Italien: Erdrutsch auf 4 km Länge

Erdrutsch bei Petacciato: Unwetter lösten massive Bodenbewegungen aus, die Zerstörungen verursachten

An der italienischen Adriaküste hat ein großflächiger Erdrutsch in der Region Molise starke Schäden verursacht und wichtige Verkehrsverbindungen unterbrochen. Bereits Anfang der Woche setzten sich bei der Gemeinde Petacciato auf einer Länge von gut 4 Kilometern gewaltige Erdmasse in Bewegung und glitt langsam in Richtung Meer ab und generierte eine mehrere Meter hohe Steilkante. Die Folgen sind nicht zu übersehen: Luftaufnahmen zeigen aufgerissene Straßen, verbogene Bahngleise und beschädigte Gebäude, deren Bewohner evakuiert werden mussten. Besonders gravierend ist die Sperrung eines Abschnitts der Autobahn A14 sowie der parallel verlaufenden Bahnlinie, die beide wichtige Nord-Süd-Verbindungen entlang der Adriaküste darstellen.

Steilkante durch Erdrutsch

Auslöser des Erdrutsches waren starke Regenfälle infolge von Unwettern in den Tagen zuvor, denen ich zu verdanken hatte, nicht auf Stromboli anlanden zu können. Die Region Molise wurde besonders stark von den lange anhaltenden Unwettern getroffen, die den Boden tiefgründig durchnässten. Entscheidend war dabei weniger ein einzelnes Starkregenereignis als vielmehr die über Wochen angesammelte Wassermenge im Untergrund. Die Niederschläge führten dazu, dass sich Porenwasser im Boden anreicherte und den inneren Zusammenhalt der Bodenschichten schwächte. Schließlich wurde eine kritische Grenze überschritten, und der Hang begann, großflächig zu gleiten.

Die geologischen Bedingungen in diesem Küstenabschnitt begünstigen solche Prozesse. Das Gebiet liegt im Vorland des Apennin und besteht aus einer charakteristischen Abfolge von Sedimentschichten. Unter einer vergleichsweise stabilen Deckschicht aus Sand und Kies befindet sich eine Tonschicht, die in früheren Erdzeitaltern in einem ruhigen Meeresbecken abgelagert wurde. Diese feinkörnigen Sedimente reagieren empfindlich auf Wasser: Sobald sie durchfeuchtet sind, quellen die Tonminerale auf, verlieren ihre Festigkeit und verhalten sich plastisch wie Knete.

Genau diese Eigenschaft spielt beim aktuellen Erdrutsch eine zentrale Rolle. Regenwasser kann durch die oberen, durchlässigeren Schichten einsickern, staut sich jedoch auf dem weniger durchlässigen Ton. Dort entsteht eine Art glitschiger Gleithorizont, auf dem die darüberliegenden Schichten langsam abrutschen. Die Hangneigung in Richtung Meer verstärkt diesen Effekt zusätzlich.

Erdrutsche sind in Petacciato kein neues Phänomen. Bereits seit über einem Jahrhundert werden dort wiederkehrende Bodenbewegungen beobachtet, meist in Zyklen von längeren Ruhephasen und kurzen Aktivitätsperioden. Die jüngsten Unwetter haben diesen Prozess erneut angestoßen.

Geologen gehen davon aus, dass sich solche großräumigen Rutschungen nicht vollständig verhindern lassen. Maßnahmen wie Entwässerungssysteme könnten jedoch helfen, das Risiko zu verringern, indem sie die Wassermenge im Untergrund kontrollieren. Der aktuelle Fall zeigt eindrücklich, wie eng extreme Wetterereignisse und geologische Gegebenheiten zusammenwirken können.

Erdrutsch in Pakistan

Mit der Zunahme extremer Wetterereignisse treten Erdrutsche weltweit immer häufiger auf und erreichen dabei oft größere Ausmaße. Ein weiteres, aktuelles Beispiel ist ein Erdrutsch in der pakistanischen Ortschaft Murree in der Provinz Punjab. Ähnlich wie beim Ereignis in Petacciato handelt es sich nicht um einen plötzlich einsetzenden Hangsturz, sondern um ein langsames, großflächiges Gleiten von Bodenmassen.

