Kilauea: Lavafontänen-Episode Nr. 55 steht in den Startlöchern

Neue Lavafontänen-Episode des Kilauea steht unmittelbar bevor – Vulkanausbruch kann jede Minute beginnen

Am Kilauea auf Hawaii deutet sich der Beginn der 55. Lavafontänen-Episode der seit Dezember 2024 anhaltenden Eruption an. Das Hawaiian Volcano Observatory (HVO) stufte den Vulkan am 7. September von „Advisory“ auf „Watch“ herauf und erhöhte den Aviation Color Code von Gelb auf Orange. Nach Einschätzung der Vulkanologen dürfte die neue Fontänenphase zwischen dem 7. und 10. September beginnen.

Kilauea

Bereits seit dem 7. September läuft eine ausgeprägte Vorläuferphase der Eruption. Gegen 12:45 Uhr Ortszeit begann am Nordschlot ein Lavaüberlauf. Anschließend entwickelten sich innerhalb weniger Stunden mehrere kurzlebige Überläufe und kleine Lavafontänen. Der zweite Vorläufer begann gegen 14:52 Uhr und wurde von einer etwa drei Meter hohen Doppel-Fontäne gespeist. Beim dritten Ereignis stieg die Aktivität erneut an.

Besonders interessant war der vierte Vorläufer, der um 17:52 Uhr begann. Die dazugehörige Domfontäne erreichte etwa 10 Meter Höhe und speiste einen Lavaüberlauf auf dem Kraterboden. Gegen 19:20 Uhr endete das Ereignis mit einem kräftigen Rückfluss der Lava. Gleichzeitig registrierten die Vulkanologen weiterhin Gas-Pistoning und Schwankungen im Tremor.

Jetzt, am 7. September gegen 20:50 Uhr Ortszeit (08:50 Uhr MESZ, 8. September), ist der Gipfel des Kilauea in Wolken gehüllt. Dennoch erkennt man auf der Livecam ein rot illuminiertes Bild, was entweder von einer weiteren intensiven Vorläufer-Tätigkeit zeugt oder bereits den Beginn der Lavafontänenphase markiert. Dazu passt, dass die Neigungsmesser den Beginn von Deflation registrieren.

Die Entwicklung passt zum bekannten Aktivitätsmuster des Kilauea. Nach dem Ende der vergangenen Episode 54 am 25. August setzte erneut eine Inflation des Gipfelbereichs ein. Das UWD-Neigungsmessgerät registrierte seitdem einen Anstieg von insgesamt mehr als 13 Mikroradian. Eine solche Aufwölbung weist auf die erneute Ansammlung von Magma im flachen Fördersystem hin.

Die bisherigen Fontänenepisoden dauerten überwiegend einen Tag oder weniger. Die Lava bleibt dabei auf den Halemaʻumaʻu-Krater innerhalb des Hawaiʻi-Volcanoes-Nationalparks beschränkt.

Mit Beginn der Fontänenphase ist vor allem mit Asche, vulkanischen Glaspartikeln und Pele’s Hair zu rechnen. Bei den derzeitigen südlichen Winden könnten Vulkanfahne und leichte Tephra nordwärts über den Calderarand getragen werden.

Sturzflut im Grand Canyon verursachte Todesopfer und Vermisste

Sturzflut nach Starkregen reißt Wanderwege und Brücken im Grand Canyon weg – mindestens 1 Todesopfer und 15 vermisste Personen

Am Wochenende hat eine plötzlich einsetzende Sturzflut Teile des bekannten Grand Canyon in den USA überflutet. Mindestens ein Mensch kam ums Leben, 15 weitere Personen gelten derzeit als vermisst oder nicht auffindbar, so dass die Zahl der Todesopfer weiter steigen könnte. Mehr als 60 Menschen mussten per Hubschrauber aus dem Canyon ausgeflogen werden. Die Katastrophe steht offenbar auch mit den Folgen des verheerenden Dragon-Bravo-Waldbrandes im Zusammenhang, der letzten Sommer große Teile der Vegetation am Nordrand des Grand Canyon zerstörte.



