Aktuelle Nachrichten und Analysen zu Vulkanausbrüchen, Erdbeben und Naturkatastrophen
Ätna
Der liegt auf der italienischen Insel Sizilien und ist der größte Vulkan des europäischen Kontinents. Zugleich ist er einer der aktivsten Vulkan der Welt.
Tremor nordwestlich des Ätna-Kraterbereichs – Kompression registriert
Die Gipfelkrater des Ätna präsentieren sich weiterhin größtenteils kalt. Auf dem jüngsten Sentinel-Satellitenbild ist nicht die geringste thermische Anomalie zu erkennen – etwas, das vor der aktuellen Ruhephase des Vulkans nur selten vorkam. Dennoch weist der neue INGV-Monatsbericht für April auf oberflächennahen Tremor hin. Dieser hat sich in den vergangenen Monaten zunehmend verlagert und konzentriert sich nun unter dem Nordostkrater, reicht aber bis an die äußere Basis des Gipfelkraterkomplexes im Nordwesten, kurz bevor der Steilhang beginnt.
Die Verlagerung der Tremorquelle geht mit einer nordwestwärts gerichteten Migration magmatischer Fluide einher, bei denen es sich um Magma handeln könnte. Dieses sucht sich in der Regel den Weg des geringsten Widerstands im Gestein. Vor einem Jahr befand sich die größte Schwächezone noch unter dem Südostkrater, doch das scheint derzeit nicht mehr der Fall zu sein, da dieser Krater seit Längerem ungewöhnlich ruhig ist. Zuletzt konzentrierte sich die Aktivität verstärkt auf die Zentralkrater. Dort kam es im April zu einigen schwachen Ascheemissionen, ohne dass glühende Tephra ausgeworfen wurde. Die Infraschallaktivität blieb gering bis moderat.
Das Magma scheint derzeit also nicht mehr – wie früher üblich – nach Südosten, sondern in die entgegengesetzte Richtung nach Nordwesten aufzusteigen, wo es mangels eines offenen Fördersystems vorerst nicht weiterkommt. Es stellt sich nun die Frage, was bei einem stärkeren Druckaufbau geschieht: Kommt es zu einem Durchbruch mit der Öffnung einer Spalte an der oberen Nordwestflanke, oder wandert das Magma zurück in Richtung der Hauptkrater, wie es zuletzt der Fall war, als es zum Jahreswechsel zu Eruptionen kam?
Interessant ist zudem, dass das Bohrloch-Dilatometer DRUV, das in 180 Metern Tiefe installiert ist, eine schwache, aber anhaltende Kompression registrierte. Diese wurde nur von kurzen Phasen der Dekompression unterbrochen, die Anfang des Monats mit einer leichten Tremorzunahme einhergingen. Kompression im Bohrloch bedeutet, dass das umgebende Gestein zusammengedrückt wird und sich der Bohrlochdurchmesser minimal verringert. Dies weist auf Änderungen im Spannungs- und Druckfeld im Untergrund hin und kann mit einer Druckzunahme infolge von Inflation im magmatischen System zusammenhängen.
Erdbeben Mb 2,6 am Marsili Seamount – Mehrere Erschütterungen westlich des Ätnas
Am Marsili Seamount im Tyrrhenischen Meer gab es gestern ein schwaches Erdbeben der Magnitude 2,7 mit einer Herdtiefe von fast 96 Kilometern. Das Beben ereignete sich um 15:44:58 UTC und blieb von den Anrainern unbemerkt. An der Oberfläche wirkte sich das relativ tiefe Beben nicht aus und ob ein direkter Zusammenhang mit dem Seamount besteht, ist ungewiss. Wahrscheinlich manifestierte es sich an einem Stück subduzierter ionischer Platte. Doch es könnte auch mit Prozessen der Magmaentstehung im Zusammenhang gestanden haben. Die große Sorge der Wissenschaftler und Katastrophenmanager ist, dass ein unterseeischer Ausbruch die Vulkanflanke abrutschen lassen könnte, wodurch ein Tsunami entstehen würde.
Marsili ist ein großer Unterwasservulkan, dessen Basis sich in 3500 m Tiefe befindet. Sein Gipfel schaffte es bis ca. 450 m an den Meeresspiegel heran. Somit ist der Seamount rund 3000 m hoch und zählt zu den mächtigsten Feuerbergen Europas. Obwohl die Bruttohöhe des Ätnas ähnlich ist, ist seine Nettohöhe geringer, da der Sockel des Ätnas auf 500–1000 m hohem Grundgebirge aufsitzt und sich nicht vom Meeresboden aus erhebt.
