Ätna: Erdbeben deuten weiteren Magmenaufstieg an

Eruptionsstatus unklar – Weitere Erdbeben deuten Magmenaufstieg am Ätna an

Häufige Wolkenbedeckung verhinderte in den letzten Tagen visuelle Beobachtungen am sizilianischen Vulkan Ätna. Doch heute Morgen ist es klar und die Thermalcam zeigt im Valle del Bove einen erkalteten Lavastrom. Dennoch berichtet das INGV, dass es in den letzten Tagen gelegentlich zu Leuchterscheinungen im Bereich der neuen Schlote auf der Ostflanke und an der Basis der Voragine gekommen ist. Von daher deklariere ich den Aktivitätsstatus des Vulkans als unklar, obgleich ich davon ausgehe, dass die Episode erstmal vorüber ist.

Ätna. © INGV

Für diese Einschätzung spricht auch die vergleichsweise niedrige Tremoramplitude, die ich entlang der Grenze zwischen niedrigem und mittelstarkem Tremor beobachte Die Tremorquellen befinden sich in gut 2400 m Höhe im Vulkangebäude und konzentrieren sich auf ein Areal nordwestlich des Nordostkraters. Signifikante Bodenverformungen hat es in den letzten Tagen nicht gegeben.

Dass dieser Zustand der Ruhe lange anhält, glaube ich nicht, denn in den letzten Tagen gab es im Westen des Vulkans wieder Erdbeben – die eine Magnitude bis 3,3 erreichten – in Tiefen, die darauf hindeuten, dass neues Magma in die Erdkruste unter dem Ätna eindringt. Wie lange das Magma braucht, um in das flache Reservoir aufzusteigen, von wo aus es Eruptionen speist, ist ungewiss. Dennoch kann es durch das aufsteigende Magma zu einem Zahnpastatuben-Effekt kommen: Die aufsteigende Schmelze erhöht von unten her den Druck im Fördersystem, was nicht nur Erdbeben auslöst, sondern weiter oben befindliche Schmelze anschiebt, so dass insgesamt Bewegung ins System kommt und Eruptionen getriggert werden.

Erdbeben gab es aber nicht nur in größerer Tiefe, sondern auch nahe der Oberfläche. Hier sind vor allem die Beben im Gipfelbereich, aber auch unter der Ostflanke des Ätnas bemerkenswert. Die Beben deuten zwar noch keine unmittelbar bevorstehende Intensivierung der Ausbruchsaktivität an, zeigen aber, dass der aktivste Vulkan Europas bereits wieder auflädt.

Sizilien: Erdbeben am Ätna und im Ionischen Meer

Mehrere Erdbeben im Bereich der Ätna-Westfalnke ‐ stärkstes Beben Mb 3,3

Im Bereich von Sizilien haben sich in den letzten 24 Stunden mehrere interessante Erdbeben ereignet. Zunächst gab es im Westen des Ätnas mehrere Erdstöße. Der stärkste hatte eine Magnitude von 3,3 und einen Erdbebenherd in 9,5 Kilometern Tiefe. Das Epizentrum wurde vom INGV 2,1 km westlich vom Monte Minardo verortet. Vor der Küste Siziliens bzw. dem Stiefelabsatz von Kalabrien manifestierte sich ein mittelstarkes Beben der Magnitude 5,1. Die Herdtiefe wurde in 53 Kilometern Tiefe festgestellt. Dieses Beben war im großen Umkreis von fast 500 km zu spüren gewesen.

Ätnabeben. © EMSC/Leaflet

Auf den ersten Blick mögen die Ereignisse nichts miteinander zu tun haben, doch sie sind durch die Subduktion der Ionischen Platte unter den Kalabrischen Block miteinander verlinkt. Das stärkere Erdbeben manifestierte sich vermutlich an einem Teil der subduzierten Erdkruste Ioniens. Durch die Subduktion entsteht ein tektonischer Rückrolleffekt, durch den sich das Tyrrhenische Meer öffnet, in dem die Liparischen Vulkaninseln liegen. Dabei kommt es zur Dehnung und Ausdünnung der Erdkruste im Nordosten Siziliens. Auch wenn der Ätna kein klassischer Subduktionszonen-Vulkan ist, liegt er im Grenzbereich der Ionischen Platte und wird durch diese Back-Arc-Extension beeinflusst. Die Erdbeben im Westen des Ätnas liegen auf einer Linie, die sich über die Vulkanflanken hinaus fortsetzt, und deuten somit an, dass sie sich entlang einer tektonischen Störung ereigneten. Ob aufsteigendes Magma seine Finger im Spiel hat, ist ungewiss, aber durchaus möglich.

