Lange anhaltende Eruption am Sakurajima verursacht Ascheregen und legt Teile von Kagoshima unter graubraunem Schleier
Nach einer Woche ohne nennenswerte Eruption brach der Sakurajima gestern Abend europäischer Zeit erneut aus und erzeugte eine mehrere Stunden lang anhaltende Ascheeruption. Starker Wind drückte die Asche zu Boden und erzeugte so ein dichtestromähnliches Phänomen, das in der Präfektur Kagoshima für erhebliche Beeinträchtigungen des öffentlichen Lebens sorgte. Die Asche brachte den Verkehr teilweise zum Erliegen und zwang Menschen, sich in Gebäuden aufzuhalten oder im Freien Staubschutzmasken und Brillen zu tragen. Bereits Anfang Juni wies das JMA auf verstärkte seismische Unruhen und Inflation des Gipfelbereichs hin und warnte vor stärkeren Ausbrüchen.
Für die Japaner war es zur Zeit des Ausbruchs bereits Sonntagmorgen, als sich gegen 5 Uhr Ortszeit die ersten Ascheeruptionen manifestierten, die sich innerhalb kurzer Zeit zu einem beständigen Ascheausstoß steigerten. Livecambilder zeigen, dass die Bewohner Kagoshimas bereits kurz vor 6 Uhr von einem ungewöhnlich starken Ascheregen überrascht wurden: Starke Winde mit Geschwindigkeiten von mehr als 15 Metern pro Sekunde verfrachteten die Vulkanasche direkt über das Stadtgebiet. Dort entstand das als „Hai-Kagura“ bekannte Phänomen – ein regelrechter Tanz aus aufgewirbelter Asche, der Straßen, Fahrzeuge und Gebäude in eine graubraune Staubschicht hüllte.
Nach Angaben des Tokyo Volcanic Ash Advisory Center ereignete sich gegen 11:06 Uhr Ortszeit eine weitere Eruption. Die Aschewolke stieg dabei auf gut 2.400 Meter Höhe auf und wurde dann in südöstliche Richtung verfrachtet. Satellitenaufnahmen des Wettersatelliten Himawari-9 bestätigten die Ausbreitung der Aschefahne über die Region.
Eine weitere Eruption förderte um 16:15 Uhr Lokalzeit eine Aschewolke bis auf 3500 m Höhe. Die Eruption manifestierte sich aus dem Gipfelkrater Minamidake. Die Asche wurde in Richtung Südosten getragen und erreichte die Städte Tarumizu und Kanoya. Für Teile der Präfektur Kagoshima wurde mäßiger bis stärkerer Ascheniederschlag vorhergesagt. Selbst in der Präfektur Miyazaki, mehr als 50 Kilometer entfernt, rechneten die Behörden noch mit leichtem Aschefall. Zudem bestand die Gefahr, dass kleine vulkanische Gesteinsfragmente bis zu zehn Kilometer östlich des Kraters niedergehen könnten.
Die anhaltende Aktivität kommt nicht überraschend. Messungen zeigen seit Ende Mai neben tiefer Magmaakkumulation unter der Aira-Caldera auch eine Aufwölbung des Gipfelbereichs des Vulkans, die auf zunehmenden Magmadruck im Untergrund hindeutet. Die Zahl vulkanotektonischer Erdbeben nahm leicht zu. Gleichzeitig wurden hohe Schwefeldioxid-Emissionen von 2.900 Tonnen pro Tag registriert.
Die Vulkanologen warnen, dass weitere Ausbrüche jederzeit möglich sind. Neben Ascheniederschlägen stellen insbesondere größere vulkanische Gesteinsbrocken, pyroklastische Ströme sowie starke Druckwellen eine Gefahr dar. Die Bevölkerung wird aufgefordert, aktuelle Warnungen zu beachten und bei Aschefall Schutzmaßnahmen wie Masken, Schutzbrillen und vorsichtiges Fahren einzuhalten. Das JMA hält weiterhin die Eruptionswarnstufe 3 aufrecht, die den Zugang zu Bereichen in Gipfelnähe einschränkt.