Diese Form des Erdrutsches hat unterschiedliche Konsequenzen: Einerseits bleibt der Bevölkerung in der Regel mehr Zeit, sich in Sicherheit zu bringen. Andererseits erstrecken sich die Auswirkungen über weite Gebiete und ganze Landstriche werden auf lange Sicht unbewohnbar.

Italien: Heftige Unwetter verursachten Überflutungen

Starke Unwetterserie in Italien reißt nicht ab – Überflutete Ortschaften in der Mitte

Die seit Wochen anhaltende Unwetterphase in Italien und weiteren Regionen des Mittelmeers reißt nicht ab und verursachte erneut Starkregen nebst Überflutungen. Zudem gab es auch im Süden hohen Seegang, der meinen Landungsversuch auf Stromboli ein weiteres Mal vereitelte.

Heftige Unwetter haben in den vergangenen Tagen weite Teile Mittel- und Süditaliens getroffen. Besonders betroffen sind die Regionen Abruzzen, Molise und Apulien. Dort sind nach anhaltenden Starkregenfällen mehrere Flüsse über die Ufer getreten und haben Straßen, Felder und Ortschaften überflutet. Auch aus der Provinz Foggia werden Überschwemmungen gemeldet, etwa aus Borgo Cronata, wo Wassermassen ganze Landstriche unter Wasser gesetzt haben.

Die Ursache liegt in einer festgefahrenen Wetterlage über dem Mittelmeer. Ein Tiefdruckgebiet hat sich südlich der Alpen etabliert und führt feuchtwarme Luftmassen vom Meer heran. Treffen diese auf die Gebirge des Apennin, werden sie zum Aufsteigen gezwungen – es kommt zu intensiven und teils stationären Niederschlägen. Besonders problematisch: Viele Flüsse in diesen Regionen sind kurz und reagieren extrem schnell auf Regen. Innerhalb weniger Stunden können sie anschwellen und übertreten.

Doch warum häufen sich solche Ereignisse im Mittelmeerraum? Ein zentraler Faktor ist die steigende Wassertemperatur des Mittelmeers. Wärmeres Wasser verdunstet stärker und reichert die Atmosphäre mit Feuchtigkeit an. Diese zusätzliche Energie kann sich in Form von Starkregen entladen. Gleichzeitig begünstigen veränderte Strömungsmuster in der Atmosphäre sogenannte „Blocking-Lagen“, bei denen Wetterlagen über Tage oder sogar Wochen nahezu ortsfest bleiben.

Hinzu kommt, dass die Böden vielerorts bereits gesättigt sind – frühere Niederschläge können kaum noch aufgenommen werden. Neue Regenfälle fließen daher direkt oberflächlich ab und verstärken die Hochwassergefahr signifikant.

Die aktuelle Situation zeigt deutlich, wie verwundbar der Mittelmeerraum gegenüber extremen Wetterereignissen ist. Sollte sich die Großwetterlage nicht bald ändern, drohen weitere Überschwemmungen. Meteorologen sehen in dieser Entwicklung ein mögliches Anzeichen dafür, dass solche Unwetter künftig häufiger und intensiver auftreten könnten.

Stromboli, Terra di dio!

Mir hat das Wetter heute zum zweiten Mal einen Strich durch die Rechnung gemacht: Nachdem ich bereits im Herbst 2024 unverrichteter Dinge abziehen musste und nicht auf Stromboli anlanden konnte, wiederholte sich dieses „traumatische Erlebnis“ heute ein weiteres Mal. Das Wetter auf Stromboli war nicht einmal so übel, doch die See einen Ticken zu unruhig für das Anlanden des Tragflächenboots. Erschwerend hinzu kommt, dass aufgrund des vom Sturm im Januar beschädigten Piers keine Fähren auf Stromboli anlegen können. Ist die See für Tragflächenboote zu rau, befindet sich Stromboli de facto im Lockdown! Passiert das am Abreisetag, sitzt man unter Umständen auf der Insel fest. Ich konnte keine Anzeichen erkennen, dass man daran arbeitet, das Problem zu lösen! Nicht nur eine herbe Enttäuschung, sondern ein herber Rückschlag für den Tourismus der leidgeplagten Vulkaninsel.