Bereits in den vergangenen Tagen hatte es wieder einige Erdbeben unter der westlichen Ätnaflanke gegeben. Die Tiefen lagen bei 10 Kilometern Hier bildete sich der klassische Cluster eines kleinen Schwarmbebens heraus, der sehr wahrscheinlich mit Fluidbewegungen im Zusammenhang stand. Auch unter dem Gipfelbereich und im oberen Valle del Bove gab es weitere schwache Erschütterungen. Trotz der Eruption findet also weiterhin Magmenaufstieg statt und der nächste Vulkanausbruch wird vorbereitet. Nicht auszuschließen, dass der Ätna wieder lebhafter wird, als er es in den vergangenen Monaten war.

Ätna ist im Valle del Bove noch effusiv aktiv

Lavaströme im Valle del Bove weiterhin aktiv – Lavafront am Ätna bei 1900 Höhenmeter

Der Ätna auf Sizilien ist weiterhin aktiv und eruptiert Lava, die sich im Bereich des Monte Simone im Valle del Bove bewegt. Die vorderste Lavafront ist indes dabei, abzukühlen, und stagniert seit 3 Tagen. Die neuen Lavafronten bewegen sich in einem Höhenbereich von ca. 1900 m und liegen scheinbar außer Sicht der Thermal-LiveCam des INGV. Dafür beobachteten INGV-Forscher die Aktivität bei ihrer Feldarbeit. Die Gipfelkrater blieben währenddessen still, entgasten aber stark.



Ein recht kalter Ätna

In einem heute Mittag veröffentlichten INGV-Bericht heißt es, dass entlang der am 1. Januar entstandenen Eruptionsspalten im Valle del Bove weiterhin mäßig viel Lava gefördert wird. Mehrere aktive Lavaströme sind im Bereich des Monte Simone zu beobachten. Die am weitesten vorgedrungenen Lavafronten liegen knapp unterhalb von 1900 bzw. 2000 m Höhe, während die weiter talabwärts gelegenen Bereiche des Lavafeldes inzwischen zum Stillstand gekommen sind und abkühlen. Nächtliche Kamerabeobachtungen zeigen anhaltende Leuchterscheinungen entlang der Spalten, was auf eine kontinuierliche Förderung hinweist.

Die Amplitude des vulkanischen Tremors schwankt seit dem 8. Januar zwischen niedrigen und mittleren Werten, wobei die Tremorquelle im Bereich des Nordostkraters lokalisiert ist.

Besondere Bedeutung kommt den gemessenen Strain-Änderungen zu. Das Dehnungsmessgerät DRUV registrierte ab dem 7. Januar eine Phase rascher Kompression von rund 20 Nanodehnungen, gefolgt von einer langsamen Dekompression und einem derzeit oszillierenden Verhalten. Diese Kompression wird als Ausdruck einer Druckentlastung des magmatischen Speichersystems interpretiert. Durch den anhaltenden Abfluss von Magma über die Eruptionsspalten verliert das Reservoir Volumen, wodurch das umgebende Gestein leicht nach innen reagiert. Die fehlenden Veränderungen im GNSS-Netz unterstreichen, dass es sich um eine moderate, lokal begrenzte Deflation handelt. Insgesamt deuten die Daten auf eine stabile effusive Phase hin, ohne Hinweise auf eine bevorstehende Intensivierung der Aktivität.

Auf dem Sentinel-Satellitenfoto vom 8. Januar ist im Thermalspektrum keine Anomalie feststellbar, wobei der Monte Simone von Wolken verdeckt war. MIROVA registrierte heute Mittag eine moderate Wärmestrahlung, die auch von der sich abkühlenden Lava stammen kann. Meiner Einschätzung nach kann es sich nur noch um eine geringe Menge Lava handeln, die eruptiert wird bzw. heute Morgen eruptiert wurde.

