Laacher-See-Vulkan: 2 Erdbeben nahe Korretsberg

Zwei Erdbeben nahe dem Korretsberg am Laacher-See-Vulkan stehen im Zeichen der Ochtendunger Störungszone

Unweit des Laacher-See-Vulkans haben sich am Morgen des 30. September zwei schwache Erdbeben ereignet. Das stärkere Beben erreichte um 09:43 Uhr MESZ eine Magnitude von 1,6 und hatte sein Epizentrum bei 50,374° N und 7,365° E. Nur knapp vier Minuten später folgte ein paar hundert Meter entfernt ein Mikrobeben der Magnitude 0,8. Beide Erschütterungen wurden in etwa 10 Kilometern Tiefe lokalisiert. Die Epizentren liegen ungefähr 7 Kilometer südöstlich des Laacher Sees und nur etwa 600 Meter vom Korretsberg entfernt.



Shakemap & copy; EMSC/Leaflet

Die Lage der Beben ist vulkanotektonisch interessant, denn sie befindet sich im Bereich der auslaufenden Ochtendunger-Störungszone, in der seit Jahren zahlreiche Mikrobeben registriert werden. Untersuchungen des GFZ und anderer Forschungseinrichtungen zeigen, dass die Seismizität dort nicht ausschließlich durch gewöhnliche tektonische Spannungen erklärt werden kann. Eine 2026 veröffentlichte Studie lokalisiert in etwa 12 bis 14 Kilometern Tiefe fluidreiche Strukturen unterhalb der Ochtendunger Zone.

Als mögliche Fluide werden insbesondere CO₂-reiche, magmatische Fluide diskutiert. Sie könnten aus größeren Tiefen aufsteigen und sich in Schwächezonen der Erdkruste sammeln. Dabei kann der Porendruck im Gestein steigen und vorhandene Störungen reaktivieren. Die dadurch ausgelösten kleinen Brüche erzeugen die beobachtete, teilweise schwarmartig auftretende Seismizität. Die Forscher sprechen in diesem Zusammenhang von einem natürlichen, fluidinduzierten hydraulischen Aufbrechen des Gesteins.

Auch tiefere Deep-Low-Frequency-Beben, die bis in die Asthenosphäre – der Übergangszone zwischen Erdkruste und oberem Erdmantel – hinabreichen, werden in der Osteifel als Hinweise auf episodische Bewegungen magmatischer Fluide interpretiert. Damit ergibt sich ein Modell, bei dem Fluide eines tief unter dem Laacher-See-Vulkan liegenden Magmenkörpers in die mittlere Kruste gelangen und dort teilweise entlang der Ochtendunger Störungszone aufsteigen und sich teilweise dort ansammeln.

Die beiden aktuellen Beben passen aufgrund ihrer Lage, Tiefe und kurzen zeitlichen Abfolge grundsätzlich in dieses seismotektonische Muster. Aus nur zwei Ereignissen lässt sich allerdings kein aktueller Fluidimpuls ableiten. Sollten in den kommenden Tagen weitere Beben in unmittelbarer Umgebung folgen, wäre eine genauere Betrachtung der Sequenz besonders interessant. Aber selbst en Erdbebenschwarm würde nicht bedeuten, dass der Laacher-See-Vulkan unmittelbar vor einem Vulkanausbruch steht. Geoforscher gehen davon aus, dass der Vulkan lange Zeit (Jahrhunderte bis Jahrtausende) brauchen wird um eventuell erneut zu eruptieren.

Laacher-See-Vulkan: Neue Studie bestätigt magmatischen Fluidaufstieg

Neue GFZ-Studie liefert tiefen Einblick in das Vulkansystem der Osteifel – Magmatische Fluide steigen entlang der Ochtendunger Störungszone auf

Unter der scheinbar ruhigen Vulkanlandschaft der Osteifel ist offenbar mehr Bewegung als bislang nachgewiesen werden konnte. Eine in der Fachzeitschrift Communications Earth & Environment veröffentlichte Studie von Forschenden des GFZ-Potsdam liefert direkte seismologische Hinweise darauf, dass sich magmatische Fluide in etwa 12 bis 14 Kilometern Tiefe ansammeln und entlang der Ochtendunger Störungszone aufsteigen. Die Ergebnisse stellen einen wichtigen Baustein zum Verständnis des noch immer aktiven Vulkansystems rund um den Laacher See dar.