Sturzflut

Die Katastrophe nahm am Samstag, dem 29. August, ihren Anfang, als schwere Gewitter über den Grand Canyon zogen, und starke Regenfälle niedergingen. Gegen 14:30 Uhr Ortszeit setzte im Bereich von Bright Angel Canyon und Phantom Ranch eine Sturzflut ein, die zahlreiche Wanderer überraschte. Augenzeugen berichteten von plötzlich einsetzender Panik, als Menschen vor dem Wasser auf höher gelegene Bereiche flüchteten.

Eine der Betroffenen, Nikki Baggs, berichtete der BBC, sie habe mit zwei Freunden gerade ihre Unterkunft in der Phantom Ranch bezogen, als sie von den Wassermassen überrascht wurden. Ranger hätten die Menschen mehrfach aufgefordert, weiter auf höheres Gelände zu flüchten. Erst Stunden später konnten die ersten Betroffenen evakuiert werden.

Obwohl die Katastrophe überraschte, war es eine mit Ansage: Große Teile der Wassereinzugsgebiete am North Rim des Canyons waren im vergangenen Jahr vom Dragon-Bravo-Waldbrand verwüstet worden. Das Feuer zerstörte nicht nur die historische Lodge am North Rim, die ich im Vorjahr noch besucht hatte, sondern veränderte die Beschaffenheit der Bodenoberflächen. Nach solchen Bränden kann Regenwasser nicht mehr ausreichend vom Boden aufgenommen werden und fließt daher schnell an der Oberfläche ab, weil Pflanzen und organisches Material fehlen, die Wasser normalerweise zurückhalten.

Dadurch können selbst relativ kurze Starkregenereignisse enorme Wassermengen mobilisieren. Gleichzeitig werden lockeres Gestein, Asche und Sedimente erodiert und mitgerissen. Aus einer Sturzflut kann so innerhalb kürzester Zeit ein hochgefährlicher Schlamm- und Geröllstrom entstehen, der langsamer abfließt als eine bloße Wasserflut und dadurch höhere Pegel erreicht, was sich insbesondere in Schluchten dramatisch auswirkt.

Nach Angaben des National Park Service wurden durch die Sturzflut nahezu alle Fußbrücken über den Bright Angel Creek zerstört. Große Felsblöcke und Trümmer wurden bis in den Colorado River transportiert. Auch die wichtige Transcanyon-Waterline wurde beschädigt, die große Teile der Infrastruktur am Grand Canyon mit Wasser versorgt.

Mindestens 62 Menschen konnten mit Hubschraubern aus dem Canyon ausgeflogen werden. Nahe Crystal Rapids wurde zudem die Leiche eines 46-jährigen Mannes geborgen. Etwa 15 Personen werden weiterhin vermisst, weshalb die Opferzahlen steigen könnten.

Die Behörden warnen unterdessen vor weiteren Gewittern und möglichen Sturzfluten. Der Grand Canyon bleibt in den betroffenen Bereichen gesperrt. Die aktuelle Katastrophe zeigt eindrücklich, wie stark sich die Gefahrenlage nach Waldbränden verändern kann: Ein Starkregenereignis, das unter normalen Bedingungen möglicherweise weniger dramatische Folgen hätte, kann auf einer ausgebrannten Fläche innerhalb kürzester Zeit eine lebensgefährliche Flutwelle erzeugen.

USA: Waldbrand in Spokane zerstörte 600 Häuser

Flammenhölle von Spokane: Waldbrand greift auf Stadt über und vernichtet mehr als 600 Gebäude

Die am Samstag ausgebrochenen Waldbrände rund um Spokane im US-Bundesstaat Washington haben sich innerhalb weniger Stunden zu einer der schwersten Naturkatastrophen in der Geschichte der Region entwickelt. Mehrere Feuer – darunter das Old Trails Fire, das Autumn Lane Fire und das Fairview Fire – breiteten sich aufgrund starker Winde mit hoher Geschwindigkeit aus, vereinigten sich und hinterließen in der Stadt eine Spur der Verwüstung. Nach Angaben der Behörden wurden inzwischen über 600 Gebäude zerstört. Etwa 60.000 Menschen mussten evakuiert werden. Tausende weitere Gebäude sind bedroht.

Besonders ungewöhnlich war die Geschwindigkeit, mit der sich die Flammen ausbreiteten. Sturmböen von bis zu 72 Kilometern pro Stunde trieben die Feuerfronten unaufhaltsam voran und verteilten glühende Funken über große Entfernungen. Dadurch entstanden immer wieder neue Brandherde weit vor der eigentlichen Feuerfront.