Streik der Vulkan- und Naturführer

Aufgrund der zu streng erscheinenden Sicherheitsmaßnahmen, in deren Zuge auch die Hauptstraße Richtung Refugio Citelli kurz hinter Milo gesperrt wurde, protestierten die Vulkan- und Naturführer des Ätnas und streikten gestern. Der uns gut bekannte, deutschstämmige INGV-Vulkanologe, dessen Namen ich diesmal nicht nennen möchte, solidarisierte sich in einem privaten Facebookpost mit den Bergführern (und indirekt auch mit uns Vulkanspottern), indem er die strengen Maßnahmen kritisierte. Das rief den leitenden Direktor des INGV auf den Plan, der sich seinerseits von dem Post des Vulkanologen distanzierte und auf die Seite der Bürgermeister der betroffenen Kommunen stellte. Meiner bescheidenen Meinung nach arbeiten beim INGV hervorragende Geowissenschaftler und Techniker, doch die politische Leitung des Vereins kann man getrost in der Pfeife rauchen!

Ich kritisiere insbesondere nicht nur die überzogenen Sicherheitsmaßnahmen, sondern das Fehlen jedweder Prognosen im Vorfeld einer Eruption. Sollte man tatsächlich keine Ahnung haben, was als Nächstes kommt? Warum werden wöchentliche Bulletins eingestellt, sobald der Vulkan 3 Monate nicht ausgebrochen ist? Und noch dringender die Frage: Warum werden sie nicht wieder aufgenommen, wenn selbst Vulkanspotter erkennen, dass sich eine Eruption zusammenbraut? Hat man Sorge, die Bevölkerung zu beunruhigen? Wenn man auf der Flanke eines aktiven Vulkans lebt, sollte man sich der potenziellen Gefahr, in der man sich befindet, permanent bewusst sein!

Die aktuellen Sicherheitsmaßnahmen wären nur im Falle einer großen Flankeneruption gerechtfertigt, wie es sie Anfang des Jahrtausends zweimal gegeben hat. Vielleicht noch im Anfangsstadium des Ausbruchs, als nicht klar war, wie groß die Eruption sein wird. Aber kurz vor deren deutlichen Abschwächung Straßensperren zu errichten und den Zugang zum Eruptionsgebiet signifikant einzuschränken, zeugt schlichtweg von eins: massiver Inkompetenz! Oder sollte man davon ausgehen, dass sich ein weitaus stärkerer Ausbruch zusammenbraut? Daten hierzu wurden jedenfalls nicht offengelegt.

Ätna: Status der Eruption unklar

Unklarer Status der Eruption am Ätna – Kontroverse Diskussionen über Sicherheitsmaßnahmen

Der Status der Eruption am Ätna ist aufgrund schlechten Wetters unklar. Bereits gestern hüllten sich der Gipfel und die Ostseite des Vulkans den ganzen Tag in Wolken, sodass visuelle Observierungen via Livecam erfolglos blieben. Am Nachmittag berichtete das INGV allerdings, dass die tiefere Lavafront ihre Aktivität stoppte und abkühlte. Zugleich war es relativ still am Gipfel. Zumindest konnten keine Explosionen gehört werden und auch die Infraschallsensoren registrierten nur Wind. Der Tremor bewegte sich auf mittelhohem bis niedrigem Niveau. Also sprach alles für ein Ende der Eruption. Doch heute Morgen stieg der Tremor wieder bis in den unteren roten Bereich, was ein Indiz dafür ist, dass sich die Gipfelaktivität fortsetzt bzw. wieder einsetzt.

Tremor. © INGV

In den sozialen Medien werden die Sicherheitsmaßnahmen, die von den Verantwortlichen der Kommune Milo in Bezug auf den Zugang zum Eruptionsgebiet im Valle del Bove erlassen wurden, als unverhältnismäßig bis vollkommen übertrieben bezeichnet. Diese Äußerungen stammen sowohl von Vulkanführern als auch von einem uns bekannten Vulkanologen, der sich aber privat äußerte. Zuletzt durften nur noch von zertifizierten Führern geführte Gruppen in das Valle del Bove steigen und sich bis maximal 200 m der Lava nähern. Um 18 Uhr hatten sie sich wieder an der Kontrollstation einzufinden, was bedeutete, dass man schon vor der Dunkelheit das Gebiet des Lavastroms verlassen musste – also bevor es so richtig interessant wird, da die Lava im Dunklen bzw. Dämmerlicht am fotogensten ist.