Laacher See

Der Laacher-See-Vulkan brach zuletzt vor ca. 12.900 Jahren aus. Obwohl seitdem keine Eruption mehr stattgefunden hat, registrieren Geowissenschaftler seit Jahren auffällige Mikrobeben sowie einen kontinuierlichen Austritt von Kohlendioxid vulkanischen Ursprungs. Bislang fehlte jedoch der direkte Nachweis, wie diese Phänomene miteinander verknüpft sind.

Zwischen 2022 und 2023 wurde in der Vulkaneifel ein temporäres Netzwerk aus fast 500 seismischen Messstationen installiert. Es registrierte mehr als 500 kleine Erdbeben, die mit neuartigen Auswertungsmethoden analysiert wurden. Dabei entdeckten die Wissenschaftler bei zahlreichen Beben sekundäre Scherwellen, die nach der eigentlichen S-Welle der Beben zeitverzögert am Seismografen eintrafen. Solche Signale entstehen, wenn seismische Wellen an Bereichen mit stark veränderten physikalischen Eigenschaften reflektiert werden – in diesem Fall an fluidreichen Zonen in der mittleren Erdkruste.

Die Erdbebenwellen reflektierende Fluidansammlungen konzentrieren sich unmittelbar unter der Ochtendunger Störungszone. Hierbei handelt es sich um eine 15 Kilometer langen Störung südöstlich des Laacher Sees, die durch erhöhte Mikroseismizität auffällt und entlang derer magmatische Fluide aufsteigt. Nach Interpretation der Autoren handelt es sich bei der Fluidansammlung um Kohlendioxid in einem überkritischen Stadium, das aus größerer Tiefe aufsteigt und sich zunächst in strukturellen Schwächezonen sammelt.

Gerade dieser Befund besitzt große wissenschaftliche Bedeutung. Er liefert erstmals ein schlüssiges Modell dafür, wie Fluide aus dem oberen Erdmantel ihren Weg durch die Erdkruste finden. Die Ochtendunger Störung erscheint dabei nicht nur als tektonische Schwächezone, sondern als bevorzugter Aufstiegsweg für magmatische Fluide. Gelangen diese Fluide in bereits vorhandene Gesteinsbrüche, erhöhen sie dort den Porendruck und lösen die seit Jahrzehnten beobachteten Mikrobeben aus – ein Prozess, den die Autoren mit natürlichem Hydraulic Fracturing vergleichen.

Die Studie verbindet damit mehrere bislang voneinander getrennte Beobachtungen: den Austritt von Kohlendioxid am Laacher See, erhöhte Helium-Isotopenwerte, tiefe niederfrequente Erdbeben und die auffällige Mikroseismizität der Osteifel. Zusammen ergeben sie das Bild eines weiterhin aktiven magmatischen Systems, in dem Fluide kontinuierlich aus dem oberen Erdmantel in die Erdkruste aufsteigen.

Ein unmittelbar bevorstehender Vulkanausbruch lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Die Forschenden betonen ausdrücklich, dass weder Bodenhebungen noch andere Anzeichen für aufsteigendes Magma bis in oberflächennahe Bereiche beobachtet werden. Dennoch zeigt die Studie eindrucksvoll, dass der Vulkanismus der Osteifel keineswegs erloschen ist. Vielmehr dokumentiert sie einen lebendigen Untergrund, in dem magmatische Fluide weiterhin zirkulieren – und dabei den Schlüssel zum Verständnis der anhaltenden Aktivität des Laacher-See-Vulkans liefern.