In den sozialen Medien werden zahlreiche Aufnahmen der Katastrophe gezeigt, auf denen nicht nur das Ausmaß der Schäden zu erahnen ist, sondern auch die Hilflosigkeit der Bewohner der verbrannten Häuser. Die Häuser ganzer Straßenzüge wurden dem Erdboden gleichgemacht und brannten bis auf die Fundamente ab, während die Häuser eine Straße weiter unversehrt blieben. Neben den Häusern brannten auch zahlreiche Fahrzeuge nieder. Offensichtlich waren die Besitzer nicht in der Lage gewesen, sie in Sicherheit zu bringen.

Die außergewöhnliche Wetterlage verschärfte die Situation zusätzlich. Seit Wochen leidet Ost-Washington unter extremer Trockenheit. Ausgedörrte Gräser, Büsche und Wälder boten den Flammen ideale Nahrung. Zusätzlich sank die Luftfeuchtigkeit auf sehr niedrige Werte. Der nationale Wetterdienst hatte deshalb erstmals für den Bundesstaat Washington eine sogenannte „Particularly Dangerous Situation“-Red-Flag-Warnung ausgegeben – die höchste Alarmstufe für außergewöhnlich gefährliche Waldbrandbedingungen.

Ein weiterer Grund für das enorme Schadensausmaß ist die Lage vieler Wohngebiete. Zahlreiche Häuser grenzen unmittelbar an bewaldete Flächen oder trockenes Buschland bzw. stehen mitten in einer bewaldeten Zone. Gelangen Funken in solche Siedlungen, können Brände schnell von Gebäude zu Gebäude überspringen. Genau dieses Szenario spielte sich in mehreren Stadtteilen im Norden und Westen Spokanes ab. Hinzu kommt, dass die Häuser im Wald – in Amerika spricht man von Wildland-Urban-Interface-Zonen – überwiegend aus Holz erbaut sind.

Die Brandursache ist bislang ungeklärt. Ermittler prüfen verschiedene Möglichkeiten, darunter menschliche Fahrlässigkeit oder technische Defekte. Offizielle Hinweise auf Brandstiftung oder natürliche Auslöser wie Blitzschlag liegen derzeit nicht vor. In der Bevölkerung wird spekuliert, dass der Old-Trails-Brand möglicherweise entlang einer Bahnstrecke entstanden sein könnte und durch Funken eines Zuges ausgelöst wurde.

Trotz des extrem großen Ausmaßes der Zerstörung meldeten die Behörden zunächst keine Todesopfer. Dieser Umstand ist vor allem den schnellen Evakuierungen zu verdanken. Im Spokane Convention Center wurde ein großes Notfallzentrum eingerichtet. Gouverneur Bob Ferguson rief den Ausnahmezustand aus und beantragte Unterstützung durch die Bundeskatastrophenschutzbehörde FEMA.

USA: Dramatische Überflutungen in Texas

Lebensgefährliche Überflutungen in Texas – Guadalupe River tritt erneut über die Ufer

Nur gut ein Jahr nach der verheerenden Flutkatastrophe am Guadalupe River, bei der das Camp Mystic zerstört wurde und 28 Personen ihr Leben verloren, erlebt das Texas Hill Country erneut eine dramatische Hochwasserkatastrophe. Die US-Wetterbehörde rief am 16. Juli für Teile des Einzugsgebiets des Guadalupe River eine „Flash Flood Emergency“ aus – die höchste Warnstufe bei Sturzfluten. Bewohner entlang des Flusses und seiner Nebengewässer wurden aufgefordert, unverzüglich höher gelegenes Gelände aufzusuchen. Besonders betroffen sind die Countys Kerr und Kendall sowie die Orte Hunt, Ingram, Kerrville, Comfort, Center Point und Boerne.

Auslöser der neuen Flutwelle sind außergewöhnlich intensive Niederschläge, die seit mehreren Tagen über Zentral-Texas niedergehen und die bis dato herrschende Trockenheit ablösten. Zwar herrschte in dem von den Fluten betroffenen Gebiet keine starke Dürre, dennoch waren die oft kalkigen Böden ausgetrocknet, was zu Anfang der Niederschläge ein rasches Ablaufen des Wassers und ein erstes Ansteigen des Gewässerpegels begünstigte. Inzwischen summierten sich die Regenmengen auf mehr als 250 bis 380 Millimeter, was die Böden sättigte, weshalb erneut ein Großteil des Wassers unmittelbar oberflächlich abfließt und sich in den Flussläufen sammelt.