Am Ätna selbst gab es heute kein nennenswertes Erdbeben und die Seismizität ist vergleichsweise gering. Dafür gab es mehrere Erdbeben westlich des Vulkans. Das stärkste hatte eine Magnitude von 3,0 und eine Herdtiefe von 33 Kilometern, was für ein rein tektonisches Beben vergleichsweise tief ist. Für ein Beben an einem Stück subduzierter afrikanischer Platte, die südlich von Sizilien in den Erdmantel abtaucht, war es aber zu tief. Nicht ausgeschlossen, dass die Beben durch Spannungsabbau deformierter Kruste ausgelöst wurden, so wie man es von Hawaii kennt, wo die Auflast der mächtigen Schildvulkane die Kruste stresst. Nicht völlig auszuschließen sind Beben durch Spannungsänderungen infolge von Fluidbewegungen am Ätna. In der betroffenen Region am Lago Ancipa kam es schon früher zu Erdbeben, kurz bevor besondere Eruptionen am Ätna eintraten. Diese Beobachtung ist aber nicht wissenschaftlich belegt.
Studie zeigt: Ätna könnte Mantelmagma aus der Asthenosphäre anzapfen
Der Ätna ist Europas mächtigster Vulkan – und zugleich einer der rätselhaftesten. Seit über 500.000 Jahren eruptiert er an der Ostküste Siziliens, wobei seine Eruptionen oft spektakulär sind und in ungewöhnlich kurzen Abständen erfolgen. Obwohl der Ätna einer der am besten überwachten und erforschten Vulkane der Welt ist, passt die Entstehungsgeschichte seines Magmas in keines der klassischen geologischen Modelle. Neue Forschung liefert nun eine überraschende Hypothese: Der Ätna könnte sich über ein „Leck2 in der Erdkruste gebildet haben, das auf bereits vorhandenes Magma im oberen Erdmantel zugreift.
Normalerweise entstehen Vulkane in Regionen mit Schwächezonen in der Erdkruste. Das Magma, das später in Form von Lava gefördert wird, ist charakteristisch für den Entstehungsort eines Vulkans. Feuerberge bilden sich meistens an divergenten Plattengrenzen, wo sich Erdplatten auseinanderbewegen; in Subduktionszonen, wo eine Erdkrustenplatte unter eine andere abtaucht; oder über sogenannte Hotspots, wo heißes Mantelmaterial aus der Tiefe aufsteigt. Alle drei Vulkanschmieden unterscheiden sich u.a. im Chemismus des Magmas und den daraus resultierenden Vulkanformen. Der Ätna passt jedoch in keine dieser Kategorien richtig rein. Zwar liegt er nahe einer Subduktionszone zwischen der afrikanischen und der eurasischen Platte, doch seine Lava ähnelt eher der von Hotspot-Vulkanen wie Hawaii. Seine Vulkanform entspricht im Kern der eines Stratovulkans, zeigt aber auch Merkmale eines Schildvulkans und wird nach Verständnis des Autors dieses Artikels am besten als hybrides Komplexvulkansystem beschrieben.
Dieses geologische Paradox hat Forschende lange beschäftigt. Früh schlug u.a. der deutsche Vulkanologe Ritter vor, dass das Magmaspeichersystem dem eines Schwamms gleicht und nicht aus einem klassischen Magmakörper besteht. Die neue Studie schlägt nun vor, dass die bisherigen Modelle zu kurz greifen.
Magma aus der Tiefe – aber nicht neu gebildet
Der entscheidende Unterschied: Das Magma des Ätna entsteht offenbar nicht erst kurz vor einem Ausbruch. Stattdessen existieren bereits kleine Mengen geschmolzenen Materials in etwa 80 Kilometern Tiefe im Bereich der Asthenosphäre – in einer Zone, die Geophysiker als „Low Velocity Zone“ bezeichnen.