Quelle: Zhang et al. (2026): Seismological evidence for fluid accumulation beneath the dormant East Eifel volcanic region, Germany. Communications Earth & Environment 7, Artikel 571. DOI: 10.1038/s43247-026-03778-4.

Laacher See Vulkan: Erdbeben Mb 1,1

Aktuelle Luftaufnahme vom Laacher-See-Vulkan. © Ulrich Bauch

Schwaches Erdbeben am Laacher-See-Vulkan registriert – Geoforscher finden weitere Indizien für Fluidaufstieg

Südöstlich des Laacher-See-Vulkans in der Osteifel ereignete sich ein Erdbeben der Magnitude 1,1. Der Erdstoß trat bereits am Morgen des 7. Juni um 10:04:53 Uhr Ortszeit auf, wurde aber erst deutlich später beim EMSC angezeigt. Wahrscheinlich wurden die Messdaten zunächst manuell überprüft, bevor sie veröffentlicht wurden. Das Epizentrum wurde 17 Kilometer westlich von Koblenz lokalisiert, das Hypozentrum lag in einer Tiefe von 11 Kilometern. Tatsächlich befand sich das Beben direkt unter dem Ort Kruft, rund drei Kilometer vom Laacher See entfernt.

Laacher-See-Vulkan. © EMSC/Leaflet

Das Erdbeben passt in das Aktivitätsmuster der vergangenen Jahre und wurde vermutlich durch Spannungsabbau in der Erdkruste ausgelöst. Diese Spannungen stehen mit dem Aufstieg von Fluiden in Zusammenhang, die aus einem aktiven Magmenkörper unter dem Calderavulkan stammen. Der Laacher See wurde früher fälschlicherweise als Maar interpretiert. Allein diese Fehleinschätzung, die sich bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hielt, zeigt, wie schwierig es sein kann, Vulkane korrekt einzuordnen. Ebenso lange ging man davon aus, dass der Laacher-See-Vulkan wahrscheinlich erloschen sei. Studien der vergangenen Jahre belegen jedoch, dass dies nicht der Fall ist.

Achtung Spoiler: Die jüngste Studie des GFZ zum Vulkan, die Anfang des Monats veröffentlicht wurde und über die ich bereits einen Artikel vorbereitet habe, der Mitte August während meines Urlaubs erscheint, liefert weitere Hinweise auf den Aufstieg magmatischer Fluide entlang der Ochtendunger Störung. Diese Fluide verursacht die Reflexion von S-Wellen schwacher Erdbeben, wodurch eine Signalverdopplung entsteht. Dieses Phänomen wurde in den Erdbebendaten des Large-N-Experiments aus den Jahren 2022 und 2023 nachgewiesen.

Während des Experiments, bei dem das GFZ rund 500 mobile Seismometer einsetzte, wurden fast ebenso viele lokalisierbare Erdbeben registriert. Hinzu kam noch einmal etwa die gleiche Anzahl an Erschütterungen, deren Ursprung sich nicht präzise bestimmen ließ. Die hohe Zahl an Erdbeben, von denen offenbar nur ein kleiner Teil vom regulären seismischen Messnetz der Eifel erfasst wird, überraschte selbst die erfahrenen Geoforscher. Statistisch gesehen ereignen sich in der Osteifel durchschnittlich 2,7 schwache Erdbeben pro Tag – ein weiteres Indiz dafür, dass das Vulkanfeld alles andere als erloschen ist.

Laacher-See-Vulkan: Schwaches Erdbeben Mb 1,0 im Süden

Schwaches Erdbeben in geringer Tiefe südlich des Laacher-See-Vulkans detektiert – keine Gefahr für Anwohner

Heute Vormittag um 11:18:58 Uhr Lokalzeit registrierten Seismografen ein schwaches Erdbeben der Magnitude 1,0, dessen Epizentrum 9 Kilometer südlich des Laacher-See-Vulkans in der Vulkaneifel lag. Das EMSC bestimmte das Epizentrum mit 15 Kilometern süd-südwestlich von Andernach; tatsächlich lag es jedoch nur etwa 1 Kilometer westlich von Mayen. Ungewöhnlich an dem Erdstoß ist seine geringe Herdtiefe von nur 3 Kilometern. Normalerweise liegen die Erdbeben in dieser Eifelregion deutlich tiefer.

