Piton Fournaise am 04.07.23

Staat: Frankreich | Koordinaten: 21.23, -55.71 | Aktivität: Lavastrom

Vulkanausbruch am Piton de la Fournaise geht weiter

Der Vulkanausbruch am Piton de la Fournaise setzt sich fort, und ein Lavastrom fließt im Südosten des Vulkans. Der zweite Lavastrom im Norden des Osthangs hat seine Aktivität gestern Abend eingestellt. Er begann vor dem derzeit aktiven Strom zu fließen. Die Förderrate des verbleibenden Lavastroms aus der südöstlichen Eruptionsspalte schreitet nur langsam voran. Die Geschwindigkeit der Lavafront wird auf 40 m pro Stunde geschätzt. Der Lavastrom ist mehr als 3,5 km lang und noch mehr als 2 km von der Küstenstraße RN 2 entfernt. Abends versammeln sich an der Straße viele Schaulustige, um den Lavastrom aus der Ferne zu besichtigen. Eine Annäherung an die Lava ist verboten, und es ist klar, dass die Küstenstraße gesperrt werden wird, sobald die Lava sich ihr nähert. Der Lavastrom hat bald die Basis des steilen Abhangs der Enclos Fouqué erreicht. Dort nimmt das Gefälle ab, und der Lavastrom wird noch langsamer werden. Gestern wurde die Förderrate auf 5 bis 20 Kubikmeter pro Sekunde geschätzt, und es ist fraglich, ob diese Förderrate ausreichen wird, damit die Lava die Straße erreicht. Trotzdem ist der Ausbruch interessant, da es der erste seit vielen Jahren ist, der sich auf dem Osthang in Richtung Küste bewegt.

Der Tremor nahm gestern sprunghaft ab, ist seitdem aber stabil. Die Wärmestrahlung betrug zuletzt 312 MW. Aktuell hängt der Vulkan in Wolken und Beobachtungen sind unmöglich.

In den Jahren 2004 und 2007 gab es größere Eruptionen am Piton de la Fournaise, bei denen die Lavaströme den Ozean erreichten. 2004 waren die Absperrungen noch nicht so rigoros wie heute, und die Behörden erlaubten Interessierten den Besuch der Lavafront am Ocean Entry. Damals herrschte ein ziemlich großer Andrang von Besuchern, und es kam natürlich zu einigen Verletzungen und verirrten Personen, weshalb seitdem die Eruptionsgebiete großräumig abgesperrt werden. Es erfordert zwar beträchtlichen Aufwand, Menschenmassen am Vulkan zu überwachen, aber ich finde die neue Sicherheitspolitik bedauerlich. Damals wurde das Vulkanobservatorium von einem deutschstämmigen Vulkanologen geleitet, der viel Kritik einstecken musste, weil er Besuchern ermöglichte, die Eruptionen aus nächster Nähe zu betrachten. Leider kam es 1998 zu einem tödlichen Unfall eines Kindes, weshalb die Nachfolgerin der Leitung des Observatoriums und der Zivilschutz nun eine rigorose Sperrung der Eruptionszentren durchführen.

Vulkan Erta Alé mit Aktivitätssteigerung am 04.07.23

Erta Alé mit thermischer Anomalie

Staat: Äthiopien | Lokation: 13.60, 40.70 | Aktivität: Hawaiianisch

Update 10:30 Uhr: Tatsächlich ist ein Video von einheimischen Guides von Afar Tourism bei FB geteilt worden, das die Aktivität zeigt. Sie geht von einem Hornito aus, der sich auf der Erstarrungskruste des Lavasees im Südkrater bildete. Aus dem Hornito strömt ein Lavastrom, der den Kraterboden flutet. Zudem gibt es wildes Lavaspattering. Verlässliche Prognosen über den weiteren Eruptionsverlauf lassen sich nicht anstellen, dennoch lässt sich sagen, dass ähnliche Ereignisse bereits früher vorkamen und nur wenige Tage anhielten. Dennoch ist es nicht ausgeschlossen, dass sich die Aktivität des Vulkans längerfristig steigern wird. Es ist auch im Bereich des Möglichen, dass sich bald wieder ein aktiver Lavasee etabliert.

Originalmeldung: Vom äthiopischen Vulkan Erta Alé geht derzeit eine verstärkte Wärmestrahlung aus, die stärker ist als in den letzten Monaten. Diese erzeugt eine Anomalie, die einen Großteil des Südkraters einnimmt. Es ist möglich, dass eine größere Öffnung im Deckel über dem Lavasee entstanden ist oder dass ein Lavastrom über die erstarrte Oberfläche geflossen ist.