Dieses Magma kann dort über lange Zeiträume bestehen bleiben und wird wohl nur in geringen Quantitäten ständig neu gebildet. Es sammelt sich mit geringem Schmelzanteil in einer ausgedehnten Zone an, aus der das Magma des Ätnas extrahiert wird. Durch die komplexen Bewegungen der Erdplatten im Mittelmeerraum – insbesondere das Biegen der subduzierenden Platte – entstehen Spannungen und Risse in der Erdkruste. Entlang dieser Schwächezonen wird das vorhandene Magma nach oben gedrückt, ähnlich wie Flüssigkeit aus einem zusammengedrückten Schwamm austritt.
Das Fördersystem des Ätnas fungiert dabei gewissermaßen als „Rohr“, das diese tief gespeicherten Schmelzen an die Oberfläche leitet.
Ein riesiger „Petit-Spot“?
Die Forschenden vergleichen diesen Mechanismus mit sogenannten „Petit-Spot“-Vulkanen. Diese wurden erst 2006 entdeckt und treten normalerweise als kleine Unterwasservulkane im Krümmungsbereich von subduzierten Platten vor der eigentlichen Subduktionszone auf. Sie entstehen ebenfalls durch das Aufbrechen von Platten und das Freisetzen bereits vorhandenen Mantelmagmas.
Der Ätna wäre in diesem Sinne ein Extremfall: ein riesiger, über 3.000 Meter hoher Hybridvulkan, der nach demselben Prinzip funktioniert wie diese sonst winzigen Strukturen, die meistens niedriger als 100 m sind. Sollte sich diese Hypothese bestätigen, müsste man den Ätna als Vertreter einer bislang unterschätzten, vierten Vulkankategorie betrachten.
Ein wichtiger Hinweis auf diesen ungewöhnlichen Ursprung ist die erstaunlich konstante chemische Zusammensetzung der Lava über Hunderttausende von Jahren. Sie deutet darauf hin, dass die Magmaquelle stabil ist und nicht ständig neu gebildetes Magma gefördert wird.
Gleichzeitig erklärt das Modell die hohe Aktivität des Vulkans: Da das Magma bereits vorhanden ist und nur mobilisiert werden muss, kann es vergleichsweise leicht und häufig aufsteigen. Die Menge der Eruptionen hängt dabei weniger von der Magmaproduktion als von den tektonischen Spannungen ab.
Neue Perspektiven für Forschung und Risikoabschätzung
Diese Erkenntnisse verändern nicht nur das Verständnis des Ätna, sondern auch das von Vulkanismus insgesamt. Sie zeigen, dass gespeichertes Mantelmagma im Übergangsbereich der Asthenosphäre eine größere Rolle spielen könnte als bisher angenommen.
Für die Vulkanüberwachung sind die Ergebnisse ebenfalls relevant: Wenn tektonische Prozesse die Aktivität steuern, könnten sie helfen, zukünftige Ausbrüche besser vorherzusagen.
Der Ätna bleibt damit nicht nur einer der aktivsten, sondern auch einer der wissenschaftlich spannendsten Vulkane der Erde – ein Fenster in die verborgenen Prozesse tief unter unseren Füßen.
Quelle: Pilet, S., Corsaro, A. R., et al. (2025). Mount Etna as a leaking pipe of magmas from the low-velocity zone. Journal of Geophysical Research: Solid Earth. https://doi.org/10.1029/2025JB032785
Der Erdbebenschwarm vom 5. April entpuppt sich als größer als gedacht – erstes wolkenfreies Satellitenbild vom Ätna seit Wochen
Es war eine außergewöhnlich lange Schlechtwetterperiode auf Sizilien, die am Ätna extrem viel Schnee brachte und den Vulkan wochenlang in Wolken hüllte. Diese Periode scheint zumindest vorerst beendet zu sein, und gestern gab es das erste Satellitenfoto seit Wochen, das den Gipfel wolkenfrei zeigte. Außerdem wurde die INGV-Shakemap für den Ätna aktualisiert und zeigt nun das volle Ausmaß des Schwarmbebens vom 5. April, über dessen stärkstes Erdbeben bereits auf Vnet berichtet wurde.
Ätna
Der Erdbebenschwarm bestand aus 12 Erdbeben mit Magnituden zwischen 3,6 und 0,9. Die Herdtiefen variierten überwiegend zwischen 8 und 18 Kilometern und lagen somit im typischen Bereich, in dem Erdbeben durch Magma ausgelöst werden, das dabei ist, in die Erdkruste einzudringen und Gesteinsbruch verursacht. Man kann also von einem magmainduzierten Erdbebenschwarm ausgehen, der die Inflation des Ätnas weiter antreiben dürfte.