Laacher-See-Vulkans. © EMSC/Leaflet

Bereits am 28. April hatte es ein Mikrobeben der Magnitude 0,8 bei Ochtendung gegeben. Beide Beben dürften mit der Ochtendunger Störung assoziiert sein und könnten durch Spannungsumlagerungen infolge von Fluidbewegungen entstanden sein.

Wahrnehmungsmeldungen liegen nicht vor, und die schwachen Beben stellen keine Gefahr für die Anwohner dar. Sie sind auch nicht als Anzeichen eines bevorstehenden Vulkanausbruchs zu interpretieren. Vielmehr zeigen sie, dass es Bewegung und Spannungen im Untergrund der Vulkaneifel gibt, und weisen auf einen Magmenkörper hin, der aktiver ist, als noch vor einigen Jahren angenommen wurde.

Temperaturmessung am Laacher-See-Vulkan

Wie es der Zufall will, war ich erst am Sonntag am Laacher-See-Vulkan und wanderte mit einigen Mitgliedern unseres Vulkanvereins zu den Mofetten am Ostufer.

Mofetten in Infrarot

Der Seepegel war relativ hoch, und die Mofetten blubberten munter vor sich hin. Mit meiner kleinen Wärmebildkamera führte ich einige Temperaturmessungen durch, ohne feststellen zu können, dass die austretenden Gase wärmer als das Wasser gewesen wären. Im Gegenteil. an den Stellen, an denen die Blasen Aufsteigen war das Wasser mit ca. 6,4 Grad besonders kühl, vermutlich infolge der Wasserbewegungen.

Alle Beteiligten nahmen in Bodennähe einen leichten Geruch nach Schwefelwasserstoff wahr. Dabei blieb unklar, ob es sich um Faulgase aus dem Schlamm des Seeufers handelte oder ob das Gas den Mofetten entströmte. Auszuschließen ist jedoch, dass es sich um Einbildung handelte.

Gasuntersuchungen von Geoforschern haben bislang keinen Schwefelwasserstoff in den Proben nachgewiesen. Hauptsächlich wird Kohlendioxid emittiert, ergänzt durch Spuren von Helium, Argon, Stickstoff, Sauerstoff und Methan. Diese Spurengase belegen den magmatischen Ursprung der Emissionen.

Deutschland: Erdbeben im April

Mehrere Erdbeben im Süden und in der Mitte Westdeutschlands – stärkste Erschütterung Mb 2,6

Seit einigen Tagen wird im Süden und in der Mitte des Westens Deutschlands eine leicht erhöhte Erdbebenaktivität registriert. Das bislang stärkste Erdbeben manifestierte sich am 7. April: Es hatte eine Magnitude von 2,6 und eine Herdtiefe von nur 5200 m, weshalb es im näheren Umkreis des Epizentrums gespürt wurde. Dieses lag im Grenzgebiet zur Schweiz, 14 km östlich von Lörrach. In der Region des Alpenvorlands manifestierten sich heute zwei weitere Erdbeben Mb 1,5. 

Deutschland. © EMSC/Leaflet

Weiter nördlich im Breisgau bei Freiburg und dem angrenzenden Gebiet in der Schweiz ereigneten sich im Wochenverlauf 5 Mikrobeben mit Magnituden kleiner als 1. Die Erschütterungen dürften mit Spannungsabbau entlang lokaler Störungszonen zusammengehangen haben.

