Sperrung am Fagradalsfjall – Update 13.07.23

Zugang zur Eruption am Fagradalsfjall bis Samstag gesperrt

Heute Mittag wurde beschlossen den Zugang zur Eruptionsstelle am Litli-Hrútur zu Sperren. Die Sperrung gilt erst einmal bis Samstag, wobei anscheinend nicht sicher ist, ob dann der Zugang wieder gestattet werden wird. Es wurden zwei Gründe für die Sperrung genannt: Die Luftqualität ist aufgrund der Gasverschmutzung durch Vulkan und Moosbrand extrem schlecht und Gesundheitsgefährdend. Zudem wurde für die nächsten beiden Tage extremer Wind angesagt, was die Gasausbreitung unberechenbar macht. Man will den Moosbrand in den nächsten Tagen löschen. Der zweite wichtige Grund für die Sperrung ist das verantwortungslose Benehmen vieler Schaulustiger, die zur Eruptionsstelle wanderten. Es wurden mehrere Personen beobachtet, die auf den neuen Kraterrand stiegen, was natürlich entsprechend leichtsinnig und gefährlich ist. Ich persönlich gehe ebenfalls Risiken ein, doch sollte man solche Stunts -wenn man sie denn machen muss- nicht unbedingt vor den Augen anderer Wanderer machen und bedenken, dass heute immer LiveCams mitlaufen!

Inzwischen wurden einige Daten zur Eruption veröffentlicht. Bis gestern bedeckte die Lava eine Fläche von 0,38 Quadratkilometer und es wurden gut 1,7 Millionen Kubikmeter Lava gefördert. Die Geldingadalir Eruption hat im Laufe der Monate mehr als 5 Quadratkilometer  Fläche bedeckt. Der Lavaausstoß lag während der Initialphase bei mehr als 50 Kubikmetern pro Sekunde. Gestern schwankte er zwischen 18 und 20 Kubikmeter/s. Das ist deutlich mehr als in den ersten Tagen der beiden letzten Eruptionen.

Es wurde ein neues Interferogramm veröffentlicht, das die Bodenhebung im Beobachtungszeitraum vom 27. Juni bis 12. Juli abdeckt. Es zeigt die Verformung, die im Vorfeld des Ausbruchs und in den ersten beiden Tagen nach dem Ausbruch aufgetreten ist. Sowohl im Nordwesten als auch im Südosten des magmatischen Gangs zwischen Fagradalsfjall und Keilir hob sich der Boden um 50 cm. Die Bodenhebungen resultieren aus dem Einströmen von Schmelze in den Dyke.

In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass es ein neues Interferogramm zur Bodenhebung an der Askja gibt, doch davon morgen mehr.

Naturkatastrophen-News 13.07.23: Hitzewelle

Hitzewellen plagen die Nordhalbkugel

Während bei uns in Deutschland gerade Gewitter und Unwetter die mediale Aufmerksamkeit beanspruchen, manifestierten sich in anderen Regionen der Nordhalbkugel Hitzewellen. Allen voran hat es den Südwesten der USA erwischt, wo sich eine Hitzeglocke bildete, unter dem die Bundesstaaten Kalifornien, Arizona, Nevada und New Mexico schwitzen. Gestern herrschten dort Temperaturen von 37 Grad, doch in den nächsten Tagen könnte das Thermometer bis auf 44 Grad Celsius klettern. Diese Temperaturen wurden vor allem für das zentrale Kalifornien prognostiziert. Die Wetterdienste warnen vor der Hitze und rufen die Menschen auf sich in den heißesten Stunden zu schonen und möglichst Aufenthalte im Freien zu vermeiden.

Von der Hitzewelle in den USA sind über 50 Millionen Personen betroffen. Wie immer bei solchen Gelegenheiten, kommen auch diesmal die Stromnetzte an ihre Grenzen, da Klimaanlagen auf Dauervollast laufen.

Sorgen bereitet nicht nur die Extremtemperaturen, sondern auch das lange Anhalten. In der Hauptstadt von Arizona -Phoenix- wurden schon an 10 Tagen Temperaturen von 43 Grad gemessen. Im texanischen El Paso nahe der Grenze zu Mexiko wurden an 24 Tagen in Folge mehr als 37,7 Grand Celsius gemessen, was einen neuen Rekord darstellt.

