Italien: erneutes Erdbeben im Norden

Italien kommt dieser Tage nicht zur Ruhe. Ein weiteres Erdbeben der Stärke 5,8 erschütterte den Norden des Landes. Das Epizentrum lag in der Nähe von Modena. Es wurde mindestens 9 Menschen getötet. Erdstöße waren noch in Florenz und Venedig zu spüren.

In der Nähe von Modena gibt es Thermalgebiete und Schlammvulkane. Die Erdbeben im Süden der Alpen stehen im Zusammenhang mit der Gebirgsbildung. Dort kollidiert der Afrikanische Kontinet mit Europa. In der Folge bilden sich die Knautschzonen der Alpen und Apenninen. Letzteres Gebirge verläuft in Nord-Süd-Richtung durch ganz Italien und beherbergt auch zahlreiche Vulkane. Mehr zur Tektonik Italiens im Artikle “Vulkanregion Italien“.

9 Gedanken zu “Italien: erneutes Erdbeben im Norden

  1. Nach meinem Eindruck handelt es sich in Norditalien nicht um einzelne Erdbeben mit entsprechenden Nachbeben, sondern um ein lang andauerndes Schwarmbeben, von dem lediglich einzelne Erdstöße etwas stärker ausfallen, als die anderen. Zudem fällt auf, dass die Beben regional sehr begrenzt bzw. geradezu punktuell auftreten:

    http://www.emsc-csem.org/Earthquake/Map/gmap.php

    Ich bin kein Wissenschaftler, sondern Laie auf dem Gebiet, und kann die Symptomatik daher kaum einschätzen. Aber wäre es möglich, dass dieses punktuelle Schwambeben einen vulkanischen Ursprung hat? Oder kann man das ausschließen? Mich würde auch mal interessieren, nach welchen Kriterien sich derartige Phänomene bewerten lassen.

    Zudem würde mich interessieren, ob es einen möglichen Zusammenhang geben könnte mit der beschleunigten Tektonik in Äthiopien am “Großen Afrikanischen Grabenbruch”. Dazu habe ich bei Wikipedia auf der Diskussionsseite die folgende Meinung aus November 2011 gefunden:

    “Interessant ist das die aufsteigenden Magmaflüsse aus unterirdischen Schichten, bei Eintritt in tektonische Schichten auf eine vom Süden und Osten des indischen Ozean aus (Grenzverläufe/Triple point), auf eine zum Teil entgegengesetzte Kraft auftrifft. Was in inwieweit übertrifft bleibt hypothetisch. Was dazu führen könnte, dass Afrika einwenig gegen den Uhrzeigersinn drehend nach nordöstlicher Richtung driftet.”

    http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Gro%C3%9Fer_Afrikanischer_Grabenbruch

    Wenn ich mir die aktuelle Verteilung der Erdbeben in Südeuropa anschaue, dann ließe sich diese Verteilung durchaus als Bestätigung der zitierten These interpretieren. Möglicherweise sind die zunehmenden leichten und mittleren Erdbeben in Italien, Griechenland und der Osttürkei ein Indiz dafür, dass die afrikanische Platte sich mit zunehmender Geschwindigkeit unter die Eurasische Platte schiebt und sich dabei leicht gegen den Urzeigersinn dreht.

    Zudem soll es bisher kaum erforschte Grabenbrüche in der Adria geben, die Italien vom Balkan trennen. Wenn dem so ist, würde die beschriebene Bewegung der afrikanischen Platte gewissermaßen eine Hebelwirkung auf die italienische Landmasse ausüben. Das ausgeübte Drehmoment wäre genau dort am größten, wo aktuell die meisten Beben auftreten, nämlich in Norditalien südlich der Alpen.

    Was meint Ihr?

    • Hallo Marcus,
      jedes Beben zieht Nachbeben in der Umgebung nach sich. Schwarmbeben sind vulkanischen Ursprungs und eng regional begrenzt und können daher ausgeschlossen werden. Darüber stellt sich für mich die Frage, wie sich die Geschwindigkeit einer Erdplatte einfach mal so erhöhen sollte, daher denke ich, dass es sinnvoll ist auch dies auszushließen.

      Es war halt ein Beben, bei dem sich im Vorwege aufgebaute Spannungen entladen haben. Je nach Beschaffenheit der Erdkruste erfolgt dies mal früher, mal später. Und bei allen von dir genannten Regionen handelt es sich um Risikoregionen, in denen immer mit Beben gerechnet werden muss und sind daher völlig normal.

      • “Wann flutet das Meer endgültig die Wüste? Das weiß niemand – doch klar ist, dass es schnell gehen könnte: “Binnen Tagen könnten die Hügel einsinken”, erläutert Tim Wright von der Universität Leeds in Großbritannien. Dann würde das Meer die Danakilsenke fluten.

        Seit fünf Jahren habe sich die Ozeanentstehung in Nordostafrika “unglaublich beschleunigt”, sagt Wright. Alles gehe viel schneller, als man es sich vorgestellt habe. Bislang maßen Forscher in Nordostafrika ein paar Millimeter Dehnung des Bodens pro Jahr. “Doch nun öffnet sich die Erde meterweise”, berichtet Lorraine Field von der University of Bristol.”

        http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/ueberraschende-ausbrueche-vulkanisches-inferno-schafft-neuen-ozean-in-afrika-a-733821.html

        Möglicherweise gibt es eine astronomische Erklärung für die beschleunigte Tektonik. Dass unser Planetensystem im Dezember die Äquatorebene der Milchstraße passiert, dürfte ja allgemein bekannt sein.