Der Guadalupe River reagiert auf solche Wetterlagen äußerst empfindlich: Sein Einzugsgebiet ist von steilen Hängen und felsigem Untergrund geprägt, sodass sich das Wasser innerhalb kurzer Zeit zu einer mächtigen Flutwelle kumulieren kann. An einzelnen Pegeln stieg der Fluss innerhalb weniger Stunden um fast zehn Meter an.

Die Ereignisse wecken unweigerlich Erinnerungen an die Katastrophe vom 4. Juli 2025. Damals hatte extremer Starkregen den Guadalupe River innerhalb von weniger als einer Stunde anschwellen lassen. Besonders tragisch war das Schicksal des christlichen Sommercamps Camp Mystic nahe Hunt. In den frühen Morgenstunden überraschte die Flut die Bewohner des Camps. Zahlreiche Mädchen und Betreuer kamen ums Leben, insgesamt forderte die Hochwasserkatastrophe im Texas Hill Country mehr als einhundert Todesopfer. Die Bilder der Verwüstung gingen um die Welt und lösten eine Debatte über Frühwarnsysteme und Katastrophenschutz aus.

Meteorologisch ähnelt die aktuelle Lage der des Vorjahres. Wieder sorgt ein nahezu stationäres Tiefdruckgebiet mit feuchtwarmer Luft vom Golf von Mexiko für zahlreiche Gewitter über demselben Gebiet. Die langsame Verlagerung der Gewitterzellen führt zu sogenannten „Training Storms“, bei denen mehrere Gewitter hintereinander dieselben Regionen treffen und innerhalb weniger Stunden große Niederschlagsmengen hervorbringen.

Im Gegensatz zum letzten Jahr reagierten die Behörden diesmal deutlich früher und veröffentlichte Warnmeldungen und ordneten Evakuierungen an. Zudem kam es bereits früh zu Straßensperrungen. Auch die Bevölkerung ist seit der Tragödie des vergangenen Jahres sensibilisiert. Ob diese Maßnahmen ausreichen, um eine Katastrophe ähnlichen Ausmaßes zu verhindern, wird sich erst zeigen.

Kilauea: Die heißeste Show der Welt endete nach 8,5 Stunden

Lavafontänen-Episode 51 dauerte achteinhalb Stunden – 5 Millionen Kubikmeter Lava gefördert

Der Kilauea auf Hawaii hat inzwischen die 51. Lavafontänen-Episode beendet und erneut für ein fantastisches Naturschauspiel gesorgt, das ich gerne als die „heißeste Show der Erde“ bezeichne: Die gut 1.200 Grad heiße Lava schoss bis zu 290 Meter aus dem Schoß unseres Planeten empor und überflutete den Halemaʻumaʻu-Krater mit etwa 5 Millionen Kubikmetern Lava. Tephra erreichte eine Höhe von bis zu 5.000 Metern und regnete auch außerhalb der Nationalparkgrenzen nieder. Nach gut achteinhalb Stunden endete die Show am Mittwoch um 16:46 Uhr HST. Bei uns in Europa war es bereits Donnerstagmorgen.

51

Die Show der 51. Lavafontänen-Episode war zwar spektakulär, doch es handelte sich nur um einen durchschnittlich starken Ausbruch, wie wir ihn seit Beginn der Eruption am 23. Dezember 2024 bereits viele Male gesehen haben. Ungewöhnlich war die fast dreiwöchige Aufladungsphase, in der sich der Beginn der Lavafontänenphase infolge mehrerer Deflationsereignisse wiederholt verzögert hatte.

Ähnlich wie die aktuelle Eruption dauerten die meisten Episoden mehrere Stunden und förderten einige Millionen Kubikmeter Lava, wobei die Stärke der einzelnen Ausbrüche deutlich schwankte. Die Lavafontänen erreichten häufig Höhen von mehreren hundert Metern, während die Ausbruchsphasen meist zwischen wenigen und rund zehn Stunden anhielten.