Besonders Personen mit Herzkreislaufbeschwerden leiden unter dem Extremklima.

Während der Südwesten der USA unter der Hitzewelle nebst neuer Trockenheit leidet, gab es in entgegengesetzter Richtung das Gegenteil von Trockenheit: im Bundesstaat Vermont gab es langanhaltenden Starkregen, so dass es zu Überflutungen kam und ein Staudamm zu brechen drohte. Doch das ganz große Unglück scheint erst einmal abgewendet zu sein, denn die Pegel fallen momentan. Erst gestern wurde der Katastrophenfall ausgerufen.

Vermont grenzt an die kanadische Waldbrandregion Quebec, wo es in der letzten Wochen 670 Waldbrände gab, die mit lang anhaltender Trockenheit in Verbindung standen. Spekulativ ist, dass es auch dort regnete und sich die Waldbrandgefahr entspannte.

Hitzewelle am Mittelmeer

Am Mittelmeer wird es in den nächsten Tagen zum Teil auch extrem heiß: Im italienischen Apulien soll es heute 42 Grad heiß werden, in Griechenland schwitzt man bei 44 Grad und in der Türkei sprengt das Quecksilber auch die 40 Grad-Marke. Das heiße Wetter soll am Wochenende auch Deutschland erfassen wo es zwischen 35 und 40 Grad heiß werden soll.

In dem Zusammenhang mit Extremtemperaturen gibt es noch die unerfreuliche Meldung, dass sich die Gletscherschmelze in den Alpen weiter beschleunigte. Experten sind nun der Meinung, dass hier der Kipppunkt bereits überschritten wurde. Das heißt, dass sich die Gletscherschmelze nicht mehr aufhalten lässt, selbst wenn wir jetzt kein Kohlendioxid mehr ausstoßen sollten. Mit solchen radikalen Maßnahmen könnte man die Schmelze nur noch verzögern.

Zusammenfassung:

  • Über weite Teile des Südwestens der USA bildete sich eine Hitzeglocke.
  • Es werden Temperaturen von bis zu 44 Grad erwartet.
  • Im Südosten verursachten Unwetter Überflutungen und ein Damm droht zu brechen.
  • Im Mittelmeerraum gibt es eine Hitzewelle.
  • Am Wochenende wird es auch in Deutschland heiß.
  • Die Alpen-Gletscherschmelze hat den Kipppunkt überschritten.

Fagradalsfjall- Litli-Hrútur Eruption am 13.07.23

Litli-Hrútur Eruption am Fagradalsfjall geht weiter

Am Montag begann auf Island die sogenannte Litli-Hrútur-Eruption, die auch heute anhält. Auf der LiveCam erkennt man eine kleine Lavafontäne, die sich nur noch wenige Meter über den Lavarand erhebt, der sich inzwischen um den noch aktiven Teil der Eruptionsspalte gebildet hat. Da der Bildausschnitt der Kamera eng gefasst ist, erkennt man auf der Livecam nichts vom Lavastrom, doch ich gehe davon aus, dass er durch eine Bresche im Südwesten des länglichen Kraterrands abfließt und in Richtung Fagradalsfjall strömt. Wahrscheinlich fließt die Lava bereits zum Teil unterirdisch durch Tubes, wobei es auch zum Überlaufen der Lava kommen kann. Die Seismizität ist heute weiter zurückgegangen, und es sieht so aus, als wäre der Magmanachschub aus der Tiefe dabei zu versiegen. Offizielle Informationen gibt es dazu nicht.

Die isländischen Medien berichten momentan ausführlicher über die Schaulustigen am Vulkan als über die Eruption selbst. Gestern Abend um 22 Uhr sollen noch 400 Autos auf dem Parkplatz gestanden haben. Hier ist wieder eine Kontroverse entbrannt, wie man den Zugang zur Eruption besser regeln kann, denn es sind wie immer Menschen unterwegs, die weder von Vulkanen eine Ahnung haben noch erfahrene Wanderer sind. Folglich kommt es zu Fehleinschätzungen und Menschen, die sich bei der 10 km langen Wanderung zum Vulkan verlaufen, verletzen oder überanstrengen. Gestern mussten die Rettungskräfte 7 Personen aus dem Gelände bergen. Die Einsatzkräfte kommen an ihr Limit, und die Regierung hat für Freitag eine Sondersitzung angekündigt, auf der diskutiert werden soll, wie man den Zugang zur Eruptionsstelle besser regeln kann. Es wurde in Aussicht gestellt, im Eiltempo weitere Ranger einzustellen und das Personal aufzustocken.