Langsam dämmert es wohl nicht nur mir, dass wir in einer überkontrollierten Gesellschaft leben, in der es verboten ist, persönliche Risiken einzugehen, aus Angst, dass Behörden und Kommunen auf Entschädigung verklagt werden, sollte was passieren. Diese durchaus begründete Angst ist der aus den USA zu uns übergeschwappten Klagewut zu verdanken, in der jeder hofft, selbst aus Unglücken noch Kapital zu schlagen. Leider ersticken die überbordenden Restriktionen jeden Forscherdrang, eigentlich ein Teil der Persönlichkeit vieler Menschen. Hinzu kommen natürlich noch die Reisepreise, die seit der Pandemie unverhältnismäßig in die Höhe geschossen sind.

Angst und überzogenes Sicherheitsbedürfnis auf der einen Seite, Habgier und Skrupellosigkeit auf der anderen, spiegeln sich leider auch immer mehr in der Politik wider. Das schreibe ich jetzt nicht unbedingt in Bezug auf Italien und den Ätna, sondern auf die große Bühne des Weltgeschehens, wo uns Machthaber voller Psychosen und nahe der Geisteskrankheit langsam aber sicher auf einen dritten Weltkrieg zusteuern!

Ätna: Explosionsgeräusche vom Gipfel

Neue Explosionsgeräusche vom Ätna-Gipfel – Lavastrom kühlt ab

Auf der Thermalcam des INGV sieht man heute Abend, dass sich der Lavastrom im unteren Bereich des Valle del Bove abzukühlen scheint. Es ist aber nicht klar, ob die Eruption beendet ist oder ob ein weiterer Lavaschub kommen wird. Dafür wurden heute Mittag aber starke Explosionsgeräusche aus dem Gipfelbereich gehört. Der Tremor ist nach einigen Fluktuationen im gelben Bereich wieder im unteren roten Bereich unterwegs und zeigt das Muster wie während der erhöhten Aktivität am Nordostkrater.




Wie das Nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV), Ätna-Observatorium, in mehreren Bulletins mitteilte, hat sich die seismische Situation im Tagesverlauf nicht grundlegend verändert, bewegt sich jedoch weiterhin auf hohem Niveau.

Besonders auffällig sind die hohen Werte des vulkanischen Tremors, dessen Quellen nach wie vor östlich des Gipfelkraters Voragine lokalisiert werden, in einer Höhe von rund 2.900 Metern über dem Meeresspiegel. Die Tremoramplitude setzt einen bereits zuvor beobachteten langsamen Anstieg fort und wird von langperiodischen Schwankungen überlagert, die jeweils etwa zehn Stunden andauern.

Direkte Beobachtungen des Gipfelbereichs waren aufgrund dichter Bewölkung über weite Strecken des Tages nicht möglich. Dennoch meldeten INGV-Mitarbeiter vor Ort deutlich hörbare Knallgeräusche, die auf explosive Aktivität im Gipfelbereich hindeuten. Auch die Auswertung von Infraschallsignalen blieb wegen starker wetterbedingter Störgeräusche unzuverlässig.

Parallel dazu ist das effusive Geschehen an der Ostflanke weiterhin aktiv. Überwachungskameras und Feldbeobachtungen zeigen, dass sich das Lavafeld im Valle del Bove fortsetzt. Die am weitesten vorgedrungene Lavafront befindet sich derzeit auf etwa 1.360 Metern Höhe. Weiter oberhalb, zwischen 1.400 und 1.600 Metern, sind mehrere sich überlappende Lavaströme zu erkennen.

Die geodätischen Messnetze liefern ein differenziertes Bild: Während im hochfrequenten GNSS-Netzwerk keine nennenswerten Veränderungen registriert wurden, zeigen Dehnungsmessungen ein oszillierendes Muster aus schnellen Kompressionsphasen, stabilen Abschnitten und anschließender Dekompression. Seit Beginn dieser Phase wurden etwa +10 Nanodehnungen akkumuliert; ein ähnlicher Trend wird auch von Neigungsmessgeräten bestätigt.