Sizilien: Erdrutsch bei Taormina

Unwetter lösten Erdrutsch bei Taormina aus – unbewohntes Haus kollabierte

Süditalien und Sizilien wurden in den letzten Tagen von heftigen Unwettern infolge eines Medicanes heimgesucht, die von Starkregen und Hagel begleitet wurden. In mehreren Regionen kam es zu kleineren Erdrutschen, weil der wassergesättigte Boden nachgab. Im Fokus stand dabei die Region rund um Taormina an der Ostküste der Ätnaregion. Bei dem bei Touristen beliebten Ort kam es zu einem Erdrutsch, der Teile einer Straße mit sich riss. Personen kamen nicht zu Schaden. 

Taormina

Die Unwetter im Süden Italiens sollen auch morgen noch anhalten, bevor eine langsame Wetterbesserung in Sicht ist. Zum Höhepunkt des Geschehens fielen innerhalb von 36 Stunden bis zu 200 mm Niederschlag. Das Auge des Tiefdruckgebiets, das in den Medien oft als Zyklon bezeichnet wird, liegt aktuell südwestlich von Sizilien und bewegt sich nur langsam.

Die gewaltigen Regenmengen unterspülten auch die Fundamente eines alten Hauses in Hanglage und verursachten den Teilkollaps des Gebäudes, das zum Glück bereits unbewohnt war. Daher gab es auch bei diesem Zwischenfall keine verletzten oder sogar getöteten Personen. Die beiden Vorfälle verdeutlichen aber, wie prekär die Situation in ehemals eher ariden Gebieten geworden ist. In den letzten Jahren nahmen starke Unwetter in der Region deutlich zu und Kanalisationen – sofern vorhanden – sind nicht in der Lage, die Wassermassen abzuführen, so dass es in Niederungen und oft auch in Ortschaften häufig zu Überflutungen kommt.

Die Kombination aus extremen Niederschlägen und der morphologischen Beschaffenheit Siziliens macht die Region besonders anfällig für Erdrutsche. Viele Gebäude befinden sich in steilen Hanglagen auf instabilem Untergrund der bei Dauerregen schnell an Stabilität verliert. Behörden haben deshalb Vorsichtsmaßnahmen ergriffen und in gefährdeten Gebieten Evakuierungen vorbereitet oder bereits durchgeführt.

Die Unwetter beschränkten sich aber nicht nur auf Sizilien, sondern griffen auch auf Kalabrien über, wo es entlang der ionischen Küste und besonders im Ort Mirto Crosia zu starken Überflutungen kam: Straßen verwandelten sich in reißende Ströme und rissen alles mit sich, was nicht niet- und nagelfest war. Ein Mann wurde von den Wassermassen mitgerissen und erlitt schwere Verletzungen. Er konnte geborgen und mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden.

Die Situation bleibt weiterhin angespannt: Weitere Regenfälle könnten neue Erdrutsche auslösen und zusätzliche Schäden verursachen.

Italien: Erdbeben Mw 5,9 bei Neapel

Panorama
Blick über den „Golf von Neapel“. Links der Vesuv, rechts Capri. Das Epizentrum des Bebens lag außerhalb des rechten Bildrandes. © Marc Szeglat

Starkes Erdbeben Mw 5,9 erschüttert Golf von Neapel – Erdbeben in großer Tiefe bleibt oberflächlich folgenlos

Datum: 09.03.2026 | Zeit: 23:03:54 UTC | Koordinaten: 40.543 ; 13.953 | Tiefe: 375 km | Mw 5,9

