Ätna: Tremorabsturz und Erdbeben am 15. August

Erdbeben verursachte Risse in der Mareneve. Fahrzeug per KI umpositioniert.

Erdbeben ML 3,9 folgt Tremorabsturz am Ätna – das Ende der Eruption?

Am Ätna hat sich am 15. August eine ungewöhnliche Abfolge seismischer und eruptiver Ereignisse abgespielt, in deren Folge die  Mareneve genannte Straße im Norden des Vulkans beschädigt wurde. Obwohl der Vulkan zurzeit weiterhin effusiv aktiv ist, brach die Tremoramplitude nach einem kurzen, aber deutlichen Anstieg innerhalb weniger Minuten auf niedrige Werte ein. Gut anderthalb Stunden später erschütterte ein flaches Erdbeben der Magnitude ML 3,9 den Nordosthang des Vulkans. Dort verläuft die bekannte und signifikante Pernicana-Störung, deren Erdbebenaktivität bereits mehr als einmal eine bevorstehende Eruption angekündigt hat. Sollte es sich diesmal andersherum verhalten?


Erdbeben © EMSC/Leaflet

Nach Angaben des INGV begann die Tremoramplitude gegen 08:20 UTC schnell anzusteigen, und erreichte um 08:40 UTC ihren Höchststand. Genau zu diesem Zeitpunkt ereignete sich am Nordostkrater eine kurze Explosion, die eine Aschewolke erzeugte. Anschließend fiel der Tremor abrupt ab und lag ab etwa 09:00 UTC wieder im niedrigen Bereich. Die Tremorquellen wurden während des Anstiegs ungewöhnlicherweise am Nordostkrater in rund 2000 Metern Höhe lokalisiert; inzwischen liegt die Quelle wieder im Bereich des Voragine-Kraters auf etwa 2600 Metern Höhe – deutlich tiefer als zuvor.

Parallel dazu registrierte das Observatorium zwischen 08:26 und etwa 08:56 UTC mindestens 20 starke Infraschallereignisse am Nordostkrater. Die Kombination aus Infraschallserie, Tremoranstieg und Explosion zeigt, dass sich in diesem Zeitraum eine deutliche Veränderung der eruptiven Aktivität abspielte.

Um 10:24:08 UTC folgte dann das ML-3,9-Erdbeben. Der Herd lag nur 1,2 Kilometer tief bei 37,832° N und 15,070° E, lediglich 2,8 Kilometer nördlich von Piano Pernicana. Damit befand sich das Beben unmittelbar im Bereich des Pernicana-Störungssystems, einer bedeutenden tektonischen Struktur am Nordosthang des Ätna.

Tremor. © INGV

Auf der Tremor-Zeitreihe ist nach dem Einbruch ein Peak zu erkennen, der zeitlich sehr gut mit dem Erdbeben übereinstimmt. Das ist plausibel, als seismisches Signal des Bebens zu interpretieren. Wichtig ist jedoch: Das Erdbeben kann den vorherigen Tremorabsturz nicht verursacht haben (was mein erster Gedanke war), da es erst rund 84 Minuten später stattfand. Möglich ist vielmehr, dass beide Ereignisse Teil einer veränderten Spannungsdynamik des Vulkans sind.

Die INGV-Forscher kommentierten, dass das Erdbeben mit der aktuellen Aktivität des Vulkans zusammenhängt, ließen weitere Interpretationen aber offen. Vergleichbare Erdbeben kündigten 2002 die große Flankeneruption an und wurden zumindest indirekt von aufsteigendem Magma verursacht. Ohne Deformationsmessungen an der Nordflanke bleibt zunächst unklar, ob es sich diesmal wieder so verhält oder ob das Beben mit dem Ende der aktuellen Aktivität in Zusammenhang stehen könnte.

Obwohl die Lavaströme anhalten und auf dem wolkenfreien Valle del Bove via Thermal-Livecam beobachtet werden können, ist es aufgrund der Gipfelbewölkung nicht klar, ob es hier noch Aktivität gibt. Die starken Explosionen am Nordostkrater sprechen für das Finale der Eruption. Zugleich registriert das INGV eine rückläufige Deformation und einen sich verstärkenden Deflationstrend des Vulkangebäudes.

Sizilien im April 2026 – eine Neptunstory

Reise der Vulkansurrogate: Agrigent und Syrakus statt Ätna und Stromboli

Vulcano, die Insel, die allen Feuerbergen ihren Namen gab, fasziniert mich seit meiner frühen Jugend: Ich entdeckte die Insel in einem Stern-Bericht der 1980er-Jahre und nahm mir vor, diesem entlegenen Eiland nördlich von Sizilien eines Tages einen Besuch abzustatten. Tatsächlich war der Inselvulkan dann auch einer der ersten Vulkane, die ich gut zehn Jahre später besuchen sollte. Und es blieb nicht bei diesem einen Besuch. Zuletzt kehrte ich mit meinem Sohn Leroy in den Osterferien 2026 dorthin zurück, der jetzt etwa in dem Alter ist, in dem ich besagten Stern-Bericht las. Ein Teil meiner Faszination übertrug sich auf ihn, denn es war unsere dritte gemeinsame Reise dorthin, wobei eigentlich Stromboli unser Hauptziel war.



