Japan: sehr starkes Erdbeben vor Hokkaido

Sehr starkes Erdbeben Mw 7.6 vor der Küste Hokkaidō in Japan – Tsunamiwarnung und mehrere Verletzte

Heute Nachmittag ereignete sich um 14:15 UTC (23:15 JST) in der japanischen Region Hokkaidō ein sehr starkes Erdbeben der Magnitude Mw 7.6. Das Hypozentrum lag bei den Geokoordinaten 41.035° N, 142.148° E in einer Tiefe von 58 km. Das Epizentrum wurde 81 km nordnordöstlich von Hachinohe verortet. Der nächstgelegene Besiedlungsschwerpunkt ist Aomori, etwa 121 km vom Epizentrum entfernt. Das Beben schreckte viele Menschen aus dem Schlaf, die aufgeregt auf die Straßen liefen. Ersten Berichten zufolge kam es zu Schäden und Verletzten. Es folgten mehrere Nachbeben. Eine Tsunamiwarnung wurde ausgegeben: das Warnzentrum hielt Wellenhöhen von bis zu 3 m für möglich.

Japan. © EMSC

Bereits kurz nachdem die Tsunamiwarnung für die Küstenregionen der Präfekturen Hokkaidō, Aomori und Iwate herausgegeen worden war, wurden an mehreren Häfen erste Tsunamiwellen registriert. Sie erreichten an der Küste von Aomori und Hokkaidō etwa 40 cm Höhe.

In der Küstenstadt Hachinohe in der Region Aomori meldeten Medien mehrere Verletzte. Unter den Opfern befinden sich Gäste eines Hotels, die offenbar von herabgefallenen Teilen verletzt wurden. Es kam zu Panikartigen Zuständen während der Evakuierung aus Hotels und Wohnhäusern.

Rasche Evakuierungen wurden veranlasst, der Zugverkehr wurde zeitweise eingestellt, Stromausfälle und Unterbrechungen in Teilen der Infrastruktur wurden berichtet. Trotz der Warnung vor einem stärkeren Tsunami wurden größere Überflutungen bislang nicht bestätigt.

Die Hypozentraltiefe von 58 km weist auf ein Zwischenbeben innerhalb der subduzierten Pazifischen Platte hin, die vor der Ostküste Nordjapans unter die Platte Nordamerikas abtaucht. Die Subduktionszone am Japangraben stellt eine südwestliche Verlängerung des Kamtschatka-Kurilengrabens dar, wo es vor der Südspitze Kamtschatkas Ende Juli ebenfalls eine Starkbebenserie gegeben hatte.

Diese tektonische Situation macht die Region um Hokkaidō und das nördliche Honshū besonders anfällig für starke Erdbeben — und gelegentlich auch für Tsunamis. Doch in diesem Fall blieb das Worst-Case-Szenario glücklicherweise aus: Die registrierten Tsunamiwellen waren deutlich kleiner als prognostiziert, und größere Schäden sind derzeit nach ersten Berichten ausgeblieben.

Barren Island: Ocean Entry fotografiert

Lavastrom auf Barren Island fließt ins Meer – Fotos eines Seglers veröffentlicht

Die effusive Tätigkeit auf der zu Indien gehörenden Vulkaninsel Barren Island in der Andamanensee hält weiter an. Besonders gute Wetterbedingungen ermöglichten die Erstellung erster brauchbarer Fotos des Ereignissen, auch wenn aus einiger Entfernung aufgenommen. Diese Aussage trifft sowohl auf Satellitenfotos zu, auf denen die Insel erstmals seit Wochen wolkenfrei zu sehen ist, als auch auf Bilder eines Seglers, der sich der Insel so weit wie erlaubt näherte.

Barren Island

Auf den Aufnahmen des Seglers, die während der Abenddämmerung entstanden und von mir mittels KI weiterbearbeitet wurden, erkennt man, wie ein verzweigter Lavastrom vom Calderarand aus den niedrigen Hang auf der Nordseite der Insel hinabfließt und ins Meer mündet. Nimmt man die Satellitenaufnahme zur Hilfe, wird klar, dass der Lavastrom einem Förderschlot bzw. einer kurzen Spalte an der Basis des Schlackenkegels entspringt und zum eil gedeckelt in einer Tube fließt, bis er am Calderarand wieder Tageslicht erblickt.

Auch am Hauptkrater erkennt man einen Hotspot. Der Krater ist dafür bekannt, strombolianische Eruptionen zu erzeugen. Offenbar ruht diese Art der Tätigkeit momentan, zumindest wurden keine Fotos veröffentlicht, auf denen man solche Ausbrüche sieht. Diese Vermutung wird auch durch das Fehlen von VONA-Meldungen gestützt, wobei nicht jeder form der strombolianischen Tätigkeit genug Asche auswirft um VONA-Meldungen zu erzeugen.

Die Seiten MIROVA/MODIS zeigen an, dass die Sentinel-Satelliten mittelstarke thermische Anomalien detektieren, die bei den jüngsten Messungen eine Leistung von 36 MW hatten. Für ein offen fließender Lavastrom ist das nicht viel, allerdings ist er auch relativ kurz und fließt größtenteils über einen Steilhang, was die Messungen beeinflusst.