Heute Morgen staunte ich für einige Sekunden nicht schlecht, als mir auf der Shakemap des EMSC ein großer roter Fleck im Bereich des Golfs von Neapel entgegensprang, und mein Gesichtsausdruck entgleiste regelrecht, als ich eine Magnitude von 5,9 erspähte. Doch wenige Sekunden später hatte ich meine Mimik wieder unter Kontrolle, als ich sah, dass das Epizentrum des Bebens in der ungewöhnlich großen Tiefe von 375 Kilometern lag. Diese Tiefe ist der Grund, warum der starke Erdstoß vor der Küste einer der am dichtesten besiedelten Regionen Italiens oberflächlich betrachtet folgenlos blieb. Zwar gibt es bei den Erdbebendiensten Wahrnehmungsmeldungen, doch die Bebenzeugen waren selbst überrascht, als sie in den Erdbebenapps sahen, dass der Erdstoß eine Magnitude von fast 6 gehabt haben soll: Sie merkten nur leichte Erschütterungen, die etwa 5 Sekunden dauerten und sich wellenförmig ausbreiteten.

Golf von Neapel
Golf von Neapel. © EMSC/Leaflet

Das Epizentrum des Erdstoßes wurde von den Erdbebendiensten 43 Kilometer süd-südwestlich von Neapel und 22 km süd-südöstlich der Insel Ischia – auf der es erst letzte Woche ein schwaches Erdbeben gab – verortet. Das bekannte Capri liegt ähnlich weit entfernt und das Epizentrum liegt zwischen den beiden Inseln, die jeweils auf den Rand-Störungszonen des Halb-Grabens liegen, die das Absenkungsgebiet des Golfs von Neapel einrahmen. Doch die Herdtiefe zeigt, dass die Krustentektonik des Golfs von Neapel nicht für das Erdbeben verantwortlich war. Die Ursache lag vielmehr in anhaltenden Subduktionsprozessen entlang des Kalabrischen Bogens, in dessen Folge sich durch ein Zurückrollen der subduzierten Platte die Erdkruste ausdünnte und das Becken des Tyrrhenischen Meers entstand und sich weiter öffnet, ein Prozess, der auch maßgeblich für den Vulkanismus der Region verantwortlich ist: Durch die Subduktion der Ionischen Platte gelangt u.a. Wasser in den oberen Erdmantel, das die Schmelztemperatur der Mantelgesteine reduziert, wodurch Magma entsteht. Die Störungen in der Erdkruste dienen als Aufstiegswege des Magmas, das die Vulkane der Liparischen Inseln, die submarinen Vulkane um Marsili und die Feuerberge der Golfregion mit Schmelze versorgt. Die Spur der subduzierten Platte lässt sich bis in etwa 500 Kilometern Tiefe seismisch verfolgen. So sind tiefe Erdbeben wie das aktuelle zwar selten, kommen aber im Abstand von einigen Jahrzehnten immer wieder vor.

Eine aktive Tiefentektonik in der vulkanisch geprägten Region zeigt, dass auch die Magmenbildung weitergeht. So ist in den nächsten Jahrtausenden nicht damit zu rechnen, dass der Vulkanismus des Tyrrhenischen Meeres zum Erliegen kommt, was eine schlechte Langfristprognose vor allem für die Anwohner von Vesuv und Campi Flegrei darstellt.

Eine unmittelbare Reaktion der Vulkane im Wirkungskreis des Erdbebens blieb bis jetzt aus, könnte sich aber selbst noch nach Wochen oder Monaten ereignen. Dennoch war bereits in den letzten Tagen wieder eine leichte Zunahme der Seismik unter beiden Vulkanen Vesuv und Campi Flegrei zu beobachten gewesen. Unter dem Vesuv registrierte man im letzten Monat sogar langperiodische Niederfrequenz-Erdbeben, die direkt mit Fluidbewegungen im Zusammenhang standen. Dennoch hält der deflationäre Trend dort an.