Ätnablick

Tatsächlich nahmen wir die Unbequemlichkeit auf uns, über Frankfurt anstatt von Düsseldorf aus zu fliegen, was dem Umstand geschuldet war, dass der Flug nach Catania von Frankfurt aus halb so teuer war wie von Düsseldorf. Zu allem Überfluss ging der Flieger morgens um 7 Uhr und da nachts keine Züge von Oberhausen nach Frankfurt fahren – was ich immer wieder unglaublich bescheuert finde, denn auch nach Amsterdam mit seinem Fernflughafen kommt man nachts nicht –, mussten wir schon abends aufbrechen, sodass wir kurz nach Mitternacht am Flughafen ankamen. Zum Glück war es die Nacht der Umstellung auf Sommerzeit, sodass die Wartezeit eine Stunde kürzer ausfiel.

Auf Richtung Vulcano und Stromboli

Nach ereignislosem Flug kamen wir am Vormittag in Catania an, holten uns den Mietwagen und begannen unsere Sizilienreise auf dem Domplatz von Catania, wo wir einen tollen Blick auf den Ätna hatten. Doch das gute Wetter währte nicht lange und bald hüllte sich der Dominator Siziliens in dichte Wolken. Den Wetterprognosen nach sollte sich das auch so schnell nicht wieder ändern, denn es wurden schwere Unwetter vorausgesagt, weswegen wir spontan unseren Plan änderten, den Ätna cancelten und sofort Richtung Vulcano durchstarteten, wo wir am späten Nachmittag eintrafen. Vom Hafen Milazzo aus hatte ich noch schnell ein Zimmer in der Casa Schmidt gebucht, wo wir schon im Vorjahr Gast waren und die zu unseren ursprünglich geplanten Reisedaten aber ausgebucht war, weswegen wir später in ein ebenfalls nettes Ferienhaus umziehen sollten, das wir schon von zu Hause aus gebucht hatten.

Am Hafen empfing uns der so vertraute Geruch nach faulen Eiern, den Leroy bei seinen ersten Inselkontakten so gar nicht mochte. Inzwischen rümpfte er nur einmal kurz die Nase, dann war gut. Der Gestank entströmt den Fumarolen am Faraglione genannten Felsen und dem Fangobad an seinem Fuß. Zu unserem Entsetzen war das Bad erneut geschlossen, obwohl sich die Gaswerte, die in den Jahren der seismovulkanischen Krise zur Schließung des Bades geführt hatten, inzwischen wieder deutlich normalisiert hatten. Der Grund der Schließung: Für den privaten Pächter lohnte es sich in der Vorsaison wohl nicht, den mittlerweile von der Kommune vorgeschriebenen Bademeister zu bezahlen, weshalb Touristen, die auch extra wegen eines Bades im Fango kommen, nun vor dem hölzernen Gatter stehen und dumm gucken. Wer mich kennt, weiß, dass ich mich von Holzzäunen und Toren nicht einfach von MEINEM Fangobad abhalten lasse, und so beschloss ich später trotzdem, ein Bad zu nehmen. Doch leider kam es anders als geplant: Die Unwetter, vor denen wir mittags aus Catania geflohen waren, holten uns ein. Und so fanden Leroy und ich uns abends in einem der wenigen offenen Restaurants bei einer Pizza sitzend wieder, anstatt in dem Fangotopf.

Am nächsten Morgen standen wir mit Sonnenaufgang auf und das Wetter war besser. So nutzten wir die Gelegenheit und machten uns gleich an den Aufstieg zum Vulkankrater der Fossa 2, den wir auch recht schnell erreichten. Anders als im Vorjahr war das Fumarolenfeld nicht mehr gesperrt und so erkundeten wir es ausführlich. Mit meiner kleinen Thermalkamera maß ich Temperaturen von bis zu 198 Grad Celsius und blieb damit unter den von den Vulkanologen ermittelten Werten von ca. 250 Grad. In Ermangelung einer Gasmaske drang ich aber auch nicht bis zu den heißesten Fumarolen vor. Nach einer Umrundung des Kraters machten wir uns über die Ascherutsche an den Abstieg. Leroy, der mittlerweile schon dabei ist, ein Vulkanprofi zu werden, fand besonders hieran Gefallen.

Unten angekommen marschierten wir zur Casa Schmidt, packten unser deponiertes Gepäck und zogen in das Ferienhaus um, das für die nächsten zwei Nächte unser Zuhause sein sollte. Leider kamen nachmittags erneut Unwetter auf und es wurde wieder nichts aus einem Fangobad.

Am nächsten Tag regnete es Bindfäden und in Ermangelung besserer Ideen mieteten wir einen recht vergammelten Wagen und unternahmen eine Inselrundfahrt. Doch das Wetter wollte sich nicht bessern und so blieben wir, abgesehen von ein paar kurzen Spaziergängen, im Wagen und chillten in unserem Ferienhaus.