Insgesamt deutet die aktuelle Datenlage auf eine anhaltend aktive, aber bislang stabile Situation hin. Die Entwicklung wird vom INGV weiterhin engmaschig überwacht.

Ätna: Lavastrom im Valle bleibt bei limitierten Zugang aktiv

Lavastrom am Ätna weiterhin aktiv – Zugangskontrollen zum Valle del Bove aktiv durchgeführt

Der Lavastrom im Valle del Bove (Tal des Ochsen) am sizilianischen Vulkan Ätna ist weiterhin aktiv. Trotz des schlechten Wetters ist die Lavafront auf der Thermalcam sichtbar. Sie liegt knapp unterhalb der Wolkendecke. Der Stärke des Signals nach zu urteilen, ist ein neuer Lavaschub unterwegs. Berichten zufolge gibt es am Zugang zum Valle del Bove bei Pietracannone Kontrollen: Man darf sich der Lavafront nur mit Begleitung eines zertifizierten Vulkanführers einer bestimmten Vereinigung bis auf 200 Meter nähern. Selbst andere Vulkanprofis sind von der Regelung nicht ausgenommen.



Thermalaufnahme INGV

Einerseits kann ich verstehen, dass die Behörden besorgt sind, Unfälle vermeiden wollen und den Zugang zum Eruptionsgebiet limitieren, andererseits finde ich es erstaunlich, dass nicht differenziert wird und auch Vulkanprofis und Pressevertreter von der Regelung nicht ausgenommen sind, insbesondere, da die Risiken an einem Lavastrom auf flachem Gelände bei weitem nicht so groß sind wie direkt an einem explosiv tätigen Krater. Der Vulkan- und Pressefotograf und Gründer von EtnaWalk, Giuseppe Distefano, postete auf FB, dass es aber offenbar doch Ausnahmen gibt, wenn man eine hochgestellte Persönlichkeit ist, die über entsprechende Beziehungen verfügt. So beobachtete er, wie eine ihm bekannte Person in Begleitung von 2 Freunden an den Posten vorbei marschierte, ohne sich in der Besucherliste eintragen zu lassen, was die Posten akzeptierten. Der Vorgang führte zu einiger Empörung im Netz. Den Kommentaren ist zu entnehmen, dass die Verbotspolitik am Ätna (und nicht nur dort) vielen Menschen auf die Nerven geht!

Bilder dokumentieren allerdings auch den großen Besucheransturm: So ist die kurvenreiche Straße zwischen Milo und dem Valle del Bove am Wochenende komplett zugeparkt gewesen. Aufnahmen vom 3. Januar zeigen, wie sich Hunderte Schaulustige unmittelbar vor der Lavafront aufbauten. Etwas, was natürlich auch nicht geht.

Aus einem aktuellen Bericht des INGV geht hervor, dass die Lavafront, die gestern in etwa 1400 m ü. NN zum Stillstand gekommen war, inzwischen eine Höhe von rund 1360 m ü. NN erreicht hat und sich mit den Lavazungen der vorhergehenden Tage vereinigte. Auf etwa 1500 m ü. NN, wurde zudem ein neuer aktiver Lavastrom festgestellt, der sich ebenfalls mit den bestehenden Strömen überlagert.

Aus seismologischer Sicht zeigte die mittlere Amplitude des vulkanischen Tremors ab etwa 00:00 UTC am 5. Januar einen langsamen und kontinuierlichen Anstieg, der gegen 05:20 UTC seinen Maximalwert erreichte. Anschließend folgte ein abrupter Rückgang der Amplitude, die derzeit auf einem niedrigen Niveau liegt. Die Quelle des vulkanischen Tremors wird nordwestlich des Südostkraters in einer Höhe von etwa 1500 bis 2000 m über dem Meeresspiegel lokalisiert, was eine Verlagerung der Tremorquelle darstellt: bislang lagen die Signale unter dem Nordostkrater. Möglicherweise deutet sich hier an, dass der Südostkrater aktiv wird.

