Laacher-See-Vulkan: Schwaches Erdbeben Mb 1,0 im Süden

Schwaches Erdbeben in geringer Tiefe südlich des Laacher-See-Vulkans detektiert – keine Gefahr für Anwohner

Heute Vormittag um 11:18:58 Uhr Lokalzeit registrierten Seismografen ein schwaches Erdbeben der Magnitude 1,0, dessen Epizentrum 9 Kilometer südlich des Laacher-See-Vulkans in der Vulkaneifel lag. Das EMSC bestimmte das Epizentrum mit 15 Kilometern süd-südwestlich von Andernach; tatsächlich lag es jedoch nur etwa 1 Kilometer westlich von Mayen. Ungewöhnlich an dem Erdstoß ist seine geringe Herdtiefe von nur 3 Kilometern. Normalerweise liegen die Erdbeben in dieser Eifelregion deutlich tiefer.


Laacher-See-Vulkans. © EMSC/Leaflet

Bereits am 28. April hatte es ein Mikrobeben der Magnitude 0,8 bei Ochtendung gegeben. Beide Beben dürften mit der Ochtendunger Störung assoziiert sein und könnten durch Spannungsumlagerungen infolge von Fluidbewegungen entstanden sein.

Wahrnehmungsmeldungen liegen nicht vor, und die schwachen Beben stellen keine Gefahr für die Anwohner dar. Sie sind auch nicht als Anzeichen eines bevorstehenden Vulkanausbruchs zu interpretieren. Vielmehr zeigen sie, dass es Bewegung und Spannungen im Untergrund der Vulkaneifel gibt, und weisen auf einen Magmenkörper hin, der aktiver ist, als noch vor einigen Jahren angenommen wurde.

Temperaturmessung am Laacher-See-Vulkan

Wie es der Zufall will, war ich erst am Sonntag am Laacher-See-Vulkan und wanderte mit einigen Mitgliedern unseres Vulkanvereins zu den Mofetten am Ostufer.

Mofetten in Infrarot

Der Seepegel war relativ hoch, und die Mofetten blubberten munter vor sich hin. Mit meiner kleinen Wärmebildkamera führte ich einige Temperaturmessungen durch, ohne feststellen zu können, dass die austretenden Gase wärmer als das Wasser gewesen wären. Im Gegenteil. an den Stellen, an denen die Blasen Aufsteigen war das Wasser mit ca. 6,4 Grad besonders kühl, vermutlich infolge der Wasserbewegungen.

Alle Beteiligten nahmen in Bodennähe einen leichten Geruch nach Schwefelwasserstoff wahr. Dabei blieb unklar, ob es sich um Faulgase aus dem Schlamm des Seeufers handelte oder ob das Gas den Mofetten entströmte. Auszuschließen ist jedoch, dass es sich um Einbildung handelte.

Gasuntersuchungen von Geoforschern haben bislang keinen Schwefelwasserstoff in den Proben nachgewiesen. Hauptsächlich wird Kohlendioxid emittiert, ergänzt durch Spuren von Helium, Argon, Stickstoff, Sauerstoff und Methan. Diese Spurengase belegen den magmatischen Ursprung der Emissionen.

Deutschland: Erdbeben im April

Mehrere Erdbeben im Süden und in der Mitte Westdeutschlands – stärkste Erschütterung Mb 2,6

Seit einigen Tagen wird im Süden und in der Mitte des Westens Deutschlands eine leicht erhöhte Erdbebenaktivität registriert. Das bislang stärkste Erdbeben manifestierte sich am 7. April: Es hatte eine Magnitude von 2,6 und eine Herdtiefe von nur 5200 m, weshalb es im näheren Umkreis des Epizentrums gespürt wurde. Dieses lag im Grenzgebiet zur Schweiz, 14 km östlich von Lörrach. In der Region des Alpenvorlands manifestierten sich heute zwei weitere Erdbeben Mb 1,5. 

Deutschland. © EMSC/Leaflet

Weiter nördlich im Breisgau bei Freiburg und dem angrenzenden Gebiet in der Schweiz ereigneten sich im Wochenverlauf 5 Mikrobeben mit Magnituden kleiner als 1. Die Erschütterungen dürften mit Spannungsabbau entlang lokaler Störungszonen zusammengehangen haben.