Einmal am Stromboli anschlagen, dann zurück nach Sizilien

Und schon war unsere Zeit auf Vulcano um. Am nächsten Morgen war das Wetter besser und wir saßen gegen 7 Uhr bereits im Tragflächenboot nach Stromboli, wo wir die nächsten drei Nächte verbringen wollten. Die Freude war groß, denn bei unserem letzten Versuch, den Vulkan zu erreichen, scheiterten wir am hohen Seegang, wegen dem der Fährbetrieb ausgesetzt wurde. Das sollte uns heute nicht passieren. Oder doch? Nach gut zweieinhalb Stunden im Schnellboot erreichten wir Stromboli bei schönstem Sonnenschein. Voller Erwartung erhoben wir uns von unseren Plätzen und schauten den Matrosen durch die bereits offene Tür bei den Vorbereitungen zum Anlanden zu, als aufgrund ein paar sich kreuzender Wellen Palaver aufkam. Nach nicht einmal einer Minute des Anlegeversuchs warf die Crew das Handtuch und meinte: „Das wird heute nichts mehr.“ Das Boot drehte ab und machte sich auf den Rückweg nach Milazzo, wo wir dreieinhalb Stunden später – immer noch verdutzt – ankamen.

Was nun tun, es morgen noch einmal versuchen? Erst einmal holten wir unseren Wagen aus der Garage, fuhren nach McDonald’s, um Essen zu fassen und uns zu beraten. Die Wetterprognose für die nächsten Tage ließ schwer zu wünschen übrig und so beschlossen wir, erst einmal nach Cefalù zu fahren und uns ein Hotel zu nehmen. Sollte das Wetter am nächsten Tag besser sein, könnte man von hier aus wieder nach Milazzo fahren und es erneut versuchen. Doch schon während der Besichtigung des pittoresken Ortes mit seinem maurischen Waschplatz frischte der Wind auf und die See brandete schwer gegen die Küste. Schnell wurde klar, dass uns Neptun erneut nicht wohlgesonnen war. Unserer Tour drohte, in einer Odyssee zu enden.

Flughafen Catania. © Leroy Szeglat

So sollte es dann auch kommen. Ein Blick vom Hotelzimmer aus Richtung Meer machte klar, dass dieser Tag bereits um 7 Uhr morgens gelaufen war: Gewitterwolken hingen tief über dem sturmgepeitschten Meer und für einen Moment war mir so, als würde ich eine hässlich grinsende Gestalt in der Gischt erkennen, die einen Dreizack schwang. So cancelten wir Stromboli endgültig und fuhren weiter nach Palermo und Monreale, wo das Wasser nur so von den Hängen schoss und die Kanalisation überlastet war. Auch das machte wenig Sinn und so querten wir Sizilien zu dem einzigen Ort mit einer akzeptablen Wetterprognose: Agrigent. Hier schauten wir uns abends die berühmte Tempelanlage an, bezogen ein weiteres beliebiges Hotel und fuhren am Folgetag nach Syrakus, um auch hier die wichtigsten Sehenswürdigkeiten abzuklappern.

Am Ende einer recht enttäuschenden ungeplanten Sizilienrundreise erlebte Flugzeugfan Leroy dann doch noch ein Highlight, als wir am letzten Abend am Flughafen von Catania nahe der Startbahn zum Plane-Spotting aufschlugen und – wen wundert’s – bei aufklarendem Wetter und guten Prognosen für die nächsten Tage Flugzeuge vor der Silhouette des Ätna fliegen sahen.

Vulkanausbruch am Ätna: Verstärkte Explosivität der Eruption


Vulkanausbruch am Ätna dauert seit über einer Woche an – Verstärkung der Explosivität, Lava vom Weltall aus sichtbar

Am Ätna auf Sizilien hält die seit mehr als einer Woche andauernde Eruption weiter an. Nach offiziellen Angaben des INGV setzte sich am 13. August die effusive Aktivität an den Eruptionsöffnungen auf etwa 2750 und 1900 Metern Höhe fort. Der zuvor noch aktive Lavastrom an der Öffnung auf 2090 Metern ist dagegen inzwischen erloschen. Am späten Nachmittag steigerte sich die Explosivität der Eruption deutlich.


Wärmebild. © INGV

Besonders weit vorgedrungen ist die Lava aus der Öffnung auf 1900 Metern Höhe. Bei einer Kontrolle am Donnerstagvormittag lag die Lavafront auf etwa 1340 Metern Höhe und hatte damit die markante Rocca Capra im Valle del Bove bereits knapp überschritten. Am Vortag hatte die Front noch eine Höhe von 1365 Metern erreicht. Die Lava bewegt sich damit langsam weiter talwärts durch das Valle del Bove, wobei ihre Geschwindigkeit und Reichweite stark vom Gelände und der Versorgung mit Magma abhängen. Letztere hatte gestern nachgelassen, sich in der Nacht zum Freitag wieder deutlich intensiviert, wie man mal auf Bildern der Wärmebildkamera EMCT erkennen kann.

Das Copernicus-Sentinel-2L-Foto (oben) vom 11. August ist eine Kombination aus 2 Fotos: Zugrunde liegt ein Satellitenbild im sichtbaren Lichtspektrum, in das ich die Wärmesignatur eines SWIR-Bildes hineingerendert habe, das die Lavaströme visualisiert. Auf dem Foto erkennt man neben der beeindruckenden Aschewolke sehr schön die Lage des Lavafelds am Nordrand des Valle del Bove und wie weit fortgeschritten die Lavafronten sind. Die Lavaströme lassen sich von der Serra delle Concazze aus gut beobachten.

