El Hierro: seismische Krise

Update 26.05.2012: Gestern waren es insgesamt 241 Erdbeben, wovon 6 Beben eine Magnitude größer als 3 hatten und somit von Menschen zu spüren waren. Heute Vormittag ereignete sich bereits 54 Erdbeben. Die Hypozentren liegen in ca. 18 km Tiefe und haben sich weiter westwärts verlagert. Eine ähnliche Drift war auch letztes Jahr zu beobachten, woraus ich schließe, dass die Aufstiegswege des Magma in diagonal verlaufenden Schwächezonen liegen. Wenn die Beben (und damit das aufsteigende Magma) eine Tiefe um die 10 km erreichen wird ein neuer Vulkanausbruch wahrscheinlicher. Da die Förderwege nun schon vorgeschwächt sind, dürfte das Magma schneller aufsteigen als letztes Jahr. Der Tremor hat wieder nachgelassen, wahrscheinlich tritt im Augenblick keine Lava aus.

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Die Kanareninsel El Hierro wird von einer seismischen Krise erschüttert. Heute ereigneten sich bereits mehr als 80 Erdbeben. 5 der Erdbeben hatten eine Magnitude größer als 3. Die Hypozentren haben sich weiter in Richtung Inselmitte verlagert. Das ist die stärkste Erdbebenserie seit Beginn der submarinen Eruption im Oktober letzten Jahres. Gestern Abend setzte gegen 21.20 Uhr Tremor ein, nachdem sich ein stärkeres Erdbeben ereignet hatte. Möglicher Weise steht ein neuer Vulkanausbruch bevor, oder ist unterseeisch bereits im Gang!

Von offizieller Seite gibt es noch keine Stellungsnahme. Weitere Infos folgen.

 

Vielen Dank für die zahlreichen Kommentare und Mails die mich erreichten; ich bin gerade erst von einem langen Wochenende auf Stromboli zurück. Dieser Vulkan zeigte sich auch von seiner aktiven Seite, mehr darüber später.

21 Gedanken zu “El Hierro: seismische Krise

  1. Tja, ich war im Mai fast drei Wochen auf Lanzarote und habe, wie zu erwarten, nichts von irgendwelcher aktuellen vulkanischen Aktivität bzw. Beben bemerkt. Die einzige hitzige Erfahrung waren ein paar Tage Calima. Die Vulkane richten sich, wie immer, weder nach meinem Geldbeutel noch nach dem Urlaub – der ist nun vorbei. Wenn ich das so lese, würde ich am liebsten sofort ein last-minute Angebot nach La Palma oder Gomera buchen, Glaube nicht, dass ich dort in Gefahr wäre und es wäre wohl eine gute Ausgangsposition. Die meisten Ausbrüche auf den Kanaren sind doch meines Wissens effusiv und nicht sehr gefährlich für Menschenleben, wie Teneguia auf la Palma oder sogar die großen Ausbrüche von Lanzarote, vernünftiges Verhalten natürlich vorrausgesetzt. ,hoffen wir, dass dieser Trend anhält, sollte es zum Ausbruch kommen. Wirklich bedrohlich wäre natürlich ein Hangrutsch. Ich weiß nicht wie hoch die Wahrscheinlichkiet dafür bei El Hierro ist.

    Gruß Hella

  2. Heute Morgen ist schön zu beobachten, wie sich das Aktivitätszentrum weiter nach Westen verlagert. Ich würde das als Verlagerung oder Neubildung der Magmakammer interpretieren. GPS Daten und Emissionsmessungen könnten das u.U. bestätigen, allerdings weiß ich nicht, ob man da momentan rankommt.
    Um den Vorpost zu ergänzen: Es ist tatsächlich fast wie im Film.
    Grüße, Andreas

    • Hallo Zusammen,

      auch heute waren es schon wieder über 30 Beben, davon 2 über Stärke 3.

      Ich habe auf der Seite : http://www.avcan.org/?m=Aire so etwas wie „Luftdaten“ gefunden. Da ich aber kein Spanisch kann, hoffe ich, dass damit jemand was anfangen kann.

      Grüße.

      • Oh, das ist doch interessant. Schwefel und Schwefelsäure sowie einge Stickoxide zeigen in letzter Zeit auffällige Ausschlääge an. Behalte die Daten mal im Auge, danke für den Link…Jetzt müsste man noch wissen, ob Inflation dazukommt.
        Andi

      • Interessant, hier sieht man die Entwicklung. Ein paar Fragen, weil ich mich nicht so gut auskenne mit den Gasmessungen.
        – Welcher Gasanteil vor allem müsste sich erhöhen/dazukommen, stünde ein Ausbruch bevor?
        Hatte mal was von Helium gehört, aber das kommt da garnicht vor.
        -Wo werden die Gase bei Restinga entnommen – aus der Erde, aus dem Wasser?
        -Ich kann mir zwar die meisten der spanischen Begriffe, wie relative Luftfeuchte, Druck, Windrichtung und – geschwindigkeit, Sonnenstrahlung, übersetzen, aber was für eine Rolle spielen diese Werte bei Messungen von Gasanteilen?
        – Was heißt „Precipitacion“ und „(Dioxido de -) azufre“, und was sind „particulares de suspension“? – Mein spanischer Reisesprachführer scheint mit hier etwas überfordert.
        Ist halt noch spannender, wenn man weiß, was es heißt!

