Mayon mit Eruption am 04.02.24

Staat: Philippinen | Koordinaten: 13.25123.68 | Aktivität: Dom

Phreatische Eruption am Mayon erzeugt Eruptionswolke

Der fast in Vergessenheit geratene philippinische Vulkan Mayon meldete sich heute mit einem phreatischen Vulkanausbruch, bei dem eine Eruptionswolke gut 1000 m über Kraterhöhe aufstieg und vom Wind in Richtung Norden verfrachtet wurde. Das VAAC Tokio brachte die ersten drei VONA-Warnungen in diesem Jahr zum Mayon heraus, nach denen Vulkanasche detektiert wurde, die bis zu 3700 m hoch aufgestiegen war. Bei der Vulkanasche handelt es sich vermutlich um älteres, bereits im Dom abgelagertes Material, denn bei phreatischen Eruptionen steigt für gewöhnlich keine Vulkanasche aus frisch fragmentiertem Magma auf. Sie entstehen, wenn Wasser schlagartig verdampft, ohne in direkten Kontakt mit Magma zu geraten.

Der Mayon machte im letzten Sommer Schlagzeilen, weil er in einer Phase intensiven Domwachstums eingetreten war und Lavaströme vom Dom abgingen. Kollapsereignisse erzeugten auch pyroklastische Dichteströme. Anders als bei der vorangegangenen Eruptionsphase im Jahr 2018, gab es keine nennenswerten Paroxysmen, weswegen die Eruptionen diesmal weniger mediale Aufmerksamkeit auf sich zogen.

Aktuell zeigen die Neigungsmesser weiterhin eine Inflation des Vulkans an und Magma steigt auf. Nachts kann man Rotglut mit dem bloßen Auge beobachten. Allerdings ist das Domwachstum gering und in den letzten Wochen gingen weder Lavaströme noch Dichteströme ab. Im Allgemeinen gelten phreatische Eruptionen am Mayon aber als Frühindikatoren für einen stärkeren Magmenaufstieg und es ist möglich, dass der Vulkan seine Aktivität mittelfristig wieder erhöht. Unabhängig von einer möglichen Aktivitätssteigerung können phreatische Eruptionen auch nach starken Regenfällen entstehen. Hierfür spricht, dass es in letzter Zeit keine Schwärme vulkanotektonischer Erdbeben gab, die auf aufsteigendes Magma hindeuten.

Beim Mayon handelt es sich um einen 2462 m hohen Stratovulkan auf Luzon, der für seine besonders symmetrische Kegelform bekannt ist.

Der seismisch aktivste Vulkan der Philippinen ist momentan der Bulusan, an dem gestern 27 vulkanisch bedingte Erdbeben registriert wurden.

Island: Gebäudeschäden in Grindavik vergrößerten sich

Bodendeformationen verursachen Verstärkung von Gebäudeschäden in Grindavik

Die Gebäudeschäden in Grindavik haben sich verstärkt, so die Einschätzungen von Grindaviks Stadtvorsitzenden Hjálmar Hallgrímsson. In erster Linie vergrößerten sich bereits vorhandene Schäden an Gebäuden und Straßen, die durch die Magmenintrusionen entstanden sind, die sich seit dem 10. November im Gebiet von Svartsengi zutrugen und ihre Finger bis unter Grindavik ausstreckten. Laut Berichten in der isländischen Zeitung MBL sind vor allem Gebäude im Industriegebiet am östlichen Stadtrand betroffen. Der Graben, der in Folge der Intrusion vom 14. Januar entstand, ist dort besonders tief und sackt anscheinend immer noch etwas nach.