Italien: Erdbeben Mb 4,4 im Ionischen Meer

Erdbeben im Ionischen Meer bei Italien: Ruck entlang einer komplexen Nahtstelle

Datum: 15.01.2026 | Zeit: 08:35:17 UTC | Koordinaten 38.721 ; 18.054 | Tiefe: 10 km | Mb 4,4

Ein moderates Erdbeben der Magnitude Mb 4,4 hat am Morgen das nördliche Ionische Meer erschüttert. Das Epizentrum wurde vom EMSC 90 km ost-südöstlich von Crotone in Italien verortet. Die Tiefe des Hypozentrums wurde mit 10 Kilometern angegeben. Der Erdstoß manifestierte sich um 08:35:17 UTC und blieb ohne größere Schäden. Auch Wahrnehmungsmeldungen liegen nicht vor.  Es war nicht das einzige Beben in der Region, denn zuvor gab es um 06:02:08 UTC ein Beben Mb 4,3 in 15 km Tiefe sowie einige schwächere Erdstöße.  Die Beben lenken den Blick auf eine der tektonisch komplexesten Zonen des Mittelmeerraums.

Italien. © EMSC/Leaflet

Was auf den ersten Blick wie ein typisches mittelstarkes Seebeben erscheint, ist aus tektonischer Sicht bemerkenswert. Die Epizentren liegen in einer bekannten Deformationszone im Übergangsbereich zwischen der Adriatischen und der Ionischen Mikroplatte, nahe der Apulischen Schichtstufe mit der gleichnamigen Großstörung. Diese Zone ist kein klar definierter Plattenrand, sondern ein mehrere Dutzend Kilometer breiter Störungsgürtel, in dem sich unterschiedliche Bewegungen überlagern. Entgegen vereinfachter Darstellungen in manchen globalen Karten handelt es sich dabei nicht um eine direkte Grenze zwischen der afrikanischen und der adriatischen Platte. Die afrikanische Großplatte liegt weiter südlich; im zentralen Mittelmeer dominieren Mikroplatten und Übergangszonen das Geschehen.

Auffällig ist, dass es in den letzten Tagen zu einer Zunahme der Seismizität im Osten Italiens kommt. Offenbar haben sich durch tektonische Prozesse größere Spannungen aufgebaut, die nun entladen werden. Erst am 10. Januar hatte es im Ionischen Meer ein Erdbeben der Stärke Mb 5,1 gegeben. Diese Erschütterung manifestierte sich im gleichen Störungsregime, aber weiter südlich und näher an der Küste, weshalb ich die aktuellen Erdbeben nicht als Nachbeben einordne. Stärkere Erdbeben sind jederzeit möglich.

Das nördliche Ionische Meer ist seit Jahrhunderten als seismisch aktive Region bekannt. Historische Großbeben wie jenes von Messina 1908 haben gezeigt, welches Potenzial in diesem System steckt. Das aktuelle Ereignis bewegt sich jedoch klar im moderaten Bereich und fügt sich in die normale seismische Hintergrundaktivität der Region ein.

Italien: Doppelbeben im Nordosten

Zwei spürbare Erdbeben im 4er-Bereich erschüttern die Romagna in Italien – Teil einer bekannten tektonischen Zone betroffen

Heute Morgen wurde die italienische Provinz Romagna von zwei kurz aufeinanderfolgenden Erdbeben erschüttert. Das erste Beben manifestierte sich um 09:27 Uhr Ortszeit als die Seismometer ein Beben der Magnitude 4,6registrierten. Nur 80 Sekunden später folgte ein weiteres mit der Magnitude 4,2. Die Epizentren lagen wenige Kilometer nördlich von Forli, zwischen Forli-Cesena, Ravenna und dem östlichen Rand der Emilia-Romagna. Die Herdtiefen befanden sich in 23 und18 Kilometern. Beide Erschütterungen waren in weiten Teilen der Region deutlich zu spüren, Schäden wurden nach ersten Angaben jedoch nicht gemeldet.