Im Kontext von Vulkane.net sind die Mikrobeben in der Osteifel von besonderem Interesse, die infolge von Fluidbewegungen entlang von Störungszonen entstanden sein könnten. Hier gab es südwestlich des Laacher-See-Vulkans 2 Mikroben. Das jüngste ereignete sich gestern und brachte es auf Mb 0,8 in 11 Kilometern Tiefe. Das andere Beben wurde am 7. April registriert und hatte eine Magnitude von 0,5 in 10 km Tiefe. Beide Beben lagen im Bereich der Ochtendunger-Störung, die mit dem schräg im Boden sitzenden Magmenkörper unter dem Laacher-See-Vulkan interagiert. Die Beben deuten aber nicht auf einen bevorstehenden Vulkanausbruch hin, sondern zeigen, dass der tiefe Untergrund magmatotektonisch aktiv ist.

Ein Blick in unsere Nachbarländer zeigt, dass es auch hier Seismizität gibt, die zum Teil sogar deutlich stärker ist, als es bei uns der Fall ist. Besonders erwähnen möchte ich die Beben in Frankreich, wo es in den letzten Wochen öfter bebte. Besonders betroffen ist die Vulkanprovinz des Zentralmassivs bei Clermont-Ferrand Die Region ist auch als Auvergne bekannt und von besonderem landschaftlichen Reiz. Hier wurden in der letzten Woche drei Beben mit Magnituden im Zweierbereich registriert.

Deutschland: Erdbeben Mb 1,4 nahe Laacher See Vulkan

Schwaches Erdbeben Mb 1,4 südöstlich des Laacher-See-Vulkans

Datum: 18.03.2026 | Zeit: 10:07:33 UTC | Koordinaten: 50.366 ; 7.483 | Tiefe: 10 km | Mb 1,4

Heute Vormittag wurde in Rheinland-Pfalz ein schwaches Erdbeben registriert. Das Beben manifestierte sich um 11:07 Uhr Ortszeit und erreichte nach vorläufigen Angaben eine Magnitude von 1,4. Das Epizentrum lag etwa 7 Kilometer westlich von Koblenz in einer Tiefe von 10 Kilometern. Aufgrund der geringen Stärke blieb das Beben von der Bevölkerung unbemerkt und wurde ausschließlich durch seismische Messstationen erfasst.

map laacher see
Laacher See

Die betroffene Region gehört zur vulkanisch geprägten Osteifel, einem Gebiet, das vom Calderasee des Laacher-See-Vulkans dominiert wird, der vor etwa 12.900 Jahren durch eine der größten bekannten Eruptionen Mitteleuropas entstand. Auch heute noch zeugen Gasaustritte und geophysikalische Messungen von anhaltenden magmatischen Prozessen im Untergrund.

Das Erdbeben steht sehr wahrscheinlich im Zusammenhang mit der regionalen Tektonik und könnte von einem magmatischen Fluid ausgelöst worden sein, das dem Magmenkörper unter dem Laacher-See-Vulkan entströmt. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Ochtendunger Störung, die Spannungen aufnimmt und wieder freisetzt. Solche Störungen sind typische Auslöser für schwächere seismische Ereignisse wie das heutige.

Die Eifel ist ein klassisches Beispiel für eine sogenannte vulkanotektonische Region. Hier überlagern sich tektonische Spannungsfelder mit Prozessen aus dem tieferen Erdinneren. Unter der Region wird ein aufsteigender Bereich heißen Mantelmaterials vermutet, der zur Bildung von Magma und zum Austritt von Gasen wie Kohlendioxid führt. Diese Prozesse können die Stabilität der Erdkruste beeinflussen und in Kombination mit bestehenden Störungszonen kleine Erdbeben auslösen.

Das aktuelle Ereignis war aber nicht das einzige Erdbeben, das Rheinland-Pfalz und angrenzende Regionen in den letzten Tagen erschütterte Südlich der Mosel gab es weitere schwache Erschütterungen. Das stärkste Erdbeben der letzten Tage hatte sein Epizentrum hinter der belgischen Grenze und brachte es am 16. März auf Mb 3,0 mit einer Herdtiefe von 16 km. Dieser Erdstoß wurde von den Anwohnern der Region gespürt.