        Die Astronomen gehen zudem davon aus, dass sich im Zentrum unserer Galaxis ein super-massereiches schwarzes Loch befindet, welches zudem von einer vergleichsweise dichten Ansammlung von Millionen Sternen inklusive ihrer Planeten umgeben ist. Ein Großteil der Gesamtmasse der Milchstraße befindet sich daher in ihrem Zentrum.

        Eine Folgerung der speziellen Relativitätstheorie von Albert Einstein lautet, dass rotierende Massen im Raum Gravitationswellen aussenden. Bisher wurde diese Hypothese nicht bewiesen, was aber ggf. daran liegen mag, dass nach sehr hochfrequenten Wellen gesucht wurde, die sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten.

        Wir wissen jedoch von der Sonne bzw, von unserem Sonnensystem, dass die Sonne 99,8% der Masse unseres Sonnensystems enthält, jedoch nur 0,5% des gesamten Drehimpulses des System. 99,5% des Drehimpulses entfällt auf die Planeten.

        Das lässt sich nur relativistisch erklären, indem man davon ausgeht, dass die Raumzeit sich um den Gravitationsschwerpunkt herum wie ein Strudel zentrisch verwindet, während die Umlaufgeschwindigkeit der Planeten bzw. die Rotationsgeschwindigkeit der Sonne innerhalb der Raumzeit in Richtung Zentrum abnimmt.

        Unter dieser relativistischen Prämisse wäre die Drehfrequenz großer Massen im Raum und damit auch deren Drehimpuls wesentlich geringer, als dies normalerweise nach der Newtonschen Mechanik der Fall wäre. Große Massen würden sich demnach bei weitem nicht so schnell drehen, wie angenommen, sondern im Gegenteil sehr langsam.

        Dementsprechend wäre damit zu rechnen, dass Gravitationswellen – wenn sie existieren – nicht – wie bisher angenommen – sehr hochfrequent und schnell sind, sondern im Gegenteil niederfrequent und langsam…, aber dafür mit ggf. sehr hohen Amplituden.

        Für diese These spricht, dass sich die Sternentstehung innerhalb interstellarer Gaswolken in unserer Galaxis bisweilen wellenartig ausbreitet, und zwar vom Zentrum der Galaxis radial nach außen. So als ob Wellen durch die zusätzliche Verdichtung der Gasmassen den Prozess der Kernfusion zünden.

        Gravitationswellen sind – wenn es sie gibt – Raum-Zeit-Wellen, die den Raum und auch die darin enthaltene Materie strecken und stauchen, und die sich in der Äquatorebene des jeweiligen Systems nach radial ausbreiten:

        http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b8/Wavy.gif

        http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/5c/Gravwav.gif

        Stellen wir uns also einfach mal vor, der kleine Kreis in der zweiten Animation wäre unsere Erde auf dem Weg durch die Äquator-Ebene unserer Galaxis. 😉

      • Aber am Ende ist es doch nur ein Teil eines Jahrmillionen langen Prozesses, der nun nach und nach sichtbar wird. Dies kann auf Island auch beobachtet werden. Aber die Bilder im Spiegelartikel sind wirklich toll und interessant.

  2. “erschütterte” ist fast harmlos, würde ich sagen!
    Seit 7Uhr gibt es fast im 30-Minuten-Takt einige Beben zwischen 4 und 5.5!!!
    In diesen Regionen in Oberitalien ist die Lage derzeit sicherlich nicht entspannt!

    • Ja, Nachbeben sind eher die Regel, als die Ausnahme! Italien ist Erdbebenland und die Magnitude war eigentlich nicht so hoch, da kann man mit weitaus stärkeren Beben rechnen. Trotzdem für die Betroffenen sicher eine Katastrophe.

  3. Auf manchen Seiten kann man von mindestens 9 Tote reden.

    Ich habe auch ein Video gesehen, wo die Region mit dem Helikopter überflogen wird. Man kann Risse in der Erde (Felder, Wiesen …) erkennen. Weiß jemand schon um wieviel cm sich die Erde aufgerissen oder angehoben hat? (heute aber auch letztes Mal)

    Ich habe jedoch eine Frage: ich verstehe nicht weshalb gerade alte historische Gebäude zerstört werden. Diese haben doch schon einige Erdbeben im Laufe der Zeit überstanden. Nimmt vieleicht die Stärde zu? Oder wie ist das zu erklären?

    Danke im Voraus für eine Erklärung.

    • Hi, die Zahlen der Opfer steigen ständig; jetzt ist von 15 Toten die Rede. Ich denke die historischen Gebäude sind in einem schlechten Zustand und oft renovierungsbedürftig, darum werden sie vermehrt einstürzen.

      • Ich denke auch, dass es an der Bausubstanz der alten Gebäude liegt, finde es aber erschreckend wieviele andere Gebäude erheblich beschädigt wurden, die jünger aussehen und eigentlich den Gegebenheiten stand halten sollte. Es ist zu wünschen, dass die Verantwortlichen für den Baupfusch an den Pranger gestellt und zur Rechenschaft gezogen werden.

        Darüber hinaus denke ich, dass 2 Beben mit einer 6 besser sind als eines mit einer 7. Nicht auszudenken welche Schäden ein stärkeres Erdbeben zu Folge gehabt hätte. Die Anzahl der Nachbeben zeigt ja wieviel Energie noch in der Erde steckt. Also kann doch fast gesagt werden, dass die Italiener noch Glück hatten, auch wenn sich das nicht besonders glücklich anhört.

        Drücken wir Daumen, dass die Beben wieder abklingen.

Kommentare sind geschlossen.

error: Content is protected !!