Italien. © EMSC

Zahlreiche Menschen berichteten von einem lauten Grollen, gefolgt von kurzen, kräftigen Erschütterungen. In Forli, Faenza, Ravenna und Cesena schwankten Lampen und Möbel, einige Anwohner verließen aus Vorsicht ihre Häuser und Arbeitsplätze. Auch im mehr als 50 Kilometern entfernten Rimini wurde das Beben noch schwach wahrgenommen. Viele Augenzeugen beschrieben zwei klar getrennte Stöße, was mit den Messungen gut übereinstimmt.

Seismologisch handelt es sich sehr wahrscheinlich um ein Beben-Paar, dass sich an einer Störung des Romagna-Forli-Störungssystems ereignete. Die Herdtiefen von etwa 18 bis 23 Kilometern liegen im mittleren Bereich der Erdkruste und sind typisch für den nördlichen Apennin.

Tektonisch gehört das Gebiet zu einer der komplexesten Zonen Italiens. Die Romagna liegt an der Vorderfront des Apennins, wo die Adria-Mikroplatte gegen den italienischen Festlandblock gedrückt wird. Diese anhaltende Kompression führt zu Überschiebungen und schrägen Störungen, die immer wieder Erdbeben erzeugen. Historisch ist die Region keineswegs ruhig: Bereits im 17. und 19. Jahrhundert kam es zu starken Erdbeben bei Forli und Cesena, und auch die Emilia-Romagna-Sequenz von 2012 zeigte das seismische Potenzial der gesamten Zone.

Die aktuellen Beben waren moderat und verursachten keine größeren Schäden, erinnern aber daran, dass die Romagna Teil eines aktiven tektonischen Systems ist.

Sizilien: Erdbeben am Ätna und im Ionischen Meer

Mehrere Erdbeben im Bereich der Ätna-Westfalnke ‐ stärkstes Beben Mb 3,3

Im Bereich von Sizilien haben sich in den letzten 24 Stunden mehrere interessante Erdbeben ereignet. Zunächst gab es im Westen des Ätnas mehrere Erdstöße. Der stärkste hatte eine Magnitude von 3,3 und einen Erdbebenherd in 9,5 Kilometern Tiefe. Das Epizentrum wurde vom INGV 2,1 km westlich vom Monte Minardo verortet. Vor der Küste Siziliens bzw. dem Stiefelabsatz von Kalabrien manifestierte sich ein mittelstarkes Beben der Magnitude 5,1. Die Herdtiefe wurde in 53 Kilometern Tiefe festgestellt. Dieses Beben war im großen Umkreis von fast 500 km zu spüren gewesen.

Ätnabeben. © EMSC/Leaflet

Auf den ersten Blick mögen die Ereignisse nichts miteinander zu tun haben, doch sie sind durch die Subduktion der Ionischen Platte unter den Kalabrischen Block miteinander verlinkt. Das stärkere Erdbeben manifestierte sich vermutlich an einem Teil der subduzierten Erdkruste Ioniens. Durch die Subduktion entsteht ein tektonischer Rückrolleffekt, durch den sich das Tyrrhenische Meer öffnet, in dem die Liparischen Vulkaninseln liegen. Dabei kommt es zur Dehnung und Ausdünnung der Erdkruste im Nordosten Siziliens. Auch wenn der Ätna kein klassischer Subduktionszonen-Vulkan ist, liegt er im Grenzbereich der Ionischen Platte und wird durch diese Back-Arc-Extension beeinflusst. Die Erdbeben im Westen des Ätnas liegen auf einer Linie, die sich über die Vulkanflanken hinaus fortsetzt, und deuten somit an, dass sie sich entlang einer tektonischen Störung ereigneten. Ob aufsteigendes Magma seine Finger im Spiel hat, ist ungewiss, aber durchaus möglich.

Bereits in den vergangenen Tagen hatte es wieder einige Erdbeben unter der westlichen Ätnaflanke gegeben. Die Tiefen lagen bei 10 Kilometern Hier bildete sich der klassische Cluster eines kleinen Schwarmbebens heraus, der sehr wahrscheinlich mit Fluidbewegungen im Zusammenhang stand. Auch unter dem Gipfelbereich und im oberen Valle del Bove gab es weitere schwache Erschütterungen. Trotz der Eruption findet also weiterhin Magmenaufstieg statt und der nächste Vulkanausbruch wird vorbereitet. Nicht auszuschließen, dass der Ätna wieder lebhafter wird, als er es in den vergangenen Monaten war.