Die Risse im Boden haben nicht nur die Straßen zerrissen, sondern auch Wohnhäuser. So musste gestern eine Haubesitzerin angeseilt werden, als sie ihr Haus betreten wollte, weil unter dem Haus ein klaffender Riss verläuft: Es besteht die Gefahr, dass das ganze Haus in dem Spalt versinken könnte, besonders wenn es zu neuen Erschütterungen und Bodenbewegungen kommen sollte. Und die Gefahr hierfür ist weiterhin hoch, denn auch heute gab es wieder schwache Erdbeben bei Svartsengi. in den letzten Stunden gab es 4 schwache Beben unter Grindavik und einige Beben manifestierten sich vor der Küste der Fischereistadt.

IMO registrierte in den letzten beiden Tagen 103 Erschütterungen auf der Reykjaneshalbinsel. Neu ist ein Bebenspot vor der Westküste bei Reykjanestá. Hier gab es u.a. ein Beben der Magnitude 2,9. Somit sind tatsächlich alle bekannten Spaltensysteme der Halbinsel seismisch aktiv.

Heute Morgen war das Wetter schlecht und es gab gelben Unwetteralarm, daher könnte es sein, dass nicht alle aufgetretenen Erdbeben detektiert wurden. Tatsächlich war das Wetter so schlecht, dass der Flugbetrieb in Keflavik zeitweise eingestellt werden musste.

In Bezug auf die Bodenhebung gibt es heute keine klaren Messwerte, denn die letzte Messung scheint daneben zu liegen: Sie zeigt einen deutlich tiefer liegenden Wert an, so wie wir es zwischendurch immer mal wieder gesehen haben. Bevor man eine klare Aussage treffen kann, ob die Bodenhebung tatsächlich zurückgegangen ist, müssen wir weitere Daten abwarten.

Nyamuragira mit thermischer Anomalie am 03.02.24

Staat: DRK | Koordinaten: -1.41, 29.20 | Aktivität: Hawaiianisch

Ausgepräge thermische Anomalie am Nyamuragira

Am kongolesischen Virungavulkan Nyamuragira wird von den Sentinel-Satelliten eine ausgeprägte thermische Anomalie detektiert. Sie hatte laut Mirova am Donnerstag eine Leistung von 181 MW. Heute emittiert sie eine Wärmestrahlung mit 135 Mw Leistung. Auf Satellitenbildern, die Ende Januar aufgenommen wurden, lässt sich zwischen den Wolken hindurch eine große Wärmeanomalie erahnen, die einen Großteil der Caldera einnimmt. Sehr wahrscheinlich sind Lavaströme unterwegs oder es bildete sich ein Lavasee. Natürlich ist auch eine Kombination aus beiden möglich.

Nach wie vor ist die Gegend praktisch unzugänglich, da die Bergflanken der Virungavulkane von Rebellen kontrolliert werden. Nur selten erreichen Expeditionen den Gipfelbereich des Vulkans. Entsprechend selten sind Augenzeugenberichte oder Messkampagnen von Vulkanologen.

Der benachbarte Nyiragongo scheint momentan recht ruhig zu sein. Im letzten Jahr gab es ein paar Wärmeanomalien, die auf kleine Magmenansammlungen im Krater hindeuteten, doch diese waren schwach und selten.

Andere Vulkane im Riftvalley

Anders sieht es hingegen an zwei weiteren Vulkanen des Ostafrikanischen Riftvalleys aus: Am Ol Doinyo Lengai in Tansania köchelt weiterhin die kälteste Lava der Welt in Hornitos, die sich im Krater bildeten. Das erkennt man ebenfalls an schwache Wärmeanomalien auf Satellitenbildern im Infrarotbereich.

Ende Januar gab es am Erta Alé in Äthiopien einen Lavastrom, der von einem Hornito ausgestoßen wurde, der sich im Bereich des inzwischen aufgefüllten Südkraters gebildet hat. Hiervon zeugten nicht nur Thermalsignaturen auf Satellitenbildern, sondern auch Bilddokumente von Vulkanspottern, die sich zum Zeitpunkt der Eruption zum Vulkan gewagt hatten. Ich halte es nicht wegen der vulkanischen Aktivität für ein Wagnis, diesen Vulkan in der Danakilwüste zu besuchen, sondern wegen der immer noch als prekär einzustufenden Sicherheitslage der Region. Auch hier machen Rebellen das Leben unsicher. Die schwelenden Konflikte in der Region am Golf von Aden und dem Roten Meer lassen die Vermutung aufkommen, dass sich das auch nicht so schnell wieder ändern wird. Nachdem es Anfang des Jahrtausends noch so aussah, als würde sich die Region stabilisieren, sind infolge der Coronapandemie und der erneut um sich greifenden Armut und Unzufriedenheit vieler Menschen dort Konflikte angestachelt worden, die bestimmt langfristig anhalten werden.