Der Tremor ist in den letzten Stunden leicht gestiegen, blieb aber im moderaten Bereich, ohne neue Tremorspitzen zu erzeugen, wie wir sie mehrfach im März gesehen haben. Da der letzte INGV-Wochenbericht im Februar veröffentlicht wurde und auch Monatsberichte ausstehen, sind derzeit keine weiteren geophysikalischen Daten verfügbar. Aus den Meldungen zu den Tremorspitzen ging jedoch hervor, dass diese mit Spannungsänderungen und schwachen Bodendeformationen einhergingen.
Leider liefert auch das wolkenfreie Satellitenfoto nur wenig Neues: Im normalen Lichtspektrum sind anhaltende Entgasungen aus den Gipfelkratern zu erkennen. An den Kraterrändern gibt es nur relativ schmale schneefreie Bereiche. Auch im Infrarotspektrum zeigen uns die Krater die kalte Schulter – so kalt habe ich sie selten gesehen. Dennoch zeigen Erdbeben und Tremorspitzen, dass sich der Vulkan in einem anhaltenden Aufladungsprozess befindet, was vermuten lässt, dass die Kältephase nicht lange andauern wird.
Update 20:00 Uhr: Heute Nachmittag veröffentlichte das INGV doch noch ein Monatsbulletin, wahrscheinlich aus Mitleid mit Schreibern wie mir ;-). Neben den 9 Tremorspitzen und dem Erdbebenschwarm von Anfang März war noch das hohe Heliumisotopenverhältnis auffällig sowie die erwähnten Strainänderungen einhergehend mit leichter Inflation im Zuge einiger Tremorereignisse. Die Tremorquellenanalyse zeigt starke Fluidbewegungen unter dem nördlichen Gipfelkraterbereich an. Der Tremor reicht ungewöhnlich weit in den Norden und bis auf 3000 m Höhe. Meiner Meinung nach sammelt sich hier ein größerer Magmenkörper an. Scheinbar sind die Förderschlote verstopft, was einen hohen Druckaufbau mit sich bringen dürfte.
Kleine Erdbebenserie im Nordwesten des Ätnas – stärkste Magnitude Mb 3,5
Datum: 05.04.2026 | Zeit: 08:35:34 UTC | Koordinaten: 37.869 ; 14.877 | Tiefe: 27 km | Mb 3,5
Heute Morgen hat es im Nordwesten des sizilianischen Vulkans Ätna wieder eine Erdbebenserie gegeben. Die stärkste Erschütterung ereignete sich um 08:35 UTC (10:35 Ortszeit) und hatte eine Magnitude von 3,5. Das Epizentrum lag rund 45 km nordnordwestlich von Catania sowie etwa 10 km nordnordöstlich von Bronte. Das Beben ereignete sich in fast 27 km Tiefe und damit an der Grenze zwischen Erdkruste und Erdmantel. Die Tiefe des Bebens spricht dafür, dass es durch aufsteigendes Magma verursacht wurde. Ein Erdbeben dieser Magnitude wird meist nur schwach gespürt und verursacht in der Regel keine Schäden. Aufgrund der Tiefe ist es fraglich, ob es überhaupt wahrgenommen wurde. Dem EMSC liegen keine entsprechenden Meldungen vor.
Der Erdstoß kam nicht alleine, sondern wurde von 4 weiteren Beben begleitet, die Magnituden zwischen 2,2 und 2,9 aufwiesen und ähnliche Herdtiefen hatten. Möglich, dass es weitere Erdbeben mit geringen Magnituden gab, die beim EMSC nicht angezeigt werden.
Die Erdbeben ereigneten sich eine halbe Stunde, nachdem mein Flieger von Catania abgehoben hatte. bei schönstem Wetter und bester Sicht auf einen mit reichlich Schnee bedeckten Ätna, nachdem ich ihn die ganze Woche fast nicht zu Gesicht bekommen hatte. Tremor und Seismizität sind in dieser Zeit unauffällig geblieben und es gab keinerlei sichtbare Anzeichen von Aktivität. Der Ätna scheint sich weiterhin in einer Phase der Aufladung zu befinden und könnte jederzeit ausbrechen, wovon die Tremorphasen im März zeugten.
