Kilauea: Erdbeben MB 4,1 unter Südflanke – Lavafontänen-Episode 55 lässt weiter auf sich warten
Am Kilauea auf Hawaii verharrt die vulkanische Aktivität auf dem Niveau einer Vorläuferphase, der seit Tagen erwarteten Lavafontänen-Episode 55. Dabei wird die Aktivität inzwischen von intensivem Lavaspattering aus dem Nordschlot des Halemaʻumaʻu-Kraters dominiert, während die Lavastromtätigkeit abgenommen hat. Und das, obwohl die Bodenhebung wieder von Inflation bestimmt wird, die einen neuen Rekordwert für die aktuelle Eruptionspahse erreicht hat. Der Vulkan steht weiterhin auf Alarmstufe WATCH, der Flugfarbencode lautet ORANGE.

Am Sonntagabend nahm das Spattering am Nordschlot deutlich zu. Gegen 18:30 Uhr Ortszeit wurden nahezu kontinuierliche Spratzerauswürfe beobachtet, wobei größere Fontänen Höhen von etwa 10 bis 20 Metern erreichten. Bereits zuvor war an den drei Schloten Glühen beobachtet worden. Das anhaltende Tremorsignal deutet darauf hin, dass Magma weiterhin sehr oberflächennah im Fördersystem steht.
Gleichzeitig setzt sich die Inflation des Gipfelbereichs fort. Nach Angaben des Hawaiian Volcano Observatory hat das UWD-Tiltmeter seit dem Ende der letzten Lavafontänen-Episode am 25. August einen Anstieg von insgesamt etwa 15 Mikroradian registriert. Damit liegt die Bodenhebung mehrere Mikroradian über dem Wert, der vor Beginn der Episode 54 erreicht worden war. Die Magmakammer unter dem Gipfelbereich hat somit inzwischen offenbar erheblichen Druck aufgebaut, dennoch scheint der richtige Anstoß zu fehlen, um mit einer paroxysmusartigen neuen Lavafontänen-Episode durchzustarten.

Seit dem 7. September wurden insgesamt 104 präparatorische Lavaüberläufe am Nordschlot registriert. Diese Aktivität gilt normalerweise als Vorläufer einer neuen Fontänenphase. Nachdem das Prognosefenster für Episode 55 mehrfach verschoben wurde und die Eruption nun für den 13. oder 14. September erwartet wird, ist inzwischen unklar, wann genau die Eruption einsetzen wird. Das HVO betont, dass die bisherigen Modelle zur Vorhersage anhand der Bodenhebung nicht mehr zuverlässig funktionieren.
Zusätzliche seismische Aktivität wurde am Sonntag durch ein Magnitude-4,1-Erdbeben unter der Südflanke des Kilauea registriert. Das Hypozentrum lag in 13 Kilometern Tiefe, etwa fünf Kilometer südlich von Pāhala. Das Beben wurde laut HVO nicht mit der laufenden Eruption in Verbindung gebracht. Es steht vielmehr im Zusammenhang mit der regionalen tektonischen Aktivität im Bereich der Südflanke des Vulkans.
Trotz des Bebens und der weiterhin hohen Inflation bleibt die erwartete Episode 55 somit aus. Die Kombination aus oberflächennahem Magma, kontinuierlichem Tremor, Spattering und zunehmender Bodenhebung spricht jedoch dafür, dass eine neue Phase intensiver Lavafontänen weiterhin unmittelbar bevorstehen kann.