Während die Speisung der Lavaströme gestern Nachmittag nachließ, verstärkte sich die explosive Aktivität am Gipfelkrater Voragine deutlich. Ab 16:55 UTC registrierten die Überwachungssysteme eine Zunahme der Explosionen und Ascheemissionen. Die Asche wurde in südliche Richtungen verfrachtet. Außerdem gab es vereinzelt starke Explosionen aus dem Nordostkrater.

Auch die seismischen und infrasonischen Signale zeigten am 13. August eine deutliche Aktivierung. Die durchschnittliche Tremoramplitude nahm ab etwa 10:00 UTC markant zu und erreichte zwischen 12:00 und 15:00 UTC ihren bisherigen Höchstwert. Anschließend blieb das Tremorniveau hoch. Die Quellen des Tremors lagen weiterhin im Bereich der Voragine und nördlich der Bocca Nuova in rund 3000 Metern Höhe. Aktuell nimmt der Tremor wieder etwas ab und damit auch die Stärke der Explosionen, obgleich diese weiter anhalten.

Die hohe Explosivität ging mit einer Verstärkung der Infraschallsignale einher. Sie konzentrierten sich vor allem auf die Voragine und erreichten dort hohe Amplituden. Auch am Nordostkrater wurden starke infrasonische Ereignisse registriert.

Weitere signifikante Veränderungen an den Messstationen zur Bodenverformung blieben hingegen aus.

Die erhöhte explosive Aktivität ging mit verstärktem Ascheausstoß einher, der den Flugverkehr weiter beeinträchtigt. Das VAAC Toulouse gab am Donnerstagabend weiterhin den Aviation Colour Code RED aus. Eine Aschewolke wurde bis Flugfläche 150, also etwa 4500 Meter, beobachtet und bewegte sich mit 9 km/h nach Südwesten. Die schwachen Winde sind mit dafür verantwortlich, dass sich die Asche lange in der Luft hält und sich um den Ätna konzentriert.

Am Flughafen Catania wurde deshalb die Sperrung der Sektoren C1 und B3 verlängert. Nach dem Stand vom Donnerstagabend bleiben Ankünfte und Abflüge bis 2:00 Uhr am 15. August ausgesetzt. Reisende werden aufgefordert, den Status ihrer Flüge direkt bei der jeweiligen Fluggesellschaft zu überprüfen.

Trotz der Sperrung des Flughafens sind zahlreiche Touristen auf Sizilien unterwegs, die den Ätna stürmen, um einen Blick auf die Lava zu riskieren. Anders als im Januar gibt es bisher keine mir bekannten offiziellen Verbote, sich der Lava zu nähern, und vom Rand des Valle del Bove auf der Citelli-Seite kann man das Naturschauspiel relativ gefahrlos beobachten, eine Gelegenheit, die auch von Tausenden wahrgenommen wird.

Das aktuelle Geschehen mit sich abwechselnden Intensitäten des explosiven und effusiven Anteils der Eruption verdeutlicht die außerordentliche Dynamik des Geschehens. Wie lange die Eruption anhalten wird, lässt sich anhand verfügbarer Messdaten nicht abschätzen. Bisher wurde vom INGV nicht kommuniziert, wie viel Magma sich vor der Eruption unter dem Vulkan akkumulierte und wie groß die Förderrate ist. Was wir wissen, ist, dass die vor der Eruption festgestellte Bodenverformung entlang der Prernicana-Störung ein Anzeichen für die sich anbahnende Lateraleruption war und auf den Durchgang unüblich großer Magmamengen geschuldet war. Die Deformationen blieben aber deutlich unter jenen vor den großen Flankeneruptionen 2001 und 2002. Dementsprechend könnte sich der Ausbruch auf aktuellem Niveau stabilisieren, ohne sich zu einer katastrophalen Eruption auszuweiten. Wobei Ätna immer für eine Überraschung gut ist.

Ätna: Multiple Lavaströme und Chaos am Flughafen

Vulkanausbruch am Ätna verursacht Chaos am Flughafen Catania – Mehrere Lavaströme aktiv, erste Fronten kühlen ab

Die außergewöhnlich starke Eruptionsphase am Ätna hält bei fluktuierender Intensivität weiter an und sorgt inzwischen nicht nur am Vulkan selbst, sondern auch im sizilianischen Flugverkehr für Probleme: Die Aschewolken bedingten inzwischen für eine vollständige Einstellung des Flugbetriebs und Tausende Urlauber sind gestrandet oder von Verzögerungen betroffen.



Nach Angaben des INGV setzte sich am 12. August die effusive Aktivität an mehreren Eruptionsöffnungen fort. Lava tritt weiterhin aus den Öffnungen auf  2750, 2090 und 1900 Metern Höhe aus. Die Front des aktivsten Lavastrom erreichte am Vormittag ein Höhenniveau von 1365 Metern und floss damit bis in die Nähe der Rocca Capra im Valle del Bove. Die Fronten des älteren Stroms aus der Öffnung auf 2360 Metern kühlen dagegen ab.