Kilauea: Seismische Krise hält am 03.02.24 an

Staat: USA | Lokation: 19.42, -155.29 | Aktivität: Hawaiianisch

Weiterhin viele Erdbeben am Kilauea – Gipfelregion mit Deflation

Die seismische Krise am hawaiianischen Vulkan Kilauea hält an, auch wenn die Anzahl der Erdbeben in den letzten Stunden etwas zurückgegangen ist. Die Aktivität hat sich weiter hangabwärts gearbeitet und zeigt, dass es eine unterirdische Intrusion von Magma gibt, das nicht von unten aufsteigt, sondern aus der Gipfelregion abfließt. Mittlerweile zeigen praktisch alle Neigungsmesser der Gipfelregion eine starke Subsidenz an, nachdem sie zuvor eine Bodenhebung infolge von Inflation registrierten.

Die meisten Erdbeben ereignen sich laut Aussage der HVO-Forscher unterhalb der Koaʻe-Verwerfungszone 8–12 km südwestlich der Kīlauea-Caldera. Den größten Teil des Freitags über gab es in dieser Region etwa 15 bis 20 Erdbeben pro Stunde. Es gibt weiterhin vereinzelte Erdbeben in der Kīlauea-Caldera, aber keine nennenswerten Aktivitätshäufungen.

Signifikante Menge Magma als Intrusion unterwegs

Seit Samstag, dem 27. Januar 2024, ist eine erhebliche Menge Lava südlich und südwestlich der Caldera eingedrungen. Modelle deuten auf eine Ansammlung von bis zu 30 Millionen Kubikmetern (5 Mal soviel, wie sich unter Svartsengi auf Island seit dem 14. Januar angesammelt hat) in der Region südwestlich der Caldera hin. Solange das Eindringen anhält, besteht die Möglichkeit, dass es ohne Vorwarnung zu einem Ausbruch innerhalb oder südwestlich der Caldera kommt. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass diese Menge Magma unterirdisch abfließt, ohne dass es an der unteren Vulkanflanke bzw. im Bereich der Küstenebene zu einem Ausbruch kommt, ähnlich wie wir es im Jahr 2018 sahen. Um einen weiteren Vergleich zu bemühen: als im gleichen Jahr die vier Lavaseen des Ambrym (Vanuatu) abflossen, geschah dies auch teilweise unterirdisch, aber es wurde ein Starkbebenschwarm ausgelöst, in dessen Folge sich große Spalten am Strand und möglicherweise auch Unterwasser öffneten.

Die Alarmstufe des Vulkans Kīlauea und der Farbcode der Luftfahrt bleiben auf „Orange“, da die Situation weiterhin dynamisch ist.

Kilauea: Intrusion im Südwestrift am 02.02.24

Staat: USA | Lokation: 19.42, -155.29 | Aktivität: Hawaiianisch

Magma intrudiert im Südwestrift des Vulkans Kilauea – Unklar ob es eruptieren wird

Bodendeformation und Seismizität am Kilauea sind weiterhin sehr hoch und beschränken sich nicht mehr ausschließlich auf den Gipfelbereich. Dort wurde seit Ende Januar eine starke Bodendeformation gemessen, die an verschiedenen Messstationen deutlich unterschiedliche Werte anzeigen. Am höchsten ist sie an Neigungsmessern in der Nähe von Sand Hill und Uēkahuna Bluff, wo fast 40 Mikroradian an Versatz aufgezeichnet wurden. Der Gipfel des Kīlaueas steht weiterhin unter Druck, und es könnte ohne weitere Vorwarnung zu einem Ausbruch kommen, schreiben die Vulkanologen vom HVO in ihrem letzten Update.