Ätna: Lavastrom im Valle bleibt bei limitierten Zugang aktiv

Lavastrom am Ätna weiterhin aktiv – Zugangskontrollen zum Valle del Bove aktiv durchgeführt

Der Lavastrom im Valle del Bove (Tal des Ochsen) am sizilianischen Vulkan Ätna ist weiterhin aktiv. Trotz des schlechten Wetters ist die Lavafront auf der Thermalcam sichtbar. Sie liegt knapp unterhalb der Wolkendecke. Der Stärke des Signals nach zu urteilen, ist ein neuer Lavaschub unterwegs. Berichten zufolge gibt es am Zugang zum Valle del Bove bei Pietracannone Kontrollen: Man darf sich der Lavafront nur mit Begleitung eines zertifizierten Vulkanführers einer bestimmten Vereinigung bis auf 200 Meter nähern. Selbst andere Vulkanprofis sind von der Regelung nicht ausgenommen.

Thermalaufnahme INGV

Einerseits kann ich verstehen, dass die Behörden besorgt sind, Unfälle vermeiden wollen und den Zugang zum Eruptionsgebiet limitieren, andererseits finde ich es erstaunlich, dass nicht differenziert wird und auch Vulkanprofis und Pressevertreter von der Regelung nicht ausgenommen sind, insbesondere, da die Risiken an einem Lavastrom auf flachem Gelände bei weitem nicht so groß sind wie direkt an einem explosiv tätigen Krater. Der Vulkan- und Pressefotograf und Gründer von EtnaWalk, Giuseppe Distefano, postete auf FB, dass es aber offenbar doch Ausnahmen gibt, wenn man eine hochgestellte Persönlichkeit ist, die über entsprechende Beziehungen verfügt. So beobachtete er, wie eine ihm bekannte Person in Begleitung von 2 Freunden an den Posten vorbei marschierte, ohne sich in der Besucherliste eintragen zu lassen, was die Posten akzeptierten. Der Vorgang führte zu einiger Empörung im Netz. Den Kommentaren ist zu entnehmen, dass die Verbotspolitik am Ätna (und nicht nur dort) vielen Menschen auf die Nerven geht!

Bilder dokumentieren allerdings auch den großen Besucheransturm: So ist die kurvenreiche Straße zwischen Milo und dem Valle del Bove am Wochenende komplett zugeparkt gewesen. Aufnahmen vom 3. Januar zeigen, wie sich Hunderte Schaulustige unmittelbar vor der Lavafront aufbauten. Etwas, was natürlich auch nicht geht.

Aus einem aktuellen Bericht des INGV geht hervor, dass die Lavafront, die gestern in etwa 1400 m ü. NN zum Stillstand gekommen war, inzwischen eine Höhe von rund 1360 m ü. NN erreicht hat und sich mit den Lavazungen der vorhergehenden Tage vereinigte. Auf etwa 1500 m ü. NN, wurde zudem ein neuer aktiver Lavastrom festgestellt, der sich ebenfalls mit den bestehenden Strömen überlagert.

Aus seismologischer Sicht zeigte die mittlere Amplitude des vulkanischen Tremors ab etwa 00:00 UTC am 5. Januar einen langsamen und kontinuierlichen Anstieg, der gegen 05:20 UTC seinen Maximalwert erreichte. Anschließend folgte ein abrupter Rückgang der Amplitude, die derzeit auf einem niedrigen Niveau liegt. Die Quelle des vulkanischen Tremors wird nordwestlich des Südostkraters in einer Höhe von etwa 1500 bis 2000 m über dem Meeresspiegel lokalisiert, was eine Verlagerung der Tremorquelle darstellt: bislang lagen die Signale unter dem Nordostkrater. Möglicherweise deutet sich hier an, dass der Südostkrater aktiv wird.