Gleichzeitig hält die explosive Aktivität am Krater Voragine an. Immer wieder wird Asche ausgestoßen, die überwiegend nach Süden verfrachtet wird. Am Vortag hatte eine explosive Ascheemission aus der Bocca Nuova sogar kleinere pyroklastische Ströme ausgelöst, die aber auf den Gipfelbereich beschränkt blieben. Der vulkanische Tremor bleibt auf hohem Niveau und zeigt zuletzt eine langsame Zunahme. Die Aktivität im Infraschallbereich ging dagegen am 12. August zurück.

Besonders gravierend sind die Folgen für den Flugverkehr. Wegen der Aschewolke wurde der Luftraumsektor B3 erneut gesperrt. Der Flughafen Catania-Fontanarossa stellte daraufhin sämtliche Starts und Landungen ein. Die Sperrung wurde am 12. August erneut verlängert und soll nach Angaben der Betreibergesellschaft SAC nun bis zum 13. August um 16 Uhr gelten. Entscheidend ist dabei die Entwicklung der Aschewolke, die sich abhängig von Windrichtung und Eruptionsintensität jederzeit verändern kann.

Für Reisende entwickelte sich die Situation zum Verkehrschaos. Seit Beginn der aktuellen Störungen sind in Catania rund 700 Flüge ausgefallen. Mehr als 250 weitere Flüge wurden auf andere Flughäfen umgeleitet oder neu organisiert. Zahlreiche Verbindungen gingen nach Palermo, Trapani und Comiso. Allein nach Palermo wurden seit Beginn der Krise rund 190 Flüge umgeleitet, wodurch etwa 30.000 Passagiere betroffen waren.

Am Flughafen bildeten sich lange Schlangen an den Schaltern der Fluggesellschaften. Gestrandete Passagiere mussten teilweise kurzfristig auf andere Flughäfen ausweichen. Gleichzeitig waren Busse überfüllt, Mietwagen kaum verfügbar und Taxis teilweise nur zu hohen Preisen zu bekommen. Auch der Flughafen Comiso war zeitweise wegen der Asche geschlossen, konnte inzwischen jedoch wieder vollständig geöffnet werden.

Das VAAC Toulouse registrierte am 12. August eine Aschewolke bis etwa 5500 Meter Höhe und prognostizierte eine weitere Verlagerung nach Süden. Damit bleibt die Luftfahrtlage unsicher.

Vulkanausbruch am Ätna: Weitere Spaltenöffnung

Ätna bleibt hochaktiv – neue Eruptionsöffnung in der Valle del Bove

Der Vulkanausbruch am Ätna auf Sizilien geht nicht nur weiter, sondern hat sich seit gestern weiter intensiviert. Neben den anhaltenden explosiven Eruptionen am Krater Voragine speist der Vulkan mehrere Lavaströme an seiner Ostflanke. In der Nacht zum Dienstag kam es zudem zur Öffnung einer neuen Eruptionsstelle im Valle del Bove. Gleichzeitig führt die Ascheentwicklung zu Einschränkungen am Flughafen Catania.



Nach Angaben des INGV öffnete sich am Montagabend gegen 21:30 UTC eine neue Eruptionsöffnung im Valle del Bove auf etwa 1900 Metern Höhe in der Nähe des Monte Simone. Damit verlagerte sich die effusive Aktivität weiter hangabwärts. Bereits zuvor waren Lavaströme aus Öffnungen auf etwa 2750 und 2360 Metern Höhe aktiv.

Lavaströme. © INGV

Bei einer Erkundung am Montagnachmittag stellten INGV-Mitarbeiter fest, dass die am weitesten vorgedrungene Lavastromfront weiterhin gut gespeist wird. Gegen 17:00 UTC hatte sie bereits die Rocca delle Palombe passiert und befand sich auf einer Höhe von etwa 1370 Metern. Das Valle del Bove (Tal des Ochsen) ist eine mehrere Kilometer große, nach Osten geöffnete Depression an der Ostflanke des Ätna, die vor etwa 9500 Jahren durch den Kollaps der Vulkanflanke entstand. Ihre steilen Hänge leiten Lavaströme bevorzugt in Richtung des unbewohnten Talbodens.

Am Gipfelkrater setzt sich die starke explosive Aktivität fort. Sie geht in erster Linie von der Voragine aus und fördert reichlich Vulkanasche, die sich vor allem über die Südflanke des Ätna verteilt. Der Ascheausstoß hält auch am heutigen Morgen an und ist via Livecam gut zu beobachten. Das VAAC Toulouse gab deshalb den Luftfahrt-Farbcode Rot aus. Die Aschewolke steigt bis in etwa 15.000 Fuß (4600 Meter) Höhe auf und driftet mit dem Wind in südliche Richtungen, was den Flugverkehr am Flughafen Catania beeinträchtigt: Die Sperrung des Luftraumsektors C1 wurde verlängert und eingehende Flüge bleiben zunächst bis 19:00 Uhr ausgesetzt bzw. werden auf andere Flughäfen Siziliens umgeleitet. Starts von der Startbahn 08 sind aber weiterhin möglich. Fluggäste wurden aufgefordert, sich vor der Anreise bei ihrer Fluggesellschaft über den aktuellen Flugstatus zu informieren.