Berichte von Augenzeugen über die Ereignisse an diesem abgelegenen Vulkan sind selten geworden. Dies dürfte einerseits auf die weiterhin instabile Lage in der Region nach einem lokalen Bürgerkrieg zurückzuführen sein, andererseits auf die extrem gestiegenen Reisekosten mit Expeditions- und Safaricharakter. Neben Habgier sind hierfür die starke Inflation aufgrund von Corona, dem Ukraine-Krieg und Klimaschutzmaßnahmen verantwortlich, sowie die hohe Nachfrage nach Reisen bei gleichzeitig eingeschränkten Flugkapazitäten und fehlenden Arbeitskräften in der Tourismusbranche. Aufgrund des Stillstands durch die Corona-Pandemie haben zudem viele Anbieter ihr Angebot eingestellt.


Nyiragongo und Nyamuragira sind fast kalt

Staat: DRK | Koordinaten:-1.52, 29.25 | Aktivität: Fumarolisch

Das dritte afrikanische Vulkangebiet, in dem wir in den letzten Jahren Aktivität beobachtet haben, zeigt derzeit eine eher geringe Aktivität. Nur bei genauer Betrachtung der Satellitenfotos des Nyiragongo ist eine thermische Anomalie zu erkennen. Sie ist nur wenige Pixel groß und dürfte von heißen Gasen im Schlot stammen. Derzeit gibt es keinen Lavasee dort. Auch der Nyamuragira ist inaktiv.

Ol Doinyo Lengai mit News am 04.07.23

Ol Doinyo Lengai mit thermischem Signal

Staat: Tansania | Koordinaten: -2.76 ; 39.91 | Aktivität: Effusiv

Im ostafrikanischen Tansania ist der Vulkan Ol Doinyo Lengai weiterhin aktiv. Das lässt sich anhand der Wärmesignatur des Vulkans erkennen, die mithilfe von Satelliten detektiert wurde und über Sentinel Hub eingesehen werden kann. Auf Infrarot-Satellitenbildern ist im Krater eine thermische Anomalie zu erkennen. Diese entsteht durch die extrem dünnflüssige Schmelze natriumkarbonatischer Lava, für die der Vulkan berühmt ist. Diese Lava brodelt in sogenannten Hornitos und tritt zeitweise aus ihnen aus.

Auf neuen Fotos, die im Rahmen einer französischen Expedition im Juni aufgenommen wurden, kann man sehr gut erkennen, dass sich im Zentrum des Kraters ein Cluster von Hornitos befindet. Die Morphologie dieses Clusters verändert sich ständig. Das Team beobachtete den Vulkan drei Tage lang und beobachtete Aktivität in mehreren der schornsteinähnlichen Gebilde. Die Spitze eines Hornitos war eingestürzt und gab den Blick auf einen Lavapool in seinem Inneren frei, während die Spitze eines anderen Hornitos intakt war und sich zur Öffnung hin stark verjüngte. Von dort schossen zeitweise beeindruckend hohe Lavajets empor, die auf eindrucksvollen Fotos festgehalten wurden. Drohnenaufnahmen zeigen auch einen Überblick über den Kraterkegel. Dieser entstand bei starken Eruptionen im Jahr 2008 und befindet sich auf der früheren Kraterplattform. Leider handelt es sich dabei um ein instabiles Gebilde: Auf einem Bild sind große Risse zu erkennen, die zunächst parallel zur Plattform verlaufen und dann diagonal durch die Kraterwand ziehen. Spätestens, wenn der Pit sich bis zur flacheren Schräge des Kraters aufgefüllt hat, was in 2-3 Jahren der Fall sein könnte, besteht die Gefahr eines Zusammenbruchs des beschriebenen Abschnitts des Kraterrandes. Dies könnte zu einem großen Schuttlawinenabgang führen, der das Potenzial hat, den Fuß des Vulkans zu erreichen. Dadurch könnte eine Bresche in der Kraterwand entstehen, durch die Lava fließen könnte.

Kollapsereignisse am Lengai sind keine Seltenheit, denn schon vor der Besiedlung der Region durch die Massai kam es zu großen Flankenrutschungen, bei denen Material fast bis zum Lake Natron transportiert wurde.