Laacher-See-Vulkan: 2 schwache Erdbeben in der Nähe

Zwei schwache Erdbeben nahe am Laacher-See-Vulkan detektiert – keines der Beben war spürbar

In der Nähe des Laacher-See-Vulkans in der Vulkaneifel ereigneten sich seit gestern Abend, dem 26. Februar, zwei schwache Erdbeben. Der erste Erdstoß fand gestern Abend um 17:48:46 UTC in einer Tiefe von ca. 10 Kilometern statt und hatte eine Magnitude von 1,2. Das Epizentrum wurde vom EMSC nördlich des Laacher Sees lokalisiert und lag 4 km ostsüdöstlich von Bad Neuenahr-Ahrweiler und 24 km südsüdöstlich von Bonn. Wenige Stunden später, um 22:26:51 UTC, folgte ein weiteres Beben mit einer Magnitude von 0,5, ebenfalls in 10 km Tiefe. Dieses lag südlich des Vulkans, etwa 16 km westlich von Koblenz und 10 km südwestlich von Neuwied. Beide Beben waren sehr schwach und dürften von der Bevölkerung nicht gespürt worden sein.

Laacher-See-Vulkan. © EMSC/ Leaflet

Das erste Beben ereignete sich nicht eindeutig in der direkten Einflusssphäre des Laacher-See-Vulkans, könnte aber dennoch an einer Störung gelegen haben, die auf magmatische Prozesse im Untergrund angesprungen ist. Das zweite Erdstößchen lag unter dem Korretsberg bei Kruft, ca. 6 Kilometer südöstlich vom Laacher-See-Vulkan. Beim Korretsberg, der direkt neben einem Lavatagebau liegt, handelt es sich um einen Schlackenkegel, der deutlich älter als der Laacher-See-Vulkan ist und aus einer früheren – überwiegend effusiven – Eruptionsphase des Vulkanfelds der Osteifel stammt. Dennoch wird die Region südöstlich des Laacher-See-Vulkans heute von dessen Magmenkörper dominiert, der in der Tiefe schräg in die Richtung des Korretsbergs einfällt. Demnach könnten Erdbeben hier direkt von magmatischen Fluiden ausgelöst werden, die von diesem Magmenkörper aus aufsteigen.

Geologischer Hintergrund der Region

Der Laacher See ist die wassergefüllte Caldera eines Vulkans, dessen letzte große Eruption vor rund 13.000 Jahren stattfand. Er gehört zum quartären Vulkanfeld der Vulkaneifel, das Teil des Rheinischen Schiefergebirges ist. Die Region ist bis heute vulkanisch nicht erloschen, sondern gilt als ruhend. Hinweise auf magmatische Aktivität im Untergrund finden sich nicht nur in Erdbeben, sondern auch in Mofetten (CO₂-Austritte) im Bereich des Laacher Sees.

Vier schwache Erdbeben südlich vom Laacher-See-Vulkan

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Eislöcher um Gasaustritte der Mofetten am Laacher-See-Vulkan. © Marc Szeglat

Vier schwache Erdbeben erschütterten Vulkaneifel südlich des Laacher-See-Vulkans

Datum: 19.02.2026 | Zeit: 09:07:15 UTC | Koordinaten: 50.319 ; 7.356 | Tiefe: 14 km | Mb 1,0

Am Morgen des 19. Februars wurde die Region bei Ochtendung südlich des Laacher-See-Vulkans in der Vulkaneifel von 4 schwachen Erdbeben erschüttert. Die erste Erschütterung mit einer Magnitude von 1,0 manifestierte sich um 09:07:15 UTC in einer Tiefe von 14 Kilometern und wurde vom EMSC 13 km südlich von Andernach und 16 km west-südwestlich von Koblenz verortet. Der Ort Ochtendung liegt 4 Kilometer nordöstlich des Epizentrums. Der Laacher See befindet sich ca. 10,5 Kilometer nördlich. Innerhalb von gut einer Stunde folgten 3 weitere Erschütterungen mit Magnituden zwischen 1,0 und 0,5. Die Herdtiefen lagen im gleichen Bereich wie bei dem ersten Beben.