Im Kontext von Vulkane.net sind die Mikrobeben in der Osteifel von besonderem Interesse, die infolge von Fluidbewegungen entlang von Störungszonen entstanden sein könnten. Hier gab es südwestlich des Laacher-See-Vulkans 2 Mikroben. Das jüngste ereignete sich gestern und brachte es auf Mb 0,8 in 11 Kilometern Tiefe. Das andere Beben wurde am 7. April registriert und hatte eine Magnitude von 0,5 in 10 km Tiefe. Beide Beben lagen im Bereich der Ochtendunger-Störung, die mit dem schräg im Boden sitzenden Magmenkörper unter dem Laacher-See-Vulkan interagiert. Die Beben deuten aber nicht auf einen bevorstehenden Vulkanausbruch hin, sondern zeigen, dass der tiefe Untergrund magmatotektonisch aktiv ist.

Ein Blick in unsere Nachbarländer zeigt, dass es auch hier Seismizität gibt, die zum Teil sogar deutlich stärker ist, als es bei uns der Fall ist. Besonders erwähnen möchte ich die Beben in Frankreich, wo es in den letzten Wochen öfter bebte. Besonders betroffen ist die Vulkanprovinz des Zentralmassivs bei Clermont-Ferrand Die Region ist auch als Auvergne bekannt und von besonderem landschaftlichen Reiz. Hier wurden in der letzten Woche drei Beben mit Magnituden im Zweierbereich registriert.

Deutschland: Erdbeben Mb 1,4 nahe Laacher See Vulkan

Schwaches Erdbeben Mb 1,4 südöstlich des Laacher-See-Vulkans

Datum: 18.03.2026 | Zeit: 10:07:33 UTC | Koordinaten: 50.366 ; 7.483 | Tiefe: 10 km | Mb 1,4

Heute Vormittag wurde in Rheinland-Pfalz ein schwaches Erdbeben registriert. Das Beben manifestierte sich um 11:07 Uhr Ortszeit und erreichte nach vorläufigen Angaben eine Magnitude von 1,4. Das Epizentrum lag etwa 7 Kilometer westlich von Koblenz in einer Tiefe von 10 Kilometern. Aufgrund der geringen Stärke blieb das Beben von der Bevölkerung unbemerkt und wurde ausschließlich durch seismische Messstationen erfasst.

map laacher see
Laacher See

Die betroffene Region gehört zur vulkanisch geprägten Osteifel, einem Gebiet, das vom Calderasee des Laacher-See-Vulkans dominiert wird, der vor etwa 12.900 Jahren durch eine der größten bekannten Eruptionen Mitteleuropas entstand. Auch heute noch zeugen Gasaustritte und geophysikalische Messungen von anhaltenden magmatischen Prozessen im Untergrund.

Das Erdbeben steht sehr wahrscheinlich im Zusammenhang mit der regionalen Tektonik und könnte von einem magmatischen Fluid ausgelöst worden sein, das dem Magmenkörper unter dem Laacher-See-Vulkan entströmt. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Ochtendunger Störung, die Spannungen aufnimmt und wieder freisetzt. Solche Störungen sind typische Auslöser für schwächere seismische Ereignisse wie das heutige.

Die Eifel ist ein klassisches Beispiel für eine sogenannte vulkanotektonische Region. Hier überlagern sich tektonische Spannungsfelder mit Prozessen aus dem tieferen Erdinneren. Unter der Region wird ein aufsteigender Bereich heißen Mantelmaterials vermutet, der zur Bildung von Magma und zum Austritt von Gasen wie Kohlendioxid führt. Diese Prozesse können die Stabilität der Erdkruste beeinflussen und in Kombination mit bestehenden Störungszonen kleine Erdbeben auslösen.

Das aktuelle Ereignis war aber nicht das einzige Erdbeben, das Rheinland-Pfalz und angrenzende Regionen in den letzten Tagen erschütterte Südlich der Mosel gab es weitere schwache Erschütterungen. Das stärkste Erdbeben der letzten Tage hatte sein Epizentrum hinter der belgischen Grenze und brachte es am 16. März auf Mb 3,0 mit einer Herdtiefe von 16 km. Dieser Erdstoß wurde von den Anwohnern der Region gespürt.