Seit gestern hat sich die Aktivität ausgehend vom Gipfelbereich weiter in Richtung Südwesten verlagert und die Erdbebenaktivität konzentrierte sich entlang des Koa‘e-Verwerfungssystems südwestlich des Gipfels. Das Koa‘e-Verwerfungssystem verbindet die Ost- und Südwest-Riftzonen von Kīlauea südlich der Caldera.

Im Schnitt gab es gestern 25-30 Beben pro Stunde. Die Tiefen der Erdbebenherde lagen zwischen 1–4 km unter der Oberfläche. Einige Erschütterungen waren stark genug, um von Menschen in benachbarten Gemeinden wahrgenommen zu werden. Drei Beben hatten die Magnitude 2,9.

Die Erdbebentätigkeit wanderte nachts weiter in Richtung des Kraterkegels Pu‘ukoa‘e, der sich 8–11 km südwestlich der Caldera befindet. Pu‘ukoa‘e ähnelt dem bekannteren Pu’u’O’o, mit dem Unterschied, dass sich der Kegel nicht am Südostrift, sondern auf dem Südwestrift befindet und mit einem Alter von etwa 200 Jahren deutlich älter als der Pu’u’O’o ist. Dennoch gab es in diesem Areal des Südwestrifts 1974 eine Eruption.

Aufgrund vergangener historischer Aktivitäten halten es die Vulkanologen vom HVO für wahrscheinlich, dass sich das Ereignis entlang des Südwestrifts als Intrusion fortsetzt, ohne dass es zu einer Eruption kommt.

Mich erinnern die Ereignisse ein wenig an die Erdbeben, die wir 2018 vor der Leilani-Eruption gesehen haben. Sollten sich die Erdbeben weiter entlang des Südwestrifts Richtung Küste verlagern, ist es durchaus denkbar, dass es sogar wieder zu einer Eruption auf der Küstenebene kommt. Allerdings brodelte damals jahrelang ein Lavasee im Halema’uma’u-Krater, der dann auch noch ablief und die Eruption verstärkte. Ganz so schlimm wie damals wird es dann vielleicht doch nicht, vorausgesetzt, es kommt überhaupt zu einem Vulkanausbruch.

Island: Sorge vor starkem Erdbeben bei Brennisteinsfjöll

Bodenhebung und Erdbebenaktivität auf Reykjanes stabil

Gestern wurden im Svartsengi-Gebiet 40 schwache Erdbeben detektiert. In den ersten Stunden des heutigen Tages waren es 15. Die Bodenhebung hält unvermindert an und hat selbst an den Stationen, wo es während der Eruption am 14. Januar zu einer größeren Bodenabsenkung kam, das damalige Hebungsniveau überschritten.

Heute Morgen traf sich auch wieder der Wissenschaftsrat von IMO zu einer Sitzung und man diskutierte die aktuelle Situation. Gegenüber der Zeitung MBL sagte der Wissenschaftler Einar Bessi Gestsson, dass der Landanstieg und die Ansammlung von Magma unter Svartsengi weitergehen. Im Untergrund hat sich jetzt wieder ungefähr die Magmenmenge akkumuliert, wie vor dem letzten Ausbruch, obwohl es in den Modellrechnungen einige Unsicherheiten gäbe, ob die gleiche Magmenmenge bereits jetzt wieder vorhanden ist, oder ob sich dieser Status erst in den nächsten Tagen einstellen wird. Tatsächlich steigt das Magma schneller auf als es noch Anfang des Jahres der Fall war. Die Hebungsrate liegt bei ca. 8 mm am Tag.