Die bislang stärkste Episode war Episode 43 am 10. März 2026. Während dieser Phase waren sowohl der Nord- als auch der Südschlot aktiv. Die Lavafontänen erreichten Rekordhöhen von bis zu 540 Metern am Südschlot und etwa 440 Metern am Nordschlot. Insgesamt wurden dabei ungefähr 12 Millionen Kubikmeter Lava ausgestoßen – mehr als bei jeder anderen Episode der aktuellen Eruptionsserie. Die Aktivität dauerte etwa neun Stunden, wobei zeitweise Förderraten von bis zu 800 Kubikmetern Lava pro Sekunde gemessen wurden.

Die jüngste Episode 51 reiht sich in dieses charakteristische Muster ein: Nach einer Phase zunehmender Inflation im Gipfelbereich setzte erneut eine kurze, energiereiche Fontänenphase ein, bevor die Aktivität wieder abrupt nachließ. Solche wiederkehrenden Ausbruchszyklen entstehen durch das periodische Auffüllen und Entleeren des flach gelegenen Magmareservoirs unter dem Gipfel. Zwischen den Episoden bleibt der Kilauea aktiv, wobei sich der Druck im Untergrund erneut aufbauen kann, bis eine weitere Fontänenphase ausgelöst wird.

Die Aktivität der letzten zwei Jahre beschränkte sich auf den Halemaʻumaʻu-Krater, ohne dass die beiden Riftsysteme im Osten und Westen des Kīlauea an eruptiver Tätigkeit beteiligt gewesen wären. Seit der Leilani-Eruption ist die Aktivität am legendären Puʻuʻōʻō-Krater im oberen Ostrift zum Erliegen gekommen. Die Eruption dort speiste die Lavaströme, die jahrelang in den Ozean flossen und ein Magnet für zahlreiche Vulkanspotter waren. Dagegen sind die aktuellen Lavafontänen-Episoden nicht ganz so einfach zu erwischen, da sie – wie aktuell – mit Verzögerung starten können. Der Puʻuʻōʻō erhielt zumindest einen Teil seiner Schmelze aus dem Speicher unter der Gipfelcaldera, der nun die Lavafontänen speist. Daher gilt es als unwahrscheinlich, dass es im Ostrift wieder zu Aktivität kommen wird, solange die Lavafontänenphase in ihrer aktuellen Intensität anhält.

Kilauea: Lavafontänen-Episode Nr 51 erreicht ihren Höhepunkt

Vulkanausbruch am Kilauea auf Hawaii: Episode 51 erreicht ihren Höhepunkt – Lavafontänen steigen fast 300 Meter hoch

Am Kilauea auf Hawaii setzte die lange erwartete Lavafontänen-Episode 51 nach einem starken Lavaüberlauf am Mittwochmorgen gegen 8.30 Uhr HST ein und erreichte im Laufe des Vormittags ihren Höhepunkt. Der Vulkan fördert bis zu 290 m hohe Lavafontänen, und große Mengen Lava überfluten den Halema’uma’u-Krater. Eine mehrere Kilometer hohe Eruptionswolke steigt in den Himmel und gefährdet den Flugverkehr.

Mit fast einer Woche Verspätung begann die eruptive Hauptphase. Sie war durch den Übergang eines domartig aufgewölbten Lavasprudels in eine Lavafontäne gekennzeichnet und setzte mit der Deflation des Gipfelbereichs sowie einem deutlichen Anstieg des vulkanischen Tremors ein. Beides sind typische Anzeichen dafür, dass Magma aus dem flachen Speichersystem zur Oberfläche aufsteigt. Bereits kurz nach Beginn der Eruptionshauptphase erreichten die Lavafontänen eine Höhe von 30 Metern. Innerhalb von zwei Stunden steigerten sie sich über 100, 150 und schließlich 200 Meter, bevor sie gegen 10.30 Uhr HST mit 950 Fuß (rund 290 Metern) ihren bisherigen Höchststand erreichten. Zu diesem Zeitpunkt lag die Förderrate bei etwa 300 Kubikmetern Lava pro Sekunde. Anders als bei einigen früheren Episoden blieb der südliche Schlot bislang inaktiv; die gesamte Eruption konzentriert sich auf den nördlichen Förderschlot.

