Anhaltende Aktivität am Sangay: Aschewolke bis auf 6100 m Höhe eruptiert
Der ecuadorianische Vulkan Sangay zeigt weiterhin eine anhaltend hohe Aktivität und eruptierte heute mehrere Aschewolken. Die höchste erreichte heute Nacht eine Höhe von 6100 m über dem Meeresspiegel und driftete mit einer Geschwindigkeit von 28 km/h in südwestlicher Richtung. Das VAAC Washington gab um 03:09 UTC eine VONA-Warnung heraus. Weitere folgten im Tagesverlauf, allerdings blieben die Aschewolken niedriger.
Berichte des ecuadorianischen Instituto Geofísico (IG-EPN) bestätigen die anhaltenden Ascheemissionen und verweisen zudem auf thermische Anomalien und seismische Aktivität. Zwar konnten aufgrund starker Bewölkung auf den jüngsten Satellitenbildern die Aschewolken nicht beobachtet werden, dennoch gehen die Vulkanologen davon aus, dass die eruptive Aktivität auf Basis vorheriger Muster anhält.
Satellitengestützte Messsysteme wie MIROVA und FIRMS registrieren derzeit Wärmestrahlung im Gipfelbereich, ein klares Indiz für sehr heißes Material im Fördersystem des Vulkans. Diese thermischen Signale werden häufig mit glühendem Material im Krater, heißen Gasen oder frischer Tephra in Verbindung gebracht. Hinweise auf einen ausgedehnten Lavastrom oder einen aktiven Lavadom gibt es derzeit nicht. Die Aktivität bleibt damit überwiegend explosiv und auf den Kraterbereich beschränkt.
Parallel dazu wird eine kontinuierlich erhöhte Erdbebentätigkeit gemessen. In der letzten Woche wurden an einigen Tagen bis zu 165 seismische Signale registriert. Die Mehrzahl der aufgefangenen Signale steht in direktem Zusammenhang mit Explosionen, sowie explosionsartigen Gasfreisetzungen und Fluidbewegungen im Fördersystem. Größere tektonische Erdbeben, die auf eine zusätzliche Destabilisierung des Systems hindeuten würden, wurden in der unmittelbaren Umgebung des Vulkans zuletzt nicht gemeldet. Die letzten stärkeren Erdbeben fanden im Mai letzten Jahres statt.
Der Sangay gilt als einer der aktivsten Vulkane Südamerikas und liegt im Randbereich der Anden, dort, wo der Gebirgszug Richtung Amazonasbecken abfällt. Seine derzeitige Phase ist geprägt von einem nahezu dauerhaften Wechselspiel aus Explosionen, Ascheemissionen und thermischer Aktivität. Für die Luftfahrt bleibt er deshalb ein relevanter Faktor, insbesondere bei Aschewolken in niedrigen bis mittleren Flughöhen.