Um 05:19 UTC wurde zudem ein deutliches seismisches Signal registriert, das insbesondere an den Gipfelstationen etwa zwei Minuten anhielt. Dieses Ereignis steht weder mit Bruchprozessen noch mit explosiver Aktivität in Zusammenhang, sondern wird vermutlich durch einen Erdrutsch verursacht.

Ätna: Lavastrom im Valle del Bove weiterhin aktiv

Lavastrom am Ätna. © Copernicus

Lava fließt am Ätna im Vale del Bove – Mehrere Generationen von Strömen übereinander

Der Ätna bleibt den 4. Tag in Folge aktiv und erzeugt multiple Lavaströme, die zum Teil übereinander fließen und dabei sind, ein respektables Lavafeld zu formieren. Fotos und Videos dokumentieren das Geschehen und zeigen einen Aa-Lavastrom, von dessen Front metergroße glühende Blöcke abbrechen – so, wie man es von früheren Flankeneruptionen her kennt. Die Aktivität fluktuiert und es gibt stärkere und schwächere Phasen.

Obwohl der Ausbruch relativ intensiv ist, ist er nicht mit den großen Eruptionen von 2001 und 2002 zu vergleichen, als der Vulkan wie eine überreife Tomate aufplatzte und sich mehrere lange Spalten öffneten, die die Vulkanflanken mit Lava überfluteten. Der Ausbruch hat eher die Dimension der subterminalen Lavastromtätigkeit, die wir im letzten Jahr zweimal bewundern konnten. Eine Gefahr für die Bevölkerung besteht bis jetzt nicht.

Auf der Sentinel-Satellitenaufnahme, die von Copernicus geteilt wurde, erkennt man durch den leichten 3D-Effekt schön die Höhenlage der Schlotöffnung. Das Bild stammt vom 1. Januar und zeigt den Lavastrom in einem frühen Entwicklungsstadium.

Wie das Nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV), Ätna-Observatorium, mitteilt, zeigen aktuelle Aufnahmen der Überwachungskameras sowie Geländebegehungen durch INGV-Mitarbeiter, dass das Lavafeld im Valle del Bove weiterhin aktiv ist. Der Lavastrom, dessen Front am Vortag eine Höhe von 1.360 m über dem Meeresspiegel erreicht hatte, ist derzeit zum Stillstand gekommen und befindet sich in der Abkühlungsphase. Dagegen bleibt der darüberliegende Lavastrom, der gestern bis auf 1.600 m über dem Meeresspiegel vorgedrungen war, aktiv; seine Front liegt aktuell bei etwa 1.400 m über dem Meeresspiegel. Auf der Thermalcam-Aufnahme ist seine Spur deutlich sichtbar.

Parallel dazu hält die strombolianische Tätigkeit im Voragine-Krater mit wechselnder Intensität an und wird von sporadischen, schwachen Ascheemissionen begleitet, die sich rasch im Gipfelbereich ausbreiten. Aus seismologischer Sicht befindet sich die mittlere Amplitude des vulkanischen Tremors trotz gewisser Schwankungen weiterhin auf einem normalen Niveau. Die Hauptquellen des Tremors scheinen im Bereich des Voragine-Kraters in Höhenlagen zwischen etwa 2.800 und 3.000 m über dem Meeresspiegel lokalisiert zu sein.

Eine verlässliche Analyse der Infraschallsignale hinsichtlich ihrer Häufigkeit und Herkunft war aufgrund starker Störgeräusche infolge ungünstiger Wetterbedingungen nicht möglich. Die Messdaten der Neigungs- und GNSS-Netzwerke zeigen derzeit keine signifikanten Veränderungen.

Wie gestern berichtet, gibt es Zugangsbeschränkungen zum Lavastrom. Wer sich das Naturspektakel von der Serra della Concazze aus anschauen will, sollte unbedingt auf eine alpine Winterausrüstung nebst Steigeisen achten, denn die Hänge im Nornen können besonders nach Einbruch der Nacht vereisen. Die Bergrettung musste bereits anrücken und zwei junge Männer aus einer Notlage retten.