Laacher-See-Vulkan: 2 schwache Erdbeben in der Nähe

Zwei schwache Erdbeben nahe am Laacher-See-Vulkan detektiert – keines der Beben war spürbar

In der Nähe des Laacher-See-Vulkans in der Vulkaneifel ereigneten sich seit gestern Abend, dem 26. Februar, zwei schwache Erdbeben. Der erste Erdstoß fand gestern Abend um 17:48:46 UTC in einer Tiefe von ca. 10 Kilometern statt und hatte eine Magnitude von 1,2. Das Epizentrum wurde vom EMSC nördlich des Laacher Sees lokalisiert und lag 4 km ostsüdöstlich von Bad Neuenahr-Ahrweiler und 24 km südsüdöstlich von Bonn. Wenige Stunden später, um 22:26:51 UTC, folgte ein weiteres Beben mit einer Magnitude von 0,5, ebenfalls in 10 km Tiefe. Dieses lag südlich des Vulkans, etwa 16 km westlich von Koblenz und 10 km südwestlich von Neuwied. Beide Beben waren sehr schwach und dürften von der Bevölkerung nicht gespürt worden sein.

Laacher-See-Vulkan. © EMSC/ Leaflet

Das erste Beben ereignete sich nicht eindeutig in der direkten Einflusssphäre des Laacher-See-Vulkans, könnte aber dennoch an einer Störung gelegen haben, die auf magmatische Prozesse im Untergrund angesprungen ist. Das zweite Erdstößchen lag unter dem Korretsberg bei Kruft, ca. 6 Kilometer südöstlich vom Laacher-See-Vulkan. Beim Korretsberg, der direkt neben einem Lavatagebau liegt, handelt es sich um einen Schlackenkegel, der deutlich älter als der Laacher-See-Vulkan ist und aus einer früheren – überwiegend effusiven – Eruptionsphase des Vulkanfelds der Osteifel stammt. Dennoch wird die Region südöstlich des Laacher-See-Vulkans heute von dessen Magmenkörper dominiert, der in der Tiefe schräg in die Richtung des Korretsbergs einfällt. Demnach könnten Erdbeben hier direkt von magmatischen Fluiden ausgelöst werden, die von diesem Magmenkörper aus aufsteigen.

Geologischer Hintergrund der Region

Der Laacher See ist die wassergefüllte Caldera eines Vulkans, dessen letzte große Eruption vor rund 13.000 Jahren stattfand. Er gehört zum quartären Vulkanfeld der Vulkaneifel, das Teil des Rheinischen Schiefergebirges ist. Die Region ist bis heute vulkanisch nicht erloschen, sondern gilt als ruhend. Hinweise auf magmatische Aktivität im Untergrund finden sich nicht nur in Erdbeben, sondern auch in Mofetten (CO₂-Austritte) im Bereich des Laacher Sees.

Vier schwache Erdbeben südlich vom Laacher-See-Vulkan

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Eislöcher um Gasaustritte der Mofetten am Laacher-See-Vulkan. © Marc Szeglat

Vier schwache Erdbeben erschütterten Vulkaneifel südlich des Laacher-See-Vulkans

Datum: 19.02.2026 | Zeit: 09:07:15 UTC | Koordinaten: 50.319 ; 7.356 | Tiefe: 14 km | Mb 1,0

Am Morgen des 19. Februars wurde die Region bei Ochtendung südlich des Laacher-See-Vulkans in der Vulkaneifel von 4 schwachen Erdbeben erschüttert. Die erste Erschütterung mit einer Magnitude von 1,0 manifestierte sich um 09:07:15 UTC in einer Tiefe von 14 Kilometern und wurde vom EMSC 13 km südlich von Andernach und 16 km west-südwestlich von Koblenz verortet. Der Ort Ochtendung liegt 4 Kilometer nordöstlich des Epizentrums. Der Laacher See befindet sich ca. 10,5 Kilometer nördlich. Innerhalb von gut einer Stunde folgten 3 weitere Erschütterungen mit Magnituden zwischen 1,0 und 0,5. Die Herdtiefen lagen im gleichen Bereich wie bei dem ersten Beben.