Die geophysikalischen Messungen bestätigen die anhaltend hohe Aktivität. Das vulkanische Tremor-Signal blieb im Bereich hoher Werte. Die Tremorquellen liegen überwiegend im Bereich der Voragine beziehungsweise zwischen Voragine und Nordostkrater in 2500 bis 3000 Metern Höhe. Die Infraschallaktivität nahm zunächst ab und lag zuletzt auf mittlerem Niveau. Bei den Bodenverformungen zeigten sich keine signifikanten neuen Veränderungen. Die Neigungsmessungen bestätigen weiterhin die zuvor beobachteten Trends.

Prognosen des weiteren Eruptionsverlaufs lassen sich anhand der Messdaten nicht anstellen. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass Lavastromeruptionen zuletzt bis zu 14 Tage andauerten. Frühere Lateraleruptionen im Valle del Bove konnten aber auch mehrere Monate oder sogar Jahre anhalten.

Ätna: Verstärkung der Explosivität verursacht Flugumleitungen

Intensivierung der explosiven Aktivität am Voragine-Krater – Lavaströme am Ätna erreichen 1.500 Meter Höhe

Der Vulkanausbruch am Ätna hält weiter an und in der Nacht kam es zu einer Intensivierung der explosiven Aktivität am Voragine-Krater, wodurch aufgrund der Vulkanasche im Südwesten des Flughafens Catania Landungen bis mindestens 17.00 Uhr ausgesetzt wurden. Außerdem fließt im Valle del Bode weiterhin Lava, was zur Bildung eines komplexen Lavafelds führte. Noch sind Ortschaften nicht bedroht, doch die Frage stellt sich, ob dem so bleiben wird. 



Am Montagvormittag wurde die Aschewolke erneut in südwestliche Richtung verfrachtet und zog in einer Höhe von FL 170 (5200 m über dem Meeresspiegel) in den Luftraumsektor C1, weshalb ankommende Flugzeuge in Catania nicht mehr landen können. Wie es während der aktuellen Eruptionsphase bereits mehrfach vorkam, werden die Maschinen auf andere Flughäfen auf Sizilien umgeleitet. Startende Flugzeuge sind hiervon nicht betroffen, dennoch bringt die Umleitung der Flugzeuge für Tausende Reisende während der Urlaubssaison Unannehmlichkeiten mit sich. Da die Explosivität der Eruptionen und damit die Stärke des Ascheausstoßes phasenweise schwanken, sollten Reisende vor Flugantritt unbedingt die Website des Flughafens aufrufen, um sich über den aktuellen Stand informiert zu halten.

Parallel zur explosiven Tätigkeit speisen zwei aktive Förderschlote auf 2.750 und 2.360 Metern Höhe mehrere Lavaströme. Diese bilden komplexe, teilweise übereinanderliegende Lavafelder. Während die Lavafronten am Sonntag noch auf Höhen zwischen etwa 1.850 und 2.100 Metern beschränkt waren, hatten sie bis Montag deutlich an Höhe verloren bzw. an Länge dazugewonnen. Die am weitesten vorgedrungenen Fronten erreichten nun etwa 1.500 Meter Höhe am Fuß der Nordwand des Valle del Bove im Bereich des Monte Rinatu. Damit hat sich die Lava innerhalb eines Tages um mehrere hundert Höhenmeter talwärts bewegt. Die obersten Ortschaften an der Ätna-Ostflanke, Zafferana und Milo, liegen auf etwa 780 m Höhenniveau. Bereits oberhalb der Orte verflacht sich das Gelände und bildet einige Senken aus, so dass die Lavaströme langsamer werden sollten und die Orte aktuell nicht direkt gefährdet sind. Bei früheren langandauernden Lavaströmen kam es aber bereits vor, dass besonders Zafferana von Lavaströmen fast erreicht wurde.

Wärmestrahlung © MIROVA
Die Daten zur Wärmestrahlung zeigen, dass die aktuellen Lavaströme die heißesten im Jahresverlauf sind, was man sehr schön auf der bei MIROVA veröffentlichten Strahlungsbilanz ablesen kann. Der Spitzenwert lag gestern bei einer Leistung von 4374 MW. Am 8. August wurden sogar Werte von mehr als 6200 MW. gemessen.

Die seismischen Daten zeigen weiterhin eine erhöhte Aktivität. Die durchschnittliche Amplitude des vulkanischen Tremors liegt im unteren roten Bereich, stieg seit gestern Abend aber wieder leicht an. Das Zentrum der Tremorquellen verlagerte sich am Sonntagabend vorübergehend vom Voragine-Krater in den Bereich zwischen Voragine und Nordostkrater auf etwa 2.400 bis 2.700 Metern Höhe. Seit den frühen Morgenstunden des 10. August liegt es wieder unterhalb des Voragine-Kraters in rund 3.000 Metern Höhe.