        Gruß Hella

      • Hi,
        ich kann leider kein Spanisch, bin aber Chemiker, da kann ich dir etwas weiterhelfen:
        Also Precipitacation ist der Niederschlag, also uninteressant
        Dioxido de azufr also Schwefeldioxid ist viel interessanter. Die Particulares sind Staubteilchen, können also vom Calima oder Vulkanen stammen, die letzter wären dann aber eh sichtbar.
        Andi

      • Tagsüber wurde es ja „fast“ ruhig!? Gegen Abend (unserer Zeit) haben die Beben an Stärke und Intensität zugenommen!!
        jörg

  3. Es sind schon mehr Erdbeben gewesen, als es letztes Jahr begann und trotzdem soll es normal sein und die Warn-Ampel auf Grün bleiben. Letztes Jahr war es auch so, lernen die Menschen daraus nichts ??????
    Klar, Panik machen ist auch nicht richtig. Aber diese Situation war schonmal. Und wir alle wissen: Vulkane sind unberechenbar. Und ich denke Ehrlichkeit und Aufklärung ist immer besser, als alles unter Verschluss zu halten und im letzten Augenblick erst damit rauszurücken und dann Panik zu verbreiten, weil es fast zu
    spät ist.
    Wenn man sich so manche Naturkatastophen-Filme anschaut, die handeln immer so und auf El Hierro ist es fast genauso.
    Ich hoffe für die Bewohner der Insel und für die Behörden, dass es so „Harmlos“ endet wie letztes und dieses Jahr.
    Martina

    • Letztes Jahr gab es zu Spitzenzeiten über 400 Erdbeben am Tag. Auf Krakatau liegen die Werte seit Monaten auf ähnlichem Niveau, ohne dass es zu einer große Eruption gekommen wäre, allerdings wächst dort ein kleiner Lavadom im Krater.
      In Bezug auf El Hierro kann man im Moment nur sagen, dass sich Magma im Untergrund bewegt, aber nicht, ob tatsächlich ein größerer Ausbruch stattfinden wird. Von daher ist es für die Wissenschaftler sehr schwierig entsprechende Warnungen rauszugeben und natürlich halten sie die Bälle erstmal ein wenig flacher. Denke aber nicht, dass sie es runterspielen, wenn die Daten tatsächlich auf einen großen Ausbruch hindeuten. Erfahrungsgemäß wird dann alles so gut abgeriegelt, dass man kaum noch eine Chance hat hinzukommen.
      Lange Rede, kurzer Sinn: als Nichtwissenschaftler darf ich spekulieren, was passieren könnte, die Offiziellen müssen etwas vorsichtiger vorgehen und Panik vermeiden.

      • Das ist ja im Prinzip richtig, aber, wie du schon schriebst, sind schon Wege fürs Magma vorbereitet und es kann u.U. wesentlich schneller gehen, als bei der Eldiskreto Eruption. Und es ist nicht gesagt, dass der gleiche Austrittsort reaktiviert wird, es kann auch über dem derzeitigen Hypercenter der Beben stattfinden und das wäre dann wirklich unangenehm.
        Andreas

    • Hallo Gaby!!
      Wir sind am Freitag von Fuerteventura wiedergekommen. Du brauchst keine Angst zu haben,das einzige was wir(mein Mann und Ich) bemerkt haben das die Wellen am Strand höher sind als normal.Wir waren 14 Tage dort und hatten einmal nur die grüne Fahne.Das kenne ich von dort nicht.
      Also ich wünsche Dir eine schöne Zeit dort (nimmst mich mit sfg )
      Gruss Ute

    • Danke für den Link. Ich würde mir da auch keine großen Sorgen machen und den Urlaub ruhig antreten. Würde nur nicht unbedingt unter überhängenden Klippen campieren, falls es doch mal zu einem stärkeren Erdbeben kommen sollte 😉
      Vielleicht habt ihr ja sogar die Chance einen Vulkanausbruch zu sehen!

      Gute Reise, Marc

      • Danke Euch für die Antworten. Ich laße alles auf uns zukommen, befürchte nur das wir unseren Hund eher ziehen müssen. Wenn er Gefahr schnüffelt bleibt er stur auf dem „Popo“ sitzen – und nichts`s geht mehr 🙂

        Bin mal gespannt was werden wird und hoffe sehr das nicht aufgrund des Tourismus Gefahr für Mensch und Tier heruntergespielt wird.

        Liebe Grüße an Euch.

        Gaby

  4. Mal sehen ob die „Nachrichtensperre“ was am Lauf der Dinge ändert. Selbst wenn die Behörden Informationen unterdrücken, Manfred Betzwieser ist zur Zeit passenderweise vor Ort und wird sicher interessante Entwicklungen auf seinem Blog weitergeben.
    Andreas

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