Um 05:19 UTC wurde zudem ein deutliches seismisches Signal registriert, das insbesondere an den Gipfelstationen etwa zwei Minuten anhielt. Dieses Ereignis steht weder mit Bruchprozessen noch mit explosiver Aktivität in Zusammenhang, sondern wird vermutlich durch einen Erdrutsch verursacht.

Italien: Schwarmbeben am Rand des Apennin

Erdbebenschwarm erschüttert zentrales Italien – stärkstes Beben mit Magnitude 3,8

Heute Nacht ist es in Zentralitalien zu einem Erdbebenschwarm gekommen, der sich aus mehr als 20 Erschütterungen zusammensetzt. Das stärkste Beben ereignete sich um 02:31 Uhr Ortszeit (01:31 UTC) mit einer Magnitude von 3,8. Das Epizentrum lag rund 14 Kilometer süd-südwestlich von Mogliano in der Region Marche, östlich des Hauptkamms der Apenninen. Die restlichen Erschütterungen hatten Magnituden zwischen 2,0 und 3,3. Die Tätigkeit erstreckte sich über mehrere Stunden. Die Hypozentren lagen dabei auffallend konstant in 21 bis 26 Kilometern Tiefe, was auf die Aktivierung einer tiefer liegenden Störungszone hindeutet.

Italien: © EMSC/Leaflet

Das stärkste Beben wurde in weiten Teilen der Provinzen Macerata und Fermo deutlich gespürt. Berichte über größere Schäden oder Verletzte lagen zunächst nicht vor. Die vergleichsweise große Tiefe der Erdbeben wirkte dämpfend auf die Bodenerschütterungen, auch wenn einzelne Stöße von der Bevölkerung als deutlich wahrgenommen wurden.

Seismologen sprechen von einem klassischen Erdbebenschwarm, da kein einzelnes Vor- oder Nachbeben klar dominiert, sondern viele ähnlich starke Ereignisse in engem Raum und kurzer Zeit auftreten. Die Epizentren konzentrieren sich in einem nur wenige Kilometer großen Gebiet bei etwa 43,08° nördlicher Breite und 13,40° östlicher Länge.

Solche Schwärme sind im zentralen Apennin nicht ungewöhnlich und stehen in Zusammenhang mit der anhaltenden Dehnung der Erdkruste in dieser Region.

Tektonischer Hintergrund: Das Gebirge wird auseinandergezogen

Zentralitalien liegt im Spannungsfeld zwischen der Adria-Mikroplatte und der Eurasischen Platte. Während die Apenninen ursprünglich durch Zusammenstöße und Subduktion entstanden, dominiert heute ein gegenteiliger Prozess: Extension.

Die Erdkruste wird hier gedehnt, weil sich die ehemals subduzierte Lithosphäre unter Italien nach Osten zurückzieht. In der Folge entstehen Abschiebungen, entlang derer sich die Erdkruste ruckartig bewegt – der typische Mechanismus für Erdbeben in dieser Region.

Auch der aktuelle Schwarm wird sehr wahrscheinlich durch eine solche Normalstörung verursacht, die tief in der kontinentalen Kruste aktiv ist.

Das betroffene Gebiet gehört zu den seismisch aktivsten Zonen Italiens. In den vergangenen Jahrzehnten kam es hier wiederholt zu starken Erdbeben, darunter die Ereignisse von 1997 (Umbrien–Marche) sowie die Erdbebenserie 2016–2017 in Mittelitalien.

Ob der aktuelle Schwarm bereits abgeschlossen ist oder weitere Erschütterungen folgen, lässt sich derzeit nicht sicher sagen. Erfahrungsgemäß können solche Serien stunden- bis tagelang andauern, ohne zwangsläufig in ein größeres Beben überzugehen.

Die Behörden riefen die Bevölkerung zur Ruhe auf, empfehlen jedoch – wie in seismisch aktiven Gebieten üblich – Aufmerksamkeit und die Einhaltung grundlegender Vorsichtsmaßnahmen.