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Vulkaneifel. © EMSC, Leaflet

Tiefe und Lage der Beben lassen vermuten, dass es sich erneut um fluidgetriggerte Beben im Bereich der Ochtendunger Störung handelt, die in der Tiefe den Magmenkörper des Laacher-See-Vulkans tangiert. Vermutlich steigen Gase und unter starkem hydrostatischen Druck stehende Flüssigkeiten auf, die Spannungen erzeugen, die sich in den Erschütterungen und Vibrationen entladen. Die Fluide entstammen dem Magmenkörper, von dem kürzlich nachgewiesen wurde, dass er aktiver ist als bislang vermutet wurde und einen Schmelzanteil enthält.

Die Mofetten im Laacher See sind ein weiteres Zeugnis dieses Fluidaufstiegs. Aus ihnen entweicht Kohlendioxid, das auch andere magmatische Gase und Spurenelemente wie Radon an die Erdoberfläche strömen lässt, die lange vor Schwefeldioxid die Oberfläche erreichen. Gasaustritte gibt es aber nicht nur im Wasser des Laacher Sees, sondern auch an Land und sogar im Rhein bei Andernach. Das verdeutlicht die Einflusssphäre des Magmenkörpers unter dem See-Vulkan.

Einen Vulkanausbruch brauchen die Eifler aber vorerst nicht zu fürchten. Noch ist nicht ganz klar, in welchem Tempo sich der Magmenkörper in der Tiefe aufheizt, auch wenn inzwischen klar zu sein scheint, dass er es tut, denn eine neue Studie belegte, dass die entströmenden Gase innerhalb von 4 Jahren um 0,1 Grad wärmer geworden sind. Wahrscheinlich gehen Jahrzehnte oder Jahrhunderte ins Land, bis die Situation ein kritisches Stadium erreicht, sofern der Aufheizungsprozess nicht wieder stoppt. Dass es zu einem plötzlichen Magmenaufstieg mit wenig oder gar keiner Vorwarnzeit kommt, so wie es 2007 nach 9500 Jahren der Ruhe am Chaitén in Chile geschah, ist zwar nicht völlig ausgeschlossen, doch extrem unwahrscheinlich.

Vulkaneifel: Messungen bestätigen magmatischen Einfluss

Eifel unter Beobachtung: Was verraten Gase und Quellen über Magma unter dem Laacher-See-Vulkan?

Unter der malerischen Vulkanlandschaft der Eifel brodelt es – dieses Brodeln verursacht nicht nur fortlaufende Erdbeben, sondern erreicht in Form von kalten Gasaustritten an Mofetten und sauren Mineralquellen die Erdoberfläche. Diese Erscheinungen spiegeln in gewisser Weise tiefe magmatische Prozesse wider, die im Zusammenhang mit dem Eifel-Mantelplume und sogar einem flacher liegenden Magmenkörper unter dem Laacher-See-Vulkan stehen. Eine neue Studie von Forschern des GFZ-Potsdam zeigt, wie sich Gase und mineralische Wässer an der Oberfläche verändern und was das über Prozesse tief in der Erdkruste und im oberen Mantel verrät.

Seit 2020 betreiben die Forscher zwölf Messstationen an CO₂-Quellen, Mofetten, Brunnen und sogar in einem Keller nahe des Laacher Sees. Die Sensoren zeichnen Druck und Temperatur der Fluide auf und können ihre chemische Zusammensetzung teils in Echtzeit analysieren. Besonders aufmerksam werden Elemente und Verbindungen untersucht, wie sie typischerweise dem Boden in aktiven Vulkangebieten entströmen: Kohlendioxid, Radon und – hier besonders aufschlussreich – Helium, dessen Isotope Hinweise auf die Tiefe eines Magmenkörpers liefern können.

Anstoß für die Installationen des neuen Messsystems lieferte die zunehmende Seismizität der Osteifel bzw. der Umstand, dass nach dem Ausbruch des seismischen Netzwerkes viele Erdbeben detektiert wurden, die früher entgangen sind oder die es erst seit kurzer Zeit gibt. Besonders im Fokus wissenschaftlicher Aufmerksamkeit stehen Erdbeben, die sich südöstlich des Laacher Sees manifestieren: Hier treten Schwärme ungewöhnlich tiefer, niederfrequenter Erdbeben auf. Diese sogenannten DLF-Beben ziehen sich wie an einer „Leitung“ von mehr als 40 Kilometern Tiefe bis in die obere Erdkruste. Seismologen deuten sie als Zeichen aktiver magmatischer Fluidströme – also Gase wie CO₂ und Tiefenwässer, möglicherweise sogar Schmelzen, die aus dem Erdmantel aufsteigen. Hier setzt die neue Messstrategie an: Wenn sich magmatische Fluide bewegen, ändern sich Zusammensetzung und Fluss der Gase an der Oberfläche.

