Vulkan Karangetang auf Siau eruptiert – Lavaströme auf der Vulkanflanke möglich
Am Abend des 12. Juli hat am Karangetang auf der indonesischen Insel Siau eine neue Eruptionsphase begonnen. Nach Angaben des VAAC Darwin und des PVMGB setzte gegen 19:13 Uhr Ortszeit verstärkte Aktivität ein, die von Lavaförderung, zunehmender Seismizität und einer thermischen Anomalie im Gipfelbereich begleitet wurde. Eine größere Aschewolke konnte satellitengestützt zwar nicht nachgewiesen werden, dennoch hielt die Eruption zunächst an. Wahrscheinlich handelt es sich um einen effusiven Vulkanausbruch mit Lavadomwachstum, möglicherweise begleitet von strombolianischen Eruptionen, wie es für den Karangetang typisch ist.
Die Messstationen registrierten neben einem Eruptionsbeben mehrere flache und tiefe vulkanotektonische Erschütterungen sowie nicht-harmonischen Tremor – typische Anzeichen für aufsteigendes Magma.
Eine Phase mit deutlich erhöhter Seismizität hatte es bereits Mitte Juni gegeben, als zeitweise mehr als 50 vulkanotektonische Erdbeben an einem Tag registriert worden waren. Wahrscheinlich gab es zu dieser Zeit einen größeren Magmaaufstieg.
Ein Livecambild zeigt nicht nur Rotglut am Gipfel, sondern auch an mehreren Stellen im Hangbereich. Inzwischen wurde bestätigt, dass die Rotglut von Lavaströmen stammt. Sie fließen etwa 700–1000 m nach Süden, rund 400 m nach Westsüdwesten sowie etwa 700–1000 m nach Nordnordwesten. Außerdem gab es eine größere strombolianische Eruption am Nordkrater.
Die Behörden warnten vor Lavablockstürzen, pyroklastischen Strömen und möglichen Laharen in den Flusstälern, die bis zur Küste reichen können. Sperrzonen von bis zu 2,5 Kilometern bleiben in Kraft.
Der Karangetang bildet zusammen mit dem benachbarten Vulkan Api den langgestreckten Rücken der Insel Siau, die zwischen Sulawesi und den Philippinen liegt. Der auch als Api Siau bekannte Gipfel zählt zu den aktivsten Stratovulkanen Indonesiens. Sein steiler Kegel erhebt sich auf knapp 1.800 Meter Höhe und wird von 5 Gipfelkratern gekrönt, aus denen häufig zähflüssige Lavaströme austreten. Aufgrund der hohen Förderrate und der steilen Flanken kollabieren diese Ströme regelmäßig und erzeugen gefährliche Glutlawinen. Historische Berichte belegen zahlreiche Ausbrüche, die wiederholt Siedlungen auf der dicht besiedelten Insel bedrohten.
Die aktuelle Eruption fügt sich damit in das bekannte Verhaltensmuster des Vulkans ein. Für die Bewohner Siaus bedeutet dies erhöhte Wachsamkeit, zugleich unterstreicht das Ereignis die anhaltende Dynamik des Inselbogens im Norden Indonesiens.








