Zwei pyroklastische Dichteströme am Merapi hinterließen zwei Kilometer lange Glutspuren – minimales Domwachstum im Zentraldom registriert
Der indonesische Vulkan Merapi liegt auf der Insel Java und generierte in den letzten 24 Stunden gleich 2 pyroklastische Dichteströme. Der erste ging am Freitagabend (28. August 2026) ab und ist aus einer glühenden Schuttlawine hervorgegangen. Nach Angaben der indonesischen Geologiebehörde Badan Geologi ereignete sich der sogenannte „Awan Panas“ um 21:22 Uhr Ortszeit. Der heiße Dichtestrom bewegte sich über eine Strecke von 2.000 Metern in südwestlicher Richtung und folgte dabei dem Oberlauf des Kali Sat/Putih. Der Abgang wurde mittels einer Überwachungskamera dokumentiert.
Der Dichtestrom erzeugte ein seismisches Signal mit einer maximalen Amplitude von 87,74 Millimetern und einer Dauer von knapp 117 Sekunden. Bei einem pyroklastischen Dichtestrom handelt es sich um eine Mischung aus heißem Gas, Asche und Gesteinsfragmenten, die mit hoher Geschwindigkeit die Hänge eines Vulkans hinabströmt. Am Merapi entstehen solche Ströme meistens durch den Kollaps instabiler Bereiche des Lavadoms.
Auch am Samstag setzte sich die Aktivität fort. Im Beobachtungszeitraum zwischen 6 und 12 Uhr Ortszeit wurde erneut ein pyroklastischer Strom mit einer maximalen Reichweite von 2.000 Metern registriert. Daneben wurden 17 Schuttlawinen und 19 hybride Erdbeben aufgezeichnet. Die Behörden sehen weiterhin eine aktive Magmazufuhr am Lavadom, durch die weitere Lavaabbrüche und pyroklastische Ströme ausgelöst werden können.
Der Merapi befindet sich derzeit auf der zweithöchsten Warnstufe Siaga (Level III). Besonders gefährdet sind mehrere Flusstäler an der Südwest- und Südseite des Vulkans. Für den Kali Boyong gilt eine Gefahrenzone von bis zu fünf Kilometern, für Kali Bedog, Krasak und Bebeng bis zu sieben Kilometer. Im Südosten erstrecken sich die asymmetrischen Sperrzonen entlang des Kali Woro über drei und des Kali Gendol über fünf Kilometer.
Die Aktivität steht im Zusammenhang mit dem weiteren Wachstum der Lavadome. Bei einer Drohnenbefliegung vom 15. August wurde das Volumen der Dome neu vermessen. Sie kam zu dem Ergebnis, dass sich das Volumen des südwestlichen Doms um 29.300 Kubikmeter auf 4,07 Millionen Kubikmeter vergrößerte. Der zentrale Dom wuchs um etwa 1.000 Kubikmeter auf 2,37 Millionen Kubikmeter, was trotz der geringen Volumenzunahme durchaus bemerkenswert ist, denn dieser Dom war seit Jahren inaktiv. Beide Dombereiche wiesen eine Temperatur von rund 243 °C auf.
Die Bevölkerung wird aufgefordert, die Gefahrenbereiche und Flusstäler zu meiden. Bei Regen besteht zudem die Gefahr von Laharen, während bei explosiven Eruptionen vulkanische Bomben in einem Radius von bis zu drei Kilometern um den Gipfel niedergehen können.