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Vulkaneifel. © EMSC, Leaflet

Tiefe und Lage der Beben lassen vermuten, dass es sich erneut um fluidgetriggerte Beben im Bereich der Ochtendunger Störung handelt, die in der Tiefe den Magmenkörper des Laacher-See-Vulkans tangiert. Vermutlich steigen Gase und unter starkem hydrostatischen Druck stehende Flüssigkeiten auf, die Spannungen erzeugen, die sich in den Erschütterungen und Vibrationen entladen. Die Fluide entstammen dem Magmenkörper, von dem kürzlich nachgewiesen wurde, dass er aktiver ist als bislang vermutet wurde und einen Schmelzanteil enthält.

Die Mofetten im Laacher See sind ein weiteres Zeugnis dieses Fluidaufstiegs. Aus ihnen entweicht Kohlendioxid, das auch andere magmatische Gase und Spurenelemente wie Radon an die Erdoberfläche strömen lässt, die lange vor Schwefeldioxid die Oberfläche erreichen. Gasaustritte gibt es aber nicht nur im Wasser des Laacher Sees, sondern auch an Land und sogar im Rhein bei Andernach. Das verdeutlicht die Einflusssphäre des Magmenkörpers unter dem See-Vulkan.

Einen Vulkanausbruch brauchen die Eifler aber vorerst nicht zu fürchten. Noch ist nicht ganz klar, in welchem Tempo sich der Magmenkörper in der Tiefe aufheizt, auch wenn inzwischen klar zu sein scheint, dass er es tut, denn eine neue Studie belegte, dass die entströmenden Gase innerhalb von 4 Jahren um 0,1 Grad wärmer geworden sind. Wahrscheinlich gehen Jahrzehnte oder Jahrhunderte ins Land, bis die Situation ein kritisches Stadium erreicht, sofern der Aufheizungsprozess nicht wieder stoppt. Dass es zu einem plötzlichen Magmenaufstieg mit wenig oder gar keiner Vorwarnzeit kommt, so wie es 2007 nach 9500 Jahren der Ruhe am Chaitén in Chile geschah, ist zwar nicht völlig ausgeschlossen, doch extrem unwahrscheinlich.

Vulkaneifel: Messungen bestätigen magmatischen Einfluss

Eifel unter Beobachtung: Was verraten Gase und Quellen über Magma unter dem Laacher-See-Vulkan?

Unter der malerischen Vulkanlandschaft der Eifel brodelt es – dieses Brodeln verursacht nicht nur fortlaufende Erdbeben, sondern erreicht in Form von kalten Gasaustritten an Mofetten und sauren Mineralquellen die Erdoberfläche. Diese Erscheinungen spiegeln in gewisser Weise tiefe magmatische Prozesse wider, die im Zusammenhang mit dem Eifel-Mantelplume und sogar einem flacher liegenden Magmenkörper unter dem Laacher-See-Vulkan stehen. Eine neue Studie von Forschern des GFZ-Potsdam zeigt, wie sich Gase und mineralische Wässer an der Oberfläche verändern und was das über Prozesse tief in der Erdkruste und im oberen Mantel verrät.

Seit 2020 betreiben die Forscher zwölf Messstationen an CO₂-Quellen, Mofetten, Brunnen und sogar in einem Keller nahe des Laacher Sees. Die Sensoren zeichnen Druck und Temperatur der Fluide auf und können ihre chemische Zusammensetzung teils in Echtzeit analysieren. Besonders aufmerksam werden Elemente und Verbindungen untersucht, wie sie typischerweise dem Boden in aktiven Vulkangebieten entströmen: Kohlendioxid, Radon und – hier besonders aufschlussreich – Helium, dessen Isotope Hinweise auf die Tiefe eines Magmenkörpers liefern können.