Ätna: Vulkanausbruch im Valle del Bove geht weiter

Lavastrom im Valle del Bove am Neujahrstag. © Boris Behncke/INGV

Lavastrom im Valle del Bove weiterhin aktiv – Debatte um Zugang und Sicherheit am Ätna

Der Lavastrom am Ätna ist weiterhin aktiv, auch wenn die Förderrate in den letzten Stunden abgenommen hat. Das Lavafeld des zähen Aa-Lavastroms wächst weiter, die Lavafront hat aber flacheres Gelände erreicht und stagniert mehr oder weniger. Die am weitesten fortgeschrittene Front befindet sich auf 1360 m Höhe über dem Meeresspiegel. Die aktive Front des Lavastroms liegt derzeit bei rund 1.600 Metern Höhe.




Thermalbild. © INGV

Nach Angaben des Nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV) ist die Aktivität im Bereich zwischen 1.700 und 1.800 Metern nahe der Rocca Musarra am intensivsten: Dort speist ein Hauptkanal mehrere kleinere Lavaströme, die sich teilweise über bereits erstarrte Lava der Vortage legen. Parallel dazu setzt sich die strombolianische Aktivität am Voragine-Krater fort, begleitet von leichter Ascheemission.

Auch die geophysikalischen Messdaten unterstreichen die anhaltende Unruhe des Vulkans. Seit dem 2. Januar gegen 11 Uhr zeigt das vulkanische Tremor-Signal deutliche Schwankungen und erreicht zeitweise hohe Werte. Heute bewegt sich der Tremor im unteren Teil des Roten Bereichs. Die Quellen dieses Tremors werden in unmittelbarer Nähe des Voragine-Kraters lokalisiert, in Höhen zwischen 2.800 und 3.000 Metern. Eine genaue Auswertung der Infraschall-Daten war aufgrund ungünstiger Wetterbedingungen bislang nicht möglich.

Flache Erdbeben vor der Eruption. © INGV

Auf den Livecams sieht man heute Abend Rotglut an der Voragine und die thermale Signatur des Lavastroms.

Meine Analyse der Erdbebendaten zeigt, dass es nicht nur am 30. Dezember mehrere Erdbeben nahe der Oberfläche gab, sondern auch am Folgetag, als die Eruption einsetzte. Das INGV hätte eigentlich vor der Tätigkeit warnen können, unterließ aber jegliche Prognose. Ob es daran lag, dass man eine Gefährdung der Bevölkerung ausschloss, oder weil man es schlicht weg übersah, bleibt rätselhaft.

Zugangsbeschränkungen sorgen für Diskussionen

Vor dem Hintergrund des seit dem 1. Januar 2026 andauernden Ausbruchs hat die Gemeinde Milo mit einer Verordnung den Zugang zum Valle del Bove eingeschränkt. Ziel ist der Schutz der öffentlichen Sicherheit – insbesondere angesichts eines unkontrollierten Besucherandrangs, der Sicherstellung freier Zufahrtswege für Einsatzfahrzeuge auf der Straße Mareneve SP sowie des strikten Verbots, sich der Lavafront auf weniger als 200 Meter zu nähern.

Der regionale Verband der Natur- und Vulkanführer Federescursionismo Sicilia unterstützt diese Sicherheitsziele ausdrücklich, übt jedoch zugleich Kritik an der aus seiner Sicht zu strengen Auslegung der Maßnahmen. Der Verband betont, dass zertifizierte Naturführer seit Jahren im Ätna-Gebiet tätig seien und über die notwendige fachliche und praktische Erfahrung verfügten, um Besucher verantwortungsvoll zu begleiten und sie in die Nähe der Lavaströme zu führen.

Für die Bevölkerung an den Hängen des Ätna, insbesondere auf der Ostseite und im Raum Catania, ist der Vulkan seit jeher Teil der eigenen Geschichte und Identität. Die bewusste, fachlich begleitete Beobachtung von Ausbrüchen habe in der Vergangenheit stattgefunden, ohne zwangsläufig zu gefährlichen Situationen zu führen, argumentiert der Verband. Wie in den Bergen oder auf dem Meer gehe es nicht um ein absolutes Verbot, sondern um intelligentes Risikomanagement und fordert Zugang von geführten Gruppen zu den Lavaströmen.