Wichtige Voraussetzung für die Interpretation der Messdaten war es, eine mehrjährige Datenbasis zu schaffen, anhand derer man etwaige saisonale und meteorologische Einflüsse auf die Fluide feststellen konnte, damit man sie von den relevanten Änderungen in der Tiefe unterscheiden konnte.

Die Ergebnisse sind auf den ersten Blick subtil, bergen aber eine gewisse Brisanz: An zwei Messstationen zeigen sich über mehrere Jahre hinweg klare Veränderungstrends: Das Verhältnis der Helium-Isotope (3He/4He) nimmt zu. Parallel steigen Radon-Konzentrationen und Wassertemperaturen. An der Messstation Elisabethbrunnen nahm die Temperatur im Verlauf von vier Jahren um 0,2 Grad zu. Besonders aufschlussreich ist ein Ort nahe der Ochtendung-Störungszone, ein Hotspot der DLF-Erdbeben: Dort wuchs der Anteil an Helium, der auf wachsenden magmatischen Einfluss aus dem Erdmantel Richtung Erdkruste hindeutet, zwischen 2021 und 2025 um rund zehn Prozent – zeitgleich mit einer Migration tiefer Erdbebenschwärme Richtung Oberfläche. Die Forscher interpretieren das als Hinweis auf neu geschaffene oder verbesserte Aufstiegswege im Gestein: Frische Risse und erhöhte Durchlässigkeit lassen Mantelfluide schneller zur Oberfläche gelangen, ohne stark „verdünnt“ zu werden.

Für den Laacher-See-Vulkan bedeutet das keine akute Ausbruchsgefahr, dennoch zeugen die Veränderungen von einem aktiven magmatischen System. Die Grundvoraussetzung, dass es in ferner Zukunft weitere Vulkanausbrüche in der Region geben könnte. Die gemessenen Trends ähneln Mustern, die an anderen Vulkanen Jahre vor Eruptionen beobachtet wurden. In der Eifel verlaufen diese Prozesse deutlich langsamer und schwächer, doch sie belegen eine anhaltende Kopplung zwischen tiefem Mantel, Störungszonen und Oberflächenentgasung. Die Studie liefert damit ein neues Frühwarninstrument. Je länger das Netzwerk misst, desto klarer wird, ob die Eifel nur leise gärt – oder ob sich ihr magmatisches System reorganisiert und auflädt.

(Quelle: Woith, H., Riße, A., Strauch, B., Zimmer, M., Niedermann, S., Schmidt, B., & Dahm, T. (2026). Results of the first real-time monitoring of CO₂-rich mineral waters and mofettes in the volcanic fields of the Eifel. International Journal of Earth Sciences, 115, Article 10.  doi.org/10.1007/s00531-026-02559-w)

Laacher-See-Vulkan: 4 Erdbeben auf Wochensicht

Schwache Erdbeben unter der Osteifel: Fluidgesteuerte Spannungen im Einflussbereich des Laacher-See-Vulkans

Datum: 02.02.2026 | Zeit: 11:17:57 UTC | Koordinaten 50.323 ; 7.434 | Tiefe: 13 km | Mb 0,8

Heute Vormittag manifestierte sich südöstlich des Laacher-See-Vulkans in der Osteifel ein schwacher Erdstoß der Magnitude 0,8. Das Mikrobeben wurde um 11:17:57 UTC in 13 Kilometern Tiefe detektiert und vom EMSC 11 km west-südwestlich von Koblenz verortet. Tatsächlich lag es im Bereich von Ochtendung, der uns nicht nur wegen seiner Nähe zum Laacher See bekannt ist, sondern auch wegen der Ochtendunger Störung. Im Wochenverlauf gab es in dem Areal des Vulkanfelds der Osteifel 4 Mikrobeben mit den Magnituden zwischen 0,5 und 1,2, wobei sich letztgenanntes Beben am 29. Januar in einer Tiefe von 13 km bei Plaidt ereignete. Die Beben passen in das Muster fluidinduzierter Erschütterungen an Störungszonen im Randbereich des Laacher-See-Vulkans.