Das dritte Jahr infolge wird davor gewarnt, das neu entstandene Lavafeld zu betreten, da Lebensgefahr droht. In einem Mbl-Interview sagte der ICE-SAR-Sprecher Jón Þór Víglundsson, dass es klar sei, dass Wanderer, die auf dem Lavafeld in Schwierigkeiten geraten, nicht schnell gerettet werden könnten. Der einzige Weg sei ein Einsatz mit dem Rettungshubschrauber. Zu Fuß würden keine Rettungskräfte den Wanderern auf das Lavafeld folgen.

Anak Krakatau eruptiert am 13.07.23

Anak Krakatau mit zahlreichen Eruptionen

Bereits in der letzten Woche berichtete ich über erhöhte Seismizität am indonesischen Inselvulkan Anak Krakatau. Seit drei Tagen ist er wieder in Eruption begriffen, was aufgrund der Aufregung um die Fagradalsfjall-Eruption wenig Beachtung fand. Dabei meldete das VSI 53 seismische Eruptionssignale mit Amplituden zwischen 12 und 56 mm und einer Dauer von 30 bis 231 Sekunden. Das ist eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Eruptionen für den Krakatau. Auf den zu den Berichten geposteten Webcam-Bildern sieht man allerdings nur Dampfwolken aufsteigen. Zu allem Überfluss steht die Webcam schief, was ich ein wenig lieblos finde. Die Aufnahmen stammen daher von der privat geführten Twitter-Seite Krakatau Info.

Überwiegend waren die Eruptionen phreatischen Ursprungs und sind durch Wasser getriggert worden, dass bei kontakt mit der Erdwärme schlagartig verdampfte. Für diese These spricht auch, dass es keine VONA-Warnungen durch aufsteigende Asche gab. Die Explosionen könnten mit starken Regenfällen in Verbindung stehen. Denkbar ist auch, dass vermehrt Meerwasser in den Vulkan eindringt. Dann drohen starke phreatomagmatische Explosionen. Vor dem Einsetzen der Eruptionen am Dienstag gab es mehrere Tage lang ca. 40 vulkanisch bedingte Erdbeben. Gestern waren es noch 6 Beben. Die explosive Tätigkeit hält an: Heute wurden innerhalb von 12 Stunden 20 Explosionen registriert. Es gab leichten Tremor, aber keine Erdbeben.

Beim Anak Krakatau handelt es sich um das „Kind des Krakataus“, jenem Vulkan, der sich im Jahr 1883 in einer starken Eruption selbst vernichtete. Obwohl, so ganz stimmig ist diese Aussage nicht, denn es wurde nur eine Vulkaninsel vernichtet, die sich bereits aus einer großen Caldera erhob, ähnlich wie es heute Anak Krakatau macht. Die Insel damals war allerdings um einiges größer als das aktuelle Eiland, welches ebenfalls nicht stabil sitzt und im Jahr 2018 einiges an Höhe einbüßte, als es zu einem Kollaps kam. Dabei wurde ein Tsunami ausgelöst.

In Indonesien sind noch weitere Vulkane aktiv. Aschewolken werden aktuell nur von Dukono und Semeru gemeldet. Vor zwei Tagen war auch der Lewotolok mit einer kleinen Ascheeruption präsent. Am Merapi wächst der Lavadom. Gestern gingen 105 Schuttlawinen ab. Nachdem die Seismizität in der ersten Juliwoche hoch war, hat sie sich inzwischen wieder normalisiert. Ähnliches gibt es vom Karangetang zu berichten. Hier gab es gestern 256 Abgänge von Schuttlawinen, und der Lavadom erhält Magmennachschub. Es könnten pyroklastische Ströme entstehen.

Zusammenfassung:

  • Am Anak Krakatau kam es gestern zu 53 phreatischen Eruptionen.
  • Dukono ist explosiv aktiv und fördert Asche bis auf 1800 m Höhe.
  • Am Karangetang wächst der Lavadom und es gehen sehr viele Schuttlawinen ab.
  • Der Merapi bleibt effusiv aktiv und zeigt schwaches Domwachstum.
  • Semeru fördert Aschewolken bis auf 4300 m Höhe.