Wetterchaos und marode Infrastruktur am Ätna und auf Sizilien
Palermo
Die Erdbewegungen und der Winter mit viel Schnee am Vulkan und Starkregen im Umland hat den Straßen der Region stark zugesetzt: Selbst auf der Autobahn am Ostfuß des Ätna rast man mit Tempo 100 in Schlaglöcher. Am Berg stört der löchrige Asphalt mittlerweile mehr, als dass er nutzt.
Die Kanalisation ist in vielen Orten bereits bei moderatem Regen überfordert und es heißt „Land unter“ Das gilt nicht nur für die Ätna-Region: Auf Vulcano und in Palermo erlebte ich überflutete Straßen und Wasser, das Gullideckel anhob und aus der Kanalisation emporquoll.
Die See war teilweise so aufgewühlt, dass Tragflächenboote nicht auf Stromboli anlegen konnten. Aus Gesprächen mit Einheimischen ergab sich der Eindruck, dass nicht nur ich Wetterpech hatte, sondern dass Frühjahr und Herbst in den letzten Jahren keine gute Reisesaison mehr waren.
Erneut plötzlicher Tremoranstieg am Ätna – keine sichtbaren Anzeichen eines Vulkanausbruchs zu erkennen
Zum fünften Mal seit Ende Februar ist es heute Mittag zu einem erneuten Anstieg der Tremoramplitude am Ätna gekommen, ohne dass es sichtbare Anzeichen einer Eruption gegeben hätte. Allerdings ist der Vulkan ein weiteres Mal in dichte Wolken gehüllt, so dass visuelle Beobachtungen nicht möglich sind.
Wie das Ätna-Observatorium des INGV meldet, begann der Tremor gegen 11:50 Uhr (UTC) abrupt anzusteigen und die Werte kletterten schnell von einem mittleren auf ein hohes Niveau. Seitdem zeigen sie moderate Schwankungen innerhalb dieses erhöhten Bereichs. Die genaue Lokalisierung des Zentrums der Tremorquellen ist momentan aus technischen Gründen unsicher, da eine der wichtigsten Messstationen vermutlich aufgrund des vielen Schnees keine Werte liefert. Dabei handelt es sich um die farbmarkierte ECPN, auf die ich hier immer zurückgreife.
Zusätzlich beeinträchtigt starker Wind die Sensoren zur Infraschallerkennung, so dass auch hier keine zuverlässigen Daten abzurufen sind. Die Auswertung der spärlichen Daten zeigt laut Aussage der Vulkanologen keine signifikanten Veränderungen in der Infraschallaktivität.
Trotz dieser Einschränkungen gibt es Daten, die neben dem Tremor auf Magmenaufstieg hindeuten: Die Klinometerstation „Cratere del Piano“ sowie des Dehnungsmessers am Monte Ruvolo zeigen seit etwa 12:00 Uhr (UTC) leichte Änderungen in ihren Trends. Solche Signale können auf minimale Verformungen im Vulkangebäude hindeuten. Gleichzeitig weisen die GNSS-Daten des permanenten Messnetzes keine signifikanten Abweichungen auf, was eine große Magmenintrusion eigentlich ausschließt.
Der vulkanische Tremor ist ein zentraler Indikator für die Bewegung von Magma und Gasen im Untergrund. Ein plötzlicher Anstieg – wie aktuell beobachtet – kann auf verstärkte Aktivität im Fördersystem hindeuten und geht häufig eruptiven Phasen voraus, muss jedoch nicht zwingend unmittelbar zu einem Ausbruch führen. Am Ätna gab es während paroxysmaler Phasen gelegentlich ein ähnliches Verhalten, währenddessen es aber bereits strombolianische Eruptionen gegeben hat. Es wurde so interpretiert, dass der Druck nicht ausgereicht hat, um den Paroxysmus zu starten. Wiederholter schneller Tremoranstieg, wie er jetzt vorkommt, ohne jegliche Eruption, ist mir zumindest neu.
In den letzten Tagen gab es einige Satellitenbilder von der Ätna-Gipfelregion, die keinerlei Spuren thermischer Anomalien zeigten. Meine frühere Analyse eines Fotos mit vermeintlichen Thermalspuren bestätigte sich nicht in späteren Bildern. Wahrscheinlich handelte es sich hierbei um Fehlsignale. Möglicherweise sind die Schlote blockiert, so dass größerer Druck nötig ist, damit sie sich freisprengen. Aber das ist spekulativ.