Laacher-See-Vulkan. ©: EMSC/Leaflet

Die Beben lagen innerhalb jenes Tiefenbereichs, der in der Osteifel als Übergangszone zwischen spröder Erdkruste und tieferliegenden magmatischen Systemen gilt. Solche Erdbeben sind in der Region nicht ungewöhnlich und werden seit Jahren immer wieder detektiert, wobei es in den letzten Monaten zu einer Häufung der Erdbeben gekommen ist.

Der Laacher-See-Vulkan ist kein erloschener, sondern ein ruhender Vulkan. Geophysikalische Untersuchungen zeigen, dass sich unter der Osteifel in Tiefen von etwa 15 bis 45 Kilometern ein teilweise aufgeschmolzener Mantelbereich befindet. Von dort steigen immer wieder magmatische Fluide auf, die die Erdkruste schwächen und tektonische Spannungen umlagern. Neue Studien belegen sogar einen Magmenkörper mit einem Schmelzanteil direkt unter dem Laacher-See-Vulkan. Er fällt von Nordwesten in Richtung Südosten schräg ein und dringt in der Tiefe relativ weit in Richtung Ochtendung vor. Vermutlich steigen vom unteren Ende des Magmenkörpers Fluide entlang der Störung auf und verursachen die Beben.

Geowissenschaftler gehen davon aus, dass Einzelereignisse geringer Magnituden kein Hinweis auf einen bevorstehenden Vulkanausbruch sind. Sie liefern jedoch wichtige Daten, um die dynamischen Prozesse im Untergrund besser zu verstehen. Der Laacher-See-Vulkan bleibt damit ein geologisch aktives System im Ruhezustand, dessen Entwicklung weiterhin überwacht wird.

Erdbebenforschung: Fernwirkung von Erdbeben nachgewiesen

Erdbeben lösen Erdbeben aus: Fernwirkung starker Beben kann lokale Spannungen und Erschütterungen in Deutschland verursachen

Eine aktuelle wissenschaftliche Studie aus Deutschland untersucht, wie entfernte, starke Erdbeben lokale Spannungsänderungen und damit verbundene Erdbeben in der Niederrheinischen Bucht (NRE) auslösen können. Dieses Phänomen, bei dem seismische Wellen großer Erdbeben selbst weit entfernte Verwerfungen kurzfristig aktivieren, wird als „dynamische Fernauslösung“ bezeichnet.

Die Studie analysierte 23 bedeutende Erdbeben weltweit, deren seismische Wellen im Raum Weisweiler (NRW) messbare Bodenbewegungen verursachten. Die Magnituden dieser Beben reichten von 5,4 bis 9,1, die Entfernungen vom Epizentrum lagen zwischen 50 und über 12.000 Kilometern. Dabei konnten kurzfristige Spannungsänderungen von bis zu 26 Kilopascal festgestellt werden – ausreichend, um empfindliche Verwerfungen in Bewegung zu bringen.

Besonders deutlich zeigte sich die Wirkung bei vier starken Erdbeben: dem Roermond-Beben 1992 in den Niederlanden, dem Alaska-Beben 2021, dem Kahramanmaraş-Beben 2023 in der Türkei und dem Kamtschatka-Beben 2025 in Russland. Nach diesen Ereignissen stieg die Erdbebenaktivität in der Niederrheinischen Bucht signifikant an. So löste das Roermond-Beben zahlreiche Nachbeben im Umfeld der Verwerfungen Feldbiss und Sandgewand aus.

Interessanterweise zeigte nicht jedes große Erdbeben eine solche Wirkung: In 19 von 23 Fällen blieben messbare Veränderungen aus. Dies verdeutlicht, wie komplex die Auslösebedingungen sind und dass die lokale Anfälligkeit von Faktoren wie der Ausrichtung der Verwerfung, dem Spannungszustand und den geologischen Gegebenheiten abhängt.