Parallel zur zunehmenden Lavaförderung entwickelte sich eine mächtige Eruptionswolke. Wetterradar und Beobachtungen des Hawaiian Volcano Observatory zeigen, dass die Asche- und Gaswolke Höhen von etwa 5.500 Metern über dem Meeresspiegel erreicht. In den oberen Luftschichten wird sie nach Nordwesten verfrachtet, während bodennahe Winde vulkanische Gase und leichte Tephra überwiegend in südwestliche Richtung transportieren.

Auf den Livecams erkennt man, dass die Form der Lavafontäne an eine Tulpe erinnert: Aus dem Nordschlot schießt ein zweigeteilter, in entgegengesetzte Richtungen geneigter Lavajet, sodass die resultierende Lavafontäne weit gefächert ist, dafür aber nicht so hoch aufsteigt, wie es bei einem konzentrierten Strahl der Fall wäre. In der Frühphase der Eruption waren auch hitzebedingte Windhosen zu sehen.

Nach Angaben des Hawaiian Volcano Observatory bleibt der Auswurf von Tephra bislang weitgehend auf den gesperrten Bereich des Hawaiʻi-Volcanoes-Nationalparks beschränkt. Lediglich ein sehr leichter Niederschlag von Pele-Haaren – feinen, glasigen Vulkanfasern – wurde am Uēkahuna-Aussichtspunkt sowie am Kaʻū-Desert-Trail entlang des Highway 11 gemeldet. In der Ortschaft Pāhala wurde dagegen kein Aschen- oder Tephrafall beobachtet.

Ob Episode 51 ihren Höhepunkt bereits überschritten hat, ist derzeit noch unklar. Da der Tremor zwar seinen Maximalwert erreicht hat, die Lavaförderung jedoch zunächst weiter zunahm, könnte die Aktivität noch einige Zeit auf hohem Niveau anhalten, bevor die Fontänen allmählich zurückgehen. Bis dahin bietet der Kīlauea erneut ein eindrucksvolles Schauspiel, das den charakteristischen episodischen Rhythmus seiner aktuellen Gipfeleruption eindrucksvoll bestätigt.

Kilauea: Erste Vorläufer der Lavafontänen-Episode 51 gesichtet

Erste Lavaströme am Kilauea deuten auf baldigen Vulkanausbruch hin – Lavafontänen-Episode 51 steht in den Startlöchern

–Update 21.00 Uhr: Die Lavafontänenepisode Nr. 51 ist am Start. Siehe Livecam unten.-

Obwohl sich der Kilauea in den letzten Tagen seltsam verhält und sich nicht so schön gleichmäßig auflädt, wie es bei den meisten der vorherigen 50 Lavafontänenepisoden der Fall war, mehren sich nun die Anzeichen dafür, dass Episode 51 in den Startlöchern steht. Seit gestern Abend kam es zu zwei Lavaüberläufen und Lavaspattering, was bei den früheren Episoden den Countdown zu den Lavafontänen einleitete. Das HVO hält deshalb die Alarmstufe auf WATCH und den Luftfahrt-Farbcode auf ORANGE.

Obwohl das Auftreten von Lavaströmen früher stets ein recht zuverlässiges Anzeichen dafür war, dass die nächste Lavafontänenepisode wahrscheinlich innerhalb weniger Stunden starten würde, gibt es diesmal einen höheren Unsicherheitsfaktor. Denn noch immer wechseln sich Inflations- und Deflationsphasen vergleichsweise häufig ab. Bereits am Freitag hatte es einen Lavaüberlauf gegeben, der dann durch eine erneut einsetzende Deflationsphase unterbrochen wurde. Zudem gibt es auffallend viele Erdbeben: Gestern wurden im Bereich des Vulkans 55 Beben detektiert.

Die erste Vorläuferphase begann am 14. Juli um 14:51 Uhr HST, als Lava aus dem Nordschlot in den Halemaʻumaʻu-Krater überlief. Im Laufe des Nachmittags verstärkte sich die Aktivität zunächst, bevor sie gegen Abend wieder nachließ. Gegen 16:55 Uhr waren im Nordschlot schließlich keine Lavaspritzer mehr sichtbar.