Der Ätna zählt zu den aktivsten Vulkanen Europas und zeigt regelmäßig solche Schwankungen, die Teil seines dynamischen Verhaltens sind. Weitere Aktualisierungen werden zeitnah folgen.
Satellitenbild enthüllt Hinweise auf rätselhafte Aktivität am Ätna – Wahrscheinlich Eruption innerhalb des Zentralkraterkomplexes
In den letzten Tagen sorgte bereits zwei Mal plötzlich steigender Tremor am Ätna für Rätselraten, da bei beiden Gelegenheiten dichte Wolken den sizilianischen Vulkan einhüllten. Am 11. März und am 15. März war der Tremor fast so hoch wie bei kleineren Paroxysmen und dauerte ähnlich lange an, doch es wurde kein Ascheniederschlag in der Gegend des Ätnas registriert. Genaue Analysen eines Sentinel-Satellitenfotos vom 12. März enthüllten schwache thermische Signaturen im Zentralkraterkomplex, die ich mit Hilfe der Bildbearbeitung etwas deutlicher hervortreten lassen konnte. Am Vortag waren diese Anomalien noch nicht zu sehen und die Krater präsentierten sich komplett kalt.
Ätnagipfel
Die in schwachem Rot dargestellten Anomalien erinnern mich an die Signaturen der Aktivität von 2024, als es im Frühsommer zu einer Ausbruchsserie in der Voragine kam, bei der ein neuer Schlackenkegel zum höchsten Punkt des Ätnas anwuchs. Die Signaturen formieren sich diesmal um den südlichen Krater der Bocca Nuova und nicht – wie ich zuerst annahm – um die Voragine. Offenbar gibt es aber keine permanente strombolianische Aktivität, denn ansonsten hätte man einen heißen Förderschlot, der im Infrarotbereich gut sichtbar wäre.
Darüber hinaus ist auffällig, dass der Schnee im Umfeld der Gipfelkrater geschmolzen ist, was auf einen erhöhten Wärmefluss schließen lässt. Davon betroffen ist auch der Südostkrater. Bei genauem Hingucken erkennt man auch dort die schwache Thermalspur entlang der Scharte in der Südwestflanke des Kraterkegels.
Die schwachen Anomalien könnten aber auch auf heiße Gase hindeuten, die entlang von Rissen an den beschriebenen Strukturen aufsteigen.
Nach der Tremorhochphase gestern gab es heute Nacht auch noch einen kleinen Tremorpeak. Es sieht so aus, als würde Ätna noch nicht Ruhe geben.
Update: Der INGV-Vulkanologe Boris Behncke teilte mit, dass es sich bei den vermeintlichen Wärmesignaturen wahrscheinlich nicht um Lava handelt. Die Tremorpeaks sind durch Fehlausbrüche zustand gekommen, bei denen das Magma nicht bis zur Oberfläche durchdringen konnte.
Starke Gewitter mit Hagel setzten Straßen östlich des Ätnas auf Sizilien unter Wasser
Wie prognostiziert haben gestern Nachmittag starke Unwetter die Ostküste Siziliens getroffen und in mehreren Orten der Provinz Catania für Probleme gesorgt. Besonders stark betroffen war die Gemeinde Aci Sant’Antonio im Südosten des Ätnas. Ein intensives Gewitter brachte Starkregen und Hagel und setzte Straßen unter Wasser. Die Hagelkörner bedeckten zahlreiche Straßen so stark, dass sie teilweise wie von einer weißen Decke überzogen wirkten.
Aci Sant’Antonio
Der plötzliche Hagelschauer führte zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Viele Autofahrer mussten ihre Fahrt unterbrechen, da sich eine rutschige Mischung aus Eis und Wasser auf der Fahrbahn bildete. Einige Fahrzeuge blieben sogar auf den überfluteten Straßen stecken. Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz, um besonders betroffene Abschnitte zu sichern und den Verkehr wieder in Gang zu bringen.
Doch das Unwetter beschränkte sich nicht nur auf Aci Sant’Antonio. Auch entlang der Küste zwischen Catania und Messina wurden intensive Niederschläge gemeldet. In mehreren Ortschaften liefen Straßen und Plätze innerhalb kurzer Zeit voll Wasser. Besonders in tiefer gelegenen Bereichen kam es zu lokalen Überschwemmungen, da die Kanalisation die plötzlich einsetzenden Wassermassen nicht schnell genug abführen konnte.