Der IMO-Forscher rechnet damit, dass sich bald wieder eine neue Aktivitätsepisode ereignen wird. Wie genau diese aussehen wird, lässt sich jetzt noch nicht sagen. Es kann sich wieder ein Dyke bilden, einhergehend mit Bodendeformationen, Rissbildungen und Erdbeben, denen eine Eruption folgt. Allerdings muss es nicht zwingend zu einem Vulkanausbruch kommen, wie wir am 10. November erfahren haben.

Forscher fürchten starkes Erdbeben bei Brennisteinsfjöll

Unterdessen fürchten Wissenschaftler auch, dass es im Gebiet um den Vulkan Brennisteinsfjöll zu einem starken Erdbeben kommen könnte. Im dem zugehörigen Spaltensystem können Erdbeben mit Magnituden im 6er-Bereich auftreten. Ein solches Beben in unmittelbarer Nähe zur Hauptstadt Reykjavik hätte möglicherweise starke Auswirkungen auf die Infrastruktur.

Starke Erdbeben kommen im Brennisteinsfjöll-Gebiet etwa alle 50 Jahre vor und statistisch gesehen wäre es jetzt wieder soweit. Hinzu kommen die Erdbeben von Wochenende, die man als Vorbeben interpretieren könnte. Kristín Jónsdóttir, Leiterin der Abteilung für Naturgefahren beim IMO, sagte, dass es in der Region häufig zu sogenannten Bypass-Erdbeben kommt, die im Zusammenhang mit dem Auseinanderdriften der beiden Kontinentalplatten von Europa und Nordamerika in Verbindung stehen. Die Erdbeben manifestieren sich entlang der 17 Kilometer langen Hvalhnúks-Verwerfung, an der sich bereits wieder große Spannungen aufgebaut haben. Die Aktivität der Verwerfung tritt unabhängig von den anderen Geschehnissen auf der Reykjaneshalbinsel auf. Unruhige Zeiten für Island und seine Bewohner, von denen natürlich auch Touristen betroffen sein könnten.

Wenn man in absehbarer Zeit Island bereisen möchte, sollte man vielleicht über ein paar Vorsichtsmaßnahmen nachdenken. Dazu zählt auch, dass man ein Auge auf die Erdbebensicherheit der Gebäude hat, in denen man sich aufhalten will. Alte mehrstöckige Hotels würde ich im Hauptstadtgebiet aktuell meiden. Wenn man im Zelt oder Camper übernachtet, ist es auch ratsam, sich seinen Schlafplatz nicht in der Nähe von steilen Berghängen und Klippen zu suchen. Außerdem ist es sinnvoll, sich über Fluchtrouten zu informieren und auf evtl. Warnungen zu hören, die über Cellbroadcast automatisch auf jedem Mobiltelefon in den gefährdeten Regionen ausgegeben werden.

Kilauea auf Hawaii: Ausbruchswahrscheinlichkeit bleibt groß

Staat: USA | Lokation: 19.42, -155.29 | Aktivität: Hawaiianisch

Zahlreiche Erdbeben rocken den Vulkan Kilauea auf Hawaii – Starke Bodendeformationen

Die seismische Krise am Kilauea auf Hawaii hält weiterhin an und dauert nun bereits den fünften Tag, wobei es in den letzten 20 Stunden zu einer deutlichen Verschärfung der Krise kam, da nicht nur die Erdbebenaktivität (über 700 Beben bis jetzt) hoch war, sondern auch die Bodendeformation. Das HVO schrieb dazu, dass die Neigungsmesser am Sand Hill und am Uēkahuna-Steilhang im Laufe des gestrigen Tages weiterhin sehr unterschiedliche Richtungen und Neigungsraten anzeigten, typisch für Bodenverformungen in Verbindung mit flachem Risswachstum, das entweder einem Ausbruch oder einem Eindringen von Magma in flachen Erdschichten vorausgehen kann. Seit 4:00 Uhr HST (Hawaii-Zeit) wurden etwa 20 Mikroradiant Veränderungen aufgezeichnet. Schrittweise Änderungen der Neigungssignale werden auf Erschütterungen der Instrumente durch Erdbeben oder Steinschläge in der Nähe zurückgeführt.