Die Forscher betonen, dass keine einfache Spannungsschwelle für die Auslösung existiert, sondern vielmehr eine Kombination aus linearen und nichtlinearen Prozessen verantwortlich ist. Dennoch können bereits dynamische Spannungsspitzen ab etwa 1,4 Kilopascal Erdbeben auslösen.

Die Erkenntnisse sind insbesondere für industrielle Betriebe in der Region wichtig, um das seismische Risiko besser einzuschätzen und potenzielle Schäden durch plötzliche Verwerfungsbewegungen zu minimieren.

Aktuelle Beobachtungen zur Erdbebenfernwirkung

Laacher-See-Vulkan. © EMSC

Tatsächlich lassen sich solche Fernwirkungen von Erdbeben auch im aktuellen Tagesgeschehen beobachten: Kurz nach Veröffentlichung der Studie ereignete sich am Laacher-See-Vulkan, der Unweit des Studiengebiets liegt, ein bislang einmaliger Erdbebenschwarm am Westufer nahe des Klosters Maria Laach. Dieses Ereignis sorgte für mediale Aufregung, da befürchtet wurde, es könnte ein Anzeichen für eine bevorstehende Eruption sein. Unbeachtet blieb jedoch, dass rund 2 Stunden und 40 Minuten vor dem Erdbebenschwarm ein starkes Erdbeben der Magnitude 7,4 bei den Philippinen stattfand. Die Erdbebenwellen hatten somit ausreichend Zeit, Deutschland zu erreichen und möglicherweise das Schwarmbeben am Laacher-See-Vulkan auszulösen, wo es aber bestimmt vor dem Ereignis schon Spannungen infolge von Fluidaufstieg gegeben hat.

Zwar stellt die zeitliche Korrelation keinen wissenschaftlichen Beweis für einen direkten Zusammenhang dar, doch kann dieser auch nicht ausgeschlossen werden. Während ich diese Zeilen schreibe, beobachten wir eine vergleichsweise hohe seismische Aktivität in Deutschland und den angrenzenden Ländern, unter anderem in der französischen Vulkanregion der Auvergne. Vorausgegangen waren zwei starke Erdbeben in Japan mit den Magnituden 7,4 und 6,7, die innerhalb von drei Tagen stattfanden. Das sind gute Gründe, die Studie erneut in Erinnerung zu rufen, auch wenn ich bereits im September darüber berichtet habe.

Quellenangabe Studie: Heinicke, J., Wassermann, J., Weber, M., & Fäh, D. (2023). Using remote-dynamic earthquake triggering as a stress meter: Identifying potentially susceptible faults in the Lower Rhine Embayment near Weisweiler, Germany. Geophysical Journal International, 244(1), 292–312. doi.org/10.1093/gji/ggaf412, Lizenz der CC

Vulkaneifel: Weitere Ergebnisse der Large-N-Messkampagne

Schalkenmehrener Maar und der Westeifel. © Marc Szeglat

Eifelvulkane unter der Lupe: Neue Messungen bringen überraschende Einblicke

Die Eifel zählt zu den faszinierendsten Vulkanregionen Europas, doch was macht dieses Vulkanfeld so besonders? Und was verraten die neuesten Forschungen über das Risiko künftiger Ausbrüche? Eine großangelegte wissenschaftliche Messkampagne bringt erstmals hochauflösende Einblicke in das magmatische System unter der Eifel und liefert wichtige Grundlagen für die Gefahrenbewertung. Das GFZ Potsdam veröffentlichte nun weitere Erkenntnisse aus der Kampagne, die sich in einem frühen Auswertungsstadium befindet. Das magmatische System unter der Eifel ist aktiver als bislang gedacht.

Das besondere Phänomen verteilter Vulkanfelder

Die Eifel gehört zu den sogenannten „verteilten Vulkanfeldern“, einer Vulkanform, die sich über große Flächen mit vielen einzelnen Vulkanen oder Maaren erstreckt. Die meisten Vulkane sind monogenetisch und brechen nur einmal aus, bevor die Aktivität an anderer Stelle neu beginnt. Neben der Eifel finden sich solche Felder beispielsweise im französischen Massif Central, in Neuseeland und sogar in China, wo das – mir bis dato unbekannte – Wudalianchi-Vulkanfeld liegt. Diese Vulkanfelder sind geologisch besonders komplex und Ausbrüche schwer vorherzusagen.