Meteorologen sprechen von einem typischen Starkgewitter, wie es im Mittelmeerraum auftreten kann, wenn feuchtwarme Luftmassen vom Meer auf kühlere Luft in höheren Atmosphärenschichten treffen. Diese Konstellation begünstigt die rasche Bildung kräftiger Gewitterzellen, die innerhalb kurzer Zeit große Niederschlagsmengen bringen können. Normalerweise treten solche Extremwetterlagen im Spätsommer und Herbst auf, Richtung Frühlingsanfang sind sie selten, da sich das Mittelmeer normalerweise bereits abgekühlt haben sollte. Dieses Jahr ist es aber offenbar noch warm genug, um die benötigten Energien zur Verfügung zu stellen.
Ausbruch am Ätna?
Das Unwetter kam aus Sicht der Vulkanspotter-Community zu einer Unzeit, da es mit einer Tremorhochphase am Ätna zusammenfiel und den Vulkan in dichte Wolken hüllte, die zudem eine größere Menge Neuschnee gebracht haben dürften. Aufgrund der eingeschränkten Sicht ist es bis jetzt nicht klar, ob und was für ein Ausbruch stattgefunden hat. Neben dem hohen Tremor gab es eine leichte Bodensenkung im Gipfelbereich, die darauf hindeutet, dass Magma ausgetreten ist. Berichte über Ascheniederschlag liegen nicht vor. Auf dem letzten wolkenfreien Satellitenbild vom 12. März sind keinerlei thermische Anomalien sichtbar gewesen. Bereits am Vortag hatte es eine ähnliche Phase hohen Tremors gegeben. Das VAAC Toulouse registrierte keine Aschewolken und Berichte über Ascheniederschlag stehen ebenfalls aus. So bleibt das Geschehen weiter rätselhaft.
Schneller Tremoranstieg am Ätna gibt Rätsel auf – Eruption möglich aber nicht bestätigt
Am Vormittag des 15. März begann die Tremoramplitude am Ätna in die Höhe zu schnellen und hatte bereits gegen 13:00 UTC hohe Werte erreicht, die auf dem Graphen einen deutlichen Peak im roten Bereich markieren. Typischerweise entspricht die Höhe der Amplitude intensiver strombolianischer Tätigkeit im Gipfelkraterbereich in einer fortgeschrittenen Übergangsphase zu einem Paroxysmus, wenn bereits Lavaströme zu fließen anfangen. Allerdings ist die Sicht auf den Gipfelbereich infolge starker Bewölkung gleich null und eine mögliche Eruption ist unbestätigt. Ein Lagebericht des INGV steht noch aus, aber der VONA-Alarmstatus wurde auf „Gelb“ erhöht.
Bereits am 11. März gab es eine vergleichbare Situation bei der das INGV ebenfalls vorsorglich den VONA-Status für den Flugverkehr auf „Gelb“ erhöhte. Der Alarm wurde erst 2 Tage später terminiert.
Nach dem starken Erdbebenschwarm am 4. März, der mehrere Tage anhielt, gab es einen kleineren Schwarm unter der Nordostflanke nahe der Küste, wo ebenfalls Störungen liegen, von denen bekannt ist, dass sie durch aufsteigendes Magma aktiviert werden. Mit dem heutigen Tremoranstieg verdichten sich die Anzeichen, dass sich am Ätna eine intensivere Eruptionsphase zusammenbrauen könnte. Leider wurde auch diese Woche vom INGV kein wöchentliches Bulletin zum Ätna veröffentlicht, so dass für Außenstehende unklar ist, ob es weitere Anzeichen für Magmenaufstieg gibt. In einer Meldung zum letzten Tremoranstieg wurde aber mitgeteilt, dass ein Bohrlochdilatometer erhöhte Strain-Werte anzeigt, die auf wachsende Spannungen im Vulkangebäude hindeuten. Bei den letzten Eruptionen mit Gipfeltätigkeit und subterminalen Lavaströmen sprangen diese Messgeräte ebenfalls an.
Sobald weitere Informationen vorliegen erfolgt ein Update.
Update: Hier folg schon das Update, da das INGV eine Tätigkeitsmeldung veröffentlicht hat. Obwohl es keine visuelle Bestätigung möglicher Aktivität gibt, sieht es nach einer Eruption aus, da eine leichte Dekompressionsphase am DRUV-Dilatometer registriert wird und der Boden infolge von Lavaausstoß leicht absinkt