Ätna: Flankeneruption im Valle del Bove

Erste Flankeneruption am Ätna seit Jahren – Lavastrom im Valle del Bove

In der Silvesternacht öffnete sich eine Eruptionsspalte im unteren Bereich des Valle del Bove, nahe des Grates von Serracozo. Ein beeindruckender Lavastrom bewegt sich talabwärts und fließt in Richtung der Ortschaft Milo. Die Lavafront ist aber noch einige Kilometer vom Ort entfernt. Die Eruption begann still und leise und wurde erst anhand von Thermal-Satellitendaten entdeckt. Der Tremor bewegte sich im gelben Bereich.

Update: 15:00 Uhr:

Die effusive Eruption im Valle del Bove hält weiter an und zeigt im zeitlichen Verlauf eine stetige Entwicklung des Lavastroms. Nach Angaben des Nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV), wurde die Aktivität zunächst am späten Nachmittag des. 1. Januars durch Überwachungskameras registriert. Um etwa 16:30 UTC war nahe der nordwestlichen Wand des Tals effusive Tätigkeit zu beobachten, während gleichzeitig im Gipfelbereich eine anhaltende explosive Aktivität aus dem Krater Bocca Nuova gemeldet wurde. Diese äußerte sich in schwachen Ascheemissionen, die sich rasch im Gipfelareal verteilten.

Zu diesem Zeitpunkt bewegten sich die geophysikalischen Parameter insgesamt im normalen Bereich. Die Amplitude des vulkanischen Tremors lag im mittleren (gelben) Niveau, die Infraschallaktivität war gering und konzentrierte sich vor allem auf den Bereich des Voragine-Kraters. Auch die Deformationsmessungen lieferten zunächst keine Hinweise auf größere Veränderungen im Untergrund. Die letzte verfügbare Lokalisierung der Tremorquellen zeigte ein Epizentrum nordwestlich des Nordostkraters in rund 2.800 bis 3.000 Metern Höhe.

Im weiteren Verlauf konkretisierten sich die Beobachtungen zur effusiven Aktivität. Feldteams des INGV sowie Satellitenbilder bestätigten, dass sich die effusive Öffnung im Bereich des Monte Simone auf etwa 2.100 Metern Höhe befindet. Der Lavastrom bewegte sich hangabwärts durch das Valle del Bove, wobei der zu diesem Zeitpunkt am weitesten fortgeschrittene Frontbereich unmittelbar südlich von Rocca Musarra lag, auf rund 1.580 Metern Höhe. Auch in dieser Phase blieben die seismischen und infrasonischen Parameter weitgehend stabil. Lediglich ein moderater Trend zur Dekompression wurde im Strainmeter von Monte Ruvolo registriert, ohne dass dies bislang mit einer markanten Intensivierung der Aktivität einherging.

Die jüngsten Berichte vom frühen Nachmittag des 2. Januars zeigen, dass das Lavagebiet weiterhin aktiv gespeist wird. Der Lavastrom hat inzwischen eine Länge von etwa 2,8 Kilometern erreicht, wobei die vorderste Front auf rund 1.420 Metern Höhe östlich von Rocca Musarra liegt. Zusätzlich wurde in den frühen Morgenstunden eine schwache strombolianische Aktivität am Voragine-Krater beobachtet, begleitet von geringen Ascheemissionen. Schlechte Sichtverhältnisse erschwerten zuletzt jedoch direkte Beobachtungen im Gipfelbereich.

Lavafront. © INGV

Gegen 15.00 Uhr MEZ hielt die Lavastromaktivität weiter an und auf der Thermalcam ist die Lavafront sichtbar. Der Tremor sit wieder deutlich gestiegen und befindet sich im oberen gelben Bereich. MIROVA zeigt eine hohe Thermalstrahlung mit 2250 MW Leistung an.

Insgesamt bleibt die Eruption derzeit von moderater Intensität. Die Messnetze zur Überwachung von Seismik, Infraschall und Bodendeformation zeigen keine signifikanten Anomalien. Dennoch handelt es sich um eine der interessantesten Eruptionen der letzten Zeit, da sich seit Jahren kein Förderschlot mehr soweit unten auf der Vulkanflanke geöffnet hat.