In der Nacht wurden dann erneut ein starkes Glühen beider Förderschlote sowie kleinere Lavaüberläufe registriert. Am Mittwochmorgen um 4:47 Uhr HST (MESZ +12 Stunden) setzte schließlich ein stärkerer Überlauf ein, der von einer kleinen Lavafontäne im Nordschlotgespeist wurde und wird. Das HVO beschreibt diesen Überlauf als besonders energiereich. Gleichzeitig weist die Behörde darauf hin, dass sich die Gipfelaufwölbung auf hohem Niveau eingependelt hat. Dieses stufenförmige Inflationsmuster war bereits in den vergangenen beiden Tagen zu beobachten.

Die Vulkanologen rechnen damit, dass Episode 51 zwischen dem 15. und 16. Juli beginnen wird. Erfahrungsgemäß können diese Vorläuferaktivitäten jedoch mehrere Stunden oder sogar einige Tage andauern, bevor es zu den oft mehrere hundert Meter hohen Lavafontänen kommt. Die meisten der bisherigen 50 Episoden dauerten weniger als einen Tag.

Alle eruptiven Prozesse blieben bislang auf den Halemaʻumaʻu-Krater beschränkt. Dennoch können mit Beginn der Fontänen größere Mengen Vulkanasche, Lapilli und die feinen Glasfasern des sogenannten Pele-Haars freigesetzt werden. Die derzeit vorherrschenden bodennahen Nordostwinde könnten Asche in Richtung Pāhala und Nāʻālehu transportieren.

Neben der Gefahr durch Tephra bleibt auch die Belastung durch vulkanische Gase hoch. Vor allem Schwefeldioxid kann zur Bildung des gesundheitsschädlichen Vogs führen. Das HVO beobachtet die Entwicklung rund um die Uhr und will den Beginn von Episode 51 unmittelbar bekannt geben.

Darüber hinaus stehen wieder die Livecams bereit, mit denen man das Geschehen in Echtzeit verfolgen kann.

Mount Kupreanof: Bodenhebung und Erdbeben detektiert

Magmatische Unruhe unter Alaskas kaum erforschtem Gletschervulkan Mount Kupreanof nimmt zu

Der auf der amerikanischen Alaska-Halbinsel gelegene Vulkan Mount Kupreanof ist weiterhin unruhig. Nach Angaben des Alaska Volcano Observatory (AVO) wurden in der vergangenen Woche zum wiederholten Male zahlreiche schwache Erdbeben sowie Schwefeldioxid-Emissionen registriert. Zusätzlich detektierten InSAR-Messungen Bodenhebungen. Die Beobachtungen stützen die Einschätzung der Vulkanologen, dass sich unter dem stark vergletscherten Stratovulkan eine oberflächennahe magmatische Intrusion entwickelt.

Die stärksten Erdbeben der vergangenen Woche ereigneten sich am 10. Juli und erreichten Magnituden von 1,9 und 2,5. Darüber hinaus wurden mehrere niederfrequente Erdbeben in Tiefen von mehr als 20 Kilometern unter dem Meeresspiegel aufgezeichnet. Solche Signale entstehen häufig, wenn Magma oder Fluide im Untergrund aufsteigen. Ergänzt werden diese Beobachtungen durch Schwefeldioxid-Emissionen, die am 7. und 8. Juli mithilfe von Satelliten nachgewiesen wurden. Das Gas gilt als wichtiger Hinweis darauf, dass frisches Magma entgast und relativ hoch im Fördersystem steht.

Das AVO berichtet bereits seit einigen Wochen immer wieder über die sich steigernde Unruhe am Vulkan, der lange Zeit für inaktiv gehalten wurde und daher über kein eigenes Monitoringsystem verfügt. Das nächstgelegene Seismometer befindet sich 27 Kilometer östlich am Vulkan Mount Veniaminof. Inzwischen wird die vermutete Intrusion durch satellitengestützte Radarmessungen (InSAR) bestätigt, die eine Bodenverformung im Bereich des Vulkans nachweisen. Solche Hebungen oder Deformationen entstehen, wenn sich Magma in der Erdkruste ansammelt.

Der 1.895 Meter hohe Mount Kupreanof zählt zu den am wenigsten erforschten Vulkanen Alaskas. Historische Eruptionen sind nicht bekannt, lediglich ein vermutlich holozäner Block-und-Aschenstrom oder Schuttstrom wurde südlich des Vulkans kartiert. Sollte es zu einem Ausbruch kommen, wären aufgrund der mächtigen Vergletscherung des Vulkans phreatomagmatische Explosionen, Gletscherfluten und Lahare möglich. Aschewolken könnten zudem den Flugverkehr über der Alaska-Halbinsel sowie Siedlungen im Lee des Vulkans beeinträchtigen.