Barren Island ist eine der abgelegensten und zugleich beeindruckendsten Landschaften Südasiens. Die unbewohnte Insel erhebt sich rund 135 Kilometer nordöstlich von Port Blair aus dem Ozean und markiert den Gipfel eines durchaus großen Vulkans, dessen Basis etwa 2.250 Meter tief auf dem Meeresboden liegt. Von oben wirkt der Vulkan wie ein nahezu perfekter Kegel: Die Insel misst etwa 3 Kilometer im Durchmesser und ragt 354 Meter über den Meeresspiegel hinaus.

Bei meinen Recherchen zu der Vulkaninsel bin ich auf den Fakt gestoßen, dass es einst eine zweite Insel gleichen Namens gab: Sie lag vor New York und ist heute Teil des Festlandes von Brooklyn.

Türkei: Erdbeben Mb 5,1 beim Urlaubsort Antalya

Mittelstarkes Erdbeben erschüttert Urlaubsort Antalya in der Türkei – Erdbebenherd in großer Tiefe

Datum: 08.12.2025 | Zeit: 10:21:32 UTC | Koordinaten 37.016 ; 30.802 | Tiefe: 95 km | Mb 5,1

Am 8. Dezember 2025 um 10:21 Uhr UTC ereignete sich in der westlichen Türkei ein Erdbeben der Magnitude 5,1. Das Epizentrum lag bei 37,016 Grad nördlicher Breite und 30,802 Grad östlicher Länge, etwa 15 Kilometer nordnordöstlich von Antalya und rund 176 Kilometer südwestlich von Konya. Das Beben hatte eine Herdtiefe von etwa 95 Kilometern, was auf ein Beben in der Asthenosphäre hinweist. Die Daten sind frisch und könnten noch korrigiert werden.

In der Region um Antalya mit etwa 758.000 Einwohnern wurden die Erschütterungen des Erdbebens gegen 13:21 Uhr Ortszeit deutlich gespürt. Dem EMSC liegen zahlreiche Wahrnehmungsmeldungen vor. Obwohl das Epizentrum in bebautem Gebiet in einem Vorort von Antalya lag, gibt es bis jetzt keine Berichte über größere Schäden. Aufgrund der großen Tiefe wirkte sich die Erschütterung an der Oberfläche moderat aus, sodass mit größeren Schäden nicht zu rechnen ist.

Die tektonische Situation der Region ist komplex, weicht aber von dem Setting der beine großen Blattverschiebungen in Norden und Osten des Landes ab, weshalb die Gefahr von Erdbebenkatastrophen in den Touristenhochburgen um Antalya niedriger eingeschätzt wird, als in den Regionen der beiden anatolischen Verwerfungen.

Die betroffene Region liegt zwischen der Eurasischen Platte im Norden, der Afrikanischen Platte im Süden und der Arabischen Platte im Südosten, wobei die kleinere Anatolische Platte dazwischen eingekeilt ist. Die Arabische Platte bewegt sich nordwestwärts und kollidiert im Osten der Türkei mit der Eurasischen Platte. Dieser Druck schiebt die Anatolische Platte gewissermaßen nach Westen, was als tektonischer „Escape“ bezeichnet wird.

Diese Bewegung zusammen mit dem Zurückgleiten der Afrikanischen Platte unter das Mittelmeer – ein Vorgang, der als „Slab Rollback“ bekannt ist – verursacht eine komplexe Dehnungszone in Westanatolien. Die Erdkruste wird hier auseinandergezogen, was zu Grabenbrüchen führt an denen es überwiegend schwache und mittelstarke Erdbeben gibt.

Das aktuelle Beben mit einer Tiefe von 95 Kilometern ist höchstwahrscheinlich auf Spannungen in der subduzierten afrikanischen Lithosphäre zurückzuführen, die als „Antalya-Slab“ unter dem südlichen Anatolien liegt. Diese Slab ist segmentiert und weist Risse auf, an denen sich Spannungen lösen können – was zu tiefen Erdbeben führt.

Poás: Eruption zu Nikolaus

Weitere Eruption am Poás in Costa Rica förderte glühende Tephra und Aschewolke

Ein neuer explosiver Ausbruch des Vulkans Poás hat am späten Samstagabend in Costa Rica für Aufsehen gesorgt. Um 22:34 Uhr Lokalzeit schleuderte der Vulkan eine rund 400 Meter hohe Eruptionssäule aus Gas und vulkanischem Material in den Himmel. Laut dem Vulkanologischen und Seismologischen Observatorium Costa Ricas (OVSICORI-UNA) wurde die Explosion durch seismische und Infraschall-Messungen bestätigt. Auch die Webcam des Vulkans zeichnete das Ereignis auf. Da Windstille herrschte, stieg die Eruptionssäule nahezu senkrecht auf. Der Ausbruch dauerte etwa fünf Minuten. Dabei wurden auch glühenden Gesteinsfragmenten ausgestoßen, die im Nahbereich des Kraters niedergingen. Die Eruption blieb auf das unmittelbare Umfeld des Gipfels beschränkt.