Die an Neigungsmessung nahe des Gipfels registrierte Trendänderung setzt sich fort. Nach zunächst rund 6,6 Mikroradiant Neigungsänderung am Sonntag wurde inzwischen eine maximale Veränderung von etwa 8 Mikroradiant an der Station Cratere del Piano gemessen. Zuletzt zeigte sich dieser Trend jedoch leicht rückläufig. Das INGV schreibt nicht direkt, ob die Veränderung eine Versteilung oder Abflachung des Hangs widerspiegelt, also ob es sich um eine Inflation oder Deflation handelt, doch ich vermute, dass hier eine Deflation infolge des Lavaausstoßes gemeint ist. Da keine vorherigen Werte einer evtl. Inflationsphase bekannt sind, lassen sich aus diesen Werten keine Prognosen zur Dauer der Eruption ableiten.

Offensichtlich ist, dass es sich nicht um einen Paroxysmus handelt, sondern um eine länger andauernde Eruption mit Spaltenöffnungen auf der Vulkanflanke.

Weiterführender Link: Flughafen Catania

Vulkanausbruch am Ätna: Starke Lavastromtätigkeit


Lavaströme am Ätna bleiben aktiv – großes Lavafeld bildete sich im Valle del Bove

Der Vulkanausbruch am Ätna setzt sich auch am 4. Tag in Folge fort und hat seinen Charakter von einem Paroxysmus in eine überwiegend effusive Flankeneruption geändert. Im Valle del Bove auf der Ostflanke des Vulkans sind mindestens zwei Förderspalten aktiv, die am 7. und 8. August entstanden sind. Bei der Öffnung der Eruptionsspalten kam es zur Bildung pyroklastischer Ströme, von denen eine besondere Gefahr ausgeht. Da weitere Spaltenöffnungen nicht auszuschließen sind, sollte man insbesondere in den Tälern der Ostflanke besondere Vorsicht walten lassen.

Die Lavaströme entspringen zwei frisch gebildeten Eruptionsspalten auf 2750 und 2360 m Höhe und bilden ein komplexes Lavafeld, dessen Front in der Nacht weiter vorgedrungen ist. Auf der Thermal-Livecam des INGV ist zu sehen, dass sie ein flaches Stück im Valle del Bove überquert hat und nun auf dem unteren Steilhang des Valle del Bove unterwegs ist. Bis jetzt besteht zwar noch keine direkte Gefahr für Ortschaften wie Milo, die unterhalb des Valle del Bove liegen. Sollte die Eruption jedoch länger andauern, liegt es im Bereich des Möglichen, dass die Lava besiedeltes Gebiet erreicht.

Neben den beiden großen Lavaströmen fließt weiterhin Lava vom höher gelegenen Voragine-Kraterkegel in den Nordostkrater, der sich zunehmend auffüllen dürfte. Möglicherweise bildet sich hier gerade ein sekundärer Lavasee.

Während sich also die effusive Komponente der Eruption verstärkte, schwächte sich der explosive Anteil ab. Dennoch wird weiterhin Vulkanasche gefördert, die überwiegend aus der Voragine austritt. Das VAAC Toulouse veröffentlichte um 05:00 UTC die bislang jüngste VONA-Warnung für den Flugverkehr. Demnach steigt Vulkanasche bis auf FL160 (rund 4900 m) auf und driftet nach Süden. Bereits gestern Nachmittag wurde der Alarmcode von Rot auf Orange gesenkt und der reguläre Flugbetrieb am Flughafen Catania wieder aufgenommen. Flugreisende sollten sich dennoch weiterhin informieren, da sich die Situation jederzeit wieder ändern kann.

Der Tremor bewegt sich mit leichten Fluktuationen im unteren roten Bereich, wie es bei überwiegend effusiven Eruptionen typisch ist. Prognosen über den weiteren Verlauf der Eruption lassen sich anhand der bislang bekannten Daten nicht treffen.

Weiterführender Link: Valle del Bove

Ätna: Weitere Spaltenöffnung erzeugt pyroklastische Ströme

Neue Spaltenöffnung im Valle del Bove generierte pyroklastische Ströme am Ätna

Am Ätna hat sich die eruptive Aktivität heute weiterentwickelt und erzeugte während einer weiteren Spaltenöffnung im Valle del Bove zwei pyroklastische Ströme. Nach Angaben des INGV entstand die Öffnung gegen 09:28 UTC nahe dem Schlackenkegel Monte Rittmann auf gut 2360 Metern Höhe. In einer ersten Meldung war die Höhe der Öffnung noch mit etwa 2550 Metern angegeben worden.

Dichtestrom

Die Entstehung der neuen Eruptionsöffnung wurde von zwei kleineren pyroklastischen Strömen begleitet. Sie entstanden nach Einschätzung des INGV durch den Kollaps und die rasche Mobilisierung von lockerem Material, das bei der Öffnung des neuen Förderschlots aufgewirbelt worden war. Oft entstehen die Dichteströme, wenn sich glühende Lava ihren Weg durch den Vulkanhang bahnt, wobei sowohl altes als auch neues Material aus der Flanke herausgedrückt wird und die Ströme bildet.

Aus der neuen Öffnung ergießt sich ein Lavastrom, der gegen 11:00 UTC die am weitesten vorgedrungene Lavazunge eines älteren Stroms auf einer Höhe von etwa 2100 Metern erreicht hatte. Gleichzeitig setzt sich die bereits zuvor aktive Eruption in der Valle del Leone fort. Dort ist die am 7. August entstandene Öffnung auf etwa 2750 Metern Höhe weiterhin aktiv. Der Lavastrom hatte nach Überquerung des Monte Simone gegen 10:30 UTC eine Höhe von etwa 1850 Metern erreicht.