Anstoß für die Installationen des neuen Messsystems lieferte die zunehmende Seismizität der Osteifel bzw. der Umstand, dass nach dem Ausbruch des seismischen Netzwerkes viele Erdbeben detektiert wurden, die früher entgangen sind oder die es erst seit kurzer Zeit gibt. Besonders im Fokus wissenschaftlicher Aufmerksamkeit stehen Erdbeben, die sich südöstlich des Laacher Sees manifestieren: Hier treten Schwärme ungewöhnlich tiefer, niederfrequenter Erdbeben auf. Diese sogenannten DLF-Beben ziehen sich wie an einer „Leitung“ von mehr als 40 Kilometern Tiefe bis in die obere Erdkruste. Seismologen deuten sie als Zeichen aktiver magmatischer Fluidströme – also Gase wie CO₂ und Tiefenwässer, möglicherweise sogar Schmelzen, die aus dem Erdmantel aufsteigen. Hier setzt die neue Messstrategie an: Wenn sich magmatische Fluide bewegen, ändern sich Zusammensetzung und Fluss der Gase an der Oberfläche.

Wichtige Voraussetzung für die Interpretation der Messdaten war es, eine mehrjährige Datenbasis zu schaffen, anhand derer man etwaige saisonale und meteorologische Einflüsse auf die Fluide feststellen konnte, damit man sie von den relevanten Änderungen in der Tiefe unterscheiden konnte.

Die Ergebnisse sind auf den ersten Blick subtil, bergen aber eine gewisse Brisanz: An zwei Messstationen zeigen sich über mehrere Jahre hinweg klare Veränderungstrends: Das Verhältnis der Helium-Isotope (3He/4He) nimmt zu. Parallel steigen Radon-Konzentrationen und Wassertemperaturen. An der Messstation Elisabethbrunnen nahm die Temperatur im Verlauf von vier Jahren um 0,2 Grad zu. Besonders aufschlussreich ist ein Ort nahe der Ochtendung-Störungszone, ein Hotspot der DLF-Erdbeben: Dort wuchs der Anteil an Helium, der auf wachsenden magmatischen Einfluss aus dem Erdmantel Richtung Erdkruste hindeutet, zwischen 2021 und 2025 um rund zehn Prozent – zeitgleich mit einer Migration tiefer Erdbebenschwärme Richtung Oberfläche. Die Forscher interpretieren das als Hinweis auf neu geschaffene oder verbesserte Aufstiegswege im Gestein: Frische Risse und erhöhte Durchlässigkeit lassen Mantelfluide schneller zur Oberfläche gelangen, ohne stark „verdünnt“ zu werden.

Für den Laacher-See-Vulkan bedeutet das keine akute Ausbruchsgefahr, dennoch zeugen die Veränderungen von einem aktiven magmatischen System. Die Grundvoraussetzung, dass es in ferner Zukunft weitere Vulkanausbrüche in der Region geben könnte. Die gemessenen Trends ähneln Mustern, die an anderen Vulkanen Jahre vor Eruptionen beobachtet wurden. In der Eifel verlaufen diese Prozesse deutlich langsamer und schwächer, doch sie belegen eine anhaltende Kopplung zwischen tiefem Mantel, Störungszonen und Oberflächenentgasung. Die Studie liefert damit ein neues Frühwarninstrument. Je länger das Netzwerk misst, desto klarer wird, ob die Eifel nur leise gärt – oder ob sich ihr magmatisches System reorganisiert und auflädt.

(Quelle: Woith, H., Riße, A., Strauch, B., Zimmer, M., Niedermann, S., Schmidt, B., & Dahm, T. (2026). Results of the first real-time monitoring of CO₂-rich mineral waters and mofettes in the volcanic fields of the Eifel. International Journal of Earth Sciences, 115, Article 10.  doi.org/10.1007/s00531-026-02559-w)