Poás

Der Vorfall ereignet sich vor dem Hintergrund einer weiterhin komplexen Gesamtsituation am Poás. Der 2.687 Meter hohe Stratovulkan befindet sich aktuell auf Warnstufe Gelb, und das OVSICORI beobachtet eine Reihe potenzieller Anzeichen für instabile Aktivität. Dazu gehören mögliche moderate Ascheemissionen, Ausbrüche mit Auswirkungen über den Kraterrand hinaus, thermische Anomalien, signifikante Gasfreisetzungen sowie Tremor-Phasen oder seismische Schwärme.

Nach Angaben des wöchentlichen OVSICORI-Berichts hat die Tremoramplitude im Vergleich zur Vorwoche abgenommen, während akustischer Tremor nahezu nicht vorhanden ist. Die Zahl der langperiodischen Beben ist jedoch angestiegen, ein Trend, der sich über längere Zeit schon abzeichnet, auch wenn am 27. November eine kurzfristige Halbierung der Ereignisse registriert wurde. Vulkanisch-tektonische Erdbeben wurden in dieser Woche nicht festgestellt.

Geodätische Messungen deuten derzeit auf eine leichte Absenkung des Vulkangebäudes hin. Die MultiGAS-Station in Boca C verzeichnete ein durchschnittliches SO₂/CO₂-Verhältnis von 1,0 ± 0,5, während das H₂S/SO₂-Verhältnis leicht auf 0,1 sank. Die ExpoGAS-Station am Besucherzentrum maß maximale SO₂-Konzentrationen von 1,1 ppm – ein niedriger Wert. Die DOAS-Stationen registrierten einen SO₂-Ausstoß von 296 ± 48 t/Tag, ähnlich dem Niveau der Vorwoche. Auch Satellitendaten zeigen weiterhin rückläufige SO₂-Mengen. Auffällig bleibt jedoch der Wasserstand im Kratersee, der sich um weitere 0,8 Meter erhöht hat – ein Faktor, der für künftige phreatische Aktivitäten relevant sein könnte.

Ambae: Ascheemissionen vom Manaro Voui

Gesteigerte Unruhe am Manaro Voui auf Ambae – Vulkan stößt Vulkanasche aus

Der Vulkan Manaro Voui auf der Insel Ambae in Vanuatu zeigt seit der letzten Novemberwoche Anzeichen erhöhter Aktivität. Das Amt Meteorologie und Geogefahren auf Vanuatu (VMGD) meldet, dass der Vulkan instabil ist und seine Aktivität unverändert vom Voui-Kratersee ausgeht. Es gab mehrere VONA-Warnungen, nach denen Aschewolken bis auf eine Höhe von 2400 m Höhe aufgestiegen sind. Die Vulkanwarnstufe bleibt deshalb auf Stufe 2, auf der sie bereits seit Dezember 2021 liegt. Sie signalisiert eine anhaltende Unruhe, bei der jederzeit kleinere Eruptionen möglich sind.

Satellitenbilder und Webcam-Aufnahmen aus dem Zeitraum vom späten November bis zum 7. Dezember belegen kontinuierliche Ascheemissionen aus dem aktiven Krater. Neben feiner Asche wurden auch Wasserdampf freigesetzt, der vulkanische Gase wie Schwefeldioxid enthält. Auswertungen von Satellitenbildern zeigen zudem eine Reihe thermischer Anomalien. Sie liefern einen Hinweis darauf, dass sich Magma weiterhin in geringer Tiefe unmittelbar unter der Oberfläche befindet.

Auch Beobachtungen vor Ort bestätigen die aktuelle Aktivität: In den vergangenen Wochen kam es wiederholt zu Ablagerungen von Vulkanasche, die in dem VMGD-Bericht treffender als vulkanischer Sand beschrieben wird. Gleichzeitig registrieren die seismischen Instrumente anhaltenden Tremor und vereinzelte vulkanotektonische Erdbeben, was die Unruhe im Krater weiter untermauert.

Das Gefahrengebiet rund um den aktiven Krater bleibt daher streng definiert. Die Zone A, ein Radius von etwa zwei Kilometern, ist für die Bevölkerung, Besucher und die Tourismusbranche ausdrücklich gesperrt. In diesem Bereich besteht Gefahr durch Aschewolken, Sandstürme und andere unmittelbare vulkanische Prozesse. Je nach Windrichtung können Asche und Sand auch mehrere Kilometer weit verfrachtet und in umliegenden Dörfern abgelagert werden.

Der Manaro Voui ist ein basaltischer Schildvulkan mit einer komplexen Caldera- und Kraterseen-Struktur, die phreatische und phreatomagmatische Explosionen begünstigt. Seine letzte größere Eruptionsphase ereignete sich 2017–2018 und führte zu massiven Ascheeruptionen und einer Evakuierung der gesamten Insel. Die aktuelle Aktivität erinnert daran, dass dieser Vulkan trotz ruhigerer Jahre jederzeit wieder aktiver werden kann.