Das Large-N-Experiment: mehr als 500 Messstationen und ein kilometerlanges Glasfaserkabel

Messstrecke

Um das Innere der Eifelvulkane besser zu verstehen, unternahmen Forscher des GFZ Helmholtz-Zentrums für Geoforschung und Partnerinstitutionen von September 2022 bis August 2023 eine der größten seismologischen Kampagnen Deutschlands. Die „Large-N“-Messkampagne setzte auf über 500 seismische Messstationen – eine bislang nie dagewesene Dichte eines seismischen Netzwerkes in Deutschland. Ergänzt wurde das Experiment durch eine innovative Technologie: ein 64 Kilometer langes Glasfaserkabel, das bereits zur Telekommunikation verlegt, aber bislang nicht genutzt wurde, diente während des Experiments als akustischer Sensor.

Dieses Verfahren, bekannt als Distributed Acoustic Sensing (DAS), nutzt Lichtpulse, die in das Glasfaserkabel geschickt werden. Kleinste Bewegungen und Spannungen im Untergrund verändern die Eigenschaften des Lichtsignals, das reflektiert und ausgewertet wird. So entsteht entlang der Glasfaser eine dichte „Sensorlinie“ mit tausenden Messpunkten. Das erlaubt es, selbst Mikrobeben und winzige Veränderungen im Untergrund hochauflösend zu erfassen – kostengünstig und ohne aufwendige Stationen vor Ort.

Die Daten offenbaren erstmals – wie bereits berichtet – die genaue Lage und Ausrichtung des Magmareservoirs, das vor etwa 12.900 Jahren den gewaltigen Ausbruch des Laacher Sees auslöste. Überraschend liegt dieses Reservoir bis zu zehn Kilometer tief und verläuft schräg in Richtung Neuwieder Becken, einem Bereich mit hoher Mikroerdbebentätigkeit.

Insgesamt konnten über tausend Mikrobeben lokalisiert werden, vor allem entlang einer schmalen, vertikalen Zone zwischen Ochtendung und Laacher See. Zudem deuten starke seismische Reflexionen in der Erdkruste auf Ansammlungen von Fluiden hin, die möglicherweise magmatischer Natur sind. Dies gibt neue Hinweise auf aktive Prozesse tief im Erdinneren.

Weitere Erkenntnisse und Bedeutung für die Gefahrenbewertung

Neben den bereits bekannten Ergebnissen zeigt die neue Analyse auch ungewöhnliche Cluster von Erdbeben an den Rändern der magmatischen Anomalien, was auf variable Temperatur- und Spannungsverhältnisse hindeutet. Die Kombination aus Mikrobebenaktivität und Fluidsignaturen lässt vermuten, dass das magmatische System in der Eifel dynamischer ist als bislang gedacht.

Ob die Vulkane der Eifel in den kommenden Jahrzehnten ausbrechen könnten, bleibt schwer zu prognostizieren. Die aktuell vorliegenden Daten sprechen dafür, dass das System noch aktiv ist, aber ein unmittelbar bevorstehender Ausbruch ist nicht gesichert. Die hohe Dichte an Mikrobeben und die Fluidsignale könnten jedoch darauf hindeuten, dass magmatische Prozesse schneller ablaufen können als bisher angenommen.

Fazit

Die Eifel zeigt sich als komplexes, lebendiges Vulkanfeld, das durch innovative Messmethoden nun besser verstanden wird als je zuvor. Die Large-N-Messkampagne und das Glasfaserkabel eröffnen neue Wege, vulkanische Gefahren präziser zu erkennen und langfristig besser abzuschätzen. Für die Region bedeutet das eine wichtige Grundlage, um Risiken frühzeitig zu erkennen und Schutzmaßnahmen zu optimieren.

Quellenangabe: Dahm, T., Isken, M., Milkereit, C., Sens-Schönfelder, C., et al. (2025). A seismological large-N multisensor experiment to study the magma transfer of intracontinental volcanic fields: The example of the Eifel, Germany. Seismica, 4(2). https://doi.org/10.26443/seismica.v4i2.1492, Lizenz der CC, Pressemeldung GFZ-Potsdam