Entgegen früheren Meldungen ist es doch zu Schäden gekommen.

Ätna: plötzlicher Tremoranstieg Ende des Monats

Tremor am Ätna steigt plötzlich an – Erdbeben in mittleren Tiefen

Am Ätna auf Sizilien steigt der Tremor seit dem Abend des 27. Februars deutlich an. Da die farbcodierte Messstation ECPN offline ist, müssen wir mit den Daten der Messstation EMFS vorliebnehmen und können nicht die üblichen Maßstäbe in der Lagebeurteilung ansetzen Dennoch zeigt der Verlauf der Messkurve, dass die Amplitude des Tremors schnell von niedrigen auf mittelhohe Werte angestiegen ist, wobei der Trend heute Morgen etwas verlangsamt anhält.

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Tremor am Ätna. © INGV

Ein plötzlicher Anstieg der Tremoramplitude steht normalerweise mit einer Verstärkung der Fluidbewegungen im Untergrund in Verbindung. Am Ätna handelt es sich bei den Fluiden oft direkt um aufsteigendes Magma, aber auch um Gase. Nachdem die Erdbebenaktivität Mitte des Monats sehr gering war und es zwischen dem 15. und 23. Februar überhaupt keine registrierten Erdbeben gab, stieg die Seismizität in der letzten Woche wieder an und es wurden 13 Beben registriert, die meisten davon in mittleren Tiefen. Im Februar war die Erdbebenaktivität mit 52 detektierten Erschütterungen gering.

In Bezug auf die thermische Strahlung zeigt uns der Ätna die kalte Schulter: Sie ist in diesem Wintermonat geringer als sonst gewesen und aktuelle Sentinel-Fotos zeigen keine Hotspots in den Kratern. Es ist bestenfalls eine diffuse Wärmestrahlung auszumachen, die vom Boden der Bocca Nuova ausgeht.

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Tremorquellen. © INGV

Das jüngste INGV-Bulletin zum Ätna, das am 24. Februar veröffentlicht wurde, bietet keinerlei Überraschungen und attestiert dem Ätna normale Hintergrundaktivität bei moderaten Werten in Bezug auf Geochemie und Geophysik. Einzig die Tremorquellenanalyse bleibt interessant, denn sie zeigt weiterhin den Trend, der schon in den Vorwochen zu beobachten war: Unter dem nördlichen Sektor des Kraterkomplexes scheint Magma aufzusteigen und sich in einer schmalen Zone zu akkumulieren, die ungewöhnlich weit in den Westen vordringt. Außerdem gab es unter dem Pizzo Deneri schwachen Tremor.

Wann die nächste Eruption am Ätna einsetzen wird, lässt sich nicht prognostizieren. Die schnell steigende Tremoramplitude könnte andeuten, dass eine neue Aktivitätsphase kurz bevorstehen könnte. Allerdings stieg der Tremor bis jetzt nur auf mittelstarke Werte, bei denen noch nicht mit einem Ausbruch zu rechnen ist. Sollten in den nächsten Stunden hohe Werte erreicht werden, sieht die Sache anders aus. Am ehesten ist mit Aktivität aus dem Nordostkrater zu rechnen, oder mit einer subterminalen Spaltenöffnung im Norden des Gipfelbereichs.

Ätna: Erdbeben im Osten und tiefe Tremorquellen

Erdbeben im Osten des Ätnas – Tremorquellen vergleichsweise tief und weit im Norden

Am Ätna gab es in den letzten Tagen wieder mehrere Erdbeben im Osten des Vulkans. Dabei bildete sich ein Cluster im Bereich von Milo, wobei die Erdbebenherde tiefer als 5 Kilometer lagen. Das stärkste Beben hatte eine Magnitude von 2,5 und ein Epizentrum gut 1 Kilometer nordwestlich von Milo. Weitere flachere Beben gab es näher an der Küste. Vereinzelte Erschütterungen wurden auch im Norden und Süden registriert. Im Vergleich zu den letzten beiden Monaten hat die Seismizität aber deutlich abgenommen. Trotzdem steigt weiter Magma auf, wie man anhand der Tremorquellenanalyse sehr schön erkennen kann.

Tremor
Tremorquellen. © INGV

Laut den INGV-Daten für den Beobachtungszeitraum 2.–8. Februar 2026 war die Tremoramplitude schwach bis mittelhoch. Doch die Lageanalyse liefert uns praktisch ein Röntgenbild des Ätnas, auf dem man zwar keine gebrochenen Knochen erkennen kann, aber ein Abbild des oberen Speicher- und Fördersystems. Aktuell steigt ein Magmenkörper aus größeren Tiefen auf und bewegt sich ungewöhnlich weit nördlich des Gipfelkraterkomplexes in einer Höhe von ca. 1,5 Kilometern über dem Meeresspiegel. Damit befindet sich das Magma noch ein Kilometer unter dem oberen Reservoir, von wo es dann bei Ausbrüchen seinen finalen Aufstieg antritt. Sollte der Magmenkörper seinen aktuell eingeschlagenen Weg beibehalten, dann liegt eine baldige Reaktivierung des Nordostkraters an. Mich würde es auch nicht wundern, wenn sich im Norden des Ätna Spalten bzw. Förderschloten öffnen würden. Mögliche Warnsignale hierfür sind flach liegende Beben unter der Nordflanke und eine Aktivierung des Pernicana-Fault.

Die moderaten geochemischen Daten der Gasemissionen bestätigen, dass das Magma noch in etwas größerer Tiefe steckt. Auch die Infraschalltätigkeit war in der letzten Woche relativ gering, mit nur wenigen Signalen, die auf Explosionen hindeuteten.

Erdbeben gab es in den letzten Tagen nicht nur unter dem Ätna, sondern auch im äußersten Westen des Liparischen Archipels, wo das EMSC mehrere Erdbeben detektierte. Das stärkste hatte eine Magnitude von 3,4 und eine Herdtiefe von 31 Kilometern – eine Tiefe, die typisch für Magma ist, das dabei ist, in der Erdkruste einzudringen, oder für Beben an einem Stück subduzierter Kruste.

Übrigens: In den Höhenlagen des Ätnas liegt dieses Jahr ungewöhnlich viel Schnee und es kommt besonders an den Wochenenden zu massiven Staubildungen in Richtung der beiden Skigebiete. Offenbar sind die Straßen durch aufgetürmten Schnee an den Rändern so eng, dass Wenden unmöglich ist und keine Rettungsgassen gebildet werden können. So kam es bereits mehrmals zu unschönen Situationen, als es galt, Verletzte abzutransportieren. Vulkanführer bemängeln zu Recht die schlechte Organisation und Räumung der Straßen von Seiten der Kommune und kritisieren im gleichen Atemzug erneut die übertriebenen Sicherheitsmaßnahmen am jüngsten Lavastrom. Tatsächlich halte ich Skifahren für deutlich gefährlicher, als sich mit Bedacht einem Lavastrom zu nähern, und die Unfallbilanz bestätigt das eindeutig. Ich selbst habe höchsten Respekt vor dem Skifahren und halte es für wesentlich gefährlicher, als effusive Vulkanausbrüche zu beobachten: Speed kills!