Kilauea: Deflation vereitelt weiteren Vulkanausbruch

Weitere Deflationsphase verzögert erwartete Lavafontänenepisode 51 des anhaltenden Vulkanausbruchs

Eigentlich wurde am Wochenende die 51. Lavafontänen-Episode am Kilauea auf Hawaii erwartet. Doch aufgrund einer erneut einsetzenden Deflation kam es zunächst nicht dazu, obwohl der Anstieg der Bodenhebung bis zum Einsetzen der Deflation hoch genug war, um eine weitere Eruptionsphase zu starten. Das Prognosefenster für die Eruption wurde daher erneut verschoben.

Nach Ansicht der HVO-Vulkanologen befindet sich der Kilauea weiterhin in einer ungewöhnlichen Phase, die durch einen Wechsel zwischen mehrstündigen Lavafontänen-Episoden und mehrtägigen Ruhepausen gekennzeichnet ist. Nach dem Ende der 50. Eruptionsepisode im Halemaʻumaʻu-Krater warten Vulkanfans und das Hawaiian Volcano Observatory (HVO) nun auf den Beginn von Episode 51.

Bodenhebung

Ursprünglich hatten die Deformationsdaten auf eine neue Lavafontänen-Phase im Zeitraum vom 12. bis 14. Juli hingedeutet. Nachdem am 11. Juli erste Vorläuferaktivität mit nahezu kontinuierlichem Lavaspattering aus der Nordöffnung beobachtet worden war, setzte unerwartet eine weitere Deflation ein. Die Aktivität an den Schloten nahm daraufhin ab, und die Prognose wurde zunächst auf den Zeitraum vom 13. bis 15. Juli verschoben. Nach aktuellen Angaben des HVO ist ein Beginn von Episode 51 nun frühestens am späten Montag, dem 13. Juli Hawaiizeit, wahrscheinlich.

Die Ursache für die Verzögerung liegt in der anhaltenden Entleerung des flach gelegenen Magmareservoirs unter dem Gipfel. Am UWD-Neigungsmesser wurde seit Beginn der aktuellen Deflationsphase am Samstag eine Absenkung von insgesamt etwa 1,5 Mikroradiant gemessen. Die Erholung der Bodenhebung, die nach Episode 50 eingesetzt hatte, verlangsamte sich dadurch zum dritten Mal. Seit dem Beginn des Wiederaufladens des flachen Magmenkörpers direkt nach Episode 50 waren bereits zwei weitere Deflationsphasen aufgetreten. Während der 50. Episode zeigte der Gipfelbereich insgesamt 15,3 Mikroradiant an Inflation und anschließender Entspannung infolge des Lavaausstoßes.

Trotz der Deflation deuten Beobachtungen darauf hin, dass Magma weiterhin sehr oberflächennah im Fördersystem steht. In der Nacht zum 12. Juli war eine starke Rotglut am Nordschlot sichtbar, während der Südschlot wechselnde thermische Aktivität zeigte. Gleichzeitig stabilisierte sich das vulkanische Tremor-Signal und wurde wieder kontinuierlich registriert, was auf anhaltende Magmabewegungen im Untergrund hindeutet.

Auffällig ist die hohe Seismizität im Bereich der Küstenebene und des Offshoregebiets vor der Küste bei Pahala. Während des episodischen Vulkanausbruchs, der bereits am 23. Dezember 2024 begann, war die Seismizität dort über weite Strecken niedriger. Es ist durchaus möglich, dass die Beben im tieferen Bereich des Magmenspeichersystems auf Prozesse hindeuten, die auch das flach liegende Speicherreservoir und den Magmaaufstieg insgesamt beeinflussen.

Es stellt sich die Frage, wohin das Magma während der Deflationsphasen abfließt. Sinkt der Pegel im Fördersystem lediglich ab, oder wandert Magma tatsächlich in die Ostriftzone, wie es in der Vergangenheit bereits beobachtet wurde? Die nächsten Tage und Wochen könnten hierzu weitere Hinweise liefern. Bis jetzt meldet das HVO keine ungewöhnlichen Vorkommnisse entlang der beiden Riftzonen des Vulkans.