Am Gipfel hält unterdessen die intensive explosive Aktivität am Krater Voragine an. Die Explosionen wechseln zwischen besonders starken und schwächeren Phasen und werden von mindestens drei Öffnungen zwischen der Voragine und dem Südostkrater erzeugt. Diese haben sich offenbar ebenfalls neu gebildet und zeigen, dass sich das oberflächennahe Magmaspeichersystem immer weiter ausdehnt.

Auch die Messdaten zeigen weiterhin eine hohe Aktivität. Das vulkanische Tremor-Signal liegt im roten Bereich und ist unterhalb der Voragine auf etwa 3000 Metern Höhe lokalisiert. Die Infraschallaktivität nahm leicht zu. An den Gipfelstationen setzt sich die seit dem 6. August beobachtete Änderung des Verformungstrends fort. Die maximale Veränderung beträgt rund 5,7 Mikroradiant.

Damit konzentriert sich die aktuelle Aktivität des Ätna gleichzeitig auf den Gipfel und mehrere Flankenbereiche im Valle del Bove. Besonders die neue Öffnung relativ weit unten im Valle del Bove zeigt, dass sich das eruptive Geschehen weiterhin dynamisch entwickelt. Meiner Meinung nach muss man den Ausbruch neu bewerten und kann ihn nicht als Paroxysmus ansehen, da es immer mehr Elemente einer Flankeneruption gibt. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich das Geschehen weiterentwickelt.

Ätna: Vulkanausbruch beeinträchtigt Flugverkehr weiterhin

Lavastrom im Valle del Bove des Ätna. © Guide Alpine Vulcanologiche Etna

Ausbruch des Vulkans Ätna auf Sizilien wird zur Geduldsprobe für Flugreisende nach Catania

In Catania, der Stadt am Fuße des Ätnas und dem Tor zum Osten Siziliens, müssen sich Flugreisende weiterhin auf Unannehmlichkeiten einstellen: Infolge der anhaltenden Aktivität des Vulkans ist der Flugbetrieb auch am Samstag bis mindestens 12 Uhr mittags gestört. Ankommende Flugzeuge werden wegen Vulkanasche in der Anflugbahn weiterhin umgeleitet. Abgehende Flüge finden hingegen statt. Die Situation soll Mittags neu bewertet werden.



Dass der prominenteste Vulkan Italiens ausgerechnet zur Ferienzeit so richtig aufdreht, kann als eine Fügung des Schicksals angesehen werden. Seit der Eruption während der vergangenen Weihnachtsferien war es vergleichsweise still um den Ätna gewesen, bis im Juni die Reisesaison begann. Seitdem kommt es alle paar Wochen zu Eruptionen, deren Pausenintervalle sich zuletzt auf etwa eine Woche verkürzten. Ein solches Verhalten ist für paroxysmale Eruptionen typisch. Allerdings unterscheidet sich die derzeit beobachtete Aktivität von früheren paroxysmalen Phasen aus dem Südostkrater und der Bocca Nuova: Die Eruptionen aus der Voragine dauern länger, fördern weniger hoch aufsteigende Lavafontänen und Aschewolken, und die Lavaströme treten nicht ausschließlich aus dem betroffenen Eruptionskegel aus. Stattdessen können sich auch Spalten abseits der Gipfelkrater öffnen.

Aktuell ist weiterhin ein Lavastrom aktiv, dessen Eruptionsspalte sich gestern Morgen auf einer Höhe von 2750 Metern im Valle del Bove öffnete. Damit liegt sie deutlich unterhalb der Basis des zentralen Kegelbereichs. Zudem befindet sich die Spalte näher am Südostkrater als an der Voragine. Dies könnte darauf hindeuten, dass sich der flache Magmenspeicher unterhalb des Gipfelbereichs weiter ausgedehnt hat und andere Förderwege als bisher üblich aktiviert wurden.

Die nach Südwesten driftenden Ascheemissionen aus der Voragine halten an. Laut der jüngsten VONA-Meldung des VAAC Toulouse erreichen sie eine Höhe von 5500 Metern. Der Tremor befindet sich nach einem deutlichen Peak am Morgen inzwischen im freien Fall, was auf ein Nachlassen der Aktivität hindeutet. Um 10 Uhr bewegte er sich allerdings noch im roten Bereich.

Obwohl Prognosen zum Verhalten des Ätna immer schwierig sind, würde es dem typischen Aktivitätsmuster entsprechen, wenn die Tätigkeit in den nächsten Stunden deutlich nachlassen würde. Als Erstes versiegen normalerweise die Ascheemissionen, zuletzt kommt auch der Lavastrom zum Erliegen. Anschließend könnte die Eruption für mehrere Stunden oder Tage pausieren, bevor ein weiterer Paroxysmus beginnt.

Analog zum Geschehen am Kilauea könnte man die verschiedenen Paroxysmen dabei als einzelne Episoden einer einzigen, episodisch verlaufenden Eruption betrachten.