Seit 3:00 Uhr HST schwankte die Anzahl der erkannten Erdbeben pro Stunde zwischen 25 und 40. Diese Ereignisse ereigneten sich in Tiefen von 1,5–3 km unter der Oberfläche in Clustern, die zwischen dem Gebiet südlich von Halema’uma’u und der Region südwestlich der äußeren Caldera-Grenze wanderten. Insgesamt gab es in dieser Region seit Mitternacht über 500 lokalisierte Erdbeben mit Stärken zwischen maximal 3,4 und weniger als 1, und seit 9 Uhr HST am Samstag, dem 27. Januar, mehr als 1.400 Erdbeben. Mehrere dieser Erdbeben waren so groß, dass die umliegenden Gemeinden sie spürten, aber keines war so groß, dass es Schäden verursacht hätte. Die stärkeren Erdbeben lösen auch weiterhin Steinschläge innerhalb von Halemaʻumaʻu aus.

Die Vulkanologen kommen zu dem Schluss, dass der Gipfel des Kīlauea unter Druck steht. Ohne weitere Vorwarnung könnte es zu einem Ausbruch kommen. Erhöhte Seismizität und Verformung bleiben auf die Gipfelregion beschränkt, und in der East Rift Zone oder Southwest Rift Zone wurden keine ungewöhnlichen Aktivitäten festgestellt. Offenbar rechnen die Vulkanologen -anders als ich es zunächst dachte- nicht mit einer Eruption außerhalb der Caldera, sondern halten einen Vulkanausbruch im Halemaʻumaʻu-Krater am wahrscheinlichsten. Aber auch eine Spaltenöffnung südlich der Gipfelcaldera halten sie für möglich. Dazu schreiben sie: „Aktuelle Überwachungsdaten zeigen keinen Hinweis darauf, dass ein mit dieser Aktivität verbundener Ausbruch weit entfernt von oder dem nahegelegenen Gebiet südlich stattfinden könnte. Die aktuellen Windbedingungen sind schwach und kommen aus Süden, so dass eine starke Entgasung Gebiete des Hawaiʻi-Volcanoes-Nationalparks und umliegende Gemeinden beeinträchtigen könnte, wenn es in der Gipfelregion zu einem Ausbruch kommt.“ (Quelle HVO)

Kilauea: Vulkanausbruch droht am 31.01.24

Staat: USA | Lokation: 19.42, -155.29 | Aktivität: Hawaiianisch

Seismizität signifikant erhöht – Vulkanausbruch am Kilauea auf Hawaii droht

Den dritten Tag in Folge wird der Gipfelbereich des hawaiianischen Vulkans Kilauea nun von Erdbeben gerockt und es sieht so aus, als stünde der Vulkan unmittelbar vor einem Ausbruch. Die Livestreams vom USGS laufen und man hat die Chance live dabei zu sein, wenn die Eruption starten sollte. Die Kameras sind auf den Halema’uma’u-Krater gerichtet, in dem sich alle Eruptionen seit der Leilani-Eruption in 2018 abspielten. Die Erdbeben ereignen sich allerdings südlich des Kraters, genauso wie dort die Quelle der Bodenhebung sitzt. Die Inklinometer zeigten zunächst einen deutlichen Anstieg des Bodens an um aktuell steil abzustürzen, ein Indiz dafür, dass die Schmelze sich einen Weg zur Oberfläche sucht und sich wohlmöglich auf den Weg zum Krater gemacht hat.

Obwohl man bis jetzt nicht mit Sicherheit sagen kann, dass es tatsächlich zu einem Vulkanausbruch kommt, wurde der VONA-Alarmstatus auf „Orange“ erhöht. Livedaten findet ihr hier.

Wenn ich mir die Lage der Erdbeben auf der Shakemap so anschaue, sieht es so aus als wäre das obere Südwestrift unter Spannung geraten. Ich halte es für durchaus möglich, dass sieht hier eine Spalteneruption im Bereich des Rifts zusammenbrauen könnte.

Die Vulkanologen vom HVO brachten eine Meldung heraus, in der sie auf die erhöhte Seismizität infolge von Inflation hinweisen. Weiter heißt es, dass das Magma auch noch im Boden stecken bleiben könnte. Ein Ausbruch in der Gipfelregion des Kīlauea, innerhalb des Hawaii Volcanoes National Park und abseits der Infrastruktur, ist jedoch eine mögliche Folge. Muster der Erdbebenaktivität und Bodenverformung konzentrieren sich südlich der Caldera-Region. Jede neue Eruptionsaktivität könnte im oder in der Nähe des Halemaʻumaʻu-Kraters oder der Region südlich der Kīlauea-Caldera innerhalb des geschlossenen Gebiets des Hawaii-Volcanoes-Nationalparks auftreten.

Island: Rissverfüllung in Grindavik problematisch

Rissverfüllung in Grindavik wird kontrovers diskutiert

Ziemlich schnell nach den beiden Riftingepisoden in Grindavik hat man damit begonnen, die entstandenen Risse aufzufüllen. Bei einer dieser Gelegenheit stürzte ein Arbeiter in einen der Risse und verschwand. Trotz intensiver Suche fand man ihn nicht mehr. Die Risse sind bis zu 30 m tief und ziehen sich im Wesentlichen auf zwei parallel verlaufenden Linien durch Grindavik. Doch schon vor der aktuellen Unruhephase gab es Risse in und um Grindavik, die einfach verfüllt wurden. Doch mittlerweile gibt es kritische Stimmen aus Fachkreisen, die meinen, das aktuelle Vorgehen käme verfrüht und würde Risiken bergen, die man bis jetzt kaum abschätzen könne. Dieser Meinung sind z.B. die beiden bekannten Geoforscher Páll Einarsson und Ármann Höskuldsson, die auf der isländischen Seite „Heimildin“ zitiert werden.

„Bevor man die Risse verfüllt sollten sie erst vollständig erfasst und kartiert sein“, meinte Páll Einarsson. Auch Ármann Höskuldsson ist der Meinung, dass man die Risse genau erkunden sollte, bevor man sie zuschüttet.

Ein Problem könnte sein, dass Erdfüllungen mit der Zeit ausgespült werden könnten. Außerdem sollte die aktuelle Unruhephase erst vorbei sein, denn die Risse bewegen sich zum Teil immer noch. Wenn man jetzt verfüllt, dann könnten sich unentdeckt neue Hohlräume bilden, die dann später zur Oberfläche durchbrechen und Sinkholes entstehen lassen.

Unter Wissenschaftlern diskutiert man auch immer noch das scheinbare Erwachen anderer Risssysteme auf Reykjanes, obwohl ihre Aktivität erst am Anfang stehen könnte. Zwar weiß man nicht genau, in welchem Zeitrahmen es auch an anderen Stellen zu Ausbrüchen kommen könnte, doch die Erforschung der Eruptionen der letzten Aktivitätsphase von Reykjanes, die gut 800 Jahre zurückliegt, brachte hervor, dass die Ausbrüche an jedem Ort 10–20 Jahre andauern und alle 30–50 Jahre wechselten. Da man nun am Anfang einer neuen Aktivitätsphase steht, die sich über Jahrhunderte hinziehen könnte, beeinflusst das aktuelle Geschehen sämtliche langfristigen Planungen auf der Halbinsel.

Bodenhebung hält an

Aktuell geht die Bodenhebung bei Svartsengi weiter und an der Messstation SKSH ist wieder eine Bodenhebung erreicht, die ein ähnliches Verhältnis zur letzten Eruption hat wie die vorherige zum ersten Ausbruch. Es könnte also bald wieder so sein, dass der Vulkan Druck ablässt.